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22.12.1924
 
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Blatt

174. Jahrgang

Montag, 22 Dezember 1924

Der Bericht der Kontrollkommission

Der Anschlag aus das Saargebiet.

Der Hilferuf Saarlouis

HerriotsFriedenspolitik"

pim Nachmittag vorha ohnrjedeDerdmdlichkeit.

Preis für V mm höhe für Anzeigen von 2? nur Dreite örthd)8, ausoärts 10 ©olbpfennig; für 9te# klame-An^eigrn v 70 nm Brette 35 t^oldpfennig, plotzvorschkist20^ .Auf» schlaq. - Derantworilich für Politik u. Feuilleton: t)r Friede Will) Hange; Nir den übrigen Teil: Ernst Blumschein;sür der Anzeigenteil .^ans ßtdt sämtlich in töiefzen.

®nmblagcn au dem jetzigen 100 OOO^Hann-Acct ausgestellt Haven und dah die Organisation dieses Heeres bis ins lleinste hinein den von ihnen gegebenen Vorschriften ent­spricht. Was die fünf Punkte betrifft, auf die der ..TempS" dann zu sprechen kommt, so ergibt sich aus dem Rotentocchsel zwilchen der deutschen Regierung und der Botschaftertonfe- renz. daß die Erledigung dieser fünf Punkte nicht im unmittelbaren Zusammenhänge mit der Generalinspellion gedacht war. sondern daß die fünf Dünkte einen davon getrennt zu be­handelnden Fragenkomplex bilden sollten. ES haben jedoch auch über die in den Rahmen dieser fünf Punkte fallenden F.agen schon im Lause der Generalinspelt on Besprechungen und Besprechungen stat'gefunden, die zum Teil nnh in vollem Gange srnd. Ein nicht geringer Tell der hierher gehörigen Forderungen ist bereits erfüllt worden. Als völlig aus de rLuft gegriffen muh schließlich die Behauptung bezeichnet werden, dah seit 1923 ein« Vermehrung öer deutschen Militärmacht stattgesunden habe Den Beweis für diese Behauptung bleibt denn auch der ^Temps" schuldig und begnügt sich, um sich den Anschein der Kennerschrift zu geben, mit Vogen Andeutungen, dah es sich da- be» um Oberkommandos. Cadres und Derival- tungsdienst stellen handele.

Vorstellungen des Botschafters von Hösch. Berlin, 22. Dez. (TU.) DerMontag" berichtet aus Paris: In einer Unterredung zwischen dem deutschen Botschafter und dem Direktor der politischen Ange­legenheiten im Quai d'Orsey wies Herr v. H ö s ch auf die Schwierigkeiten im Innern des Laiches hin. die bet Richträumung der Kölner Zone am 10. Januar durch die alliierten Truppen entstehen könnten, da nach Artikel 429 des Versailler Vertrages diese Räu­mung vorgeschrieben sei, wenn Deutschland getreu die Vertragsbestimmungen erfüllt habe. Direktor Laroche habe «antwortet, dah diese Cntschei- dung von den alliierten Regierungen n 0 chnicht

getroffen worden sei, da dies erst mög­lich sein tonne nach Einlauf der Be­richte der interalliierten Militärkontrvllkom- mission und dah jede weitere Entscheidung von dem Inhalt dieser Berichte abhänge.

Englands Stellung.

London. 21. Dez. (WB.) Der .Observer" schreibt zur Frage der Räumung deS Kölner Ge­bietes: Rach dem deutsch-französischen Kriege ha­ben die deutschen Truppen Frankreich binnen drei Jahren geräumt. Aber nach der französi­sch e n T h e f e. die leider wieder vollem Rach­druck ausgestellt wird, hat die ISjährtae Rciu- mungSsrist überhaupt noch nicht begon­nen. Wenn diese These berechtiggt ist, wann soll sie denn Überhaupt je beginnen? Wird Deutschland keines ernsten Verzuges Überführt, dann bleibt uns dem Buchstaben nach leine Wahl, als ent­sprechend dem vorgezeichneten Plan zu räumen. Aber eS bestehen praktische Schwierig­keiten. Die Frage der Räumung muh von den Alliierten nach dem Empfang des Berichtes der Kontrollkommission erörtert werden, der nicht vor dem 10. Januar zu erwarten ist. Als Grund für diese Verzögerung nennt Lord Curzon Den deutschen Wider st and gegen die Kon­trolle. Mair kann aber die gleiche Tatsache auch anders darstellen, indem man sagt, dah bei der Ruhrbesehung die Kontrolle preis­gegeben und nach dieser so gut wie absicht - ?i <5 c n Preisgabe mit Schwier gleiten wieder aus­genommen wurde. Dies ist eine Sache, bei der Deutschland seine Verantwortlichkeit hat, genau wie Grvhbritannien und Frankreich. Herriot be­müht sich, die kluge Politik feines Vorgängers zu liquidieren. Es liegt im Interesse des fran­zösischen Ansehens und der europäischen Stabili­tät. dah er Erfolg hat. Grvhbritannien kann nicht zustimmen, aus unbegrenzte Zeit oder unter zweideutigen Bedingungen in Köln $u bleiben. Wenn wir aber unter Be­rücksichtigung dieser Tatsache die Räumung mehr beschleunigen, indem wir bleiben, als wir gehen, dann muh Deutschland eS sich überlegen, welche Vorteile ihm auS einem Kompromih er­wachsen.

kommission hat keine Echluhsolgerungen zu for» mutieren, sie beschränkt sich aus die objektive Darstellung der Beobachtungen, die sich auf den Kontrollbesuchen ergaben.

Das Gewicht wird in dem Dokument auf die Feststellung der beharrlichen Ob­struktion gelegt, deren sich die deutschen Der- btndungSossizlere desleihigt haben; die Ditte um Auskunft wurde stet« und ständig abgelehnt. Die Kontrolle der Mannschaftsbestände, die die deutschen Militärbehörden nie geduldet haben, hat zu völligen Trugschlüssen geführt. Der Bericht enthält eine Zusammenstellung sämt­licher Tatsachen, die beweisen, daß Deutsch­land zahlreicheDersehlungenfich zu­schulden kommen lieh. Die Frage des Oberkommandos und der überzähllgen MaunschaftSbestände wird ausführlich zur Sprache gebracht. Entgegen den deutschen Demen­tis wird festgestellt. daß der GroheGenerol- stab neugebildet wurde, ferner wird der Nachweis dafür erbracht, bah eine besondere Abteilung eingesetzt wurde, um sich mit dem Militärflugwesen zu besassen, ob­gleich Deutschland laut dem Vertrag von Dersail- les nur KandelSslugzeuge beschaffen darf.

Die Interalliierte Kvntrolllommission habe entgegen der allgemein verbreiteten Ansicht, wie herdorgehoben werden muh, nicht festsustellen, ob Deutschland eine militärische Bedrohung für heute oder morgen darstelle; ihre Tätigkeit ist vielmehr eine rein juristische und beschränkt sich dar­aus. sestzustellen, inwieweit die Bestimmungen des Vertrage« zur Ausführung gelangt sind. Allge­mein wird der Bericht die Dotschafterkonferenz in die Lage versetzen, über den schlechten Willen der deutschen Militärbehör­den zu den unzweideutig st en Schluß­folgerungen zu gelangen. General von Geeckt und seine Mitarbeiter hatten auf die Mäßigung spekuliert, die den militärischen Ver­tretern von ihren Regierungen anempsvhlen wor­ben waren, ihre Berechnungen haben sich a!S salsch erwiesen. Die Kontrolloffi iere muhten die Feststellung machen, daß Deutschland ernsthafte Gründe hat, ihre Forderungen nach Auskünften abzulehnen. Augenblicklich haben die englischen Offiziere in erster Linie betont, daß die Kontrolle infolge der absoluten Obstruktion der deutschen Mil'tärbehörden unwirksam geworden ist. Deutschland habe, so wird in dem Bericht auSge- fuhrt, keine der fünf Forderungen erfüllt, die die Dotschafterkonferenz in ihrer Rote vom Septem­ber ausgestellt hat.

Die Lügen desTemps".

Berlin, 20. Dez. (WTB.) Der .Temps" stellte im Anschluß an die Wiedergabe der kürz­lich von Lord Curzon im Oberhause gehal­tene Rede über die Räumung der Kölner Zone eine Reihe von Behauptungen auf über den Stand der Entwaffnung Deutsch­lands, die jeder Grundlage ent­behr e n. In der offenkundigen Absicht, d a S alte Märchen vo n geheimen deut- fchen Rüstungen wieder aufleben zu lassen, spricht daS Blatt die Vermutung aus. der Be­richt über daS Ergebnis der General- t n s p e k t i 0 n würde insofern nicht den wahren Tatbestand wiedergeben tonnen, als namentlich auf dem Gebiete der Kriegsindustrie eine Kontrolle überhaupt unmöglich sei. Demgegenüber kann nur immer wieder daraus bingewlesen werden, dah die Kontrollkommis- ston nunmehr Monate hindurch sich aus allen Gebieten davon überzeugen konnte, dah Deutschland seinen Entwaffnung-- verpflichtungen nachgekon men ist. Sie nachte von dieser Möglichkeit im weitesten Mähe Gebrauch, denn es sind bei der Reichs­wehr. der Polizei und der Industrie über 17 00 Kontrollbesuche vorgenommen wor­den. Dabei sind der Kontrollwmmission alle gewünschten Unterlagen zur Verfügung gestellt worden. Da die Kontrolle fast ausschliehlich vonOsfizieren vorgenommen wurde, die fett Dohren mit der Materie auf« Angehendste ver­traut sind, so wird kein unbefangener Beurteiler glauben können, dah es der Kontrvlllommissum wirklich nicht gelungen sein sollte, ein umfassendes und erschöpfendes Bild über den

deutschen DustuugSstand

ga gewinnen. Dah es demTemps" nur darauf gnkommt. haltlose Verdäch igungen aud-uftreucn, Irgtbi sich auS seiner weiteren Behauptung, daß ie Reichswehr mit ihren 100 003 Mann nur en festen Rahmen zu der eigentlichen deutschen Armee abgäbe, die im Mvöi.is erungssalle auf- gestellt werden könne. DerTempS" weih ganz Dtnau, daß die Alliierten selbst die

in der Oefsentlichkett und von fetten fei­ne 6 eigenen Beamten gegen Dörffert er­hoben worden waren, und die ein grelles Schlag­licht auf die stark korrupten Verhalt- ni»|c des laarldnbl'djcn Polizei shstemS werfen, hat die Staatsanwaltschaft drei Fälle herausgegriffen, vor allem den Fall deS Direktors der in Konkurs geratenen Saar- ländlichen Effekten- und Wechselbank K. non G a j e v S k t. wobei dem Dörffert drei Einzel- vergehen zur Last gelegt werden:

1. dah Dörffert in Ausübung dervoll- ziehenden Gewalt den wegen Untreue ver­folgten Bankdirektor der Strafverfolgung entzogen habe:

2. dah er öffentl iche ckl rku nden- f ä l s-ch u n g dadurch begangen habe, dah er di« Unterschrift der Gattin GajevsliS amtlich be­glaubigte, obwohl diese Untcrfdjrift In seiner Gegenwart uitb auf seine Anweisung hin von einer anderen Frau, die ebenfalls aus der Anklagebank sitzt, ausgeführt worden war:

3. dah Dörffert zwei ihm unterstellte Beamte in derselben Angelegenheit zum Meineid zu veranlassen gesucht habe.

Die ebenfalls noch erhobene Anklage der Be­stechung und der Unterschlagung lief) sich nach der Beweisaufnahme nicht aufrechterl>alten Dagegen bleibt die Beschuldigung der passiven Bestechung und des Mihbrauchs der Amtsgewalt bestehen. Die passive Bestechung bestand darin, dah Dörffert von dem Besi er eines öffentlichen Hauses ein angebliches .Darlehen" in Höhe von 7000 Franken angenommen hat, die das Gericht als ein sogenanntes Schweige­geld betrachtet wissen will. Der Mißbrauch der Amtsgewall wird darin erblickt, dah er eine Kell­nerin auf Zwischenträgereien hin einfach bei Rächt verhaften und über die Grenze ab- schieben lieh. Der Staatsanwall beantragte insgesamt eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren und neun Monaum unter Zubilligung mildernder Umftänbe. Diese werden darin erblickt, dah Dörffert ein Opfer seines Glücks ge­worben und seiner verhältntsmähig hohen und verantwortungsvollen Stellung nicht gewach­sen gewesen sei. Er war nämlich vom ernsacheiH Schutzmann über den Umweg eine» Mill- tärtrompeters auf seinen jetzigen Posten unter der Saarregierung aufgerückt. Die Urteil#- fäTlung findet Montagnachmittag statt.

Der deutsch-französische Handelsvertrag.

Diechinesische Mauer" deS deutsche» Protektionismus.

P a r i S, 21. Dez. (WTB.) Der .Mat in" der» öffcntllcht Erklärungen emeä der französi­schen Unterhändler für d n A.schl.h deS deutsch»französ fchen Handelsvertrages. In dm ErllärunAen w rd behauptet, dah Frankreich ungenügend vorbereitet die DeiHand­lungen mit den deutschen Handelsd leg ate.i aus­genommen habe, wahrend beb ut,chen De e- gierten methodisch vordere tck, in voller Kenntnis der sranzös.fchen Altionsmittel. ble Verhand­lungen aufgenommen hüttrn. Der rasche Ab­schluß des beutsch-englischen Han­delsverträge« widersprech.» b?m nicht, denn England, daS sich die Meistbegünstizuna vor- behallen habe, rechne ebm daraus, dah Frank­reich bet seinen Handelsvertr igsvei Handlun.,;«w auch sich selbst die gröhtmögl d>en Dort ile ver­schaffen werde. Die französischrn Unterhändler seien also isoliert und ungenügend be­waffnet auf eine wahre chines fche Mauer gestohen, nämlich auf den üb;rtr eb neu Pro­tektionismus eineS D utschl nb. bas sich lag?, um ben Dawesplan auSZufuhren, darf unser Export nicht beschränkt werden, und um unsere Wahrung stabil zu erhalten, ist e« notw ndig, bah unser Imporl auf bas genaueste Mindestmaß beschränkt wird.

Das sei die Spekulation gewesen, die man vor sechs Wochen bei Beginn der Verhandlun­gen vorgesunden habe, und so liege sie auch heute noch. Man habe zwar ein bißchen die chinesisch« Mauer inS Wanken gebracht, aber sie sei noch hoch genug, damit kein französische« Produkt siemitR atzen überschreiten könne. Die, die sie verteidigten, hätten übrigen« durch die letzten Reichvtagswahlen eine Verstär­kung erhallen. 2luf die Frage des RedattcurS des .Matin", ob die Lage sehr ernst sei, ant­wortete bet französische Unterhändler: Keines­wegs, denn eS handelt sich nur darum, einige Stunden länger als bis zum 10. Ja­nuar auSzuhalten. Werbe doch Frankreich nach dem 10. Januar auch au« der Meistbegünsti, gung Vorteil ziehen können. Frankreich habe ja bann auch Zeit, seinen Zolltarif zu vervoll­kommnen, und zwar durch ble Annahme des jetzt dem Parlament vorliegenden neuen Tarifs. Im allgemeinen, so schloß der französische Unterbänb- ler, der als einer ber bestunterrichteten bezeichnet wirb, müsse man bedenken, daß Deutschland und Frankreich ein großes Interelle an der Emigung hätten, wenn man auch davon noch well ent-t fetnt fei. älebrigenS dürfe man auch die Ver­bindung des Erzes mit der Kohle nicht vergas em

Vertagung der Oviumkonferenz

Genf. 20. Dez. (WTB.) Die zwecke Opium- konferenz hat ihre Sitzungen bis zum 12. Januar 1925 unterbrochen. Fünf von den sechs Unter- kommiffionen der Konferenz haben ihre Arbeiten beendet, die in einem eingehenden Studium aller der Konfereiy Dorgclegten Vorschläge auf Ein­schränkung her Rarkoir ko out »-di-

Nr. 30s Erster 6rfd)ttiu täglich, außer Sora- und Feiertag».

Beilagen: GietzenerFamllikib lütter

Heimat im Bild.

tteietüBejapiprelt:

2 Goldmard u 20 (Bofb- Pfennig für Trügerlohn, auch bei Nichterscheinen t>on einzelnen Nummern Infolge höherer Gewalt. Fernsprech.Anschlüsse: vchriftteuung 112, Ver« lagundGeschäftsstelleSl. Anschrift für Drahtnach­richten Hnjelgerftlefjem

Postscheckkonto: trenlfurt a. 01. 1168«.

Poincars hatte wenigstens das eine für sich, er machte aus seinen Plänen und Absichten Deutschland gegenüber nie einen Hehl. Anders dagegen Herr Herriot, der sich bekannllich verschworen halte, Europa den Frieden tvieder- zugeben, dafür aber hinter den Kulissen die französische Kriegs- und Raubpolitik nach allen Regeln ber Kunst fortsetzt. Richt genug, daß auch auf sein Konto ber Kölner Vertrags­bruch zu sehen ist, er trägt sich noch mit ganz anderen Plänen. Sein neuestes Ziel ist, tote sich jetzt herausgestellt hat, eine verschleierte Annektion des Industriedreiecks Saarlouis - Dillinyen-Völllingen. Bekanntlich sieht der Versailler Friedensvertrag für daS Saargebiet nach Ablauf von fünfzehn Jahren eine Volksabstimmung vor, von deren Ausgang die Einverleibung von Frankreich ober Rückgabe an das Reich abhängen soll. Herr Herriot spekuliert aber nicht nur auf die Urteils­losigkeit des europäisch:n und amerikanischen Publikums, er rechnet auch auf eine Unterstützung ber deutschen Pazifisten, zumal es doch so auS- sieht. als ob er gegen die Abtretung eines Deinen Grenzstreifens das ganze Saargebiet s ch 0 n j e h t an Deutschland zurückgeben will. In Wirllichkeit verfolgt er aber lediglich das Ziel, auf diesem Umtoege Saarlouis mit feiner Umgebung, seiner gewaltigen Industrie und den Kohlen­gruben für Frankreich zu gewinnen. Doch rechtzeitig ist es gelungen, diese Pläne des fran­zösischen Ministerpräsidenten aufzudecken. Wie wir bereits am Samstag in einem Teil der Aus­lage meldeten, haben sich die ötadtveroebneten der Stadt Saarlouis sofort mit einem schar - f e n Protest an den Völkerbund, die ReichS- reglerung und auch an Herriot selbst gewandt, in dem sie keinen Zweifel darüber liehen, daß sie gut deutsch sind und auch gut deutsch blei­ben wollen. Herr Herriot wird sich unb darüber Dürfte wohl fein Zweifel bestehen, angesichts dieses scharfen ErnsprucheS schleunigst zurückziehen und die aufgedeckten Pläne nach bekannten Vor­bildern alS Fälschungen h.nsteLerr.

Saarlouis an Herriot.

Saarlouis, 20. Dez. (WTB.) Gleich­zeitig mit zwei Eingaben an den Reichskanzler und den Völkerbund haben sämtliche Stadtver­ordnete von Saarlouis ein Schreiben an den französischen Ministerpräsidenten Herriot ge­richtet, in dem es heißt:

Herr Präsidettt!

Sie haben eift Angebot Frankreichs ausgesprochen, wonach Frankreich auf daS Saar- gebiet und auf die Gruben verzichtet, wenn die Stadt Saarlouis mit sieden Bürger­meistereien an Frankreich fällt. Wir Bürger der Stadt Saarlouis, die wir die gewählle Stadt Vertretung bilden, können nicht annehmen, daß Sie. Herr Präsident, über die Stimmung der Bevölkerung Im Saargebiet, beson­ders in Saarlouis, richtig unterrichtet sind, weil Sie sonst diesen Gedanken sicher nicht au«*

Pari«. 22. Dez. (TU.) Der -Berliner Der- «tet &<« .«ch 0 be Pari«- teilt folgendes mtt: Die Interalliierte MU tärkontrollkommiffion bat einen neuen Bericht abgefaht, der heute fr ü h in Pari« eintreffen wird. Diesem Bericht Ist wegen de« Datums, deS Zeitpunktes, zu dem er abgesandt wurde, eine besondere Be­deutung beizumessen. Der Text, dem ein Begleit­schreiben von brei Seiten und mehrere Anhänge beigegeben sind, ist von sämtlichen Mitgliedern ber Interalliierten Wilitärdelegatton e i n ft i m- 18 gutgeheihen worden. Die Bot- schafterkonferenz wird an Hand deS Be­richtes die entsprechenden Schlußfolgerun- gen »leben können. Wir glauben zu wissen, daß der T«richt ber Kontrollkommission in einigen Tagen der Preise übergeben wird Die Äontroll*

gesprochen hätten. Gestatten Sie uns des­halb, zunächst darauf hinzuwelsen, daß der sei­nerzeit dem Präsidenten Wilson unterbreite­ten Erzählung von 150 000 Saarfranzosen eine Beweisführung nicht beizumessen ist, da sie durch Machenschaskten einiger Per­sönlichkeiten zustande kam, die Sie, Herr Präsiderck, ohne Zweifel nicht billigen wür­den. Gestatten Sie uns ferner, Ihnen die Ver­sicherung zu geben, daß das Saargebiet unb nicht zum mindesten Saarlouis deutsch war, deutsch ist und deutsch bleiben wird. Wir iönnen Ihnen die feste Versicherung geben, daß die Bevölkerung der Stadt Saarlouis, hart an der Grenze Frankreichs, in Frieden und Eintracht mit unserem Grenznachbar leben will.

Als gute Deutsche bekämpfen wir jedes Bestreben, uns von Deut'chland loSzureißeu, wett wir un­lösbar verknüpft find mit unserer Heimat, und wett eine LoStreunung wie ein Dolchstich, wie eine Erdrosselung auf daS Wirtschaftsleben wirken müßte.

Jeden Versuch der Trennung müßten wir als eine in unser deutsches HauS geworfene Brand­fackel betrachten, die Mann. Weib unb Kinb selbst mit ihrem Herzblut ersticken toü-ben. Ge­rade die Rot Deutschlands, bas zu erfüllen, waS eS versprach, ob es twch so schwer und hart wird, kittet unS mit unwiderstehlicher Kraft an unser teures Vaterland, dem wir belfen wollen, wieder frei zu werden. R chtS in ber Welt, keine materiell noch so glückliche Zukunft kann uns unsere Liebe zuDeutsch- l a n d aus dem Herzen reihert Wenn wir des­halb unseren Rach ar der blau-weitz-rvten Grenz» pfähle in tiefster Sorge um unsere Zukunft zu- rufen: Besinnt Euch und verachtet nicht, was Ihr so hoch gepriesen habt! so ist daS ein Hilferuf ber Stabt Saarlouis an die Herzen aller, die guten W llens sind, die verhüten wollen, batz Zank unb Streit weiterleben zwischm zwei Völkern, die auf ein gut nachbarliches Verhält­nis zueinander angewiesen sind.

Herr Präsidentf Wir nehmen ohne weitere« an, bah Sie, nachdem wir Ihnen unsere An» sicht unzweideutig Uargllegt haben, sich mit aller Kraft dafür einsetzen toerben, dah wenigstens ber uns im Friedensvertrag von Versailles ge­währleisteten freien Abstimmung kein Hin­dernis in den Weg gelegt wird.

Der Saarbrückener Korruptionsprozeh.

Ein Polizriwajor ber Saarrrqirrrrog daS Qpier feines WlLtks".

Saarbrücken, 20. Dez. (WTB.) In dem Prozeh gegen den früheren Kommandanten der Saarbrückener Schutzmannschaft, Polizeimajor Dörffert, dellen Verhaftung wir seinerzeit gemeldet harten. Ftnb heute nach dreitägiger Verhanbluirg die Plädoyer« zu Ende geführt worden. Bon bat zahllosen Beschuldigungen, die

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gderhesien

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