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Donnerstag, 2\. August 192$
Erstes Blatt
17$. Jahrgang
SietzeimAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Vor der Entscheidung des Reichstags.
* Wenn nach der morgen im Reichstag beginnenden Aussprache eine Äveidrittel-Mehrheit für die Annahme der sogenannten Dawesgesehe zustande kommt, kann am 30. August die vorgesehene endgültige Unterzeichnung des Londoner Schluß- Protokolls erfolgen. Das würde zur Folge haben, daß am 31. August der Bezirk von Dortmund und Hörde, die Flaschenhälse und das in Mannheim, Karlsruhe und Darmstadt widerrechtlich besetzte Gebiet geräumt wird und daß kurz nach diesem Tage die Zoll- und Verkehrsschranken zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet fallen, daß die Gefängnisse die Don Franzosen seit dem 11. Jan. 1923 verurteilten Deutschen entlassen, daß die Vertriebenen wieder zurückkehren und die deutschen Beamten ihre Funktionen wieder ausüben. Es würde ferner bedeuten, daß die von dem Druck der Mi- cumabgaben und der fremdländischen Kontrolle bald befreite Ruhrindustrie allmählich wieder wettbewerbsfähig wird, und daß die Industrie des unbesetzten Deutschland wieder ihren Bedarf an Rohmaterial und Halbfabrikaten im Rheinland und im Ruhrgebiet decken kann, ohne erhebliche Zollabgaben wie seit der Einführung der franko- belgischen Regie leisten zu müssen.
Gewiß muh das gesamte deutsch Volk für diese an sich selbstverständliche und nur teilweise Wiederherstellung des Rechtszustan- des an seine Erpresser ein ungeheuerliches Lösegeld zahlen. Aber sehen wir Deutschen nicht seit alters freudig für die Befreiung unserer Brüder und Schwestern, für die Freiheit von Heimat und Vaterland selbst das letzte, das Leben, ein, und war es je Sitte, daß die wehrlosen Angehörigen von unter die Räuber gefallenen Leuten sich um die Höhe des Lösegeldes die Köpfe einschlugen, anstatt so rasch wie möglich die Befreiung der Verzweifelnden herbeizuführen?
Und wir sind — wenn man eine gewisse Parteipresse verfolgt — anscheinend wieder auf dem besten Wege, uns in einem Streit um nichtangewandte Mittel und falsche Verhandlungsmethoden zu zerfleischen, anstatt die gegebenen und vorhandenen Möglichkeiten auszunuhen und das bereits verloren geglaubte deutsche Land erst einmal wieder in Besitz zu nehmen und durch klügere und bessere Arbeit als bisher den Schaden wieder gut zu machen. Denn nicht die taute und unfruchtbare Kritik, die noch immer billig wie Brombeeren ist, nicht das Zetern über begangene taktische oder strategische Fehler, nicht die Vorwürfe über die Umwandlung der angeblichen Minimalforderungen in Höchstforderungen und ähnliche Dinge können u. E. zur Zeit dem deutschen Volke auch nur den kleinsten Vorteil bringen. Sondern es gilt, die Stunde zu nutzen und so rasch als möglich den freigekauften besetzten Westen mit dem übrigen Deutschland wieder zu einer Einheit zu verschmelzen. Es gilt, keine; Minute zu verlieren, um die Vorteile auszunühen, die gegenüber dem augenblicklichen Zustand die Londoner Abmachungen bieten. Gerade, weil wir das denkbar stärkste Mißtrauen der französischen Politik entgegenbringen, gerade, weil London wichtigste deutsche Forderungen nicht erfüllte, müssen wir alles, was an Fortschritten! und Gewinnen das Londoner Protokoll bietet, auf die schnellste nur denkbare Weise in unsere Hand zu bringen und für uns nutzbar zu machen versuchen. Die Wiederangliederung des Rhein- und Ruhrgebiets an Deutschland, die Wiederherstellung der administrativen, fiskalischen, wirtschaftlichen und politischen Einheit, die Erlösung von 12 Millionen deutscher Frauen und Männer aus der Abgeschlossenheit und ihre Befreiung aus dem Joche welscher Gerichtsbarkeit und welscher Verwaltung ist kein Pappenstiel und keine Reben- fächlichkeit, ber der es nicht darauf ankommt, ob sie einige Wochen früher oder später erfolgt. Und wir fürchten, daß die überwältigende Mehrheit des Volkes und daß besonders die 12 Millionen unter den Ruhrkampfordonnanzen noch immer schmachtenden deutschen Brüder und Schwestern von dec folgenschwersten Erbitterung erfaßt würden. wenn der Reichstag nicht jene Zweidrittelmehrheit aufbringen würde, die — man mag noch so berechtigte Bedenken gegen die Mängel der Londoner Abmachungen und den Dawrsptan überhaupt haben — die Gesamtlage Deutschlands doch mit einem Schlage nicht unerheblich bessern kann. Denn nicht nur aus dem Gesichtswinkel des besetzten Gebietes betrachtet, ist das Abkommen von London nicht die von verschiedenen „Drauflosschreibern" behauptete schwere Riederlage, sondern ein erheblicher Fortschritt gegenüber dem gegenwärtigen Zustande. Ein Fortschritt, der um so höher zu bewerten ist, als noch vor wenigen Monaten kein Kenner der Lage und der Verhältnisse eine so rasche und so umfangreiche Wiederherstellung der deutschen Souveränität und Autorität im besetzten Gebiet, wie sie jetzt zu erreichen ist, für möglich gehalten hätte.
Wir haben wiederholt betont, daß wichtiger wie alles das, was wir in London noch nicht erreicht haben, die rascheste Besitzergreifung des verlorenen Landes und die Ausbeutung der LNs durch das Abkommen neu gewährten Vorteile ist. Darüber hinaus muß immer wieder darauf hin gewiesen werden, daß London nur cm Anfang, nur ein Dorfühlen, nur eine Art diplo- matisck^'n Aufklärungsgefechtes war. Der eigent- -iche Kampf um den wahren Frieden des deutschen Rechts kann erst beginnen, wenn der Aufmarsch vollendet und wir diejenige Stellung wieder eingenommen haben, deren Verlust unsere gesamte Voltskraft lahm gelegt hatte. Und der Reichstag sollte einem Parteidogma zuliebe die Wiedereinnahme dieser Stellung un
möglich machen? Wir vermögen es nicht zu glauben, weil wir es nicht für mögllch und denkbar halten, daß verantwortungsbewußte deutsche Männer die jetzt erreichbare Befreiung von zwölf Millionen Deutschen unmöglich machen oder auch nur um einen Tag verzögern könnten, weil die Forderungen ihrer Partei nicht restlos
durchgeseht werden konnten. Das Gegebene und Rormale wäre nach unserer
Ansicht, daß der Reichstag endlich jene
große geschlossene Front aller wahrhaft national- gesinnten Deutschen — und das sind die zum höchsten Opfer bereiten I — darstellen und dadurch einer entsprechend erweiterten starken Regierung die Möglichkeit geben würde, den Endkampf erfolgreich durchzuführen. Raschere militärische Räumung, Ausmerzung des Kriegsschuldlügeparagraphen, Anerkennung der Besehungs- fristen durch vertragsmäßige Räumung der Kölner Zone sind die Ziele dieses Kampfes. Daß sie angesichts der ungünstigen und durch den Verlust des Westens geschwächten Stellung Deutschlands nicht schon durch das Londoner Aufklärungsgefecht erreicht werden konnten, hat jeder Besonnene gewußt. Jeder Besonnene weiß aber auch, daß die internationale Politik sich nicht auf Parteiwünsche einstellt.
Die Entscheidung des Reichstags über die Londoner Abmachungen, die entweder die Wiederangliederung dec von uns wirtschaftlich, siskalisch und verwaltungstechnisch getrennten 12 Millionen Deutschen im besetzten Gebiet oder die Fortdauer und Verschlechterung des gegenwärttgen Zustandes bedeutet, wird aus allen diesen Gründen von weittragendem Einfluß auf die außen- und innenpolitische Entwicklung sein. Das deutsche Volk hat Grund, dieser Entscheidung in Sorge entgegenzusehen, denn die gestern von uns veröffentlichte Regierungserklärung läßt keinen Zweifel darüber, tvas bei einer Ablehnung der Dawesgesehe und der dadurch unmöglich gemachten Un- terzeichnung des Londoner Protokolls zum 30. August auf dem Spiele steht.
Hochbetrieb im Reichstag.
(Eigener Informationsdienst.)
Be r l i n, 21. Aug. In den Wandelgängen des Reichstags herrscht ein außerordentlich lebhaftes Treiben. Die Fraktionen sind nahezu vollzählig in Berlin versammelt. Die Deutsche Vvlkspartei, die Deutschnationalen, das Zentrum und die Demokraten werden ihre entscheidenden Sitzungen am Donnerstagabend abhalten. Man diskutiert alle Möglichkeiten, die sich etwa aus einer Ablehnung der Ausführungsgesetze durch die Deutsch- nationalen ergeben könnten Von deutschnationaler Seite wird uns soeben mitgeteilt, daß die Haltung der Reichstagsfraktion bis zum gegenwärtigen Augenblick noch in keiner Hinsicht festgelegt ist. Es stehe zwar unbedingt fest, daß die Fvaktion die Londoner Vereinbarungen ablehnen wird, ober es wäre unbedingt falsch, anzunehmen, daß die deutschnatio- nale Reichstagsfraktion das Zustandekommen einer Zweidrittelmehrheit von sich aus verhindern werde. Ohne irgendwie die Politik der Reichsrcgierung billigen zu wollen, seien sehr viele deu t sch na tivna le Abgeordnete der Tleberzeugung, daß es nicht opportun wäre, die unbestreitbaren geringen Vorteile der Londoner Abmachungen durch Ablehnung der Aus- führungsgesehe preiszugeben. Aus diesem Grunde sei es nicht unwahrscheinlich, daß die Reichstagsfvaktion den Vorschlag billigen wird, daß jedem deutschnationalen Abgeordneten die Zustimmung zu den Ausführungs» gesehen, die ja auch mit den Londoner Abmachungen nicht in direktem Zusammenhang stehen, frei- gestellt wird.
Aussprache
im Auswärtigen Ausschuh.
Berlin, 20. Aug. (WTB.) In der heutigen Aussprache des Auswärtigen Ausschusses über den Verlauf und die Ergebnisse der Londoner Verhandlungen sprach zunächst der Vorsitzende des Ausschusses, Müller- Franken (Soz.), den aus London zurückgekehrten Regierungsmitgliedern den Dank des Ausschusses dafür aus, daß sie trotz der Arbeitsüberlastung, die nach dem Abschluß der Londoner Konferenz auf ihnen ruhe, es als ihre Pflicht betrachteten, ungesäumt dem Parlamente Rede und Antwort zu stehen. Darauf ergriff der Reichskanzler Dr. Marx das Wort, nach ihm sprachen Reichsauhenminister Dr. Stresemann und Reichsfinanzminister Dr. Luther.
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Wie wir hören, werden zu den Sitzungen des Auswärtigen Ausschusses, der heute und die folgenden Tage gegebenenfalls unter Zuhilfenahme des Sonntags beraten wird, auch die Mitglieder des Reichstags Zutritt haben, die dem Ausschuß nicht angehören. Außerdem soll eine Auswechslung der Mitglieder der Fraktionen durch andere Mitglieder als ständige Stellvertreter für diesen besonderen Fall zugelassen werden.
Kommunisten
und Deutsch-Völkische.
Lieber die Besprechungen des Reichskanzlers mit den Kommunisten und den Deutschvölkischen wird aus Berlin gemeldet, daß die kommunistische Rerchstagsfraktton die Abgeordneten Fischer, Katz und Stöcker
zum Reichskanzler entsandt haben. Der Reichskanzler hat ihnen im allgemeinen einen Lieberblick über die Londoner Verhandlungen gegeben. Die Kommunisten erllärten, daß sie weitere Besprechungen von den beiden folgenden Fragen abhängig machen:
1. Ob die Regierung bereit sei, die von ihr in London zugesagte Amnestie für die Separatisten auf alle politischen Gefangenen ausza- dehnen.
2. Ob die Regierung bereit sei, zur Erörterung der Ergebnisse der Londoner Konferenz die veräücnen kommunistischen Zeitungen wieder freizugeben.
Ta der Reichskanzler aus diese beiden Fragen Erlläi/ungen abgab, von denen die Fragesteller nicht befriedigt waren, brachen die kommunistischen Vertreter die Unter rebung unter Protest ab.
Zu der Besprechung des Reichskanzlers mit den Deutschvöltischen erschienen die Abgeordneten Graf Reventlow und Fahrenhorst. Rach den Ausführungen des Reichskanzlers über die Londoner Verhandlungen gaben die Abgeordneten die Erllärung ab, daß sie nach wie vor das Sachversrändigengutachten adle h ne n.
Die Haltung der Deutschnationalen.
Unterredung mit einem Führer der Partei.
Gegenüber den Gerüchten und Kombinationen in der Presse erklärte einer der Führer der deutschnationalen Reichstagsfraktion unserem Berliner Vertreter in einer Unterredung:
Die entscheidende Sitzung der deutschnatio- nalen Rcichstagsfrattion findet zwar erst morgen (Donnerstag) statt. Soviel aber könne er schon beute sagen, daß die Haltung der Deutschnationalen nach wie vor scharf ablehnend sei, selb st auf die Gefahr einer Reichstagsauflösung hin. Die Foaktton sei sich der Verantwortung gegenüber dem deutschen Volke, die auf ihr ruhe, in vollem Umfange bewußt, und gerade aus diesem Grunde gehe sie sogar darauf aus, daß der Reichstag aufgelöst werde und es zu Reawählen komme. Die Londoner Abmachungen seien für die Deuftch nationalen durchaus unbefriedigend, und die deutschnationalen Wähler würden es nicht ertragen, daß die Fraktion den Londoner Vereinbarungen zustimme. Hinsichtlich der Räumung des Ruhrgebietes hätte die Reichsregierung keine festen und bindenden Zusagen erhallen, und es sei sehr zweifelhaft, wieweit man sich auf die Zusagen des französischen Ministerpräsidenten Herriot verlassen könne, zumal man nicht wisse, wie lange er am Ruder bleiben werde. Im übrigen genügten auch die sonstigen Londoner Vereinbarungen den Forderungen der Deutsch nationalen zum größten Teil in keiner Weife und seien daher für sie unannehmbar.
Die Ansicht
der bayerischen Regierung.
Man muh das Abkommen ratifizieren.
München, 20. Aug. (Wolff.) Im Einvernehmen mit dem bayerischen Ministerpräsi- denten empfing am Mittwoch mittag Staatsrat Schme lzle, der die deutsche Delegation als Vertreter Bayerns nach London begleitet hatte, im Staatsministeriurn des Ä ußern die Vertreter der Münchener und der auswärtigen Presse und gab ihnen eingehenden Aufschluß über Einzelheiten der Londoner Verhandlungen. Zusammenfassend äußerte er sich dahin, daß diejenigen, die gerecht fein wolste.i, anerkennen müßten, daß nicht ganz Unwesentliches auf der Konferenz erreicht worden ist. Die Entscheidung, die jetzt di; Heimat und das Parlament zu treffen hätten, könne nur die sein, das Londoner Abkommen zu ratifizieren. Morgen wird Schmelzle im bayerischen Minister rat Bericht über die Londoner Verhandlungen erstatten.
Die 26°/oige Zollabgabe.
Eine Aufklärung durch den Neichs- verband der deutschen Industrie.
Die Korrespondenz des Reichsverbandes der Deutschen Industrie schreibt zu der Wiedereinführung der 26prozentigen englischen .Reparationsabgabe, für den deutschen Exporteur bedeute diese Abgabe, wie sie im Sachverständigenbericht vorgesehen sei, überhaupt keine materielle Belastung, da die Erstattung der in England einbe» haltenen 26 Prozent des Kaufpreises in voller Höhe, und zwar aus der Reparationskasse stattgefunden hat. „Alle Rachrichten, die diese Abgabe als einen Sonderzoll auf die deutschen Waren bezeichnen, sind daher irrig. Diese Reparationsabgabe ist überhaupt kein Zoll und stellt weder für den englischen Importeur noch für den deutschen Exporteur eine materielle Belastung bar.“
Irrige Schlußfolgerungen würden in solchen Fällen nicht gezogen werden, wenn die amtlichen Pressestellen derartige Rachrichten sofort mit dem notwendigen Kommentar versehen würden.
Die bevorstehenden Anleihe-Verhandlungen.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 21. Aug. Rach der erfolgten Annahme der Londoner Beschlüsse wird sich Reichs- inanzminister Dr. Luther abermals nach London begeben, um dort die Unterschrift Deutschlands unter das Protokoll der Konferenz zu setzen und die Verhandlungen über die 800-Mlllionen-Anleihe aufzunehmen. Wie wir hören, rechnet die Reichsregierung damit, daß die Anleihe-Verhandlungen nicht länger als eine Woche dauern werden. Während ursprünglich als Termin der Auflegung der Anleihe der 15. September in Aussicht genommen war, muh man jetzt damit rechnen, daß die Auflegung erst im Laufe des Monats Oktober erfolgen kann. Diese Verzögerung war unvermeidlich, da die Londoner Konferenz viel länger gedauert hat als man ursprünglich vor- aussehen konnte. In den deutschen Finanzkreisen betont man, daß über die Rotwendigkeit der Anleihe zwischen allen beteiligten europäischen Regierungen volle Uebereinftimmung besteht. Die Entscheidung hängt also einzig und allein von den Bankiers ab, '
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Aus gut unterrichteten Londoner Fi - nanzkreisen wird dem „Deutschen Handelsdienst" erklärt, daß man die Aussichten für die Unterbringung der Reparationsanleihe nicht ungünstig beurteile. Zwar wäre mit einer De- teiügung des großen Publikums nicht zu rechnen, da die Qlnleibe für diejenigen nicht in Betracht kommt, die sonst eine der Hauptstützen des Londoner Geldmarktes waren. Die Anleihe werde deshalb von den Emissionshäusern selbst übernommen werden. Da ber auf London entfallende Betrag nicht übergroß ist, ergibt sich die Möglichkeit die Anleihe zunächst im Tresor aufzubewahren und nach und nach abzustoßen.
Londoner Auswirkungen
Micum und Zollregie stellen ihre Verkäufe ein.
Rach einer Berliner Meldung haben die französischen Zollbehörden in Düsseldorf ihre Derkaufsbuveaus (Verwertung verfallener beschlagnahmter Sachen) eingestellt. Bereits schwebende Beschlagnahmungen bzw. Destvafungen sollen aufgehoben werden. Die Micum hat gleichfalls ihre Verkäufe eingestellt.
Keine Zollnebengebühren bei der Eisenbahn- regle mehr.
Dortmund, 20. August. Das Reichsbahnverkehrsamt Dortmund teilt mit; Mit sofortiger Wirksamkeit werden die Zo lI- ne b e ngeb ü hren der Eisenbahn (Vorfüh- rungs-, Absertigungs-, Schreib- und Formular- gebühren) im Verkehr von und nach der Regie auf den Reichsbahnübergängen von der Reichs» bahn nicht mehr erhoben.
London und Leipziger Messe.
Leipzig, 20. Aug (Wolsf.) Dir Londoner Konferenz ist für die bevorstehende Leipziger Herb st must ermesse gerade noch rechtzei ig zu Ende gegangen. Während sichvo:h:r die Kaufleute im allgemeinen noch zurückhiellen, erhöhte sich die Zahl der Einkäufer und Anmeldungen» seitdem in London eine Einigung zustande gekommen ist, sofort stark, so bah auf einen Besuch in dem gewohnten Umfange gerechnet w>-- den kann.
Belgiens Vertreter im Völkerbund — ein Gegner des Ruhrabenteuers.
Paris, 21. Aug. Rach dem Brüsseler Korrespondent des „Oeuvre" hat der Ministerrat beschlossen, an Stelle des bisherigen belgischen Vertreters im Völkerbund, Baron Beyens, den Sozialisten de Brouckers erneut zum Vertreter Belgiens im Völkerbunde zu ernennen. Letzterer war wegen seiner Stellung gegen die belgische Ruhr- besehung von Genf abberufen worden. — Gegenwärtig, so fügt der Korrespondent hinzu, sehe die belgische Regierung keine Schwierigkeiten mehr darin, daß er seine Stellung in Genf wieder ein» nehme.
Die französische Industrie gegen Sachlieserungen.
Paris, 21. Aug. Die „Journee industrielle“ teilte gestern mit, daß die französische Regierung beabsichtige, ungeheure Mengen rollenden Materials auf Reparationskonto in Deutschland zu bestellen und drohte aus diesem Anlaß mit der Aussperrung von 150 000 Eisenbahnern.
Ein hochstehender Beamter hat dazu dem „Quotidien" erklärt: Die Beschwerde der französischen Wagenbauer .werde sorgsam geprüft werden, aber die Regierung werde sich in ihrer Loyalität nicht überraschen lassen. Frankreich müsse seine Reparationen erhalten. Die Sachlieferungen seien für das allgemeine Budget- von Wichtigkeit und die Regierung Herriots werde niemals zugeben, daß die Interessen einiger Aktionäre und einiger Wagenba uer den allgemeinen Interessen vorange st ellt würden, die sie zu wahren beabsichtige.
Der „Quotidien" billigt diesen Standpunkt der Regierung und erklärt, daß es in der Tat nicht angängig sei, daß offene oder geheime Manöver, die den Wiederaufbau Frankreichs gelähmt hätten, erneut bei ber Durchführung der Londoner Beschlüsse in Erscheinung treten.


