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Die Banttger.

Roman von Hermann Stegemann.

34 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Er diktierte Ens das Schreiben in die Ma­schine und hatte selbst seine Freude daran. Ein Römer mit Seetvein stand vor ihm. Seine Zi­garre brannte. Er schlug herrisch die Asche ab, als er den letzten Satz gesprochen hatte, und griff dann nach der Abendpost, die noch unge- öffnet auf dem Rauchtisch lag. Die Schreibma­sai ne knatterte. Ens tvar im Eifer, sie bewahite seine letzten Worte im Ohr und ihre Finger flogen über die Lasten

Da brach ein schwerer Fall in ihre hastenden Zeilen und riß sie aufschreiend vom Stuhl.

Sie blickte verstört umher, suchte de,i Vater, sah ihn nicht, sah leer den Stuhl, verschüttet das Glas, hintenübergeworfen den Tisch und eine dunkle starre Masse davor liegen gleich einem Vaum, der in sich selbst zusammengebrochen rst. Ihr Schrei erstickte, unheimliche Stille schlich aus den Winkeln der Stube. Dann erhob sich ein Röcheln, das diese Stille mit grauenvollen, regel- mäßigen* Geräuschen füllte.

Da wurden ihre Hände kalt und ihr Herz schlug dumpf und schwer. Sie wußte, was ge­schehen war. Sie ging zu ihm hin, bettete sein schweres Haupt mit übermenschlicher Anstrengung in ihren Schoß und riß ihm mit bebenden Fingern Rock und Kragen auf.

Es war keine Träne in ihren Augen, sie war ganz Besonnenheit, ganz Kraft und Wille und nahm den Kampf mit dem Tod auf, der dem Baumeister in den Racken gesprungen war.

kiehilse gegen Wk uno WrniMiims.

Sie wissen fein sicheres Mittel gegen diese Plagegeister, denn alle Einreibungen, Packungen, Bäder, Salben usw. lindern nur für einige Zeit die Schmerzen, aber sie packen das Hebel nicht an der Wurzel.

Ich empfehle Ihnen ein wirklich erprobtes Mittel, und Sie sollen es selbst versuchen, ohne daß es Sie etwas kostet, aber ehe ich Ihnen mehr sage, lesen Sie den folgenden Brief:

Ich teile Ihnen mit, daß Ihre Gichlosint-

Er lebte noch. Aus dem geöffneten Mund stieg rasselnder Atem, bläullche Wülste bebten unter feinen Augen, seitwärts fiel, wie abgehauen, der rechte Arm und schlug auf den Boden. Ein entsiegeltes Schreiben kroch aus seinen leblosen Fingern und legte sich selbst wieder in Falten, als mühte es seinen todbringenden Inhalt vor fremden Augen verbergen.

Der Schrei war ungehört verhallt, nur der Hund scharrte winselnd, Einlaß begehrend, an der Tür. Ens schob den Schemel unter den Aaclen des Vaters und rief die Haushälterin. Er lebt, er muß leben, hämmerte es in ihrem Kopf, und aus seinem Hirn denkend, für ihn wirkend, über­legte sie rasch, daß kein fremder Mensch von der Schwere seiner Erkrankung Kunde erhalten dürfe.

Als die alte Annelies und des Vaters treuer Knecht erschienen, hoben sie den erschlafften Leib vom Boden und betteten den Röchelnden auf iein Lager. Das Telephon brachte den Arzt zur Stelle. Der fand alles getan, was Ens tun tonnte. Der Baumeister lag entlleidet auf dem Bett. Aus dem verzogenen Mund schnob schwerer Atem, aber der Zerfall war nicht fortgeschritten. Er lebte, er muhte lebenI Der Arzt sah bis spat in die Rächt am Krankenbett. Als er Ens die Wahrheit gesagt hatte, nickte sie.

Ich habe mir nie denken können, dah der Vater anders fällt als auf diese Art, ober er wehrt sich und er ist stark. Es darf niemand wissen, daß ihn der Schlag gerührt hat," ant­wortete sie.

Die Tränen liefen ihr ruhig und gleichmähig über die Wangen und sie glich ihm in diesem Augenblick, so hart war der Ausdruck ihres Ge­sichtes.

Tabletten schon nach zwei Monaten bei mir überraschenden Erfolg erzielt haben. Mik jedem Tag suhle ich mich wohler und kann jetzt trotz meiner 65 Jahre große Fuhtouren in dm Te - gen machen und auch die schwersten Acbeiien mit Leichtigkeit verrichten. Die Kur setze ich getreulich fort, ich hoffe den Rheumatismus für immer los zu sein.

Ihnen sage ich meinen besten Dank und empfehle Ihr vorzügliches Präparat in Be­kanntenkreisen. Hechnch.unesvoll

I. B. in QI.

.Wir wollen alles tun, um ihn wiederherzu- stellen, Fräulein Qlgnes, ober ich zweifle, dah er der Lähmung Herr wird." r

.Glauben Sie an einen zweiten Anfall, Doktor?"

Der Arzt zuckte die Achseln.

Wir wissen noch nicht einmal, wie der erste verläuft, aber auch ich vertraue auf seine Statur."

Ens wachte, bis der Mittag einen flüchtigen Strahl in das Fenster der Kranlenstube warf. Der Atem des Gelähmten ging leichter, aber er schien noch nicht bei Bewußtsein.

Die Annelies nahm den Platz der Tochter ein, uird Ens ging hinüber und öffnete die Post, telephonierte an Giovanni und empfing Boten und Besucher. Sie gab den Angestellten in ge­schäftsmäßigem Tone bekannt, dah der Vater einen Unfall erlitten habe, gefallen sei und eine Zeitlang das Zimmer hüten müsse, und niemand erriet, dah der Fall ein Schlaganfall gewesen war.

Als Pometta erschien, war es Abend gewor­den. Er fragte nicht, was geschehen fei. Er war der einzige, der aus chrer unterdrückt bebenden Stimme die Wahrheit erraten hatte.

Ich hab's kommen sehm, Ens," sagte er leise. .Aber du hast recht, er darf nicht sterben. Er wird auch das überwinden und fein Werk trotz allen und trotz allem zu Ende bringen.

Sie gab ihm den Brief des Konsuls, der ihn gefällt hatte.

Jörg war seit Monaten nicht mehr in Vinje erschienen, und ausgesandte Boten hatten ihn auch auf Arneshof, wo er einsam hauste, nicht gefunden. Da der Hofbesitzer sagte, er sei schon oft tagelang ausgeblieben und fei schon zw.imal so weit gewandert, dah erst nach Monaten aus

Solche Briefe besitze ich Tausende, und nun hören Sie weiter:

Gicht und Rheumatismus können nur von innen heraus wirklich kuriert werden, durch Ent­giftung des Blutes. Dieses ist verunreinigt durch zurückgebliebene Harnsäure Salze, und die.e müssen heraus, sonst nützt alles Ciureiben und Warm­halten nichts.

Zur Beseitigung der Harnsäure aber dient das G i cht os i n t. 51 23

Sie können das glauben ober nicht, aber Sie

entlegenen Stationen Nachricht von seinem Ver­bleiben eingetrvffen sei, entschloß man sich erst spät zu Nachforschungen. Sie waren erfolglos geblieben, bis seine Leiche vor kurzem an den Klippen des Ragnefjordes angespült worden war. Wir konnten nur noch fest stellen, daß Herr Dan- tiger vom Wege abgekommen sein muh. Er Ist vom Uebcrhang in die Tiefe gestürzt," schrieb der Konsul.

Weder Ens noch Giovanni sannen diesem jähen Tode des Heimatfernen, Wurzellosen nach.

Gottfried Bantiger wußte, was geschehen war.

Im Augenblick, als er den Brief gelesen hatte, war ihm klar geworden, daß sein Sohn das Schick­sal herausgeforderl hatte, um ein zerrissenes Le­ben zu enben. Da war etwas ihm geborsten, da sprengte das aus bem Herzen stürzende Blut ein überlastetes Gefäß seines Hirns und riß ihn zu Boden.

Er hatte den Tob bes ältesten Sohnes, hatte die Riesenlast seiner Geschäfte, hatte sich selbst ertragen, ohne zu wanken, um der Nachricht zu erliegen, daß derjenige vorn Leben überwunden worden war, mit bem er seit Jahr und Tag nichts mehr gemein haben wollte, mit dem er im Hader gelebt, von dem er sich in hundert Erklärungen abgewandt hatte. Er allein hatte Jörgs letzten Brief richtig gelesen.

Run lag er, von dämmerndem Bewußtsein ge­tragen, zwischen Tob unb Leben hängend, in seinem dunkeln, grabkalten Zimmer und ließ stcb pflegen.

Qlls er nach drei Tagen mühtam die Qlugen öffnete und die abgerissenen Gedankenfaden wie­der zusammenzuknüpfen suchte, kniete Ens neben ihm nieder. (Fortsetzung folgt»

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Gießen, den 21. Juni 1924. Kreisamt Gießen.

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Lehrgang fürstaatsbürgerl. Erziehung am 27. und 28. Juni 1924 im Gymnasium Philippinum zu Marburg.

1. Tag:

9 12 Uhr: 3 Lehrproben (Gymna­sium, Berufsschule, Real­gymnasium).

36 Uhr: 3 Vorträge der Univ.- Professoren Dr. Stengel, Dr. Jung u. Dr. Hagen.

2. Tag:

912 Uhr: 3Lehrproben (Südschule Gymnas., Nordschule).

36 Uhr: 3 Vorträge der Univ.- Professoren Dr. Otto, Dr. Genzmer und Dr. Haepke).

Im Anschluss an die Vorträge und Lehr proben finden Besprechungen statt. Ausstellung von Literatur. Zur Teilnahme an der Tagung werden alle Lehrenden von Stadt und Land eingeladen. Anmeldungen mit Gebühr von 3 Mk. an Rektor Hentze in Marburg. 5103D

Der vorbereitende Ausschuß.

EVW. GMiMllMMlebl Einladung

zu einer Zusammenkunft der eoang kirchl. Irauenvereine in Oberhessen in Gießen. Gasthof Hindenburg, Mittwoch, d. 25. Juni 1924, 3 Uhr.

TageS Ordnung:

Vereins- und Berbandsangelegenheiten. Kaffeevause.

Vortrag

von Herrn Dr. med. Happich-Darmftadt über:Gesundheit, Ehe und Familie*.

Alle Mitglieder der zum Verband ge­hörenden Irauenvereine stnd herzlich ein­geladen, Gäste find willkommen.

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Bekanntmachung.

Der oom Gemeinderat beratene Voran­schlag der Gemeinde Steinheim für 1924 Nj liegt vom 24. ds. Mts. an eine Woche lang auf dem Bureau der unterzeichneten Bürger, meisteret zur Einsicht auf. Bemerkt wird, daß eine Umlage erhoben wird, zu der auch die Ausmärker beizutregen haben.

Steinheim, den 22. Juni 1924.

Bürgermeisterei Steinheim.

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