Ausgabe 
24.7.1924
 
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Hr. 172 Zweites Blatt

Deutschlands Auswanderungsfrage.

Von Dr. Preuße-Sperber, Geschäftsführer desReichsverbandes deut­scher Auswanderer", Hamburg.

Unter den vielen dringenden Wirtschafts­fragen, die heute in Deutschland auf der Ta­gesordnung stehen, ist keine einzige aktueller und wichtiger wie die Auswanderungsftage. Der Strom der Auswanderungswilligen wächst zusehends, und lediglich die Inflation und die damit verbundene Verarmung aller Volks­schichten trägt daran die Schuld, daß die Mehrzahl ihre Auswanderungsabsichten noch nicht haben verwirklichen können. Eine starke Auswanderung aber kommt dennoch, weil sie für viele eine zwingende Notwendigkeit ge­worden ist.

Wie von jeher, so ist auch heute wieder die Ursache, die zur Auswanderung treibt, rein wirtschaftlicher Natur oder wenn man will, die unbeftiedigte Magenfrage. Mit anderen Worten: Deutschland ist nicht mehr in der Lage, allen seinen Bewohnern ausreichend Brot und Arbeit zu gewähren.

Durch das Versailler Diktat gingen Deutschland 14 Prozent seiner Gesamtboden­fläche verloren, darunter 5 Millionen Hektar seiner landwirtschaftlichen Erzeugungsfläche, das sind 14,2 Prozent seiner gesamten land­wirtschaftlichen Erzeug ungsfläche überhaupt. Gleichzeitig stieg aber seine Bevölkerungs­dichte von 120 auf 135 Menschen je Geviert- ikilometer, die zu ernähren das heute so über­schuldete Deutschland nicht mehr in der Lage ist. Jeder Volkswirtschaftler wird daher auch ohne Einschränkung zugeben müssen, daß das deutsche Wirtschaftsleben nur dann gesunden kann, wenn es gelingt, die deutsche Bevölke­rung auf eine vernunftgemäße Menge zu verringern. Von der zukünftigen verstärkten industriellen Tätigkeit Deutschlands ist wenig zu erwarten, da die ungemein folgenschwere Inflationszeit der Industrie die Mittel ge­raubt hat, die notwendig sind, um Rohstoffe im Auslande in großen Mengen zu kaufen und um eine verstärkte Industrietätigkeit über­haupt zu ermöglichen.

Deutschland muß aus der Not eine Tu­gend machen und eine für sein Wirtschafts­leben wirkungsvolle Auswandererpolitik be­treiben. Daß eine gesunde Auswanderungs- Politik auch für Deutschland sehr nutzbringend sein kann, beweisen die Vorgänge ftüherer Jahre. Der gesamte deutsche Außenhandel vor dem Kriege stützte sich in erster Linie auf die Tätigkeit der Ausländsdeutschen, also auf die Auswanderer ftüherer Jahve. Es ist nicht zu hoch gegriffen, wenn allgemein in Fach­kreisen angenommen wird, daß volle 70 Pro­zent des gesamten deutschen Außenhandels der Vorkriegszeit von Ausländsdeutschen direkt und indirekt getätigt wurde. Was in ftüheren Jahren, in denen Deutschland überhaupt keine Auswanderungspolitik betrieben hat, von den Auswanderern geleistet wurde, würden die heutigen erst recht leisten, wenn von der Hei­mat aus eine zielbewußte Auswanderungs­politik betrieben würde. Der Franzose Lervh- ^Deaulieu schrieb in l'Economiste 1885 bereits: Deutschland verdankt die zunehmende Aus­breitung seines Außenhandels hauptsächlich der großen Menge der im Auslande wohnen­de»» Deutschen, die dort die deutschen Er­zeugnisse bekannt machen und weiter vertrei­ben. Der Handel Deutschlands wächst um so mehr, je bedeutender die Auswanderung Deutschlands ist."

In den Kreisen des amtlichen Deutsch­lands ist man allerdings, selbst heute noch, gegenteiliger Ansicht. Anstatt mit geeigneten Einwanderungsländern Verträge über die Aufnahme deutscher Auswanderer abzuschlie- hen, versucht man durch allerhand unzuläng­liche Mittel die Auswanderung nach Mög-

Gold aus Quecksilber.

Die Wunderwelt des Atoms.

Don unserem wissenschaftlichen W-Mitarbeiter.

Wie vor einigen Tagen gemeldet wurde, ist eS dem Leiter des photochemischen Laboratoriums der Technischen Hochschule in Berlin Geheimrat Prof. Dr. Adolf Miethe und seinem Mitarbeiter Dr. Stammreich gelungen, den Zerfall des Queck­silber-Atoms zu verwirklichen und hierbei seinen Grundstein, nämlich Gold in nachweisbarer, wenn auch geringer Menge zu gewinnen. Wenn auch die Gewinnung von Gold auf diesem Wege an sich nicht lohnend ist, da sie einige tausendmal teurer wäre als die Gewinnung von Gold aus Gesteinen unb Erzen, so hat dennoch diese Ent­deckung die Bedeutung einer Großtat der deut­schen Wissenschaft, die sich gegenwärtig in all ihren Auswirkungen noch gar nicht abschähen läßt, ganz abgesehen davon, daß sie der Atom­wissenschaf! ganz neue Wege der Erkenntnis zeigt.

Was ist eigentlich ein Atom? Bis vor etwa zwanzig Jahren galt die Auffassung, daß ein Atom der winzigste Körper sei, der eine weitere Teilung nicht mehr gestattet, Und die Winzig­keit eines Atomkerns wird uns klar, wenn wir uns vvrzustellen versuchen, daß auf der Länge eines Millimeters zehn Millionen Atomkerne nebeneinander Platz haben. Aber die Atomwissen- schäft hat nun festgestellt, daß der Atomkern kei­neswegs etwas Unveränderliches und Unteilbares

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen,

Donnerstag, 24. Juli 1924

lichkeit zu verhindern. Man erreicht dadurch aber lediglich, daß die deutschen Auswanderer abermals unberaten und unbetraut willkürlich hinausgehen, um dann in der Fremde schließ­lich in erster Linie wieder für fremde Völker und Rassen Kulturdünger, anstatt für Deutsch­land von Anfang an Kulturträger zu sein. Die Gefahr rückt mit Riesenschritten nahe, daß der deutsche Auswanderer, als ein ebenso wert­voller wie positiver Aktivposten unseres Wirt­schaftslebens, uns dauernd dadurch verloren geht, daß er durch unser eigenes Verschul­den ausländischen Unternehmern und Kapi­talisten in die Arme getrieben wird und die­sen die Dienste leisten wird, die er Deutsch­land ebenso gut leisten würde, wenn die richtigen Vorkehrungen dafür getroffen wären.

Das Märchen, daß der deutsche Auswan­derer innerhalb weniger Jahre sein Deutsch­tum und die Anhänglichkeit an sein altes Va­terland im Auslande verliert, ist durch die großzügige Hilfe, die das gesamte Auslands­deutschtum der alten Heimat in den letzten Jahren geleistet hat, wohl gründlich zerstört worden. Anstatt, daß heute noch immer der­artige unzutreffende Behauptungen weiter verbreitet werden, sollten die deutschen Amts­stellen, schon aus Dankbarkeit, einmal eine amtliche Aufstellung veröffentlichen über die vielen Millionen von Geld und Sachwerten und deren Verbleib, welche von den Aus­ländsdeutschen freiwillig in den letzten Jahren nach Deutschland gesandt worden sind. Man würde staunen, was da für Beträge heraus­kämen, und das Märchen von den Ausländs­deutschen als vaterlandslose Leute würde bald für immer verstummen müssen.

Aus dem südostemopaischen Wetterwmkel.

Don Professor Dr. Hertz berg-Halle.

Wenn man eine Bölkerkarte vom heutigen Europa betrachtet, so fällt einem jeden das bunte Bild in die Augen, das sich, van den Wechftl- landen angefangen, durch Ungarn hindurch bis in die Dalkanhalbinseln hinein vor uns entrollt. Vertreter aller europäischen Rassen, ja auch einiger asiatischen wohnen hier und machen sich seit langer Zeit Luft und Licht streitig. Be­schränken wir uns in unseren Ausführungen auf die Dalkanhalbinsel, so ist auch da der Wirrwarr von Völkern noch heute groß genug. Da sitzen im Norden die slavifchen Stämme der Serben und Bulgaren, in den zerklüfteten Dergglandschaf- ten des Westens die Albanesen, vermutlich illy­rischen Geblütes, im Süden und an den Küsten des Aegäischen Meeres die Hellenen, mit Zähig­keit die Wohnsitze ihrer Altvvrderen bewahrend. Dazu kommen in Resten auf altthracischem Bo­den, zumal zwischen Adrianopel und Konstanti­nopel, türkische Osmanen, das ehemalige Herren­volk der Halbinsel. Don kleineren Dölkersplittern. wie den Macedo-Wlachen, Juden, Armeniern und Tataren hier zu schweigen. Rach Ausweis der geschichtlichen Ueberlieferung sind die sich immer auf das Bitterste befehdenden Stämme der Serben und Bulgaren erst im ftühen Mittel­alter auf der Balkan Halbinsel seßhaft geworden, während die türkischen Osmanen zu Ausgang des Mittelalters das byzantinische Erbe sich zu eigen machten. Wenn die alte byzanttnische Staatskunst auch den slawischen Einroanderern das Christen­tum vermittelte, so gelang ihr doch nicht, dis beiden kraftvollen Vertreter des Slawentums zu Griechen byzantinischen Gepräges zu machen. Ebensowenig tr-aren die türkischen Osmanen imstande, bei all ihrer kriegerischen Tüchtigkeit die Ballanvölker in Tüvken, in Anhänger des Islams umzuwan­deln. Kleinasien, zumal das innere Hochland, wurde freilich nach Sprache, Sitte und Bekennt­nis ein türkisches Land. Hart lastete die Faust der türkischen Herren auf den unterworfenen Christenvölkern, denen man die aufblühende Jugend oft genug raubte, um aus ihr die be­rühmte Janitschai-entruppe zu formieren. Damit kam viel kaukasisches Blut in die Adern des tür­kischen Herrenvolles, das in glücklichen Kriegen fast ganz Dorderasien, Nordafrika, Ungarn und Südrußland gewann.

Aber der Wurm der Derderbms zerftaß dre Wurzeln der türkischen Macht. Das Haremsleben und die unausrottbare sittliche Verkommenheit des alten Byzanz umstrickte auch die türkischen Machthaber, und so kam es, daß sich neue An- üxirter meldeten, die Hand aus das türttsche Erbe (egen wollten. Rußland, Oesterreich, Frankreich

ist Man weih jetzt, daß ein Atom gewissermaßen ein Neines Weltsystem für sich darstellt. Genau so, wie um die Sonne die Planeten sich bewegen, so' kreisen um den winzigen Atomkern noch »nn- zigere Körperchen, die sogenannten Elektronen. Und zwar ist die Zahl dieser kreisenden Elektronen bei jedem Element durchaus verschieden. Ein Wasserstoff-Atom toird nur von einem einzigen Elektron umschwebt. Um das Silber Atom be­wegen sich z. D. 47 Elektronen, um das Gold-Atom 79 und um das Uran-Atom sogar s2 alek.ronen. Die Entfernung eines Elektrons vom Atomkern beträgt etwa ein zehnmillionstel Millimeter. Und diese Elektronen umkreisen, wie der dänische Phy­siker Niels Bohr erklärt hat, den Atomkerir in einer einzigen Sekunde viele hundertmillionenmal. Ferner weiß man, daß die Atomkerne mit posi­tiver, die Elektronen dagegen mit negativer Elek­trizität geladen sind.

Nur ganz langsam konnte die Atomwissenschast auf diesem ungewöhnlich schwierigen Gebiet sich vorwärts tasten. Der englische Physiker Aston erkannte mit Hilft eines Massenspektographen. daß bei gewissen Elementen Atome verschiedenen Gewichtes gemischt auftreten. Eine toe.tere grund­legende Entdeckung machte der berühmte englische Physiker Ernest Rutherford (der 1908 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde and vor einigen Tagen vom Franklin-Institut in Pensylvanien die Franklin-Medaille erhielt», indem er im Früh­jahr 1919 die Welt mit der Nachricht überraschte, daß er daS Element Stickstoff in die Bestandteile

und England; alle diese Mächte verfolgten in den letzten Jahrhunderten ihre besonderen Zwecke in der Türkei. Rußland, den Christen des Süd­ostens blut- uni> glaubensverwandt, strebte nach dem Besitz von Stambul, nach der alten byzan- tinischen Kaiserkrone. Oesterreich, nachdem es wie­der Herr von Ungarn geworden, wollte die ser­bische Bevölkerung unter seinen Fahnen sammeln; wie das Schicksal von Bosnien beweist, war im 19. Jahrhundert ein guter Anfang dazu gemacht. Frankreich und England aber mühten sich mit wechselndem Erfolge zumal im 19. Jahrhundert, die türttsche Herrschaft in Europa zu erhalten, die nationalen Aspirationen beu Dalkanvölker auf ein bescheidenes Maß herabzudrücken. Aber der nationale Geist der Neu Hellenen, der Serben, der Bulgaren war stärker, und so lösten sich nach­einander die europäischen Provinzen des Os- manenreiches von der Herrschaft der Sultane, denen außer dem südöstlichen Rumelien mit Stam­bul in Asien nur noch die anatolische Halbinsel verblieb. Die neuen christlichen Staaten der Bal- kanhalbinsel verftelen der Beeinflussung durch die europäischen Großmächte. Bulgarien z. B. sollte ein russischer Vasallenstaat werden, wie das bei Serbien schließlich der Fall war. Griechenland, von kühnen Eroberungsträumen gewiegt, hoffte auf große Landgewinne in Kleinasien; eine Hoff­nung, die völlig fehlschlug. Serbien, von Ruß­land ängestachelt, wurde in grauenvoller Weise zum Urheber des Weltkrieges, um schließlich reiche Gewinne bei der Zertrümmerung von Oesterreich-Ungarn einzuheimsen. Aehnlich wie Rumänien, unter Leitung von König Karol er­starkt, sein Machtgebiet auf altdattschem Boden erweiterte, Ostungarn, Siebenbürgen und Bessara­bien sein eigen nannte. Aber die Völker und Staaten auf der Balkan Halbinsel entbrannten im­mer in mörderischem Hader gegeneinander. Serben gegen die Stammverwandten Bulgaren, Serben gegen Albanesen, Bulgaren gegen die Griechen. Immer regiert da Mars die Stunde. Daß wir Deutsche auch im Weltkriege den Bulgaren mit helfen wollten, sei nur der Vollständigkeit halber mit erwähnt, unsere Bemühungen sind ohne Er­folg gewesen, unsere Hoffnungen, auf türttschem oBden das Wirtschaftsleben zu kräftigen, die verödeten Fluren des Zweistromlandes toieber zu neuem Leben zu erwecken, sind für lange be­graben. Und so tobt der Streit weiter. Wenn auch die Völker der Ballanhalbinsel nach ihren besonderen Eigenschaften treffliche Bausteine zu einem Gesamtstaate böten, wann wird der Bau­meister hier kommen, der die Flucht der Erschei­nungen unter einen ruhenden Pol zwingt?

Turnen, Sport und Spiel.

Die IV. Nationalen leichtathletischen Wettkämpfe des Giehener Sportelubs v. 1900.

D-ieIV. Nationalen" haben die Annalen des Clubs und die der Gießener Leichtathletik überhaupt um ein Ruhmesblatt bereichert. Nicht nur wegen des ehrenvollen Abschneidens des Veranstalters, sondern in erster Linie wegen der auf hoher sportlicher Stufe und auch technisch sehr gut durchgeführten Veranstaltung an sich. Es ist keine Kleinrgkeit, Wettkämpfe mit über 270 Teilnehmern zu organisieren.

In den.Jugendklassen war die Uebertegen* heft der FrankfurterEintracht" doch nicht so erdrückend, wie erwartet wurde. Recht gutes Ma­terial hatte ihr Rivale,Dorussra" Frankfurt, im Felde. Marschall brachte für seinen Ver­ein allein drei erste Siege nach Hause. Hessen- Preußen Kassel, der Sieger in der 4xl00-Meter° Staffel 0607, bewies, daß er über guten Nach­wuchs verfügt. Wenn sich auch die 1900er-Jugend mit einer Anzahl zweiter und dritter Plätze be­gnügen mußte, so hat sie doch den Beweis er­bracht, daß sie einen stets gefährlichen Gegner abgibl, gegen den z. B. die 1. 4xl00-Meter- Jugcndstaffel derEintracht" Frankfurt schon im Dorlauf in geschlagenem Felde bleiben mußte.

Bei den attiven Wettbewerben fällt es eigent­lich schwer, sowohl in den Einzellonkurrenzen, als auch in den Stafftln, diese oder jene Leistung über die andere zu stellen. Das gilt in erster Linie für den Lauf. Wem soll man den.Dorzug geben? Den von den beidenK.-D.-C. -Leuten C ü 11 g e n und Steves in elegantem Stil ge­wonnenen Läufen über 100 bzw. 400 Meter, oder Fischers (1900 Gießen) Energie im 200-Meter- Gndlauf. die ihn 5 Meter vor dem Ziel an ben beiden führenden Gegnern Vorbeigehen ließ, dem sicheren Sieg des Niederlahnsteiners Hohl über 800 Meter, oder dem unverwüstlichen 5000-Meter- Sieger Gerhard, Weilburg? Nicht weniger konnte der Sieg Schaurigs (Hessen-Preußen Kassel) in 100-Meter-Junioren und der des 1900ers Lang loh in 50-Meter-Anfänger im­ponieren. In der 4x!00-Meter-Stafftl offen war der Kölner D.-K. mit 45 S. Vto Sek. ehey am Ziel als die 1900er, die wohl ihren Ehrgeiz darin gesetzt hatten, gerade dftse Staffel zu ge-

Helium und Wasserstoff habe zerlegen können, wo­mit der überrascheiide Nachweis erbracht war, daß die Elemente, die man bis dahin als unteil­bare Grundstoffe angesehen hatte, tatsächlich wei­terhin teilbar sind. Allerdings war diese Ent­deckung erst möglich nach der Entdeckung d's Radiums unö den Erperimenten, die Madame Curie (Paris) mit diesem neuentdeckten Element anstellte. Frau Curie gelang es, Stoffe darzustellen, die fortgesetzt die photographische Pstttte schwärzen, die Luft elektrisch leitend machen und zuweilen auch Lichterscheinungen hervor­bringen. Die Rätselhaftigkeit dieser Vorgänge wurde von Rutherford aufgeklärt, indem er sie als freitotdigen Atomzerfall deutete. Er wies darauf hin, daß, wenn man ein radioaktives Prä­parat innerhalb eines elekttischrn Feldes bringt, ein Atomzerfall eintritt, indem die Kernteile ab= g.lenkt toerben und davonfliegen und neue klei­nere Atome oder bloße Elektronen bilden. Ru­therfords Behauptungen wurden durch zahlreiche Experimente in vollstem Umfang bestätigt.

Die Umwandlung eines Elements in andere Elemente: das war das grundsätzlich Neue, das Rutherford zu danken war, eine Erkenntnis, die alle früheren Auffassungen von der Unteil­barkeit des Elements einfach umstieh. Radium zerfiel auf experimentellem Wege in zwei andere Elemente: in Blei und (freilich nur in sehr kleiner Menge) in das Edelgas Helium, das, nebenbei bemerkt, bereits zwanzig Jahre vorher auf der Sonn feftgefteilt wurde, ehe man es auf der

Winnen. Aber der Lauf war für die Gießener insofern ein großer Erfolg, als es ihnen ge­lang, ihren Klubrekord (bis 45,5 Sek.) um/io'öet zu verbessern. So ist also im nächsten Jahr der K. D.-K." Verteidiger des Wanderpreises. Der diesjährige Verteidiger,Borussia" Frankfurt, mußte, obwohl er 2 Mannfchaften zur Verfügung hatt., schon in den Vorläufen ausscheiden, ent­schädigte sich aber dafür durch den Sieg in der Olympischen Staffel, und damit den dafür aus­gesetzten Wanderpreis gewinnend. Nicht zu ver­gessen ist der famose Sieg eines Landvereins un­serer engeren Heimat in der Schwedenslaffel für Anfänger, nämlich der Tgde. Leun. In den Sprung- gab Wurskonkurrenze' gab es bei präch­tigen Leistungen einige Überraschungen. I u n g- henn (Hessen-Preußen Kassel) tonnte sich im Kugelstoßen nicht placieren, Paulus wurde nur Dritter. Dagegen sicherte sich letzterer das Diskuswerfen. Im Speerwerfen blieb der Gau- meister Dr. Hundhausen zum zw iten Male hinter den beiden Gießenern Decke, und Kreu- t e r. Der von privater Seite gestiftete Wander­preis für die beste Gesamtleistung, i en im Jahre 1921 der Derliner Sport-Klub gewann, hat seit 1922 Gießens Mauern nicht wieder verlassen. Auch in diesem Jahre steht der S. C. v. 1900 in der Gesamtleistung mit 11 Punkten vor Hessen- Preußen Kassel an erster Siebe und ist so in den endgültigen Desih des Wanderpreises ge­langt. Nachstehend die Ergebnisse der Kämpfe.

Offene Wettbewerbe: 10 0 Meter: 1. Lüttgen, Kölner Dallspielklub, 11,3; 2. Metzger, Borussia Frankfurt, 11,4; 3. Fischer, Sportklub 1900 Gießen, 11,6 Sek.; 4. Bernd, Koblenzer Fuß­ballklub. 200 Meter: 1. Fischer, Sportklub 1900 Gießen, 23,3; 2. Nau, Binger Fußballv., 23,4; 3. Bernd, Koblenzer Fuhballllub, 24,4 Sek. 400 Meter: 1. Steves, Kölner Ballspielklub, 53,0; 2. Wittettnd, Hessen-Preußen Kassel, 53,4; 3. Wagner, Borussia Frankfurt, 55,8 Sek. 800 Meter: 1. Hohl, D. f. L. Lahnstein, 2: 05 Min.; 2. Drückmann, T.- u. Sp.-D. Äieder-Erlen- bach, 2:10 Min.; 3. Kaufmann, Borussia Frank­furt. 5000 Meter: 1. Gerhardt, Weilburger Fußballv., 16:54 Min.; 2. Wagner, Spörtabt. 3. Komp. I.-R. 15, Gießen, 40 Meter; 3. Köller, B. f. L. Lahnstein, weitere 50 Meter zurück. Hochsprung: 1. Mahr, Sportverein 07 Hed­dernheim, 1,65 Meter; 2. Wallenfels, Sportklub 1900 Gießen, 1,60 Meter; 3. Hottenstein, Mann­heimer Sportklub, 1,60 Meter. (Durch Los.) Weitspru ng: 1. Hülstrunk, Koblenzer Fuß­ballklub, 6,10 Meter; 2. Jöns, Koblenzer Fußball­klub, 6,09; 3. Dr. Hundhausen, Hessen-Preußen Kassel, 5,80 Meter. Kugelst oh en: 1.Barz, Sportverein 07 Heddernheim, 11,30 Meter; 2. Hülstrunk, Koblenzer Fuhballkl., 11,15; 3. Paulus (Borussia Fulda) 11,04; 4. Trautwein, Binger Fuhballverein, 10,93 Meter. Speerwerfen: 1. Becker, Sportklub 1900 Gießen, 44 Meter; 2. Kreuter, Sportklub 1900 Gießen, 41,30; 3. Dr. Hundhausen, Hessen-Preußen Kassel, 40 75 Met. Diskuswerfen: 1. Paulus,Borussia Fulda, 37,75; 2. Junghenn, Hessen-Preußen Kassel, 36,80; 3. Trautwein, Binger Fuhballverein, 35,75 Meter. 4X100-Meter-Staffel (Wanderpreis: Sieger von 1923 Borussia Frankfurt): 1. Kölner Dallspielklub (Ansorge, Remagen, Lüttgen, Ste­ves) 45,00; 2. Sportklub 1900 Gießen, 45,01; 3. Dinger Fußballklub, 45,02 Sek.; 4. Koblenzer Fuh- ballHub. Olympische Staffel (Wander­preis, Sieger von 1923; Eintracht Frankfurt): 1. Borussia Frankfurt (Kaufmann, Michel I., Metzger, Wagner) 3:56 Min.; 2. Kölner Ball- spielllub 3:57,2; 3. T.° u. Sp.-D. Rieder-Erlen- bach 4:02 Min. 4x!00-Meter-Staffel, Klasse B; 1. T.- u. Sp.-D. Rieder-Erlenbach (Diehl, Schwander, Spengler, Michel» 48,4 Sek.; 2. Sportfreunde Siegen 49,1; 3. Sportklub Mann­heim 49,3 Sek.; 4. Sportllub 20 Frankfurt.

Junioren. 100 Meter: 1. Schaurig, Hessen-Preußen Kassel, 11,3 Sek.; 2. Remagen, Kölner Dallspielklub, 11,4; 3. Dr. Hundhaus en, Hessen-Preußen Kassel, 11,8. Hvchsprung: 1. Mahr, Sportd. 07 Heddernheim, 1.55 Meter; 2. Kreuter, Sportklub 1900 Gießen, 1,55 (berührt); 3. Tvautwein, Dinger Fußballv., 1,50 Meter. Speerwerfen: 1. Ansvrg, Kölner Dallspiel- flub, 36,28 Meter; 2. Häntgen, Koblenzer Fuß- ballv., 36,15; 3. Waldschmidt, Wetzlarer Fuhball­llub, 36,12. Drei kampf (100 Meter, Kugel­stoßen, Hochsprung): 1. Trautwein, Di per Fuß­ballverein, 143; 2. Rau, Dinger Fußballv., 140; 3. Hülstrunk, Koblenzer Fuhballllub, 134 Punkte.

Anfänger. 50 Met er: 1. Langlctz, Sport­llub 1900 Gießen, 6,00 Sek.; 2. Stift, QEannbeimer Sportllub, 6,01; 3. Dachmann, Sportllub 1900 Gießen, 6,02. Kugelstoßen: 1. Häntgen, Koblenzer Fuhballllub, 9,46 Meter; 2. Wagner, Dorufsia Frankfurt, 9,16; 3. Hottenstein, Mann­heimer Sportklub, 9,08. Schweden staffel: 1. Spvrtgemeinde Leun (Süß, Dender, Duddi, Otto) 2:15,4 Min.; 2. Mannheimer Sportllub, 2:15,6; 3. T - u. Sp.-D. Rieder-Erlenbach, 2:15,7; 4. Sportllub 20 Franfturt.

Jugend-Wettkämpfe. Jahrgang 1910 und jünger. 5 0 Meter: 1. Glöckner, Eintracht Erde zu entdecken vermochte. Die Helium-Atome, die mit einer Geschwindigkeit von 20 000 Kilo­metern in der Sekunde aus dem Radiumlern herausgeschleudert wurden, sind die sog. .X-Sttatz- len. Diese ^-Strahlen haben nun, wie Ruther­ford weiter nachgewiesen hat. die Fäh g cit, druch die Gewalt, mit der sie fortgeschleudert werden, das Atom eines Elements zu zerschlagen und in ein leichteres zu zerlegen. So wurde das Stick­stoff-Atom in Wasserstoff-Atome auf gespalten, die sich alsWasserstoftstrahlen" zeisten Aehnliche Versuche wurden mit gleichem Erfolg auch bei anderen Elementen unternommen.

Dei alledem stehen wir erst am Anfang neuer grundlegender Erkenntnisse über das W scn und den Aufbau der Materie. Reue Ausblicke n?n ungewohnter Weite eröffnen sich. Freilich, nicht wir heute Gebenden werden die Früchte all öiefcr Erkenntnisse reifen schm. Wir leisten nur die mühevolle Kärrnerarbeit für späte e Menschen­geschlechter, für die wir den Weg nach neuen Kraftwellen suchen. So hat die Entdeckung des Geheimrats Miethe, dah aus Quecksrlber Gold gewonnen werden kann, vorerst zwar noch keine wirtschaftliche Bedeutung, sondern sie ist nur wis­senschaftlich zu werten. In diesem Sinne aber ist sie eine Groh tat der deutschen Wissenschaft. dis in einer Epoche der politischen und winschastlil en Knechtungsversuche des deutschen Dost.v : urch d e Entente geradezu als eine befreiende Tat des deutschen Geistes angespvochen werden muß.