Nr. 250 Erste* Blatt
Jahrgang
Donnerstag, 25. Oktober 192-
Erscheint täglich, nutzer Sonn- und Feiertags.
Beilagen: GießenerFamilienblätter Heimat im Bild.
Monats vezugrpxeis: 2 Goldmark u. 20 Goldpfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch'Anschlüsse: Schriftleitung 112, Versag undGejchäftsstelleSl. Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGiehen.
Postscheckkonto: Frankfurt a. M. 11686.
GietzenerAnMaer
General-Anzeiger für Oberhesfen
vNltk und Verlag: vrühl'sche Univerfi1ä1§-Vuch- und Zteindruckerel R. Lange in Stehen. 5chriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7.
rinnahmc von Anzeigen für di« Tagesnummer dis zum Nachmittag vorher ohnejedeDerbindllchKeit
Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig: für Re- Klame-Anzeigen o.70mm Breite 35 Goldpfennig, Plahvorschrift 20°/o Aufschlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange: für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.
Dortmunds Befreiung.
Am gestrigen Mittwvchmvrgen sind die Franzosen von Dortmund abgezogen. Es war selbstverständlich, dah sie diese Räumung nicht ohne den bei den Franzosen üblichen militärischen Tamtam vollziehen konnten, aber die Bevölkerung von Dortmund nahm dieses ganze Schauspiel, den provozierenden Aufmarsch am Bahnhof und die gellende Angriffsmusik, mit jener Ruhe hin, die Zwischenfälle vermied, um die Räumung nicht noch im letzten Augenblick aufzuhalten. Richt viel weniger als zwei Jahre hat die Stadt Dortmund die Last dieser Besatzung zu tragen gehabt. 3m ganzen deutschen Da- terlarü>e wird man nach dem, was sie während dieser Zeit durchzumachen hatte, verstehen, dah sie ^erleichtert aufatmet.
3eht ist Dortmund wieder unbesetztes Gebiet und mit dem deutschen Vaterland so eng, ja enger verbunden Denn Je. Das kündti feine laute Jubelfeier. Von ihr hat man Abstand genommen auf Bitten der Reichsregierung. UnD das ist nur verständlich: denn auch weiter noch sind gvoste Teile, ist der größte Teil des deutschen Westens .besetztes Gebiet. Die Reichsregierung >war sich offenbar darüber klar, dah große Jubelfeiern nach dieser Richtung hin nicht ohne Wirkung bleiben würden. Das ist richtig. Aber um so mehr wollen wir uns freuen, daß dieses Stück deutsches öanD, dieses Stück westfälischen Bodens, das uns mehr ist als bloß ein gewaltiger Wiri- schaftskomplex, wieder frei ist. Das ist der Erfolg einer Außenpolitik, die mit unpopulären Maßnahmen begann und die heute die erste größere Etappe ihres Gelingens erreicht hat. Der deutsche Außenminister ist diesen Weg unter Schwierigkeiten und Anfeindungen gegangen, und wenn es heute bei uns auch Leute geben mag, die die Räumung Dortmunds als etwas Selbstverständliches hinnehmen, so ist doch daran zu erinnern, daß noch vor wenigen Monaten, als der Kampf um das Londoner Abkommen tobte, die Selbstverständlichen von heute am allerwenigsten daran glaubten, dah die Räumung einmal Tatsache werden würde.
Gewiß, es ist unumwunden zuzugeben, daß eS lange genug gedauert Hai, bis die Frar^- zosen sich zum Abmarsch bequemten. Herr Herri o 1 hatte in London die. sofortige Räumung versprochen, und die zum Teil durchaus gewollte Bürokratie seiner Generale ha es fertig gebracht, sie um beinahe zwei Mona e hinaus- zu schieben. And auch noch etwas anderes ist sicher nicht zu vergessen: Dortmu id, wie das ganze Ruhrgebiet ist widerrechtlich beseht worden, und wir haben schon allein deshalb k ine Veranlassung, dem Franzosen i gen":eine 3u?el= Hymne LU singen oder die Räumung auch nur mit dem leisesten Dankgesühl zu qui.t eren. Abe. in der Politik gebietet nun einmal nicht das Recht, sondern die nackte Macht. Das ist immer so gewesen und ist auch im Zei'alter der Herriotschen Völkerversöh ungsphcasen so g blieben. Lind wenn Herr He^anot Dortmund geräumt hat, so geschah das sicher nicht um der schonen Augen der deutschen Republik willen, sonderm aus anderen Arsahrn. Dor allem deshalb, weil die Franzosen doch die Ersahamng machen muß e i, daß sie sich gewissermaßen zu Lode beseht hatten, daß ihre militärischen Passionen über ihre wirtschaftliche Leistungskraft hinausgingen. Herr Herriot hat selbst öfter als einmal e klärt — und das ist ja der Sinn der Ablösung Poin- rares, durch ihn —, daß auf diese Weise feine Reparationen aus D.ui'chland her- auszuholen seien. Mit Hilfe der Pourcaröschen Methode war den Franzosen das Wa ser bis an die Kehle gestiegen, sie muhten heraus, und die Schwierigkeit war nur, daß ihre Begriffe von der sogenannten Gloire ihnen den Ausweg ungemein erschwerlen.
An diesem Dilemma hat die deutsche Außenpolitik eingehaft. Sie hat das nicht mit großem Brimborium getan, weil sie das einfach nicht konnte: denn die Außenpolitik eines entw ffneten Volkes führen, das ist wahrhaftig eine Aufgabe, Die auch da zu praktischer Selbstbeschränkung ’gtoingt, wo es gefühlsmäßig nicht leicht wird. Am so mehr kann Der deutsche Außenm. irisier auf diesen ersten Erfolg mit Genugtuung blicken. Roch liegt ein weiter Weg vor uns, bis auch das übrige besetzte Gebiet seine Fre heil zurücke.halten hat, bis fchließlich das ganze deutsche Volk der ftchtbaren und unsichtbaren Fesseln ledig ist, Die es heute mit sich schleppen mutz. Es ist notwendig, hieran gerade in dem Augenblick zu erinnern, w»o wir am Anfang eines Wahlkampfes stehen, dessen Schärfe schon seine erste.r Aeuße- rungen ahnen lassen. Gerade die Befreiung von Dortmund tnufy uns hier eine Mahnung sein, eine ernste Mahnung zu kluger Real- Politik, Die über dem Streit der Parteien ma>t Die Freiheit unD Einheit des. deutschen Vaterlandes außer acht läßt.
Der Abzug der Franzosen.
D o r t m u n D , 22. Oft. (SIL) Heute morgen ist die Stadt Dortmund von den Franzosen geräumt worden. Am 1 21 Ahr rückte die Artillerie aus dem Wege nach Dorstfeld ab. Das 7. Infanterie-Regiment marschierte nm V»8 Uhr zum Hauptbahnhof, wo es in bereit- stehende Züge nach Düsseldorf verladen wurde. In den frühesten Morgenstunden sah man zahlreiche Offiziere nach dem Bahnhof eilen. Die Posten vor dem Quartier der 3. französischen Liniendivision wurden um 9 Ahr eingezogen. Dortmund ist also vollständig geräumt,Es
ist jetzt unbesetztes Gebiet. Es untersteht jetzt in keiner Beziehung mehr der französischen Kommandogewalt. Der Magistrat der Stadt Dortmund hatte in feiner gestrigen Sitzung beschlossen, aus Anlaß des Abrückens der Franzosen 25000 Mark zur Anterstiihung kinderreicher Familien zur Verfügung zu stellen.
♦
In einer UnterrcDung, Die Der Ober* bürgermeister von Dortmund, Herr- Dr. Eichhoff, Dem Berichterstatter Der Tele* graphenunion, gewährte, gab er seiner Genugtuung Ausdruck, Daß Die DortmunDer Bevölkerung sich währenD Des Abzugs Der französischen Truppen, Der schon seit 14 Tagen vor sich geht unD am Mittwochmittag seinen Abschluß fanD, jeder Kundgebung enthielt. Er selbst begrüße es auf Das lebhafteste, Daß Dortmund heute wieder vollständig frei ist und verwies alle Gerüchte, daß die Stadt zwar selbst von Den Truppen entblößt, in Wirklichkeit aber weiter zum Bereich Der Besatzungsbehörds gehöre, in Das Reich Der Fabel.
Daß Die bereits für Donnerstagnachmittag vorgesehene offizielle Kundgebung aus Anlaß Der Räumung auf Wunsch Der Reichsregierung unterblieb, bedauerte Herr Dr. Eichhoss sehr, Da einerseits jeDe Kundgebung würdig versau fen wäre und andererseits Den wilden Veranstaltungen Der DoDen entzogen wäre. Das Aufhören Der Besetzung wirD nach Ansicht des Oberbürgermeisters auf Handel unD Gewerbe einen sehr guten Einfluß ausüben, zumal in Den beschlagnahmten GebäuDen die Räumlichkeiten jetzt wieder frei geworden sind und zur Verfügung stehen. Die Schäden, welche Die Stadt durch die lange Besetzung erlitten hat, sind recht groß, Doch wäre das Reich verpflichtet, für diese aufzukommen. Es bestehen jedoch verschiedene Streitfälle in dieser Angelegenheit, Doch hoffe man, Daß diese Differenzen demnächst zugunsten Der Stadt Dortmund beigelegt werden.
Auch Vohwinkel geräumt.
Hagen, 22. Oft. (SU.) Die Franzosen haben heute morgen um 1/26 Ahr nach eindreibiertel- jähriger Besatzung die Stadt Vohwinkel verlassen.
Limburg franzosenfrei.
Limburg, 22. Ott. (SA.) Die Franzosen haben heute mittag gegen 2 Ahr die Stadt geräumt.
Der Dank des Reiches.
Gli'.ckwnnschtelcqramme des Reichspräsidenten.
Berlin, 23 Oft. (TA.) Der Reichspräsident hat aus Anlaß der Räumung des besetzten Gebietes von Dortmund und Hörde an Den Oberpräsidenten Der Provinz Westfalen nachstehendes Telegramm gerichtet:
„Der Bevölkerung der nunmehr von fremder Besatzung befreiten Gebiete Der Provinz von Westfaten übermittle ich namens Des Reiches herzlich st e Grüße. Mit Dem ganzen deutschen Volk gcDenfe ich heute in höchster Anerkennung und mit aufrichtigem Dank für Die feste und würdige Haltung unserer Bevölkerung, die auch unter Dem härtesten Druck und unter schwersten Opfern Dem Vater land Die Treue bewahrt hat. Möge für Das nunmehr befreite Gebiet eine Zeit ruhiger Erholung und geDeihlicher Entwicklung folgen, und möge auch den noch besetzten Gebieten unseres Landes bald die Stunde der Freiheit schlagen."
Der Reichspräsident, gez. Ebert.
Ebenso hat Der ReichspräsiDent Der Bevölkerung der geräumten Teile Der Rheinprovinz unD Der Provinz Hessen-Rassau in Danktelegrammen an T>ie Oberpräsidenten Die'er Provinzen unD Der Bevölkerung Des geräumten baDischen Gebietes Durch ein Telegramm an Den baDischen Staats präsiDenten in Dankbarer Anerkennung ihrer Treue unD ihres Fest haltens während Der Zeit Der Besatzung Grüße gesandt.
Die Glückwünsche des Reichskanzlers.
Berlin, 23. Ott. (TA.) Der Reichskanzler Marx sandte aus Anlaß Der gestrigen Räumung an Den baDischen Staatspräsidenten folgendes Telegramm:
„Rachdern Die badischen Häfen Karlsruhe und Mannheim bereits durch Wegfall Der Dinnenzollinie von den schwersten Wirtschaftsfesseln befreit worden waren, sind heute auch Die Besatzungstruppen gemäß Den Londoner Vereinbarungen zurückgezogen. Möge Die Befreiung von Der Besetzung Den Anfang z u einem neuen Umschwung in Der Entwicklung dieser für das badische Land und die Rhrinschiffahrt so wichtigen Hafenplätz: bedeuten." t An den Oberbürgermeister von Dortmund sandte der Reichslanzler folgendes Telegramm:
„Die militäri che Räumung des Abschnittes von Dortmund und Hörde, Die in Erfüllung der aus Der Londoner Konferenz erteilten Zusage heute auf Anordnung Der französi'chen Regierung Durchgeführt to?tjen ist, gibt mir Deranla m g. Ihnen, Herr Obe bürg ermdfter, und der Bevölkerung meinen aufrichtigsten Glückwunsch auszusprechen. Ich verbinde Damtt den herzlich
sten Dank und Die wärmste Anerkennung Der Reichsregierung für all das, was Die Bevölkerung während Der zurückliegenden Zeit für das gesamte Deutsche Vaterland aus sich genommen bat. Tischbein nunmehr alle fünft licken Hemmungen für Das Wirtschaftsleben gefallen sind, hoffe ich, dah Die Bevölkern:rg der jetzt geräumten Gebiete einem neuen Aufstieg entgegen gehe und in bewähr er Arbeitskraft und Satfreubigfeit an Dem Wieder - aufbau der Heimat und des Vaterlandes mitwirken wird. Die'es Ergebnis der in London cingcltitelei Polftik wird den benachbarten Landes.eilen Deutlich zeigen, daß auch sie in der in London vereinbarten Frist mit ihrer Befreiung von der Besatzungslast bestimmt rechnen können."
Segrü&ungstelegramme der preußischen Regierung.
Berlin, 22. Oft. (T. A.) Der preußische Ministerpräsident hat namens der preußisch^ Staatsregierung an Die OberpräsiDenten in Münster unD Koblenz unD Die Regierungs- Präs identen in Arnsberg, Düsseldorf, Köln u.tD Wiesbaden Telegramme folgenden Wortlauts gesandt:
Die preußische Staatsregierung grüßt zum heutigen Tage d:e von der militärischen Besetzung frei geworden en Volksteile Der Provinzen Westfalen unD Hessen-Rassaa sowie Der Rheinprovinz freuDig unD herzlich. Die in langer unD schwerer Zeit für Reich unD Staat gebrachten Opfer, welche Die Bevölkerung in Vorbild- sicher S tanDhaf t ig keit unD Treue auf sich genommen hat, sichern ihr Den nach besten Kräften in Die Tat umzusetzenden Dank des ganzen Volkes. Möge Die heute vollzogene Erleichterung nunmehr in naher Zeit auch den noch leidenden Gebieten zuteil werden.
Ramens der Preußischen Staatsregierung: Der Preußische Ministerpräsident.
Der Oberpräsident von Westfalen wird tich am 23. Oktober nach Dortmund begeben, um die geräumten Gebiete der Provinzen Westfalen, Hessen-Rassau und der Rhein- Provinz namens der Preußischen Staatsregierung zu besuchen,
Remscheid dankt der Reichsregierung.
Bersin, 23. Ott. Der Oberbürgermeister von Remscheid, Dr. Hartmann, hat an Den Reichskanzler folgendes Telegramm gerichtet: „Remscheid wurde heute von der ftanzösischen Besatzung geräumt. Freudig bewegt spreche ich na menä Der Bürgerschaft Der Reichs regierung aufrichtigen Dank aus für alle Bemühungen, die zur Befreiung unserer Stadt geführt haben."
Das Ende einer Leidenszeit.
Von unserem nach Dortmund entsandten Sonderberichterstatter.
Mehr als 21 Monate hat Dortmund in französischen Ketten gelegen. Jetzt endlich ist es f re t, frei von allen Fesseln, frei von dem D>uck eines rachwütigen und haßerfüllten Feindes, frei wieder in seinem Tun und Handeln, in seiner wirtschaftlichen Entwicklung und seinen CeDanken. Ein A u f a t m e n geht durch alle Schichten Der Dortmunder Bevölkerung, ein tiefer Seufzer der Erleichterung und Befreiung. Wie ein schreckliches Traumbild liegen die langen Monate französischer Willkürherrschaft und Dualität hinter Der Dortmunder Bürgerschaft. Angeheuer waren Die Qualen und Leiden, die sie über sich ergehen lassen muhte, weil sie ih.-e Freiheit nicht kampflos aufgcb?n und dem deutschen Vaterlande d e Treue nicht brechen wollte. Sie waren nicht nutzlos, die Kämpfe gegen Den französischen Eroberer unD Dessen Henkersknechte. Der Taz Der Freiheit, niemals schmerzlicher ersehnt als in den Tagen bittersten Leidens, ist angebrochen angebrochen für Die Dortmunder Bevölkerung, aber noch immer nicht für Die geknechteten DrüDer an Ruhr unD Rhein. Aber er ist gekommen unD er birgt neue Hoffnung in sich, daß auch Die Freiheit Der noch immer gefesselten, nach Millionen zählenden deutschen Stammesgenoffen im Anmarsch ist.
Was Dortmund, eine Der am dichtsten bevölkerten Städte des Deutschen InDustriegebietes, zu leiden und zu erdulden hatte, ist ein trauriges Kapitel, an Dem man aber gtriDe im gegenwärtigen Augenblick nicht vorübergehen kann. Als im Januar 1923 auch die Dortmunder Bevölkerung sich zum stillen und zähen Kampf um die nationale Freiheit zu'ammenfand und alten fr an« zög chm Lockungen und Versprech argen un-ulä g lich blieb, setzte ein immer ftärfer werdender Terror ein, Der sich allmählich zu einer grausamen Folterung der DortmunDer Bevölkerung steigerte. Tan'enDe von Solca.en wurden in die Stadt gelegt, die Bürger meistens innerhalb 'weniger Minuten aus Den Wohnungen gejagt und aus ihrer Heimat vertrieben. Wo cs nur ging, würbe Die Bevölkerung schikaniert. Die schönsten und groß eGebäude wurden sofort beschlagnahmt und mit Truppen belegt, so die grcße Schupokasecre. Das staatliche Gymnasium, das Amtsgericht, Tcile Des Gefängnisses, das Hauptzolllunk. das Ei m- bahnverkehrsamt, Das Oberbergamt für Das Ruhr» gebiet, das Gvelhelhzeum, das Sbcchlhaus, die
Diktoriabvaueoei, die Äroncnbrauevei und fast alle Schulgebäude, von denen bis zum Tag' des Abmarsches noch sie^ehn als Kasernen dienen müfc.L Qllan stelle sich den Materialschaden vor, Den Die Infanterie, Die Kavallerie Die Artillerie, Die Automobil- und Tankabteilungen in Die en toun- Dervollen und neuen Gebäude r ang.'richte', haben. Aber noch viel größer ist Der Schaden, Den Die SchulkinDer in geistiger Hinlicht erlitte i bi- Den. Seit 21 Monaten ist kein orDentlicher Schulunterricht mehr möglich gernecl Die Klassen muhten stark zusamme g.Ieg. werde«. Man muhte einen Teil Der Kinder vormittags, Den anderen Teil nachmittags unterrichte.«. A er alles war nur halbe Arbeit trotz Der großen Anstrengungen des Lehrpersonals und der SlaDtverwaltung. Dazu immer wieder Der Terror, Die Morde und Gewalttaten, die einen u geheuren Schaden in den Kinderscelen aarichteien.
Die schrecklichsten Zeiten lagen entschieden in Den Sommermonaten des Iahres 1923, alo ci es Rachts zwei französische Unterleutnante wahrscheinlich von eigenen Leuten ermrrde! wurden, dieser Vorgang aber zum Gegenstand schwerster Terrorakte gemacht wurde: Ausich.eitun.en, w c sie das ganze b.setzte Geriet kaum jemals .e'dyn hat. Ae.erraschend wurde an je cm Sonntag der Belage rungszu st and verhäng: All1 P t Ionen, die aus Der Straße von die e Mahnahne überrascht wurden, wurden unter unbe ch ib ichm Mißhandlungen durch Die Stadt getrieben, bis schließlich in Den AöendstunDen e n reg c I r c cb = ter De u tschenmord einsehte, bei Dem nicht weniger als neun Dortmu rdc Bürger in ihrem Blute liegen blieben. Im An chuß Daran feile eine Hoch flut von Verhaftungen durch i ie französische Kriminalpolizei cia; w hllos wu De i Beamte, Bürger und Arbeiter ins ©eiängniS gesteckt oder ausgewiesen. Was sich in De i Gefängnissen abspielte, spottet jeder Beschreibung. Roch heute erinnern sich Die ehern all en Insmftierien mit Grausen des vorigen Iahe.. Auch Der Dortmunder O b e r b ü r g e r m e i ft e r muhte Die Stadt verlassen, während zahlreiche andere hohe Beamte monatelang in Den Gefängnissen schmachteten. Kein Mensch Des u ibc eh en Gebietes kann.sich ein DilD von Der Leiden s,eU machen, Die Die Dortmunder Bevölkerung jetzt hinter sich hat. Aber auch das Wirtschaftsleben Der Stadt hat ganz auherorDentl che Schäden erlitten, Die sich noch auf Iahre hinaus bemerkbar machen werden.
Die Krisis Der Demokratischen Partei. Die Begründung des Austritts. —
Dr. (Heßler bleibt?
Berlin, 22. Oft. (TA.) In Dem Shrri- Den, Das Die aus Der Deutschen Demottatischen Partei ausgeschiedenen Reichs- unD Land.ags- abgeordneten an den ParieivorstanD ge.icht.t haben, heiht es u. a.: „Durch Die Entwicklung, d.e Die Deutsche Demokratische Partei in Der letzten Zeit genommen hat, hat sie sich mehr unD merjr von Der Grundlage entfernt, auf Dec sie errich et worden ist. Sie wurde nach dem Amslurz in Der Absicht geschaffen, durch Tegründu. g einer grohen liberalen Partei Die viel beklaste Zersplitterung des Deutschen Liberalismus endlich zu überwinden und eine verfassungstreue, bürgerliche Mittel- Partei ins Leben zu rufen. Es lag Durchaus in dieser Richtung, dah die Partei jahrelang mit Der Sozialdemokratie zusa.nmenarbeitete und auf ihre Heranziehung zu Den Staatsgeschäften Wert legte. Dagegen fehlte eine entsprechende Haltung gegen Die andere Seite.
Die Zurückweisung des Zusammenwirkens mit der Deutschnationalen Dollspartei wurde geradezu zum Grundsatz. Eie erfolgte, wie sich gerade jetzt deutlich gezeigt hat, auch dann, wenn diese Partei sich bereit erklärt, aus den Boden der Verfassung und der von den Mittelparteien bisher betriebenen Politik zu treten und durch die Beibehaltung der für diese Politik maßgebenden Personen hierfür Garantie zu leisten.
Diese einseitige Entwicklung zeigt sich auch in Der Stellungnahme zu Den grohen sachlichen Problemen Der Politik. Rach außen tritt em übertriebener, für berechtigte nationale Empfindungen verständnisloser und nicht selten ver- letzender Pazifismus, nach innen em abstrakter Dogmatismus unD Die Hinneigung zu einer einseitigen Konsumenten- pvlitikin Den DorDergrund unD entfremdet Der Partei in stets steigendem Maße Die Elemente, Die sich von Der Grundlage einer staatlichen unD wirtschaftlich bodenständigen Politik nicht abdrängen lassen wollen. Zu Diesen gehören wir unD weil wir uns Der Erkenntnis Nicht länger verschließen können, daß Die Gegensätzlichkeit unserer Anschauungen nicht sowohl zu Den Grundsätzen, als vielmehr zu Der Haltung zu groß grtoor- Den ist, als Daß eine wahrhaftige und befriedigende Zusammenarbeit mit Erfolg längerem möglich erschiene, sehen wir uns genötigt, unseren Austritt aus Der Partei zu erftären."
*
Wie das „Berliner Tageblatt" erfährt, hat Der Demokratische Reichswehrminister Dr. Gehler in einer Besprechung mit Der Demokratischen Parteileitung erklärt, Dah von seinem Austritte aus Der Partei nicht Die ReDe fein könne Der bayerische Abgeordnete Sparr er bat gleichfalls keinen Zweifel Darüber gelassen. Dah er in Der Partei verbleiben wii-h.


