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lkrscheint täglich, außer Sonn- und feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienblätter Monatr-Vezugrpreir:

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Erster Blatt

U4- Jahrgang

Samstag, 23. August 1924

MhenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gderhesfen

vnick Md Verlag: vrLHI'sche UniversttAr-viich- und Llelndruckerei B. Lange in Sietzen. Schrisileiiung und S-schäftsItelle: Schulitratze 7.

Annahme von Anzeigen für die TaHesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichKcit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örilichb, auswärts 10 Goldpfennig; für Re­klame-Anzeigen D.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20% Auf- schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Lange; für den übrigen Teil- Ernst Dlumschein;fürden Slnzeigenteil:Hans *Bedt, sämtlich in Gießen

Ungereimtes.

1 3n Frankreich unb in Deutschland haben die Bergungsarbeiten um die Don den Delegatio­nen aus London heimgebvachte Poragrophenernfe begonnen. Während in Paris die gestern von uns in ihnen wesentlichen Punkten wiederge­geben«, wortreiche, aber wenig Reues verkün­dende Erklärung Herriots schon v)r dem Beginn der Aussprache zu einer Art PiDbcabstimmung führte, deren Ergebnis eine glatte Annahme der Abmachungen Voraussehen läßt, stehl die deut che Regierung einer noch immer ungeklärten Lage gegenüber. Die Deutschnationalen losen sich aus Ostpreußen, Pommern, Mecklenburg und anderen Bezirken, die sich nicht gerade durch eine beson­ders in die Augen springende Kenntnis der Lage, Wünsche und Verhältnisse der Bewohner des be­setzten Gebietes auszeichnen können, zum Fest­halten an ihren starren Parteifvrderungcn ermun­tern und scheinen entschlossen zu sein, die unge­heuerliche Verantwortung für die Fortdauer ter Bedrückung der besetzten Gebiete und für die durch eine Reichstagsauflösung und Reuwahlen entstehenden innenpolitischen Kämpfe zu überneh­men. Bei aller selbstverständlichen Achtung vor jeder ehrlichen Tieberzeugung vermögen wir an die tatsächliche Durchführung einer solchen selbstmörderischen Parteipolilik aus den in den letzten Tagen des öfteren angeführten Gründen noch immer nicht zu glauben. Denn sie würde sich so wenig mit den Rvtwendigkeiten der Gegen­wart und den Interessen des deutschen Volkes zusammenreimen lassen, sie müßte ähnlich wie die unbelehrbare Haltung der preußischen Konser­vativen zu der Bethmannschen Wah.r.-chtsvorlnge sv katastrophale Folgen zeitigen, dnß wir nicht annehmen formen, daß die besonnenen Führer der deutschnativnalen Partei dem Drucke einiger weit vom Schuß befindlicher und darum besonders kampflustiger Krastmaier nachgeben werden. Denn darüber dürfte bei der Führung der Rechtspartei kein Zweifel herrschen, daß das besetzte Gebiet in dieser Haltung, die den französischen Gewalt- Politikern und den Französlingc-n neues Wasser auf die Mühlen treiben müßte, eine bewußte schwere Schädigung seiner Interessen sehen und daß sie die Bildung einer großen und starken Abwehrfrvnt zur Folge haben wird.

Andererseits reimt sich auch die laute F,r- bcmung der Sozialdemokraten nach Reichstags­auslösung, Reuwahlen und Dollsentscheid schlecht zusammen mit der so lebhaft betonten Sorge dieser Partei für die besetzten Gebiete. Diese Sorge, die zugleich eine Sorge um die Zukunft des deutschen Volkes sein muß, verlangt eine rasche Lösung und deshalb die Anwendung jedes parlamentarisch möglichen Mittels, um die Wider­strebenden von der Unhaltbarkeit ihrer Ansichten zu überzeugen und sie zur Erfüll rng ihrer na­tionalen Pflichten anzuhalten, aber nicht den Austrag eines Parteikampfes, der zwar den Parteisekretären der SPD. erwünschte Gelegen­heit zur Betätigung geben mag, dessen Ver­meidung jedoch uns em ungleich größerer Ge­winn als die kaum verlaufene Phrasenflut der Parteiagitatoren zu sein dünkt. Doch nicht nur In Deutschland hat die Londoner Konferenz eine Lage geschaffen, die voller Widersprüche und Ungereimtheiten ist. In F.anlreich ist man entrüstet über den von Macdonald an Herriot und Theunis geschriebenen Brief, in dem der erflehe eine raschere Räumung des Ruhrgebiets verlangt, weil die militärische Besetzung Öen Dawesplan ge­fährde.

Und in England haben verschiedene Unter- redungen, die der Schatzkanzler Snowden mit englischen Journalisten hatte und in denen er gewissermaßenindirekt" die Politik seines Chefs Macdonald einer sehr heftigen Kritik unterzog, eine Fülle von Ungereimtheiten zutage gefördert. Snowden erklärte nicht nur, daßgewisse Be­dingungen, die Deutschland in London ge­zwungen worden sei, anzunehmen, große Gefahren bedeuteten, sondern er betonte auch, daß England in dem Abschluß des von Frank­reich erstrebten Handelsvertrags mit Deutschland, besonders bei einer Verlängerung der zollfreien Einfuhr aus dem Elsaß, eine Bedrohung und eine Gefährdung der britischen Handelsinteressen sehen müsse.Alle diese französischen Pläne" erklärte der britische Schatzkanzlerlägen völlig außerhalb des Sachverständigengutachtens, dessen wesentlichster Punkt gerade der fei, daß Deutsch­land in allen feinen wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten freie Hand be­komme, da es nur dann die sehr schweren ihm kufgebürdeten Lasten tragen könne, toemi es in Freiheit arbeiten und seinen Handel in grvßt- vröglichstem Umfange ausdehnen könne."

Also einerseits eine scharfe Kritik an Mac­donald, der durch seinenguten Rat" an die dAitsche Delegation, die Ruhrräumungsfristen an­zunehmen, dazu beigetragen hat, daß Deutsch­land zur Annahme dieser Bedingungen ge­zwungen wurde und andererseits eine kßtoere Anklage gegen die Kuhhandelspolitik der ftanzösischen Alliierten. Als Ergebnis der ersten wahrhaften Friedens- und Derftändigungs- konserenz erscheint das Maß der also zutage tre­tenden Ungereimtheiten ein wenig reichlich. Aber b8 ist damit noch nicht gefüllt. Dies besorgt viel­mehr ein Brief Macdonalds an den deut­schen Reichskanzler, der erst nach Ab­schluß der Konferenz geschrieben wurde und der tffo lautet:

London, den 19. August 1924. Exzellenz!

Ich habe den mir von Ew. Exzellenz münd­lich mitgeteilten Wunsch, daß sich die Britische Regierung Ihrem Ersuchen an die französische und belgische Regierung anschließen möge, wo- sLvch bte drei Städte Düsseldorf, Duis-

Keine Kreditmöglichkeit für die Landwirtschaft bei Ablehnung der vawesgesetze.

Berlin, 22. Aug. (WB.) 3m Ans wär- tigen Auss chu ß des Reichstags nahm der Reichsbankpräsident Dr. Schachtzu den aus den Londoner Beschlüssen sich ergebenden finanziellen Gesehen das Wort. Er führte u. a. aus, daß auch nach der neuen Regelung die Möglichkeit be­stünde, auf die alte Deckung von 33% Proz. hcr- unterzugehen. Es fei dies lediglich mit einer Rotensteuer verbunden. Offen bliebe die Frage, was mit den bisher gesammelten Mitteln der Ren­tenbank und der Rentenbank und der Grundbesitz- besteuerung auf Grund des Rentenbankgesehes werden würde. Dem Reichstag bleibt es u n- benommen, hier eine Regelung zu treffen. 3m Rentenbankliquidationsgesetz wurde die fär­bte Gewährung des landwirtschaftlichen Kredits nötige Organisation geschaffen. 3m weiteren Verlaufe wandte sich der Reichsbankpräsident auf eine Anfrage des deutschnationalen Abg. üuaat) entschieden dagegen, daß die Reichs­bank in ausländische Hand überge­führt werde, und erklärte auf eine Frage des Volksparteilers Schneider, wenn die Londoner Abmachungen nicht zustandekommen Lsollten, so würde er sich zwar bemühen, die Wäh­rung als solche unter allen Umständen zu halten, doch würde es dann in der Kreditfrage sehrübel aussehen. Auch dieRenten- bank würde die ihr zugedachte Auf­gabe der Kreditgewährung bie Landwirtschaft selb st verständlich nicht aufnehmen konnew

Die Gründe

der Deulschnationalen.

Wie aus Berlin gedrahtet wird, wenden sich die maßgebenden Führer der deutschuatio- nalen Reichstagsfraktion gegen die Interpre­tation, die der deutschnationale Iraktionsbeschluß gefunden hat. Die Führer der Fraktion betonen, daß sie das Dawesgutachten und die mit ihm zusammenhängenden Gesetze unbedingt und ohne Rücksicht auf parteipolitische Interessen aus außenpolitischen Gründen ablehnen werden.

Die gesprengte Neichstagsfitzung.

Die Kommunisten hindern den Reichskanzler an der Abgabe der Regierungserklärung.

Die kommunistische Reichstagsfraktion hielt gleichfalls eine Sitzung ab, in der sie sich mit dem Ausschluß ihres Mitglieds Dr. Schwarz für 20 Reichstagssitzungen beschäftigte. Die Frak­tion beschloß, ben schärfsten Protest gegen bas Vorgehen des Reichstagspräsibenten einzu­legen und sich bas Recht, demonstrativ aufzu­treten, in keiner Weise beschneiden zu lassen.

Lieber bie Stimmung im Reichstage vor ben Kommunistentumulten fnnbte unser parlamenta­rischer Mitarbeiter folgenden Bericht:

Auftakt int Reichstag.

Berlin, 22. Aug. Die Eröffnungssitzung des« Reichstags steht im Zeichen der entschei­denden parlamentarischen Ereignisse, die schon jetzt ihre Schatten voraus werfen. 3n ben Wan­delgängen des Wallotbaues herrscht heute ein überaus lebhaftes Treiben, ein geschäftiges Hin und Her, und in den Fraktionsräimen finden! dauernd neue Verhandlungen statt. Die Situation wird völlig beherrscht durch die ablehnende Hal­tung der Deutschnationalen. Selbst die ge­wandtesten Kompromiß-Raturen unter ben Volks­vertretern erklären stirnrunzelnd, baß diesmal alles schief gehen werde. Richt nur der Wider­stand der Deutschnationalen, sondern auch die Obstruktionsabsichten der Rationalsozialisten und der Kommunisten hängen wie schwere Gewitter­wolken über der Stimmung der Parlamentskreise. Die heutige Sitzung mußte infolge Meinungs­verschiedenheiten des Aellestenvates erheblich ver­zögert werden. Roch um V°4 Uhr klaffen leere Bänke im Sitzungssaal, während die dicht be­setzten Tribünen und die gefüllten Diplamaten- Logen von dem außerordentlichen Interesse der Oesfentlichkeit und des Auslandes Zeugnis ab­fegen. Man wartet mit Spannung der Dinge, bie da kommen sollen, aber es wird 1/24 Uhr, bis bie Sitzung beginnt. Plötzlich platzt in die an sich schon gewitterschwüle Atmosphäre ein Gerücht, das große Aufregung bei den Sozialdemo­kraten hervorruft. Es heißt, die Reichsoegie- rung habe heute im Reichstag die Schutzzoll- Vorlage eingereicht. Augenblicklich steht es so aus, als ab auch die Sozialdemokraten ernsthaft die Absicht hätten, bie ganzen Entscheidungen zu ben Londoner Abmachungen zu gefährden.

Die Stimme des besetzten Gebietes.

Industrie, Handel, Gewerbe, Landwirtschaft und Arbeitnehmer fordern Annahme der Londoner Abmachungen.

Berlin, 22. August.

Präsident Wallraf eröffnet um 3/44 Uhr die Sitzung mit geschäftlichen Mitteilungen. Auf der Tagesordnung steht ein einziger Punkt: Entgegennahme einer Erklärung der Reichs­regierung.

Dor Eintritt in die Tagesordnung beantragt

Abg. Katz (K.) die sofortige Beratung verschiedener kommunistischer Anträge. Diese feien wichtiger a l s die Regie­rungserklärung über die Ausliefe­rung des deutschen Volkes an das internationale Kapital. (Sehr gut, bei ben Komm.) Der Redner verlangt weiter, daß nach der Regierungserklärung die Parteien zum Wort kommen und daß dann sofort der Reichstag aufgelöst werde, damit das Volk darüber entscheiden könne, ob es dem inter­nationalen Ausbeutertum ausgeliefert werden will. (Lebhaftes Händeklatschen bei den Komm.)

Präsident Wallraf rügt das Hände­klatschen und erteilt dem Reichskanzler das Wort. Als Reichskanzler Marx an das Redner­pult tritt, hindern ihn die Kommunisten dadurch am Reden, daß sie fortwährend rufen:Heraus mit den politischen Gefangenen! Amnestie! Amnestie!"

Präsident Wallraf versucht vergeblich den Lärm zu übertönen. Er ruft den kommunistischen Qtögeoebneten Dr. Schwarz wiederholt zur Ordnung und verfügt schließlich seinen Aus­schluß von der Sitzung. Als der Ausgeschlos­sene sich der wiederholten Aufforderung zum Verlassen des Saales nicht fügt, unter­bricht der Präsident die Sitzung auf 5 Minuten.

Während der Pause bleibt Dr. Schwarz im Saale.

Der Präsident eröffnet bie Sitzung wieder mit der Mitteilung, daß der Abg. Dr. Schwarz infolge seiner Weigerung, den Saal zu verlassen, sich selbst von den nächsten 8 Sitzungen aus­geschlossen habe. Da Dr. Schwarz auch jetzt noch im Saale anwesend sei, sei er hiermit auf 20 Sitzungstage ausgeschlossen. (Beifall.) Der Präsident erklärt darauf um 4.15 Uhr die Sitzung für aufgehoben und erklärt, baß er sofort ben Aeltestenrat einberufen werbe.

Die nächste Sitzung ist für 5 Uhr anbe­raumt.

Abg. Dr. Schwarz (K.) bleib! auch währe d dieser Pause, die sich bis nach 6 Uhc ausd hnt, auf seinem Platz. Um 1/-7 Uhc eröffnet Präjid nt Wallraf wiederum bie Sitzung. Er teilt mit, b -ß sich der Ä ltestenrat mit dem Falle des Abg. Schwarz beschäftigt und in seiier ü be rwie g e iv- b c n Mehrheit ! as Bechal en des Präfiden- lea gebilligt hibc. Der P äs dcnt fährt fort: Es wurde freilich auch bezweifelt, ob die Vor­aussetzungen für die Auswei ung des Abg Dr. Schwarz gegeben teuren, weil Abg Dr. Schwa z meine Wei ung nicht gehört habe. 3ch ehe, baß Abg Dr. Schwarz auch jetzt noch im Saale ist. Ich bin nicht in der Lage, unter diesen Um­ständen die Verhandln'gen zu leiten und beab- sich ige dahw, eine neue <5i yung anzu era men auf morge i 10 Uhc vorm. Es liegen Meldung n zur Geschäftsordnung vor. Ich bin ab:r aus d n angeführten Gründen nicht in der Lage, die Ver­handlungen zu leiten (Abw Schöpfsti (S.): Kapi­tulieren Sie vor einem Racren? So fehen Sie aus!) und beraume dahcr eine neue <Si;ung auf morgen vormittag 10 Uhr an mit derselben Tages­ordnung.

Das Verhalten der deutschen Moskowiker, die bewußt den Reichstag zum Weltgespött herab­zuwürdigen versuchen, bedarf keiner näheren Kennzeichnung. Das deutsche Volk muß erwarten, daß sein Parlament diese skandalösen Vorkomm­nisse selbst unmöglich macht.

Aenderung der Geschäfts­ordnung.

Kommunistischer Protest.

bürg und Ruhrort zu derselben Zeit wie die von Frankreich unb Belgien feit bem 11. Januar 1923 besetzten Gebiete zu räumen finb, sorgfältig geprüft.

Die Regierung Seiner Majestät sieht sich außerstande, dem Ersuchen in dieser Form stattzugeben, da dies u. a. bebauten würbe, baß bie Regierung Seiner Maiestttt d i e Ruhrbesehung anerkennt. Rach ihrer Ansicht sind dieGründe, bie der Britischen Regierung seinerzeit die Besetzung jeiwr Städte zu rechtfertigen schienen, längst fortge­fallen. Sie tritt bes^alb für eine s of artige Räumun g ein.

Ich benachrichtige hiervon den fran­zösischen unb belgischen Premier* Minister. gez.: Macdonald.

Auch dem Harmlosesten wird nach diesen nachkvnferenzlichen Attacken, die bis zu einem gewissen Grade durch die beweglichen Klagen

Der Vorstand des Wirtschaftsaus­schusses für die besetzten Gebiete hat an sämtliche Fraktionen des Reichstags ein Tele­gramm gesandt, in welchem er erklärt, daß er sich trotz schwerer Bedenken angesichts der Unhalt­barkeit der gegenwärtigen Verhältnisse im be­setzten Gebiet einstimmig und ohne Un­terschied der Parteizugehörigkeit für eine Annahme der Londoner Be­dingungen ausgesprochen habe. Das ganze Rheinland und Ruhr gebiet er­warte daher von einer ihrer Verantwortung be­wußten Volksvertretung ein dieser einmütigen Stellungnahme des besetzten Gebiets entsprechen­des Handeln.

Die Vorstände des Deutschen In­dustrie- und Handelstages, des Reichsverbandes der Deutschen In­dustrie einschließlich der Landwirt­schaft unb des Wirtschaftsau sschus- s e s für bie besetzten Gebiete haben zu der durch das Londoner Abkommen cechnfte en Lage in einer gemeinsamen Tagung folgende Ent­schließung angenommen:

Die Voraussetzungen. unt?r b:nen die von uns vertretenen Wirtschaftskrise sich mit der Annahme des Dawcsgut xhtens abgefunden hatten, sind im Londoner Abkommen im we­sentlichen unerfüllt geblieben. Unerfüllt b;ieb insbesondere die Vorbei i gung der W e^er- h.rstellung der wirtschaftlichen unb finanzieren Souveränität Deutschlands, denn bie Fortdauw der militärischen Ve'etzung schließt sie aus. Schärfsten ^W i d e r s p r u ch erheb:n wir gegen die Aufnahme handelspoliti­scher Verhandlungen unter dem Druck der Besatzung. Wir -inb w rtschaftlich so geschwächt, daß Zugeständnisse auf h ndelspoliti che n ©.biet

Herriots über seine Kämpfe in London ergänzt wurden, ein Licht über die außerordentlich schwie­rige Gage auf gehen, der sich die deutsche Dele­gation in London gegenüber sah. Wenn es selbst bem englischen Alliierten nicht gelang, bie Fran­zosen zur soforttgen Ausgabe des Ruhrgebietes zu veranlassen, sind die Ungereimtheiten zwischen Forderungen unb Erfolgen erklärlich, die deut­scherseits als Londoner Paragraphenernte heim­gebracht wurden. Sie hat eine verzweifelte Aehn- lichkeit mit der Körnerfruchternte dieses Jahres. Auch in London haben bie Wettermacher bas Einbringen der überreifen Ernte verhindert, so daß der Erfolg wie die ungereimte Begleit­musik beweist niemanden befriedigt. Aber kein Sanbtoirt zerschlägt fein Arbeitsgerät und verzichtet auf bie vom Wetter beschädigte Ernte, weil sie seinen Wünschen unb Erwartungen nicht entspricht. Eine solche sinnlose und vernunft­widrige Haltung form nur von unbelehrbaren Parteipvlitikern eingenommen werden.

mit den von uns nach dem Dawrsgutachten über­nommenen Verpflich.ungen nicht vereinbar sind. Wir haben stets den Standpun't vertrctm, daß die in dem Dawesgutach en auferfegten La­sten sich als bie Leistungsfähigkeit Dcutschlanbs überfleigenb erwcilen tc-.-rte.i. Je e Wei ere Hinausschicbung des wirtschaftlichen und politt- schen Friedens muß diese Leistungsfähigkeit wei­ter schwächen. Trotz alledem glauben wir unter bem schweren Druck der gegenwärtigen wirtschaftlichen unb politischen Lage, vor allem bei der UnHaltbarkeit der Zustände im besetzten Gebiet, bie Verantwortung für eine Ablehnung des Londoner Abkommens und die sich aus ihr ergebenden wirtschaftlichen unb politischen Folgen nicht übernehmen zu können, und müssen uns daher zur Empfeh­lung der Annahme entschließen.

Diese Entschließung wurde bei eirer Teil­nahme von etwa 103 Vertretern gegen drei Stimmen angenommen. Die Ter rcter der be- setzten Gebiete b.fügten die Entschließung e i n= stimmig.

Der Inn ingsausschuß für den nord­westlichen Teil des Ruhrgebietes hat an den Reichskanzler eine Entschließung ge­richtet, in der es heißt: Im Ramen unb im Auftrage des Handwerks von Recklinghau­sen und Umgegend fordern wir drin­ge n d st , daß der Reichstag die Londoner Ab­machungen gut heißt unb die für bie Durch­führung des Londoner Abkommens notwendigen Gesetze unverzüglich beschließt. Das Londoner Ab­kommen m angenommen werben, sollen mir nicht das Vertrauen zu unserer Volksvertretung in Berlin verlieren.

LautKöln. Ztg." haben bie chr i st l. Ge­werkschaften des Kölner Bezirks eine Ent­schließung angenommen, in der sie erklären, daß sie trotz schwermiegrnder Bedenken vvmReichs- tag die Verabschiedung der nach dem Sach­verständigenbericht erforderlichen Gesetze verlangen, da eine Verweigerung die schlimmsten Folgen haben würde.

Aehnliche Forderungen wurden von der freien Gewerkschaften im gesamten besetzten Gebiet nach Berlin gerichtet.

Der Gau Essen der Geweickschaft deutscher Eisenbahner hat folgenden Beschluß gefaßt: Die Gruppe West der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner fordert die Unterzeichnung des Londoner Abkommens durch die deutsche Regierung aus nachstehenden Gründen: die wirtschafttiche Freihett des besetzten Gebietes darf nicht länger hinausgeschoben werden. Die Politischen Gefangenen dürfen nicht länger der fremden Gerichtsbarkeit überliefert bleiben. Die Eisenbahnen des besetzten Gebietes dürfen nicht tanger in fremden Händen verbleiben. Die Zahl der Arbeitslosen, besonders die der Eisenbahn»«.

Wie aus Berlin gedrahtet wird, veranlaßte die Verhinderung der gestrigen Reichstagsver­handlungen durch die Kommunisten die Vertreter der drei Koalitionsparteien, noch gestern abend eine Sitzung abzuhalten, um Aenderungen der Reichstagsgeschäftsordnung vorzuberei­ten, die eine ruhigere Abwicklung der Geschäfte des Parlaments gewährleisteten._______________