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schuldig sagte, b

schass lebt, ist die Jugend daran gewesen, die geopfert wurde. Wan fahl sich an den Stopf, wie es möglich war, daß Hunderte von Men­schen, die doch noch in den Eatwicklungsiahren standen, in einer einzigen Stadt stch obdach­los umhertreiben, daß ü e Haupt die Mordstätte erst entdeckt wird, nachdem vierzig Menschen verschwunden sind.

Oft daS nicht die schärfste Kritik des mißver­standenen D.-gr fts der F e Heck, die heute ge­predigt wird? Unsere Jugend drohte daran zu­grunde zu gehen, daß in ihren Entwicklungs- jähren die Vater im F .lde standen, daß a£o d i e Erziehung mangelhaft war und Men-» schrn, die noch in die Schule gehörten, schon selbständig waren. H er g ll eL den Hebel anzusetzen. damit der Prozeß von Han­nover nicht umsonst geführt würd'! Wir muffen zurück! fjren zu e n?r Jugenderziehung, die, a s gesunden Grundanschauungen a fgebaut, Len Menschen wieder Ideale u id Achtairz- vor den Idealen bringt Das ist das beste He Imitel gegen V rr h n 8- und D k de z-Zrsche nun e wie sie das M.Ueu Haarmann ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt hat

Landcsr

Landest

In den Blättern aller Parteirichtungen mit Ausnahme desVorwärts", d r sich auf die Diebergabe der amt ichea Erklärung b schränkt, to:rb heute zu der VTilgung der Reg erungZ- bildung St llung genommen. DasB e r l i n e r Tageblatt" stellt fest, daß die be den Par­teien, auf der n E .tsche düng es ankam. nach den vergeblichen Bewegun'skä pfen mit Resolut o e.t zum Stellungskrieg übergegangen sind und betont, daß b i e Weimarer Koa­lition als Auswegaus der Krise ernst­haft in Rechnung gezogen torben muß. Der frühere bad sche Minister Dietrich z'eht in derBoss. 3tg. den Ausfall der Wahlen in die Erwägung und sagt, daß man b esen Reichs­tag nicht wieder auflösen und nachHcuse sch cf en kann, denn dann würbe der Parlamen­tarismus in Deu schlanb f i ch endgültig ausgeben, sofern es nicht gel.ngen sollte, ganz neue Parteibildungen durch u- führen. Es gäbe bemnach nur drei Auswege: Entweder bas Zentrum fällt um oder die Deutsche Volkspartei, ober e s bliebe ein Minberheitskahinett der Mitte.

DieDeutsche Allgemeine Zeitung" stellt fest: Sv wirb wieder einmal dem Auslande das Ätld kindlicher Anbeholsenheit, und dem eigenen Volke das Schauspiel eine- unehr­lichen Jntriguenspiels geboten." DerBerliner Lvkalanzeiger" schreibt:In der Lat, man muh Tagen, daß doch noch geniale Auskunfts- Mittel gesunden werden, wenn sich unser Parla­mentarismus bei dem Versuch, die Wähler um ble Auswirkung ihrer Stimmabgabe zu bringen hoffnungslos fest gefahren zu haben scheint" DieDeutsche Tageszeitung" betont da': die Wendung der Dinge nicht überraschen konnte. Außer Herrn Marr hatte sich nun auch Herr Ebert zu der Ratlosigkeit bekannt, die die zwangs- läufige Folge des Mangels an Zivilcou­rage toäre, wie er dem Verhalten de« Zentrums

hätten. Das sei, wie Aoske

er des Angeklagten. Rechtsan» d, fagt der Aig"Nagte habe >eis für die Beschuldigung des getreten. Zweifellos war bes Ibtg, wer während des Krie­

ge« einen Munitionsarbeiterstreik anstiftete. DaS- elbc gelte aber auch von dem, wer eine Hand­lung begeht, die eine Stärkung oder ©tütjung des Streikes bedeutet. Rechtsanwalt Dr. Dmoe- wald weift darauf hin. daß derVorwärts" den Munitionsarbeiterstreik durchaus gebilligt habe. Ebert habe sich mit den streikenden österrelcht- chen Arbeitern solidarisch erklärt. Del der 2p» afsung des Flugblattes des Aktionsausschusses sei Ebert zugegen gewesen. Durch den Eintritt der Mehrheitssozialisten in die Streikleitung sei die Bewegung gestärkt worden.

Der zweite Verteidiger, Rechtsanwalt Mar­tin, äußerte: Hier dürfte nur die Tatsache ent» cheiden, die von Zeugen bekundet sind. Danach ei der Wahrheitsbeweis in vollem Umfange er­bracht. Es sei verwunderlich, daß bas Verfahren nicht gegen die großen Zeitungen eingeleite wurde, die die gleichen Defchuldigu-igen erheben, sondern nur g-gen den mitt Hofen Rllrakteur e nes ilei- nen Provinzorgans, hinter dem keine große Par­tei stehe. Das Äugblatt, das in aufreizender Sprache den Arbeitern zurief, sie sollten sich nicht einschüchtern lassen, fei von der Streikleitung eins­timmig, also auch mit Zustimmung be«lieben* klägers, herausgegeben worden. Diese Tätigkeit des Rebenklägers sei damals sicher Landesverrat gewesen. Durch Messenversammlungen einer treckenden Menschenmenge, nicht durch verfas- ungsmähige Mittel wollte man einen Druck auf die Regierung ausüben.

Ob Ebert aufgeforbert hab-, ben Stellungs­befehlen nicht F ler zu le st:n, h ibe sich sthr schwer feststen n li.sm. Zw i Zmgen haboi bas zwar bekundet, und ihre AuZsig: wolle er. der Verte b g-r. nicht b -zweif ln. Sie al mben hLU'e offenbar, daß der R'b n I iaer sich so gcäuß rt hab'. Ob dies? Auss g- vbjekt.v richt g s st, müße der D'uckeilung des Ger chtes "nheimge efft wer­den. Aber auch ohne d- h F ststellung ergeben die früher gemacht n Feststellungen den Tat­bestand des Land sv?rrates.

Rechtsanwalt Marlin betonte, daß der Ab­geordnete Ebert, wenn er den Streik für ver­werflich geba tm hätte. sich nicht an der Lettung beteil g :n d rite mit der Deg ü b im. baß im and ren Falle die Sozialdemokrat e ihre Ges (gj schäft verloren hätte. Der Januarstreik war darum ettoat ganz neue?, well dabei zun e st n Male die Soziachemokratie bas Parteiinteresse dem Willen zur LanbeZvert'ib.gung ro anstellte. Wenn Sch.'idemann am 9. Roaember 1913 tagte, das Proieta iat habe auf b:r girren 2.nie ge­siegt. so f? man h nzufüg-n gesiegt über das zusammengebrochene D:ut ch. R.ich.

Kerne Verständigung der deutsch-sranzöstschen Schwerindustrie.

Paris, 20. Dez. (TU.) Die Sachverstän­digen der d utsch n Schwe -rnbu^rie s n"> n ch Deutschland zurückgefahren. Di: le t- S hung hit gezeigt, d 6 e ne Verstäub ganz mit b n f.anzösi- schen Vertr t r.a vorläufig nicht zustanbe kommen k.'.nn. D.e Sachvirständ g n kommen Anfang Januar wieder zusammen. Dir deuische W risch ftsdeleg t on stel l g aenwärt g bas Er­gebnis der b sher g-n Verhandlungen zusammen. Am Montag verläßt sie Par s, um am 30. De­zember toieber zurückzukehren. Die erzielten Teilresultate können nicht mit der Tatsache ver­söhnen, daß auf allen Gebieten b i e Haupt­gegensätze sich b sher nicht überbrücken ließen. Im Verlause des gestrigen Tages haben Fritz Thyssen unb ber Direktor ber Krupp- Werke Bruhns bem D rlltor ber Wirischafts- abtcilung am Quai b'Orsey S ey boux einen Besuch abgeftattet, um mit ihm über die in den Jndustrleverhandlungen noch vr rl egenden Schwie­rigkeiten emg.hend Rücksprache zu nehmen. Es verlautet, baß bie Atmosphäre bei b'eser Be­sprechung trotz ber weiter bestehmdea Schwierig- keiten keine ungünstige gewesen ist.

Der Fall Haarmann.

Mit einem Stotz'eufzer befreienden Auf­atmens darf man feststellen, daß dieser grauen­hafte Prozeß in Hannover endlich sein Ende ge­funden hat. Die beiden Missetäter sind, wie schon gestern in einem Teil der Auflage gemeldet, zum Todeverurteilt, Haarmann 24mal, sein bö­ser Geist Grans nur einmal. Unb das von Rechts wegen. Es besteht auch keine Aussicht, bah der Reichspräsident in diesem Falle von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch macht. Schon aus Gründen des Selbstschutzes muß die menschliche Gesellschaft sich von solchen Raturen befreien. Ob es notwendig war, das Verfahren in dieser Breite und in dieser Oesfe ntlichkeit ab» zuwickcln, darüber kann man verschiedener Mei­nung sein. Die Absicht ist zweifellos gut ge­wesen. das Gericht hat sich gesagt, daß viele Eltern mit Spannung auf bie letzte Möglichkeit warteten, hier etwas über bas Schicksal ihrer Kinder zu erfahren, und wenn es bas schlimmste ist, das doch virileicht noch weniger schlimm ist, als die Ungewißheit.

Rach der Richtung aber ist ber Prozeß ein Fehlschlag gewesen. In feiner stumpfen Bestialität, bie nur gelegentlich burch schlechtes Theater aufgepulvert würbe, hat Haarmann jede Aussage verhindert, ble In bas grauenhafte Dun­kel seines Lebens weiteres Licht hätte werfen können. Es war deshalb auch ein Gefühl gesunder Reaktion, baß die deutsche Presse bie Bericht­erstattung mehr unb mehr einste11te und sich jetzt mit der Wiedergabe des Urteil« samt ber Begründung begnügte. In diesem furchtbaren Schmutz zu wühlen, hat wirklich keinen Sinn, zumal da bas einzige Ergebnis ist, daß bem Aus­lande dadurch bas Bilb einer vollkommen unter­höhlten Sittlichkeit des deutschen Volkes vorge­zeichnet wird. Man bars nicht pergefien, baß Die Abnormitäten, die bei Haarmann zum Word führten, heute bereits draußen In ber Welt unter der Bezeichnung be« deutschen Lasters gehen.

Das sollte aber auch die Lehre sein, die wir selbst daraus ziehen: bie Schilderung ber ungeheuerlichen Zustände, wir sie auf b:m Bahn­hof in Hanno.er Herrichten. bie sittliche Ver­wahrlosung der Jugend, bl? mit Haar­mann In De ührung kam, daZ sind Dinge, die man nicht mit dem allgemeinen Sammelnamen von Rachkriegserscheinungen oder Re-olutions- auswüchsen abtun darf, das sind Dinge, die mit ernster Sorge erfü len, well e was faul bei uns fein maß wenn derartige Sumpfblü en gedeihen 15 nen. Schlimmer noch ali H armaan, diese mensch iche Bestie. oder G ans, dec Vampyr, der mit kalter Grausamkeit bem Haarmann bie Opfer zuführt unb von bem Ertrage dieses ®e»

gufanntttnjntuen, um ans innerer Haut Riemen zu schneiden.

Die deutsche Linkspresse wollte was glau­ben machen, in Paris und London beabsichtige man, die Räumung ber Kölner Zone und die des Ruhrgebiets aus strategischen Erwägungen auf einen mittleren Termin, vielleicht im Früh­jahr, zusammenzuleaen. Daran ist nur soviel richtig, daß tm Falle der Räumung von Köln durch die Engländer die Franzosen im Ruhrgebiet abgeschnitten und in eine sttate- gisch unbequeme Lage geraten wurden. Aber wenn Herriot die Verlegung des RäumungS- terminS aus diesen Gründen wünschte, so hätte dies Kompromiß allein durch eine freie Vereinbarung mit dem andern Verttags- konttahenten analog dem Londoner Abkommen zustande kommen können. In Paris und Lon­don will man aber wieder zur Form des einseitigen Diktats Wrückgreifen und hat dem schon durch einen auSged hnten Lügen­feldzug der französischen Presse, dem sich neuerdings auch britische Blätter hinzugesellen, von langer Hand vorgearbeitet.

Schon als die Deneralinspektion vor Mo­naten ihre Arbeiten in Deutschland begann, setzte diese Pressekampagne desEcho de Paris" und Konsorten ein. Von verborgenen Geschützdepots, geheimen Waffen- und Muni­tionsfabriken wurde gefaselt, von gemeinsamen deutsch-russischen Flottenmanövern in der Ost­see berichteten polnische Hetzblätter als getreue Sekundanten, alles haltlose Verdächtigungen, die von der Reichsregierung als erstunken und erlogen prompt nachgewiesen wurden. Aber der Zweck wurde erdicht, dem französischen Spießbürger kam ein Giuseln an bei den täg­lich wiederholten Märchen vom Waffenstarren­den Deutschland und Herriot bekam seinen Vorwand für die Hinausschiebung des Räu­mungstermins.

Während die britische Presse sich anfangs stärkster Zurüähal ung befleißt cke. ja vielfach feststellle, daß Deutschland durch die Annahme des Dawesgutachtens seinen guten W i l! e n zur Erfüllung des Vertrags bekundet hätte und daß auch die Kontrollkommission, von Kleinigkeiten abgesehen, nichts gefunden hatte, was als Verfehlung ausgelegt werden könnte, trat dir selbe Presse nah der Pari er Konferenz Chamberlains mit Herriot an die Secke der Franzosen und beteiligt sich seitdem mit Eifer an dem schändlichen Verleumdungö- feldzug-

In dem famo'en PariserKuhh anbei liegt des Rätsels Lösung. Chamberlain brauchte freie Hand in Aegypten, die ihm He > riot bereitwilligst gewährte und für sein Ent­gegenkommen p 1 ein pouvoir am Rhein erhielt. Das ist die heckle Lage, die die Reichs­regierung vorfindet, die uns das neue Jahr bringen soll. Wirklich Grund genug. Zeck und Kraft nicht mck parlamentarischen Experimen­ten zu verzetteln, sondern sich zu einer starken ^Nehrhecksregierung zusammenzufinden.

-Die Regierungsbildung vertagt.

DaS (Veschäftsminifterium Marx.

Berlin, 20. Dez. (TA.) Wie schon in einem Teil der gestrigen Auflage gemeldet, be­richtete der Kanzler dem Aeichsprä identen, daß die Fraktionen an ihren Beschlüssen festhalten und daher zur Zeit die Bildung einer Mehr­heitsregierung unmöglich erscheint. Der Reichspräsident und der Reichskanzler kamen bei dieser Sachlage daher überein, daß die Neubil­dung der Regierung bis kurz vor Zusammentritt des Reichstages hinausgeschvben wird und daS bisherige Kabinett die Geschäfte bis dahin weitersührt. Gestern nachmittag um vier Ahr trat im Reichstag die Gruppe der noch in Bersin weilenden Mitglieder der Zentrums- f r attt o n zu einer unverbindlichen Besprechung zusammen, in der Reichskanzler Marx mttteiltc, daß er mit seinem bisherigen Kabinett im Einverständnis mit bem Reichspräsidenten die Geschäfte bis auf weiteres fortführe.

Die ErossnuugssihungdesReichs- tag6 hat der Reichötagspräsident Wallraf nunmehr endgültig auf Montag, 5. Januar 1 92 5, festgesetzt

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 20. Dezember 1924.

Von meinen Weihnachts-Einkaufs- qänqen.

In diesem Jahre WeihnachtSeinkäufe au ma­chen. ist eine etwas problematische Ausgabe. Der Kinder Wunschzettel, ganz gleich ob geschrieben ober mündlich zur Kenntnis gebracht, ist selbst­verständlich lang. Rach jedem ihrer Streifzüge durch die Geschäftsstraßen vergrößert sich dieser Zettel. Das Geld aber ist knapp, sehr knapp so­gar, ja manche haben überhaupt gar keines. Dieses Einerseits-Andererseits bereitet natürllch starke« Kopfzerbrechen. And dann kommt noch die reich­haltige und stark fesselnde Auswahl in unseren Geschäften hinzu, die des Rätsels Lösung nur kom­plizierter macht.

Schon bei der geringsten und selbstverständlich­sten Weihnachtsanschafsung, beim Ehristbaum-Eia- kauf, kann man so einigermaßen in Pein geraten. Ratürlich hat man es auf einen schönen und dabei doch selbstverständlich! ganz billigen Baum abgesehen, damit man sich hinterher, etwa am ersten Feiertag, nicht zu ärgern braucht, wenn man dann hört, daß die Rachbarsleute ihren ebenso schönen Daum um eine Mark oder gar noch bil­liger gekauft haben, well fie eben an die richtige Quelle gekommen waren. Rach dieser richtigen Quelle suche ich bis jetzt vergebens. Aber ich tröste mich einstweilen mit dem Bewußtsein, daß ich schon noch rechtzeitig zum billigen und doch guten Christ­baumkauf kommen werde. Diefe ©rlenntni« schöpfe ich z. D. aus der ärgerlichen Miene einer Christ-- baumhändlerin, die mich ganz vernichtend anblickte, als ich sie gestern im Hinblick auf ihren großen Baumvorrat, in Anbetracht ihrer Preise und in Erinnerung an das reichliche Angebot mit der Frage überraschte, ob sie daheim einen Weck­apparat habe, oder so ein Ding zu Weihnachten bekomme. Erst wars ihr nicht ganz Har. wohin ich mit meiner Frage zielte, als ich ihr bann aber deutlicher zu verstehen gab, daß mir da eben so eine Gedankenverbindung zwischen den vielen Christbäumen und dem Einwecken gekommen wäre, wurde ihr natürlich nur von der kalten Luft gerötetes Gesicht noch viel röter, die Augen schossen Blitze ich aber trollte mich ohne Säu­men davon. Allerdings war das auch wohl das Beste für mich.

Genau so ergebnislos wie beim Christbaum sind bis jetzt meine Weihnachtsläden-Patrouillev gewesen. Die Auslagen dec Gelchcftte haben sich mir dabei so scharf eingeprägt, wie mir anderseits klar bewußt ist, daß für d ese schönen unb guten Dachen auch bei m r bie Moneten etwas zu knavp sinb. Wie ich zwilchen diesen beiden Gegensätzlich- leiten eine freundliche Annäherung und Der- ftändigung herstelle, ist mir noch nicht aufge= gangen, sicher ist aber, daß die Geschäft auslagen« feite sich wahrscheinlich wohl die meisten Ab­striche gefallen lassen muh, denn aus ber andern Seite ist die Entwicklung zumPiattkopp" schon ziemlich erheblich fo;tgef<fc ritten. Wir haben heut' ja auch schon ben 20. Trotzdem ich toeifj, baß es manchem anbern genau so geht wie mir, hoffe ich aber doch, daß unsere Geschäftsleute wenigstens einigermaßen auf ihre Rechnung kommen. Verdient haben sie es und zu gönnen ist es ihnen auch, denn sie haben sich wirklich redliche Mühe gegeben, um dem Neben Publikum in weitgehender Weise dienen zu können auch in kostenloser Schau-Anterhaltung. Sogar einen Kintopp im Lilivutanerforrnat kann man in un­serem HauPtgcfchäftsviertel trften'o« bewundern. Es gibt dort allerdings nur Stehplatz, nämlich auf der Straße, und wenn einem da noch auf die Hühneraugen getreten wird, ober man sich auf der Flucht vor der Glektc-ischen zum Springet und Doxlämpfer ausbilden kann, so kostet das ebenfalls alles nichts. Als ich dieser Tage nach­mittags die gespannte Leinwand sah unb den Kintopp-Braten" roch, glaubte ich zunächst, bie neueste Wildwest-Sensation der Bärenjagd vom Gießener Güterbahnhof nach Münchholzhausen werde da heruntergeschnurrt: ich sah schon tm Geiste auf der Lemwand bic fauchenden Loko­motiven, vor benen die Bärenbestie auscih. ben Eisenbahner, der nun wieder vor dem Meister Petz schnell Kehrt machte ich hätte es übrigens ebenso gemacht, dann ben entflohenen Ge­fangenen auf dem Trab nach Münchholzhausen zu, sein frühes Zubettgehen untenn Dusch, wenn andere Leute schassen wollen, bann bie auf feuri­gen Rosien dahinsprengenden D rfolger in Cowby-Aniform (Muster Teddy Rocsevelt) mit dem Lasso (bie Wäscheleine von Muttern! der Setzerlehrling) ufw. usw. Kurz unb gut, ich war auf bie neueste Sensation gefaßt. Aber ich wartete vergebens barauf. Es lief nur eine Re­klame, bie alleroings auch ganz originell war unb gern geschaut wurde. Den Baren läßt man sich dann wo anders aufbinben, oder man blnbet ihn selbst irgenbtoein auf.

Jedoch vom Schauen allein bekommt man keine Weihnachtsgeschenke für bie, benen man sie eben unweigerlich machen muß, wenn man nicht in Acht unb Bann getan werben will. » brau-- chen ja nur Kleinigkeiten zu sein", sagt bid liebe Stau. Aber biete Kleinigkeiten werben bann leicht so groß, baß man, wie mir neulich ein guter Bekannter unter resigniertem Lächeln erzählte, so­gar gezwungen werden kann, bei seiner Bant einen Pump zu einem halben Prozent bis zum Ersten aufzunehmen. 3a, so geht's uns armen Hausvätern! Aber dennoch, es ist nur einmal Weihnacht im Jahre, nur einmal diese starke Welle von schenksroher Liebe, nur einmal diese

zugrunve gelegen yave. un oerKreuzzeMmg" wird festgestellt, daß sich die neue Krise wieder zu einer Dauerkrise auswächst, und die Deutsche Zeitung" schreibt:Das sogen. Geieh zum Schuhe ber Republik verbietet es, über die Dereinbarung" ber Herren Ebect unb Marx cm Urteil zu fällen, das ben burch die neue Verzö­gerung gegebenen Tatbestand in seiner verhäng­nisvollen Bedeutung kennzeichnen würde."

DasbayerischeKontzordat

Die Annahme im Landtag gesichert.

München, 20. Dez. (TA.) Die Landes- shnode der evangelisch-lutherischen Kirche LeS rechtsrh.in schea D yrr-s nahm gestern nach ebg hen)er Au sprach: mit 71 geg n 19 Stimmen folgende Entschließung an:D:r Vertrag zw schen bem bayr sch n Staat und ber evang.-luth. K rche in D iyeon r .chtö des Rh.i s vom 15. Rovember 1924 wird genehmigt und im H nblick auf bie birin enth (t n n Rechts­sätze als Ganzes die G:setz2ssorm b schlossen. Ferner nahm die Synode e nstimmig zw i Ku.ad- gebungen an, in d:n:n zum Ausdruck kommt, daß von der W cd r inführung ein r geist­lichen Schulaufsicht oder von e ner Ver­letzung der D'amtm:echte des 2e'rerft'*1 ei keine Reve sein könne. Es wird die Aeber- zeugung ausgesprochen, daß b r Staat bei B - lang n der evang l schen K rch: in einer Wr sc entsprich , die dr Gleichberechtigung der christlichenKirchen entspricht. In der ge­strigen Rachmittagssihuna des Verfassungs- a u « I d) u l) « des Landt ags unt:rzog der sozialdemokratische Abg. H ö g n e r das Kon- torbvt noch einmal einer ergehenden K.'cku. Rach der Annahme der Vsträge durch die evang. ßx*nbc£f .n-.b: ist kaum mehr daran zu zw i rin, daß de K rchenverträge i.n Landtag e neMehr- heit finden werden.

Fechenbach begnadigt.

München. 19. Dez. (Korrespondenz Hoff­mann.) Amtlich. Vom Staatsministcrium der Justiz wurde die Siraftollstreckung gegen Müh­sam, Sauber. Karpf und Qlschcwska unterbrochen und'ihnen für den Rest der Strafen Bewährungsfrist bewilligt. sind dies die letzten Feftungsg fangenen der Räterepu­blik, die seit 1919 ununterbrochen in Festungs­haft sich befinden. Ferner ist Fechcnbach, G a r g a s und Lembke Bewährungs­frist für den Rest ihrer gleichzeitig gemilderten Strafen bewilligt worden. Bei dieser Begnadi­gung ging das Justizministerium von dem Ge­danken aus, daß die Schuld der drei Verurteilten nach dem Gutachten des Obersten Landesgerichts festgestellt, daß es aber angezeigt sei, die Strafe dem vom Reichsgericht in ähnlichen Fällen an­gewandten Strafmaß anzupafsen.

Bewährungssrift für Hitler und Kriebel.

München. 20. Dez. (T.A.) Das Oberste Landesgericht hat für Hitler und Kriebel Be­währungsfrist und Haftentlassung bewilligt. Für Dr. Weber wurde die Frage der Bewährungsfrist vorläufig bis zur Entschei­dung zurückgestellt, ob Die Voruntersuchung wegen der Fortführung des BundesOberland" zu einem Hauptverfahren führen wird.

Der Prozeß des Reichspräsidenten.

Plädoyers und Ltrafantrag.

D e r l i n, 19. Dez. (TA.) 3m Rothardt-Pro- zeh in Magdeburg stellte heute der Generalstaats­anwalt folgenden Strafantrag:Ich beantrage gegen den beklagten Röthardt zu erkennen auf eine Gefängnis st rafe von sechs Mona­ten, wovon der Rest von drei Monaten be­dingt ausgesetzt werden darf. Außerdem beantrage ich, die B e r ö f f c n t l i ch u n g des Arteils auszusprechen, und zwar die Derösfent- lichung In derMtteldeut chen Presse", Staßfurt, einer Berliner Zeitung und einer Magdeburger Heftung. Die Platten, die zur Herstellung des Artikels benutzt wurden, sind zu vernichte n.

Dem Strafantrag gingen die Plädoyers vor­aus, die u. a. folgendes feststellten:

Generalstaatsanwalt S t o r b weist darauf hin, daß die Staatsanwaltschaft auch die Ehre der Bürger zu schützen habe. Die Absicht der Deieidigung ergebe sich offenbar schon aus der ckleberschrift des Artikels ..Eine bittere Pille für Fritze Ebert." 3n dem Artikel bes Angeklagten wird von rot 'n B ibehofrn gesprochen, mit denen ber Reichspräsident angeblich in München be­grüßt werden soll. Das bezieht sich auf eine pho­tographische Aufnahme der Qlbgg. Ebert und Roske im Bade, das vor mehreren Jahren, sicher­lich gegen ihren Willen, veröffentlicht würbe. Jeder Mensch von guter Kinderstube habe da­mals diese taktlose Berösfentlichung als ein ge­fährliches Mittel im politischen K.mpf verurteilt. Wie man sonst auch zu der Person des Reichs­präsidenten stehen möge, bie geschmacklose Acuherung, mit ber ber Angeklagte auf biescs Bilb hinweist, stelle sicherlich Den Tatbestand der normalen Beleidigung bar. Dafür fei ber An­geklagte zu verurteilen. In dem Artikel handele cs sich aber auch um üble Rachreden, da bem Reichspräsidenten der Bvrwurf bes Lanbes- verrats gemacht werbe. Rach dem Ergebnis ber Beweisaufnahme kann festgestellt werden: Es ist nicht wahr, baß der Abg. Ebert Lanbesoerrat ge­trieben hat. Ihm habe auch keinerlei Handlung nachgewi.sen werben können, baß er sich irgenb- wie in Gegensatz gestellt hätte zu ben Zielen und Bestrebungen der damaligen Regierung.

Als Vertreter des RebcnilägerS des Reichs­präsidenten Ebert wies R.-A. Dr. Lanbsberg darauf hin, baß Ebert unb feine Partei während des Krieges den politischen und wirtschaftlichen Streik mit Schärfe bekämpft hätten. In seiner Rede im Treptower Park hätte Ebert bie Köpfe der Führer mit einem Sinn erfüllen wollen, der ihm bie Gewähr gab, baß ein derartiger Streik nicht wieder ausbrach. Rach dem Streik wären dieselben Männer, denen heute der Vorwurf bes Landesverrats gemacht wird, von ber kaiser­lichen Regierung mit Ministerposten bedacht wor­den. Jetzt nach 7 Jahren, werbe nun behauptet, bah jene Männer sich damals des Laiidesvcrrats