Alomag, 25. ZllM <924
Erster Blatt
V4- Jahrgang
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Das Ergebnis der Besprechung in Chequers. Eine Londoner Konferenz Mitte Juli.
Die englisch-mexikanische „Affäre".
Erinnert man sich noch des Falles Castro And des „Krieges^ mit Venezuela? ES war in holden Friedenszeiten. Im Jahre 1902. Präsident Castro war gewalttätig gegen europäische Untertanen vorgegangen und hatte sich geweigert, die finanziellen Verpflichtungen gegen die deutschen und englischen Geschäftsleute zu erfüllen. Deshalb kam eS zu einer Blockade von feiten Deutschlands und Englands, die gemein s am vorgingen, nachdem sie sich vorher mit den Vereinigten Staaten von Amerika verständigt hatten. Das Haager Schiedsgericht entschied schließlich die Angelegenheit und verurteilte Venezuela zur Zahlung der Forderungen. Einen ähnlichen Strauß hat jetzt England allein mit Mexiko auszufechten. In normalen Zeiten würde sich die Welt darüber aufregen. Ganze Seiten der Tagespresse wären mit Nachrichten über die „drohende Kriegswolke" ausgefüllt. Da aber die europäischen Dinge ohnehin noch immer auf'dem Kopfe stehen, nimmt man von einem so fernliegenden Konflikt kaum Notiz. Trotzdem ist der englisch-mexikanische Stteit eine Angelegenheit von großer Bedeutung. Er kann genau so gut wie 1914 der österreichisch-serbische Konflikt zu einem Weltbrand führen, wenn sich allzuviele andere Mächte einmischen. Um was handelt es sich? Großbritannien ist beinahe der einzige Staat, der bis jetzt die heutige mexikanische Regierung Obregon nicht offiziell inerkannthat. Vor etwa acht Jahren verlieh der letzte englische Gesandte Sir Lhonel lieh der letzte englische Gesandte Sir Lhonel Card en den Boden Mexikos, und damit waren die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern abgeschlossen. Die Verttetung der britischen Interessen übernabm damals der Agent H. A. O. C u m m i n s. Dieser zweifellos sehr tüchtige Mann war ursprünglich Mineningenieur, lebte schon seit vielen Jahren in Mexiko und wurde dort um 1904 herum englischer Dizekonsul in Guhmas Se- nora, bevor er während der Revolutionsjahre als Sachwalter englischer Staatsangehöriger und englischen Eigentums seinen Posten in der Stadt Mexiko bezog. In zäher Verteidigung hat er seitdem die bedeutenden englischen Werte erhalten, die in Oelquellen, Fleischpackereien usw. bestehen und den Gegenstand manches offenen und heimlichen Konflikts mit — den Vereinigten Staaten gebildet haben. Man kann sich denken, daß dieser Mann mit der Zeit sehr unbeliebt wurde, zumal man wohl auch von Nordamerika aus stark gegen ihn in- ttiguierte. Eines Tages erhielt Cummins den Ausweisungsbefehl der Regierung Obregons. Er warf ihn in den Papierkorb. Auf Anfragen in London erhielt er die Weisung, ruhig auf seinem Posten auszuharren. Ministerpräsident Ramsay Macdonald sandte in besonderer Mission Sir Thomas Hohler, ebenfalls einen alten Mexikaner, aus. Er sollte versuchen, die Unstimmigkeiten beizulegen und er war wahrscheinlich als neuer Gesandter Großbritanniens ausersehen. Aber die Mexikaner hatten keine Lust, auf Herrn Hohler zu warten. Sie begannen, den verhaßten Agenten Cummins in der englischen Gesandtschaft auszuhungern. Lebensmittel dursten nicht mehr in das unter Völkerrecht stehende Gebäude gebracht werden. Auch der telephonische Verkehr des belagerten Engländers mit der Außenwelt wurde äbgeschnitten. Wäre der Fuchs aus dem Dau gekommen, hätte man sofort den Deportationsbefehl an ihm vollzogen. In letzter Minute gab England nach und rief seinen diplomatischen Agenten ab. Cummins verließ also freiwillig sein ungastliches zweites Vaterland. Im britischen Anterhause erklärte aber Macdonald, die Londoner Regierung bettachte das Vorgehen Mexikos als Ehrenbruch der nationalen Höflichkeit. Die Freundschaft ist gekündigt. Die amerikanische Botschaft in Mexiko hat die Archive der britischen Vertretungsbehörden übernommen. Die brittsche Regierung hatte ausdrücklich darum ersucht. Aber wohl ist ihr dabei sicher nicht zu Mut. Denn Nordamerika ist in dem Prozeß, der nun durch die Diplomatie ausgefochten werden muh, selber Partei und wird seine Vorteile gegen England durchzusetzen suchen.
Der Besuch Herrivts bei Macdonald hat — vweit die amtliche Bekanntgabe des Ergebnisses eine Feststellung gestattet — den erwarteten Verlauf genommen. Einverständnis über die grundsätzlichen Richtlinien der Behandlung des zur Frage stehenden politischen Problems, Einberufung einer Konferenz nach London zwecks endgültiger Regelung, darüber hinaus Festlegung der beiden Ministerpräsidenten auf enge Zusammenarbeit — amtlich „moralischer Pakt" genannt — stellen nach außen das Ergebnis ;>er Besprechung dar.
Lieber die Bedingungen, unter denen dies Einverständnis erzielt wurde, schweigt sich der ausgegebene Bericht aus — wir sind bezüglich ihrer Kenntnis vorläufig auf die Darstellung der Pariser Presse angewiesen. Es wäre verfehlt, auf Diese Ausführungen allein eine Ktttik aufzubauen — immerhin sind erfahrungsgemäß die großen Pariser Blätter im allgemeinen gut unterrichtet, so daß die lebhaftesten Bedenken nicht unterdrückt werden können, die z. B. die nach- tehenden Ausführungen des „Matin" über die Türfrechterhaltung der Eisenbahnregie zur Kontrolle der deutschen Transportmittel in Deutschland erregen müssen. Llm so wünschenswerter dürfte eine baldige amtliche Erllärung ein, zumal die englische Presse die Absichten Macdonalds in einer diesem Matin-Bericht entgegengesetzten Form dargestellt hat.
Auch die .Frage der Zulassung Deutschlands zu der Londoner Konferenz dürfte in der nächsten Zeit zur Debatte stehen. Es wäre ein kaum erträglicher Zustand, wenn auch diese entscheidende Konferenz wieder die deut che Regierung zu zwingen versuchen würde, Beschlüsse anzunehmen, ohne an ihrem Zustandekommen tätigen Anteil genommen zu haben.
Das amtliche (Kommunique.
Paris, 22. Zuni. (W.-D.) Nach Beendigung der gestern und heute in Chequers geführten Verhandlungen zwischen Ramsay Macdonald rnd Herriot ist folgendes offizielle Kommunique herausgegebcn worden:
„Im Verlaufe einer frern schastlichen und intimen Verhandlung find die verschiedenen, durch den Sachverstcndigenbericht aufgeworfencn Fragen diskutiert und versch'e- dene Maßnahmen geprüft worden, die ergriffen werden sollen, um diese zur Durchführung zu bringen Es war nicht möglich, zu endgültigen Entscheidungen zu kommen, da es notwcn)ig ist,vorherdiebelgischeund die italienische Regierung zu konsultieren. Die Derhcn langen haben ein vollkommenes Einverständnis zwischen den Ansichten der beiden Ministerpräsidenten ergeben. Es herrscht Aeberemstimmung darüber, daß, Wern die anderen Alliierten zustimmen eine Konferenz in London nicht später als Mitte Juli stattfinden soll, um die durchzuführende Prozedur endgültig zu regeln usw.
Die beiden M nisten Präs deuten haben beschlossen, gemein am zu Beginn der Generalversammlung des Völkerbund e s einen kurzen Besuch in Genf auszuführen."
Nach Aussage des Kommuniques haben Ramsay Macdonald in) Herriotbeschlossen, folgenden Zusatzzu veröffentlichen:
„Angesichts der Schwierigkeit n, die nicht nur die beiden Länder, sondern die gesamte Welt beeinflussen, haben wir uns dahin verständigt, unterunseinenmoralischen Pakt zum Zwecke fortgesetzter Zusammenarbeit abzuschliehe n."
Der Verlaus der Beratungen.
Paris, 23. Juni. (WTD.) lieber den Verlauf der Beratungen, Die zwischen Macdonald und Herriot geführt worden sind, wird dem „Matin" von seinem Sonderberichterstatter geschrieben:
Die beiden Ministerpräsidenten verhandelten am Samstag von 10 Ühr abends bis 2 Uhr morgens und am Sonntag von 10 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags. Der Berichterstatter des „Matin" nennt das ausgegebene Communiquä sensationell und legt ihm die größte Bedeutung bei. Aus dem Schriftstück gehe hervor, daß die Aufgaben, die sich die Ministerpräsidenten gestellt hätten, in erster Linie die gewesen seien, den Plan Dawes in d i e Praxis überzuführen. Die beiden Ministerpräsidenten seien dahin ü b e r e i n g e kommen, daß er mit Vervollkommnungen und Ergänzungen, an denen im Augenblick die Repa- rationkommission arbeitet, restlos durch geführt werden müßte.
Man hätte auf Grund der aus Berlin । vorliegenden Nachrichten das Recht gehabt, optimistisch zu sein. Die Vertreter Frankreichs I in Deutschland glaubten, daß die Ovvo-
sitionnichtstarkgenug sei, um die Annahme der durch das Sachverständigen-Pro- gramm nötigen Gesetze zu verhindern.
Nach dem „Matin" ist man bezüglich der Garantien dahin übereingekommen, daß ofort, nachdem die im Sachverständigen-Pro- gramm vorgesehenen Organismen funktionieren, die wirtschaftliche Ausbeutung des Ruhrgebiets aufhören soll. Aber um auf die militärische Besetzung zu verzichten, verlange Herriot im Einvernehmen mit Macdonald Garantien. Diese Garantien bestehen nach dem Berichterstatter in der Möglichkeit, Truppen nach dem Rheinland zu führen, falls Deutschland ich einer Verfehlung bei den Reparationszahlungen schuldig machen sollte oder im Falle eines feindseligen Verhaltens (Attitüde ho- I stile) des deutschen Reiches. Diese Möglichkeit erfordere die Kontrolle über gewisse strategische Eisenbahnen durch die Anwesenheit des alliierten Personals.
Man würde allerdings zu weit gehen, wenn man annehmen würde, daß diese Schwierigkeiten schon überwunden seien. Macdonald habe erklärt, im Falle einer festgestellten Verfehlu g Deutschlands werde Großbritannien wie im Kriege a u f feiten seiner Alliierten sein. Das nennt der „Matin" eine kostbare Verpflichtung und glaubt, daß, wenn man die Mittel Wirkungsvoller Sanktionen und wirklichen Schutzes in der Hand habe, man von einer Art militärischer Konvention zum Vorteil Frankreichs und Belgiens sprechen könne, da sie es gestatten könne, mit einem Minimum von Gefahr den nötigen Druck ausKUÜben. Werde sich die Interalliierte Rheinlandkvmmis- s i o n in Koblenz mit diesen Garantien zufrieden geben? Sie hrbe nur Verwaltungsautorität; aber man dürfe ihr nicht die technischen Mittel wegnehmen, um den Transport und die Verpflegung der Truppen unmöglich zu machen. Die Derhairdlungen sollen übrigens über d:e e Frage noch fortgesetzt werden und so gefördert werden, daß sie vor Beginn der interalliierten Konferenz, die am 16. Juli in London stattfindet, beendet sind. An dieser Konferenz würden auch die VereinigtenStaaten teilnehmea. wem sie es wollten. Was die Deutschen anbetrcf e, so würden sie, wie es logisch sei, bei der Festlegung des Protokolls, das von ihnen unterzeichnet werden müsse, zugezogen werden.
Nach dem Sonderberichterstatter des „Matin" ist auch
die Sicherheitsfrage, die nicht bei der großen Konferenz behandelt werden soll, besprochen worden. Er glaube versichern zu können, daß Macdonald in dieser Frage von einer Intransigenz sei, die Frankreich völlig befriedigen könne. Wenn im September die beiden Ministerpräsidenten der Versammlung des Völkerbundes in Genf beiwohnen würden, würden sie vor der Versammlung des Völkerbundes ihr volles Einverständnis darüber bekunden, die Diskussion, die während der jetzt beendeten Tagung des Völkerbundesrates über die Entwaffnung stattgefunden habe, wieder aufzunehmen. Aber schon von jetzt ab würden sie in Berlin eine ernsteSprache führen. Die Botschafter-Konferenz werde verlangen, daß die Bestandsaufnahme durch die Interalliierte Kontrolllommission durch- gesührt werde. Was die Kriegsschulden betreffe, so seien sie nicht eingehend behandelt, aber auch nicht vergessen worden. Frankreich und England wollen unverzüglich die Regelung vorbereiten, ohne abzuwarten, daß die Vereinigten Staaten an einer Verhandlung darüber teilnehmen. Je ein Sachverständiger der französischen .und englischen Regierung sollen alles gründlich prüfen und zur gegebenen Zeit einer zweckentsprechenden Lösung vorschlagen.
Weitere französische Presseberichte.
Paris, 23. Juni. (WTD.) Der Sonderberichterstatter des „Quotidien" glaubt zu wissen, daß im Chequers nur die allgemeinen Linien einer gemeinsamen Politik hinsichtlich des Sachver- ständi genberichts sestgelegt wurden. Auf der Londoner Konferenz am 16. Juli würden alle Probleme, die die p r a k t i s che Durchführung des Sachverständigengutachtens betreffen, geprüft und dann werde auch der Zeitpunkt bestimmt werden, an dem die Alliierten der Ansicht seien, daß der Plan Dawes zur Ausführung gelangt sei. Höchstwahrscheinlich werde man sich auf den Standpunkt stellen, daß der Plan als ausgeführt zu betrach- ten sei, sobald sämtliche Kontrollor - qaneinTätigk eitseien.die der Plan vorsehe. Hni> vielleicht werde man Deutschland auffordem, diesen Beschluß durch Tlnterzeichnung einer zweiseitigen Konvention anzunehmen.
Nach dem Berichterstatter des „Journal" ist es möglich, daß, nachdem die Alliierten sich auf die Juli-Konferenz verständigt haben, die deutsche Regierung zugezogen werde, wie dies in Spaa, London und Genua der Fall gewesen ist. Was die S i ch e r h e i t s f r a g e anlanot. so berichtet der Sonderberichterstatter des
„Quotidien", die Verständigung über die Re» Parationsfrage werde die Verständigung über die Sicherheitsfrage nach sich ziehen. Die beiden Ministerpräsidenten seien von der unbedingten Notwendigkeit ausgegangen, die völlige Entwaffnung Deutschlands zu verlangen. Sie würden die praktische Möglichkeiten hierzu begrüßen, ohne sich an enge Formeln oder Methoden zu halten, die von den Ereignissen überholt sind. Der Völkerbund werde Hünen kurzem auf diesen Gebieten eine entscheidende Roll^ zu spielen haben Unter der Aegide des Völkerbundes würden auch die Garantie- und gegenseitigen Hilfspakte angeschlossen werden. Auch hier würden die beiden Ministerpräsidenten nach einer bestimmten Formel suchen, durch die wahrscheinlich die früheren Texte beseitigt würden.
Das „Echo de Paris" schreibt: Der fatale Entschluß sei gefaßt. Herriot habe dadurch, daß er das gestrige Communiquß akzeptierte, die fran- zsische Politik in eine neue Richtung geworfen. Er habe einen gewaltigen Bruch in den Ideen gemacht, auf die seine Dorgnger seit den 6. Februar 1920 s ich stndig berufen htten, wenn er sich um die Durchfhrung des Friedensvertragei gehandelt htte. Gewiß, das Communiqus sei ir vorsichtigen Wendungen abgefaht, es bringe seinen ganzen Inhalt nicht v l l i g zum Ausdruck, aber es sei nicht daran zu zweifeln, do.ß Macdonald, der es immer noch darauf absehe, das franzsische Volk einzulullen, sich nach besten Krften beruht habe, die ffentliche Sensation seines Erfolges abzuschwächen. Aber wer zwischen den Zeilen zu lesen verstehe, könne sich nicht der mindesten Illusion hingeben. Heute sei man wieder auf dem Wege zu einer internationalen Konferenz, das heißt einer Versammlung, in der notgedrungen Frankreich Kompromisse bieten müsse. Deutschland sei bereit, der Zwangsjacke zu entgehen, die bei seiner heutigen Verfassung allein imstande sei, es im Rahmen des Versailler Friedensvertrages festzuhalten. Wenn französischerseits hier keine Abhilfe geschaffen toeroe, so sei die Revanche des Alldeutschtums in Vorbereitung.
Sonntagsredner Poincare.
Das alte Lied vom böswilligen Schuldner. — Die Sachverständigen als Kronzeugen.
Pans, 22. Juni. (WTD.) Zum 8. Jahrestag der Schlacht von Verdun hat PoincarL 'freute dort eine Rede gehalten, in der er mit Absicht gerade am heutigen Tage feine Politik zu rechtfertigen suchte. Er sagte unter anderem:
Wenn De utsch land fett dem Kriege einigen guten Willen bei der Durchführung des Versailler Vertrages und ein wenig Este bei der Wiedergutmachung der Schäden, die es tn Frankreich verursachte, bekundete, so hätte man in Frankreich die gerechtfertigte Empfindlichkeit zum Schweigen gebracht. Man hätte danach getrachtet, ohne Groll und Haß die normalen Begehungen zu dem Nachbar im Osten wieder aufzunehmen und man hätte es nur allzu ehr begrüßt, die Erinnerung aus dem Gedächtnis verwischen zu können, die die Streittgkeiten zwischen den Völkern zu verewigen droht. Aber es sind Heute 5 Jahre vergangen, seitdem Deutschland in Versailles vor aller Welt und 27 siegreiche^ Nationen gegenüber seine Ve Pflichtungen übernahm. Es hat sie nicht gehalten und muß jetzt bürgen dafür, daß es bereit ist, sie in Zukunft zu halten. Nicht mit einem freundlichen Lächeln wird man Deutschland dazu bringen, seine Verpflichtungen zu erfüllen. Wenn Frankreichs im Jahre 1922 ins Ruhrgebiet eingerückt ist, so habe es vorher lange Geduld betoieien, die we- mand aus dem Gedächtnis verlieren werde. Wer könnte denn vergessen haben, daß im Mai 1921 der größte Teil der 21 Milliarden, die Deutschland bis dahin bezahlen sollte, ihm erlassen worden sei. Wer könnte vergessen haben, daß es im ganzen Jahre 1921 in bar nur die eine Milliarde bezahlt habe, die in Artikel ö des Londoner Zahlungsplanes festgesetzt worden sei und die man Deutschland durch ein entschlossenes Ultimatum abgezwungen Hale
Poincarö behandelte in diesem Stile die ganze Reparationsgeschichte bis zur Veröffentlichung des Sachverständigenberichtes und führ dann fort:
Die Sachverständigen haben fest gestellt, daß Deutschland nicht habe bezahlen wollen, trotzdem es bezahlen konnte. Ob man das anerkennt, oder ob man es leusnrt, die Sachverständigen haben der von Frankreich befolgten Politik vollauf Recht gegeben. Wenn morgen Deutfch'and wohl oder übel sich vor den Schlußfol^erint’ti des Sachverstäudigcnberichles beugt, so der- dankenwirdiesesErgebnisder Besetzung des Ruhrgebietes.
Deshalb habe ich es stets für richtig gehalten diese Zahlungsgarantie n i d> t g e g e n e i n f a d: € Versprechungen oder noch nicht er- probteKombinationenaufzu geben.
Weiter sagte Poincare, seine Regierung habe erklärt, daß sie ihre Pfänder, die Zolle, dii Forsten, die Kohlensteuer und die Ausfuhrbewill liaunaen nurgegenvondenSachverstäni


