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SSL „terhaltungS- abend!
Er. 250 Srocttes Blatt Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Tdertzeffen)
Marokkoaffäre und Meerengenfrage.
Die französisch-russische Politik auf Gegenseitigkeit. — Aus den Geheimakten der russischen Staatsarchive.
fdjen Meer sehr wesentliche politische DeränDe- runflen statt gefunden. Frankreich errietet seine Herrschaft über Marokko; Italien bringt Tripolis und die Kyrenaika an sich: England befestigt seine ©Leitung in Aegypten und kümmert sich, wie aus der Verfügung der Reutralität dieses Landes wifeend des tüikisch-i'.alienischen Krieges ersichtlich ist. um keinerlei Erwägungen hinsichtlich der juristiichen Zugehörigkeit dieses Landes zum Ottornanischen Reiche. Was uns betrifft, so beobachten wir, ohne unmittelbar an diesen Fragen interessiert zu sein, im engsten Ansch uh an der allgemeinen Charakter unserer Beziehungen zu Frankreich, England und Italien eine durchaus zu stimmende Haltung gegmüber all liefen Handlungen und machen überdies die uneigennützigsten Anstrengungen, um die Balkanstaaten von kriegerischen Aktionen zurückzuhalten. Ab^r wir sind verpflichtet, auch an unsere eigenen Inte ressen zu denken sowie daran, uns von Einschränkungen zu befr.ien, fee uns unter ganz anderen Umständen auserlegt wurden und jetzt völlig veraltet |ind. Bor drei Jahren haben toir von Frankreich gelegentlich der durch die Annexion von Bosnien und der Herzegowina hervorgerufenen Krise die bestimmtesten Versicherungen erhalten, dah wir in der Meerengenfrage auf seine Sympoth-e rechnen könnten. Wir haben aber damals freiwillig darauf verzichtet, diese Frage aufzuwerfen, um die Lage nicht zu komplizieren und den allgemeinen Frieden nicht zu gefährden. Natürlich zweifeln wir nicht eine einzige Minute daran, dah uns die Sympathie Frankreichs in Dieter Angelegenheit für die Zukunft ebenfalls sicher ist, um so mehr, als das Erscheinen unserer Schwarzen -Meer -Flotte im Mittelmeer die Stellung der französischen Sceftteit- fiäfte in diesen Gewässern nur verstärken kann. Allein angesichts der formellen Aenderun^en, die sich auf diesem Schauplatz augenblicklich vollziehen, ist es für uns nötig, für eine ebensolche formelle Bestätigung unserer Rechte und Interessen zu sorgen. Wir hoffen demzufolge, das; die französische Regierung sich nicht weigern wird, in irgendeiner Art ihre Stellungnahme gegenüber den Bkahnahmen zu formulieren, die wir früher oder später bezüglich der Meerengen und der angrenzenden Gebiete zu ergreifen für notwendig halten werden. . . .
Herr de Selbes hat mir erklärt, daß er bereit sei, diese Fragen in der aufrichtigsten Weise mit mir zu besprechen. Er wisse bereits durch seinen Vertreter in Petersburg, dah wir wegen der Losung der Adeerengenfrage in Sorge seien und dah er die Stärke der von mir borge- brachten Argumente vollauf zu würdigen wisse. In Berücksichtigung der sehr schwachen Kenntnisse des Herrn de Selbes in den Fragen der äußeren Politik habe ich mich für den Augenblick auf die obenerwähnte allgemeine Unterhaltung beschränkt. Ich beabsichtige in einiger Zeit aus das Thema ^urückzukommen und dann konkretere Wünsche auszusprechen. Man wird hierzu den Augenblick in Verbindung mit den französisch-deutschen Besprechungen und mit der Entwicklung des Tripolis- Konfliktes wählen müssen."
Aus Anlah des Abschlu ses der deutsch-französischen Verhandluirgen unternimmt er dann am 4. Rovember, wie aus feinem Berichte bom 8. herborgeht (üvtunbe Rr. 154 nebst Anlage) einen erneuten Dorstoh, und zwar diesmal mit einem Schreiben an den Außenminister der französischen Republik, und zwar, wie er sich in seinem Berichte ausdrückt, „um Herrn de Selbes zu verhindern, sich bor'her mit England oder bielleicht mit irgendwelchen anderen Mächten zu verständigen." „
Dvch die französische Regierung ist ängstlich, und de Selbes w e i ch t a u s . so Daß er noch einmal erneut und in energischer Form auf die Angelegenheit mit Georges L o u i s . der eigentlich die französische Außenpolitik leitet, zurückkommt (Bericht bom 23. Rovember. Urkunde Rr. L9).
Schließlich kann er nicht umhin, in einem Brief bom 12. Oktober (Urkunde Rr. 141) erneut eindringlichst auf folgendes hinzuwci te.i:
Wenn wir und tatsächlich dahin entscheiden, die Frage der Meerengen jetzt anzuschneiden ist es sehr wichtig, dafür zu sorgen, dah wir'hier „eine gute Pre sse" haben: in dieser Beziehung bin ich jedoch leiber der hauptsächlichsten OBaffe beraubt; denn meine dringenden Bitten, mich mit Spezialfon d s f u r die Presse zu versahni, haben zu nichts geführt
DDG. Iswolski hat. wie sein diplomatischer Schriftwechsel*) nachweist, zu keiner Z it und bei ferner Gelegenheit Kritik an dem rechts- und vertragswidrigen Vorgehen des französisch?n Bundesgenossen in der Marokko Affäre geübt. Im Einvernehmen mit dem russischen Außen- minifter verleiht er ihm vielmehr, sowohl bei den Verhandlungen nvt Deutschland als auch mit Spanien, hilfsbereite diplomatif che Unter ft üt)ung bei seinem Abenteuer, nicht aber etwa aus reiner Selbstlosigkeit ooer Dundes- fceundschaft, sondern um als Gege le ftung endlich auch das französ.sche Einverständnis zu einem evtl. Vorgehen in der Meerengenfrage zu erlangen.
Dah auch die russische Regierung selbst auf dieses Ziel htnarbeitet, geht aus Drei Telegrammen des den erkrankten Sasonow vertretenden Rer at ow vom 1. Mai, bom 5. Mai und bom 5. Oktober hervor (Urkunden Rr. 65, 67, 132).
.... „Wir bitten Sie, auch unsererseits in Berlin zu erflären, dah wir die Operationen Frankreichs in Marokko als gerecht und natürlichanerkennen und für durchaus einwands rei hallen. . . .“
..... Wollen Sie bitte das günstige Resultat unserer freundlichen Intervention in Berlin betonen, die eine völlig befriedigende Antwort von festen Deutschlands herbeigeiührt hat und gleichzeitig die Zuversicht ausdrücken, das) wir gegebenenfalls die gleiche Unterstützung von Frankreich erhalten . . . ."
„. . . . Es besteht bereits kein Zweifel mehr, dah die französisch-deutschen Besprechungen über Marokko sich, wenn auch langam, einem günstigen Ende nähern . . Da wir durch genau festgeleeste, Beziehungen mit Frankreich verbunden sind und nur wenig Interesse am Rordwesten Afrikas haben, ist es llar, dah wir im voraus allem ,j u ft i m m e n werden, was Frankreich in diesen Derhandlungen mit Deutschland beschießen wrd. Aber das gibt uns, wie mir scheint, berechtigten Anlah, zu hoffen, das; Frankreich sich moralisch verpflichtet fühlen wird, uns bei gegebener Gelegenheit mit gleiche rMünze z u zahlen und von vornherein auf eine Opposition oder Einmischung bei solchen Fragen zu verzichten, an denen Frankreich weniger inter- effieut ist, während wir an ihnen ein wesentliches Interesse haben. Zu diesen Fragen gehöre i ,(toei von besonders ausgeprägtem Charakter, namentlich die der ..Meerengen" und die der „Mandschure i". Weit entfernt davon, F ank- reich bezüglich der Meerengen durch irgendein konkretes Verspreche i für eine bestimmte Zukunft binden zu wollen, halten wir es doch für zeitgemäß uns der Zustimmung unseres Verbündeten zu versichern, dah er sich unserem Standpunkt und unseren etwaigen Schritten in dem Augenblick nicht widei-seht, wo wir es für nötig erachten werden, in unseren Fragen zu bestimmten Besprechungen und vielleicht sogar zu Handlungen überzugehen. Ich nehme an. dah man die Abkommen über die Meerengen in Anlehnung an die mit Italien in Raccvnigi ausgetauschten Formulierungen, die nunmehr mit größter Genauigkeit festgelegt We den mühten, die Form von Briefen zwischen den beiden Ministern des Aeuhern, ungefähr in der Art des hier beigefügten Entwurfes geben konnte. Wollen Sie bitte bei der ersten Gelegenheit der Regierung der Republik unsere bargelegten Erwartungen zur Kenntnis bringen."
Iswolski erwidert hierauf am 11. Oktober (Urkunde Rr. 140):
. Ich habe meine heutige (Zusammenkunft mit Herrn de Selbes dazu benutzt, um ihm in allgemeinen Ausdrücken das Schema unserer Wünsche darzulegen. . . . Beginnend mit der wichtigsten und schwierigsten Frage, der der „M e e r e n g e n", habe ich ihm gesagt dah ich. obgleich ich über den Zeitpunkt, an den diese Frage von uns aufgerollt werden konnte, nichts wühte, jedoch Instruktionen hätte, bereits jetzt die Aufmerksamkeit der französischen Regierung auf sie zu lenken.
Im Laufe der letzten Zeit, sagte ich zu ihm, haben in Europa und besonders im Mittelländi-
*) „Der Diplomatische Schriftwechsel Iswolskis 1911—1914.“ Aus den Geheimakten der Russischen Staatsarchive. Im Auftrage des Deutschen Auswäistigen Amtes in deutscher Uebev- tragung herausgegeben von Fr edrich Stieve. Deutsche Veilagsgefellschaft für Pol.tik und Geschichte in Berlin.
Ich werde natürlich alles tun, was an mir liegt; aber hier handelt es sich gerade um eine jener Fragen, in denen dieöfsent liche Meinung gernäh alter Tradition eher gegen uns eingenommen ist . . „Man kann nicht umhin, zu wünschen, an der Spitze des Quai d'Orsay eine Persönlichkeit zu sehen, die in der Geschästen etwas mehr auf dem Laufenden ist, als dieser unglückliche de Selves . . ." Dieter sehnlichste Wunsch Iswolskis, einen gleichgesinnten Kollegen mit der Leitung der französischen Auhenpolllik betraut zu sehen, sollte sich bald erfüllen mit der Berufung desjenigen Mannes, in dessen inniger Gemeinschaft er nunmehr auf die Verwirklichung der russischen und franzöllschen Ziele über den Weg eines europäischen Krieges hinarbeitet. nämlich der QSecufurg von Raymond Poincare zum französischen Ministerpräsidenten und Auhenminister.
Aus der Provinz.
Landkreis Gießen.
df. Langsdorf, 22. Oft. Am Donnerstag, 23. d. M., verläßt unser langjähriger Lehrer Leid ich, der infolge des Abbaugeieyes in noch rüstigem Alter aus dem ihm lieb gewordenen Amte scheiden muhte, unser Dorf, mit dem er im Laufe seiner 40jährigen Tätigkeit sehr eng verwachien ist. Es scheidet hier nicht nur ein Beamter aus dem Dienst, sondern ein Mann, dessen Rame in ganz Hessen, ja Darüber hinaus einen guten Klang hat; ist er doch der Bahnbrecher bei der Umgestaltung der landwirtschaftlichen Fortbildungsschule gewesen, einem Gebiete, das ihm gleich seinem Freunde, dem verstorbenen Reichstags- und Land- tagsabgeordneten Kohler- Langsdorf. eine Herzenssache war. Daher betätgte er sich in diesem Sinne auch in unserer Gemeinde. Aber auch auf anderen Gebieten übernahm er die geistige Führung. Jede bestehende Organ.sation zählt ihn zu ihrem Vorstand, meist zu ihren Gründern. U. a. führte unser Lehrer über 30 Jahre den hiesigen Gesangverein, und stets herrschte das schönste Einvernehmen zwischen Dirigent und Sängern. So ist unsere Gemeinde dem Scheidenden auf allen Gebieten zu grobem Dank verpflichtet. Obwohl schon am 30. Mai durch Kreisschulrat Fischer im Beisein des Gemeinderats und Schulvorstandes die feierliche DiLnslentlasfung stattfand, lieh cs sich die Gemeinde doch nicht nehmen, dem nun scheidenden Lehrtzr am Dienstagabend eine Edrung in größerem Stil zuteil werden zu lassen. Die Anregung ging vom Gesangverein aus, der seinen langjährigen Dirigenten nicht ohne Dank scheiden lassen und in Gegenwart der Ceme'.nde ehren wollte. Um 81/» Uhr bewegte sich unter Borantritt der Schuljugend ein Fackelzug aller Vereine nach dem Schulhaus, um Herrn Leidich abzuholen. Alsdann begab sich der Zug in den neuen Saal des Gastwirts' Schäfer, wo die Abschiedsfeier stattfand. Lieder der Schüler und des Gesangvereins wechselten mit Ansprachen des Bürgermeisters und der Vorsitzenden Der Vereine Ein Schüler und eine Schülerin riefen Dem scheidenden Lehrer unter Ueberreichung eines Blrnnenstrauhes ein herzliches Lebewohl zu. Vor- führungen der Turnjugend: Freiübungen und eine Anzahl Reigen verschönten den Abend. Der Saal war vollbesetzt, ein Zeichen, dah die ganze Gemeinde ihres Lehrers gedenken wollte. So wird auch die schlichte Feier allen Teilnehmern in steter Erinnerung bleiben. Herr Leidich dantte allen Rednern der Gemeinde für die dargebrachte Ehrung und gab das Versprechen, unser liebes Heimatdorf, das ja seine Heimat geworden, nie zu vergessen. Richt Lebewohl, sondern auf Wiedersehen rief er den Anwesenden und besonders seinen einstigen Sängern zu. Am Donnerstag siedelt er nach Dauernhei m, Kr. Büdingen über, wo sein Schwiegersohn Lehrer ist. Möchten ihm noch viele Jahre in derselben Frische und Rüstigkeit beschert sein!
* Hungen, 22. Oft. In unserer Stadt vermißt man ein evangelisches Gemeindehaus. Um diesen Mangel bei nächstpassender Gelegenheit abzustellen, wurde jetzt ein G e mein d e- haus-Bauverein ins Leben gerufen. Es wird auf freiwillige Beiträge der Gemeindeglieder, je nach der CteiffungSfäfegfeit des einzelnen, gerechnet.
eu. Grvhen-Duseck. 22. Oft. Am Sonntag unternahm der V H. C. Duseckertal eine Wanderung von Gießen über Heuchelheim, Ah- bach, Dorlar, Garbenheim nach Wetzlar. Das Eigentümliche, das Wetzlar kennzeichnet, lernten die Teilnehmer kennen: die Industriewerke von Duderus-Röchling, die Leitzwerke, und unter kundiger Führung das geschichtlich bemerkenswerte Baudenkmal, den Dom, und das Lottehaus mit seinen wertvollen Goethe-Erinnerungen. Allzufrüh mußte die Heimfahrt angetreten werden. —
27. Fortsetzung.
(Rachdruck verboten.)
seltsame Aitterwochen. I
Roman von Arnold Fredericks.
Der Präfekt platzte heraus. „Sie — e n Landmann! Mon Dieu, wie drollig! Kartoffeln vermutlich und Hühner, Hunde und Tauben."
„Richtig erraten, und glauben Sie mir, das ist mir lieber als alle Vergnügungen von Paris. Sie müssen einmal zu uns kommen und selbst sehen I" Er wandte sich der Türe zu.
„Machen wir — Duvall, machen wir! Aber erst müssen wir diesen Jungen finden. Was schlagen Sie zunächst vor?"
Duvall lachte, „Und Sie?" gab er zurück.
„Ich wette eine Flasche Champagner mein Freund, und ein Abendessen im Cafe Royal, daß wir den Knaben eher finden. als cie.
„Angenommen. Jetzt mutz ich gehen. Gute Rächt I" ...
Der Präfekt lachte noch, als Grace vorsich- ttg aus seinem Privatzimmer berauS aL Richard fort fei „3<t> find- rs 'ihn so zu täuschen" sagte sie, „der arm. --
er hätte dte Räuber doch gefangen, waren wir nicht dazwischen getreten.
Lesevrc nahm das Päckchen, mit Stapletons Geld und ve^chloß es sorgsam m seinem Stahl- ^„Morgen müffen Sie es ifey 3urücfgeben/ faate er. Und dann schlage ich vor. daß Sie >Frau Stapleton streng beobachten. Meine Leute fcaben das bisher nicht getan. Wir hatten sie tm Verdacht. Sie kann, wenn sie m di« Ge
schichte ve:wick?lt ist, unvorsichtig genug sein, ihr Kind zu beuchen."
„Und wenn nicht? . ,,, _ ,
Tunn geben Sir auf Fva-yors acht! Habm Sie "in keiner Richtung Erfolg, fe fürchte ich müssen wir auf den nächsten Schritt Der Entführer warten. Da ist natürlich Valentin."
„Valentin ist unschuldig."
„Woher wissen Sie das?"
Ich habe ihn beobachtet. Er tat heute nacht, was "er konnte, um mich zu unterstützen. Wäre er mit dm Räufem im Bunde, so h itt* er, als er wußte. daß ich das Geld hatte, bepunn irgendwo hinfahren können, wo er mir das Geld genemmen hätte. Ich erwartete etwas Dera-rtig:s. aber, we Sie wissen, versuchte er es nicht. Ich bin überzeugt, dah er uns Hilst, soviel er kann."
„In diesem Fall können Sie ihn vielleicht dazu bringen. Ihnen zu sagm, was es mit der Zigarettenschachtel aüf sich htt Ich glaub? bestimmt, dah uns Aufklärung hierüber der Lösung der ganzen Geschichte näher bringen würde."
„Ich Word? mengen m t ihm spr.ch n."
„Gut. Und wenn Sie cinverstanden ffctb, fahren wir jetzt nach Hcm.se."
„Der gute alte Richard." fagte Grace, als der Präfekt ihr in seinen Kraftwagen half. „Ich wollte, ich wäre noch h.ute ab.nd bei ihm"
Lefevre lächelte unb streichelte ihre Hand.
„Ich wünschte es Ihnm auch, mein? Teure. Aber denken Sie Daran, dah Sie nur Staplet?ns Kind zu finden brauchen, um zu Ihren Hüh ern und Kühen mit der Befriedigung zurück zu können, dah Sie sowohl Den Eltern, als auch mir einen unschätzbaren Dienst geleistet haben!"
Elftes Kapitel.
Am nächsten AbenD um ach: Uhr tarn Grace mit Dem Celdpäckchen zu Stapleton.
E-ie war zur Sicherheit von zwei Leu'en Der Präfektur begleitet, die bis zur Türe mit ihr gingen.
Vormittags war sie schon dagewesen, aber Stapleton war nicht zu Haus; und man hatte ihr gesagt, vor Abend werde er nicht zurück sein
Sie sprach nochmals Frau Staplewn, ihre Unterhaltung mit ihr führte jebod) zu nichts. Die arme Dame war nach dem Fehlschlag am vorigen Abend in äußerster Verzweiflung und verbrachte Den Tag weinend in ih.-en Zimmern.
Für Grace stand fest, daß ih.' Kummer natürlich war. Sie war überzeugt davon, daß Frau Stapleton mit Dem Geh.-imnis Der Zigaretten nichts zu tun hatte. Auch Valentin hatte sie Darüber nicht aufgeklärt. Er weigert? sich entschieden. Das Borhandenfein Der Zigaretten in seinem Zimmer oder den GrunD ?u erklären, warum ihm Mary Lanahan geschrieben hatte, sie zu beseitigen Er sagte, das gehe nur die Wärterin und ihn an, und versicherte Grace, dah Die Beantwortung ihrer Fragen mit Der Wieder- auffinDung des Kindes nicht Das geringste zu tun habe.
Stapleton erwartete sie in Der Bibliotbek, als sie eintrat. Der Präfekt hatte ihm telephoniert. dah sein Geld gerettet sei und ihm zurückgebracht würde. Sonst wußte er nichts außer dem, was ihm Duvall abends vorher erzählt hatte. In- folgeDefen war er entschieden schlecht gelaunt.
Grace legte das Geld auf Den Tisch. „Hier sind Ihre hunderttausend Dollar, Herr Stapleton." sagte sie.
Donnerstag, 23. ©ftober (924
<33 besteht große Aussicht, daß Der Spätzug um 11 Uhr wieder, ipeim auch nur an einigen Sagen der Woche, eingelegt wird.
• Gründe rg, 22. Olt. Der ©emeinDerat beschloß. laut „Grünberger Anzeiger", zur Erinnerung an Den hervorragenden Forschungs- reisenden und Gelehrten Pros. Dr. Koch. G rün berg, der seiner Datersladt Grünberg zeitlebens ein treuem Gedenken bewahrte, die neue Straße zwischen Bezirlssparkasse und Gießener Straße Theo- Koch-Straße zu nennen.
Ä reis Büdingen.
- > Ridda, 22. Oft. In dem benachbarten Dingen he irn stürzte ein vierjähriger Pflegling IDes Kinderheims in den im Garten befindlichen Weiher und ertrank.
,'ftrctö Schotten.
• Schotten, 22. Oft. Die Bücherei deS Bolksbildiingsvereins hat eine bedeutende Erweiterung erfahren. Es sind 40 Bände neu angeschafft woi den. Unter dem Vorsitz des Kreisfeuerweht inspektors C b e r h e i m wurde hier ein Kreis- sieuerwehrverband gegründet. Ein Ausschuß wurde mit der Ausarbeitung der Statuten beauftragt.
Ober - Schm i tten, 22. Oll. Rächsten Samstag fe er« die Eheleute KonradRuppel dahier in körperlicher und geistiger Frische das Fest der gotbenen Hochzeit.
-4- Gede:r n. 22. Oft. Der Vorschuß- und Kreditver«:in Gedern bat in feiner letzten Generalversammlung beschlossen. Den Ramen „©ebener Bank (21.©.)" anzunehmen.
Kreis Friedberg.
vw. Butzbach, 21. Oft. Für Die am nächsten Sonntag stattfindende Stadtverordnetenwahl sind 8 Listen ausgestellt worden. Man kann nic()t einsehen, dah zur Wahl für das Stadtparlarnevst die Parteibrille aufgesetzt wird und daß man immer noch bei Den Kommunalwahlen das Verhältniswahlsystem beibehält. — Die zweite Aufführung des Körnerschen Trauerspiels „Zwing" wurde von den jungen Dilettanten wiederum recht gut gegeben Die Vorstellung erfreute sich eines regen Besuches aus Stadl und Umgegend. — Mit der 2luf- führung des Kohebueschen Lustspiels „Die deutschen Kleinstälätcr" führte sich die wieder erstandene Hessische Landeswanderbühne aufs beste ein .Der gute Ruf, der ihr voraus- ging, fand auss neue Bestätigung. — Die Bol f s- Hochschule nimmt nun auch wieder ihre Tätigkeit auf. Zunächst haben Oberstudiendirellor Dr. B i n z e l einen fremdsprachlichen Kurs, und Ober- bahninspeftor P l o ch eine „Bortragssolge von Mundartdichtzungen der deutschen ©auc“ angelün- Digt. — Die beiden Obcrförstereien Butzbach und Hochweisel, die früher getrennt waren, sind jetzt zu einer Oberförsterei vereinigt worden.
Hessen-Naffau.
bl. Aus Dem Dilltale. 22. Oft. Die Obsternte hat hier durchweg gute Erträge abgeworfen. Am meisten mit vollem Ertrag behangen sah man Die Apfel- und Birnbäume, Pflaumen Dagegen standen zurück. Die in diesen Tagen ftatlgj.'funDencn Obstversteigerungen hatten ein kauflustiges Publikum; Die Preße waren durchschnittlich der Lage angcpaht. — Die Einkellerung von Kartoffeln geht schnell voran. Meistens tofcrD auswärtige Ware bezogen, die tagtäglich waggonweise eintrifft.
bl. Dillenburg, 22. Oft. Rachdem unsere Marktstraße gründlich instaindgescihi wurde, hat man Den Anwohnern aufgogeb.n. Die seither schon stark heturnenDen Haustreppen. Die sich fast über Den ganzen Bürgersteig erstrecken, abzubrechen unD ins Haus zu verlegen. Mit Dieser Mahnahme schafft man eine Beruhigung unter unserer Einwohnerschaft. Die über Die l:em- mcnDen Treppen 'ehr ungehalten war. - Gegenwärtig ist die Firma Otto von Talhau sen (Ruhr) Damit beschäftigt,, von ihrer Tongrube (Raffel nach Der Bahnstrecke Holzh.msen—B.llstein eine Drahtseilbahn zu errief) en, Die wohl noch vor Winteranfang fertig Dastehen wirD. Mit Diesem Bau sollen Die Gruben Der Firma auf Dem Westerwald wirtschaftlich gch ben werden.
fpd. Frankfurt a. M., 22. Oft. Auf der Friedberger Landstraße. Ecke Gauhstraße, stürzte der 30jährige Fuhrmann Michael Imhof, als er auf feinen Wagen steigen wollte, herab und rücklings vor ein entgegenkommendes Auto. Das linke Hintei:rad ging dem Fuhrmann über den Kopf, so d<ih der Tod auf Der Stelle eintrat. — Zwischen Reu°2senburg und Sprendlingen wurden Die Arbeiter Kopinskh aus Frankfurt, und Beck aus Sprendlingen von einem aus Frankfurt klimmenden Auto überfahren und lebensgefährlich verletzt, so daß sie fe
ster Bgmkier sah bös Drein. „I< l.i n vfeien nicht Dafür sanken, Daß Sie mir Die zurückbringen, Fräulein," i»rummle er. „Hab? ich nicht ausdrücklich Darum er uchk, Daß Die Polizei sich nicht In Diese Sache einmischen soll?"
^Sehr loohl, Herr Stapleton, aber wir taten, was wir für Ihren Vorteil für Das beste erachteten."
„Hängen Sie gefälligst Ihre Gedanken an etwas anDeres, als an mei'en Vorteil! Für Den kann ich felbft sorgen. Härten Sie Der nache ihren Lauf gelassen, so hätte ich meinen Knaben nun wieder."
„Und iliefe Leute — Die Verbrecher, Die ihn raubten, toürDen frei umhergehen und Dasselbe Spiel morfjen von neuem beginnen.“
Etaplel on schwieg einen Augenblick. „Wie ging es eigentlich zu?" fragte er plötzlich.
Grace 'erzählt? es ihm. „Die wirkliche Ursache unseres Mißlingens ist, wie wir glauben, Ihr Chauffeur Francois/' Und sie erftärte ihm Den Grund ihres Verdachtes.
Staple vn war verblüfft. „Der Bursche schien mir bisher ehrlich fein.“
„Wo f.ft er jetzt?" fragte Grace.
„Er bett um Erlaubnis, seine Verwandten auf» Ansuchen. Da ich ihn heute abend nicht nötig hatte, ließ ich ihn gehen."
„Ah! Da können wir etwas erfahren. Er wird streng bewacht."
Wähvend Grace dies sagte, betrat eine Dienerin Das Zimmer. „Es ist ein Herr Da, Der Sie zu sprechen wünscht, Herr Stapleton," sagte sie.
„Wer ist es?"
(Fortsetzung folgt)
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