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Die neue Goldnotenbank.

Nur Deutsche als Direktoren. Die Relchsbank bleibt gentral- noteninstitut.

Berlin, 20. Aug. (WTB.) Durch das neue Bankgesetz wird die Reichsbank als deutsches Zentralnoteninstitut aufrechterhalten und noch dem Plan des Sachverständigen-Gutachtens u m g e st a l t e t. Sie wird vom Einfluß der Re­gierung völlig gelöst. Ihre Aufgaben bleiben die alten wie nach dein Bank- gcsetz, nämlich: Geldumlauf zu regeln, Zahlungs­ausgleichungen zu erleichtern, für Ruhbar- mochung von verfügbarem Kapital Sorge zu tragen und das Äotenausgaberecht.

Die Bant hat für die Dauer von 50 Jahren das ausschließliche Recht der Banknotenausgabe in Deutschland.

Die Rentenbank tritt in Liquidation. Die deutsche Golddiskontbankgeht in der Reichsbank auf. Rur vier der be­stehenden Privatnotenbanken behalten das ihnen nach dem alten Bankgeseh zustehende Roten- kontingent bis zum Höchstbetrag von 194 Millionen OUarf. Die neuen Banknoten lauten auf Reichsmark. Die Stückelung geht her­unter bis auf Mk. 10,00. Sie sind die einzigen unbeschränkten Zahlungsmittel in Deutschland. Eine Reichsmark ersetzt eine Billion alter Reichs­banknoten. Das Kapital der Reichsbank soll min­destens auf 300 Millionen, kann jedoch erforder­lichenfalls bis 400 Millionen erhöht werden. Es setzt sich zusammen aus etwa 100 Millionen Ablösungssumme für die alte Reichsbank, etwa 100 Millionen für die Golddiskontbank. Für den Restbetrag werden neue Anteilscheine zu je Mk. 100,00 gegen Einzahlung von Gold oder De­visen ausgegeben.

Die neue Dank ' wird wie bisher durch das Reichsbankdirektorium, daS ausschließlich aus deutschen Reichsangehorigen besteht, verwaltet.

Dieses bestimmt insbesondere den Währungs- oiskont und die Kreditpolitik der Bank. Der Prä­sident wird von dem Generalrat auf vier Jahre gewähll, die Mitglieder werden von dem Präsi­denten auf 12 Jahre ernannt. Die Ernennung des Präsidenten bedarf der Unterschrift des Reichspräsidenten auf der Ernennungs­urkunde. Die Beamten werden vom Präsidenten auf Borschlag des Direktoriums ernannt, ihre Rechte und Pflichten werden durch besonderes Beamtenstatut im engen Anschluß an die Rege­lung für die Reichsbeamten festgelegt. Der Zen- tralausschuh und dessen Deputierte bleiben in der bisherigen Form erhallen.

Ein neues Organ der Dank ist der General­agent,

der in engem Anschluß an die Bestimmungen des Sachverständigengutachtens gebildet wird. Er besieht aus 14 Mitgliedern, von denen sieben die deutsche Reichsangehörigkeit besitzen müssen.

Durch eine entsprechende Bestimmung des Sachverständigengutachtens erhält die Bank einen Kommissar, der die Ausfertigung, die Aus­gabe, die Einziehung und die Vernichtung der Banknoten zu überwachen hat, der ferner dar­über zu wachen hat, daß das Rotenausgaberecht und die Deckungsvorschriften für die Roten nicht verletzt werden. Der Geschäftskreis der B am k blieb im »wesentlichen der des alten Bank­gesetzes: An- und Verkauf von Gold- und Sil­bermünzen, Devisen, Diskontierung von Wech­seln 'und Lombardgeschäfte. Einige bedeutsame Abänderungen sind: Anzukaufende Wechsel muffen künftig regelmäßig drei Unterschriften tragen, wobei von einer dritten Llnterschrift ab- geschen werden kairn, wenn die Sicherheit des Wechsels durch eine Rebensicherheit gewähr­leistet ist.

Derhältais zum ReichsfiskuS.

Dem Reich darf bis zu 100 Millionen Reichs­mark Betriebskredit gegeben werden, der jeweils bis zum Ende des Geschäftsjahres der Reichs­bank zurückerstattet sein muß. Post und Eisen­bahn können zusammen bis zu 200 Millionen Reichsmark Betriebskredit erhalten. Als Gegen­leistung dafür kann die Bank verlangen, daß die beiden älnternehmen ihre Geschäfte über die Reichsbank abwickeln. Bei der Reichsbank wird schließlich ein Reparations-Sonder­konto geführt, das ohne Zusttmmung dec Dank zwei Milliarden Reichsmark nicht überschreiten darf. Die Rvtendeckung der Steuern und die Deckungsvorschriften für die neuen Roten sind geändert. Es ist eine Deckung der Roter in Gold und Devisen von 40 Proz. vorgeschrieben, wovon drei Viertel, also 30 Proz. des Llmlaufs in Gold geschahen muß.

Aus dem Gewinn der Dank erhalten die Anteilseigner eine jährliche Div.dende von 8 Pro­

zent. 20 Prozent des Reingewinns werden dem Reservefonds zugeführt, so lange er weniger als 12 Prozent des Rotenumlaufs bettägt. Don dein Restbetrag des Reingewinns der 'Dank erhält das Reich von den ersten 50 Millionen die Hälfte, die Anteilseigner die andere Hälfte.

Privatnotenbanken.

Da im Reichsban^esetz bezüglich der Privat- nvtenbanken nur der Grundsatz ihrer Aufrecht­erhaltung unter der Feststellung des Gesamthbchst- ausgaberechts von 194 Millionen Reich smart aus­gesprochen ist, war es notwendig, deren Rechts­verhältnisse in einem besonderen Gesetze zusam­menfassend zu regeln. Die Regelung ist unter Wahrung ihrer geschichtlichen Entwicklung erfolgt.

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Der Entwurf des Gesetzes über die deutsche

Reichsbahn-Gesellschaft.

Der Entwurf eines Gesetzes über die deutsche Reichsbahngesellschaft ist nunmehr dem Wortlaut nach bekannt. Es seht sich aus 4? Paragraphen zusammen. In der Anlage wird die Satzung der deutschen Reichsbahngeiellschaft veröffentlicht. 2lach dem Entwurf errichtet das Deutsche Reich zum Betriebe der Reichseisenbahnen eine Gesell­schaft mit der FirmaDeutsche Reichsbahngesell­schaft", die ihren Betrieb nach kaufmännischen Grundsätzen zu führen hat. Das 15 Milliarden Goldmark betvageirde Grundkapital ist eingeteilt in zwei Milliarden Vorzugsaktien und dreizehn Milliarden Stammaktien. Reparationsschuldver­schreibungen werden von der Gesellschaft im Renn- werte von elf Milliarden Gold mark herausge­geben, deren Inhaber durch einen von der Repa­rationskommission ernannten Treuhänder verlle- ten werden. Dio Schuldverschreibungen sind als erststellige Gesamthypothet im Dorrange vor allen sonstigen Pfandrechten auf alle zrun Reichsbahn- Vermögen gehörenden Grundstücke eingetragen. Alle Zahlungen für den Zinse,r- und Tilgungs- dienst der Reparationsschuldverschreibungen sind von jeder unmittelbaren die Zahlung belastenden deutschen Steuer frei.

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Die Industriebelastung im Dawesplan.

Lieber die Verteilung der Belastung der In­dustrie nach dem Dawes-Gutachten liegt jetzt der Plan zum Gesetzentwurf nach den Beschlüssen des zuständigen Organisationskomitees vor. Den einzelnen großen Jndustriegruppen wird eine Mindestgrenze der Bezahlung auferlegt, die für die Schwerindustrie 20, für die Maschinen- und elektrotechnische Industrie 17, für die chemische Industrie 8 und für die Textilindustrie 7 Prozent der Gesamtlast beträgt. Als Mindestgrenze des heranzuziehenden Betriebsvermögens ist zunächst der Betrag von 50 000 Goldmark festgesetzt.

Die rheinischen Gewerkschaften und London.

Die freien Gewerkschaften des Kölner Industriegebiets richteten an die Regierung und den Präsidenten des Reichs­tags die folgende Entschließung:

Die freien Gewerkschasten des Wirtschafts­gebiets Groß-Köln und Umgebung nahmen von dem Ergebnis der Londoner Konferenz Kenntnis. Sie stellen ausdrücklich fest, daß eine ganze Reihe von berechtigten deutschen Wünschen nicht erfüllt worden ist. Rach reiflicher Erwägung sind sie jedoch der Ansicht, daß das Resultat der Konferenz den­noch die endliche Befreiung von dem zur Llnerträg l ichkeit gesteigerten Druck im rheinisch-westfälischen Wirtschaftsgebieterhofsen läßt. Wir fordern daher von der deutschen Regierung und dem Reichstag, daß sie mit allem Rachdruck dahin wirken, daß die zur Durchführung des Sach­verständigengutachtens erforderlichen Geehe ohne Zeitverlust angenommen wer­den und daß die aus der Annahme erwachsenden Belastungen in gerechter Weise, d. h. nach dec Tragfähigkeit der einzelnen Beoölkerungs- krerse verteilt werden."

Das Dezirkssekretariat des Allg. De u Ischen Gewerkschaftsbundes für das gesamte rheinisch-westfälische Gebiet in Düsseldorf richtete eine ähn­liche Entschließung am Dienstag an die Reichs­regierung und an den Allg. Deutschen Gewerk­schaftsbund.

Der Alte aus Topper.

Roman von Hanns von Zobeltitz.

48. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Einen Moment nur hielt sie dun Brief mit spitzen Fingern, ließ ihn fallen

älnd da, da die Zeitung! Ein paar Blätter Haube & Spener der Aoler, harunter: Mit Königlicher Fr äh it . . . Vie.u dzw.mzig Post.l- lvne . . . Salutschiehen . . . Schlacht bei Torgau . . . Viktoria . . . Daun auf dec Flucht . . . Festung Torgau besetzt . . . Seine Majestät dec König wohlauf . . .

Alles ließ die Frau liegen und stehen, raffte dir Blätter zusammen, lief über den Flur in des Stabskapitäns Stube.

Auf dem Flur blieb sie plötzlich stehen, griff nach dem Herzen. ,Der Jui^e! Kaspar! Mein Kind, mein geliebtes!' Die Tränen wollten ihr schießen.

Aber gleich hatte die Tapfere sich wieder. .Linser Herrgott wird ihn in seinen Schuh ge­nommen haben'. Lind lief weiter, cih die Türe auf. Da saßen am Fenster der Christian und der Vater, schoben an den Dominosteinen

Herr Vater! Christel! Dec König hat eine große Bataille gewonnen. Bei Torgau an der Elbe. Den Daun aufs Haupt geschlagen! In Berlin haben sie Dik oria geschossen!"

Jubelt der Stabskapitän:Viktoria! Viktoria! Vivat FrädericusI" Lind dann:Ich könnt nicht Labei sein! Doch was tut's: Viktoria! Viktoria! Gib die Gazette her. Laß uns lesen Linser großer König)"

Lind sie rückt sich den Schemel heran, ganz dicht zu ihm. Sitzen nebeneinander, Wang' fast an Wang', lesen, lesen, wie mit einem Äug', wie mit einem Herzen.

Drüben der Vater aber ist seltsam still. Hat sonst immer am lautesten Vik.oria geschrien, ist ins Dorf gelaufen, daß auch jeglipec bis zum Schweinehirten wüßte, der König hat wieder ge­siegt. Heut spricht er kein Wort. Schiebt noch ein Weilchen an den schwarz-weißen St. inen schwarz-w.lh wie Preußens Farben steh dann auf, spaziert langsam im Zimmer auf und ab. Hört freilich, was die beiden lesen, bald h -1 blau st bald mit gehobener Stimme, und tut doch, als hörte er's nicht. Als wär' ihm das alles gleich­gültig, das mit den vierundzwanzig Postillonen, die in Berlin einritten, um die Siegeskunde zu bringen, das vom Salutschirhen, das vom Jubel in den Straßen, das von der Rachricht aus Mag* deburg, wie dec Feldjäger Ihrer Majestät der Frau Königin die frohe Kunde g b acht und ge­meldet: .Der König hält' gerne an Eure Ma estät geschrieben, aber es manquierte das Papier.'

Die beiden sind ganz vertieft. Das Papier raschelt. Run flüstern sie miteinander: auch vom Junker, vom Kaspar.Mein Jung'." sagt Beate. Ter Glückliche." sagt der Stabskapitän. Lind über der Gazette hinweg finden sich ihre Hände. Llnser siegreicher großer König!" sagen sie beide.

Ta wird's dem Vater zuviel. Bleibt stehen, stampft mit dem Fuß auf.Also hört endlich auf!" ruft er grimmig.Tas geht nun an die sechs Jahre. Sieg und Sieg und Sieg. Aber was dazwischen kommt, das vergeht ihn! Die Riederlagen, Hochkirch und Kolin unb Kunevs- * doch Lind all das gute Blut! Lind die Feinde

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 21. Aug. 1924.

Erstes Frösteln.

Die Tage werden schon merklich kürzer. Es ist vorbei mit den frühen Stunden und mit der Abendhelle, die fast bis 10 Lihr anhielt, jeden Morgen kommt die Sonne ein wenig später, jeden Abend geht sie ein wemg früher; man achtet kaum darauf, aber dann wird es einem doch einmal bewußt, weil man sich erinnert, daß man ja vor vier Wochen noch zu dieser Stunde im Freien seine Zeitung las.

Cs ist ein unbehagliches Gefühl, das einen dabei überschleicht. Die Zeit vergeht, und wir sind ohnmächtig, sie zu halten, gleichgültig, ob wir etwas damit anzufangen wissen oder nicht. Sie ist fort, und keine Macht der Erde bringt sie uns wieder zurück.

Das Jahr, das sieghaft in Sonne und Licht auf seine Höhe gestiegen ist, wendet sich nun wieder traurig zur Llmkehr und geht in Dunkel und Liefe zurück, langsam zwar, aber um so stetiger. Man sieht die Blätter leise sinken, ohne daß ein Windstoß sie anrührt: sie fallen von selbst: keiner hat sie von den Zweigen geriffelt wie im Frühling, wo sie so fest saßen. Jetzt sind sie so locker, durch eigene Schwere brechen sie ab. Lind wenn die Luft einmal schärfer weht, iXum liegen ihrer schon soviele auf dem Strahenpflaster, daß du unwillkürlich nach oben blickst und dich fragst: ist es denn schon so weit?

Es ist noch nicht so weit. Das sind die ersten Vorboten des trüben Herbstes, der den Menschen so melancholisch macht. Glücklicherweise ist es noch nicht so weit. Roch haben wir unser Sommer lachen auf den braunen Wangen, noch lockt Wald, Wiese und einsamer blumengesäumter Feldweg, über dem die Falter gaukeln: noch stehen die Gärten in voller Pracht, nur die Astern deuten darauf hin. daß die düftereichen Blumen die Herrschaft verlieren sollen. Zwar blühen bald die Rosen zum dritten Mal und fast schöner als im Juni, weil über September- und Oktober- rosen die leise Wehmut des Abschiedes liegt, die klagende Melodie:Letzte Roje", aber es ist kein Verschwenden mehr in diesem Blühen wie es im Frühling war: fast scheint es, als ob die Ratur sparen lernen wollte, weil sie ihre Kräfte schwinden fühlt, wie allo alten Leute sparen und haushalten. Sie drängt und treibt noch, aber das .Üngeftüm trunkener Glückselig­keit über unbegrenzte Fülle ist einem bedacht­samen Atemanhalten gewichen.

Die Sonne beginnt schon langsam das Abend­gold an die Tapete deines Zimmers zu werfen und dir feurige Rosen um die alten Bilder zu hängen, auf die du kaum noch achtest. Du stehst entzückt über das reizvolle Interieur aus Licht und Alltäglichkeit und siehst es über die Wand Hinspielen; es dauert ein paar Minuten und erlöscht.

Dann weißt Du mit einem Male, daß sich der Herbst anmelden will mit seinem bunten Farben spiele eine Erinnerung fliegt vorüber: es fröstelt dich. Ha.

Giehener Wochenmarktpreise

am 21. August (Händlerpreise):

Es kosteten: Butter Pfd. 2 Mk., Matte Pfd. 35 Pf., Käse Pfd 60 Pf., Eier Stück 14 Pf., Wirsing Pfd. 20 Pf., Weißkraut Pfd. 20 Pf., Rorrraut Pfd. 30 Pf., gelbe Rüben Pfd. 10 Pt, rote Rüben Pfd. 10 Pf., Spinat Pfd. 30 Pst. Römischkohl Pfd. 10 Pf., Dohnen Pfd. 1518 Pf., Salat Stück 810 Pf., Salatgurken Stück 1050 Pf., Einmachgurken Stück Pf., Endivien

Stück 2025 Pf., Ober-Kohlrabi Stück 10 Pf., Erbsen Pfd. 30 Pf., Tomaten Pfd. 20 Pf., Zwie­beln Pfd. 1520 Pf., Rettich Stück 510 Pf., Pilze Pfd. 15 Pf., Kartoffeln Pfd. 4V25 Pf., Falläpfel Pfd. 8 Pf., Aepfel Pfd. 25 Pf., Bir­nen Pfd. 2530 Pf., Brombeeren Pfd. 50 Pf., Zwischen Pfd. 35 Pf., Mirabellen Pfd. 35 Pf., Reineklauden Pfd. 35 Pf., Honig Pfd. 25 Pf., junge Hahnen Stück 1 Mk., Suppenhühner Pfd. 80-90 Pf.

HorinitHCll.

TageskalenderfürDonnerstag. Artillerieverein: Zusammenkunft der Damen im Bootshaus. Stadtmission, Löberstr., 8l/2 Llhr: Lichtbildervortrag. Rundfunkhaus: 8V2 Llhr: Musikabend. Lichtspielhaus:Das närrische Paradies". Astoria-Lichtspiele:Eltemsünde".

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Zeitweise stärkere Aufheiterung, Rachlassen der Regenschauer, noch ziemlich kühl.

Mit Ausnahme des Südostens ist in Deutsch­land der Luftdruck etwas gestiegen, da das nörd­liche Sturmfeld sich etwas abgeschwächt hat. Auf seiner Ost- und Südseite zeigt das Barometev heute morgen weiterhin steigende Tendenz.

*

** Gießener Stadttheater. Der SchwankDie Großstadtluft" der bewähr­ten Firma Blumenthal und Kadelburg hat am

im Land. Lind alles ruiniert, Edelmann wie Dauer. Habt ihr keine Augen? Seht ihr den Jammer nicht?! Dlind seid ihr und taub! Immer nur Viktoria Viktoria!"

Der Stabskapitän sah auf. Sonst tag noch immer das lange Siechtum auf seinem Gesicht, heut flammte es. Jetzt erst recht, als er kopf­schüttelnd einwarf:Tas sagen Eie, Herr Vater - Sie!"

Ja, das sag' ich! Ist so weit gekommen, daß der Bauer Weib und Kind vor den Pflug spannt, um den Acker zu besorgen. Llns-ere Felder liegen wüst, weil wir kein Vieh mehr haben, zu bestellen, und weil die Hände fehlen, ^ie Mos­kowiter haben die Scheunen ausgeräubert, die Häuser mutwillig verbrannt, die Menschen ge­schunden, unseren guten Egid, unseren Magister erschlagen. Zum Himmel schreit der Jammer. Mein Lebtag hab' ich mich geplagt, den Besitz zu bessern. Vor die Hunden geht er jetzo. Schulden auf Schulden muh ich machen, froh fein, wenn dec Jud' noch was 'rausrückt l Lind kein Ende abzusehen, kein Ende"

Der Frieden wird schon kommen, Herr Va­ter. Jeder Sieg bringt ihn näher."

Wird er kommen? Ich erleb's nicht mehr. Hat schon einmal dreißig Jahre gedauert, solch Krieg kann auch nun so lange währen. Immer hab' ich meinen guten Püttner gehänselt ob seiner Friedfertigkeit. Jetzo, nun er den ewigen Frie­den hat, jetzt versteh' ich ihn. Wollt' auch, ich tag erst in der Grube."

Herr Vater! Herr Vater! Versündigen Sie sich nicht. Was kann der Körrig davor, daß die Duissancen nicht Frieden machen wollen?"

Dienstag seine Wirkung nicht verfehlt. Ein echter Großberliner hat um die Hand der Tochter eines verwitweten Fabrikanten aus dem kleinen Pro­vinzstädtchen Luckenwalde angehalten und die Ge­liebte teuer erkaufen müssen: lebenslänglicher Wohnsitz in Luckenwalde zusammen mit dem Schwiegervater, der sich zum unumstößlichen Vor­satz genommen hatte, dieSchwiegermutter" ge­llen zu ersetzen. So ist es dem jungen Ehemann aus Berlin vergönnt, nicht nur die Fceuden einer Che mit dem Schwiegervater", sondern auch die Annehmlichkeiten des vielseitigen und abwechs­lungreichen" Lebens in der Provinzstadt Lucken- toatbe vollauf genießen zu können. Kein Wunder, wenn er an derStadtmauer- und Platzkrankheit" leidet, da ihm die Enge der ©tabtmauer auf die Brust und die Leere der Straßen und Plätze aufs Gehirn drückt und er erst wieder gesund wird, als ihm und seinem Frauchen die Großstadtluft wieder um die Rase weht. Das flotte Spiel aller Mitwirkendcn brachte die überreiche Situallons- komik dieses harmlosen, aber recht ulkigen Schwan­kes unter der Spielleitung von Adolf T e l e k h voll zur Geltung und ließ bie Lachmuskeln des Publikums nicht zur Ruhe kommen. Der erfreu­licher Weise etwas bessere Besuch des Theater­abends ist vielleicht zugunsten des Versuches un­serer Theaterleitung zu buchen, gute Wexke älterer Lustspielliteratur zur Aufführung zu ^bringen.

-v-.

** Lieferbedingungen der Behör­den. Der Reichsverband der Deutschen Industrie ist feit geraumer Zeit bemüht, eine 03erein- hei tlichung der allgemeinen Der- tragsbedin gungen für die Verge­bung von Lieferungen und Leistun­gen für die Behörden sowie der technischen Bedingungen, die für die Lieferungen der ein- Seinen Industriezweige in Frage kommen, zu er­wirken, damit endlich mit dem Zu stand aufgeräumt wird, daß jede Landesbehörde, ja bisweilen Be­zirks- und örtliche Behörden, eigene Lieferbedin­gungen der Industrie vorschreiben. Die unnütze große Arbeitsleistung, die sich aus diesen zahl­reichen, voneinander abweichenden Lieferbedingun­gen für Jndustriefirmen ergibt, und deren Kosten­deckung letzten Endes den Behörden zur Lcht fah­len muß, kann nur jemand ermessen, der sich in die viele Druckseiten langen, zahlreichen Bedin­gungen hineinarbeiten muhte. Aber auch auf selten dec Behörden würde viel Arbeit und Geld ge­spart werden, wenn nicht an zahlreichen Stellen im Deutschen Reiche Beamte sich damit zu be­fassen brauchten, die Lieferbedingungen ihrer Be­hörde aufzustellen und auf dem laufenden zu hab ten. Im ganzen würde also die VereinheitliHmng dec allgemeinen und technischen Lieferbedingungen für das ganze Reichsgebiet, bei Behörden und In- dustrie, eine große Arbeitsverminderung und Erleichterung sowie namentlich auch bei den Behörden eine nicht unerhebliche Kosten­ersparnis ergeben. Daher ist der Reichsver­band der Deutschen Industrie an gegebener Stelle erneut für eine Vereinheitlichung der Bedingun­gen für das ganze Reichsgebiet eingetreten.

* Gabelsberger Stenographen­tag. Vom 16.17. August fand in Erfurt eine Vertreterversammlung der deutschen Steno­graphieschule Gabelsberger statt. Die Versamm­lung beschloß, den nächsten Bundestag am 26. Juli 1925 in München abzuhalten und ihn mit einem Bundeswettschceiben zu verbinden. In einer Ent­schließung begrüßte die Versammlung den Erlaß der Hauptverwaltung der deutschen Reichseisen- bahn vom 12. April 1924 als einen großen Fort­schritt auf dem Wege, durch eine planvolle Ver­wendung der Stenographie in Behördenbetrieben wesentliche Ersparnisse und Geschäftsvereinfachun­gen zu erreichen. Sie weiß sich in ilebereinftim- mung mit maßgebenden Kreisen der deutschen Wirtschaft in der Anschauung, daß es die wirt­schaftlich beste Lösung der Frage der deutschen Einheitsstenographie wäre, nach dem Vorbild der Reichseisenbahn, ein bestehendes System alsEin - heitskurzschrift der Behörden und der Wirtschaft durchzuführen. Die Vertreterversamm­lung spricht den Regierungen der Länder Bayern. Sachsen, Württemberg, Hessen, Oldenburg und Braunschweig für die seit der letzten Vertreter- Versammlung erlassenen Verfügungen über Ein­führung der Gabelsbergerschen Stenographie in den Pflichtunterricht der Schulen für Be­amte und in der Stenographielehrerprüfung ihren Dank aus.

Verfrühte Kartoffelernte. Viel­fach werden die Kartoffeln zu früh aus dem Bo­den herausgenommen. Kaum beginnen Blätter und Stengel zu reifen, so hält man oft den Zeit­punkt für gegeben, um an die Ernte heranzü- gehen. Davon ist aber entschieden abzuraten. Der wichtigste Rährwertgehall der Kartoffel, die Stärke, wandert in diesem Stadium noch immer in die Knollen, und die völlige Ausreise erfor­dert geradezu noch eine gewisse Zelt der Erd- .ruhe, was dann auch der Haltbarkeit zu­gute kommt. Die Kartoffel ist erst dann als völlig ausgereift und erntefähig zu betrachten, wenn ihr Laub völlig abgetrocknet ist.

Ja, will er denn? Wer weih es? Kriegs­ruhm will er und Ehre. Dec große Friedrich fein! Da tailliert und batailliert, balde in Schle­sien, balde in Sachsen, und wir gehen sugvuitbe. Kein Herz hat er für des Landes Jammer und Elend. Kein Herz und wird's weiter so treiben, bis wir alle im Ruin sind und Bettler!"

Fing wieder an im Zimmer auf und zu laufen, schob die Kappe ganz nach hinten, wo dec spärliche Zopf ansetzte, fluchte halblaut vor sich hin.

Blieb 'dann plötzlich vor Beate stehen.

Hast bei Hohmfriedberg den QUann verloren! Ta . . . den Christel haben sie bet Kunersdorf kaputt geschossen . . . weiht du. wle's um deinen Jungen steht? Lind rufft Viktoria! Viktoria >"

La schluchzte die junge Frau auf.

Vater, Ihr seid grausam," rief dec Stabs­kapitän.

Tie Wahrheit sag' ich, die mir schon lange die Gurgel schnürt. Hab' sie mir selber nur nicht gestehen wollen. War auch verblendet, wie ihr alle, von der großen Sonne. Möcht' jetzo mit dem frommen Mann, dem Paul Gerhardt, rufen: ,Wo bist du, Soime, blieben ? Trag mir den Wisch 'raus. Beate, die windige Zeitung mit den Pvsaunenstößen . . . ich will sie nicht sehen! Will nichts hören von eurem König, von feinen Batail­len und Viktorien. Lim Schlesien. Was frommt uns Schlesien? Waren besser daran, als wir nur Brandenburger gewesen. Geh! Geh!" Lind zog sich den Sllthl heran, setzte sich schwer, daß frag Holz krachte, griff zu den Steinen:Wollen wei­ter spielen, Christel. Vielleicht bringt einen das auf andere Gedanken"

(Fortsetzung folgt.)