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Nr. 251 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheßen) Srcttag, 24. Oktober 1924

Bethmann und Tirpitz.

Der IickzackKurs der Aera Bethmann. Aus den Dokumenten des Großadmirals von Tirpitz.

(Nachdruck verboten.)

Grabhügel in Beuern.

Von Professor Helmke, Den^malpsleger.

Oberhessen ist reich an Grabhügeln der vor­geschichtlichen Seit; in den letzten Jahren hat das Oberhessische QEu'ciim namentltch vn Lwnd^al (Climbach, Mainzlar) Unter uchungen solcher Hügel vorgenommen. In diesem ^'ahre bot s.ch nun ©rfegSfr:», auch M D-u-rn -MM Platz dieser Art wUmschastlich »u Monteta, und ei soll frier kurz darüber brrlchtet w-rdm. ES ist eine angenehme Pflicht des a.enkmalpflegers^r. bar der mancherlei Unterstützung M gedenken, die er durch die tatkräftige ^lks bes stellver­tretenden Bürgermeisters Arnold, den Aal des Vertrauensmannes für dre aeittma-wlleg in Beuern, Arnold, und daS Intesa e ge­samten Einwohnerschaft, beson^rs de- Flur- schützen und des Försters .efunben Uit, auch hier hat die Gemeinde d e Leil e zum Aus- giaben kostenlos zur '^erfaguyg un^

muh anerkannt tvcrden das) stch dr_ dei Aus­gräber W. Muhltz. PH. ^ommerlad Xlll und E. S 0 m m e r l a d mit gutem Qkr ianrn.s und viel Gewissenhaftigkeit in die rech, schwere Technik der Arbeit i. ^inge unden haben

Eine alte errat2 fuhrt non ®runberg, an De i nhards Hai n verbei. ''b.r D e uem zwischen dem. A ' p c n st r au ch und El 1 mb ach hindurch, nach Treis a.L.; es iit li?H 0 he St raste" di? in ihrem Verlaus in nah-e und weiterer Entfernu g v?n ei-zelnen Grabhü eln oder qanzen Gruppen vsglei e'. wnd Er-.e solche Gruppe von diel Hug?ln liegt auch östlich von Beuern im ..Heg Wald , Tistrikt .. r 0 m = bau)"; dieie war. solang? sie im Malde lag, der Zerstörung entzogen; >. achdem aber das Holz gefällt und das Gelände in Feld umgewandelt

Der Mitherausgeber der in den nächsten Tagen erscheinendenPolitischen Dokumente" des Grohadm rals v. Tirpitz. Professor Dr. Fritz Kern in Bonn, gibt uns aus Anlah dieser Veröfsent- lichung folgenden älcberblick über den schicksalsschweren Zwiespalt in der Reichs­leitung der Dorkriegsz.it.

Man hat das Verhältnis van Bethmann und Tirpitz wohl zuweilen verglichen mit jenen verhängnisvollen Dualismen, bi; unsere deutsche Geschichte durchziehen von Arminias an über Barbarossa und Heinrich dem Löwen. Wallen­stein und Gustav Adolf. Friedrich und Maria Theresia, denn wenn sich auch der Widerspruch in ganz anderen Firmen vollzog, wenn es auch ein ,Zusammenarbeiten" in kolleg aler Form äuster- lich war, so kommt die Wirkung desinne­ren Gegensatzes doch Schäden eines Bürger­krieges gleich. Hätte Bethmann ohne Tirpitz zu bestimmen gehabt, so wäre der äl - D 0 vt - Krieg wohl niemals gemacht worden. Hätte Tirpitz ohne Bethmann zu bestimmen gehabt, so wäre, darüber besteht heute kern Zweifel mehr, der äl°Doot-Koieg in einer militä­risch sehr viel wirksameren und dennoch politisch weniger gefährlichen Form vor sich gegangen. Das Verhängnis bestand in dem Zickzackkurs So habe ich einmal in wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit dem Grasen Bernstorfs, soweit intere Anschauungen auseincmdergehm mögen, ein vollständiges Ein­verständnis darüber fest stellen kann n dah, sowohl ein absolutes Anterlaisen des äl-Doot°Krieges (System Bernstorfs), wie eine Kriegführung nach dem Siim von Tirpitz unvergleichlich we­niger verheerend gewirkt hätte, wie das System Bethmann, das keine Linie steuerte, son­dern von einem System in das andere siel.

Dieses Schicksalsdrama der letzten wirklichen Reichsleitung alten Stiles wird nun, nachdem der <eine der beiden Hauptbeteiligten aus dem Leben geschieden ist, durch die Dokumente, welche der Äcberlebende herausgibt, zum erstenmal bis in seine Wurzeln sichtbar.

Als Bethmann im Juli 1909 die Erbschaft Bülows antrat, die keine leichte war und stärkere Talente erfordert hätte, als sie de einstige Landrat von Oberbarnim besah, den Bülow se bst als schlechter Menschenkenner für seine Nachfolge vorgeschlagen hotte, stand dem neuen Kanzler als Hauptziel seiner Polittk richtiger- ,weise die Verständigung mit England vor Augen Verhandlungen über ein deutsch- englisches Flottenabkommen waren schon unter Bülow eingeleitet worden, an denen! B a l l i n beteiligt war. Diese griff Bethmann auf und wandte sich an Tirpitz. Hören wir, wie der Großadmiral den Fortgang schildert;

Auf Dethmanns briefliche Düte um eine Untenebung unterbrach ich meinen Kuraufenthalt in St. Blasien und reiste nach Berlin. Als ich dem Kanzler meinen Standpunkt aus inandersetzte, der für ein Dcrhandeln über die Verstän­digung war, zeigte sich Herr v. D?thmcuin sehr entzückt und atmete sichtlich erleichtert auf. Er fuhr sofort mit mir zum Kaiser nach Wilhelmshöhe, um die Sache in Fluh zu bringen. De? Kaiser willigte glatt ein. Ich dachte nun mit Bethmann zusammen in dieser Achtung arbeiten zu können, aber die Sache wurde dann vom Auswärtigen Amt in die Hand ge­nommen, was ich ebenso wie Ball in für wenig zweckdienlich hielt. Wohl auf den Einsluh des Auswärtigen Amts wurde ich dann alsbald in Distanz gehalten. Der kleine Geist, der dort umging, tonnte sich bei der Angelegenheit nichts anderes denken, als dab ich den Anlaß b. nutzen würde, eine neue Flottenvorlage zu machen. Don diesem Geist lieh sich Herr v. Beth­mann immer mehr gcg;n mich einnehnen "

Wenn man nach dem be iK-rfeitigen Urkunden- material den Ansatzpunkt für die iirairr mehr sich verbreiternde Zerklüftung g nau besttmmen und das Moment der persönl.ch n Eifersucht dabei möglichst gering veranschlagen will, so findet man einen ganz bestimmten sachlichen Differenzprmkt. Tirpitz hielt cs im Einklang mit Lloyd George, dem später auch Grey und Chur­chill beistimmten, für den sichersten W.g, das deutsch-englische Verhältnis zu entgiften wenn die beiderseitigen Flottenstärken öffentlich und

dauernd auf das Verhältnis 2:3 fest­gelegt würden. Diese auch vom Kaiser auf Tii-pih' Vorstellungen hin angenommene Derstän- digungsgrundlage wurde von Kiderlen- W a e ch t e r. dessen Einftub Be hmann hier völlig unterlag, aus einem bis heute noch völlig unaus- geklärten Grunde nicht angenommen! Man kann es nach den jetzt von Tirpitz veröfsentlichten dramatisch sich zuspihenden Dokumenten Schritt für Schritt verfolgen, wie an diesem Punkt sich Mißtrauen und Gegeneinander- arbeiten in der Reichsleitung einnisteten. Es ist aber bis heute in keiner Weise gelungen, das Verhalten Kiderlens verständlich zu machen.

Aus dem neuen Tirpitzw.wl erfährt man nun auch genaueres über Dethmanns Ab­schiedsgesuch und Zusammenbruch im März 1912. Der Kaiser hatte in einer ihm von London zugegangenen Meldung irrtümlich die englische Ankündigung mobilmachungsäh.ilicher Mahnahmen gegen Deutschland erbl ckc und ti der ersten Erregung dem Botschafter in London de­peschiert, eine solche englifd-e Drohung würde deutscherseits mit der Mobilmachung beantwortet werden. Dieser Schritt des Kaisers konnte an sich keine schlimmen Folgen haben; er wäre wie so manche lästerliche Temperam-.niswallung frie> lich in den Akten versandet. Aber einem Bot­schafter eine Mobilmachung in Aussicht stellen, ohne den Kanzler vorher zu hören, war formell ein so verfassungswidriger Schritt, daß Herr v. Bethmann den Vorfall benützen konnte, um seine durch verschiedene .Umftänbe stark erschütterte Stellung w eher zu befestigen. Er erbat vom Kai.er den Abschied in einer ungewöhnlich feierliche.a, scheinbar für eine etwaige Veröffentlichung berech­neten Form:

Kraft des mir von Eurer Majestät über­tragenen Amtes trage ich vor Gott, vor dem Lande, vor der Geschichte und vor meinem Ge­wissen die Derantworttlng für die von Eurer Majestät befohlene P l tik. Auch Eure Majestät können mir diese Dorantwortung nicht ab­nehmen. Da Eure Majestät es mir nicht ermög­lichen, ihr gerecht zu werden, bitte ich Eu.e Majestät allermttertänigst, mich aus meinen Aemtern zu entlassen.

Alleruntertän-gst Bethmann Hollweg"

Aus diesem Grund konnte der Kaiser Doth- mann natürlich nicht entlassen. Er hielt d-on Kanzler zwar für seiner Ausgabe nicht gewachsen. Tirpitz berichtet, wie der Kaiser ihm damals sagte:Der Kanzler muh eben patho­logisch genommen werden; er sieht einen Strich auf dem Wege, über den hinüberzugehen er den Entschluß nicht fassen kann." Aber der Kaiser fügte hinzu:Bethmann i st eine De r tr a u e n s p e r so n des Auslandes, und deshalb muh er gehalten wer­den." Wenige Tage nach diesem Dorsall erlebte Bethmann eine Enttäuschung, die zum erstenmal seinen Glauben an die Verständigung mit England zusammenbrechen lieh, wie dann wiederum am 4. August 1914. Der Kaiser berichtete am 18. März 1912:er sei heute persönlich zum Kanzler ge­gangen, feier ganz geknickt gewesen sei über den Ausgang, den seine Polittk genommen hätte, ein ganz gebrochener Mann, der ihm ordentlich Mit­leid eingeflöht hätte. Der Kanzler hätte sch eben getäuscht in dem englischen Kabinett. 3m übrigen habe er, der Äaiier, bei dieser Unter- rebung auf das ewige Leben des Reichskanzlers angestohen." _

Der Kaiser hatte das Gefühl", schreibt Tir- pih hierzu,an Bethmann keinen Halt mehr zu finden. Diese Vorgänge verhalfen de n Kabinet s- chef Admiral v. Müller zu einer sein Ressort und sein Urteil übersteigenden Stellung. Der Kaiser empfand das Verhältnis zu mir als er­schwert; am Kanzler hatte er nichts meh^; Müller hielt sich in dem wankenden Staatsgefage für un­entbehrlich; er wurde jetzt Reichskanzler hinter der Hand. Hier liegt d.e Wurzel der unnormalen Verhältnisse im Krieg."

Die Flucht der Kommunisten.

Tie Reichstagsauflösung hat die cigenartire Folge gehabt, bah der Todesmut der tomnur.b stiscben Abgeordneten sich plötzlich ver tüchtig:e und der Vorsicht als der besseren Hälfte der Tapferkeit Platz machte Gegen fast alle Mi.-

worden war, war es für die Denkmalpflege ein Gebot der Pflicht, die Hügel vor der Verchlei- sung zu untersuchen. Sie liegen auf der Gren e zwischen Wald und Feld das Dorsrcder Aster- land stöht unmittelbar daran auf offener Höhe mit dem Blick in das Vilsecker Tal und nach Gichen hin; in der Rähe befindet sich Walser (Kühtränk" oderTränkwald", n cht Frankwald", wie es in der HÖhenschich.en- karte fälschlich heiht).

Die Hügel sind verschieden grob an Umfang und Höhe; der mit Rümmer 1 be?.eichne.e erlebt sich 1,20 Meter über dem Waldboden und lat einen Durchmesser von 16 Me er; der zweite mißt rund 20 Meter im Durchmesser und ragt 0,80 Meter über das umgebende Land, wäh.end der dritte nur Q.60 Meter hoch ist und 12 Meter Durchmesser oesitzt.

Hügel 1 fällt nicht nur durch 'eine Hohe, sondern auch durch das Material, aus dem er errichtet ist, ins Auge; beim die Erde ist mit gröberen Basaltsteinen durchsetzt. Die Unter­suchung fördert zunächst 2 Gräber zutage, deren eines in südnördlicher, das andere in we '.östlicher Richtung zieht: belle berühren sich nri dem öst­lichen bzw. nördlichen Ende, besinden sich aber nicht in der Mitte des Grabhügels. sondern im öst­lichen und nördlichen Teil des eiben. Sn bestehtn aus Steinkisten, die über einer mit Holzkohle durch­setzten Brandchicht liegen; am R r end? d^s süd­nördlichen Grabes steht ein mäch iger Ta altbl. ck von 70 Zenttmeter Breite und H he. der noch ^ur Hälfte aus der Hügeldecke hervorragt. In b i len Gräbern findet sich je ein s chlichter Dr 0 nze- h a l s r i n g mit abgetönt tenem Gubzoo'en, sonst nichts weder Einzelscherben noch Eesäbe oder andere Mitgaben. Rach der Anlage des Grab­hügels und der Gräber sowie nach den Beigaben handelt es sich um zwei unter dem gleichen Hügel

glieder der kvmmunisttschen ReichSlagSftaktton tötoebcn Verfahren wegen Hoch- und Landes­verrat und anderer Der,tobe gegen daS Straf» gv-fetzbuch. Bisher aber war an die Herren nicht hmanzukommen. weil sie unter dem Schu tze der Immunität tapfer weiter sündigen konn­ten. Mit der Auflösung haben sie diesen Panzer plötzlich verloren und sind nun für die rächende Hand der Justtz genau so greifbar, wie jeder andere Sterbliche. Leider aber ist die Staatsanwaltschaft etwas reichlich spät aufgestanden, sie hc>t eine Rächt verstreichen lassen, bis sie sich die erforderlichen Haftbefehle geben lieh und inzwischen hatten sich die Aestbestände der kommunisli'chen Reichstagsfraltivn in Wohl­gefallen aufgelöst. Mit Ausnahme von Herrn ^>0 l lein allerdings der Wildesten einer, der wohl glauben mochte, dah die preuhische Justiz so rasch nicht arbeiten würde und deshalb auf seine Rachtruhe nicht verzichten wollte. Er ist den Häschern in die Finger geraten und wird nun Gelegenheit haben, bis der lünf .ige Re chZ- tag vielleicht die Aufhebung ferner Haft beicht le­ben wird, in der Stille seiner Zelle über seine Heldentaten nachzudenken. Seine klügeren Ge- nossen reifen irgendwo in der Weltgeschich e b:rum. Aus der Aufdeckung der k 0 m m u n i st i - schen Fälscherwerk st ätte wissen wir, wie sie es machen, um über die Grenze zu kommen. Sie werden eine kurze Gastrolle in Moskau absolvieren, so lange bis die hirnverbrannte Gut­mütigkeit der deutschen kommunistischen Wähler ihnen wieder Anspruch auf neue Immunität gibt.

Sitzung der Stadtverordneten.

Giehen. 23. Okt. 1924.

Eine mehrwöchige Sihungspaufe br ngt dem Hause meist eine Fülle von Beratungsstofs auf den Tisch. So war es auch heute Wieser. Zwar sah man viel Material dabei. das tm Handum­drehen erledigt werden konnte, daneben befanden sich aber auch verschiedene sehr bedeutsame Ange- Icgmb.iten. deren gründliche Durchtera ung eine erhebliche Zeitspanne beanspruch e Das; die össent liche Sitzung unter diesen älmständen 3l/o Stunden dauerte, ist nicht verwunderlich, aber für unser Stadtparlament doch eine Seltenheit.

Als wichtigster Beratungspunkt ist der sozial- demokrattsche Antrag zur Erwerbslosen- und Kurzarbeiter-Fürsorge aus der vielgestaltigen Tagesordnung heranszu heben. Was die Antragsteller bezwecken, nämlich ei e möglichst weitgehende Fürsorge für unsere hi.fsbedürfngen Mitbürger, findet nicht etwa nur auf der soz an­dern okrati schen Seite Anreger, älnterstühung und Verständnis, sondern ist auch den bürgerliche:! Parteien des Hau es Gegenstand der fte en Auf­merksamkeit und warmherzigen, hilfsbereiten Sym­pathie. Als Beleg dafür braucht man nur hin­zuweisen auf die mancherlei bürgerlichen Vor­schläge zur Errichtung und Durchsiihrung einer Volksküche, auf die sehr beträchtlichen bärge, lichen Stiftungen dasür und die bereitwillige itrebitge- tt>ät)iung des in den Fürsorgeftagen stets groß­zügigen Stadtparlaments. Wenn die bürgerliche Meln'heit des Hauses beute trotzdem die ersten Abtönitle des sozialdemokratischen Antrages ab- leh.rte, so geschah das aus der sehr richtigen Er­wägung heraus, dab diese Abtönitte nur eine Geste enthalten, deren pvattischer Wert auch tm Falle der Zustimmung der Mehrheit gle ch Aull geblieben wäre, denn einmal ist es letzt schon gewib, dab die Reichsreg.erung unter dem Drucke der allg<mctnen Rotlage die e r Anträgen gegenüber die kalte Schulter gezeigt hätte, und anderseits ist es auch sehr fraglich, ob andere Städte sich einem von vornherein aussichtslosen Antrag angctötojfen hätten. Es ist desh l > gu'° zuheib^n, dah die bürgerliche Seite tes Hau es dieser leeren Gestenpolitik nicht zugestimmt hat. Mil Genugtuung ist aber ander eits zu begruben, dah man in wirklich praktischen Hilfsmah..ahme 1 wiederum nicht fnaucrig war und als Geanb- heit kann man Weiler hatte schon ansehen, dab die umsassende Hilfsbereitschaft für unsere not­leidenden Mitbürger auch fernerhin bei allen Par­teien des Stadtpnrl-unents v rhnnden :ein wird Das ist gute praktische Arbeit, die wir gerne unterstützen.

Glückliche Beschlüssr kamen auch hinsichtllch der Förderung des (Siebener Flugtages d u rch die Stadt zustande. Allerdings musste man vor der Beschluß assung über die Garantie­fondszeichnung verschiedentlich Ansichten hören, die bei uns nur Kopsschütteln hervorgerufen ha­ben. Wenn da den Führern des Verkehrs Vereins, die doch nur im In teresfe der Allge­meinheit arbeiten, so quasi zugemutet wurde, sie sollten diese im Interesse ter städt.scheu Gesamt heit organisierte Veranstaltung auch bezahlen, und beigesehte Frauen, deren Leichnam an Ort und Stelle auf ebener Erde verbrannt tour e. Die Gräber gehören der mittleren Hall­stattzeit an; letztere umfaßt die Zeit ztoi chqn 1000 und 500 v. Ehr. Geb Dieser Bericht war schon getörieben, als uns der Zufall noch ein drittes Frauengrab Desselben Hügels bescherte; denn als ich mit der Ober elunda des Gymnasiums Giehen die Goabungsstelle besichtigte, sand der Schüler Bausch einen schlichten Armreif 4,50 Meter südwestlich von der Hügelmilte, und eine sofort vorgenommene Rachun^r uhung der Fund­stelle förderte noch einen zwei en g eichgeformlen Ring ans Licht. Beide lagen üb:r einer «chwachen Drandschicht ganz not) dem Rondo des Hügels zu und bezeichnen ein drittes Frauengrab in unserem Hügel. Die Funde sind mit denen aus den beiden anderen Hageln dem Oberhessischen Mut cum in Gie^n übertrieben worden.

Hügel 2 und 3 müssen gemei fam besprochen werden, da sie in jeder Hinsicht übereinstimmende Merkmale aufwellen; es ist schon erwähnt, dah sie flacher wie Hügel 1 sind und dadurch weniger ins Auge fallen. Dazu kommt, dah sie zum tin ec« schied von jenem nur aus Erde, also ohne Ver­wendung von Steinen oder gar Steinkisten, er­richtet sind. Aber auch sie sind Drandgrä- ber; auch bei ihnen findet sich auf dem ebenen Grund eine starke Aschen-- und Drandschich:, durch­setzt mit groben Stücken von Holzkohle, an der noch die Struk ur des Holzes deutlich zu e kennen ist. 3n der Mitte des Hügels ist die Drandschicht besonders hoch, und über ihr liegt in Grab 2 eine doppelhmllige, mit Strichen und Randtupfen verzierte Amphora, während sich in Grab 3 an derselben Stelle ein kleineres henkelloses, aber ebenfalls randverziertes Gefäß ftndet. Beide lind, dem hohen Aller und dem schwachen Brand Mtsprechend, in biete Stücke zerbrochen, doch wird

wenn man weiter hören mubte, der Der5ehrS- verein solle dankbar fein für die Herrichtung des Platzes, während doch zweifellos dieser Deoein einen Anspruch auf die Dankbarkeit der All­gemeinheit gellend machen kann, so drängt sich die Erkenntnis auf. dab es an der rechten Wür­digung der Tätigkeit dieses Vereins für unser Ge­meinwesen hier lind da doch noch etwas fehlt Heber diese Angelegenhnl wird noch einiges zu sagen fein, für beute möchten wir uns damit be­gnügen, festzustellen, dah das Abstimmungsergeb­nis über die Garanliesondszoichnung für unser Stadtparlament keineswegs glanzvoll ist. 'Be­zeichnend war ja auch ein sozialdemokrstischer, auf den Derkehrsverein gemünzter -Ruf, der dalün ging, diese knappe Bewilligung könne der Ver- lehrsverein eigentlich gar nich: annebmen.

Besondere Anmerkung Verd en: schlie' lich noch ein Beschluh des Halises, der sich gegen das to i 1 d e" Da u e n richtet Die t schlub betroffene Firma dürste nun wohl allerlei Schaden erleiden. Hoffentlich lernen wenigstens andere aus d e cm Vorfall und ballen es künftig mit der Vorsicht, denn im Stadlparlament gebt jetzt die Stimmung einmütig lxrhin, in solchen Angelegenheiten künftighin kern? Rücksicht mehi zu nehmen und streng auf der Beachtung der ge­setzlichen Vorschriften zu bestehen.

Sitzttnqsbcricht.

Anwesend Oberbürgermeister Keller. Bür» germeifter Krenzien, die Beigeordneten Dr. Selb, Dr. Frey, Kommerzienrat Kling- s p 0 r und 34 Stadtverordnete.

Aufhebung der Fremden st euer.

Dem Antrag des Finanzausschusses ent­sprechend genehmigt das Haus nachträglich die Aushebung der Fremdensteuer mit Wirkung vom 1. Oktober 1924 ab.

Ein Antrag zur Erwerbslosen- und Kurzarbeiter-Fürsorge.

Die sozialdemokratische Fraktion hat einen in verschiedene Abschnitte gegliederten Qlntrag ein­gebracht, in dem zunächst angeregt wird, bei der Reichsregierung und bei hiesigen Industriellen bzw. Arbeitgeberorganisationen. Gewerbeauf­sichtsbeamten ufto. Schritte zu unternehmen, die nach der Ansicht der Verwaltung und des Finanz­ausschusses daraus hinauslaufen würden, die die Wirtschaft einengcnöcn und hemmenden Demobil­machungsvorschriften wieder aufleben zu lassen. Finanzausschuß und Verwaltung beantragen die Ablehnung dieser Teile des An­trages, da, wie Beigeordneter Dr. S r eb in eingehender Begründung darlegt, solche Matz' nahmen nicht geeignet sind, den dringend notwen­digen Wiederaufbau unferer Wirtschaft zu fördern und auherdem auch gar keine Aussicht besteht, dah die in dem Antrag vorgeschlagenen Schritte zu einem Erfolg bei der Reichsregierung führen. Ebensowenig sei Aussicht vorhanden, auf die W n ührung der Kur arb iter älnterstühung; der hessische Arbeitsminister Raab habe selbst erklärt, datz alle bisherigen Bemühungen nach dieser Richtung hin bei der Reichsregierung Ab­lehnung gesunden hätten. Dem Vorschlags des Finanzausschusses entsprechend werden diese Teile des Antrages a b g e l e h n t. Dagegen wird z u- gestimmt, auf dem Weg über den Deutschen Städte tagbei den Reichsbehörden darauf zu brangen, datz eine Erhöhung der Wochenzahl festgelegt wird, für die älnterstützung gezahlt werden darf". Zu den übrigen Teilen des so­zialdemokratischen Antrags, in denen für die Hilfsbedürftigen b s ndeve Zuwendungen an Brot, Kartoffeln ufto., sowie Schritte beim Dertoal- tungsausschutz und bei der Landesregierung zur Wiedereinsührung der Darunterstühung in sol­chen Fällen gefordert werden, beantragt der Fl- tvanKausschutz folgende Deschlutzfafsung:Der Winternothilfekredit des Wohl­fahrtsamtes wird vorläufig auf 1 0 0 0 0 Mark erhöht. Allgemeine Ver­teilungen an bestimmie älnterstühtenklassen sollen angesichts des Rechtsanspruchs auch der Kurzarbeiter auf Gewährung der Aussch'utzsähe der Wohlfahrspflege nicht stattfind.n. Bei dem Verwattungsausschutz und be: der Landesregi-s- rung sollen schleunigst Schritte unternommen wer­den, damit auch in solchen Fällen die Barunter- stühung wieder eing führt wird." Dieser Rege­lung stimmt das Haus zu Wie Beigeord­neter Dr. Frey hierzu mitteilt, sollen Lebens­rnittel, Kohlen ufto. aus Zweckmätzigk itsg ündcn nicht in natura verteilt, iondern es soll Geld gc* geben werden. Vom Wvhlsahr sam sllnd heute rd. 2000 Haushaltungen zu b.t.euen. Mit den ötohlsn- und Kartoffelhändlern ist ein Abkonunen ge­troffen worden, nach dem alle mit Ausweisen des Wohlfahrtsamtes versehenen Dez el;er

ihre Wiederher iiellu,g im Römitö-Germani- schen Zentralmuieum zu Mai.rz - bewerkstelligt.

Bei dem flcinen Ee'äh im Grabh:gel 3 l egt aber autzerdern noch ein Steinbeil oder Meistel, aus Diabas angrfertigt. d. h aus einer Steinart. die ortsfremd ist und möglicher­weise aus der Dill- oder Lahngegend stammt. Das Stück besitzt eine gebogene, verhältniSmätzig scharfe Schneide: der Schliff ist an meh eren Stel­len beschädigt; das Werkzeug ist also in Ge­brauch gewesen und dem Toten als sein persön­licher Besitz mit ins Grab gog.be 1 worden. So beweisen die Funke und Fund nn :ä:.d', dah die Gräber 2 und 3 einer viel frühe e Zei: *ufo als Grab 1 angeboren, nämlich der r einen Sein« zeit, der die Kenntnis des Me'nlls noch fehlte. Diese nimmt um das Jahr 2000 v. Ehr. Geb. ihr Ende, und da die beiden Gräber anscheinend der sog. Schnurkeramik angeboren, so ist da­mit ihr hohes Aller genügend ge.e.rnzeichnet.

So hat uns dir Grabb-ügeloruppe von Beuern wieder einmal gezeigt, datz man nicht mit der vvr gefah ten Mei nun; an die H er u ch ung h. ran- gehen darf, als ob olle Hügel der gieichen Zeil- stufe angehörten; sie hat urs tot"t:fie 2lufschlülle über die Eiedlungsfrage und die Beweh er der Gegend gegeben und mahnt uns, die auch durch das h.f ische Denkma'schutzgefetz geb tene <u ück- haltung zu üben um) eie Hnterfud u g dor Wi sen- schaft zu überlasten, die deo De kmöler r ber Ter- gangenheit erst ihren rief), gen Plötz in d r Dor­geschichte unserer Heimat ?u geben imstande ist. Eine andere, b deutend gr tz e Huoe'gru pe liegt jenseits von Beuern und d^s Kreb~bae>es im Etruthtoalde fie wird uns Larubcr Aufllärung geben ob sie auch von Leuten der Stern- oder Hallstattzeit errichtet ist oder rb noch eine andere Bevölkerung auf den ^öhen über Beuern ge.'ebt > und ihre Toten begraben hat.