Einzelbild herunterladen

Montag, 2§. Novemder 192|

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Dderhefien)

Kr. 277 Zweites Blatt

Jugend und Hochschule

l

&

n

h

I

1

et

h

7

tf

ifl

A

T' c-

L te jn n.

n n n it n n

*1 i

muß zurückgewiesen inerten

2ux richtigen QhiSna' ( des St.ftfes muß d^nn auch die richtige Methode hinzukommen. Aber auch on dieser fehlt c3 noch vielfach in den Schulen. Die übliche Methode ist oft zu ver- standesmaßig Durch eine bloß versta-n e'meßi'« Behandlung, die kommentier disponiert und k l- tisiert, aber auf gemeinschaftliches Lesen und gu­ten Vortrag ccr Dichtung verzichtet, wird defe ihres künstlerischen Charakters beraubt. Zu einem wirklichen Verständnis einer Dichtung trägt oft ein 'chönes, ausdrucksvolles Leer weit meß' bei als das beliebte Mären, t-a-3 aus der Dichtung Leben und Kunst vertreibt und von ihr nur ein Gerippe dürrer Begriffe zurückläßt.

Am wichtigsten aber für die richtig- Päda­gogische Ausnutzung der d-utuchen Dichtung in graph liefert, lassen sich solche Leiden, die rein nervöse'? Statur sind, aber den aus einer Er- fvanfung des Herzmuskels oder des anatomischen Apparates sich ergebenden Störungen klinisch auis Haar gleichen, reinlich unterscheiden. Bach­teile der Methode find ihre subtil- Handhabung und koslspiel g-, zeitraubende Benutzung', in die Hand des eifrigen praktischen Arztes dürfte des­halb der Elektrokardiograph so leicht nicht kom­men: wie etwa der Straußschr Dlatüruckmesser, der die früher sehr komplizierten Apparate dieser Art aufs Glücklichst? vereinfach e. Erst dann würde die ärztliche Ta' vollendet sein.

Die schwedische Akademie der Wissenschaf­ten, welche die Robelpreife zu verteilen hat, steht auf einer solchen Warte und ist, wie alles, was von Schweden kommt, von bestem Willen und hoher Kultur beseelt. So wird sie ja längst die Maiariabehandlung der fortschreitenden Pa­ralyse der Irren im Auge haben unb die Er­folge beobachten. Sollte es sich wirklich als wahr Herausstellen, daß diese so eigenartig M ethode, die Paralyse zu heilen, in dem man die Äranton mit Malaria infiziert und hoch il^^n laßt, den Todesweg dieser furchtbaren Erkrankung, der jährlich Hundertkausende in der Well zum Opfer fallen, aufzuhalten und gar in einen Lebensweg umzuwandeln dermag, so wurde dem Hutdecker dieser Behandlung - es ist wvhl ein Oesterreicher - der Robeltranz wirklich mit allem R«ht zustehen.

Gießens Mauern eingezogen. Ich sehe es noch vor mir vor. das hübsche Bild, wie Rektor und Student In vornehmer, halboffener, mit Blumen geschmückter Kalesche, stolz und freudig begrüßt, durch die Straßen fuhren. Wie lange liegt das doch hinter unsl Heute läßt sich weder Rektor I noch Student im Wagen blicken. Der graue All­tag hat sich auch auf unsere Universität gesenkt. Wo das Vaterland am Boden liegt, da ziemt es auch uns nicht, anders als einfach und schlicht unseres Weges zu wandeln.

Aber ich möchte das Bild der wirtschafte kichen Rot, unter der wir alle, nicht zum we­nigsten aber die Studierenden, zu leiden haben, hier nicht vor Ihnen entrollen. Auf etwas an­deres möchte ich Ihren Blick richten, was freilich dazu nicht ohne innere Beziehung ist, ja vielleicht zu dieser Rot in Abfolge steht. Ich meine das, was ich Proletarisierung unseres Berufes nennen möchte. Ich bitte Sie, mich nicht mißzuverstehen. Ich habe nicht die wirtschaftliche Proletarisie­rung im Auge. Die ist freilich auch eingetreten. Soiken wir un Proletarier einen Mann sehen oder eine Frau, der oder die nicht mehr zu ver­dienen vermag als zum Lebensunterhalt unbe- | dingt erforderlich ist, so sind freilich wir Aka­demiker größtenteils unter die Proletarier ge­gangen. Unb zumal diejenigen unter uns, die sich dem Staate zur Verfügung stellen, müssen dank­bar sein, wenn uns der Staat gewährleistet, was man das Existenzminimum zu nennen pflegt. Dar­über Klage zu führen, sind wir jedenfalls nicht berechtigt, haben wir doch kein Recht, anders da- zustehen, ats unzählige andere Volksgenossen, die wie wir am Reubau unseres Vaterlandes ar* I betten.

Ich meine etwa- anderes. Ich meine die gei- tige Proletarisierung, der, wie ich fürchte, un­tre akademische Jugend zu verfallen in Gefahr teht. Die geistige Genügsamkeit, die von jeher Das Kennzeichen des Banausen war, hat in der Rachkriegszeit, sicherlich unter dem Druck der wirtschaftlichen Rot, bedrohlichen Umfang ange­nommen. Wie wenige denken daran, sich ein Ka­pital zu sammeln über den unbedingt nötigen Lebensbedarf hinaus, ein Kapital, das sie in ernster Arbeit mehren von Jahr zu Jahr, und mit dessen Zinsen sie wuchern können zum Ruhen der Allgemeinheit. Rur im Besitz eines solchen Kapitals aber können Sie ihrem hohen Beruf | als Akademiker gerecht werden. Und worin be- ! steht denn dieser Beruf? Als wir vor Jahren unsere aus dem Felde heimkehrende akademische Jugend zu feierlchcr Begrüßung in unserer Aula versammelt batten, da habe ich ihr zugerufcn: seid Eurem Volke Führer! Ich denke auch heute noch daß das die richtige Losung ift Alle die sind unS an der Hochschule willkommen, in die Gott die Kraft gelegt hat, in ihrer Volksgemein­schaft, und wäre es mir im kleinsten Kreis an unscheinbarer Stelle, führend zu wirken. In jedcnp echten Akademiker soll ein Stück Offiziersnatur stecken. Es muß ja nicht ein General und nicht «in Oberst sein, der Leutnant tut es auch. Wem aber Gott mit seiner unsichtbaren Hand in das Zeugnis das er im Dusen trägt, und das niemand kennt als er selbst, die Rote schwach genügend eingetragen hat. der bleibe fern ober trete zurück, so rasch als möglich. Er würde doch nur hinter sich schauen, wenn er die Hand an den Pi lug (eat Und es ist für ihn und für uns besser, er sinkt zurück in die SNasse Mensch, aus der erfolgreich emporzutauchen ihm lwch nicht be­lieben sein und die er doch nur falschen Zielen

nun richtigem Ziele juftoeben, um andere später ihm zufüh.en zu können, so dürfen

nicht vom Schüler aiio te'll.nmt

Das li gt aber nicht im Interest ter jug»nd. ließen Persönllchk'itea Für ih e innere Bil u g und Entwicklung ist es nicht von Belaig. ob sie einen Ueberblick über die ganze 7eut ch- Literatur erlangt, sondern für sie ist ei entsch'idend baß -h 7 ine Auswahl aus den be eulenXlc.i Erzeug- nisten unserer nationalen Dich u g inne lich r.a c gebracht wird, so daß sie für den Ausbau d-s jugendlichen inneren Menschen frud^bar tret'en. Das können ober nur solche Stoffe, die der je- welligen geistige i und sittlichen Enwick uaws stufe der Jugend entspvechen. Von diesem Gesichts­punkte und nicht vom Stoffe auS muß di- AuS- wabl der Lektüre erfolgen. Richt alles Bedeu­tende paßt schon für bte Jugend: woS aber für fie nicht paßt hemmt ihre innere Entwicklung, statt sie zu fordern. Das wird von denen ü'^rsehen, die die Jugend in den Schulen von der mifelhoch- deutschen Dichttmg durch den Klasizismus h n- durch bis in di- Dichtung der G-genwart mrgnchst lück-nlns suhen möchten.

Mit Recht wird eine gre-ße e D-rucksichsiaung der neueren deutschen Dichtung in der Schule verlangt, aber es ist auch auf diesem Gebeto wieder wichtig r, daß die Zuge b von tiefer Di<ch turg einige wenige Erzeugnisse wirklich in sich aufnimmt, als daß sie in vele nur einen mehr oder weniger flüchtigen Einblick erhalt.

Es darf doch auch nicht iiberseh-n werden, baß im Mittelpunkte d-s deutschen Unterrich es, besonders aus her Oberstufe der h Heren Schalen, nach wi- vor unser- großen Kl Vfife" stehen müs­sen weil ü? für die inner' Bildung bei jugend­lichen Menschen doch zweifellos am meisten zu leisten vermögen. Je lich-s Bestreben, sie zugun­sten der neuerm Dichtung hier zurückzudrängen,

gerate jene Kreise mehr und mehr ausgeschlossen i werden, die man als Mittelstand bezeichnet.

In den F ckultäten der Jurisprudenz, Staatsw.ssenschaften und Kameralia zusammen- genommen, b.trug die Stab endaizahl im SS. 1924: 29 732 gegenüber 37 683 im S. S. 1923. Sehr erheblich ist die Zahl der Mediziner zurückgegangen: 9376 g:ge i 12 558 im Sommer 1923 ( m Sommer 1914 studierten 16 440 Medi­ziner). In der Philosophischen F lultat waren 27 848 St ad .ererbe .ingeschri ben gegen 31287 im S. S. 1923. Die höchste Zahl entfallt von diesen auf die philologisch-histori­schen Wissenschaften mit 8363.

Das Frauen st udium hat gegen 1914 zu­genommen Damals waren 4357 Frauen ein ge­schrieben, im Somm:r 1924 7473 Der Höhepunkt ist cber auch hier überschritten. Der höchste Pro­zentsatz studierender Frauen finde! sich in den historisch-philologischen Wissensch ften mit fast 26 Proz., wahrend unter den Ried z n rn sich etwa 15 Proz. Frauen b-f nben. Die Zahl der studie­renden Ausländer ist gegen die Varlrlegs- zet ebenfalls gesti-gen: sie betrug zuletzt 6069 Die höchste Zahl findet sich im oommer 1923 mit 8734. Hi.sichtlich der Besucherzahlen st ht an d.r Sp tze die Universität Berlin mit 9)50, der München m.t 7231 folgt. Die niedrigste Zahl weist R o st o ck mit 930 auf.

Univerfiläts-udium ohne Reifezeugnis.

Die neuesten preußischen Ministenalverord- nungen seh-n unter gewi sen Be^en auch bas Unitaer,itätdftubtum von be, anders Bvgab em ohne R'ifeieugnis vor. Dazu fx»t mm der Schul­au s s ck u ß des Verbandes her Deut­schen Hochschulen eine Erschließung gesa'st. Der Ausschuß sich', eine Gefahr am. daß d c b ra ts ausg spr chene Zul ssung be imn e Ad solventen von 5a.-> chul - zur 0.rgän .uw sprufurg au( 'Wert- und Textilschulen au^g-dehn werden soll die nicht einmal die Reife für Oon? emnXs forbern. Ganz abg s h n v n 7er ga -zlich f-hle - den Allgemeinbildung ist rutt d - rem sachlich- 2Iui II u 8 tte de« e .utei y.te. für das Hochchusittidwm unzureichend ES ist zu fordern, raß be ond.re ahliche Begabung n"-- drnn cmerta.'-rot werden tarnt, wenn über die Schulz ug i se hi.aus w:i ere hervorra­gende fachliche Leistungen 0^96^^ werden können.

Das Siudium der Diplom^ausl^ute.

Für die 3utaffung zum Studium an der Wirt­schafts- und 's ztalwissenschastlichen Fakultät d.r Univ-r'itäien F r a n k f u r t u d K ö l n und dr HandetLhochchulen Berlin u d Königsberg sind vom Handels- und Kulttlsministe.-r.lm n u Bestimmungen erlassen worden. Die Zutassu, g von Smi-i-renden zur Prüftr.'g des Dipl mknu' manns erfdgt nach folgenden Grund atzen.

1 Abiturienten, die horreick?ende An­schauung der tauf man nsichen Praxis nadjtoclen.

2 . Lehrer mit der Anstellungsfahigkeit. die ein Iachr kaufmännisch tätig waren, un) Qefy^r. mit der ersten Prüfung, die zwei ^ahre taui- männisch tätig Haren und die Ersatzreifeprufung

die an wirkliche Sünde gan* nabe groMt unb böt Fluch aller Volkskreunde rerbient." Damit ist von Münch zugleich «chon gc agt, wo die S huld an der erwähn len bebau erlichen Tatsache liegt; sie ist verui acht durch eine verkehrte Beh-md» lung der Poe i? durch die Leh.er.

Fehler werden von ihrer Seile einmal gc« macht in der Auswahl der Dichtungen. Für diele ist oft nicht, wie :S fein soll'e. das Inter­esse und die Eigenart des Schülers, sondern der L.vsf das das Unterrichtsziel Bestimmende. Man arbeitet auf Kenntni se 1 s. statt sich die Emp­fänglichkeit für alles Schöne, Wa-re und Gute als v3icl zu leven. Man vergißt, baß es im beuifd.cn Unterricht nicht auf d.e fystemattschc Lücke. l?sigleit b.S Stofes, 'onbe n vielmehr da - auf anlommt, daß auf je'.er Allerssttl e immer rur ein solcher Stofs geböter wird, be; für den Ausiau tes jugendlick n Ino., n ebens Wertvolles zu leisten vermag. Früher wurde den Schulern in den Schulen von der deutschen Dichtung zu wenig, jetzt wird ihnen oft davon zu v.el geboten.

ilm eine fo.rttchrittliche Geitaltunn io? b.ut- schen Ülnterrichts an ben b^cci Schulen hat sich vor all m ter Germnni;en-verband verdient gcmacht. Wenn in der in B rde.ei u ig keorlfse- nen Reu r nu g des trcußifdjf.i b bc c 1 Schuss wesens dies m ütnterrich' eine g-ößere Dedeu 1 ig und auch bemen.sprechend ei c gr ßere Stunden- zahl sugem'fTen wird. M je zuvor, so ist bas jedenfalls mit u; tt unermüdlichen Bestrebungen jene» D^rbailb s zurückzuflch.vn Mit Recht ha­ben seine Be troter gellend gemacht, daß auch die deutsch- Literatur nach der Zeit G'etleS und Schillers im deutschen üln.er.ncht der Schul- te- rücksichtigl wer een muss . Aber waZ ci-ige Ger° maniflcn unter dem QianenDeuischkunde' von diesem Anterricht verlangen, gch. doch ma-chnar zu weit. Sie bringen auf der ilnte- und Mittel­stufe z. T. zu viel rein Philc logisch es in ißn lsiv.ein und befördern ixuuit w.eee einen bloß intel.eltualisti ch n Bered, um> fi fte.'.et zuwei- Icn für die Ob.Tiluie einen Leltiliekanon auf. der von ben ältesten ^c /.'cr un e e Sp a ne bis xu ben zeitg nössis-.e, Dich-ern reicht, und der selbst bei . frigfter häuslicher Privallektu« nicht bewälligl weroen kann. Damit wirb auch wieder bar' Unterrichts'-i-l vom Stoffe, und

Freilich muß sich bem geiftigei Kapital em sittliches lugefclten. Wer im Le e 1 führen will, muf: feiner eigenen Leb-nsfüh.ung siche se n Darüber aber darf ich mich kurz fassen: ich e^e ja zu Erwachsenen, ilnb doch muß ich an etwas rühren n>as immer wieder An atz zu M ßh-l g leiten gibt. Ich meine die sm?en ische Fröhlich­keit. Fürchten Sie von mir, der ich selbst ein fröhlicher Student gewesen bin, nicht, baß ich mich in allen Tagen pharisäisch geberten werde. Rur auf eiees mochte ich hinweien: Wie die Tyrannenmacht, so hat auch die studentische Fröhliel)keit ihre Grenze Die e Grenze aber ist die Oeffentlichkett, und to c- berum die Oeffentlichkeit ist ein empfind ich Ding, in heutigen Sagen noch empfindlicher als früf«r. Was wir in un'eren vier 'Wänden tun, ist unsere Sache: so bald wir sie verlassen, müssen wir uns klar sein, daß wir uns der öffentlichen Ordnung einzugliÄ>ern und zu fügen haben Eine studentische Ausnahmestellung gibt es nicht, gibt es jedenfalls nicht mehr. Wie es dem Stu­denten von heute versagt ist, sich als Herr der Erde zu fühlen, vom breiten Steine nicht zu wan­ken und zu weichen, so steht es ihm nicht an, die Rachtruhe seiner Mitbürger zu stören, oder durch unziemliche Scherze, vielleicht an sich harmloser Ratur. die Hüter der öffentlichen Ordnung zu rei­ten. Die find auch Menschen und greifen als solche oft vorbei, vermutlich gelegentlich rascher und derber zu, als unbedingt erforderlich wäre. Sollten Sie in dieser Beziehung berechtigte Klage zu führen oaben. so dürfen Sie bei der afabemi-

I schen Behörde, und nicht nur bei ihr, vollen | Verständnislos sicher sein Qlber ich muß Sie dringend bitten, auch Ihrerseits jeden Anlaß zur Klage zu vermeiden. llnb eins möchte ich mit Rachdruck sagen: der Alkohol ent-schuldigt nie, sondern verstärkt nur das Vergehen.

An die erste Stelle seht unsere Matrikel die Pflicht, den Gesetzen Gehorsam zu leisten. So wenig wie auf baß Gebiet der Morastheolvgie, bars ich mich hier auf bas Gebiet bee Politik ver­irren. Aber jene Ford-rung ist von den Schwan­kungen der politischen Ansichten unabhängig. Der junge Akademiker, der sein Ziel unverrückt un Auge hält, maß seine Ausgabe bann sehen, das Vergangene mit Ehrfurcht zu würdigen, das Bestehende verständnisvoll zu achten und das Werdende gew.sienhaft vorbereiten zu helfen. Das ist eine hohe Aufgabe. Rur, wer sie richtig anpackt darf erwarten, sich später unter ben Führern seines Volkes zu sehen. Daß Ihnen Allen das beschieden sein möge, bas ist der Wunsch mit dem ich Sie nunmehr aafforberc, zu mir heranzutreten und ihr Gelöbnis abzulegen.

Willem Einthoven.

Don Dr. v. Die uten.

Ser melvinfd) pH ,KI g Pr> r S « - r der Robelstiftung ist in bt.fen <tahrr ei" Holländer geworden, der Phys.oll^e an der Uni­versität Leiden, Prof. Dr. Willem Eint­hoven. Er bat große Vorgänger, dos muß man sagen: Röntgen, der die Chirurgie und die ganze Medizin in andere Dahnen geleitet hat, ^rhenius, bei- kühne Erforscher und Er- träumer deS Weltalls, van tHoff und Eml Fischer, die großen Entdecker und Llufklanr chemischer Möglichkeiten De c q u e re I unb das Ehepaar Curie, bahnbrechend durch ihre For schungen über Stoffe mit eignistrahlend-r Kraft Behring unb Robert Koch, buixb ißr». 3m munifierungsmethvden Wohltäter der Menschhell von königlicher Art, bie jebeß oafrr eine stattnisch festlegbare Zahl von Hundarttausenden vor rem sicheren Tode gerettet hoben. Daneben einige (Hamen, deren Verdienste nur einem engeren «reife von Fachgelehrten bekannt sind unb bereu

AU einem Seb«-nchsw°r1 her qanzen Wett geworden sind. So wissen Rerven- ärzte unb Gehirnanatomen natürlich genwi. wer Ramony Cayal ober Golgiist aber die Gosoimetbobe z. D. bie uns so überaus viel über den inneren feinsten Aufbau ber und den Verlauf ber Aervenfasiwn gelehN hat. ist doch wohl nicht einmal ben hochstgebildeten Richt- wttlrwifsenschafllern bekannt. Wahrend m ben

Sie schon Ihr Studium inch'. auf kurze Sicht ein- richten. Unb ba müssen S-i- dem allen Akademiker bie Mahi.ung gestatten: De ken Sie nicht zu früh ans 6tarnen! Ich weiß, baß das schwer ist, denke auch nicht baran. die D^-utung die es nicht nur vorge'ch iebenei. sondern auch innerlich beiect,tigten S u -ienabschui ses herabz sehen. Ader ich weiß auch, baß, wer leir.e Aroe.t aufs Examen einstellt, sich den Weg zu höherem Ziel mu.willig verbaut. Das alte Wort: non schöbe, sed vitae discimus, dem Goethe bie schöne Fnm g b: Der Zweck des Lebens ist bas Leben selbst, dies ölte Wort bat von ferner zwing m.en Kraft nich s verloren. Mit Umformung eines Dibelworles möchte ich sagen: Trachtel am ersten nach Eurem hoheii Ziele, so wird Euch foldjei alles zufallen Auch bie Erwägungen wirtschafsiicher Rot dürfen Euch daran nicht hindern: es ist noch niemand auf ber Strecke geblieben, den feine Fähigkeiten als Zielanwärter ausgewie en haben.

gemach t hoben.

3 A bs 0 lventen einer höheren Handelsschule mit zweijährig e in Schulbesuch und zwei fragen tatfman icher T:- tigteit, wenn sie die 'Reife für Ober,ekuntn haben.

4 Absolventen einer höheren Handelsschule mit einj ä hr igem Schu.- 6efud> und drei Jahren taufmänni cher Tätigkeit bei Reife für Oberefunba.

Deutsche Dichtung und Schule. Don Prof Dr. Gerhard Dudde-Hannover.

Es ist eine beider nicht zu leugnende Tatsache, baß ber Teil d-r brutschen Dich ung. ber in der Schulen behanbelt wirb, von l:e.n snihe en Sch i- lern im späteren Leben meistens nicht w-.eder gelesen wird, weil, wie sie sagen, die Schule sie ihnen verekelt hat. Darüber wurde besonders vor mehr als zwa rzig Iah en auf bem Weimarer Kunsterziehungstage g flogt, das ist aber auch sonst immer wieder von einfichtig-n Manner,-, bedauert worden. So tagte darüber seinerzeit D'ch in seinerZulu ftspäragrgi^: »Durch fa'liche Schulm-ist-rm uifere edelsten Dichttrrgen der Jugend auf Lebenszeit verleidet zu ßaben und di- Zeugnisse, daß bas gech-hen^ ist unb geschieh: sinb immer lauter und reichwch-r ge­worden, ist eine ber schlimmsten De-fehlung-n, deren sich ein Iugenblehrer schu'chig machen kann.

überhaupt jede Aktion ber lebendigen Substanz, werden ^Aktionsströme" genannt Die tätige Sub­stanz ist dabei elektrisch, positiv wir Zink, toafr- ren b bie ruhende negative wie Kupfer ist. Diele nun so überaus geringen elektrischen Strome des Herzens, also auch eines bewegten Mus- kels toerben durch Einthovens ErfindungDas Ginthovensche Sa tengalvanometer" abgetan gen, verstärkt und gemeffen. Selbst die verstärkten Be­wegungen sind so fein, daß sie, um von unseren Sinnesorganen ausgenommen werden zu tonnen, zunächst noch in sünihunberttacher Vergrößerung beobachtet werden muffen. Der Schatten eines Platinsadens, von mikroskopischer Feinheit, der bie Bewegungen zeigt, wird cm euren 8ar en belichteten Spall geworfen, an dem die Vfrvto- ara h Platte vvrbe.gezogen wird. Dadurch er­hält man höchst charattersittsche Kurven, und >Mr zugleich mehrere, von denen besonders zwei für bie Analyse ber Herzbeweaungen verwertet Derben können. Um bie Bearbeitung und Er­klärung ber Ergebnisse dieser Aufnahmen hat sich besonders ber Berliner Kliniker ®efreim- rat Kraus verd.ent gemacht, ben wttauch das Lehrbuch über diese Dinge verdankeltz» Vas Elek- trotorbiDgramm, wie man bie 3ufan^*nf*ellung ber Kurven derselben Messung nennt, . es er­möglicht. viele Herzzustände genauer, als das mit dem früher vorhandenen Methoden zu leisten war, zu ertoclchen. Besonders würde auch eine genaue Scheidung ber organischen unb funk­tionellen Leiden herbeigeführt; aus ben Kurven

I ber Herzbewegungen, wie sie der Elektrokardio-

Die Johl der Studenten im S. S 1924.

Die -Zahl ber an ben brutschen Universi'äten immatrikulierten Studierenden ist seit demW. S 1919 20 ständig zurückgegangen. Wah­rend sie damals 89 346 betrug, war sie im letzten Sommer auf 63 736 gefuntm. De Gründ- des Rückganges sind b-kann Eimnal ist di- Häufung der Studierenden infolge der Rückkehr dec Kriegsteilnehmer langsam ausgeglichen: bann haben viele Werksttidenten, bie mit bem zu­nehmenden wirtschaftlichen Rückgang entlafsen wurden, ihr Studium aufgeben muffen und endlich hat die Gcbührenerhöhung das ihrige getan, um nicht nur vielen sogen Listenstudenten, b. fr solchen, bie neben einem festet Beruf immatn- kul ert fein wollten, sondern auch leiber sehr vielen finanziell schlecht gestellten wirk i ei Stu­dierenden die Weitei-führung d^s St iblums un- mögl ch zu machen Mag dies^ mit R'äck icht auf bie ilcbcrfüfhmg der akabemifchen D-r 1 e auch sein Gutes hab n. so kann nicht oft genug auf tie Gefahr h.ngewiesen w-rien. bie bar.n lieft, baß medizinischen, chemischen unb physischen Fichen baß Urteil vielleicht schwer ist, wirb es uns bei ben D.chtern leichter: Björnjon, Mistral. Echegaray. Sienkiewicz, (Sarbucci, man sieht eine bunte Reihe von Nobelpreis­trägern unb ist verwunbert über bie Gradunter­schiede wie man auch über Th-odor Roosevelt als Träger des Friedenspreises doch wohl nur einerlei Meinung sein kann.

Auch bei Pros. Willem Einthoven kann es Vorkommen, daß man zehn ober zwanzig Wis­senschaftler fragt, ob ihnen seine Entdeckungen bekannt wären unb hört von allen ein beschei­benes Rem. Ratürlich noch keineswegs ein Grad­messer für ben Wert der Arbeiten, wie oben ras Beispiel Ramon y Cayals unb Golgrs zeigte, benen kein Sachkenner ihre große Debeutung für bie Entwicklung ber Rervenforschung absprechen ttnrb. Dann aber hören wir von Mo aber d kennt­nisreicher Seite, bzw. wisien als Fachgelehrte, daß neben zahlreichen wertvollen Arbeiten über bie Eigenelekt rizi tät ber Muskeln und die Physiologie ber Saat auf bie Anregungen unb Studien Einthovens bie Her­stellung unb Benutzung bes Elektr 0 k ar b i 0 ° gravhen zu ück.u übre.i st eines f.in ernpsind- sichen diagnostischen Apparats be. es 'ermög­licht bie Muskellätigkeit in den einzelnen Ab­schnitten des Herzens zu messen unb festzulegen. Sicher eine bedeutsame Erfindung. Jene nur mit den empfindl chsten Instrumenten nachweisbaren elettrischen Ströme, welche die Tätigkeit iedes Muskels, jedes Rerven. jeder Drüse erzeugt,

SeidEuremDolkeFührer!

Irnmalrirulations-Ansprache, gehalten von Pro­fessor Dr. ® u ft a D Ä r ü g e r, Rektor der Landes- Untocrfität.

Meine Heben Kommilitonen unb Kommili­toninnen! Sie wollen au mir herantreten unb durch Hanbschlag feierlich geloben, baß Sie Willens sinb, ben Gesetzen Gehorsam, ber Obrig­keit unb Ihren Lehrern bie schuldige Achtung unb Ehrerbietung zu erweisen, sich eines sittlichen Le­benswandels zu befleißigen unb Ihren wissen­schaftlichen Stubien mit Eifer obzuliegen. Lassen Sie mich, bevor wir biescn feierlichen Akt voll­ziehen, einige Worte an Sie richten, um bas, was unsere Matrikel in kurzem Satz zusammenfaßt, zu veranschaulichen unb lebendig zu gestalten.

Ich stehe vor Ihnen nicht ohne innere Be­wegung. Als ich vor 22 Jahren zum erstenmal daS Rektorat führte, da war unser Daterlanb im Aufstieg zu der Höhe begriffen, um die die Völler ringsum es beneideten. Unb an bidem Aufstieg hatten auch seine Universitäten teilgc- nommen, nicht zuletzt unser Gießen. Unter mei­nem Vorreklor war ber tausenbste Stubent in