Zu der voraussichtlich am Mittwoch beginnenden großen Probefahrt des Z. R. III über Deutschland melden die Blätter aus Friedrichshafen, daß das Schiff um 7 Ahr morgens aufftei- gen und kurz nach 8 Ahr den Kurs nordwärts nehmen wird. Die ungefähre Route ist folgende: Friedrichshafen — Pforzheim — Hei-
-ReichSfiumr-mwister Hai mtt Rücksicht auf Me I schwere Katastrophe, die damtt über Lette der deutschen Landwirtschaft hereingebrochen ist, für bestimmt abgegrenzte «otgebiete, in denen mehr als 50 Prozent der Ernte vernichtet sind, außerordentliche Erleichterungen in I Der Steuereinziehung gewährt. Hierdurch hofft der Reichsfinanzminister die Sorge der hart um ihre Existenz ringenden Landbevölkerung । in den heimgesuchten Kreisen zu lindern und seinersetts dazu beizutragen, daß alle verfügbaren Mittel zur Bestellung des Bodens und damtt auch zur Wiederherstellung der Steuerkrast der landwirtschaftlichen Bevölkerung verwandt werden.
Der Fall Loeb.
Gritte neue Skandalaffäre in Thüringen
Weimar, 22. Sept. (Priv.-Tel.) Sn vergangener Rächt wurde von ^PAs?"ten im Staatsbankpräsidiurn verdächtiges Geben bemerkt und die F o r t s cha f s ung v on großen schweren Koffern und Korben beobachtet. Es erfolgte Anzeige der der stadtt- schen Polizei, welche sofort das Landeskrrnrrnal- amt benachrichtigte. Der Leiter der LandE" krimmalpolizei, Oberregierungsrat Rletsch, begab sich mit einem Beamten in Mrs Staatsbank- gebäude, fand aber im ersten und zweiten Stock nichts Verdächtiges.
Erst im dritten Stock fanden die Beamten unter eigentümlichen Umständen den Staatsbankprasi- denten Löb, den Staatskommissar Marker, sowie den Landtagsabgeordneten Dr. Kieß (Soz.) vor. Löb wandte sich sofort brüsk an die Polizei- 6$: amten, die er fragte, was sie eigentlich hrer wollten, woraufhin geantwortet wurde, day der Behörde über verdächtige Vorgänge im Staatsbankgebäude berichtet worden sei. Oberregierungscat Rietsch ließ die drei Personen in verschiedenen Zimmern unterbringen, um sie e r n » zeln z u vernehmen. Löb bemerkte, es habe ani Sonrttag gegen abend eine Verwaltungs- ratssihung stattgefunden, an der auch der frühere Llbgeordnete Baerwinkel tettgenom- rnen hätte. Auch die Frau des Staatsmrnrsters a D Frölich sei anwesend gewesen. Zweck der Zusammenkunft sei die Beratung von Maßregeln bezüglich der bevorstehenden Staatsrninrsterial- sitzurrg gewesen.
Sm weiteren Verlauf des Gesprächs gab Löb zu, verschiedene Koffer und Körbe mit Staatsbankalten bereits nach Frankfurt a. M. an seine Privatadresse gesandt zu haben, damit diese nicht in die Hände der heutigen Regierung, die parteipolitisch eingestellt sei, fielen.
dem Lande Thüringen und mir bestehenden Vertrages mit sofortiger Wirkung unter Wahmrng meiner Rechte mtt dem heuttgen Tage auszu- sprechen.
Der Fall Leinert.
Hannover, 22. Sept. (WB.) Der Magistrat hat heute beschlossen, gegen den Oberbürgermeister Leinert das förmliche Disziplinarverfahren auf Dienstentlassung beim Regierungspräsidenten zu beantragen. — Sn Kreisen der Abgeordneten des P r e u ß i - schen Landtags spricht man davon, daß es wegen der schweren Erkrankung Leinerts notwendig sein wird, einen stellvertretenden Präsidenten zu wählen. Für diesen ötell» Vertreter wird der Rarne des sozialdemokratischen Abgeordneten Bartels genannt
gur Steuerveranlagung in Hessen.
Darmstadt, 22.Sept. Abg. Hahn (Dtsch. Dp.) hat nachstehenden Antrag im Hess. Landtag eingebracht: „Es liegt im Sinne der steuerlichen Gerechtigkeit und der unbedingt zu erstrebenden Vereinfachung der Steuergesetzgebung, daß sämtliche auf das Grundvermögen ausge? schlagene Steuern nach der gleichen aus dem Ertragswert auf gebauten Bewertungsgrundlage erhoben üxroen. Unter Bezugnahme auf die bei den hessischen Ministerien von dec Landwirtschaftskammer wiederholt gestellten Anträge beantrage ich daher, her Landtag wolle beschließen, daß den staatlichen und Gemeinde-Grundsteuern, sowie den sonstigen, auf dem Grundbesitz ruhenden Landessteuern, die bei der R e i chsv e r m o g e n s - steuer veranlagten Werte zugrunde gelegt werden."
Die hessische Landgemeindeordnung.
Da r m ft a bt, 22. Sept. Der Referentenentwurf einer neuen Gemeindeordnung für die Land- gemeinden und die Städte ist im Ministerium fertiggestellt worden und wird vom Gesamtkabinett beraten. Der Entwurf wird erst dem neugewählten Landtag zur Beratung vorgelegt werden.
Aus aller Welt.
Die Deutschlandsahrt des geppelin.
Der Zeppelin Mittwoch früh über Gießen zu erwarten.
Auch Akten des Auswärtigen Amtes seien in seinen Händen, die jedoch nur mit Genehmigung des Auswärtigen Amtes eingesehen werden könnten. Es wurden nun sofort noch in der Rächt Maßnahmen zur Beschlagnahme der nach Frankfurt gesandten Akten getroffen. Lob, Maerker und Kieß wurde nach ihren Verneh- ......... v....... -- , -
mungen von dem Leiter des Kriminalamtes ver- betberg — Frankfurt a. M. — Gießen — boten, bis auf weiteres die Staatsbank zu ver- Kassel — Hannover — Hamburg, viel- lassen und den Fernsprecher zu benutzen. Das ge- leicht auch Bremen und Flensburg. Dr. Eckener tarnte Material ist sofort der Oberstaatsanwalt- glaubt, daß bas Schiff etwa um 5 Ahr nachmit- schaft in Weimar übergeben worden. Heute mor- tags in Hamburg sein werbe. Bei Eintritt ber gen hat Löb sein Amt als Präsident der Bank, Dunkelheit werbe bas Schiff sobann nach Osten .sowie Maerker sein Amt als Staatskommissar schwenken und die ganze Rächt uber der n i e b e r g e I e g t. Ostsee verbleiben. Bei Tagesanbruch wirb bas
» Die Staatsanwaltschaft wird voraussichtlich Schift sich über Stettin nach Berlin wenden, ein Verfahren wegen Vergehens gegen § 133 des wo es etwa zwischen 9—10 Ahr vormittags et* «Strafgesetzbuches einleiten. Sn einer am Montag wartet werben kann. Don Berlin aus nimmt bas stattgefundenen Sitzung des Staatsministeriums Schiff sodann direkten Kurs nach Süden, um über sind die Vorgänge einer eingehenden Erörterung Leipzig — Nürnberg —Alm wieder den unterzogen worden. Bodensee zu erreichen. \
Ein Rechtfertigungsbrief Loebs Erdbeben in Genua.
an den thüringischen Finanzminister faßt feine Rom, 22. Sept. (WB.) Laut „Tribuna" ha- Klagen, ohne auf die nächtlichen Vorgänge in der ßen mehrere Erdbeben gestern und heute nacht
Staatsbank einzugehen, dahin zusammen- Sie ®cnua und Umgebung in Aufregung versetzt. Der
haben mich mit Absicht in einer Kette von Um- erne Erdstoß erfolgte um 2V2 Ahr nachmittags,
ständen, die mit jener diskreditierenden und ve- öem ^ann weitere folgten. Der stärkste erfolgte
leidigenden Maßnahmen einer Ueb er falls - abends gegen 83A Ahr. Die Bevölkerung stürzte
r e v i s i o n lvährend meiner Shnen dienstlich be^ ^us den Häufern auf die großen öffentlichen Plätze kannten Abwesenheit schloß, in .etnCT ^d an das Meeresufer und verbrachte die ganze
Weise behandelt, die Shre deutliche Mitzach- und einen Teil des heutigen Tages im
tung bemeifen sollte. Sie haben die von mir ^ien Bisher ist keinerlei Schaden gebet dem Verwaltungsrat als dem einzig hierzu nieldet
tunfl der Geschäft ssührung durch die Sn Spandau ereignete sich auf der Berliner Deutsche Treuhandgesellschaft in Berlin aus Grün- Chaussee an der Ecke der Ronnendamm-Allee em den die mit dem Gesetz nicht im Einklang stehen, Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen verboten Sie glaubten fürchten zu müssen, daß und einem Guterzug der von der Sremens-Stadt die von dem Der-waltungsrat beschlossene Fesftlel- nach Bahnhof Ruhleben fuhr und die Straßen- lunq eine völlig einwandfreie Geschäftsführung bahngleise kreuzen wollte. Die Lokomotive des erweisen würde. Sie wollten die Uebersallrevision Zuges fuhr in den Str aß en b ah n * als letzten Eindruck über meine Tätigkeit bestehen a n h ä n g e w a g e n hinein. Die Hintere Platt- lassen Sie haben mir damit die Möglichkeit ge- form wurde bei dem Anprall fast vollständig a b - nommen, die Oessentlichkeit über die Anhalt- gerissen und die daraus stehenden drei Fahrbarkeit aller Verleumdungen aufzuklären und gäste wurden h e r a b g e s ch l e u d e r t. Eine ärau mir zugleich damit einen wichttgen Grund ge- wurde getötet, eine weitere schwer und meh- geben unter Darlegung der Amstände und rere andere Personen leichter v e r l e tz t. Die Ur- Gründe unter Berufung auf die Pacagc. 623 and fache des Unfalls ist noch nicht aufgeklärt. Unter* 157 des DGB., die Kündigung des zwischen I suchung ist eingeleitet.
schlüge.
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** Das wertbeständige hessische (Notgeld aufgerufen. Amtlich wird bekanntgegeben: Die vom Volksstaate Hessen ausgegebenen und vom Reichsfinanzministerium als wertbeständiges (Notgeld zug:lassenen kleinen Stücke der Dollarschahanweisungen und der Dollaranleihe werden vom 15. Oktober 1924 an ihres Charakters als Rvtgeld-Zahlungsmittel entkleidet Sie werden demgemäß von den Reichsund Landeskassen vorn 15. Oktober 1924 an nicht mehr in Zahlung genommen. Die in den genannten Anleihestücken verbriefte Schuldverschreibung bleibt wirksam.
** D i e Sugenbtjerb erge auf dem Hoherodskvpf. Die Bauarbeiten am Schweizer-Häuschen gehen ihrem Ende entgegen. Sn Meter Woche sollen die Anstreicherarbeiten ausgesührt werden. Mit der Eröffnung ist, wenn nicht unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten, Mitte Oktober zu rechnen.
** Wem gehört das Fahrrad? Der Polizeibericht meldet: Am 13. September wurde in Schwetzingen der Fürsorgezögling Erich Dült- mann aus Hörde i W. festgenvmmm, als er im (Begriff war, ein gebrauchtes Herrenfahrrad zu verkaufen. Bei ferner Vernehmung hat er angegeben, das Rad am 4. oder 5. September in Gießen vor einem Eisengefchäft in der Bahnhofstraße gestohlen zu haben. Eine diesbezügliche I Anzeige liegt nicht vor. Der rechtmäßige Eigen-
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 23. Sept. 1924.
Den deutschen Pfarrern zum Gruß!
Am heutigen Tage tritt in unserer Stadt der Deutsche Pfarrertag zusammen, der alle deutschen evangelischen Pfarrvereine umschließt und somit ein überaus bedeutsames Moment im Leben der evangelischen Kirche darstellt. Mehr denn je wird es auch für den deutschen Protestantismus notwendig fein, über die Trennungsstriche zwischen den einzelnen Landeskirchen, die die politische Umwälzung trotz allen unitaristischenStredens nicht wegräumen konnte, hinweg das einigende Band zu betonen, das der evangelische Glaube um alle schlingt. Mehr denn je wird die Rot der Zeit und Me Rot der Kirche insbesondere dazu zwingen, txm theologischen Richtungsstreiten in den eigenen Mauern Abstand zu nehmen, mehr denn je wird man die große soziale Aufgabe der Kirche im Auge haben müssen, in erster Reihe Helfer zu sein beim großen Werk der inneren Befriedung, des sozialen Ausgleiches, der Dolks- verföhnung.
Den Pfarrern, die aus allen deutschen Gauen heute herbeigeeilt sind zu Tagen ernster Arbeit im Dienste des Volksganzen, wird es bald heimlich werden in Gießens Mauern. Blickt doch gerade die theologische Fakultät unserer altehrwürdigen alma mater auf eine große ruhmvolle Vergangenheit zurück. Ein unendlicher Strom befruchtenden Geisteslebens hat' sich gerade von ihr in den mehr als dreihundert Satiren ihres Bestehens weit über die engen Grenzen unseres Hessenlandes ergossen. So sind wir sicher, daß die deutschen Pfarrer bei uns in Gießen neben der Arbeit manch willkommene Anregung im ernsten Gedankenaustausch, aber auch manch gemütlich-frohe Stunde der Erholung und Mutze finden werden.
Gießener Mochenmarktpreise
am 23. September (Händlerpreise):
Cs kosteten: Butter Pfd. 220—230, Matte Pfd. 35, Käse Pfd. 70, Eier Stück 16, Wirsing Pfd 12—18, Weißkraut Pfd. 10, Rotkraut Psd. 12—15, gelbe Rüben Pfd. 6—8, rote Rüben Pfd. 10 Spinat Pfd. 30—35, Römischkohl Pfd. 5, Dohnen Pfd. 20, Blumenkohl Stück 50—100, Salat Stück 7, Salatgurken Stück 5—20, Einmachgurken Stück 3—4, Endivien Stück 10—30, Ober-Kqhlrabi Stück 5—10, Anter-Kohlrabi Pfd. 5, TviNaten Pfd. 25—30, Zwiebeln Pfd. 15, Lauch Stück 10, Rettich Stück 10, Meerrettich Pfd. 30, Sellerie Stück 20—40, Kürbis Pfd. 8, Pilze Pfd. 15, Kartoffeln Pfd. 5, Falläpfel Pfd. 3—5, Aepfiel Pfd. 10—15, Dirnen Pfd. 6—10, Brombeeren Pfd. 40, Preißelbeeren Pfd. 80, Zwetschen Pfd. 8—12, Honig Pfd. 30, junge Hahnen Pfd. 80, Rüfte Pfd. 45-50 Pf.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Blachette-Vollsspiele: „Der Diener zweier Herren" abends 8 Ahr im Kathol. Vereins Haus. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Herrin von Monbijou". — Hessische Bilderbühne: „Der Evan- gelimann“.
— Zentrumspartei Gießen: Morgen abend Mitgliederversammlung. (Siehe Anzeige.)
— Gastwirte-Verein: Morgen nachmittag Monatsversammlung. (Siehe Anzeige.)
Wettervoraussage.
Erneute Bewölkun g bei südlichen Winden, etwas wärmer, stellenweise wieder Rieder-
tümer wolle bei der hiesigen KriminotpoltzeH vorsprechen. Das Rad wird n>ie folgt beschrieben: Marke unbekannt, Fabr.-Rr. 868, schwarzer Rahmenbau, gelbe Felgen und ebensolche Schutzbleche mit schwarzen Streifen.
** Fahrtunterbrechungen auf der Regiebahn zulässig. Wie das WTD. hort, ind jetzt auf den Linien der Eisenbahnregie Fahrtunterbrechungen zulässig, and zwar eine Unter» brechung für die Sn Haber von einfachen Fahrkarten und zwei Fahrtunterbrechungen für die Sn- Haber von Rücksahtkarten. Die Gültigk itsdauer der Fahrkarten bleibt auf vier Tage beschränkt.
*’ Pers onalien. Ernanm wurden der Oberjustizinspettor bei dem Amtsgericht Fürth Sohann Peter Säger zum (BureauMrittor bei dem Landgericht in Gießen; der Oberjustizin- pektor bei dem Amtsgericht Hungen Philipp Riebel zum Oberjustizinspektor bei dem Amtsgericht Bensheim; der geschäflslettenüe Sustizin- pektor bei dem Amtsgericht Offenbach Heinrich Fisch zum geschaftsleitenden Sustizinfpektvr bei dem Amtsgericht Frie d berg: alle mit Wirkung vom Dienstantritt ihres Rachfolgers ab.
** Maul- und Klauenseuche. Vom Kreisveterinäramt Gießen wird uns geschrieben: Sn Wetzlar besteht feit einigen Tagen ein Ausbruch der Maul- und Klauenseuche. Wie zahlreiche vorausgegangene Fülle unb insbesondere auch der letzte im Kreise Gießen (Bellersheim), ist auch dieser Seuchenfall wieder durch Händlervieh ein» geschleppt worden. Es handelt sich um Vieh, das vom Viehmarkt in Osnabrück nach Wetzlar eingeführt worden war. Der Fall beweist wiederum, wie berechtigt Me Maßnahmen zUm Schutz der einheimischen Viehbestände gegen diese Gefährdung durch Vieh, das aus dem Handelsviehverkehr stammt, finb. Hoffentlich breitet sich der Seuchenfall nicht aus, damit ber Gießener Diehmarkt ungefährdet bleibt.
** Die Blachetta-Volkssprele, bfe von ihrem früheren Gastspiel in unserer Stadt noch sicher in guter Erinnerung stehen dürften, gaben gestern abend auf Einladung des Gießener Sugendrings einen Theater-Abend. Zur Arfsüh- rung kam „Doktor Faust", ein Volksschauspiel nach Carl Simrock, bearbeitet von Walter (Bla» chetta. das auf dem bekannten Fauststvsf ajfgebaut tft. Walter Dlachetta und seine Schar haben sich zum Ziel gesetzt, eine" Bühne zu schaffen, die durch die Auswahl der Stücke inb die Gestaltung der Spiele eine tiefe und nachhaltige Wirkiing hinterläßt. Der Gleichklang von Farbe, Linie und Ton ist das einfache, aber sehr wirkungsvolle Ausdrrcksrnittel, durch das Me Künstlerschar die Gesamthandlung ifcrer Spiele zu einem einheitlich abgerundeten Bilde erstrebt. Sicher, wie auch erneut die Aifführrng gestern abend bewies, mit vollem Erfolg. Das forgfältig abgewogene Zusammenwirken von Lime und Farbe, Wort und Geste schuf höchst gestalt ings- stavke Bilder, deren Wirkung noch durch die vergrößerten Schattenrisse auf den Vorhängen eindrucksvoll verstärkt wurde. So bot Me gestrige Aufführung einen schonen und genußreichen! Theaterabend. ,
** Markusgemeinde. Man berichtet uns: Arn Donnerstag hielt unser Männer- und Frauenverein seinen ersten gemeinsamen Vortragsabend im Gemeindesaal, der gut besucht war. Sm Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag von Kirchenvorsteher Horst über „Wohlfahrtspflege". Aus seiner reichen Erfahrung als Bezirksvorsteher der städt. Wohlfahrtspflege gab der Vortragende eine interessante Darstellung über Zweck und praktische Handhabung unserer städtischen Wohlfahrtspslege. Eine lebhaft: Aussprache, in welcher noch manche wichtige Aufklärung gegeben wurde, schloß sich an. Amrahmt war der Vortrag von gemütvollen Liedern, die von Frau Dratfisch und Fräulein Stern, unter Klavierbegleitung von Fräulein Holzapfel, sowie von Fräulein Dratfisch zur Laute gefung:n wurden, ferner von feinen musikalischen Darbietungen unseres Organisten R. Richt er. Es war ein guter Anfang mit Schönem und Praktischem, so daß man den weiter geplanten Abenden unseres Männer- und Frauenver.ans ein gleiches Gelingen wünschen kann.
Landkreis Gieren.
LJ Reiskirchen, 22. Sept. Als letzte- der drei Dekanatsfeste fand gestern in der hiesigen Kirche das D e k a n a ts f e st für S nn e re Mission statt. Die Feier ging vor einer zahlreichen Zuhörerschar bvr sich, Me das wiite Gotteshaus bis zum letzten Winkel füllte. Sm Gottesdienst fiel der frisch: Gemeindegesang angenehm auf. Vorträge des Posaunenquartetts Kalbhenn, des Kirchenchors Burkhards elden und der ersten Schulklasse, letztere unter Lettiing von Lehrer Rau s ch , erhöhten die feierlich: Wirkung des Gottesdienstes. Die Prsdigt von Psr. K a l b h e n n - Großen-Buseck sowie die Ansprachen von Pfr. Groth- Rödgen und Pfarrer Waldeck- Lang'Göns führten die Zuhme "auf Me mannigfachen Arbeitsgebiete der Sncere.n Mff- fion die die Rotstände und Aufgaben der Zett
Zellsame Aitterwochen.
Roman von Arnold Fredericks.
2. Fortsetzung. lRachdruck verboten.)
„Lenken Sie an die arme Mutter, die allein in Paris ist!" fügte Hodgrnan hinzu.
„Bedenken Sie ihren Schmerz - ihre Angst. Sch kann ermessen, was wir von Herrn Duvall verfangen, Sie besonders in diesem Augenblick allein zu lassen, aber — es handelt sich um Herrn Stapletons einziges Kind, einen sechsjährigen Knaben. Sie begreifen, wie schwer es ’b i trifft!“
Grace nickte. „Sa, ich verstehe es," anttoortete sie nachdenklich und wandte sich ihrem Mann zu.
„Was hülst du davon?" fragte dieser.
„Ich denke, du solltest gehen."
Hodgman sprang auf und ergriff Graces Hand; er wußte, die Entfcheidung war gefallen.
„Don Herzen Dank, Frau Duvall, in Herrn Stapletons, wie in meinem (Hamen. Er wird Ihren Entschluß dankbar anerkennen — Me Trennung, in die Sie einwilligen, wird er Shnen nicht' vergessen." Er sah wiederum erregt nach Mr Ahr; offensichtlich fühlte er sich sehr erleichtert. Am besten fahren wir sofort, Herr Duvall!"
Dieser erhob sich. „3n wenigen Minuten bin ich bereit, Herr Hodgman. Sch habe meiner Frau , och einiges zu sagen!" Er legte feinen Arm in Öen Graces und führte sie ins Haus, während Hodgman unruhig in der Veranda^ auf und ab 0 "^Richards Besprechung mtt Grace tixvr kurz. Beide füllten, wie schwer ihre Herzen angesichts der Trennung und der Gefahren waren, denen
Richard sicherlich ausgesctzt sein würde. „Du bleibst nicht lange fort," suchte sie sich zu trösten. „Sch kann die kurze Zeit über alles sehr gut in Ordnung hatten."
„Das weiß ich," sagte er, sie an sich drückend. „Es ist meine geringste Sorge. Aber dich zu verlassen —"
„Wegen mir kannst du beruhigt sein,' tröstete sie ihn, die Trünen schluckend. „Sch habe Me alte Lucy, den guten Onkel Abe, Rosa und Senny. Also bin ich nicht so ganz allein. Und du bist vorsichtig, hörst Lu — und —, und wirst bald, recht bald zurückkommen, nicht wahr?"
„Ratürlich, Liebste.' So bald wie möglich. Run will ich rasch noch das Rötigste einpacken."
Eine Viertelstunde spüter sah Grace von den Stufen der Veranda aus dem davonsausenden Kraftwagen nach, der sich rasch entfernte und bald nur noch als kleiner roter Fleck sichtbar war. Es begann zu dunkeln. Die Frosche im Wiesenteiche quadten schicklich; sie schauderte, und trostlose Verlassenheit übcrlam sie. Sie sank in einen Stuhl und weinte, während Don, der feine lange weihe Schnauze zwischen ihre Hände gelegt hatte, die Tränen wegleckte.
Sie hörte Tante Luch, die alte schwarze Köchin, bei ihrer Arbeit in der Küche fingen; Onkel Abe faß auf einer Dank unter dem Vorbau und begleitete sie. Alles schien befremdend friedlich aber so leer, jetzt, nach Richards Abreise! Sie streichelte den schmalen Kopf des Hundes. „Wir werden unser Bestes tun, Don." sagte sie und erhob sich, um ins Haus zu gechrn.
Plötzlich hörte sie weit rucken auf dec Straße das Surren eines Kraftwagens. War es Richard, der etwas vergessen batte7
Gespannt suchten ihre Augen das DunÜ-l zu durchdringen, während sie mit einer Hand den knurrenden Hund festhielt.
Da sah sie, daß der Wagen nicht rot war; also war es nicht Richard. Eben wollte sie ins Haus zurücktreten, als sie sah, daß der rasch herankommende Wagen in den Torweg einbog. Sie drehte das Licht im Flur an und wartete, den Hund, ter zornig die Haare stellte, neben sich.
Bevor sie recht inne wurde, daß der Wagen hielt, stand schon ein unbekannter Manrn vor ihr. „Madame Duvall?" fragte er kurz; seine Aussprache verriet feine Rationalität.
„Sa,“ antwortete sie.
„Kann ich Sfyren Mann sprechen?"
„Gr ist nicht zu Hause."
Der Ankömmling schien überrascht. „Dann bebaute ich, Qllabame, feine Rückkehr abwarten zu müssen."
„Er kommt nicht zurück. Er ist für einige Zeit fort."
„Das ist wirklich schlimm!" Der Mann schien höchlichst enttäuscht. „Darf ich fragen, wo ich ihn finden kann?"
„Es dürfte unmöglich sein." Grace hatte feine Lust, dem Besucher zu sagen, wohin ihr Mann gefahren war. Sie kannte Me Schliche seines Berufes allzu gut. „Sie können ihn nicht treffen!" Sie tat, als wolle sie die Türe zumachen und so die Unterhaltung abbrechen.
Der Belucher durchschaute sie. Rasch erhob er seine Harrd, in deren Snnern die Siegelplatte eines nach einwärts gedrehten Ringes zu sehen war. Sie war aus Silber, mit einem merkwürdigen in Gold gearbeiteten eingelegten Muster.
Der Mann sah vom Ring auf Grace und blickte ihr fest ins Auge.
„Sch denke, Madame Duvall, Sre können mtt vertrauen," sagte er bedeutsam lächelnd.
Grace erkannte sofcrl Len Ring. Er wat dem gleich, den sie selbst bei den denkwürdigen (Nachforschungen nach der elfenbeinernen Tabaksdose für M. Lefevte, den Polizeiprüfekten, in Paris getragen hatte. Der gute, alte Lesevre, ihc und Richards gemeinsamer Freund! Dieser Mann war von ihm hergesandt!
„Bitte, treten Sie ein," sagte sie beruhigt und'ging zur Bibliothek voraus.
Der Mann rief feinem Wagenführer einige Worte zu und folgte ihr. Kaum waren sie in bem mit Büchern reich versehenen Zimmer angekommen, als er einen versiegelten Umschlag aus der Tasche zog.
„Madame Duvall,' sagte er mit (Betonung, „M. Lesevre hat seinem Vertreter in Washington gedrahtet, was in diesem Brief steht. Sch soll ihn unverzüglich Shrem Gemahl abgeben. Falls ich ihn nicht treffen kann, soll ich ihn Shnen aushändigen. Gestatten Sie, Madame!' Mit einet Verbeugung übergab er ihr den Umschlag.
Grace erbrach das starke Siegel, das ihn. verschloß, zog eine Karte heraus und las hastig die Worte darauf. Die Mitteilung kam von Lefevre:
„Mein teurer Duvall!
Del unserer letzten Begegnung versprachen Sie mir, zu mir zu kommen, wenn ich Sie je nötig haben würde. Sch benötige Sie bringen^ lieber Freund! Kommen Sie beide sofort, SÄ und Shre liebe Ehehälfte. Lesevre."
(Fortsetzung folgt.)


