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fir. 3oo Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)
Rudolf Siegmund.
Zur Ausstellung Kasseler Künstler.
Um die Arbeiten Siegmund« — insbesondere seine figürlichen Bilder — dem Beschauer näher zu bringen und sein Interesse für den Künstler zu werten, möchte ich hier einige Ausschnitte aus Siegmunds Briefen veröffentlichen. Biographische Skizzen und Briefe des Künstlers unterrichten ja am besten über Weg und Ziele des Künstlers und schlagen am ehesten eine Drücke vom Künstler zum Publikum.
Ich lernte Siegmund im Jahre 1906 auf der Weimarer Akademie kennen, soweit das bei ihm möglich war', denn er arbeitete unermüdlich und stand dadurch abseits vom Kunstschulgetriebe. Frühzeitig in den kaufmännischen Berus hineingepreßt, war er zum menschenscheuen, schwermütigen Sonderling geworden und seine Natur gesundete erst durch eisernes Schaffen und Ringen mit der Kunst und ihren Forderungen. Heber seinen Weimarer Lehrer Olde und seine Kunstauffasfung schreibt er: Korrektur in dem Sinne, daß Olde dem Schüler irgendeine Malweise aufgedrungen hätte, bestand nicht, besonders den Schülern, in denen er eigenen Kunstwillen fühlte, lieh er völlige Freiheit und Selbständigkeit. Er selbst, ein echtes Kind des Impressionismus, stand meinen früh begonnenen selbständigen Kompositionen fremd, aber nicht ablehend gegenüber. Wohl brauchte ich die Qlatur und flüchtete, mich unterordnend, zu ihr.
Auch eine Adventszeit!
Don Pfarrer Wilhelm Kornmann, Hlrichstein (Vogelsberg).
..Was ist unsere Jugend heute Io v?rdvrbenl", hört man in unseren Lagen nicht selten. So berechtigt dies Hrteil in Einzelfällen ist, so sehr verliert es seine Berechtigung in dem Augenblick. da man eS verallgemeinert. Immer wieder muh demgegenüber darauf hingewiesen werden, dah unsere Jugend im allq meinen nur das Leben der Erwachsenen widerspieze.t, wobei, dem Altersunterschied entsprechend, auch das verschiedene Temperament zu be.ücklichtigen ist. — und anderer!eits darf man auch immer wieder betonen, dah eS eine andere Jugend gibt, die das .Dennoch!" und das „Trotzdem!' kennt.
Ta waren P i g ei d fe3 Ja re5 in u ferem Dergstädtchen H. ichitein etwa 2) M tg irder des ..Dundes Deutscher Wanderer ' jul im.nenge*om- men. um eine Religiöse Woche zu ba ten. (Das Wort ..Freiheit" sagt vielleicht manchem deutlich, um was es sich handelt.) Der BDD. gehört, darf man wohl sagen, zur idealistischen 3ugenbbetocgung. d. h a so zu dem Zweig, der ohne Rousiea, etwa nicht tu verstehen Pt; immerhin haben v eie Dü ibe. darunter auch der DGW.. unter dem Eindruck der Krieg rerlebnlsse und der Nachkriegszeit starke W-ndluigen durch 'ernacht, so dah ihre Eigenart nicht in zwei Sätzen zu charakterisieren ist. Deutliches Anzeichen solcher Wandlung mag dem Außenstehenden schon allein diese Rel g öse Woche sein. — Unter den Teilnehmern waren Kaufleute, 'Beamte, Schlosser, Zeichner. Graveure. Di.dhauer, Ingen eure, Lehrerinnen, ein Professor, Studenten und Schüler. Hm die ver-sch ebene Einstellung zu verdeutlichen, sei erwähnt. d»h z. D ein so ialistischer Arbeiter und ein a ithroposophifch orientierter Intellektueller dabei waren, und dah neben Evangelischen und K.ttho i en äußert rchl che Gemelnschastsleule und KonfeslionSlv'e vertreten waren. Diele Menschen, mit zwei oder drei Ausnahmen Iug nd.lche, waren vier Tage zusammen, um in engster Gemeinschaft nicht etwa sich etwas Fertiges barbieten zu lasien und zu übernehmen, sondern, um, nach einer Cmle tung. sich mit Fragen und Problemen ausci.iandcrzusehen.
Den "Beginn machte „das Problem der Ethik", also die Frage, w.e weit es un3 Menschen überhaupt gelingt und g l ngen kann, sittlich gut zu leben. In der Aussprache wurden besonders die Berufsfragen erörtert, wie ja die Frage der Berufs, thik überhaupt eine der brennendsten Fragen der Gegenwart, nicht etwa nur unter der Jugend, ist. Dann stand „die Frage der Autorität" zur Debatte; es ist wohl kein Geheimnis, dah der Glaube an die Autorität unter unseren Zeitverhältnissen der letzten zehn Jahre schwer Rot gelitten hat. Andererseits muh es Autorität geben, sintemal man nicht selber alles beurteilen kann. Die Aussprache rückte die schwere Beranttoortung deS Menschen inS rechte Licht, der anderen Autorität ist oder traft seines Amtes sein sollte. Gerade die Un- Vollkommenheit mancher „Autorität" fordert den Widerspruch jugendlicher Menschen heraus und läßt sie leicht mit der Person auch die Sache über Dord werfen. — Es war selbstverständlich, dah im Zusammenhang bamit d e Erörterung sich her katholischen und evangelischen Kirche zuwenden muhte, die beide, wenn auch in ganz verschiedener Abstufung, die Elemente der Autorität und Freiheit vereinigen. Ueoer- flüffig, zu sagen, dah dabei auch die Kritik der Jugend demgegenüber, was „Kirche" heißt, zu ihrem Ausdruck kam. — aber nicht etwa von bloßem Ki itis eren-wollen aus, sondern vom Ideal her. Damit trat d e Sendung der Kirchen, als notwendiger Formen für ewige Inhalte, in den Gesichtskreis. — Den Abschluh bildete die schon hier austauchende Frage .Mas seundEinzel- men sch". Don der reltg üen Gemeinscha t ging man hier auc nationalen über; so schloß ein weiter Rundblick den Gang.
Etwas ganz anderes war die Religiöse Woche, die jetzt, in der ersten Adventswoche, den Ulrichsteiner Mädchen dargeboten wurde. Hier war keine „bewegte" Jugend aus Kreisen der Jugendbewegung, aber suchende und fragende! junge Menschen fanden sich fünf Abende lang im Pfarrhaus ein, — konnten hören und konnten fragen, was nach Klärung verlangte und Herz und Gewissen nicht zur Ruhe kommen lieh. Es tra evangelisch-lirch icheI gend ba un auch eine ganz anberc A.t der Th.mastellung! Wir beschäst.gten uns mit folgendem: 1. der Sinn des Lebens, 2. das Le.d. 3. die Sünde. 4. der Tod, 5. Du unb Deine "Bibel. Jedesmal folgten der etwa breiDiertcIftünb gen Einleitung Aussprachen von sünfviertel bis anderthalb Siun- ben. die manches klären halfen. 2m ganzen nahmen 47 Mädchen daran teil.
Vielleicht hält mir jemand entgegen, einen wie begrenzten Wert es hat, dah da e^ paar jungen Menschen zu K.äru rg und Bertie,“?g des Wesens geholfen wird. Gew h hat es eine begrenzte Bedeutung, wenn a ilähllch jener Psingst-
tovche ein 'Beamter die kirchliche Trauung nachholt; dah dabei aber eine Jugend, die kirchlich lehr kritisch steht ober gar unkirchlich ist. und. tote die Dinge leider nun einmal liegen, auch reliaiös leicht erlahmt ober gar indifferent zu werden droht, wieder Verständnis für „Kirche" und damit für gelehrte und erstrebte Relig.on bekommt, das ist doch schon etwas anderes. Und dah dicfe Jugend emes Morgens auf den Sch ost- berg hinaufsteigt unb. ganz aus c gmem Antrieb, eine rel g öfe Morgenfeier hält, auch das scheint mir schon etwas anderes. ES i st doch wirklich etwas, wenn in unserer Zeit Jugend der verschiedensten Schichten zusammen! ommt unb vier und fünf Tage lang in w rll.cher Gemeinschaft sich em ft und t.efschürfenb über relig öfe F a^en ausspricht, unb es i st etwas, wenn in unseren Tagen, wie hier oben bei uns, in ganz Deutschland immer wieder solche „grei^eiten" und „Iugenbwvchen" gehalten werden, in denen jeb.t unb jede mit ihrem Suchen und Fragen ankommen können. Gerade im kleinen Kreis ist das am allerwertrv l'ten. weil da der einzelne mehr zu seinem Recht kommt.
Gewih hat es nur begrenzte Bedeutung, wenn nun gerade in einem kleinen Bergst idtchen junge Menschen so odor so zu re igiöser Klärung zusammen kommen, ist es aber richt g. dah unser Doll und unsere Jugend nur bann gefunben können, wenn sie wieder von der Urkräften der Religion ihr Leben burchwllten las'en. dann hat diese Arbeit an einem kleinen Punkt einen höheren Sinn. Wir schauen dabei nach denen aus, die solche Arbeit verstehen; — nicht etwa. „3U schätzen wissen" usw., fordern eben verstehen in einem tieferen Sinn. Und wir warten. Wir warten mit denen, die ebenso, wie wir, auszuschreiten beginnen, Gott fei Dank auch schon begonnen haben. Wir warten barauf, dah unsere Schar wachst. — voll Freubigke t und Zuversicht schreiten wir aus, in der Ho fnung, aus der Rächt unseres Dolles in den kommenden Tag zu schreiten, — aus dec Finsternis in daS Licht ...
Wie sehnlich wünschten wir. die wir in der Jugend stehen, dah all das. was unter der Jugend sich regt an Vorwärtsdrängendem, an Unruhe, Suchen unb Fragen, ein ins Letzte des Lebens gehenbes Droveln und Gären bedeuten möchte, — sagen wirs gerade heraus, „auch eine Adventszel tl"
©ott segne darum unsere Jugend in dieser Zell!
Weihnachlsmärkte.
Die bunten, anheimelnden 'Bilder des WeihnachtsmarkteS find uns als der stimmungsvolle Dorklang des eigentlichen Festes lieb und teuer. Da der Markt, auf dem man alle Herrlichkeiten einkauft, mit der Bescherung in engstem Zusammenhang steht, so gab es in einer Zeit, da die Besck>srung am Nikolaustage stattfand, keine Weihnachts-, sondern Nikolausmärkte. Diese NikolauSmärkte sind die Dorläufer des WeihnachtsmarkteS, der als Einleitung des Christfestes erst im 17. Jahrhundert auftritt. Der ältesteWeihnachts- markt, über den wir einen genaueren Bericht haben, wird in der Nürnberger Chronik WagenseilS aus dem Jahre 1697 geschildert. „Einige Tage vor dem Fest." heiht es hier, „wird auf dem Markt Weihnachtsmarkt gehalten, der der Kiirdlems-Markt oder noch vollständiger der Chnsttindleins- Markt gewöhnlich genannt wird. Da ist nahezu der ganze Platz voll Holzbuden, die für die Zeit aufgebaut sind, und in denen aller Art Waren, die zum Nutzen und zur Ergötzung der Kinder, ja auch der Erwachsenen von Herzen ersehnt und von der Phantasie ausgedacht werden, zum Derkauf ausgestellt sind. Um sich diesen Markt zu beschauen, strömen nicht nur aus den benachbarten Städten die Leute niederen Standes, sondern biswellen auch fürstliche Personen dort zusammen. Die fleinen Kt der von Nürnberg sind überzeugt, das Christkind kaufe hier die Sachen ein, die es nachher am Weihnachtsabend unter sie verteilen wolle." Neben dem Nürnberger Weihnachtsmarkt, der natürlich durch die besondere Bedeutung der Stadt für die Spi.lwarenindustrie den reichsten Glanz entfaltete, kamen im 18. Iah hundert noch andere berühmte WeihnachtSmurkte auf. Schon unter Friedrich Wilhelm 1. war dieses lustige Weihnachtstreiben auf dem SchlohplaI in Berlin eingebürgert. So berichtet die Berliner privilegierte Zeitung unter dem 24. Dezember 1739, die preußische Kronprinzessin Elisabeth Christtne habe mit ihrem Bruber und dessen Gemahlin den Christmarkt besucht: „Bei dieser Gelegenheit hatten die Kaufleute sich
bemüht, ihr« Läden durch Auslegung der schönsten Waren auszuzieren. Alle Häuser in den Gassen, durch welche die Herrschaften passierten. waren von einer großen Menge Lichter erleuchtet." Um dem W^ihnachtSmarkt eine besondere Weihe zu geben, wurde sogar vielfach die Aufrichtung der Buden in den Vorhallen und Kreuzgängen der Kirchen gestattet. Goethe erwäh.tt in seinem WeihnachtSbrief von 1772 an Kestners den Frankfurter Christmarkt. „Als ich gestern über den Markt ging und die vielen Lichter und Spielsachen
sah, dacht' ich an Such und meine Bubens, wie Ihr ihnen kommen würdet, diesen Augenblick ein himmlischer Bote mit dem blauen Evangelio. und wie aufgerollt sie das Buch erbauen werde." Auch der Leipziger Weih- nachiSmarki war berühmt. „Der Christmarkt," heiht es In einer Sch lderung von 1785, „geht drei Tage vor dem ctefte an. In diesen Tagen sind auf dem Markte grohe und kleine Buben aufgebaut, die abends illuminiert werden." Die Studenten trieben hier sehr viel Unfug und trompeteten den „Frauenzimmern" auf kleinen Holztrompeten ins Ohr, was sie „Commerce" nenten. In Dresden feierte man den „Strieyelmarkt". — Die We hnachismärkte bet verschiedenen Städte waren durch ihnen besonders eigentümliche Ueberraschungen ausgezeichnet. So hat Berlin seine ..Knarren" und „Waldteufel" und die „Schäfchen", die von Kindern „fern Groschen" ausgeboten wurden. Dresden hat seine „Feuerrüpel", Heine Figuren aus Backpflaumen mit eimm Pupp n- kopf und einer Holzleiter, die wohl den Knecht Ruprecht als Essenkehrer darstellen. Die Glanzzeiten des Beniner WeihnachtsmarkteS waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der ihm viele Dichter, so Ludwig Tieck, Glasbrenner u. a, gefeiert haben. In seinen „Altberliner Erinnerungen" sagt F.'lir Philippi von dieser verklungenen Herrlichkeit: „Ich habe auf weiten Reisen, die mich durch Deutschland und Italien, durch Frankreich und Griechenland führten, zahllose DollS- feste gesehen, aber etwas Liebenswürdigeres, Heimlicheres, echt Dolkstümlicheres als den Berliner Weihnachtsmarkt habe ich ttotz der älnfreundlichkeit des nördlichen Klimas und ttotz aller Grämlichkeit des Himmels nie wieder gefunden. Die letzten vierzehn Tage vor dem Fest, namentlich nachmittags nach Schul- schluh. drängte und drängelte sich, schob sich und flutete durch diesen riesigen Jahrmarkt eine unabsehbare, fröhliche, erwartungsvolle und kauflustige Menge. In dieser Budenstadt, obwohl ganz manierlich in Strahen eingetc ilt, konnte man sich leicht verirren; sie umfahte den ganzen Schlohplatz und auf der anderen Seite des Schlosses den grvhen Lustgarten. Hier reihte sich Bude an Bude, manche reell gezimmert, viele nur luftig mit einem Plan bespannt; grohe Oellampen ergossen ihr rötlich-schummriges Licht über all die Herrlichkeiten, die da fein säuberlich ausgebreitet, alt und Jung, reich und arm, hoch und niedrig in Entzücken versetzten."
Neue Postgebühren.
Der Derwaltungsrat der Deutschen Reichsposi beriet, wie wir g stern schon kurz berichteten, die Dorlagm über die Gebührenermäßigungen und b c b zu gestell en 2ln- träge des Arbeitsausschuss s b s Berwallungs- ratS. In ferner D.gruhungsansprachr b tonte der Reichspostm nifter. bah bas Bestrebm der D.ut- schen Reichspost vor allem darauf ger atet sein müsse, die Einrichtungen techn sch so auf die Höhe au bringen, bah bas deutsche Wirtschaftsleben sich voll entwickeln könne. Es g chörten dazu grohe Mittel, die eine Herabsetzung der Tarife unter die Friedenssätze nicht gestatteten. Don den Be- schlüllm des Derwaltungsrats fei folgendes mitgeteilt:
Die Vorlage wegen Aenderung des Auflieferungsverfahrens und Ermäh gung der Ge-
Kaust Wohlsahrtsbriesmarken zur llnierstühung der Deutschen Nothilse!
um in ihr Erlösung von inneren Erregungen zu stnden. Die Ehrfurcht vor der Göttlichkeit jedes Dlümchens. jeder Derglinie. das Lächeln einas im unendlichen Dlau schwebimben Wvlkenauges behüteten mich vor der Selbstherrlichkeit der eigenen Gestaltungskraft und der „Göttlichkeit" des eigenen „Ichs", die in unserer von allen Schranken befreiten Jugend im Expressionismus als eine verführerisch schillernde Seifenblase emporgetrieben wurde. Man hatte im Irnpres' onismus Gott in der materialisierten Welt wtgeschlagen unb hatte nicht die Kraft der Entmaterialisierten durch die Idee, man sah im nervösen Rausch höchsten Ichbewußtseins .den Himmel offen". Der Erpressio- nismus andererseits, der sich anmaßt. Ausdruck unserer Zeit au fein, ist es schon deshalb nicht, well sein absolutistischer Byzantinismus orientalischen Geistes der Entwicklung der F-ei^-it b-s germanischen ..Ich" diametral entgegensteht. Es waren immer absterbende Zeiten ocs mSpijoiuji- tumS, welche die künstlerischen Gestallungsge'etzc aus dem Werke früherer Zeiten Herausschällen und in diesem Ertrakt als dem „Geistigen der Kunst" ebenso hochmütig wie anmaßend die reinste Blüte der Kunst au repräsentieren glaubten. Es fehlt uns die große geistige Energie, die freie unb doch harmonische Organisation zu schaffen, unb umringt von jenen Werken ohne Harmonie und ohne Seele — abgemalt aber nicht gewachsen — fühlen wir in dem Despotentum die letzte Rettung. Sie erfordert nicht die unendliche, die Welt der Erscheinungen umspannende Kraft und gibt doch ene —
wenn auch gewaltsame — Harmonie, die alleS tot- schlägt. was sich nicht in ihre Kurve pressen läßt, die aber die zitternden Nerven einer dekadenten Zett sehnsüchtig erfassen und toDbltuenb empfinden. Deshalb lehne ich den EkPressionismuS ab, wie mich früher der Impressionismus nie befriedigen konnte, aber ich hatte geglaubt, daß, wie die Frührenaissance die Bausteine für die Hochrenaissance gesammelt hatte, der Impressionismus einen neuen Reichtum in die Scheuern trüge, durch den eine hohe Blüte der Kunst möglich würbe. Aber wie es in der Wissenschaft durch die unendliche Fülle der empirischen Erkenntnisse immer schwieriger wird, die große umfassende Weltidee aufzubauen, so hat auch die organische Weiterentwicklung des Impressionismus versagt, die 3ugcnb hat nicht die Kraft gehabt, seine vielseitigen Ergebnisse festzuhalten unb zu einer höheren Dildungsg -stattanz zu entw.ckeln. Statt dessen haben wir umgekippt, haben — wie die Mode — aus den Nervenreiz auf gebaut, der immer den konträren Reiz sucht, wenn der alte nicht mehr zugkräftig ift“
Wie es ihm selbst gelang, in seiner Kunst das auszudrücken, was er zu sagen hatte, sehen wir am besten aus seinen religiösen Bildern. Die Dorfkirchen von älschlag. Dransfeld, Barterode unb Benterode in Hannover, Heckershausen. Kelze. Carsbvrf, Eberschütz unb Großenritte in Hessen sinb Zeugen seines Schaffens unb können von hier auS leicht besucht werden. Sein größter Aufttag — 80 Kompositionen für eine Kirche in
Samstag, 2 . vezemder 1921
bübren für telegraph sche Aufträge bei Geld- verkehrS wurde angenommen.
Für Briefe über 250 bii 500 Gramm wurde eine Gebühr von 30 Pf. festgesetzt.
Im Poslscheckverkehr wrden künftig für die Einzahlung mit Zahlkarte erhoben: Bei Beträgen bii 25 Mk. 10 Pf. bS 100 Mk. 15.Ps., bis 250 Mk. 20 Pf., bi« 500 Mk. 30 Pl. bis 750 Mark 40 Pf., b-L 1000 Mk. 50 Pf., bei höheren Beträgen 60 Pf.
Im Telegrammverkehr wurde die Fernwortgebuhr von 15 auf 10 Pf., die Wortgebühr für Ortstelegramme von 77, auf 5 Pf. und die Wortgebühr für Brieftelegramme von 10 aur 5 Pf. herabgesetzt
Für die Fernsprechgebühren tour' en Im Ortsverkehr engere S u'en geb lbet Kanfi g werben für 101 b S 150 G.spräche 14 P'.. für 151 bi« 200 Gespräche 13 Pf . für 2)1 b « 25) Gespräche 12 PI., für da« 251. b« 300 Gesp-äch 11 Ps.. für j des w t re Gespräch 10 Pf. erhoben Die Fernsprechgebühr n erfahren in der ®nt» fernungSstufe von 50 b S 100 K lometcr eine Ermaß.gung um 15 PI., in den we leren Stuf er eine solche von 30 Pf. Die S nr.chtungSg.bühr bei Hauptanschlüssen wurde von 90 Mk aus 80 Mk. herabgesetzt.
Die R u o l a n d S g e b ü h r w rb f.lq nb r maßen herabgesetzt Für Briefe b S 2) Gramm 25 Pl., für jede weiteren 20 Gramm 15 Pf., für Postkarten 15 Pf.
Die ©ebübrenänberungen im Post-, Postscheck- unb Tei.grammverk hr treten am 1 Januar 1 925. biejen gen im F rnsprechverkehr am 1. Februar 1925 in Kraft.
Wirtschaft.
Börsc und Geldmarkt.
Der Verlaus der letzten Woche hat der Vermutung, die in der vorigen Woche an dieser Stelle ausgesprochen wurde, daß die Abschwächung nur vorübergehender Natur fei, recht gegeben. DaS Geschäft a n Montanaltlenmarkt hat in den letzten Tagen ein zeitwei'e stürmisches Ausmaß angenommen, die Kurssteigerungen erinnern lebhaft an die Inflationszeit. Ange ichtS dieser Bewegung, die al.eS andere, denn ge unb zu lein scheint, ist es begreiflich, daß die interessierten Kreise lebhaft für die Wiedereinführung deS Terminhandels plädieren, denn nur der Terminmarkt scheint geeignet zu sein, ausgleichend zu wirken und die scharfen Ausschläge nach oben unb unten abzu- dämmen. Die Tat'ache, daß die Bewegung häufig der Berliner Spelulat on selbst völlig überraschend kam, ist mit ein Zeichen dafür, baß sie von außerhalb in die Börte hineingetragen worben ist. In erster Linie ist hieran daS Ausland beteiligt, unb zwar beschränkt sich die Betätigung an der Berliner Börse zur Zeit nicht auf ein einzelnes Land, sondern sowohl die west- wie osteuropäischen Länder sind daran beteiligt, während Amerika wohl nur für einzelne ganz bestimmte Papiere Interesse zeigt. Nach unseren Informationen handelt es sich bei den Auslandkäufen zum sehr großen Teile aber nicht um Anlagebedürfnis; es hat sich vielmehr bas auSländilche Spekulan- tentum die Berliner Börse als Betätigungsfeld ausgesucht, unb dieser Umstand muh alS außerordentlich bedenklich angesehen werben, denn eineS TageS werben die Spekulanten ihre Gewinne ein- heimlen wollen, was zu katastrophalen Kursstürzen führen kann. Bemerkenswert ist baS außerordentliche Interesse, das neuerdingS den Gold- Pfandbriefen entgegengebracht wirb. Hier bürsten bie Ausführungen des Reichsbankprä identen über die Flüssigkeit des Geldmarttes unb bie Erwägungen wegen Herabsetzung des Reichsbankdiskonts mitgetoidt haben. Es bedarf keines Zweifels, daß die 8- unb 10pro\. ®o bpfanbbrieie, unter Berücksichtigung eines fallenden Zinssatzes, zur Zeit
Jena — kam durch bie wirtschaftlichen Verhältnisse leider nicht zur Aus'ührung unb wartet auf Erweckung aus dem Dornröschenschlaf.
Neben seinen religiösen Bildern gehen seine Landschaften, Porträts und vor allem kleine, feine Illustrationen zu Märchen, die nun in all ihrer Farbenpracht und Lebensfreudigkeit In größerer Kompositionen Wiedererstehen, so in Jahreszeiten bildern, die in Kasseler Privatbesih sind und in Märchenbildern, von denen einige hier ausgestellt sind. »Nicht mit nüchternem RealttätSgefühl ban man sich meinen Bildern zuwenden," schreibt er. -Nicht fragen: ist dieses ober jeneS richtig gemalt. Damit wird man immer nur die äußere Seite der Natur analytisch protokollieren, aber keine Seele finden, von der uns das Märchen erzählt. Wie Jean Paul mit seiner glühenden Liebe zur Natur niemals ein pedantisch nüchterner Nach- schreiber der Natur gewesen ist. sondern wie vor die älnendlichkett seiner begeisterten Seele die Enb- lichkett der Erscheinung tritt, unb wir entzündet werden von der zwingenden Gestaltungskraft seines Sprachstils, so suche auch ich nicht in den figürlichen Bildern die Außenseite der Natur, sondern ihre Seele mit dem gesunden Instinkt eines wohl- gegliederten Etttbewuhtseins für die Elemente der Ausdrucksformen in der Malerei."
Don den Märchenbildern dieses Künstlers können wir gerade in der Weihnachtszeit einen Hauch verspüren von jenem heiligen Reich der Kunst, das feine Heimat ist. Elisabeth Klute.


