blaen vorgesehen-neue Pfänder aufgeben würde. 6te habe erklärt, bah sie die d«ttsche Wirtschaftseinheit wiederherstel- len würde, sobald Deutschland den Sachverstän- Ligenbericht zur Durchführung gebracht habe. Aber weder die Sachverständigen, noch Frankreichs Alliierte hätten für den Augenblick mehr von ihm verlangt und seine Regierung habe festgeslellt, daß sie aus dem Ruhrgebiet nach Maßgabe und im Verhältnis der deutschen Zahlungen sich zurückziehen würde. Die Räumungraschdurchzuführen, heiße in seinen Augen, eineschwereLInvorsichtig- feit begehen, denn Deutschland würde darin nur einen Akt der Schwäche erblicken und wieder in seine Widerspenstigkeit gegen das Gesetz von Versailles zurückfallen. Der Friedensvertrag aber müsse erfüllt und der Friede endlich wiederhergestellt werden.
Der Reichspräsident und die Ausgewiesenen. Berlin, 22. Juni. (ÄZTB) Der Reichs- verband der Ausgewiesenen und Verdrängten von Rhein und Ruhr richtete aus Kassel an den Reichspräsidenten folgendes Telegramm:
„Der RÄchsverband der Ausgewiesenen und Verdrängten von Rhein und Ruhr, Sih Kassel, der heute zum ersten Male seine Vertreter aus 190 Ortsgruppen hier versammelte, sendet Ihnen, Herr Reichspräsident, seine Grüße in unwandelbarer Treue zu Reich, Rhein und Ruhr und erinnert sich gern mit besonderer Genugtuung des großen Wohlwollens, das Sie den Gefangenen und Verbannten stets entgegenbrachten. Wir bitten, uns dieses Wohlwollen auch ferner zu erhlaten, im besonderen auch dann, wenn der Hoffnungsschimmer der Rückkehr sich verwirklichen sollte."
Der Reichspräsident antwortete mit folgendem Telegramm: Dem Reichsverband der Ausgewiesenen und Verdrängten von Rhein und Ruhr" danke ich herzlich für Gruß und Treugelöbnis zur Heimat. Seien Sie versichert, daß von mir und der Reichsregierung auch künftig alles Mögliche geschieht, um den Ausgewiesenen und Verdrängten zu Helsen und ihnen die Heimat wiederzugeben. Ihren Beratungen wünsche ich guten Erfolg.
Neue Verhaftungen im besetzten Gebiet.
Paris, 22. Juni. (WTB.) Nach einer Havasnreldung aus 2l a ch e n hat die belgische Militärpolizei dort mehr als 100 Haussuchungen vorgenommen. Auch einige Verhaftungen sind erfolgt. Angeblich sind auch neue Dokumente und Waffen beschlagnahmt worden. Desgleichen haben in D ü s s e l d o r f 250 Haussuchungen und 40 Verhaftungen stattgefunden, bei denen ebenfalls Schriftstücke beschlagnahmt worden sein sollen.
Anfragen über die Pfalz.
Landau, 22. Juni. (Wolff.) Der Abgeordnete Bernzott und Genossen (Bayer. Volkspariei) haben im Bayer. Landtage folgende Anfragen eingebracht: Im Bezirk Landau sind in den Abendstunden zahlreiche Lleberfälle auf deutsche Einwohner vvrgerommen, die überfallen, niedergeschlagen und beraubt wurden und dabei zum Teil erhebliche Verletzungen da- vontrugen; ein deutscher Gendarm wurde durch einen Revolverschuh schwer verwuirdet. Die Bevölkerung ist durch die Vorgänge sehr beunruhigt, um so mehr, als die am Abend die Landstraßen passierenden Bewohner unbewaffnet sich ihrer Angreifer nicht erwehren können. Sind der Staatsregierung diese Vorkommnisse bekannt? Ist sie bereit, den 'Besatzungsmächten von den Vorfällen Kenntnis zu geben und auf diplomatischem Wege raschestens zu veranlassen, daß, der Bevölkerung genügend Schutz zuteil wird, damit solche Vorkommnisse durch ent- sprechende Maßnahmen verhindert werden?
Ist der Staatsregierung bekannt, daß durch dir Schaffung eines großen Truppenübungsplatzes in der Südpfalz die dortigen Gemeinden .häufig Einquartierungen zu ertragen haben und diese Bewohner seit Jahr und * *5x10 vom Reich nicht entschädigt wurden? Ist die Staatsregierung bereit, raschestens zu veranlassen, daß die in Mitleidenschaft gezogenen Bewohner baldigst entschädigt und für die Zukunft die Einquartierungslast vermindert werde? Ist der Staatsregierung bekannt, daß während der separatistischen Herrschaft Pfälzer Geschäftsleuten und anderen Bewohnern ihr Eigentum weggenvmmen wurde und sie heute noch ohne jede Entschädigung sind? Ist die Staatsregierung gewillt, Schritte zu tun, daß die vorliegenden Entschädigungsgesuche baldigst geprüft und die Betroffenen entschädigt werden?
Ist die Staatsregierung bereit, über die Vorgänge bei der Auflösung, der sogenannten Pfalzdienststelle in Heidelberg dem Landtag in öffentlicher Sitzung und.
Der Irrwisch.
Von Rektor F r i s ch h o l z. Zt. Wetzlar.
Wer vor Zeiten in lauer Sommernacht spät von Kleinbach durch das Moor nach Hochethausen ging, dort bei den Grenzdörfern zwischen Hessen und Nassau, konnte von Gluck sagen, wenn er zur rechten Zeit und ohne Fährnis ans Ziel kam. Den Wieseng^und^ durch den sich, schmal und gleisig, ein Weg schlangelt, tränkt ein Bächlein das müde seinen Weg zum Kleebach schleicht und dazu noch ab und an in Sumpfplacken ausrüht. Die ganze Strecke an seinen Alfern verträumen uralte Weidenstümpfe mit struppigem Kopfputz den Rest ihres Daseins. Dem Wanderer legt sich schwerer Moderduft beklemmend auf ine Brust, und dicht über ihm kreist das Käuzchen mit weichem Flügel- Duschen. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn auch dem beherzten Manne die Griss>ln über den Rücken laufen. Aber gefährlich wird der Weg dem. dessen Blicke ein Irrwisch in sem>n Lichtkreis bannt, drei bis vier Klafter vor ihm aus dem Pfuhl, am Fuße der ausgehöhlten Weide hüpft plötzlich ein Lichtlein empor, nur fingerlang oder kürzer: nahe tanzt es, tanzt hin und her, näher und ferner, flattert vor ihm wie ein ängstlich Vöglein ums Rest, schießt ellenwett ifort wie eine Schieße auf das Mücklein, schlägt einen Dogen zur Seite und taucht plötzliche dicht vor ihm auf. Das lockt und wintt, das duckt und hebt sich, das gleitet und schwebt und schlägt alles Sehen und alles Denken in eiserne Fesseln. Wil-
wenn Siaatsinreressen Dagegen sprecyen, in einer vertraulichen Sitzung der pfälzischen Abgeordneten und der Fraktionsführer Aufschluß zu geben und in eine Besprechung der Lage der Pfalz einzutreten?
Landtagswahlergebnis in Anhalt.
Dessau, 23. Juni. (WTB.) Die Wahlen zum anhaitischen Landtag sind ruhig verlau en. Dis zwölf Alhr nachts lagen bis auf zwei industrielle Gemeinden, die möglicherweise noch eine kleine Verschiebung bringen können, die Ergebnisse vor. Danach erhalten: Deutsche Voltspartei 6Sitze, Bodenreformer einen Sitz, Demokrat en einen Sih, Landbund 3Sitze^ Deutschvölkische Freiheitspartei 2 Sitze, Deutsch nationale 4 Sitze Haus- bes iherpartei einen Sitz, Wirtschafts- Partei einen Sih, Kommunisten 4 Sitze, Sozialdemokraten 13 Sitze. Die einzelnen bürgerlichen Gruppen waren mit den Hauptgruppen der Deutschen Dollspartei und der Deutschnationalen eine Giften re bindung eingegangen, wodurch die einzelnen Reststimmen gegenseitig verrechnet wurden.
Elternbeiratswahlen in Berlin.
Berlin, 23. Juni. Gestern fanden in Berlin die Elternbeiratswahlen bei ziemlich sckwacker Beteiligung statt. Soweit sich bisher übersetzen läßt, hat in den meisten Gemein e- schulen die christlich-unpolitische Liste einen Karten Erfolg zu verzeichnen.
Eine neue „Nattonallieberale Neichspartei".
Eine Versammlung der Nationalliberalen Vereinigung Berlin-Brandenburg, die gestern im Reichstagsgebäude tagte, beschloß die Gründung einer Nationallibeca- len Reichspartei. Die zum Aufbau der Parteiorganisation erforderlichen Arbeiten sollen, insbesondere im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen in Preußen, unverzüglich in Angriff genommen werden. ES wurde sofort ein Organisationsausschuß aus 40 Mitgliedern gebildet. Zum Vorsitzenden der Partei wurde der Reichstagsabgeordnete Dr. Maretzky gewählt
Der Fall Matteotti.
Rossi stellt sich dem Gericht.
Rom, 22. Juni (WTB) 6erare Rossi, der vormalige Leiter des amtlichen Prellebureaus! nach dem die Polizei fahndete, hat sich, gestern nachmittag den Gerichtsbehörden gestellt.
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Rossi ist von seinem F.eund D u m i n i, einem der verhafteten Mörder Matteottis als der Urheber des Attentats bezeichnet worden. Inzwischen wird nach einem Drahtbericht aus Rom nicht nur die moralische, sondern auch die politische Seite der Frage von der Presse lebhaft erörtert. Die Sozialisten verlangen fortgesetzt den Rücktritt des Kabinetts Die Turiner „Stampa" führt aus, daß keine Pattei die Regierung zu übernehmen wünsche, obschon sicher sei, daß das jetzige Kabinett unmögliche auf dem Posten bleiben könne. Die Gefahr, daß durch diesen Rücktritt Italien in einen bolschewistischen Zustand zurückfallen könne, bestehe nicht mehr.
„Popolo", das Organ der katholischen Volkspartei. verlangt nur. haß wiederum gesetzliche und verfassungsmäßige Zustände einkehren und das System der unbestraften Gewalttätigkeiten auf- ihöre.
„Mondo" wendet sich gegen diejenigen Rr- gierungsblätter, die behaupten, es geb; nar die Wahl zwischen Mussolini und dem Bürgerkrieg.
„Giornale d'Italia" schreibt, daß das aufgehobene Veibrechernest im Ministerium des Innern die Verdienste, welche sich Mussolini im Kampfe gegen den Bolschewismus erworben habe, nicht schmälern dürfe. Aber die Säuberung im Ministerium des Innern wie auch tn den Pro- vinzialverwaltungen müsse gründlich und energisch weiter gefühtt werden, und das Presseamt müsse wieder funktionieren.
R o m. 22. Juni. (WTB.) Wie verlautet, wird der morgige Ministerrat die Reorganisation der Nativnalmiliz beraten, die dem Heere ein- gegliedert werden soll. Indem sie dem Kriegsminister unterstellt wird, soll die Miliz den Charakter einer Parteieinrichtung verlieren. Diese Maßnahme ruft im Lande einen ausgezeichneten Eindruck Hervor. General Debono übergibt das Kommando an General G i a r - di n o. Alles das deutet darauf hin, daß noch vor der angekündigten Senatsrede Mussolinis die moralischen Forderungen der öffentlichen Meinung erfüllt werden sollen.
lenlos ist der Mann dem Spuk verfallen, geht ihm einen Schritt entgegen und zwei, zögernd einen zurück, um doppelt schnell wieder vorwärts zu eilen: er muß wollen, und wenn sich auch sein Inneres dagegen sträubt. In Biegungen und Windungen der Schlange, in Haken und Dogen des Hasen im Zickzack der Libelle folgt er. Alnd vor ihm her schwebt es girren» wie lustiges Lachen. Sturen Auges mit schlafenden Gedanken folgt er willenlos — gefühlsselig. Das Sumpfwasser brunlelt unter seinen Fußen — er achte- es nicht, leimig kriecht der Schlamm über den Knöchel — er merkt es nicht, knietief sinkt fern Körper in aufgelöste, zähe Massen — er arbeit>t sich empor: jetzt tappt er zu und tritt ins Leere — das Wasser des Daches schlägt über ihm zusammen. An den Weidensträhnen rettet er sich ans Alfer. Kaltes Frösteln läuft über seine Kopfhaut, zieht ihm das Haar nach oben, von der Stirne perlen Schweißtropfen. Vor ihm tanzt und winkt der Irrwisch. Ein Stöhnen entringt sich der Brust des Irrenden. Plötzlich ist das Licht erloschen, und langsam, langsam erwacht die Besinnung. — Jedes Maß für Zeit und Raum war verloren. Fern am Himmel kündet ein schmaler Lichtstreifen den Sieg des neuen Tages, und nicht allzufern meldet ihn ein Hahn. Nun flattern die Nebel empor und vor ihm — ist es Wirklichkeit? — vor ihm liegt Kleinbach, das er am Abend verlieh. Die ganze Nacht ist er gewandert, hin und her. und ist nicht um einen Steinwurf weiter gekommen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 23. Juni 1924.
Die Reichs-Teuerungsziffer.
Die Deichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten, Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den 18. 3uni auf das 1,12-Dillionen- fache der Vorkriegszeit gegenüber der Vorwoche von 1,13 Billionen; es ist demnach eine Abnahme von 0,9 Prozent zu verzeichnen.
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** Abschiedsfeier für Prvf. D. Dr. Schian. Ihrem bewährten Führer und stets Hilfs- und dienstbereiten Ratgeber, Prof. D. Dr. Schian, der in den nächsten Tagen als General- fuperintenrent für Schlesien nach Breslau übersiedelt, bereitete die Deutsche Volkspartei. Ortsgruppe ©tef.en, gestern nachmittag im Klub eine herzliche Abchieösseier. Der starke Besuch der Veranstaltung an dem schöner Sonntagnachmittag bewies eindrucksvoll, w.lch großer Wert chähung sich der Scheidende und feine Familie allenthalben zu erfreuen haben. Auch aus der Provinz waren Zahlreiche Ve treter der Deutschen Voll'spattei ei Schienen. um noch einmal mit . dem
allseitig belieben Mg.ordneten und geistvollen Vorkämpfer der vrlispaUeill.hm Politik in Hessen vereint zu sein. Die volksparteiliche Landtagssral- tion und eine Anzahl hervorragender Männer des öffentlichen und geistigen Lebens unserer Stadt und Provinz warm gleichfalls- zugegen. In den Ansprachm, die von dem Vorsitzenden dec Gie- ßmer Ortsgruppe Prof. Krausmüller, dem Vorsitzenden der Land-espartei der D. V. P. Abg. Dr. D i n g e l d e y - Darmstadt, benr Dostitzendm der Volks parteilichen Landtagsfrattion Abg. Dr. Osann- Darmstadt, von der Abg. Frl. Birnbaum- Gießen, von Stad Pfarrer Boeckner- Schlitz, als Vertreter der dortigen Parteiangehörigen. gehalten wurden, feierte man den.Menschen, Politiker und Gelehrtm Schian in warmyerzigen Worten, sein Scheiden aus dem He smlande wurde übereinstimmend aufs schmerzlichste bedauert und ihm und feiner Gattin, di-? ihn entsagungsvoll der Politik gegeben und damit freiwillig ihr Familienleben geschmälert hat zugunsten der Partei, von ganzem Herzen gedankt. Immerfort werde man hier dem Scheidenden dankbare Treue bewahren, eingedenk dessen, daß das Wirken Schians für die volksparteiliche Sache in Hessen im engeren, für das deutsche Vaterland im weiten Sinne sehr segensreich gewesen sei. Als Zeichm der Dank- ba ( u wurde Pvose sor Schian von der ©iefje-net Ortsgruppe der- D D P. zum Ehrenmitglied ernährt! unb feine Verdienste in der Ehrenurkunde» in schönster Weise fest gehalten, Frau Pros. Schian wurde von der Gieß-.ner Ortsgruppe als Dankeszeichen ein Bild aus unserer Stadt überreicht, von den Schlitzet Pnr ci r uridvn ich r- br.ichte Stadtpfarrer Bveckner ein Album der Stadt Schlitz. Tiefbewegten Herzens dankte Prof. Schian für die vielfältige Eh ung, die ihm und seiner Familie hier in so reichem Maße be- v stet wurde, und er betonte, daß ihm die politische Arbeit nicht nur eine ParteisaHe, sondern allezeit Dienst am Vaterland und für die Wie er- ausrichtung unseres Dolles gewesen sei. In bester Weise ausgefüllt wurde das Programm d.r Feier durch Eesangsvorträge eines Frauenchors, in- ft rum entöle Darbietungen von Frau Dr. Spohr, Herrn Hermann, Dr. Roller, Duette von Frl. T e tz l a f f und Frl. Maternus, und Rezitationen von Frl. Lerch und Frau Cloos- Friedberg. Oberbürgermeister Keller und Reichstagsabg. Dr. Becker, die beide am Erscheinen verhindert waren, hatten brieflich, ersterer auch im Namen der Stadtverwaltung, ihrer hohen Wertschätzung der Persönlichkeit und der Arbeit Schians Ausdruck gegeben, ebenso waren bcin zahlreichen Ortsgruppen brieflich und telegraphisch Huldigungen für die Scheidenden eingegangen.
** Die heftigen Regenfälle vom Freitag hatten die Lahn und ihre Nebenflüßchen stark anschwellen lassen, so daß sie vereinzelt über die Alfer traten. Die Lahn war bis zum Aleberlaufen voll und nahm das Heugras an den Alfern mit, wodurch die Pächter des teuren Grases empfindlich geschädigt wurden. Auch die Wieseck führte Hochwasser und überschwemmte weite Sttecken des Wiesenge- ländeö, großen Schaden an der bereits im Gange befindlichen Heuernte anrichtend. An allen Verbindungswegen zwischen Philosophenwald und Wieseck standen Scharen von AuSflüglern, die durch die teilweise Überschwemmten Wege unliebsam überrascht war- ren. Einige Beherzte sah man hier und da sich der Schuhe und Strümpfe entledigen, an anderer Stelle hatten sich Radfahrer zur Verfügung gestellt, die die Passanten durch die „wogenden Fluten" beförderten. Auch der
Mehr Glück hätte der Schäfer'vonHörnfeld? Freilich axir er schon durch Schaden klug geworden. Er ging bis dicht von Hocheltal, da sah er einen Irrwisch nur drei Mannslängen vor- oustanzen. Ohne sich lang zu besinnen, drehte er stch dreimal um sich selber, schloß bann die Augen solange, wie man braucht, um ein Vaterunser zu beten. Als er bann um /ich schaute, war der Spuk verschwunden.
Auch in anderen Gegenden unserer Heimat konnte man das Irrlicht sehen. Das hat ein Mann feftgeftent. der in Weißenkirch auf dem Kuhhandel gewesen war und sich verspätet hatte. Als er aus dem Duchwald in den Wiesengrund tarn und eben durch das Erlengebüsch die andere Anhohe ersteigen wollte, sah er ein Licht. Da er geinte, den Keppeler von Bergkirchen mit feinem Eierkorb eingeholt zu haben, rief er ihn an unb bom Berghang antwortete auch eine Stimme, ^ber trotz kräftigen Ausschreitens kam er dem ßidjte nicht naher. In seinem Eifer merfte er nicht toie er vom Wege abkam. Plötzlich war das Licht verschwunden, und im Erlengebüsch^ hatte er die Richtung völlig verloren. Er wußte weder aus noch ein. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als an Ort und Stelle bis zum Tagesanbruch stehen zu bleiben. Zerschunden und mit zerrissenem Kittel kam er nach Hause, wo man in großer Soras um ihn gewesen war.
Ein andermal Haben in lauer Sommernacht Die Mädchen von Bergkirchen hinter den Dorf- I scheunen, wo man den Blick ins Wiesental hat
Prmoenavenweg Gießen - Phtlosvpyenwau) hatte an der Wieseckbrücke ein derarttgeS Hindernis — hier bestiegen Männlein und Weiblein ühi d. S Gelände I und im Tempo des „Immer an der Wand lang“ gings über die gefährlichste Stelle — zum Schluß ein kecker Sprung, und man war wieder auf dem Trockenen. —
Bornottzerr.
— Tageskalender für Montag. Gießener Goethe-Woche: 8x/4 Alhr Musikallite- rarische Abendfeier: Frau Vilma Mönkeberg (Relation-, 5rau Ilse Fromm Michails (Piano). Kammerorchester Gießener Musikfreunde (Lettung Prof. G. Trautmann). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Lustspieltage. — Astoria-Lichtspiele: „Prinzessin von Kahiräh". — Palast-Lichtspiele: ‘Anbetungen 2. Teil: „Kriemhilds Rache".
— Gießener Goethe-Woche. Heute abend findet in der Alnioersitätsaula eine musi-- kalische-literarische Abendfeier statt, zu der zwei Künstlerinnen aus Hamburg — die in Gießen von früheren Vorträgen her bekannte Frau Vilene Minkeberg (Rezitation) unb Frau Fromm - Michaels (Klavier) gewonnen worden sind. Außerdem wirkt das Kammerorchester Gießener Musikfreunde unter Leitung von Professor Trau t- m an n mit. Besonders sei noch auf den Vortrag des Monbrams „Proserpina" mit der Musik von Eberwein, einem Zeitgenossen Goethes, hingewiesen. Das Werk wurde seit Goethes Zeit nur zweimal gesprochen — und zwar in der Hamburger Goethe-Gesellschaft unb in Berlin, wo es gtoßen Beifall fand. -
— Der Ortsgewerbevere'rn Hält seine diesjährige Mitglitt erversammlung am Mittwoch abend im Gewerbehaus ab. (SieA 2In- ?cige.)
Wettervoraussage
Vorwiegend heiter, etwas wärmer, tnxScft Landkreis Gietzen.
6 Burkhardsfelden, 22. Juni. DaS Kirchengesangvereinsfest des Dekanates Gießen fand heute hier statt. Auf den regnerischen Samstag war ein richtiger Son^en- tag gefolgt, so daß die Festgäste aus der Nähe unb Ferne sich zahlreich einfanden. Die Fe er fand auf dem Kirchplatz statt. Die Männerchöre wurden von Prof. Trautmann -Gießen geleitet und brachten vorzügliches zu Gehör. Die Li! u igle wurde von dem Ortspfarrer Hellwig- Reiskirchen gehalten, die Predigt von Pfarrer H a r t m a n n - Alten-Buseck. An St lle d s in letzter Stunde verhinderten Pvfaunencho^s K ein- Linden hatte Pfarrer K a l b h e n n - Gr.-Duseck ab hoc einen Chor zufarnmengestelll aus Oppen- robern Und Grvß-Bufcck.wi Dläiern und b:gl.itete den Gemeindegesang, brachte auch sonst einige Stücke zum Dort rage. In ber Nachfeier, eröffnet durch Pfarrer Hellwig, mit Ansprache von Pfarrer A u s f e l d - Gießen und Schultheiß- Grohen-Linben, fangen die Chöre einzeln. Es waren durchweg gute Leistungen, die man zu hören bekam. Don den Dereinen der Lanb^e- mcinben ernteten besonderen Beifall ter Beu er."er Verein (Lehrer Adam) unb der hiesige Chor; bah Gießen eine Klasse für sich bedeu'.e.e, bedarf Wohl keiner besonderen Gr-wahnung. Der Frauen- chvr Wieseck bot ebenfalls in ber Hauptfei-er unb in der Nachfeier unter Leitung von Leh.er Stoll Hervorragendes. Die Gastfreundschaft der Gemeinde Duikhardsselden bei der Bewirtung der Gäste und die Vorbereitung des Festes durch Bürgermeister Albach, ber den hiesigen Cho« leitet, wolle noch besonders hervorgehobeir werden
Mrcts Büdingen.
)( Orten berg, 21. Juni. Nach einem ungewöhnlich schwülen Tage ging gestern abend zwischen i/28 unb i/29 AAHr ein so schweres Al n w e 11 e r über unsere Gegend nieder, wie wir es schon lange nicht mehr erlebt hatten. Don den Bergen stürzten durch die vielen Hohlwege unserer Gemarkung und durch die Straßen unseres bergigen Städtchens ungeheure Wassermengen, die sich auf die Gärten ergossen unb'eine Ain- menge von Geröll, Holz unb Steinen mit sich führten. Das Alntoetter war einige Minuten von einem Hagelschlag unb heftigen Sturm begleitet, ber sehr großen Schaden anrichtete. Die Frucht wurde gewalzt unb teilweise abgeschlagen, bas Obst massenhaft von ben Bäumen gerissen. bas an ben Bäumen hängenblerbende schwer beschäbigt unb so die Obsternte fast ganz verdorben, die Gärten wurden überschwemmt, Gemüse unb Kartoffeln zerschlagen, vielfach die Arbeit unb Ernte eines ganzen Jahres zum größten Teil vernichtet, in einzelnen Gemarkungsteilen bie Sieder zum Teil weggeschwemmt, eine größere Anzahl Bäume entwurzelt. Der letzte Zug nach Gebern mußte angehalten werben, damit das Dahngleise erst von Steinen, bie das Wetter zu Tal geschwemmt hatte, freigemacht wurde. Auch in der Almgegend hauste das Wetter in schlimmster Weise, besonders sollen in Wallern- hausen schwere Schäden eingetreten sein. Noch lange wird der Bevölkerung dieses Wetter, das die von 1921 und 1914 noch bedeutend übertraf, im Gedächtnis bleiben. .
Flachs geschwungen. Munter erklangen ihre Lis» der ins Tal hinaub. Da schwebte ein feuriges Zünglein herauf, ganz langsam näher und näher. Ems der fleißigen Mädchen hatte es gesehen und schrie laut: „Der Irrwischs der Irrwisch!" Schon ließen alle ihre Schwingen fallen und eilten durch ben Reuel tn ein Haus. Alnb bas war gut so. Hätten sie hingeschaut, so hätte ber Irrwisch sein Ziel erreicht unb sie alle mit fortgelockt, hinunter in bas Tal, wo ber versumpfte Weiher liegt, unb sie wären sicher in Schlamm unb Wasser um» gekommen.
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Rodins „Kuß" in Japan verboten.
Rodins großes Werk „Der Kuß" ist von ber japanisches Polizei, wie aus Tokio gemeldet wird, für anstößig erklärt worden. Es war für eine große Kunstausstellung, bie in der japanischen Hauptstadt flattftnbet, von der französischen Akademie der Künste geliehen worden. Als bie ersten Besucher bie Ausstellung betraten, fanden sie, daß ein dichter Dambusverschlag um ben Bronzeguh des Rodinschen Werkes errichtet war. Die Plastik, bie in der Skulpturenhalle des Pariser Luxembourg-Museums den Ehrenplatz einnimmt. verletzt die japanischen Anschauungen, die den Kuß aus der Oeffentlichkeit verbannen. „Küssen ist eine unanständige Gewohnheit", sagte der Polizeipräsident von Tokio zur Degr-ündung seines Berits „Wir wünschen nicht, diese schmutzige a&2nö"m dische Sitte bei uns einzuführen unb das Publikum dazu zu ermutigen.“


