Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberyessen)
Dienstag, 22. April (924
rlr. 94 Zweites Platt
Die deutsche Jugend und Kant.
Don Dr. Frank Heinrich.
3n diesen Tagen klingt ein Dame auch an dein Ohr, deutsche Jugend: Immanuel Kant. Der Dame eines der größten Deutschen der grüßten Menschen. Ein Adelsname. Lind wenn du nichts von ihm weiht, eines von dem. was der Königsberger Philosoph kündete und lebte, muh auch in dir lebendig werden: sein »kategorischer Imperativ", sein Wort von der »unbedingten Pflicht".
Ideenwelten stiegen auf vor des einsamen Denkers Seele: alles, was Jahrtausende durchdacht, dachte er neu, unerbittlich in der Kritik, unbeugsam in der Wahrheit. Dem Wissen gab er Bahn, dem Erkennen Grenzen, für künftiges Forschen schuf er das Fundament. Doch ob alles zu stürzen schien vor der Klarheit seines Geistes, was an Lehrgebäuden die Zeit vor ihm errichtet hatte, eines stand ihm fest, zeitloS-ewig, ohne Bedingtheit: das Wort von der Pflicht.
Ein adliges Wort, und ein Deutscher war's, der es der Menschheit, einhämmerte, unvergeßlich, unverlierbar.
Was ein anderer Deutscher seiner Epoche in unsterblicher Tat der Welt gezeigt, Friedrich der Gröhe, das prägte der deutsche Philosoph der Wissenschaft ein und schuf damit die Grundlage für das, was die kommenden Geschlechter als sittlich, als rechtlich, als sozial anscchen. Die Zeit seither wurzelte in diesem Worte Kants: Schiller gestaltete es dichterisch, Fichte verkörperte es in seinem Willen zu Staat und Volk, den Freiheitskriegen ward es das Siegel: neues Leben gewann es in Bismarck, und das Deutsche Reich wuchs heraus aus der »unbedingten Pslicht".
Adelsmenschen, die das Adelswort, den Ddelssinn zur Tat machten! Deutscher Adel!
Dann — kam eine andere Zeit. Am »Unbedingten" wurde gerüttelt wie an der »Pflicht": alles nannte man „relativ", un) über dem Rea- tiven stürzte mitsamt der Pflicht auch die Treue und die Ehre und das Deutsche Reich.
Dein Reich, Jugend!
Sind wir keine Adelsmenschen mehr?
Deutsche Jugend, die täglich den Tanz um Götzenbilder, die Lüge, Röhhett. Unzucht. Sche bertum sieht, glaubst du noch an den Adel des Deutschen? Und fühlst du Kraft, die Linie fort- zusctzen, die von Armin bis Hindenburg führt — die Linie der Pflicht? Hast du den Glauben?
Dicht auf die Diederungen sieh', nicht auf den Schlamm der Gosse. Der Adelsmensch, der Freie, hebt zu den Sternen sein Haupt. Und ging uns der Adel verloren in grauenvoll irrender Zeit — erkämpfe ihn neu.
Ein Jahrzehnt versloh seit dem Ausbruch des Ringens von 1914. Wir leben in einer kleinen — doch auch in einer großen Zeit: ein neues Kämpfen hob an, um das Ewige in uns, um unfern Adel. Jugend, willst du Amboß oder Hammer fein?
Adel verpflichtet. Uns alle Bann kein Gecken-, Mode- oder Genießertum retten, nur das Bekenntnis zu Kant, der Wllle zum kategorischen Imperativ. Jugend von 1924, das ist deine Aufgabe.
Der Gott, an den der Königsberger Weise unerschüttert geglaubt, d:s Alten Fritz „Alliierter", der Gott Schloiermachers, Fichtes. Arndts und Bismarcks — er lebt. Und Unser Geschlecht wollte sich seiner schämen?
Er aber läßt sich nicht spotten, auch mit Konzessionen und Kompromissen nicht. Ihr Jungen, macht's besser als eure Haler, seid radikal zum Guten, radikal zur Pflicht. Mit Gott im Bündnis seid ihr stärker als die hassende Well: schafft unferm Bolk die innere Erneuerung — der Tag der äußeren folgt dann gewiß. Seid Zeugen solcher Wahrheit: Blutzeugen, so es fein muh.
Wir find die Parias der Bölker: laht uns nicht Parias Gottes fein. Erkämpft den alten AdUstitel, und glaubt an die Auferstehung nach der deutschen Passion.
Mir zieht das Lied durch den Sinn, das vor hundert Jahren die Burschenschafter sangen: „Wir hatten gebauet ein stattliches Haus . . ." Das Haus sank in Trümmer, an Lug und Her» rat; dennoch: „Die Form kann man zerbrechen — die Liebe nimmermehr!" Und wenn die dunklen Stunden kommen, dann singt's und jubell's hoffensstark und gläubig durch mein Herz:
„Der Geist lebt in uns allen, und unsere Burg ist Gott!"
Jugend von 1924 — im Geiste Kants, der auch aus jenem Liede tönte, ans heilige Werk! Dieser Geist wird Deutschland erlösen: durch Pflicht in die Freiheit.
Der fröhliche Kant.
Kant, bet „Hohepriester der reinen Bernanft", wie man ihn genannt hat, erscheint uns gewöhnlich als der strenge nüchterne Denker, besten an» gestrengte Geistesarbeit ihm keine Zeit für die »eitere Seite des Lebens liefk Aber nichts ist alscher als das Bild eines grämlichen und rnürri- chen Philosophen, das man sich v)n Kant gemacht hat. Bielmehr war der Grundzug seirn.s Wesens Fröhlichkeit. Das leuchtet sehr deutlich hervor aus den prächtigen biographischen Darstellungen seiner Zeitgenossen Jachmann, Borowski und Wasianski, deren Aufzeichnungen das Wichtigste über Kants Persönlichkeit darbieten und die soeben in einer gekürzten und erneuten Ausgabe im Verlag von Flemming u. Wiskvtt in Berlin erschienenen sind. „Kants Gemüt war von Datur zur Fröhlichkeit gestimmt", sagt Jachmann von ihnr. „Er sah die Welt mit heiterem Blick, faßte ihre erfreuliche Außenseite auf und übertrug wieder seinen Frohsinn auf die Außendinge. Aah:r war er gewöhnlich zur Freude aufgelegt. Selbst wenn man ihn bei seinen tiefsinnigsten Arbeiten unterbrach so äußerte er eine frohe und muntere Laune, die er auch sogleich anderen mitieilte." Sein vieljährig.r Freund, der Kriegsrat Scheffner, meinte daher, daß „das Wort Kindlichkeit am besten Den ganzen Kant crusdrücfe". Dieses kindli-he, heitere Gemüt strahlte aus seinen Augen. „Kan s Auge war wie vom himmlischen Aeth.r gebildet", sagt Jachmann, „aus welchem der tiefe Geistes- bluch besten Feuerstrahl durch ein leichtes Eewöll
Wirtschaft.
Vom Getrcidcmarkt.
Seit Wochen verzeichnen wir am Produllenmarkt eine Stabilität der Preise, wie sie in solchem Ausmaße und in solcher Länge kaum je festzustellen war. Die Gründe für di.se Lage des Protuktemnar'ies sind verschiedenster Art. Einmal mögen die B e r k ä u f e der Reichsgetreide st eile gewissermaßen eine Meberfättigung t-er Abnehmer bewirkt haben, deren Aufnahmefähigkeit in olge der herrschenden Gelt knapp fyiit an und für sicy nicht allzu groß war. Im Gegenteil zwinat ber Mangel an Betriebskapitalien die Mühlln, so schnell a'.S möglich einen Teil ihrer Hoiräte abzustoßea. 11 nb hier liegt ter andere Grund für die ilnbeweglich- leit der Preise am G:tteitemarkt. Denn auch die Bäcker sind auf längere Zeit bä,raus mit Mehl cingedeckt, namentlich mit billigeren Auslandserzeugnissen, und fino aus Sorge um die Haltbarkeit ih er Ware bestrebt, diese Borräte erst einmal aufzubrauch.n Dies würde in normalen Zeiten hxh'iwah.schelnllch eine starke Senkung der Preise habeiführm. Lll'cht so jetzt! Die Landwirte sind jetzt bei den Best ellungsa r beiten, haben aber auch sonst keine Lust, ihre Ware zu tem ihnen allzu niedrig cr- fd>einen>2n Preisen abzustoßen. In Händler tt<i en will man wissen, Laß die Landwirte ihre Erzeugnisse bis nach den Wahlen zurückzuhalten beabsichtigen, ba sie von Maßnahmen einer eren- tucll mehr iechts gerichteten Reg erung sich ein Ansteigen der Getr^id.preise versorechen. Wieweit das zutrifft, muß dahncgeittl t ble b n. Tatsache ist nur, bah so gut wie kein Material an den Markt gelangt, und dieser mehr und mehr verödet.
Auch der ilrnftarj», daß der neueste Sactte.n- standbericht eine nicht unbeträchtlich: Hcr- schlechterung der Ernteaussichten barstellt. vermag feine Aende.ung der Ten.enz herbeizuführen. Allerdings mißt man der April- Statistik in Fachkreisen toenig Bedeutung be;, da diese auf Grund von Erh.bungen vom Sck.lu) des März hergestelll sei. Immerhin darf too.jl fehl gesagt toerjen, daß in den meisten Landesteilen die ilebertointer ung de r Saaten eine wenig gute gewesen ist und die diesjährige Ernte kein allzu günstiges Ergebnis verspricht, wenn es auch verfrüht wäre, bereits jetzt von einer zu erwartenden Misternte zu sprechen.
Interesse heisch.n dürsten einige Za'len der Einfuhr st ati st ik für Januar, die nunmehr vvrliegt. Es tourten eing.führt an Wei - z e n 15 010 Tonnen g g m cta> i 212 16) $. men im Januar 1913, an Mehl 45251 Tomen gegen nur 1638 im Jahre 1913. Diese Herminderu g der Kömereinfuh.- unter gleichzeitigem Anschwe.» len der Mehleinfuhr stellt eine äußerst ungefunre Entwicklung der Cinfuhroerhält -is e dar und gibt zu den fti^rerflen Bedenken Anlass
Die russischen Ge trendep r e i s e sind gegen das Ende des vorigen Monats allgemein weiter stark zucückgogangen. Weizen fiel z. B. In Odessa von 140 auf 127 Goldkp. per Pud, in Charkow von 170 auf 150, in Kiew von 16) auf 14-5, im Durchschnitt also um 15—30 Goldkp. Im nördlichen Kaukasus, in verschiedenen anderen Hersvrgungsgebieten ebrnso, sanken die Getreidepreise sogar unter 1 Goldrubel. Die Roggen» preise sanken durchschnittlich entsprechend etwa um 10—15 Goldkp. Infolge dieses Rückganges blieb der Getreidemarll im März stlll unö geschäftslos.
* Die Preisbildung in der Landwirtschaft. Dach de i M ßzrlk n der „Land- wirtschaftftchen Wochenschau" sind in der ersten Aprilhöifte bei den landwirtscha t ichen Betriebsmitteln Preisänderungen nur bei Stabeisen mit einer Steigerung auf 132 Prozent und bei kleineren Maschinen und Geräten mit einer Steigerung auf 140 Prozent des Friedenspreis? fest- zustellcn. Das Durchschnitsniv-au der Dettnebs- mittel liegt wenig über 142 Prozent de? F iedens- durchschnitts. Unter den landwirtschaft ichen Erzeugnissen ist die starke P.eisferkung für Butter herv izuhebm, die sich abgeschwächt auch Im Kle n- handel und in geringem Maße bei Margartro auswirkt. Der Durchschnitt der landwirtschaftlichen Erzeugnisse liegt weit unter dem Friedensniveau, insbesondere Roggen 85 Prozent. Ochsen 78 Prr ent und Schweine 95 Prozent. Bei den LebensmitteMeinHandelspreisen fällt die Bcr- teucrung der Kartoffeln auf 128 Prozent auf. Die Preise für Rind- und Schweinefleisch sind auf 107 bezw. 111 Prozent gestiegen, wodurch sich die Spanne zwischen Erzeuger- und Be.braucher- preis weiter'hin vergrößert hat.
• Keine Herabsetzung der Stickst o f f p r e 1 s e. Das St ckstosfsyndikat teilt mit: Es ist mehrfach die Ansicht laut geworden, daß die Stickstoffpreise mit Wirkung vom 1. Mai eine Senkung erfahren werden. Diese Ansicht ist irrig. Die heutigen Preise für einheimischen
Stickstoffdünger l egen durchschnittlich dreizehn Proz nt unter den Horkricgspr: s n D:r deutsche St.ctstoff zählt daher zu den b.lligsten industriellen Prrdultionsmitt.l.r für die Landwirtschaft. Sine Herabsetzung kommt für das laufende Düngejahr umsowcn ger in Frage, als Löhne und Preise für dir H lssmittel drr Stickstoffindustrie steigende Tendenz zeigen.
* Frankreichs Handelsbilanz im ersten Bierteljahr 1 924 Franircich hat in den ersten drei Monaten des Jahres 1924 Waren Im Werte von 10 224 325 020 Franken eingeführt und solche im Werte von 10 972 8)7 020 Franken ausgeführt. Gegen die entsprechende Z:it des vor gen Jahres ist der Wert der Einfuhr um rund 3V2 M lliarden, der der Ausfuhr um rund 4V2 M.lliarden Franken gestiegen.
DermLscytes.
Bemerkenswerte Dersuchr auf dem Gebiete der drahtlosen Telephonie.
Emden, 19 Ap.rl. (Wo f ) Am Sonntag, 13. April, wurde die Ember Herfehrsaesellschaft 21.-©. Emden, die Generallertreluag d:r Hamburg— 2lmerila°Linie, von der Funkstation Dorddeich angeweckt und gele.cn, auf der Amtslertung ein Gespräch mi' de. Bordstation d s H.-A. L.-D ampfers Albert D a l l i n“ auf-unvbmen. Tiefer Te such gstang ebenso gut wie der am nächsten Tage unternommene; am Montag wurde nämlich die obengenannte Gesellschaft. die auch die Generalvertretung d:r Hamburg—Südameri.ani'chr'a Dampfs i fa> isg el - scha t hat. mit dem H S. D. G.-D ampfer „Gap Bolonir" drahtlos telephonisch von Ser Dorddeicher Station verbünde r Di: H e r - flänuigung war in beiden Fäl en ei: e gute, so wähl in Emd n. als auch an Bord de. beiden Schiffe, die sich in Fahrt befanden und zirka 1 5 0 M e 11 e n in Lusllinie — ungefaßt bei Hoek van Holland — vodr Emden entfernt waren. Es ist Tatsache geworden, dast ei ie Berbt n d u n g eines Fernsprechteilnehmers in einem Binnenlandptah a f g wohnlichen Apparat — über eine Funistatton mit der B 0 rdstati 0 n eines mit Fankentel:» graphie b?zw. -T lephonie ausgerüst te.i Schis- f e s effektiv möglich ist, und daß für beide vernehmlich ein: Unterhaltung gesüh t werden kann. D m rkmswe.t an d'e em TI ph^nve'.fehr ifl, daß es heute möglich Ct, von jedem Platz tm Binnenlande aus — früher nur von ei'er Funkstation aus — durch geeignete Te stär.u g der Schallwellen mit eiine n auf See be indlichrn Schiff über eine Fankstation zu fp.echLN. Diese beiden Berfuche dürften wohl deswegen schon eine historische Beae tung erfahren.
Eleonore Dnse f.
Pi11sburg 20 April. (Wolff.) Eleonore Düse ist gestorben.
Wie man echte Teppiche erkennt.
Konstantinopel ist der Hauptmarkt der orientalischen Teppiche, und es gibt dort keine Art von echten Teppichen, die man nicht zu kaufen bekommt. Lieber die verschiedenen Klassen dieser echten Teppiche und die Merkmale, die sie aufweisen, macht ein türkischer TeppichhLndler eingehende Mittellungen. Die orientalischen Teppiche lassen sich nach der 21 rt ihrer Herstellung zunächst in zwei große Gruppen einteilen. Die erste umfaßt die gewöhnlichen Teppiche, die sog. Hali, wie sie auf türkisch heißen, mit dem Akzent auf der letzten Silbe; sie haben eine plüschartige Oberfläche. Die zweite Gruppe ist der türkisch „Kelim" genannte kleinere Teppich mit weicher Oberfläche, die wie gewebt auSsehen und ein wenig an Gobelins erinnern. Aach ihrer Herkunft werden die orientalischen Teppiche in drei Klassen eingeteilt, in persische, türkische und turkmenische. Die persischen Teppiche haben Blumenmuster, die gewöhnlich ziemlich symmetrisch und naturalistisch gezeichnet sind. Die türkischen Teppiche sind entweder GebetStep- piche, sog. Sijadeh, die die stilisierte Zeichnung einer Moschee haben, oder sie weisen Blumenmuster auf, die steifer und unbeholfener gezeichnet sind als die persischen. Die turkmenischen Teppiche hadea geo et isch' Ornamente In Form von Quadraten oder Rhomben mit allerlei merkwürdigen Zeichnungen, die bald wie Haken und bald wie Spinnen aussehen. Der gewöhnliche Käufer, der sich für seine Wohnung einen Teppich kaufen und nicht zuviel Geld anlegen will, darf nicht den Ehrgeiz haben, einen alten Teppich zu erwerben, der vor dem 19. Jahrhundert entstanden ist. Das sind Teppiche, die sich mehr für Sammler und Museen eignen. Der gewöhnliche Käufer wird am besten tun, einen guten
modernen Teppich zu erwerben, der etwa 40 bis 50 Jahre alt ist. Damals waren Zeichnung und Farbe In den orientalischen Teppichländern noch ganz auf der Höhe. Unter diesen modernen Teppichen kommen die besten Arten der persischen Teppiche aus Feragan, SennS und Sataband; die besten türkischen Teppiche aus Ladtt, Kula und Panderma; die besten turkmenischen aus Schirwan, Bochara und Belud sch ist an.
WaS der Papageienckvnig erzählt.
Den stolzen Dornen des „Papageien- königs" führt in den Kreisen der Händler mit teilten und exotischen Tieren George Bruce Ehap- man, in dessen Familie der Fang und Herfauf von Papageien schon fett mehr als 100 Jahren betrieben wird. Dieser interessante Beherrscher eines nicht alltäglichen Holkes von bunten und plappernden Wesen erzählt in einer Londoner Zeitschrift aus den Erfahrungen, die er mit Papageien gemacht hat. „Es gibt einige 20 verschiedene Arten von Papageien, mit deren Fang und Erziehung ich mich beschäftig:", erklärte er. „Die beliebtesten Tiere und die besten Sprecher sind die brasilianischen Amazonen: das sind grüne Högel mit gelbem oder blauem Kopf und mit roten Flecken auf den Schultern und den Flügeln: seht begehrt ist auch der graue afrikanisch: Papagei mit rotem Schwanz. Die brasilianische Amazone ist äußerst gesprächig und wird so zahm, daß sie aus ihrem Käfig kommt und denen, die sie gern hat, auf die Hand fliegt; sie wird selbst einen vollkommen Fremden mit einem freundlichen „Guten Tag" begrüßen. Der graue Afrikaner nimmt das Leben ernster: er sieht schon gesetzter aus und ist auch in seinem Wesen lange nicht so zutraulich, viel würdevoller und schweigsamer. Ob er der klügere von den beiden Hogclarten ist, kann ich nicht sagen. Die brasilianischen Papagecen sind jedenfalls die Lieblinge der Frauenwelt und führen allerlei luftige Späße aus, können aber auch durch ihre Plaaderhaftigkeit gefährlich werden, denn sie schnappen alles auf, was in ihrer Gegenwart gesprochen wird, und wenden es häufig zur Unzeit an.“ Des Papageienkönigs Tochter Ada Martz Chapman hat jetzt 3 Jahre in Brasilien verbracht und als Erfolg ihrer Tätigkeit jährlich 15 000 Papageien nach England befördert. In den tropischen Wäldern beobachtet der eingeborene Papageienfanger die weiblichen Papageien im Umkreis seiner Hütte und paßt auf, wann sie Eier legen. Er läßt dann das Rest nicht aus dem Auge, und wenn dann die Jungen so weit sind, daß sie mit ihren Schnäbeln die Eierschalen aufgepickt haben und gerade herausgrfro- chen sind, dann entfernt er ihnen rasch die Schwungfedern des einen Flügels. Dann wartet er 6 bis 7 Wochen, während deren die Eltern ihre Jungen auffüttern. Sind diese all genug, dann können sie nicht fortfliegen und lassen sich leicht fangen. Hat der Eingeborene ein Dutzend oder mehr gesammelt, dann bringt er sie mit seinem Maultier nach dem nächsten Dorf. Hon dort werden die Tiere nach einem Hafen, meistens nach Bahia oder Pemambuko gebracht, und dort nimmt sie ein Wärter der Londoner Firma in Empfang, der sie während ihrer Reise bewacht. Der Papageienkönig hat regelmäßig vier solcher erfahrener Wärter in Brasilien, von denen jeder etwa 500 Högel mitbringt Zunächst reifen dle Papageien als Deckpassagiere, aber wenn sie in das kältere Klima kommen, müssen sie in wärmere Kabinen gebracht werden.
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Husten .
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etwas gedämpft wurde, sichtbar hervorleuchtete. Es ist unmöglich, den be^ub-mten Anbl.ck und mein Gefühl dabei zu b:-s-chr.iben, wenn Kant mir gegenüber saß, seine Augen nach unten gerichtet, sie bann plötzlich in die Höhe hob und mich ansah. Mir war es dann immer, als trenn ich durch dieses blau ätherische Feuer in Mi- nervens innerstes Heiligtum blickte." Sstbst bei seinen Borlesungen ließ der Professor neben dem Emst auch den Scherz durchschimmern. „Seine Hotlefung war freier Diskurs, mit Witz und Laune gewürzt," sagt Borowski, „)ft Zitate und Hinweisungen zu Schriften, die er eben gelesen hatte, bisweilen Anekdoten, die aber immer zur Sache gehörten." Am schönsten aber entsaftete Kant seine geistreiche Heiterkeit als Gastgeber.
„Als Wirt verband Kant mit seiner feinen gesellschaftlichen Bildung eine zuvorkommende Aufmerksamkeit und Gefälligfeit," erzählt Jachmann, „und bot alles auf, um seine Gaste auf die angenehmste Art zu unterhalten und zu vergnügen. Man war an seinem Tisch ganz ungeniert; man äußerte freimütig seine Wünsche und erregte gerade dadurch die größte Freude. Der gefällige Wirt wußte feine Gäste so ganz von allem Zwange zu entbinden, daß ein jeder in seinem eigenen Haus zu leben glaubte." Hon feiner Unterhaltung berichtet Elisa von der Recke: „Oft sah ich ihn so liebenswürdig unter- haltend, daß man nimmer den t.cfabflratten Denker In ihm geahnt hatte, der eine solche Revolution in der Philosophie hervorbrachfe. Im gesellschaftlichen Gespräch wußte er bisweilen sogar abstrakte Ideen in ein liebliches Gewand zu llci-
den. Anmutsvoller Witz stand ihm zu Gebots und bisweilen war sein Gespräch mit leichter Satire gewürzt, die er immer mit der trockensten Miene vorbrachte." Der grotze Denker wußte sich wie Wasianski horvorhebt, „ohne Aftek- tatron doch sehr affektvoll auszudrücken". Besonders wenn er von seinen Daturbeobachtungen erzählte, so atmete der Don seiner Stimme, das Falten seiner Hände eine begeisterte Andacht. „Eine gleiche Art von ernster Lieblichkeit," schreibt Wasianski, „strahlte aus seinem Gesicht, als er mit innigem Entzücken erzählte, wie er einst eine .Schwalbe in seinen Händm gehabt, ihr Ins Auge gesehen und wie ihm dabei so gewesen sei, als blicke er in den Himmel. Auch komische Dachahmungen der Dialekte verschiedener Höller standen in seiner Gewalt, Ich könnte ein sehr komisches Gespräch in orientalischer Mundart anführen, das ich aber, weil es zu komisch ist, übergeb’. Er war Freund von dergleichen Scherzen und schrieb in ben letzten Jahren seines Lebens noch in fein Büchelchen: Klientenwein und verrostetes Brot; mit welchen Ausdrücken ein Franzos gluhmdcn □Dein und geröstetes Brot von seinem Wirte gesordert hatte." Selbst seine körperlichen Eigenschaften, mit denen er sich so viel beschäftigte, wurden ihm zum Gegenstand des Witzes, „lieber- baupt scherzte er öfters über seine körperl chen Schwächen," bemerkt Jachmann. »So gab er eines Tages den Grund an weshalb er keine schwarzen Strümpfe trage, weil in schwarzen Strümpfen die Waden dünner, als sie sind, erschienen und er eben keinen sträflichen Heberfluft an Waden habe, um sie noch dünner erscheinen m lassen.
Sr lachte auch herzlich darüber, daß fein alter Diener nie hinter seinem Stuhl bet Tisch vorbei ging, ohne ihm mtt der ernsthaftesten Miene von der Welt den Haarbeutel, der immer von dem höheren Schulterblatt auf das niedrigere herab- glitt m die Mitte des Rückens zu legen, um dtes« Verkrümmung nicht bemerkbar werden zu lassen
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Weitere Artikel zum Äantjubiläum bringt unser nächstes, zu einer Kantfestnummer ausgestattetes Samilienblatt.
Ein Bund deutscher Aerztdrnen
ist, wie die „Deutsche Medizinische Wochenschrift" mitteilt, gegründet worden. Der Bund bezweckt den Zusammenschluß aller Aerztin- nen Deutschlands, sowie die Bearbeitung s 0 - zialhygientscher Fragen vom Standpunkt der Aerztin als Frau, die Ausarbeitung von Borschlägen für die sozialßhgienische Gesetzgebung von demselben Standpunkt aus, sodann Sorge für die nicht mehr arbeitsfähigen älteren Kolleginnen und Unterstützung der jungen Medizinerinnen. Die wissenschaftlich« Bearbeitung medizinischer Fragen und di< Vertretung wirtschaftlicher Interessen nach außen gehört nicht zu den Aufgaben det Bundes.


