Einzelbild herunterladen

tret treu tn Me ötd^erlXnt Des /swgere rode toerben durch die 6crrfationd(uft getDi'fendlofcr Berichterstatter irre gemacht, die <nte jeher kleinen Panne einenAbsturz" mock-en, und schließlich ttrtift tnofrl in vielen noch der Krieg mit seinen ungeheuren Verlusten an Fliegern und Flug­zeugen nach. Die letztere Erwägung kann aber vollkommen au suchet den; damals lebten wir im Kriege, und die Ursachen der Verluste la;en nicht im Fliegen, sondern in der Hauptsache in den Waffen der Gegner und in der damals noch un­vollkommeneren Konstruktion. Die möglichen und I auch wohl vorkommenden Anfälle sind aber te - I neSsalls häufiger als beim Auto- und Motor­radsport And bei der Eisenbahn kommen trotz der gewaltigen Fortschritte der Technik immer noch recht häufig Anfälle und Zusammenstöße vor. DoS Fliegen ist also keinesfalls gefährlicher als Auto-, Motorrad- und Eisenbahnfahrten.

Wir stehen vom nächsten Jahre ab vor einem ganz großzügigen Ausbau des Luft- verkehr s Deutschland nimmt in bezug aus die Sicherheit feiner Flugzeuge, Güte seiner Mo­toren und Ausbildung seiner Flieger ten ersten Platz in der Fliegerei ein.

Wir müssen uns auch hier in Diesten afl- mählich darauf vorbereiten, alte Vorbedingungen zu schaffen, daß wir bei dem Ausbau des Luftverke hrS auch ein Wort mitzureden haben, daß wir den Anschlust nicht ver­säumen. Wir liegen geographisch out dem Schnittpunkt der HauptverkehrSlinien von Vör­den nach Süden und von Osten nach Westen, an einer so günstigen Stelle, dast wir uns den Rang von anderen Städten nicht ablaufen lassen dürfen

Dast das Interesse für den Flugverkehr vor­handen ist, daS zeigte die große Ve'ucherzahl de m Fluglag am 23. Oktober und die große Zahl derer, die sich zu Passagierflügen meldeten. Möge auch jetzt, wo eS gilt, die praktischen Folgerung n aus diesem ersten Versuch zu ziehen, die tätige Mitarbeit aller Kreise nicht teylen.

Acis und Galatea.

Pastoral für Soli, Chor und Orchester von G. F. Händel.

Heber dieses Konzert-Prvgrarnm des Gesang­vereins Sängerkranz für kommenden Donnerstag in der Qluto der Universität wird ums ge­schrieben:

3m Gegensatz zu der stolzen Reihe biblischer Oratorien (Kit Händel einige weltliche Oratorien mit mythologisch-pastoralem Inhalt geschaffen. AciS und Galatea gehört zu den letzteren und ist in seinem ersten Teil ganz auf den idyllisch, sonnig- heiteren Ton gestimmt.

Schon die Einleitung und mehr noch der daraus folgende ChorO du schöne Frühlings­zeit" gibt ein Bild des Lachens und Tanzens, der Entzückt hei t und Schelmerei, wie es mit dem Be­griff arkadischen Schäferlebens untrennbar ver­bunden ist.

Die Arie der Galatea ..Fort du süherSänger­chor" mit Flötengezwitscher und das in Form und Ausdruck gleich originelle, köstlich instru­mentierteIch bin wie die Taube' sind Perlen unter Händels Anmut und Zartheit vereinenden Liebesgesängen.

Auch die beiden Tenor-Arien des Acis illu­strieren reizend die zarte Ratur des liebes bangen Schäfers und sind typische Beispiele für Händels Ausdrucksfähigkeit in Melodie und Linienführung. Im LiebesduettO glückselig" schildern beide, vereint mit dem Chor, die Seligkeit und Be­glücktheit ihrer Li be.

Der zweite Teil beginnt mit scharfen Disso­nanzen im Chor:Ach ihr Armen", denn schon erscheint m der Ferne der dem Acis aus Eifer­sucht nachstell ende Zyklop Polyphem. Sein Rahen wird durch Chor und Orchester in ebenso groß­artiger ipic packend gesteigerter Schilderung angezeigt.

Mit seiner ArieO rosig wie die Pfir'sche" macht er Galatea eine Liebeserklärung. Die Ab­weisung derselben seht den Riesen in höchste Wut. Acis. der sich dem Polyphem zum Kampf stellt, wird von ihm an einen Felsblock zer­schmettert Der Tod des Acis wird vom Chor mit dem stimmungsvollenWeint all ihr Musen" betrauert.

Während Galatea unter Begleitung einer Solo-Oboe den Gebauten an den geliebten Freund nachhängt, macht der Chor ihr den Vorschlag, Traft ihrer göttlichen Macht Acis tn einen Silber­quell zu verwandeln. Orchester- und Chor illu-

Tfritrm diesen ^Vorgang m wunvervaver Weise. Rach der letzten rührenden Arie der Galarea: .Herz, der Liebe süster Born" klingt das Werk mit dem lieblichen ChorGalatea, stille den Schmerz" in stimmungsvoller Weise aus. Stofs, musikalische Formgebung. Kolorit und St mmungs reicht um dieses Pastorales machen es zu einer der anziehendsten Gaben der Hände Ischen Muse und lassen es bedauern, dast es das einzige seiner Art geblieben ist. K.

Aus der Provinz.

Landkreis Gießen.

i. Rieder-Dessingen, 22. Rvv. Heute fand hier bei Gastwirt Loh eine Versamm­lung der Vertreter der an der Eisenbahn­strecke Lich-Grünberg liegenden Ge­meinden statt, tne Lehrer Jakob von Ober- Bessingen einberufen hatte, um Miststände beim Bahnbetrieb zu besprechen und die Wünsche der interessierten Gemeinden zum Ausdruck zu brin­gen. Cs waren die Gemeindeveriretungen von Lich, Rieder-Bessingen, Ober-Bessingen. Münster, Ettingshausen. Harbach und Queckborn erschie­nen Dazu hatte sich der derzeitige Leiter der Balm Verwaltung in Butzbach eingebunden. Der Gin beruf er eröffnete die Tagung und verlas ein Entschuldigungsschreiben der Bürgermeisterei Grünberg, die nicht vertreten sein konnte, aber ihr Interesse an der Dahnangelegenheit bekundete. Dann trug Lehrer Jakob die Wünsche vor, die die Gemeinden haben, und regte Beseitigung einiger Miststände an. Rachdem Bürgermeister Steuernagel- Rieder-Bessingen die Leitung übernommen halte, kam es zu einer lebhaften Aussprache, an der sich Bürgermeister Völker- Lich. Pfarrer Ries- Ettinqsbrnusen. der Der- Walter der Eisenbahn. Assessor Bocher von der Landwirtschaftsschule in Grünberg, der Gin­beruf er u. a. beteiligten. Es wurde allseitig an­erkannt. dast unter der Amtsführung des neuen Bahnverwalters der Bahnbetrieb schon wesent­liche Fortschritte in der Beseitigung von Aebrl- ständen gemacht habe. Besonders dankbar wurde die Erklärung der Bahnverwaltung entgegen­genommen, dast weiterhin möglichst allen Wün­schen Rechnung getragen werden soll. Es wurde die Einbeziehung von Queckbvrn in den Abend­verkehr gewünscht, und die Mitteilung der Bahn- Verwaltung begrüßt, dast sie die hrung des Abendzugs bis Grünberg ins Auge fasse, der dann von dort aus als Frühzug am anderen Tage laufen solle. Dringend wünschte man die Einlegung von Svnntagszü- gen. Den Vertretern der Gemeinden in der Gene­ralversammlung und im Aufsichtsrat der Butz­bach-Licher Cisenbahngesellschaft wurde aufgetra­gen, dafür einzutreten, dast der Fahrplan der Vorkriegszeit möglichst bald wieder eingeführt werde. Erst dadurch könnten alle Wünsche der Gemeinden in Erfüllung gehen. Zu gleicher Zeit gab man aber auch den Vertretern der Gemeinden anheim, dafür zu wirken, dast die Ortsbürger der an der Strecke liegenden Ge­meinden ihr reges Interesse an der Dahn auch in einer regen Den uhung der Dahn be­zeugten. So kann auch diese Versammlung, die anfangs unter auf Sturm deutenden Vorzeichen stand, aber sehr sachlich verlief, als ein weiterer Schritt zur Erfüllung unserer Ei'enbahnwünsche gelten. Das nächste Wort redet jetzt die General­versammlung, und das letzte Wort hat die Be­triebs führerin, die Firma Lenz in Berlin, von der wir hoffen, dast sie den berechtigten Wünschen, die sich außerdem auch an die Konzessionsurkunde halten, Rechnung tragen wird.

Kreis Friedberg.

vw. Butzbach, 22. Rov. Unter der Lei­tung des seitherigen Bürgermeisters Köhler fand gestern in Llnwesenheit sämtlicher Stadtver­ordneten die eigentlich erste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung statt. Stadtv. Sauerbier hatte beantragt, die Wa hl der Beigeordneten sofort vvrzunehmen, während man von anderer Seite die Wahl nach Ernennung des n -ucn Stadt: b rHauptes dorge­nommen w sken wollte Es wurde b.schlossen, durch Bürgermeister K ö hier Erkundigung beim KreiSemrt einziehen zu lassen, ob nach oder vor der Bürgerin iüerwahl die Beigevrdnetenwnhl Dorgenommen wer.en müsse und darnach zu ver­fahren. Die Kosten für die Repa ratur der Motorenbatterie, die sich auf etwa 5020 Mark belaufen, wurden genehm gt. Die Sprtzen-

tanrnoatei der ernennen Parrmen. GJtxm. Hen, Dr Schmidt, Wittich. Stroh, Zink, Jahn) wurden zu Vorsitzenden der Kommissionen bestimmt, welche fte vertreten sollen. Der Finanz- aus'chuh wurde ermächtigt, nur dte Stundung der Steuern und Gebühren zu gewähren. DaS Gesuch der OrtSfürsorgeftclle um Bewilligung von Kartoffeln und Kohlen wurde genehmigt unb bestimmt, daß daS Wohlfahrtsamt die Verteilung vornehmen solle. TaS Gesuch der Butzbach- Sicher Eisen­bahn um Genehmigung der H o lza bga be usw wurde abgelehnt, um daS Werkholz für die Gewer bet reiben den nicht zu schmälern. Das Ge­such Heil und Gen betreffs Stundung der Sonder st euer wurde gut geheißen Der Ehrens old für Kriegerwitwen wurde von 15 auf 20 Mk. erhöht, für Kinder der bett. Witwen sollen je 5 Mk gespendet werden. Auch hier hat die Vorbereitung zu den Wahlen zum Land- und Reichs ta g begonnen In einer Wahlversammlung der Sozialdemo­kraten sprach Dr. David, während Pfarrer Korell om 20. Rovember in der Versammlung der Dem okraten die Wahlrede hielt. In der Mitgliederversammlung der Deutschen Volkspartei referierte gestern Frl. Birn­baum- Gießen über die Dortmunder Tagung, während Abg Dinge ldey nächsten Donners­tag in einer Wa^veriammlung sprechen wird.

Kreis Büdingen.

--- Ridda. 22. Rvv. Unsere Straßen­beleuchtung war schon seit Jahren mangel­haft und unzulänglich Die Inflationszeit gestattete es der Gemeinde nicht, in dieser Hin­sicht Wandel zu schassen. Jetzt hat man sich ent­schlossen. unserem Stadtbild in der Abend- und Rachtzei't ein helleres und freundliche - res Aussehen zu geben. Die Zahl der Drenn- stellen soll vermehrt und an wichtigen Straßen lreuzungen U>.berspannungen ml weithin l uch.ei- den Lampen angelegt werden. Das Land­wirtschaftsamt Büdingen hält in diesem Winter da hier einen Abendkursus ab, der sich auf eine Woche erstrecken soll, um interessier­ten Landwirten Gelegenheit zu geben, sich über alle Fragen der Dodendüngung informieren zu Dirnen.

*Dleichenbach,22 Rov. Rach Zuteilung der hn Feldbereinigungsverfahren geregelten Grundstücke wurde der Rormalmorgen Ackerland für 150300 RN. verpachtet. In Redenbach wurde nach Durchführung der Feldbereinigung der Rormalmorgen Masseland für durchschnittlich 1800 Mk. verkauft.

Kreis Schotten.

Ulfa, 22. Rov. Die Umwandlung unserer Postagentur in eine Post Hilfs­stelle macht sich weniger unangenehm bemerk­bar. als man anfänglich befürchtete. Der täglich zum Bahnhof Ober-Schmitten fahrende Mtlch - f uh rmann ist vertraglich verpflichtet, die auf dec dortigen Postagentur lagernden Pakete hierher- zubringen und die hrer aufgegebenen zur Weiter­beförderung mitzunehmen. Rur dte Brrespost- bcslellung verzögert sch um mehrere (Stunden, da die Bestellung der anderen, zur Pvstagentur gehörigen Orte vorausgeht.

Kreis Alsfeld.

- Alsfeld, 22. Rov. Wie dieOberh. Ztg." berichtet, machen sich Gänfediebe in letzter Zeit in der Umgegend sehr unangenehm bemerkbar. So wurden einem Landwirt tn Heidelbach 7 Gänfe gestohlen, nachdem die Diebe das feste Gitter des Fensters am Gänfe- stall erbrochen hatten. Die Tiere wurden an Ort und Stelle abgefchlachtet und wie Feder- und Blutfpuren bekundeten nach Holzburg zu fortgefchafft. In Hattendorf liehen Gänfediebe sogar 20 dieser begehrten Braten mit gehen und verluden sie auf einem im Dotzelröder Wäldchen wartenden Wagen. Auch das kleine Fischbach hatte Besuch von diesen Dieben, die dort einem Landwirt 7 Gänse und einem anderen Geflügelbesitzer 7 Hühner stahlen. Hier führte die Spur nach Merzhausen zu. Man wird wohl behaupten können, daß für die gestohlenen Tiere die Parole galt:Ab nach Kassel!"

Ermenrod, 22. Rov. Auf Anregung von Pfarrer Georgi wurde in unserem Kirch­spiel auch in knesem Jahre wieder eine Haus-

sammrung für bae öltfabetbcnRtft in Darmstadt veranstaltet. Kartoffeln, Kohl­raben, gelbe Rüben, Wirsing und andere Liebes­gaben wurden gesammelt. Die Sammlung wurde auch in den Rachbardörfern Groß-Felda, Kestrich, Windhausen vollzogen und von hier auS in einem Waggon nach Darmstadt versandt. Pfarrer und Lehrer stellten sich gern tn den Dienst der guten Dache

Starkenburg und Rheinheffen.

A Darmstadt. 23. Rov. Wie wir bäten, beabsichtigt das Mutterhaus der Bin - zentinerinnen in Köln-ReppeS die ehe­mals Lossensche Klinik in Darmstadt zu kochten und in den Räumen eine Klinik mit ortbohäbllcher Station und Krüppelheim einzu- richten Das Gebäude befindet sich s Z in Pacht des hessischen Staates und mirh von der Polizei benub*. Danrit würde die allseits bekannte ehemals Lossensche Klinik wieder ihrem ursprüng­lichen Zwecke als Krankenhaus zugeführt.

Hessen-Nassau.

dH Bieber. 23. Rov Zur Ehrung ihrer gefallenen Kameraden und Brüder vereinigten fich beute bei Krieger- verein Bieber mit der ®cfblg1d)ofl des Iungdeutschen OrdenS von Rodheim (Bieber). Mil umflorten Fahnen zogen die beiden Korporationen im geschlossenen Zuge zum Fried- Hos in Bieber, wo sich eine große Anzahl Ein­wohner von Bieber und Rodheim eingefunden hatte. Mit kurzen Worten legten der Vorsitzende deS KriegervereinS und der Gefolgsmeister de« Iungdeutschen Ordens je einen Kranz am Ehren­denkmal für die Gefallenen nieder. Hierauf hielt Hauptlehver Göll. B.eber. eine kurze Gedächt­nisrede. In kernigen, echt deutschen Worten gedachte der Redner der vielen Gefallenen, deren Gräber in Süd, Oft unb West zerstreut liegen. Ob sich dort beute jemand um ihre Gräber be­kümmert? Aber wir, für die sie ihr junges Leben dahingegeben haben, für unS ist es eine heitige Pflicht, ihrer tn Treue zu gedenken Mit dem gemeinsamen Liede ..Ich batt1 einen Kame­raden," wurde die kurze, aber eindrucksvolle Feier geschlossen. Heute, aus '-echnet am Toten- fonntofl," wurde vonteilen der sozial­demokratischen Partei in Rodheim (Bie­ber) der Wahl kamps begonnen.

S. Frankfurt a M., 22. Rov. Zum Wiederaufbau der alten Drücke bat der Brückenbauverein von der Regierung die Genehmigung zu einer großen Lotterie er­hallen. deren Reinertrag dem Brückenbaufonds zufließt. Der erste Preis ist eine Sieden- zimmervilla, die nächsten Preise Ein­familienhäuser. Da die Lose nur eine Mark kosten, wird mit einer außerordentlichen Beteili­gung gerechnet. Die Weihnachtsgaben für bedürftige Kinder sollen nach einer Anregung des Bürgermeisters Gräf durch K In­der Patenschaften nach dem Muster Ameri­kas verteilt werden Der Frankfurter Rundfunksender wird eine Funkhoch- schule einrichten, die auf drahtlosem Wege ohne besondere Kesten bk Weiterbildung der Höver übernimmt. Eine Reihe von Dozenten der Frank­furter Universität wird regelmäßig durch den Sender Vorlesungen halten. Die Funkhochschute wird am 14. Dezember hr Anwesenheit be8 Staatssekretärs Dr. Bredow eröffnet.

Bebra, 22. Rov. (Ttt.) Die Reichsbahn­direktion Frankfurt a. M. läßt jetzt sämtliche Eifenbahnbrücken an der Strecke nach Frankfurt v c r st ä r k e n. Die Drücken haben durch das Befahren mit den neuen schweren Schnellzugslokomotiven gelitten, wes­halb jetzt auch wieder die leichteren eingestellt worden sind und die Züge meist von zwei Maschi­nen gezogen werden.

Wirtschaft.

Abnahme der GeschäftSaufsich- tenimOktober. Rach den fori lau enden Fest­stellungen des Zentralverbandes des Deutschen Großhandels ist die Zahl der seit Mai ds. Is. unter Ge chäftsaussicht g stelltm Leut «Her Fi men bis zum 1. Rovember auf insgesamt 3554 (g gM über 3389 am 1. Oktober) gestiegen. Das bedeutet eine Zunahme von 265 int Monat Oktober im Reichsanzeig r" bekannt gemachter Ge chäftscmf- sichten (gegenüber 301 im September) Bis 1. Ro­vember sind insgesamt 1812 (bis 1. Oktober 1394)

(Bin Zucken hob ihre Schultern. Sie lehnte sich in die Wagcnecte und sagte in scheinba cm Gleichmut:Streiten wir nicht. Du hast cs immer verstanden, mit schöner Geste übe: alle Bedenken fortzugleiten auch über die Moral."

Dies Wort fing er auf und wurde boshaft. Streiten wir nicht." wiederholte er. -Lere^wvl.- ten du und ich über die Grenzen der Moral disputieren, es konnte doch nur eine lustige Sa­tire werden!"

Sie konnte der Blutwelle nicht wehren die ihr Gesicht überflutete. Sie fühlte ihr Herz schmerzen, es nxir wie ein krampfig-s 3ul<mrrei- ziehen im Verl>dern einer Leidenschaft. Es la^ gewöhnlich ein H uber Stolz auf xb'.em Ge schi- Jetzt trat etwas Hochfahrendes m ihre Rirene und um den Mund ein mißglückter Zug von

Verachtung.

Er lächelte und änderte den Ton.xrcrc, sagte er.du sprachst von dem Iustizmrnriter. Was willst du bei diesem hohen Beamten.

Gi prüf) meine Wahl zur Domina von Wese bürg betätigen, anttooretc sie.

®ert lüftete feinen Hut.Gehorsamste Gra­tulation Al o du wirst Aebtissin. Rech: so. Du bist die geeignetste. Hast ja auch schon fest zwei Jahren die Verwaltung des Ssisls so gut wie allein geleitet keine Kleinigkeit bei der um- fan greifen Herrschaft. Aber was sagen die alte­ren, die an der Reihe sind?"

$ic sind froh, daß sie die Last der Verant­wortung nicht zu i bernehmen brauchen. Hellfroh"

Gert nickte verstehend. Ale ne von Meyding, die Spielgefährtin, die erste Liebe, die schöne Kusine unbeschränkte Gebieterin Über eine der reichsten Stiftsherrschaften. über ein llei'es Für­stentum! Ganz gewiß, ihr Orgam atiors al.m, i .r Praktischer Sinn, ihe fast mawllrche Energie be­rechtigten sie zu der Stellung. Und alle Wetter, sie wußte auch anders zu r p atentreren als de alten Tanten auf der WeteVurg! Wie alt war sie? Vielleicht fünfundzwanzig und stand in blühendster Schönheit . .

Der Wagen hielt.

Allgebietende Domina," sagte Gert,ich lege mich dir zu Frühen. Du bist mm souverän. Du

trägst eine unsichtbare Königskrone Ist's nicht ein Glück, daß wir nicht die Dummheit begangen haben, uns zu heiraten? Als Ga tin wärst du mir Weibchen. Als Aebttssin der Wesenburg bist- du Herrin einer kleinen Well."

Er stich die Wagentür auf und drückte ihre Hand.Wohin soll der Kutscher dich fahren?" fragte er.

Zu Gerson." antwortete sie mit müder Stimme und rührte sich nicht in ihrer Ecke.

Gert Hora betrat das Haus. Ein älteres Miet haus, v er jährig neu cbg Putzt, als der Ge­heime Kommerzienrat Geisbach es gekauft hatte. Heb Trail in den Großstädter und in der Provi z besaß er eigene Häuser, weil er das Hotelleben haßte. Mit Portiers und Kellnern lebte er in ewigem Zank Die übliche Zimmerelog mz in den moberren Karawansereien war ihn ein Greuel. Ta mußte er Rücksichten nehmen, und er ftreute ost die A che fairer Zigar e auf den Tepvich unb marschierte mit straßenschmutzigen St.efcln auf dem kostbarsten Smyrna auf unb ab Er konnte auch das Hotelesten nicht vertragen, er liebte eine derbere Kost, außerdem gab es lein ©aft!;audte t, unter besten seidenen Plu.reaus er hätte schlafen können, die bei jeder Bewegung zu Boden rutschten.

In seinen Häusern, gleich, ob es Paläste waren oder kleine Mietbudiken. behielt er immer die höchste Etage für sich. Da störte ihn fein Teckenlärm. Irg ndein älteres Ehe aor aus sei­nen Betrieben hatte die Wirtschaft zu führen. Oft taufte er von dem Vermieter auch gleich das Gesamtm.biliar der Woh ung Das war ihn am bequemsten, älnb es kümmerte ihr richt viel, ob er kunstgewerbliche Schönheiten übernahm oder ein kleinbürgerliches Heim wie her in der Krau­sen stvahe.

Es war die Wohnung eines pensionierten Rechnungsrats gewesen, mit einer Herrlichkeit, per sogenannten Cu en Stuie. Da saßen nun drei Herren: der Vater Gerts der Obe hoftnarschall Graf Hora, ein wenig zusammengeu..ken auf dem braunen Rips osa mit Een gehäkelten Schuhdecken, der alte Geisbach, gestrafft und muskelgeschio ren auf einem Rohrsttchl. und zwischen beiden der

lange, hagere Iustizrat Mildner mit seinem gleich­sam immer bißbereiten Fuchsgesicht.

Man wartete auf Gersi.

Wo bleibt der Dengel?" sagte Geisbach, ohne seine lange schwarze silpman aus dem Munde zu nehmen.Ich habe noch zwei Konferenzen vor mir und eine Aufsichtsnttssitzung, ich muß meine Zeit wahrnehmen. Möchte auch gern einmal zum Professor Fürbringer, der soll ja eine Leuchte der Wissenschaft sein und ein berühmter Diagno­stiker. vielleicht begeitet er mich nach Schwichelde unb sieht sich die Theda an.

Ist denn noch gar keine Besserung in ihrem Befinden zu verzeichnen?" fragte der Iustizrat mit einer die Vokale heraushebenden Rednerstimme.

Ach ja, ich behaupte doch, lieber Mildner. Aber es geht lang'am. verflucht langam. Manch­mal möchte mai geradezu rerzweifeln. dann k m- men wieder Tage der Hoffnung fo wie jetzt. Tas kleine Ge ichtel ist runder geworden, es tritt Farbe in die Backen, die Augen blicken heiter in die Well. Hoffentlich hält s an die Aerzte wissen ja auch nicht Bescheid, die Aerzte sind Esel."

Versuch s doch mal mit dem Stähle in Gos­lar,"" riet Graf HoraDas ist so ein neuer Wunder mann. Pstzchoa-^llytiker nennt er sich oder ähnlich, dem sagt man die unglaublichsten Kuren nach. Da ist die Baronin Kempten, die Frau von meinem Gutsnachbar. von dein dicken Kemp- len auf Ronnendrehnichen, die war ganz zu am- mengeklappert und konnte überhaupt nicht mehr gehen, und die hat der Stähle in acht Wochen so auf gemöbelt, daß sie schon wieder Tennis spteit. Es klingelt, das wird der Gerhart fein . . *

Er war cs und trat mit fröhlichem Gruß in das Zimmer, küßte d m Vater flüchtig die Stirn, reichte dem Onkel Geisbach die Hand und winkte dem Iustizrat zu.

Vier Treppen," sagte er,und für Treppen. Hühnersttegen . . ." Er sch ^te sich um . . .Reizend Ein Milieu für Chodowieli

Darm verneigte er sich vor feinem Vater ... Alter Herr, eine Freudenbot'chrft, eine Beförde­rung Es stecht fest: ich komme als zweiter Sekre­tär nach Peking."

Man gratulierte ihm.Gut so," knurrte der Kommerzienrat,paßt auch in unsre Pläne . .

Der alte Graj schmunzel e. Es war immerhin eine Auszeichnung, wie sie bei den ju gen Leuten im Amt nicht bäurig vorkam. ES toi doch innere Tüchtigkeit in beim leichtsinnigen Schllngel.

Man machte für Gerhart Platz an dem run­den Tische, über dem die Hängelampe brannte. Die drei Herren hatten sich erho en. Der Gegen­satz zwischen Hora und feinem Schwippschwager Geisbach trat nun noch schärfer hervor Es war gewissermaßen der Gegensatz zwisst en 11 rodel und Industriepatriziat. Graf An on Hora zu Hohen- donzberg, auS einem alten jülich'gelber fchen Ge­schlechte. war im Hosdirnst grau geworden. Es war das im Grunde genommen nicht ganz faß­lich bei einem Manne von dem ve sie inerten Kul- turtoert unb doch auch dem Bildn.rgsgang des Grafen. Aber es war so. Dir höfische silmwell hatte immer einen eigenen Reiz für ihn: es gehörte dazu eine Vorbedingung an Takt und Lebensart, bi? man als gegeben be rächten mußte, die sich kaum erlernen ließ. Es tont die Vollen­dung deS Aeußeren. eine Zurückdrängung alles Lauten zugunsten eines fein erdachten Schein­spiels mit der Wirklichkeit. Hora hatte in dieser Atmosphäre sich glücklich gefühlt Dvch nun war er siebzig geworden, und der Parketid enst strengte ihn an. Da zog er sich denn auf feine hübsche fleine Herrschaft Groß-Ponar am nördlichen Harz- ranbe zurück, ichrieb seine Erinnerungen nieder unb nebenbei ein Kochbuch für Feinschmecker ober besser eine Gasttosophie und eine Arsthetik bes Essens.

Man sah ihm noch heute den alten Höfling an. Aus dem steifen Hals kragen hob sich ein schmaler Kopf mit bläulichem Geäder an den Schläfen unb einem Ge icht mit etwas ermüde en, bvch ungemein regelmäßigen Zügen und mit Far­bentönen von feinet Wirkung Cs konnte auch das Gesicht eines greiten Drpllmtten sein, der in den Schauangrilten und den A w hrb.'wegun- gen der ganzen hohlen Strategie des poli ischen Lebens zum lächeln en Philosophen getoorcei ist. Unb er war fast noch jugendlich gekleidet, ohne eine Spur von Gertenhaftigleit, cb>r umständ­lich vornehm in jeder Einzelheit. Er bewegte sich lang'am unb gemessen, um feine Gicht zu ver­bergen.

(Fortsetzung folgt)