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«v io ig>neu tote möglttp Derrtngert toerDe... Die drückenden Lasten müssen der Bevölkerung im besetzten Gebiet so schnell wie möglich abge­nommen werden.

Eine Warnung Englands und Amerikas?

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 23. Aug. In den parkrmentarischen Kreisen verlautet, die Botschafter Amerikas und Englands seien beim Außenminister Dr. S t r e s e - mann vorstellig geworden, um die deutsche Regierung vor den Folgen einer Ablehnung der Londoner Vereinbarungen durch den Reichstag zu warnen. Der englische Botschafter habe er­klärt, daß die englische Regierung in einem solchen Falle voraussichtlich vor Ablauf dieses Iahres keinen neuen Versuch zur Klärung der europäischen Lage unternehmen könne, da die Folgen einer deutschen Ablehnung derartige Ver­suche für Monate hinaus zum Scheitern bringen würden. Aus dem Auswärtigen Amt wird uns hierzu mitgeteilt, daß tatsächlich eine ernste Mahnung der englischen Regierung in Berlin vorliege, über deren Inhalt aber zur Zeit Stillschweigen gewahrt werden müsse.

Meinungsaustausch Paris Berlin.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 23. 2Iug. Wie wir Horen, hat der deutsche Botschafter in Paris, Dr. d. H v e s ch Don der Reichsregierung den Auftrag erhallen, mit der französischen Regierung den Mei­nungsaustausch über die Frage der niilitärischen Räumung fvrtzusehen. In der Hauptsache fommt es jetzt der Reichs­regierung darauf an, möglicherweise noch vor der Abstimmung im Reichstag gewisse Zuge­ständnisse der französischen Regierung nach der Richtung hin zu erlangen, daß das sogen. Sanktionsgebiet, Duisburg, Ruhrort und Düsseldorf gleichzeitig mit der Kölner Zone, die am 10. Ianuar von den Engländern geräumt werden soll, von der Besatzung befreit wird. Wenn die französische Regie­rung diese Zusage machen sollte, so formte die parlamentarische Lage der Reichsregieiung da­durch auherordenllich günstig beeinflußt werden.

Die Tätigkeit der Militärkontrolle.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 23. Aug. Die Durchführung der abschließenden Militärtontrolle hat sich infolge politischer Erwägungen erheblich verzögert. Der Vorsorge der Reichsregierung ist es gelungen, »die Gewähr dafür zu schaffen, daß die Kontrolle absolut u n a u f f ä l l i g vor sich geht, so dah we­der die deutsche Bevöllerung, noch die beteiligten Stellen überhaupt ernsthaft davon etwas merken. Auf der anderen Seite ist man in den Regie­rungskreisen sehr beunruhigt über die Dauer der Kontrolle, die augenblicüich noch gar nicht ab- zusehen ist. Es scheint, daß die Franzosen be­wußt die Kontrolle solange aufrechterhalten -wollen, bis zwischen Deutschland und Frankreich ein Abkommen über die gegenseitigen Sicher­heiten getroffen worden ist. Iedenfalls wollen die Franzosen kaum vor Ende des Iahres die Militärkontrolle einstellen.

rDet Präsident von Mexiko in Deutschland.

Berlin, 22. Aug. (WTD.) Der neuge- wahlte Präsident der Bereinigten Staaten Mexi­kos General Calles ist mittags von Hamburg in Berlin eingetroffen. Zum Empfang war der Reichspräsidentin Begleitung des Staats- sekretärs Meißner erschienen. Ferner hatten sich eingefunden der Reichskanzler, der Reichsminister des Auswärtigen, der preußische Ministerpräsident Braun, der Oberbürgermeister von Berlin und andere offizielle Persönlichkeiten. Auf dem Bahnsteig war eine Ehrenkom­pagnie der Rehrwehr aufgestellt, beim Einfahren des Zuges spielte die Kapelle den Präsentiermarsch. Präsident Calles und der Reichspräsident fuhren in Begleitung des neu­ernannten deutschen Gesandten in Mexiko Will zur mexikanischen Gesandtschaft am Kurfürsten­damm.

Heute nachmittag besuchte Präsident Calles den Reichspräsidenten. Am Abend fand zu Ehren des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Mexiko beim Reichspräsidenten ein Essen statt, an dem außer Calles und seiner Familie und Be­gleitung der Reichskanzler, die Reichsminister, der Vizepräsident des Reichstags Rießer, der preußische Ministerpräsident, der Bürgermeister der Freien Hansastadt Hamburg, die Chefs der Heeres- und Marineleitung, der Oberbürger­meister Don Berlin, führender Vertreter des deutschen Wirtschaftslebens und leitende Beamte der Reichsressorts teilnahmen. Während der Tafel hielt

der Reichspräsident

eine längere Begrüßungsansprache, in der es u. a. heißt: (

Zahlreiche Deutsche haben in Mexiko ihre zweite Heimat gefunden. Es ist uns eine große Genugtuung, zu wissen, daß es ihnen gelungen ist. sich die Wertschätzung des mexikanischen Ävl- kes zu erwerben. Wir sind diesem von Herzen dankbar für die ihnen gewährte Gastfreundschaft Deutschland hat aus Mexiko in der Zeit seiner schwersten Rot ungezählte Beweise der Liebe er­halten. Diese Hilfsbereitschaft der weitesten Kreise des mexikanischen Volkes für die Rotleidenden in Deutschland wurde ein weiteres unzerstörbares Glied in der Kette, die über das weite Weltmeer hinweg die beiden befreundeten Rationen ver­bindet.

Präsident Calles

erwiderte in spanischer Sprache. Wenn mein Be­such auch keinen offiziellen Charakter hat, so nehme ich doch die Ehrungen, die mir dar^bracht werden, als meinem Volke geltend an, das, a>ie Eure Exzellenz mit vollem Recht erwähnte, sich nicht nur durch die alten Bande traditionelle« Freundschaft mit Deutschland verbunden fühlt,

ronoern auch ourch die gemeinsamen denroiruri­schen Prinzipien und Grundlagen unseres poli­tischen Lebens. Mexiko baut ebenso wie Deutsch­land nach einer langen und harten Zeit de« Prüfungen sein nationales Leben auf den Grundlagen der sozialen Freiheit und sozialen Gerechtigkeit für alle Volksschichten a if. Es ist unsere innerste Ueberzeugang, daß nur die Grundsätze wahrer Gerechtigkeit und echter Men­schenliebe die ersehnte Zusammenarbeit aller Völ­ker an dem großen Werke der Annäherung und Brüderlichkeit der Welt bringen werden, die unerläßlich ist für den Weltfrieden und das Glück der Welt.

Die interparlamentarische Konferenz.

Bern, 22. Aug. (WTB.) Die Tagung der interparlamentarischen Union wurde heute vormittag im Sitzungssaal des schweize­rischen Rattonalrates in Derrn durch den Präsi­denten des interparlamentarischen Rates, Baron Adelswaerd - Schweden eröffnet. Bundesrat Motta hielt namens der Schweizer Regierung eine mit starkem Beifall auf genommene Rede, in der er die interparlamentaorische Union als Bahnbrecherin und Vorläuferin des Völkerbundes feierte, den ständigen inter­nationalen Gerichtshof als die bedeutendste bis­herige Verwirklichung des Völkerbundsgedankens bezeichnete und eindringlich dafür eintrat, daß die Großmächte sich zu der obligatorischen Ge­richtsbarkeit dieser Schiedsrnstanz bekennen möchten. An der Tagung der Konferenz nehmen bisher 200 Parlamentarier aus 25 Ländern teil. Eine große Zahl dec angemeldeden deutschen und französischen Mitglieder konnte infolge der Reichstags- und Kammersihun- gen noch nicht eintreffen.

Die allgemeine politische Aussprache der inter­parlamentarischen Konferenz wurde abends durch das Mitglied des amerikanischen Reprä­sentantenhauses, Burton, eröffnet, der einen Ueberblick über die Entwicklung des Wirkens der Union gab, um dann auf die durch den Welt­krieg geschaffene Lage näher einzugehen. Er be­klagte die Zerstörungen, mehr noch den Haß und die Verbitterung, die der Krieg hervorgerufen hat. Wenn jene traurige Zeit auch noch nicht völlig überwunden sei, so beständen glücklicherweise doch Anzeichen dafür, daß der endgültige Friede nicht mehr fern sei. So hoffe er, dah die Londoner Abkommen bald bestätigt würden. Ueber die Stellung Amerikas zum Völkerbund erklärte Burton, dah Amerika dem Bunde nicht beitreten könne, da das sinnlos wäre, solange in Europa noch so viele Gegen­sätze beständen. Wenn jedoch der Friede in Eu­ropa wieder eingekehrt sei, hoffe er, dah eine neue Konferenz von Washington eine allgemeine Regelung finden werde. Was die Abrüstung betreffe, so sei sie nur auf dem Wege allgemeiner ausnahmsloser Verständigung möglich. Wenn die interparlamentarische Konferenz dieses Ziel an- stiebe, so könne sie sicher sein, von Amerika unter­stützt zu werden.

Die Kammerdebatte in Paris.

Herriot treibt Wasser aus die Mühlen der deutschen Opposition.

Die französische Kämmer hat gestern drei Sitzungen abgehalten. Aus der Vvrmittags- sitzung ist bemerkenswert die schroffe Ablehnung der Londoner Abmachungen durch die Kom­munisten, di esichtbar nach einer Weisung aus Moskau in Paris die gleiche Begründung, wenn auch in kultivierter Form, Vorbringen.

In der Rachmittagssitzung hielt dec Führer der Sozialisten, LLon Blum, eine lange Rede. Er beschäftigt sich zunächst,mit dem Er­gebnis der Ruhrbesetzung, die höchst un­heilvoll gewesen sei. Man toerbe niemals glauben, wieviel Unheil diese Besetzung in Frank­reich verursacht habe. Die Herrschaft Pvincargs habe zu lange gedauert: er sei es gewesen, der diese Atmosphäre des Mißtrauens in Frankreich geschaffen habe.

Die Konferenz von London sei die Bankrott­erklärung des Poincarismus.

Der Poincarismus sei regelrecht tot Im Ver­laufe seiner Rede wies Blum darauf hin, dah man nach der Annahme des Dawesplanes nicht mehr an der Gesetzmähigkeit der Ruhrbesehung festhalten konnte. In diesem Punkte sei die Stellung des französischen Ministerpräsidenten in London unhaltbar und unmöglich gewesen. Der Redner erQarte, dah er in Verlegenheit wäre, wenn er die ein­jährige Besetzung des RuHDgebiets rechtfer­tigen sollte, besonders hinsichtlich der Mög­lichkeit Don Reuwahlen in Deutschland. Aber es werde von Deutschland selber abhängen, dah diese Frist verkürzt werde. Seine Partei werde den Londoner Abmachungen trotz ihrer Unvoll­kommenheit zustimmen, in der Ueberzeugung, dah Verbesserungen eintreten würden. Wenn man be- -haupte, dah der Dawesplan eine Abänderung des Versailler Vertrages darstelle und dah alle ihn für katastrophal betrachteten, so weise er, Dlum.d emgegenüber darauf hin, dah man wohl wisse, was die ganze Welt über den Versailler Vertrag denke. Die Unter­händler des Vertrages hatten vor den Staatsgerichtshof gehört.

In der Rachtfitzung, die um 10 Uhr abends begann, erklärte nach einer Rede des früheren Ministers Fohy der Ministerpräsident

Herriot

ihm liege nichts mehr am Herzen, als die S i ch e r- h e i t s f r a g e. Man werfe ihm vor, daß er sich den Realitäten gegenüber gleichgültig verhalten habe. Er wisse, daß Vorsichtsmaßnah­men nötig seien, um die Abrüstung Deutschlands zu sichern. Es gelte, in DeutschlanddieRestedesverabfcheu- ungswürdigen Re^imeszuzerstören, das die Völker gegeneinander gehetzt habe. Aus­rotten aber ließe ein Volk sich nicht. Im Ramen der Demokratie werde Frankreich wachsam sein.

Frankreich wolle, daß das alte Deutschland der» schwinde und ein neues in die Erscheinung trete. 1

yn Lonvon haoe Die franzvfpche Delegation an den bestehenden Garantien der ftanzösischen Sicherheit nicht rühren lassen. Der Ueber- gang der Kontrolle der Alliierten auf den Völ­kerbund unter Wahrung der nötigen Vorsichts­maßregeln werde gesichert werden. Allen Ver­leumdungen zum Trotz seien die Anhänger der französischen Linken nicht weniger gute Fran- zvsen, weil sie Republikaner seien.

unsgtjjaiJaßjnD agsaisch aog s;u 6vg ein Antrag der Opposition auf Vertagung der Sitzung mit 305 gegen 256 Stimmen abgelehnt un£> Fortsetzung der Debatte beschlossen.

Der rechtsstehende Abgeordnete de Montjou verlangt von dem Ministerpräsidenten Aufllärung über die Tragweite und die evtl. Konsequenzen des Macdonaldbriefes über die mili­tärische Räumung des Ruhrgebiets. Er unterstreicht die Gefahr, die durch die Ausdeh­nung der deutschen Luftschiffahrt für Frank­reich entsteht.

Schluß 2 Uhr nachts.

Auswirkungen von London.

Höchst a. M., 22. Aug. (WTD.) Seit heute vormittag ist es wieder möglich, die Zoll­grenze bei Griesheim a. M. und Sossenheim mit Fahrrädern zu überschreiten, ohne sich dabei Zollschwierigkeiten auszusehen. Die Zollbeamten üben ihre Tätigkeit vorläufig nicht m e h r aus. Trotzdem die Zollkontrolle noch nicht offiziell aufgehoben worden ist, wird die Zollrevision an den Grenzstationen jetzt bedeutend toleranter gehandhabt.

Wie dasDingtisme Sitzcle" miiteilt, be­gibt sich der Chef der belgischen technischen Delegation im Ruhrgebiet, Hanecart, heute nach Düsseldorf, um dort alle Dienst- zweige zu liquidieren, hauptsächlich bieMicum.diePfänderkasse usw.

Die Kehrseite.

Wiesbaden, 22. Aug. (WTB.) Dom Mili­tärpolizeigericht sind 51 Personen aus dem un­besetzten Gebiet zu Geldstrafen bis zu 50 Mk. verur­teilt worden, weil sie ohne genügende Aus­weispapiere angetroffen worden waren. Das gleiche Gericht verurteilte einen Franz Thomas aus Höchst a. M. wegen Waffenbesitzes zu zwei Monaten Gefängnis.

Die Rheinlandkommission hat aus dem besetzten Gebiet wiederum zwei Personen ausgewiesen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 23. 2lug. 1924.

Wandlung.

Unser Geschlecht hat furchtbare Schicksale er­lebt: es ist Zeuge gewaltiger Veränderungen ge­worden und hat gesehen, dah alles Pochen auf Menschengroße und Menschenwürde dem ehernen Schritte des Geschickes den Weg nicht verlegen kann. Wir sind zu tief gedemüttgt worden, um nicht verstehen zu können, daß auf diesem grünen Stern unseres traulichen Erdennestes nur eines Bestand hat: der ewige Wechsel.

Don Iugend auf schreiten wir von Wand­lung zu Wandlung. Das ganze Leben scheint nichts Wetter zu sein als ein Durchlaufen von Entwick­lungen, in deren keiner wir Heimatiecht gewinnen, sondern die wir nur flüchtig passieren, weil es uns vorwärts drängt.

Ein Rätselwille drängt uns vorwärts, auch wenn wir nicht möchten: wir müssen. Die Zeit flutet durch uns hindurch und macht uns alt. Du kannst dich nicht dagegen wehren, denn schon wenn du deine Maßnahmen triffst, bist du wieder das Opfer dieses unsichtbaren Vampyrs geworden, der an dir zehrt und dein Blut aussaugt. Es wächst zwar immer wieder alles an dir nach, was dir die Zeit nimmt, aber es ist nicht dasselbe; es ist ein neues geworden, du bist ein andrer nach dieser Wandlung. '

Die Aerzte sprechen davon, dah sich nach sie­ben Iahren an deinem Körper alles verjüngt habe; der Mensch also, der'70 Iahre alt wird, ist zehnmal ein anderer geworden. Unö hat nichts gemerkt davon. Es ging das alles so heimlich und vorsichtig vor sich, als ob wir betrogen werden sollten; und eines Tages merken wir, dah tojr betrogen sind: da ist der Tod da und hält seine Ernte, lange ehe wir ihn erwartet haben, denn es gibt wenige unter uns, die sich auf sein Kommen rüsten.

Ich habe so gern mit alten Leuten darüber gesprochen, ob ihnen ihr Geben wirklich wie lange siebzig Iahre vorgekommen sei, und da haben sie mit dem Kopf geschüttelt und gesagt:Cs ist, als ob wir noch vor ganz kurzer Zett Kinder gewesen sind."

Ist es nicht eine tiefe menschliche Tragik, dah wir Ewig-Wandelbaren von unseren Wandlungen nichts merken und von der Lebenslüge darüber ge­täuscht werden, dah wir uns von uns selbst ent­fernen? H.H.

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Gießener Wochenmarktpreise

am 23. Aug. 1924 (Händler-Preise).

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Das Pfund in Pfennig Butter 200, Matte 35, Käse 60, Wirsing 1520, Weihkraut 1520, Rotkraut 2030, gelbe Rüben 10, rote Rüben 15, Römischkvhl 10, Bohnen 1518, Erbsen 20, To­maten 30, Zwiebeln 15, Pilze 20, Kartoffeln 5, Falläpfel 8, Aepfel 1525, Birnen 15, Him­beeren 60, Pflaumen 15, Zwetschen 35, Mira­bellen 35, Reineklauden 35, Honig 30, Suppen­hühner 80; das Stück Eier 14, Blumenkohl 100 bis 180, Salat 10, Salatgurken 1050, Einmach- gurken 34, Endivien 2030, Ober-Kohlvabi 5 bis 10, Unter-Kohlrabi 10, junge Hahnen 100. Butter wurde gegen den Schluß des letzten Markttages mit 1,80 Mk. verkauft, und auch am heutigen Markttage dürste sich der Preis gegen Ende des Marktes um 1020 Pfennig senken.

Wettervoraussage

Wechselnde Bewölkung, kühl, Winde allmäh­lich auf nördliche Richtung drehend, einzelne Regenfalle.

Trotzdem das Sturmfeld in der Rordsee langsam Wetter an Stärke verliert, reicht sein

^rnstuy noch über ganz Deutschla.no und bedingt auch in den nächsten Tagen veränderliches,^ les Wetter mit langsam nachlasserchen Reger»- fällen

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50. Gefchäftsjubiläum Geheimrat Gails.

Am morgigen Sonntag kann einer der füh­renden Industriellen unserer Stadt und des gan­zen Hessenlandes, Herr Geheimer Kommerzienrat Dr. phil. h. c. Wilhelm Gail, auf eine 50jährige Tätigkeit als Chef der ältesten Gießener Tabak- fabrif, der jetzigen Georg Philipp Garl A. G. zurückblicken. Wilhelm Gall wurde 1854 ge­boren, machte seine kaufmännische Lehre bn bätet» lieben Geschäft durch, studierte in Bonn, wo er auch seiner militärischen Dienstpflicht genügte, machte dann in den Iahren 1876/77 eine Studien­reise nach Rvrdamerika, das er später noch zweimal besuchte. 1882 trat er nach dem Tode seines Vaters in die Leitung der Firma ein, war 1887 dis 1898 Mitglied der Handelskammer, wurde 1892 Kom­merzienrat, 1907 Mitglied der Ersten Kammer auf Lebenszeit und 1909 Geheimer Kommerzienrat.

hinter der Leitung ihres dritten Chefs hat dir Firma sich zu einem der führenden Häuser der deutschen Tabakindustiie entwickelt. J3n dieser Zeit konnten neue Fabriken errichtet toetixm in Krof­dorf, Bieber, Leihgestern und Allendvrf a. d. Lahn und die Rauchtabakfabrik Friedrich Breda et Kas­sel, die Kall- und Rauchtabakfabrik Salfeldt und Stein in Rordhausen, die Fabrik Franz Geiger in Lorch bei Bensheim, und schließlich die Fa­brik der Firma Dender u. Co. in Lollar und bent Stammhause angegliedert werden. 1892 wurde dte »Gallsche Dampfziegelei und Tvnwaren-Fabrik errichtet. So stellt sich die Zeit bis zum erst«, Iahrhundert-Iubiläum der Firma im Iahte 1912 als eine Periode eines befestigten, von Erschüt­terungen verschonten Auffchwungs bar. Die Me Tabakfabrikation sehr schädigende Steuergesetz-, gebung und der Ausbruch des Weltkrieges konn­ten auch für die Firma Gail nicht ohne Folgen bleiben. Der Krieg entzog ihr neben zahlreichen Beamten und Arbeitern den Iunivtchef der Firma, so daß die ganze Last des großen Betriebes wah­rend der Kriegsjahre auf den Schultern des In- bilars des morgigen Tages lag. Die Bedürfnisse der Armee, die in der Gründung der Zentrale für Kriegslieferungen von Tabakfabrikaten zum Aus­druck kam, nahm auch die Firma Georg Philipp Gail in hervorragendem Maße in Anspruch Die Zwangsbewirtschaftung des Aohtabaks sowie die zunehmende Verarbeitung von Tabakersatzstoffen während der letzten Kriegsjahre, schließlich der Rohstoffmangel der Rachkriegsjahre und die damit unvermeidlich gewordenen Betriebseinschränkun- gen brachten auch der Firma Gall Iahre der Sorge. Um den veränderten wirtschaftlichen und sozialen Derhältniffen Rechnung tragen zu kön­nen, wurde am 6. Dezember 1919 die Firma in eine Aktiengesellschaft in Form einer reinen Fa­miliengründung umgewandelt. Den Vorsitz im Aufsichtsrat übernahm der Iubilar. Im Ianuar 1920 wurde mit der Errichtung eines neuen in feinem Ausmaß und seinen Einrichtungen den neuzeitlichen Anforderungen entsprechenden Fa­brikgebäudes begonnen, das Ianuar 1922 einge- weiht werden konnte und heute zu den schön stin Zweckbauten Hessens gehört. Reben seiner um­fangreichen Tätigkeit im eigenen C8etriebe fand der Jubilar stets noch Zeit, seine Interessen der fcU stvrischen Erforschung unserer oberhessischen Hei-, mat zu widmen. Sein Rame ist mit der nach ihm genannten Stiftung. einer Sammdmg historischer und gewerbegeschichtlicher Gegenstände und dem ethnographischen Museum, die er beide der Stabt Beschenkt hat, dauernd verbunden. Die LandeS- IniDerfität erkannte seine Verdienste um bk För­derung der Wissenschaften durch die Promotion zum Ehrendoktor der Phllvsophie an. Um den um feine Vaterstadt und seine hessssche Heimat in so vieler Beziehung hochverdienten Iubilar werden sich am morgigen Sonntagabend die Mitglieder der weiteren Familie, die Angestellten- und Ar- bettervertieter zu einer würdigen Feier versam­meln.

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Bornotlzen.

Tageskalender für Samstag. Volkshochschule. 8 Uhr Studentenheim: ÄrS- tcruschabend. Rundfunkhaus, Löberstiahe, 8i£ Uhr: Musikabend. Lichtspielhaus: .Rüster Ma­stix". Astoria-Lichtspiele: .Das Geheimnis Don, Schloß Rvnah". f

Tageska Leit der für Sonnt aa. Marckusgememde: Gemeindefeier nachm. V?3 Uhr auf der Liebigshöhe. Rundfunkhaus, Loberstr.. 81/2 Uhr: Ha ns-Sachs-Spiele. Li<ytspielhauS: Die Taucher". Astoria-Lichtspiele: siechy Samstag. '

Im Stadttheater gelangt am Diens­tag Brandon Thomas' unverwüstlicher Schwank CHarleys Tante" zur Aufführung. tSor-, verkauf s. Anzeige

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* Die Gießener Kunstsammlung und Gustav-Dock-Stiftungen im Reuen Schloß, Eingang Senckenbergstraße, haben bn Att> gen-Kabinett Aquarelle und Zeichnungen ausge­stellt, mit Durgmvttven vom Rhein, Main intfi Lahn. Im graphischen Kabinett tourben ausge­stellt Radierungen und Zeichnungen von Eickmann. Hausmann, Kampf, Paeschke, Riese, Sandrvck und Rudolf Koch. Ferner Aquarelle des IapanerS H. Voshimoto. Die Ausstellung ist an Sonn­tagen von 111 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Kinder haben nur in Begleitung Erwachsener Zu­tritt.

** Das neue amtliche Fernsprech« buch ist am 26. August früh in Benutzung zu nehmen. Zur Vermeidung Don Fehlverbindungen ist es daher zweckmäßig, die FernsprechbücheL bis dahin beim Telegraphmantt abholen zu baffen

"Die Stenographie ist heute ein mv entbehrliches Hilfsmittel für allo schreibenden Be­rufe. Wir möchten daher nicht verfehlen, auch an dieser Stelle auf den am Montag, bem 1. Sep» tember ds. Is., abends 7 Uhr, in der Bezirks* schul> Westanl-8> beginnend m Auf S nger- le hrga ng des Gabelsberger Slenvgvapherwer- eins von 1861 und des DamenvereinsGa belS-, berget hinzuwersen. Rähres siehe heutige 2Bm zeige.

* Eine Schuhmacher - Fachausstel­lung ftndet vom 23. bis 25. August in den Räumlichkeiten des Saalbaues in Darmstadt statt. Die Ausstellung wird von weit über 100 Firmen aus allen Teilen Deutschlands beschickt. Die Schah» Maschinenfabriken, welche die Kojen im Haupts saal belegt haben, werden ihre Maschinen toüfa

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