dw Schule Rnb tüchtige Dehver. -llvchrerne ’Scr- sE^eSnrmschen fottten memaö mit dem beut- ’^n Unterrichte betraut werden, wenn sie auch die erforderliche facultas docendi besitzen. Für die Wirkung dieses Unterrichtes sind inne er €<btoung, die Fähigkeit dichterichrn 'Aachempfindens und auch eine philosophische Grundeinstel- lung weit wichtiger als jene facultas, die sich auf Grund philologisch historischer Kenntnisse mancher erworben hat, dem jene erwähnten, für den deutschen Unterricht wichtigeren Qualitäten fehlen. Besonders der deutsche Unterricht auf der Oberstufe der höheren Schulen erfordert eine breite und tiefe A llgemeinbilda ng uitf> dazu Begeisterung für geistige und sittliche Ideale von feiten deS Lehrers Wer diese Eigenschaften nicht besitzt, lasse die Hände davon. Unphilosophischr Köpfe und amusische Menschen bringen bieten Unter» richt um seine menschenbildende Wirkung, wenn sie auch vielleicht von germanistisch philologischer Gelehrsamkeit strotzen. Deshalb ist die richtige Auswahl der Lehrer für das pädagogische Ergebnis des deutschen Unterrichtes von der größten Bedeutung. Wo aber wirklich tüchtige Lehrer in diesem Unterrichte tätig sind, da sollten die Schulaufsichtsbeamten und die Leiter der Schuten sie frei gewähren lassen und sie nicht mit nörgelnder Kritik belästigen.
Solche Lehrer sind schon in manchen Schulen am Werke. 3e gröber ihre Zahl wird, desto mehr werden auch die Klagen verstummen, datz die deutsche Dichtung in den Schulen der Äugend für ihr ganzes Leben verleidet werde. Dann wird auch die Aeußerung, die einer der bebeutenbften Schillerkenner und Schillerinterp leten der Gegen- uxirt gemacht haben soll, dah es nämlich eigentlich zu bedauern sei, daß Schiller in die Schulen hineingekommen fei, ihre Berechtigung verlieren.
landen wird zreivewutzt von allen unseren Rach- barn fortgesetzt. Die oberschtesische Begschule zu Tarnowih. die seit Friedrichs des Groben Zeit besteht, ist nun auch Polo irisiert. Die Tschechen haben die deutsche Forstschule zu Eger zugleich mit der Feier ihres 25jährigen Bestehens aufgelöst. Die Italiener lassen die deutsche Ror- malschule in Bozen eingehen: in Südtirol soll mir noch italienisch gesprochen werden. Die Rumänen haben die deutsche Schube in Galutz, eine aus Stiftungen errichtete Anstalt, liquidiert, d. h. geraubt.
Die Verschlechterung des russischen Schulwesens.
Der Sowjet kvmmissar für Erziehung Lunar- scharski hat den Sowjets einen offiziellen Bericht erstattet, der in der „Prawda" veröffentlicht wird und interessante Angaben enthält. Rach dem Bericht gab es vor den K .stege 62 003 Elementarschulen mit 4 2COOOO Schülcrn: diese Zahl war 1921 auf 76 000 Schulen mit 6 Millionen Schülern gestiegen. 1922 erstlgte eine bedeutende Abnahme und die letzte Zählung vom Oktober 1923 weist nur noch 49 000 Schulen mit 3 700 000 Schülern auf. Die höheren Schulen, die sich vor dem Kriege auf 1063 beliefen waren 1921 auf 3700 gestiegen: es gibt jetzt noch 2028. Bcsmdcrs schwer hat durch die Ungunst der Verhältnisse das Erziehungswesen au b e r der Schule g li len: es gab über 4000 Ki n derheime für Kinder in noch nicht schulpflichtigem Al.er und mit 213 000 Insassen. Jetzt gabt es nur noch 715 Kinderheime mit 4000 In'assen. Lurar charsli b eklagt dann weiter die traurigen Dewhält.nste an den Universitäten und wissenschaftlichen Instituten, die ungenügende Bezahlung der Professoren und die mangelnde Fürsorge für die Studenten. »Wir müssen unter alten Umständen mehr für die Erziehung tun," schließt er; „wir verwenden heute sehr viel weniger für unsere Studenten als vor dem Kriege ausgegeben wurde."
Der Kamps gegen die deutsche Schule.
Tie Bekämpfung deutschen Geistes in den ehemaligen deutschen bzw. österreichischen Grenz-
der Parteien zu den 5
jt
Der Aufmarsch
ahlen in Hessen.
(Don unserer Darmstädter Redaktion.)
Am Freitagvormittag hielten nacheinander der Landeswahlausschuh und der Kreiswahlausschuh Sitzungen im Kreisamtsgebäude in Darmstadtab. Der Landes- wahlaus schuß hat die Wahlvorschläge für die Landtagswahl und der Kreiswahlausschuh die Wahlvorschläge für die Reichstagswahl rn Hessen festzustellen. Die Verhandlungen, die den ganzen Vormittag in Anspruch nahmen, standen unter der Leitung von Ministeiäa!rat B o r n e m a n n, die Par eien hatten hierzu stimmberechtigte Vertreter entsandt.
Vor Eröffnung der Sitzung gib Generalsckre- tär Kolldach von der Deutschen Volkspartei die Anregung, die Reihenfolge lRurnme- rungs der Wahlvorichläge für die LanddagSwahl in derselben Weise vorzunehmen, wie bei der Reichstagswahl. Es sei dies der Wunsch aller Parteien, die bereit wären, die Plätze auf dem WaUzettel zu wechseln. Der Vor itzÄrde meinte, dies Jci nicht möglich, weil es im Hessischen Land- tage^Parteien gäbe, die im Reichstag nicht vertreten seien. Die Rummerung des Landtags stimm- zettels müsse, .den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend, nach der Reihenfolge der Eingänge vor genommen werden. Eine Aende ung könne nur ein Deschluh des Gesamtministerrums herbeiführen. Sie Rummerung des Reichswahlzettels st^e überdies noch nicht fest.
Rach diesen Erklärungen wurde die Sitzung eröffnet und die Mitg'ie -er wurden auf ih: Amt verpflichtet, die Wahlvorschläge zu prüfen und festzu stellen.
Die ei "gereichten Wahldorschläge totetert zahlreiche Märg l auf, die jedoch Mmeist nicht schwerwiegender Qlatur waren. So fehlten bei mehreren amtlichen Teschrärigu"gen über die Personalien der Kandidaten die Stemvel des Bürger- meisteiamtes. in einem Falle sogar bei einem Kandidaten, der selbst Bürgermeister ist. Ein Bürgermeisteramt beschränkte sich nicht auf die Feststellungen der Personalien eines Kandidaten,
Anwesenden mit gLbührender Heiterkeit auf genommen wurde. Mehrfach waren die Descherni- gungen von der Polizei, statt vom Dürgermei!ev- amt ausgestellt; dies wurde nicht weiter beanstandet. Gemäß einem Deschluse wurde die Bezeichnung Landtagsabge^rdneter gestrichen, aber merkwürdigerweite blieben Dezeichrungen wie E-tadtverordneter, Kreistagsmitglied und selbst siellvertr t n er Handelskommervor itzender stehen. Kleine Abweichungen in der Schreibung der Ra- men und Zusätze zur Verdeutlichung w >rden vr- genommen. Aus den nstionalsoziolisti che i Wa l- vorschlag wurden Ramen g-stckchen, we l die Erklärungen der Wcchllon didaten und die amtliche Bescheinigung nicht b,eigebracht waren.
Es wurden die folgenden
Wahlvorschläge
für die Landtagswahl
für festgestellt erklärt (die Bezeichnung ist zugleich das Kennwort auf dem Wahlzettel):
1. Sozialdemokratische Partei.
Landesliste. D-ginnend mit Ulrich, Karl, Staatspräsident, Darmstadt.
2. Liste der Kommunisten.
Land es liste. D g'nneid mit Roth, Katharina, Hausfrau, S-p.endlingen.
3. Deutschnationale (Hessische) Dolkspartei.
Provinzlisten Starkenburg: Degenend mit D. Dr. Diehl, Prälat, Darmjtadt. Ober* Hessen: Beginnend mit Sw. Werner, Prof. Studienrat, Du ,bach. Rheinh'.ssen: Beginnend mit Bohrn, August, Arntsarwtllt.
4. Vereinigte schaffende Landwirte.
Landes liste. Beginnend mit Schwinn, forst- und landwirtschaftlicher Sachverständiger, Schöllenbach im Odenwald.
Aus den Verhandlungen ging hervor, dah die Unterschriften zunächst nicht in Ordnung wa- sondern fügte noch hinzu, dah über ihn nichts I ren, später wurde eine neue Liste eingereicht, Rachteiliges bekannt geworden sei, was von den • von der einige Ramen gestrichen werden muhten, wt-m icrrrTXTH'jiTjnM rmr~xxv<rramr,‘Kaittw Tun'\ irrniüf «ll»i «aHMBKaJwaaejESEMMMM^j^HuwCTHggCTaaaoPBgcnsMZjensj
ooch waren es immer noch mehr als 500 ^Urter= schristen. Die erste Liste mit den unrechtmähigen Ramen ist zurückgezogen worden.
5. Deutsche Demokratische Partei.
P rov inz l i ste. Starkenburg:, Beginnend mit Henrich, Konrad, Finanzminftster, Darmstadt. Rheinhessen beginnend mit Dr. K ul b, Karl, Oberbürgermeister, Mainz. Ober Hess en beginnend mit Urstadt, Otto, Ministerialdirektor, Darmstadt.
6. Zentrumspartei.
Land es liste. Beginnend mit 2 e n fj a r t, PnH., Domkapitular, Mainz.
7. Nationalsozialistische Freiheitsbewegung (Völkisch-sozialer Dwck.)
Landes liste. Brainnend mit Hauck, Philipp V., Landwirt, Schaafheim.
8. Deutsche Dolkspartei.
Landes liste. Beginnend mit Dingel- beh, Eduard, Rechtsanwalt, Darmstadt.
9. Hessischer Bauernbund und Rheinhessische Landlkste.
Provinzlisten. Starkenburg: Beginnend mit Glaser, Konrad, Landwirt, Rordheim. Oberhessen: Beginnend mit Dr. von Helmolt, Landwirt, Rieder-Wöllstadt. Rheinhessen : Beginnend mit Dr. M ö b u s, Otto, Landwirt, Sieversheim.
10. Wirtschastspartei des deutschen Mittelstandes.
Land es liste. Beginnend mit Weiser, Johann, Syndikus des Hausbesitzerverbandes, Offenbach. #
In der Sitzung des Kreiswah lausschuss e s wurden die Wahllisten für die Reichstagswahl festgestellt. Bei der Prüfung der Personalien ergab sich, dah vielfach die Angaben über die Kandidaten fehlten, dah sie mindestens ein Jahr die Reichszugehörigkeit besitzen. Da es sich mehrfach um frühere Reichs- tagsabgeordnete, um Landtagsabgeordnete und sonst um Männer handelt, die öffentliche Aemter belleiden, wurde der Mangel für nicht erheblich erklärt. Es wurden die folgenden
Wahwcrrschläge
für die Neichstagsrvahl
für festgestellt erklärt (die Bezeichnung ist zugleich das Kennwort auf dem Wahlzettel).
1. Bauernbund und Rheinhessische Landliste.
Beginnend mit Dorsch II., Wilhelm, Landwirt, Wölfersheim.
2. Deutschnationale (Hessische Dolkspartei).
Beginnend mit Dr. Werner, Ferdinand, Prof. Studienrat, Butzbach
3. Deutsche Dolkspartei.
Beginnend mit Dr. Becker, Reichsminister a. D., Duisburg und Ludwigshöhe (Rheinhessen).
4. Sozialdemokratische Partei Deutschlands.
Beginnend mit Ulrich, Karl, Staatspräsident, Darmstadt.
5. Zentrum.
Beginnend mit Dr. Dvckius, Fritz, Rechts- antoatt, Mainz.
6. Deutsche Demokratische Partei Hessen und Hessen-Rassau.
Beginnend mit Korell, Pfarrer, Ingelheim, z. 3t. Rendel, Oberhessen.
7. Liste der Kommunisten.
Beginnend mit Ebner, Adam, Eisenbahnbetriebsassistent, Reu-Isenburg.
8. Aativnalsozialiftlsche Freiheitsbewegung (Döl- kisch-sozialer Block).
Beginnend mit Fleck, August, Hauptmann a.D., Altona.
9. Wirtschastspartei des Deutschen Mittelstandes.
Beginnend mit Weiser, Johann, Syndikus, Offenbach.
10. Heußerbund.
Beginnend mit Heu her, Louis, Schriftsteller, Berlin.
11. Freier WirtschastSbund $. F. F. (Steiland, Freigeld).
Dieser Wahlvorschlag soll für zugelafsen er- klärt werden, wenn er für das Reich zugelassen wird.
Auherdem war ein Telegramm einer Auf- wertungs- und Wiederaufbaupartei
etngetaufen, worin angekündigt wird, datz d« Wahlvo.schlag noch eingesandt werde. Diese Form wurde für nicht genügend erklärt und damit, ist der Wahlvorschlag dieser Partei in Hessen nicht zugelassen.
In einer längeren Aussprache tmirbe abermals die Frage der Rummerung erörtert; berj Vorsitzende wurde durch einen Beschluß ermächtigt, die Rummerung des Kreiswahlvorschlages allein vorzunehmen.
Der Luftverkehr.
Ebenso skeptisch wie unsere Vorfahren der Einführung des Eisenbahnverkehrs gegenüber- standen, stehen heute viele dem Luftverkehr gegenüber. Man betrachtet ihn noch als gefährlichen und nutzlosen Sport, geeignet, das Sensationsbedürfnis des Publikums zu befriedigen, verkennt aber vollkommen die viel tiefere Bedeutung des Luftverkehrs, der unserem wirtschaftlichen Aufbau und dadurch auch dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes dient.
Das Streben nach einer billigen, schnellen, pünktlichen und gefahrlosen Beförderung macht sich immer mehr geltend. Wir können dies schon an der Tatsache ersehen, daß sich heute eine große Zahl von kleineren und mittleren Firmen Motorräder oder Kleinautos anschafft, um frei vom Eisenbahnfahrplan schneller und wirtschaftlicher Geschäfte erledigen zu können, kurz, um Zeit zu sparen und dadurch konkurrenzfähiger zu werden.
Die Ausbreitung des Luftverkehrs wird dieses Streben nach Wirtschaftlichkeit in noch größerem Rahmen vervollkommnen. Hierfür dürften nur ganz wenige Zahlen den Beweis erbringen.
Während man heule mit dem O-Zug von Frankfurt a. M. nach München 7* 1/« Stunden benötigt, kann man Die gleiche Strecke mit dem Flugzeug ganz bequem in 3Vs Stunden zurücklegen, wobei noch' ein Aufenthalt von etwa 1/2 Stunde auf dem Flugplatz in Fürth eingerechnet ist .Bei einer Fahrt ohne Zwischenlandung beträgt die Fahrzeit Frankfurt—München höchstens 3 Stunden, so dah man unter Umständen am gleichen Tag noch xurüdfliegen kann. Wenn man dabei den durch die Schnelligkeit der Beförderung bedingten Ausfall an Lebensunterhalt und Üebernachten in Rechnung stellt, so ist der Preis von 60 Mk. für die einfache Fahrt Frankfurt—München nicht zu hoch bemessen. Der Kaufmann und Industrielle ist somit in der Lage, Geschäfte abzuschließen, deren Ertrag die Kosten bet Luftreise reichlich wieder einbringt. Die Flugzeit von Frankfurt nach Gießen beträgt nur knapp V2 Stunde.
Daß ein vollkommen regelmäßiger Luftverkehr zwischen den Hauptzentren bereits eingerichtet ist und sich mit minutiöser Genauigkeit ab- wickelt, ist vielen noch unbekannt. Außer dem Personenverkehr findet aber nach dem gleichen Flug- plan eine Lust-Post- und -Frachtbeförderung statt.
Aber nicht nur die Regelmäßigkeit des Verkehrs, sondern auch die Gefahrlosigkeit ist vollkommen gewährleistet. Die Junkers-Verkehrsflugzeuge, die den vorgenannten Verkehr zwischen Frankfurt—München und im Anschluß daran nach Wien, Budapest, Zürich, Genf usw. ausüben, sind 6sitzige Ganzmetallflugzeuge, die den Insassen in bequemen Kabinen in der Große eines geschlossenen Autos vollkommenen Schutz gegen Wind und Wetter bieten. Infolge der Herstellung dieser Flugzeuge aus Metall ist Brand- und Bruchgefahr ausgeschlossen. Die Statistik des nunmehr seit 5 Jahren mit diesen Maschinen betriebenen Luftverkehrs weist feinen einzigen Fall auf. Tausende von Passagieren sind befördert worden, und man kann deshalb dieses Beförderungsmittel als ebenso sicher bezeichnen wie Automobil und Eisenbahn. Die 6 Fahrgäste, die wahrend des Gießener Flugtages Gelegenheit hatten, von Frankfurt nach Gießen und zurück zu fliegen, werden bestätigen können, daß sie nicht einen Augenblick das Gefühl der Unsicherheit hatten. Im Gegenteil, man kann bequem lesen, schlafen und rauchen, ja, selbst das Schreiben ist leichter als tn der Eisenbahn, oder gar im Automobil.
Zu diesen mehr praktischen Vorzügen einer Luftveise kommen aber noch die gewaltigen Eindrücke, die man von der Landschaft und der ganzen Umwelt in sich auf nimmt. Wer einmal eine Luftreise unternommen hat, der ist ihr für alle Zeit verfallen und wird sich kerne Gelegenheit mehr entgehen lassen, dieses Deförderungs- drittel wieder zu benutzen.
Was ist es nun, was noch viele vom Fliegen zurückhält? Es fehlt den Meisten noch das Der«
Die rote Kaschgar.
Roman von Fedvr von Zvbeltitz.
1.
Graf Gerhart Hora setzte in feinem kleinen Zimmer im Auswärtigen Amt die letzte Unterschrift auf ein Poßd: kuiment und zog dann f tra Uhr. Aufschnellend schob er hastig die Papiere auf seinem Sch. ciö tisch zusammen und schtoß das Mittelfach ab. Es war hohe Zeit — der Vater und der alle Geisbach warteten sicher schon auf ihn. Und in dieser Sitzung zu dreien konnte seine Zukunft sich entscheiden. Dah, feine Zukunft ! Die schuf er sich felbst. Er b>g und f^etete sein Leben nach eigenem Gefallen. Im öurm von Eindrücken des 'Augenblicks, auch in ruhiger .Ueberlcgung — wie es ihm paßte . . .
Es klopfte an der Tür. Der junge Qltonn überhörte es. Er hatte sich gebückt und durch- hamte den Papierkorb nach einem verlorenen Rotizzettel. Aber er fand ihn nicht und gab dem Papierkvrb einen Fußtritt.
Sie Tür schleifte auf. Das behagliche Fallengesicht des Ehefs der Personalabteilung lugte in das Zimmer.
„Grüß Gott, lieber Graf," sagte er. „Haden Sie einen Dusel!"
Er schob grinsend seine Falten auseinander und trat ein. Und da. er ein Mann der Ordnung war, suchte er die zerriffeien Bogenschnitzel wieder zusammen, dir der Fußtritt Gert HoraZ aus dem Po_pierkorb geschleudert hatte. Gert half ihm dabei.
„Liebster Geheimrat." sagte er lachend, „das ist doch nicht nötig! Also Dillel. Berufen D.e es nicht. Sie Göller sind neidisch aus Tradition Was ist los?"
Ser Geheimrat hob den Zeigefinger seiner rechten Hand. „Rachricht aus Peking, Graf Hora LambSbrrg ist schon unterwegs nach Guatemala . Sie können alle Vorbereitungen zu Ihrer Aorei e j treffen."
„Ra. Gott lei Dank," rief Gert. „Doch mal eine Abwechslung! Hier versaure ich langsam. . Ich bin lange genug Hilfsarbeiter getreten Es ist mir auch aus andern Gründen ganz lieb, ein *
paar tausend Meilen weit fortzukommen . . . Für mich?"
Die Frage galt dem Karzl idiener, der einen Brief brachte. Das ewig suchende Zwinkerauge des Geheimrats fuhr über den Umschlag. Es entdeckte auf der Rück eite eine lichtblau rmrl scne Vignette mit einer roten SHeide auj Weih.
„Iopmischr Angel>g:nh it,“ sagie er trocken.
Gert ixr5 g nicht die Miene. 2I.ec er är erte sich Er hatte Clemence schon einmal gebeten, nicht immer das Papier der Gesandtschaft zu benützen.
Er trat an den Schreibtisch zurück, riß im Lichtfleck der Lampe das Kuvert auf und überflog mit eilendem Blick den fvcrnKösisch geschrieben neu Inhalt:
„Liebster, ich springe gegrn zehn zu dir hinauf, ich mutz dich sprechen. Bist du noch nicht da, so bleibe ich. (Sterne tce."
„Erne Verabredung," sagte Gert und steckte den Bries ein. „Dars ich mich empseh'.en. Herr Geheimrat? Mein Vater erwartet mich"
„Geh rsamster Gruß an die Exzellenz." erwiderte der Geheimrat und Derne gte sich ein wenig. „Was macht denn der alte Herr? Langweilt er sich rächt in der Einsamkeit von Groh- Ponar?"
„I bewahra. Er schr-ibt an einem Kochbuch, das vertreibt ihm die Zeit."
„Köstlich, ganz köstlich! Ci ja, ich weiß, er war immer ein Gastrosoph. Er hat auch eine Sauce erfunden, so eine Art (Doublte- Wie nennt er sie doch? . . . Aber ich halte Sie auf. Ich verdufte Wiedersehn, lieber Graf."
2llle Falten vereinten sich zu ei"em freund
glättete mit der Dürste sein Haar. Heiterer warf der Spiegel das Bild zurück. Allgemein sprach man von der großen Aehnlichteit des jungen Hora mit seinem Vater. Sie war unbestreitbar. Aber die aristokratische Lä s gkeit deS alten Hofmanns fand in der J ugend sl ügge und der rhy h- mischen Kraft des S hnes ein Gegengewicht. Er spürte die Dekade.iz im Blut und such e sie sportlich zu meistern. Vieles war rein spekulativ in ihm. Er betrieb den Sport ohne Leidenschaft, nur zur Stählung der Rerven. Er hatte in London bei einem Boxmnster Unterricht genommen, well ihn in Whitechap.l einmal ein Strolch überfallen hatte. Er hütete sich vor der Mode, um nicht im Gleichtritt mit anderen zu hie ben. Er schuf sich eine eigene Mode: aus eigensinnigem Widerstand gegen das. was man für selbstverständlich hielt. Die jungm Heren gingen meist glatt rasiert, er trug einen Schnurrbart, strich auch das Haar nicht von der Sckm in den Racken, wie es beliebt war. sondern scheitelte es. Er klemmte kein Einglas in die Au eechöhle. weil das jeder Ladenschwengel nach Feierabend tat. Er suchte nach Geg -n'LhliHkei.en. blieb aber dabei auf dec Ante des Aeuheven. (Sein Widerstand erlahmte leicht bei wachendem Ernst. Da gab er oft überlegungslos nach und ließ vom Schicksal sich treiben. —
Als er auf die Straße trat, regnete es. Aker am Dilh-lmplatz gab es sicher Droschken. Er spannte seinen Schirm auf und steuerte los Es windete stark, »der Regen schlug ihm in das Gesucht. „Ekelhaft," sagte er und neifte den Schirm nach vorn. Das tat auch die Dame die ihm entgegenkam, und so fuhren die beiden Schirme auseinander.
„ Verzeihung." rief Gert und wich aus Ditte " antwortete die Dame, und dann crSamrten sich beide, und beide blieben stehen
„Wohin, schöne Äu irre?' fragte Gert »Hast du nicht eine Droscht? bei dir?' fragte ee zurück.
„Olein, auch keine Kirchenuhr. Abe: am Wil-
I Helmplatz . . . Halt, da kommt so ein Vchikel!" ...
Er rief, er pfiff und schwenkte den Regen- schirm. Sic Droschke rumpelte wassertrllse d Heron und hielt.
„Also wohin?" wiederholte Gert.
„Wohin du?"
„Krausenstratze, zu Onkel Geisbach"
„Rimm mich mit, ich fahre dann weiter. Allerhand Besorgungen. Will auch noch zum Justiz-
Minister."
Er hatte den Wagenschlag aufgerüfen, ließ sie einsteigen, rief dem Kutscher zwei Worte 511 und setzte sich ihr gegenüber. Sie hatte jetzt den Schleier zurückgeschlagen, und ihm sch eu, gI3 um- Zirkle ihn aus dem tiefen Eisengrau ihrer Augen ein eigentümlich forschender Dl.ck.
„Zu Onkel Geisbach," sagte sie. IhreSttmme, die auch, voller Ackkorde sein tonnte hatte den nervös spöttischen Beiklang, den er kannte. „Da soll das Lämmchen geopfert werden, nicht wahr? Man hört so allerlei."
„Wer hören will, hort immer. Und wer den Klatsch liebt, am meisten."
„Ist es bloß Klatsch?"
„Bitte, was?"
„Deine Heirat mit Theda Geisbnch."
„Ist meine Sache und ihre."
„Richt ganz allein. Cs gibt auch eine Judikatur der Gesellschaft. Willst du dich unmöglich machen?"
„Ach Gott, Lexe, ich meine, du mühtest mich kennen! Was schert mich die Geellschäft! Ich lebe meinem allerpersönlichsten Ich. Und bleibe immer der, der ich bin. Auch toenn ich Theda heirate."
„Rein." antwortete sie, „bann bleibst du nicht, was du bislang warst: der Ehrenmaim."
„Hallo," rief er, „laß deine Zunge nicht durchgehen. Lexe!" ... Er wollte hes iz werden, sah ein Winken ihrer Hard und lenkte ein. . . „Soll ich dir Erklärungen neben? Fällt mir nicht ein. Aber eine Frage: Sind mein Vater unb Geisbach nicht Leute von Eh c?"
„Wer sagt das Gegenteil?"
„Indirekt du. Denn ich folg: dem Wunsche der Väter und — hör' zu — auch dem 5>erzens- wu nsche Thedas ."
„Einer Todeskandidatin."
. Ist sie das wirklich, W2s üb.igen5 noch lange nicht ; st steht, so würde meine Rachgiebigkeit um so begreiflicher sein."
lrchen Gesamtspiol Ster Eehetorva' en Ichwan).
Im Halb unkel der Zimm recke Hute ein'M verschossenen Vorhang tou ch Gert sich ie Hände Heber dem Becken im Er engest"ll ti g ein Spi^g ( In dem falten Licht, da' Üter das stoch, sah Gert 'ein ernst gewordenes 'S * srcht. Warum die Maste? fragte er sich. Es | Ale rad krllichtrrt die S achlage. Man mutz noch Ab ,ie) n hnrn man muß der Finya. o'fchSSLriß Gest löste .ha auf
Wroch er zu sich s-Mt. Erst Onkel , Geisbachs .etzt, Vorschlä<»e h)ren Keine Ueber- ellung ... Er trocknete sich die Hände und 1


