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Nr. 170 Zwetter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhetzen) 22.

Ser Houptgebirgsbildungsprozeh, der diese Gebirge hn Rahmen der alpen hohen, mitteldeut­schen Alpen hochfaltete, fand am Ende des Erd­altertums, in der <Äeinkohlenzeit statt. Gewaltige Kräfte müssen sich ausgewirkt haben, wenn man sieht, wie starke und feste Gesteinsbänke und Ge- steinspakete wie ein lose aufliegendes Tischtuch zusammengeschoben wurden, ilnb wenn wir in diesen Gebieten wandern, durchschreiten wir, ver­ursacht durch diese Faltung, nicht nur älteste Ge­steine unserer Erdkruste, sondern wir finden all« Gesteinsschichten mehr oder weniger schräg oder senkrecht gestellt, gewissermaßen Zeugen verstei­nerter Erokräfte.

Entlang diesem Zug der Gebirge im Innern Deutschlands treffen wir auf diese Weise Nieder­schläge ältester Meere an, welche unser deutsches Vaterland vor Iahrzehntemillionen bedeckten. 3m Norden und Süden dieses altzeitlichen Gebirgs­massives liegen jüngere Gesteine, lange nicht so steil gestellt und stark gefaltet, und schließlich lagern sich über sie in den diluvial vereist gewe­senen Gebieten die jüngeren und schließlich jüng­sten Bildungen.

Diese großen Züge kann man aus allen Wan­derungen und Neisen kreuz und quer durch Deutsch­land feststellen.

Jedes Fleckchen deutscher Landschaft wird in solcher erdgeschichtlichen Beleuchtung interessant, und es ist nur zu raten, sich deutschen Boden so zu betrachten. Mit anderen Augen betrachtet man den scheinbar leblosen Boden, und ein Stück Wer­den der Welt wird am heimatlichen Boden Er­lebnis.

Aus dem Reiche der Frau.

Freundinnen-

Von Clara Dunge.

Ich habe beobachtet, daß da. wo das Tun oder Lassen einer Frau Anlaß gibt zur Kritik, es häuftg ausgerechnet die allerbesten Freundinnen sind, die am erbarmungslosesten verurteilen!

Warum? Sie sind die am meisten Enttäusch­ten! Hnb Enttäuschung macht sehr leicht hart und ungerecht, wenn man nicht voller Güte ist, das heißt willens, sich und wenn es auch noch so schwer fällt in des Anderen Seele verständ­nisbereit hineiiizufühlen und die Beweggründe auch des scheinbar unbegreislichen Handelns liebe­voll zu erforschen!

Wer soll denn unser Fürsprecher sem, wenn die versagen, die auch unser Gutes kennen und sich darum rächt irre machen lassen dürfen!

Es gibt wohl kaum etwas Anhänglicheres, aber auch kaum etwas unbewußt Grausameres als eine Handvoll Hugendgefährtinnen, die in der Reife ihrer Jahre nach langer Trennung wieder einmal ftöhlich-auskramend beisammen sitzen!

So, wie sie dich einst mit unbeirrbar-kritischen Kinderaugen sahen, so sehen sie dich heute noch!

All äe Fehler, die sie in der gemeinsam ver­lebten Jugendzeit dir ohne viel Federlesen ob mit Recht oder Anrecht zuteilten, hast du noch! (älnd wenn du sie auch niemals gehabt haben solltestO^ fonn so köstlich-unverschämt

staunen daß trotz allem, allem wahrhaftig doch et­was Ordentliches aus dir geworden ist! Bitte, geworden zu sein scheint! Denn, wohl verstanden, so ganz felsenfest davon übezeugt sind sre rm Grunde ihrer Herzen ja noch lange nicht!

Ilnb doch, obwohl man sich ja eigentlich dar­über ärgern könnte, wenn man das Zeug dazu hatte und die Sache nicht so urkomisch wäre, dennoch gibt es nichts Erquickenderes, als sich im Kreise lieber, offenherziger Hugendgespielinnen an alten Erinnerungen wieder jung 'iutb froh za lachen!

Der Schirm als Geschmacks-Charakteristikum.

Don Ruth Thorrin.

Wie es Berufskleidung, Berufs laschen, De- russschürzen und Berufsschuhe gibt, so gibt es auch Berufsschirme. Von diesen soll hier nicht die Rede sein. Denn der Landschaftsmaler, der mit einem grauen Leinen-Sonnendach auswandert, die Ge- müsehökerin, die Aepfel, Kirschen, Pflaumen und ihre eigene zarte Fülle sorglich unter dem roten Riesenschirm birgt, sie müssen der Notwendigkeit huldigen, nicht dem eignen Geschmack oder der Mode. Sogar der chinesische Mandarin trägt den Sonnenschirm nicht als prunkvollen Zierat, son­dern wie unsere ehemaligen Kammerherren den Schlüssel als Zeichen seiner Würde, er gehört zum offiziellen Aufzug und Anzug.

Aber unsere Frauen und Mädchen sind frei, sich Sonnen- und Regenschirme zu wählen, ganz nach Geschmack, Laune, Kostüm und Gelegenheit. Da ein ausgesprochener persönlicher Ge­schmack über den sich ja nie streiten läßt leider immer noch zu den Seltenheiten gehört, tritt für die große Allgemeinheit dieMode" dafür ein. älnd diese augenblickliche Schirmmode wir kennen sie alle, die formen, dicken älngeheuerchen, die an lleine Dreschflegel erinnern, sie stammtnatürlich" aus Frankreich. Gibt uns das nicht zu denken? Pariser Schöpfungen ftnd's, die manch zartes, spißenüberrieseltes Wesen dick und klobig spazieren führt, zum Schreck oder der Belustigung der ihr begegnenden Männlichkeit zum leider! neidvollen Staunen ihrer nochun­modernen" Mitschwestern. Denn wäre diese neid- volle Bewunderung nicht vorhanden, dann stän­den unsere deutschen Schirmfabriken nicht voll der­artiger Rübezahlstecken. Der Fabrikant und der Verkäufer richten sich nach den Wünschen des Publikums und würden der Käuferin genau so gern einen schmalen, eleganten Chiffon- oder Spitzenschirm verkaufen tote einen dicken, wuch­tigen Totschläger, der seltsam kontrastiert mit den zarten Seidenfarben, mit denen er als sogenannter Sonnenschirm" überspannt ist. ilnb es gehört tat­sächlich ein toenig harmlose äieberspanntheit dazu, sich solch schweres, plumpes Scheusälchen zum Hel­len Sommerkleid auszusuchen. Würden andere Schirme verlangt, so würde diese französische Mode sofort verschwinden, aber nein, die brave Deutsche tapt getrost hinter den PariserSchirmherren her.... Was zu Apachen-Hals-Shawl und Mont- Martve-^lmschlagetuch passend sein mag, txiUt darum noch lange nicht für die deutsche cnxw? aber was solch kleines Boulevard-Gmsettchen ivy von ihremFreund" schenken läßt, glücklich in diesem Schirm und Schuh, das wird für Thus-

neldens Nachfolgerinnen das Sonnen- und Regen­dach-Ideal die große Mode! Schade um die Kunstfertigkeit, mit dec viele dieserTopfschrrme" (wie der Fachausdruck lautet) geschnitzt und ver­ziert sind. In Elfenbein und echtem schwarten Holz, in farbigen Sternen und Edelmetall Heven ich seltsame Ornamente, lleine Buddhas, exotische Tierformen, von der Schlange mit Rubinaugen bis zum Tigerrachen mit grünen Smaragdlichtern und Elfenbeinzähnen, assyrische Schuppen- und Fabeltiere in Gold oder Silber von dem Schirm­griff ab. Zum Teil ganz entzückend, wenn die Plumpheit des ganzen Gestells in Wegfall käme. Hoffentlich schafft derRundhalen" hier einen Wandel und ist etwas minder beleibt. Wenn auch die meisten dcr Damen-Rundhaken, die wir jetzt in den Schaufenstern bereits sehen, eher wie mächtige Herren-Schirmgrisfe anmuten. Die Farbigkeit auch der Regenschirme ist geschmackvoll angewendet zu begrüßen: sie gibt dem Straßenverkehr eine lebhafte, heitere Note und der Schirm läßt sich vorzüglich zur Toilette der Trägerin wählen. Ein scharfer Farbenkontrast würde nie vornehm fein, der Schirm soll sich ergänzend und angenehm ab­rundend dem Kostüm anpassen: er darf nicht do­minieren und vorlaut auf sich aufmerksam machen wollen.

Cs lassen sich allerlei Nuancen und Feinheiten in der Wahl des Schirms zum Ausdruck bringen: Aebertreibungen führen hierbei wie überall zum Beweis des Fehlens geschmackvoller Einfachheit.

Die praktische Hausfrau.

Frische Ob st flecke können sicher entfernt werden, wenn man den Stoff straff über ein Ge­fäß spannt und von oben herab kochendes Wasser darauf gießt. Ohne Seife oder irgendwelches Reiben verschwindet der Flecken sofort.

Frischhallen von Schnittblumen. Geschnittene Blumen halten sich viel länger frisch, wenn man dem Wasser etwas Ammoniak beifügt. Dadurch wird auch der faulige Geruch vermieden, der sich gerne in den Basen festsetzt.

Wolle porös-wasserdicht zu ma­chen. Wollene Stoffe werden am einfachsten wasserdicht oder richtiger wasserabstotzend impräg­niert, wenn man darauf Aluminiumseife nieder­schlägt. Dazu wird das Gewebe in eine lauwarme Lösung von etwa 200 Gramm Kernseife oder noch besser Oelsäureseife (Marseillerseife) in etwa zehn Liter Wasser eingetaucht, unter der Flüssigkeit durchgeknetet, um eingeschlossene Luftblasen zu entfernen und die überschüssige Lösung leicht aus- gedrückt. Dann bringt man den so behandelten Stoff in ein zweites lauwarmes Bad, das man durch Auflösen von 200 Gramm Alaun in zehn Liter Wasser herstellt, läßt das Gewebe einige Zeit in der Lösung unter Durchkneten verweilen, drückt gut aus und hängt zum Trocknen auf. Das imprägnierte Gewebe stößt nach einer Mitteilung in derälmschau" derart Wasser ab, daß darauf geschüttetes Wasser in Form einer ganzen Kas­kade von Wasserperlen abrinnt. Es ist damit für längere Zeit porös-wasserdicht geworden. Noch besser wird die wasserabstohende Wirkung, wenn man Fette, Oele oder Wachse in geringer Menge mit etwas Seifenlösung in warmem Zustand schüttelt und zum obigen Seisettbad seht. Auch et­was Leinölfirnis, mit Seifenlösung emulgiert und zugegeben, arbeitet in gleicher Richtung.

Für die Küche.

Eine feine Fleischfülle. Man nehme Reste von Kalbsbraten oder Geflügel und wiege das Fleisch sehr fein, ebenso wird rohe abgehautete Kalbsleber fein gewiegt. Zu schaumig genrhrter Butter kommen geriebene Semmel, em bis zwei ganze Eier, etwas gewiegte ^ronenschale, Salz, Pfeffer und nach Belieben Muskatnuß und die Fleischmasse: man kann auch feingewregte Sar- Lllen dazu geben. Die ganze Mässe wird gut ver­mengt und als Füllung verweichet (gut zur Fül­lungvon Kohlköpfen, Kohlrouladen, Kalbsbrust, ^^isab ncVf auce. Ein Stückchen Butter, et­was Mehl und ein bis zwei Eidotter werden mit­einander verrührt und mit etwas saurer Sahne und Salz auf gelindem Feuer zu erner sämigen Sauce verrührt. Die Sauce paßt gut £x Schwer ns- lendchen, Kalbfleisch, Rrndslen!^, Spargel, Blu­menkohl und als Beigabe zu Kartoffeln in der Schale oder Salzkartvffeln.

Suppe von grünen Schoten. Erne be­liebige Menge Schoten werden in Salzwasser weich gekocht. Inzwischen hat man eine Einbrenne von etwas Butter oder Fett unb Mehl gemacht, die mit dem Schotenwasser gekocht und aufgefüllt wird. Zuletzt kommen die Schoten dazu und vor dem Anrichten feingewfegte Petersille oder Schnitt­lauch. Zur Verfeinerung der Suppe können Grreh-

llößchen oder Klößchen aus gehacktem Fleisch dazu gegeben toerben.

Zigeunerfleisch. Zwei große in Schei­ben geschnittene Zwiebeln werden mit einem Stück Schweineschmalz in eine Kasserole gegeben, dann chneidet man dünnblätterig zwei Karotten und zwei Petersieliewurzeln dazu, klopft zwei bis drei Schweineschnitzel (Nackenstück), die man salzt unb glatt in die Kasserole fegt. Hierauf gibt man vier große Tomaten oder dem Maß entsprechend To­matenmark, eine grüne Paprikaschote, die man innen von den Körnern befreit hat, dazu unb läßt das Ganze zugedeckt langsam dünsten. Der Saft darf sich nicht verdünsten, man gieße also immer etwas Rindsuppe oder Wasser zu, damit alles im Safte bleibt. Ist das Fleisch weich, so prudelt man vor dem Anrichten '/» Liter Rahm >azu und läßt es einmal aufwallen. Der Ge- chmack mutz pikant sein: sollte es nicht scharf ge­nug fein, so gebe man noch etwas Paprika und wenn nötig, Salz dazu. Servieren mit Pellkar­toffeln, Reis ober Nudeln.

Ein Idyll.

In den Bestimmungen von Versailles wird der französischen Berg Verwaltung des Saar ge­biets zugestanden, für ihre französischen Angehö­rigen Schulen zu errichten, während sonst die Schulen des rein deutschen Gebietes ungestört bleiben sollten. Die kleine Zugabe an die fran­zösische Bergverwaltung wurde sofort von den französischen Ann.xionspvliti.ern benutzt, um ihre Pläne w.iterzu treiben. Die fvanzösilchea Spulen der Dergverwaltung wurden den deutschen Schu­len völlig gleichgestellt. Durch Lockungen mit Ge­schenken, durch Drohungen gegenüber den Eltern, durch Versprechungen, den Schülern die ec Scha­len später bessere Stellungen in der Bergve«.Wal­lung zu geben, wurden deutsche Kinder für diese Schulen gewonnen. Die Regierungslommis! !vn. die neutrale Rcgierungskommis.ion des Völkerbundes, in der eh lichen Auftassung ihrer Pflicht als Büttel der französischen An.iexioirspvlttlker, Hilst dabei redlich mit. Mi helfen b^vnders aber die­jenigen deutschen Doamten in der Regierung, denen eigentlich der Schutz der deutschen Inter­essen ihrer Heimat ans Herz gefegt' wurde, die Männer in der Schulabteilung, die Minner, deren Namen nicht vergessen werden sollten: Nottvn, Colling und besonders das derzeitige Mitglied der Kommision Kvhmann. Kürz.ich fand wiederum eine Schluhfeier einer solchen französischen Schule statt, natürlich mit Preisverteilung Intereßant war dabei, daß der Vertreter der Tergverwaltung feine Schüfe alskatholische" apostrophierte. Sehr nett von einem Vertreter der französischen Re­gierung, die gerade diekatholischen" Schulen im eigenen Lande nicht duldet. Aber im Saar­gebiet, wie sonst nur in halbzivilisierten Ländern, macht sich das Mäntelchenkatholisch" sehr gut. Man kann darunter seine politischen Geschäfte viel besser abwickeln Der ftanzösische Herr zeigte den Kindern das Festprogramm mit einem lachen­den und einem weinenden Kinderköpfchen. Das lachende habe mehrere Preise erhalten, sagte er, das weinende aber nichts, Unb siehe da, alle, alle Kinder der guten Schule wurden zu lachen­den Kindern, denn sie alle wurden prämiiert. Alle, alle erhielten Preise, weil sie fleißige Kin­der waren. Ja. ja, in den französischen Schulen gibt es nur fleißige Kinder. Rührend, nicht wahr? Nur weiß man zu gut, daß gerade solche Eltern, die meines, ihre fleißigen Kinder würden von ihren Lehrern verkannt, ihre Kinder aus den deutschen Schulen herausnehönen und in diefran- zösisck^" geben. Auf diese Weise wird ihr Fleiß und Intelligenz sofort untrüglich kund: sie er­halten sogar Prämien für ihren Fleiß. Alle, alle!

Derfranzösische Frieden" im Rheinland.

Eine englische Auslassung.

Die literarische Monatsschrift der Oxforder StudentenschaftThe Oxford Outlook" veröffent­licht aus der Feder ihres Mitherausgebers Gra­ham Greene einen bemerkenswerten Artikel über denftanzöfischen Stieben im Rheinland, worin das wachsende Interesse der englischen öffentlichen Meinung für die Herbeiführung vertragsmährger Zustände im ftanzösisch besetzten Gebiet zum Aus­druck kommt. An Hand von Einzelbeispielen sowre der von ihm scharf verurteilten Ausweisungs­politik weist Greene nach wie sich derfranzöftsche Frieden" allmählich zur planmäßigen -Unter» drückung des besetzten Gebietes ausgewachsen habe. Frage man sich nach dem Endziel all dieser Maß­nahmen, so gebe General de Metz, diesermerk­würdige Charakter und vielleicht die groteskeste Figur in der modernen Geschichte", die Antwort darauf: Separatismus sei sein Traum, Separatis­mus wolle er haben. Trotz des neuen Kurses in der französischen Auslandspolitik habe General de Metz seine Träume immer noch nicht aufge-

geben. Seme H-.fnun^ .ruhe aus dec ... französischen Geldern unterhaltenen sogenannten Rheinischen Arbeiterpartei, in der die Reste der Separatisten organisatorisch zusammengeschfessen feien. General de Metz arbeite in der Sülle weiter und warte nur auf den geeigneten Augenblick zum Losschlagen. Vielleicht schon nach zwei Monaten könne die Welt die Neuauflage des Separattstew- schreckens im Rheinland erleben. Mit diesem Alarmruf berührt Greene das dringliche Problem der zur endgültigen Befriedung des besetzten Ge­bietes notwendigen Sicherungen gegen die ver­tragswidrige, auf Loslösung des Rheinlandes vom Deutschen Reiche gerichtete Politik der ftanzö- sischen BesahungsbeHörde. Ferner fordert Greene im Interesse der Befriedung die Zurückziehung der farbigen Truppen, die eine Verhöhnung eines Wehrlosen Volkes bedeuteten.

Wirtschaft.

Arbeitsmarkt und Wirtschaftslage.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der deut­schen Industrie haben sich nach den Ausführungen desReichsarbeitsblattes" im Juni gesteigert. Der A u f t r a g s m a n g e l und die K r e d i t n 0 t ha­ben sich vermehrt: die Zahl der Konkurse wuchs. Zahlreiche Betriebe mußten zur Kurz­arbeit und Arbeiterentlassung über­gehen. Die Zahl der Erwerbslosen ist von 208 258 (1. 6. 1924) auf 240 766 (1. 7. 1924) gestiegen. Don 2040 typischen Industriebetrieben hat sich der An­teil der Betriebe mit schlechtem Geschäftsgang von 32 auf 43 Prozent erhöht.

Der Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet kam wieder in Gang, doch blieb die Förderung hinter der des April zurück: die Kreditlasten der Micum- Verpflichtungen wurden fast unerttäglich. Auch die Produktion des Braunkohlenbergbaues zeigt rückläufige Bewegung. Im Lahn- und Dillgebiet liegt die Mehrzcchl der Eisensteingruben bei sehr stillem Versandt noch immer ohne Arbeit. Die Kaliindustrie hat die im Mai begonnenen Be­triebseinschränkungen fortgesetzt. Die Lage der Eisenindustrie hat sich weiter verschlechtert. Die Frage nach Roheisen hat allgemein nachgelasien: auch der Bedarf an Halbzeug ist gering. Der Auftragseingang in allen Zweigen ging wesentlich zurück. Dementsprechend klagen die Maschinen­bauer über Wirtschaftsstagnation. Im Maschinen-, Lokomotiv- wie im Kraftwagenbau ist die Beschäf­tigung keineswegs ausreichend. Die Lage der Landmaschinenindustrie ist unverändert schlecht, in­folge mangelnden Kredits. Das Durchhalten beim Schiffbau bildet ein besonders schweres Kapitel. Der Beschäfttgungsgrad der elektrischen Industrie ist unverändert, obschon die Absatzverhältnisfe sich verminderten. Die Produktionshemmungen der chemischen Industrie verschärften sich, während die Textilindustrie im Zeichen der erwarteten Krise stand. Die Webereien arbeiten die alten Aufträge auf; neue fehlen gänzlich. Alle Zweige der Be­kleidungsindustrie melden gleichfalls ungünstigen Geschäftsgang. Es ist natürlich, daß das Nah- rungs- und Genuhmittelgewerbe analog der all­gemeinen Lage Verschlechterungen meldet, mit Ausnahme der Brauereien. Im Tabakgewerbe hält die Absatzstockung an. Das Baugewerbe lag nur in einigen wenigen Gebieten günstig, weshalb die Baustoffindustrie gleichfalls keine Besserungen melden kann. Die Holzindustrie schritt weiter zu Detriebseinschränkungen, ebenso kam es in der Glasindustrie zu Entlasiungen in größerem Aus­maße. Bei der Porzellanindustrie liegen noch Aufträge vor, neue sind auch hier nicht eingegan» gen. Das Duchdruckgewerbe meldet, wie die Leder- industtie, schlechte Aufnahme des Marktes. Gummi- und Papierindustrie erfuhren eine erhebliche Sen­kung ihres Geschäftsstandes. Die Auftragsertei­lung bei der Zellstoffindustrie war noch schwächer als in den Vormonaten. Im ©egenfaij zu den produktiven Zweigen war die Tätigkeit des Trans­portgewerbes im allgemeinen recht glatt: der Wasserstand auf Rhein, Elbe unb Ober war so, daß der Verkehr ohne Hindernisse vor sich gehen formte. Die Wagengestellung war im ganzen Reich infolge der nicht großen Anforderungen eine pünktliche.

* Ein Opfer der französischen Ge» walt. Die feit mehr als 50 Jahren bestehende Finna Weil & Reinhardt A.-G. in Mannheim, die im deutschen Ersengroßha.rdel eine führende Stellung einnimmt, ist in Zah­lungsschwierigkeiten geraten, die odi allem aus die über ein Jahr dauernde Beschlag­nahmung ihrer Läger durch die französische De- satzungsbehörde zurückzufühven sind. Die Firma,

mit . Hefite« Rinietme^l «Seht feine Wutfet Jeßl.

einer Pflanze, die einem schon in einem Museum Bewunderung abnötigten.

Man erkennt bann im Freien selbst, was an Erdschichten am Wasser unb was auf bem Lande abgelagert würbe. Es werden dem Freunde der Erdgeschichte unter den Wandernden Gesteine begegnen,' die schicht- unb bankungslos, ohne irgendeine Versteinerung cinzuschließen, entweder in großer, räumlicher und flächenhafter Ausbrei­tung vorhanden sind loder als riesige Linsen ober alS Durchbrüche innerhalb dieser geschichteten Ge­steine auftreten. . t .

Siefen schichtlosen, meist viel härteren Gestei­nen sieht man es an, daß sie einst feuerflussig dem Erdinneren entquollen unb erst nachträglich erkalteten. Wem. wir auf unseren heimatlichen Wanberungen lose Gesteine tote Don, Sand, Mer­gel Lehme, Kiese und Schotter finden, dann sind sie'aus der jüngsten Erdentwicklungsperiode, noch nicht so innig befestigt wfe die Kalke- Schiefer, Sandsteine und vulkanische Gesteine älterer Zeiten. Nordbeutschlands lose Erdschichten verdanken der in der vorhergehenden Erdperiode vor sich ge- gangenen Verschiebung nordischer Inlandeismassen bis ziemlich an unsere Mittelgebirge hercm ihre Entstehung vor, unter und vereinzelt im Eis.

Sie Flüsse, Bäche der Jetztzeit verlern diese Schichten und bilden lehtzertliche Ablage­rungen, zerstören in nie ^ie

ältesten und selbst härtesten Gesteine und lagern Schlamm- unb Kiesmassen irgendwo neu als jugendlichste Bildung ab, die nach Iahrzehnte- millionen schließlich zur.festesten Schicht werden

lagern in unseren Flußläusen bte jüngsten

Erdgeschichte auf Wanderungen und Reisen

Don Rudolf Hundt- Gera.

Man kann mit mannigfaltigen ^Er^fen eine Reise oder eine Wanderung antreten- Ob ich als Kunsthistoriker als Naturwissenschaftler, als Hi storiker als Freund der Landschaft ober des llfolkstüms die Länder meiner Sehnsucht burch- ^nbere erst recht verständlich werden Zusammen­hänge zwischen Mensch, Tier und Landschasllwenn ^in einer leider in unserer Schulzeit vernach­lässigten Wissenschaft Beachtung schentt.

Das ist die Geologie, die Wissenschaft vom Werden der Erde, ihrer Erdschichten und ihrer Landschaften.

Sie gibt fetzte Antwort auf Fragen, die sich mit der Kultur, dem Klima, der Menschheit, ber Sier- und Pflanzenwelt, dem Aussehen eines Landstriches befassen.

Sie geologische Wissenschaft ist heute in Deutschland soweit gefördert, daß mun alfe deut­schen Landschaften hinsichtlich ihrer Geofogie so Lnau kennt, daß man vorn größten Teil Deutch- Achs volkstümlich geschriebene geologische Führer Sn nun sich M s-inem Malbuch, tenakvä noch den Hammer fegt und an Stellen dirchwandernden Gebiete, die uns durch Einbrüche, Sandgruben, .Bergt^rke so aufge­schlossen sind, daß man in ihren Dau hineinsehen tvmn findet man hier und da versteinertes Seben in Gestalt eines versteinerten Tieres ober

Ablagerungen, die auch heute sich noch unter unseren Augen bilden. Was vorn Hochwasser nicht überschwemmt wird, das zahlt man den älteren Ablagerungen zu.

Nicht nur die fosen, lockeren Schichtenablage­rungen Norddeutschlands sind Geschenke des nor­dischen Inlandeises, das vor unserer Jetztzeit drei­mal aus dem Norden nach Süden kam, sondern auch die losen, lockeren Erdschichten der schwäbisch- bayrischen Hochebene sind Gfetscherablagerungen von Eismassen, die aus den Alpen ins Vorland drangen. Unb manches von Felsnischen in unseren Mittelgebirgen (Riesengebirge, Schwarzwald, Vo­gesen) unb mancher Gebirgssee im Döhmerwald, Schwarzwald, Riesengebirge zeugt von örtlicher Vereisung in der Diluviatzeit.

Wo Braunkohlen aus der heimatlichen Erde gewonnen werden, da erkennen wir Reste aller Moore, die zur sogenannten Tertiärzeit sich als br-eiies Band durch Mittel- und Norddeutschland hinzogen.

Dieser DraunVohlenzeit verdanken wir auch umfangreiche Gebirgsbildlrugsprozesse, die aus der Nachjura- und Kreidezeit berüberflingen lunb un­teren Mittelgebirgen die Gestalt gaben, die uns nach dem Einschneiden der Flüsse auf Wande­rungen vertraut wurden. Die Alpen entstanden zur selben Zeit, und die nordwestdeutschen Ge­birge falteten sich auf, während die schon in der viel älteren Nachsteinkohlenzeit empc-rgefalleten Gebirge Vogesen, Schwarzwald, Odenwald, Rhei­nisches Schiefergebirge, Westerwald, Thüringer- unb Frankenwaü», Fichtelgebirge, Erzgebirge, Su­deten, neue, wenn auch geringere Umformungen erlitten.