Ausgabe 
20.10.1924
 
Einzelbild herunterladen

nicht an alle Beamten: wir wallen nur Vie libe­ralen. nicht die konservativen, demokratischen und sozialistischen Beamten. Die Deutsche Bolkspartei will die Beschützerin des Derufsbe- amtentums sein: sie will lebenslängliche An­stellung. um die Beamten von der jeweils herr­schenden Regierung unabhängig zu machen. Bei Dem Lleberwuchern des Materialismus ist es gut, Daß es einen Stand gibt, der etwas seitabsteht Dom Erwerbsleben: es ist gut, wenn es Familien .gibt, die die gesicherte Existenz der Möglichkeit Des Dielverdienens vorziehen. Aus den Deamten- und Lehrerfamilien sind ja viele große Männer chervorgegan^en. Es ist im Interesse aller Volks­genossen, daß Rechtsverletzungen vom Beamten­tum abgewendet werden. Bei Besprechung des Beamtenabbaues erwähnt der Redner, daß Dia Deutsche Volkspartei die bessernde Hand an diese Mahregel gelegt hat und dah die erste Fraktionssitzung sich mit der Aenderung und der Abgrenzung des Abbaus beschäftigt hat.

Reichstagsabgeordne^ec Gramm spricht dann für den am Erscheinen verhinderten Abg. Hepp über das Thema:

Landwirtschaft und Deutsche Dollspartei"

Der Redner berührt in seinem Vortrag eine Reihe von Fragen, u. a. das Genossenschafts­wesen, die Kreditvrganisation, die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse, die Llrbarmachung Don Oedland, die Stsuernot, die Erzbergersche Steuerreform, den Schutzzoll usw. Er weist auf die verhältnismäßig niedrigen Viehpreise und die -hohen Schlachtpreise hin: man müsse sich fragen, wer sind die Verteuerer? Hierbei kämen die Städte mit ihren indirekten Steuern in Be­tracht. Die Stadt Berlin habe aus ihren Schlacht- Hofen in der Zeit von Januar bis Juni 420 Mil­lionen an Gebühren herausgezogen. Der Redner »empfiehlt in seinen weiteren Ausführungen die sFachschulbildung auf dem Lande, be- ffvnders auch für die weibliche Jugend, und die .Einrichtung von Dauernhochfchulen.

Landtagsabg. D i n g e t d e y sprächt dann über

die politische Lage in Hessen.

In der hessischen Politik der letzten 4 Jahre ver­mißt der Redner jeglichen leitenden Gedanken: »dies zeigten nicht allein die Taten, sondern auch tne wiederholten Krisen. Die Anschauungen der Koalition, so fährt der Redner fort, lassen sich auf den Renner der hessischen Demokrati­schen Partei bringen. Ein tieferer politischer Gedanke liegt dieser Partei nicht zugrunde, aber sie hat es verstanden, bei ihrer geringen Man­datsziffer sich zwei Sitze im Ministerium (Finanz- minister-ium und Landesbildungsamt) zu ver­schaffen und eine Llnzahl von Stellen im Lande mit ihren Anhängern zu besehen. (Sehr richtig!) Die Sozialisten haben eingewendet, daß die Stel- lenbesehung durch Republikaner in Preußen, noch stärker in die Erscheinung getreten sei, wie in Hessen. Das hessische Volk habe viel Geduld gezeigt, aber ein Gleiches hätte es nicht geduldet, darum war es ein Gebot der Klugheit, sich hier einige Beschränkung aufzuerlegen. Bei dem sozial­demokratischen Minister des Innern Dr. Fulda war das staatliche Pflichtgefühl so stark, daß er sich den Wünschen seiner Parteigenossen wider­setzte: er mußte deshalb seine Stellung ver­lassen. In Anbetracht der Tatsache, daß der wirtschaftlich wertvollste Teil des Landes beseht ist, wäre es eine Rotwendigbeit gewesen, eine Volksgemeinschaft herzustellen und ihre Arbeit unter staatliche Verantwortung zu stellen. Dm: Gang der Entwicklung war aber anders. DiL Sozialdemokratie Halle Furcht vor den älnab- h^rgigen und den Kommunisten und lehnte jede Zusammenarbeit mit allen bürgerlichen Parteien ab> Wenn man die Forderungen der D. Cßp' aus dem letzten Wahlergebnis, das eine Stärkung der bürgerlichen Elemente gebracht hat. erfüllt hälle, so wäre manche politische Schwierig­keit leichter zu beseitigen gewesen. Die Zentrums­fraktion war zu wiederholten Malen bestrebt ge­wesen, eine Erweiterung der Koalition herbeizuführen, aber es ist festzustellen, dah sie nicht für uns annehmbare Formen erreichen konnten.

Von allen Ereignissen der letzten Jahre ist der hessische Staat am härtesten betroffen wor­den.

besonders schwer waren die Auswirkungen der Steuern für Hessen^

ja geradezu lebensgefährlich. Wenn die Frage von uns im Landtag angeschnitten wurde, stellte sich Finanzminister Henrich stets an die Seite der Erzbergerschen Reformen. Ein einzelstaatlicher Minister, der nicht die Rotwendigkeit der Aen­derung dieses Systems einsieht, hat den Grund und den Kernpunkt seiner Tätigkeit verkannt. (Zu­stimmung.) Er muh dafür eintreten, dah die Steuerquellen seines Staates nicht verschüttet werden. Wiederholt haben wir im Landtag diese Dinge herausgestellt, aber kein Entgegenkommen gefunden. Wir verkennen die Schwierigkeiten des Ämbaues nicht, nachdem die Finanzverwaltung sich jahrelang auf dieses System eingestellt hat. Wir verlangen auch nicht die gleiche Schnelligkeit, mit der Erzberger das alte Finanzsystem zerschlagen hat. Die Gemeinden haben völlig verlernt, unter eigener Verantwortung zu wirtschaften. Wir haben darauf hingewiesen, dah die Gewerbesteuer und die landwirtschaftliche Grundsteuer nicht tragbar seien: der Finanzmini- ; ster hat unsere Anträge obgelehnt und die schär­feren Steuersätze eingesührt. Er hat jetzt eine

Stundung der Gewerbesteuer eintreten lassen, weil die Eingänge öen_ Staat in den Stand setzen, auf die Steuer zu verzichten. Es ist dies ein wirtschaftliches Unrecht. Richt Stundung der Steuer, sondern Abbau der Steuer ist au verlangen. Die unsinnigste aller Steuern ist die Son der st euer auf den Ge­bäudebesitz: sie ist in Hessen in einer Form durchgeführt worden, das alle Fehler in die Er­scheinung traten, wie kaum in einem anderen Land Wir haben versucht, durch Abänderungsanträge eine Verbesserung herbeizuführen. Die Koa­litionsparteien haben der Regierung die Verant­wortung zugeschoben, und auf Grund einer Bi>- ftimmung in der Dritten Steuernotverordnung ist dann die Steuer auf dem Wege der Verordnung eingesührt worden. Die Frage der Form und Art der Steuer wurde dadurch der Behandlung durch das Parlament entzogen. Die Regierung und auch die Koalition tragen in vollem Umfang die Verantwortung für die Ausprägung dieser Steuer.

Sine volle Aufwertung der Staatsanleihen läßt die Finanzlage nicht zu, aber wir sind der Auf­fassung, daß die erste freie Summe Verwendung finden must, zur Aufwertung,

Las ist eine sittliche Pflicht gegenüber dem Staatsbürger. Landtagsabg. Scholz hat einmal im

Landtag begründet, warum die V. Vp. Dem Mi­nisterium für Arbeit und Wirtschaft ablehnend gegenüberstehen muß: weil ein Mann an feiner Spitze steht, dessen Anschauungen Dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem entgegengesetzt sind, der sich nicht emseht für Handwerk. Gewerbe und Industrie, weil sein politisches Programm sich dem entg.genstellt. Wrr haben nicht bloß den Glaubet, sondern auch Tat­sachen, zahlreiche Beispiele beweisen dies.

Das Handwerk hat ost nicht die nölige Unter­stützung gefunden, auf Regiearbeiten will der Minister nicht verzichten. Kann die Land­wirtschaft von einem früheren Eererkschaftssetre- tär verlangen, daß er sich für Die Interessen Der Landwirtschaft einseht? Der Minister hat in Ber­lin gegen die Aufhebung der Zwangs­wirtschaft gestimmt. Wiederholt sind wir im Interesse b:r Kl änrentnerfürsorge beim Minister vorstellig geworden: unsere Anträge hatten aber keinen Erfolg.

Bei den Koalitionsverhandlungen ist die so­zialistische Forderung erfüllt worden, daß das Landesamt für das Dildungswesen dem Staatspräsidenten unmittelbar unterstellt worden ist.. Der Redner bespricht nun eingehend die Verhältnisse dieses Amtes, seine Personalpolitik, d.e Darauf h naus­geht. die Stellen mit Demokraten zu be­sehen. Ein Beschluß des Abbauausschusses auf Beseitigung von drei Rofwenten soll nux so aus- geführt werden, daß ausgerechnet Die Den Zen­trum und der Volks Partei angehörenden Mitglieder beseitigt werden sollen, nicht aber der der Demokratischen Partei angehörende Ober­regierungsrat Henrich. Ob es so kommt oder nicht, haben die Wähler mitzuentscheiden. Der Red­ner erwähnt noch die G e s i n n un g s s chn ü f f e- leiunter Dem Dea mtentum, das Hinein­tragen der Politik in die Schulen und wendet sich namentlich gegen die Erziehung nach Dem Wunsche einer gewissen Art von Pazifisten.

Was wir erstreben, ist nicht der Bürger- block, Den Abgeordneter Kaul an Die Wand gemalt hat: der Bürgerblock ist für uns nur eine Form der Koalition wie jede andere. Wir bertreten eine Politik, die maß­voll und national gerichtet ist, eine Politik, die sich entgegenstellt Den Predigern internatio­naler Gedanken. Die Erziehungsrezepte eines Quidde, Strecker, Keßler und Gerlach verwerfen wir und fordern die Hervorhebung der deutschen Gesinnung. (Langanhaltender lebhafter Beifall.)

Rach Absendung eines Telegramms an Den Reichsminister Des Auswärtigen, Dr. Strese- mann, schließt Der Parteitag mit dem Absingen des Deutschlandliedes.

Frankreich schützt immer noch die Separatisten.

München, 18. Oft. (WTB.) Auf eine par­lamentarische Anfrage teilt das Justizministerium mit, dah die Eingriffe der französischen Besatzungsbehörden in Strafver­folgungen und Strafvollstreckungen wegen g e- meiner Verbrechen und Vergehen ehemali­ger Separatisten trotz der Bemühungen der pfäl­zischen Justizbehörden noch nicht behoben seien. Die bayerische Regierung werde sich bei den demnächstigen Verhandlungen mit der Rhein­landkommission in K o b l e n z mit allem Nachdruck Dafür einsehen, daß die auf Der Londoner Konfe­renz gegebenen Zusicherungen freier un D un­behinderter Ausübung Der d eu t schen Gerichtsbarkeit im besetzten Gebiet auch in Der Pfalz restlos durchgeführt werden. Weiter teilt das Justizministerium mit, daß gegen Den LanDesverräter Matthes ein Haftbefehl erlassen worDen sei. Mathes soll sich zur Zeit in Der Schweiz auf halten; feine Auslieferung von Dort könne aber nicht erwirkt werben.

Kein deutscher Neparations- zeppelin sür Frankreich.

Berlin, 18. Oft. (TU.) DasJournale" hat kürzlich Die Mitteilung gemacht, Dah eine französische Luftschiffgesellschaft Den Bau von Zeppelinen für Den U e be r se e tr an s- Port erwogen habe unD Daß Die Absicht bestehe, das erste Luftschiff von DeutschlanD aus Repa- rationskvntv zu beziehen. Auf Diese Weise würDe die Aufrechterhaltung Der Zep- peli n we rf t in FrieDrichshafen auf weitere zwei Jahre gesichert fein. Wie Die Telegvaphen- Union erfährt, f st bei Den hiesigen amtlichen Stellen von einer Derartigen französischen Ab­sicht nichts bekannt.

Die englischen Wahlen.

London. 19. Oft. (TU.) Bisher sind 33 Kandidaten als für Das Unterhaus gewählt erklärt worden, Da in ihren Wahlfreien keine GegenkandiDaten au'gestellr wurxn. Don diesen 33 entfallen auf Die Konservativen 16, auf Die Liberalen 6, auf Die Arbeiter­partei 10. auf Die irischen Rationa­listen 1. Allgemein ist man D.t Ueberz u u g, daß sich Die Aussichten für Die Rcuwahlln im Verlauf Der letzten Woche für die konser­vative Partei ludxutend gebessert h den. Auch im konservativen Hauptquartier beurteilt man Die Lage viel zuv sichtlicher als im Vor­jahr, so verschiedene maßgebende Pe sönllchkellen sich über Die Wahr ch inlichk.it eine: W h.nie er­läge Durchaus klar waren. Das geringste, was man als wohnschllnlich betrachtet, ist ein konser­vativer Wahigewinn von 30 bis 40 S.tzen, wo­durch ein konservatives Kabinett mit Unterstützung Des rechtslibevalen Flügels mög­liche wäre.

Die Iraksrage.

London. 19. Ott. (TU.) Die türkische Re­gierung hat Dem englischen Geschäftsträger in Konstantinopel eine neue Rote übergeben. Darin wird mitgeteilt, daß infolge Des englischen Be­fehles zur einstweiligen Einstellung Der Feindseligkeiten Im Irak bis zur Entscheidung Durch den Völkerbund auch Die türkische Regierung einen ent­sprechenden Befehl an Den türk schen Ober- tommanDierenDen an Der Grenze gegeben habe. Fethi Bey unD Munir Bey. sowie ein mili­

tärischer Sachverständiger werden sich nach Genf begeben.

Wie die Pariser Abendblätter berichten, ist Die Lage im Irak nach wie vor sehr gespannt. So haben englische Flugzeuge ti. en Flug hinter Die türkische Front unternommen und Bomben abgeworfen. Ferner verbuchen D e Eng­länder, die im Irak aniäjigen Christen geg n Die Türken aufzuwiogeln, |o Dah auch das reli­giöse Moment zum politischen tritt. Heute ist Das Parlament von Angora neuerdings zusnm- mengetreten, wobei Mustafa Kemal eine wenig persöhnliche Rede hielt.

Das dritte Kabinett Branting.

Berlin, 18. Oft. (TU.) DerVorwärts" meldet aus Stockholm: Das neue Kabinett seht sich wie folgt zusammen: Ministerpräsident Bra n- ting. Inneres Möller (auch 'Soziales), Aeußeres Prof. Un den, Justiz R o t h in .Mi­litär H a n s s o n , Finanz T h o r s s o n , Handel Sandler, Verkehr L a r s s o n , Ackerbau Lin­ders, ohne Ressort Wigsors und Levin- s on. Prof. Unden ist Mitglied Der bisher von Branting geleiteten schwedischen Völkerbun D - abordnung. Möller und Hansson sind lei- tenDe Redakteure Des StockholmerSozialdemo­kraten". Thorsson war auch im früheren Kabinett Branting Finanzminister. Levinson war bisher Staatssekretär im Wehrministerium unD toirD Der Sprechminister in Den bevorstehenden Militär- Debatten sein. Alle Minister JinD bekannte Mitglieder Der sozialistischen Partei.

Aus aller Welt.

Die Beisetzung Anatole France'.

Paris, 18. Oft. (WB.) Die Leiche Anatole France ist heute mittag von der Villa Seid, in Der sie aufgebahrt war, nach Dem Quai Vol­taire übergeführt worden, wo sie am Fuße Der Statue von Voltaire vor Dem Institut de France auf einen Katafalk niedergeseht wurde. Hier fand gegen 2 Uhr nachmittags eine eindrucks­volle und schlichte Stauer feier in Anwesen­heit des Präsidenten Der Republik, Der Minister, der Präsidenten Der Kammer und des Senats, Der Mitglieder Der Akademie und des Diplomatischen Korps, unter De­nen man auch Den Deutschen Botschafter von Hoesch bemerkte, Der Vertreter Der Sor­bonne, alle wissenschaftlichen Vereine, Der Liga für Menschenrechte, der Sozialdemokratischen Par­tei und Der Gewerkschaften statt. Da die Beerdi­gung auf Staatskosten erfolgte, wurden Dem Dahingeschiedenen militärische Ehren er­wiesen. Infanterie und Kavallerie bildeten Spa­lier. Die polillschen Vereine waren mit ihren rillt Trauerflor versehenen Fahnen erschienen. Die Witwe Anatole Frances erschien am Arme des Ministerpräsidenten Herrio t, umgeben von den Mitgliedern Der Familie und Den Freunden des Verstorbenen, unter Denen man auch den ehemali­gen Ministerpräsidenten C a i l l a u x bemerkte.

Die Trauerfeier wurde mit einem Musikstück von Gluck eingeleitet, hierauf defilierten Kinder Der Volksschulen vor dem Katafalk. An erster Stelle ergriff alsdann Gabriel H a n v t a u x das Wort, um Anatole France als einen der Un­sterblichkeit Würdigen zu feiern. Rach ihm sprach Georg Lecomte, alsdann Prof. D. Basch. Der Präsident Der Kammer, Painleve, feierte als persönlicher Freund des Verstorbenen in erster Linie den Gelehrten, den französischen Schrift­steller, den Hüter der französischen Sprach». Er habe alles begriffen, was menschlich gewesen fei; nichts Schönes, nichts Anbetungswürdiges, keine Lehre, keine Philosophie habe bestanden, die nicht von ihm verehrt und geliebt werden sei. Es habe keine Blume der Zivilisation gegeben, Deren Duft er nicht angenommen hätte.

Aach diesem sprach I o u hau x dem Ver­storbenen Den Dank der organisierten Arbeiter für seine Sympathie und seine Hilfe aus: für Die sozialisti che Partei sprach Leon Blum. Zum Schluß hielt namens Der französischen Regierung Der Minister für den öffentlichen Unterricht Francois Albert die offi iel e Trauerred».Schlafe in Frieden, Anatolo F an e, Der Du einen symbolischen Ramen getrage i lat," so endete seine Rede,wie du es deinem QHeJter Renault versprochen hast; du hast alles, was schön und gut war, anqcb'tet. So lang» Die fran­zösische Sprache besteht, deren hetli.e Mester- werke in eine fremde Sp ach» faß unnögich ükeit- seht werd.'n kön en, tor.en Deine Büche.- in Den Händen Derer sein. Die die Menschlichkeit, Wahrheit und Schönheit in gleichst Weise verehren." Rach den Re.'en Defilierten Die Gin- geladenen vor bim Sarge, Der alsdann i.i ei cn schwarz verhangenen Leichenwagen über Lei Concordienplah am Triumphbogen vorb i nach dem Friedhof Reuilly üb rg führt wurde. Dort wurde die Leiche in Der Familieng orft bei-e'e.jt. Eine vieltausendköpfige Menschenmenge bildete aus Dem Wegs zum Friedh.f Spalier.

Dr. Faber

MagDeburg, 18. Oft. (TU.) Dr. Fiber, der Seniorchef D»rM agdeburgischen Zeitlin g, ist heute früh 9 Uhr gestorben. Er war Mitinhaber DerMagd'b irgischen Zeitung" in Magdeburg, ausgezeichnet durch reiche Bildung und Erfahrungen, die er sich zum Teil durch langjährigen Aufenthalt im Auslande erworben hatte 3m Vor stände des Vereins deut­scher Zeitungsverleger war er bereits seit jungen Tagen tätig, im Februar 1912 wurde er Vorsitzender des Zeitungsverlegerve.eins als Rachfolger Dr. Iaeneckes. Durch seine große Begabung und seine ideale Auffassung von Beruf unD Wirken des moDemen Zeitungsverlegers ist es möglich gewesen, daß Die ganze deutsche Zeitungswelt die Autorität des Vereins deutscher Zeitungsverleger anerkannte und sich fest geschlossen hinter seine Ziele stellte. Seiner Tatkraft und Umsicht ist es auch gelungen, Den Verein über Die harten Kriegs- und Rach- kriegsjahre geschlossener als je hinüberzuretten. GssunDheitsrücksichten zwangen Dr. Faber im Ok­tober 1921 das Amt des Vorsitzenden niederzu­legen. Einmütig ernannte ihn Der Vorstand zum Ehrenpräsidenten De8 Vereins.

Der preußische Ministerpräsident Braun richtete an Den Verein Deutscher Zei­tungsverleger folgenDes Telegramm: Anläßlich Des HinscheiDens Ihres um das gesamte Zei­tungsgewerbe hochverdienten EhrenvorsihenDen Dr. Faber spreche ich Ihnen namens Der preußischen Staatsregierung mein aufrichtiges Beileid aus.

Dr. Caener, Ehrenbürger von Ftensburg.

Flensburg, 18. Oft. (TU.) Die Vertre­tung Der Stadt Flensburg hat in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, Dem kühnen Führer Des Z. R. III, Dr. Eckener, Der ein gebürtiger Flensburger ist, das Chrenbürgerrecht Der Stadt zu verleihen. Die Rachricht wurde gestern auf radio-telegraphischem Wege Dr. Eckener zu­gleich mit Den herzlichsten Glückwünschen feiner Vaterstadt übermittelt.

Eine direkte Kabelberbindung DeutschlandAme­rika in Aussicht.

Re uhork, 18. OEt. (TU.) Der Vorstand des Ausfichtsrates der Kabel-Kompanie teilte in einer Sitzung dieser Gesellsch ist mit, daß Die Kabel-Kompanie mit Der Deutsch-Atlanti­schen Telegraphischen Ges ellschaf t einen Vertrag über Die Schaffung einer direkten Kabelverbindung zwischen Deutschland und Ame­rika abgeschlossen hat. Die enoenben Kabel beider Gesellschaften sollen auf Den Azor e n zusammen- gekoppelt werden.

Wettervoraussage.

Wolkig bis bedeckt, wenig veränderte Tem­peraturen, Winde aus westlicher Richtung, ein­zelne Regenfälle.

Mit dem östlichen Vordringen des neuen Rordmeer-Tiefs äst die kontinentale Hochdruck- Wetterlage, Die das trockene, ruhige Herbstwetter bei stärker wechselnden Tages- und Rachttempera- turen bedingt, zunächst beendet. Schon hat eine Regenfront uns erreicht. Bei stärkeier Bewölkung sind jetzt die Temperaturen ausgeglichen. Das Störungsgebiet scheint jedoch schnell nach Osten abzuziehen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, Den 20. Oft. 1924.

Volkshochschule Gießen.

Man schreibt uns: Die Volkshochschule Gie­ßen beginnt am Montag, Den 27. Oktober, ihr 12. Halbjahr. In den letzten Monaten hatte sich Der Verein Volkshochschule mit gutem Erfolg an seine Mitglieder gewandt unD Die grünDliche Vor­bereitung Des Winterhalbjahrs ermöglicht. So kann Die Volkshochschule mit ihrem Arbeitsplan, Der Der heutigen Stadtnummer beigelegt ist, sich wieder an weitere Kreise wenden. Bei dieser Gele­genheit ist ein Hinweis auf Die eigentlichen Schwie­rigkeiten Der Volkshochschularbeit angebracht. Die geistige Zerrissenheit unseres Volles, die von niemand bestritten wer.en kann, und Die sich auch in unserer Stadt auswirkt, stellt eine Einrichtung' wi^ die Volkshochschule vor ernste Ausgaben. Die Volkshochschule hat in den an sich bescheidenen Grenzen, innerhalb deren sie wirken kann, so viel wie möglich zu dem Reubau unseres geistigen Lebens und zu der Lieberwindung der Zetti sen-r heit beizutragen. Das kann aber nicht Dadurch geschehen. Daß die Atbitsgemsinschaf e.i Der Volkshochschule in schwächlicherNeutralität" an den gegenwärtig brennenden Fragen auf den verschiedenen Lebensgebieten vorbeischleschen und sich auf trockene llebermiittung von Wissensstoff ängstlich beschränken. Vielmehr greifen Hörer und Lehrer gemeinsam brennende Fragen auf. Erst dadurch können gegensätzliche Auffassungen in sachlicher Aussprache sich begeg­nen und einander kennen lernen. Dafür die Mög­lichkeit und die Grundlage zu bieten, ist eine wich­tige Angelegenheit Der Vollshochsch le Vorausset­zung aller ihrer Arbeit war und ist die, daß Gegensätze nicht 'totgeschwiegen, sondern aufge­griffen und 'in ihren Llrsac^n erforscht werden. Dieses Vorgehen Der Volkshochschule, von Dem sie nicht lassen darf, wenn sie sich nicht selbst aufgeben will, hat nicht immer Beifall 1 gefunden. Manche stille Gegnerschaft ist ihr Daraus erwachsen. Die Volkshochschule hat ihren Weg stets im Bewußt­sein ihrer Verantwortung gesucht. Auch im fommenDert Winter werDen wieder wichtige Ge­biete und brennende Frage Der Erkenntnis und des Lebens behandelt. Es ist nur zu wünschen, daß in Den einzelnen Arbeitsgemeinschaften Men­schen aus allen Kreisen Der hiesigen Bevölkerung sich zusammenfinDen. RiemanD lasse sich von Der Teilnahme abschrecken, wenn ihm Die in dein Ar­beitsplan angekündigten Arbeitsgemeinschaften und Die Inhaltsangaben etwas fremd und nicht ganz verständlich vorkommen sollten. Das ist gerade der Zweck der Vcl.shochschule besonders der Arbeitsgemeinschaften mit ihren Aussprachen, daß Die Teilnehmer in gemeinsamer Selbst arbeit auch über schwierige Gegenstände sich unterrichten und nachdenken. Auf Einzelheiten einzugehen, ist hier nicht möglich. Der Arbeitsplan enthält alles Wich­tige. Für jeden, der nähere Auskunft oder Rat ibaben möchte, steht die Geschäftsstelle in den Sprechstunden gern zur Verfügung. D.

Pflanzenpfleqe im Winter.

Die Pflege der Pflanzen im Winter ist schwie­riger als die im Sommer, weil das schwache Licht Die Tätigkeit Der Pflanze lähmt. Wo dennoch ein stärkeres Wachstum infolge hoher Zimmerwärme hervortritt, da geschieht es auf Kosten der Gesund­heit. Die Triebe werden lang und Dünn, Dio Blätter bleiben klein, Die Blüten farblos, unD ihre Dauer ist nur eine kurze. Ein Beispiel Dafür liefert uns Die chinesische Primel. Wer sie mit vollem Blütenschmuck ins Wohnzimmer stellt, too 12, 15 Grad und mehr Wärme am Fenster vor­handen sind, der sieht Die Blüten in kurzer Zeit verwelken. Richt zehn Tage Dauert Die Pracht Der Pflanze. Ist die Pr-imel Dagegen zwischen die Doppelfenster gekommen und so Der hohen Zim- merwärme entrückt, Dann erfreut sie Den Pfleger viele Wochen hindurch. Mit Der chinesischen Pri­mel in bezug auf Empfindlichkeit gleichstehend ist Das Alpenveilchen. Seine Blütenknospen, Die sich am Grund Der Knolle befinden, und auch Die halb­erwachsenen können kalte Zuglust durchaus nicht vertragen. Stellen wir ein blühendes Alpenveil­chen zwischen die Doppelfenster, so werden infolge Der Dort vorhandenen kalten Zugluft Die Knospen zu wachsen aufhören, und ihre Stiele abfauten oder ab trockn en. Das gleiche trifft häufig zu, wenn wir die Alpenveilchen im Wohnzimmer an Fenster stellen, deren Ritzen viel kalte Luft Durch­lässen. Die Chrysanthemen müssen auf jeden Fall aus den Wohnzimmern fort. Man schneidet Die Büsche dicht über Der Erde ab und läßt sie so im kühlen, aber fr ost freien Zimmer stehen. Im März erst werden sie wieDer herausgeholt, um aus den jungen Stieben, Die sich aus der Erde bilden, Stecklinge zu machen. Aengstliche Sorgfalt be­dürfen Die Kamelien und Azaleen. Ganz besonders Die ersteren. Sie sind Die Schmerzenskinder des Blumenfreundes und können ihm so manche Hoff­nung durch das fatale Abwerfen Der Knospen