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Wahrscheinlicher ist, daß Me gruavlegen-en Vor­bereitungen hinsichtlich der Form und de« Charak- ters des deutschen Zulassungsantrages zum Völ­kerbund noch mehr als ein Vierteljahr in Anspruch nehmen werden.

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Ser Vorwärts meldet aus Genf, daß der norwegische Dölkerbundsdelegierte Hansen sich seit Donnerstag in Sigmaringen befindet, um mit Reichskanzler Marx die Frage des Ein­tritts Deutschlands in den Völkerbund zu be­sprechen.

Deutsch-russische Besprechungen über den Völkerbund.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 20. Sept. (Drahtmeldung.) Die Moskauer Sowjetregierung hat den deutschen Botschafter Graf Drockdorff wissen lassen, daß ihr viel daran gelegen sei, baldigst über die Absichten der deutschen Reichsregierung in bezug auf den Eintritt in den Völkerbund und die zu st eilenden Vorbedingung en informiert zu werden, und dah sie zu diesem Zwecke in Ber­lin direkte Besprechungen mit dem Auswärtigen Amt zu eröffnen wünsche. Sie hat dabm keinen Zweifel darüber gelassen, dah sie an sic^ geneigt wäre, sich wenigstens durch die Entsendung eine« Beobachters nach amerikanischem Vorbild an den Beratungen zu beteiligen, dah aber neuerdings die Haltung des Völkerbundes in der georgischen Frage eine völlig ab­lehnende Stellungnahme der russischen Regie­rung erforderlich zu machen scheine. Es wird dabei versichert, dah Ruhland für den Fall, dah Deutschland in absehbarer Zeit Schritte für den Eintritt tun wolle, mit Berufung auf das deutsch-russische Freundschaftsver­hältnis bindende Zusicherungen zu erlangen wünsche, dah eine etwaige deutsche Dele­gation im Völkerbünde niemals solchen Mah­nahmen zustimmen werde, welche direkt oder in­direkt eine Einmischung in die inneren Verhältnisse Rußlands bedeuten würden. Mit der Eröffnung der Besprechungen ist alsbald nach der Rückkehr des Reichskanzlers und des Reichs«uhenministers zu rechnen.

k Saarfragen Y vor dem Völkerbund.

Genf, 19. Sept. (WTB.) Eine Reihe von Saarfragen standen auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Völkerbundvates. Kerne Frage wurde im Sinne der deutschen Wünsche gelöst. Zu der wichtigen Foage des Ausbaues der lokalen Gendarmerie und der Abschaffung der französischen Besatzung gab der Berichterstatter Salandra zunächst einen Aeberblick über die deutschen Beschwerden, wonach die Fortdauer der französischen Besatzung dem Versailler Vertra-ge wider­spreche und die künftige Volksabstimmung ge­fährde. Die Regierungskommrssion behauptet, so­lange nicht 3000 Gendarmen im Sacwgebiet vor­handen seien, könne man zur Aufrechterhaltung der Ordnung die französischen Truppen nicht entbehren.

Die Frage der französischen Kontrolle der Einfuhr deutscher Waren in das Saargebiet war ebenfalls durch eine deutsche Rote aufgeworfen worden. Die deutsche Regierung steht aus dem Standpunkt, dah bis zum 10. Januar 1925 die d^ttschen Waren ohne Einschränkung zollfrei für den lokalen Verbrauch ein geführt werden Ennen und dah die Kon- tfisgentterungS- lyrb Einschränkungsmahnahmen dem Friedens vertrag widersprechen. Die Regie­rungskommiss ion erklärt, dah die Kontingen­tierung auf Grund der Derbrauchsziffern der vorhergehenden Jahve notwendig sei, weil damit die Anhäufung von deutschen Waren im Saar- gebiet, die über die gegenwärtigen Verbrauchs - bedürfnisse hinausgehen und die im Vertrag vor­gesehene Unterordnung des Saargebietes unter das französische Zollsystem beeinträchtigen, ver­hindert werden müssen. Salandra schlug vor, dah die Regierungskommissivn die Bestimmungen über die zollfteie Einfuhr deutscher Waren bis zum 10. Januar 1925 die weitherzigste Auslegung geben möge.

Der Rat nahm diesen Antrag an.

Die Frage der französischen Schulen im Saargebiet ging auf eine deutsche Rote zurück, die fordert, dah die französischen Schulen nur für die französischen Kinder zugänglich sein, aber nichtein Instrumentder fran­zösischen Propaganda für die deutschen Kmder sein dürfte.

Die Frage wurde auf die nächste Tagung des Vollerbundsrates im Januar verschoben.

Die Freilassung der Gefangenen. Neue Instruktionen an den Botschafter von Hoesch.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 20. Sept. (Dvahtmeldung.) Der deutsche Botschafter in Paris von Hoesch weilt meser Tage in Berlin, um der Reichsregierung Bericht zu erstatten über die Schritte, die er M der französischen Regierung in der Frage der Befreiung der Gefangenen und der Rückkehr der Ausgewiesenen unternom­men hat. Die Fortschritte, die bei den Kob len- o^r Verhandlungen in dieser Frage ge­macht werden, sind immer noch sehr gering. Die französischen Delegierten machen offenbar ihr Ent­gegenkommen in der Befreiung der Gefangenen von deutschen Zugeständnissen in wirtschaftlichen und verwaltunas- technischcn Mahnahmen ab häng ia. Je­desmal wenn von deutscher- Seite ein Zugeständ­nis m beäug auf den Räumungstermin Lev Recr'e- bahn und in bezug auf Zollfragen gemacht wor- den ist, werden er n i ge G e f a n g e ne freige- 1S!f bvt genaue Zahl der Gefangenen

und Angewiesenen ist Sicherheit nicht zu er­wägen. Tie Reichsregierung hat nun den Bot­schafter von Hoesch angewiesen, in Paris drino- lich zu betonen, dah Deutschland die Personen der Gefangenen und der Ausgewiesenen nicht zum Gegenstand von Kuhhandelsgeschäften machen könne und dah man von der französischen Regie­rung erwarte, dah endlichin dieser Frage reiner Tisch gemacht werde. Man hatte in Paris dem Botschafter erwidert, dah erst nähere Bericht' aus Koblenz abgewartet werden mühten, bevor weitere Schritte getan werden könnten. Der Bot­schafter hat nun von der Reichsregierung die Unterlagen bekommen, die ihn in Stand setzen, in Paris die Sabotage de r fra nz ö s i s che n Delegierten in Koblenz nachzuweisen. Der

rvopchafter wrrd oemnächii wtever nach PariL gehen und von dem Erfolg seines Schrittes wird unter anderem auch die Stellungnahme der Reichsregierung zur Dölkerbunds- frage abhingen.

Deutsch-englische Handels- vertragsverhandlungen.

London, 19. Sept. (Wolff.) Reuter mel­det, die Frage des -Abschlusses eines -englisch- deutschen Handelsvertrages sei kürzlich von der britischen Regierung in Erwägung gezogen wor­den. Bekanntlich habe Gvoßbrttaniien geneinsam mit den Alliierten aus Grund des Versailler Vertrages d^tscherseits die Behandlung als meistbegünstigte Ration erhalten. Die e Bestimmung würde aber binnen kurzem au- her Kraft treten. Die verschiedenen 'Beteilig­ten würden über die Bedingungen des Handels neue Abmachungen zu treffen haben. Die bri­tische Regierung habe keinen endgültigen Ver­tragsentwurf aufgestellt. Es seien aber durch die britische Botschaft in Berlin versuchsweise gewi se Vorschläge gemacht worden, diese würden durch direkte Besprechungen ergänzt werden, die, wie man erwartet, im Laufe der nächsten Woche in Berlin stattfinden würden. Für diesen Zweck würden binnen kurzem Sachverständige des britischen Schatzamtes von London nach Berlin abreisen. Ihre Arbeit würde lediglich vorbe­reitender Art sein, um den Weg für den Abschluß eines endgültigen Vertrages zu einem späteren Zeitpunkt vorzudereiten.

Die deutsche Nachzahlung für die Besatzungsarmee.

(Eigener Informationsdienst.)

'Berlin. 20. Sept. (Drahtmeldung.) Seit etwa drei Wochen tagt in Paris eine deutsch- französische Kommission, die die deutsche Rach-- Zahlung für die Desahungsarmee regeln soll. Die Auffassungen der äln ter Händler ging bisher wert auseinander, weil von. französischer Seite Sum­men gefordert wurden, die in ferner Weise in den tatsächlichen Verhältnissen begründet stnd und von deutscher Seite nicht bewältigt werden können. Erst in den letzten Tagen hat man sich in ge­wissen Punkten geeinigt. Man hofft in politischen Kreisen die Verhandlungen Anfang der nächsten Woche zum Abschluß bringen zi können.

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Die Freilassung Hitlers.

Wahrscheinlichkeit der Landesverweisung. (Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 20. Sept. (Drahtmeldung.) In­nerhalb der bayerischen Regierung hatten bis in die letzten Tage hinein Meinungsverschieden>- heiten bestanden, wie man es am 1. Oktober mit der Freilassung Hitlers, halten solle. Eine Anul- lierung der vom Gericht bewilligten B e Wäh­rungsfrist schien nicht in Frage zu komi- men, andernfalls war zweifelhaft, ob Hitler bei der Freilassung am 1. Oktober des Landes verwiesen werden solle oder nicht. Die Ver­haftungen völkischer Führer in Mün­chen haben nun die Diskussion über diese Frage in ein anderes Fahrwasser gebracht und die Befürworter der Landesverweisung haben auch diejenigen Kreise umzustimmen vermocht, die bis­her von einem Verbleiben Hitlers im Lande keine ernstlichen Gefahven für die Ruhe und Sicherheit mehr befürchteten. Allerdings wird man erst das Resultat der Voruntersuchung gegen die verhafteten Führer des Frontringes" abwarten, pebor man endgültige Beschlüsse faßt. Sollte jedoch das Material dafür sprechen, daß ein neues älmsichgreifen der Putschbe­strebungen von dem Eingreifen Hitlers zu be­fürchten wäre, so würde mit der Auswei­sung Hitlers sicher zu rechnen sein.

Zur Schulreform.

Wie viele andere große Organisationen hat sich auch der Verband verdeutschen Hoch- schulen in einer eingehenden Denkschrift gegen die Bölihsche Schulreform in Preußen erklärt. Die Vertreter der Universitäten und Technischen Hoch­schulen liefern den Rachweis, daß durch die vor­eilig eingeführten Reuerungen die Verschie­denartigkeit der höheren Schulen gesteigert, die Berufswahl in ein zu frühes Lebens­alter gesetzt und die V o r b i l d u n g für die Hoch­schulen in verhängnisvoller Weise gemindert wird. Statt künstlich geförderter Differenzierung der Schulen fordern sie ihre Angleichung an­einander auf-der Grundlage der für alle höheren Studien ganz unerläßlichen Fächer Mathema­tik, Englisch, Latein. Auf dem Latein bauen sich alle romanischen Sprachen, Franzö­sisch, Italienisch, Spanisch auf; Englisch ist die erste Weltsprache, und Mathematik die Grund­lage aller Naturwissenschaften und Technik. Auf der Oberstufe mögen die höheren Schulen dann in den bekannten drei Richtungen stärker auseinan­der gehen, mehr die klassischen Sprachen oder die neueren, oder Mathematik oder Raturwissen­schaften pflegen. Die Vertreter der Hochschulen for­dern die Erziehung zu harter geistiger Arbeit und betonen die entscheidende Bedeu­tung der Lehrerbildung.

Vor dem Ende des Personal­abbaues.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 20. Sept. (Drahtmeldung.) Die von den verschiedensten Parteien eingebrachten Anträge, den Personalabbau zu beendigen, konn­ten in der letzten Reichstagssihung wegen der fo- zialdemokrattschen Obstruktion nicht mehr verab­schiedet werden. Der Reichstag wird sich nun­mehr bald nach seinem Wiederzusammeintritt aufs neue mit diesen Anträgen beschäftigen, und in parlamentarischen Kreisen wird allgemein damit gerechnet, daß die Anträge eine große Mehr­heit finden und daß demnach das Ende des Personalabbaues unmittelbar bevorsteht.

Zur Pensionierung Scheidemanns.

Kassel, 19. Se t -W'lft.) Dis städtische Rachrichienamt teilt mit: In der Magistratssitzung vom 15. September sind die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung aus Versetzung des Oberbürgermeisters Scheidemann und des Stadtrats Rosenstock in den einstweiligen Ruhestand gemäß § 88 der Städteordnung a l s ungesetzlich beanstandet worien, weil sie gegen Sinn und Zweck der Abbauver- vrdnung und auch gegen ausdrückliche Be­stimmungen derselben verstoßen^

Dor der Einnahme Schanghais.

R eu h v r k, 19. Sept. (Funkspruch.) Rach Mel­dungen aus Schanghai sind die Reihen der Tsche- kiang-Truppen, die Schanghai gegen die aniü(Sen­den Kiangsu-Truppen verteidigen, heute nachmit­tag ins Wanken geraten unb haben den Rück­zug aufdieStadt vorbereitet. In den Außen­bezirken der Stadt herrscht große Anruhe.

Der Militärgouverneur von Tschekiang, L u - Bung-Shiang, hat bekanntgegeben, dah er die Linie HwangtschauLiuho halten und fein Hauptquartier im Arsenal von Lunghua aufschla­gen werde. Bei Hwangtschau und Liuho haben ernste Kämpfe stattgefunden. General Sun- t s ch u n g f a, Militärgouverneur von Fukien und Anhänger von Wupeifu, marschiert von Süden her gegen Hwangtschau. Man erwartet, daß er die Stadt heute oder morgen besetzt.

Der französische Generalkonsul in Schanghai hat an 60 r u s s i s ch e K a d e 11 e n, die in der französischen Zone aufgestellt worden sind und früher gegen d i e Bolschewisten in Si­birien kämpften, Gewehre, Munition und Hand­granaten verteilt. Eine Qlielbung aus Mulden be­sagt, dah sich auf einen Freiwilligenaufruf des Marschalls Tschangsolin hin 500 Russen gemeldet hätten.

Aus aller Welt.

Verschiebung der Uebersahrt des Zeppelin.

Wie die Blätter aus Friedrichshafen melden, lassen sich die technischen Schwierigkeiten, die sich nach den letzten Fahrten des Z. R. III ergaben, allem Anschein nach nicht so schnell lösen, als man erwartete. Diese Schwierigkeiten machten es fraglich, ob noch in diesem oder nächstem Monat die Aeberfghrt nach Amerika angetreten werden kann. Man will wissen, dah die Amerikafahrt erst im Dezember stattfinde.

Geldschwierigkeiten der MaScagnl-Festspiele.

Rach einer Meldung desDerl. Dagebl." sind die finanziellen Schwierigkeiten des unter der künstlerischen Leitung Mascagnis stehenden Aida-Gastspiele in Berlin so groh ge­worden, dah die Fortführung des Unternehmens in der bisherigen Form als unmöglich gelten muh. Auf Veranlassung des Präsidenten der Dühnengenossenschast Wallauer sind Verhandlun­gen eingeleitet worden, die eine Aebersisdelung des Gastspiels ins Gröhe Schauspielhaus zum Ziele haben.

Schadenfeuer bei Wien.

Wien, 19. Sept. (WTD.) In den frühcm Morgenstunden ist in der nahen Khunerolfabnk ein Oelmagazin m Brand geraten. Die Ausdehnung des Feuers auf die Gesamt - fabrik konnte nur mit Mühe verhindert werden. Der Schaden ist bedeutend,' doch kann der Betrieb aufrechterhalten werden.

Sturm an der westdänischen Küste.

An der Westküste Jütlands wütete ein furcht­barer Orkan. Qln dem dänischen Hasen Esb- jerg stteg das Wasser zur Flutzeit 1 20 Meter über Rorrnal. Die im Wasser liegenden Schiffe sind infolge deS hohen Wasse^tandes ver­hindert, Ladung zu löschen oder einzunehmen. Es befinden sich 20 Fischkutter auf See, wovon 10 seit dem testen Sturm noch nicht zurück- gekehrt sind.

Reue Ausgrabungen in Aegypten.

Der Reuterkorrespondent in Kairo erfährt von zuständiger Sette, dah bei der Stufen- phramide von Sakkara zwei Grab­gewölbe entdeckt worden sind, die aus der dritten Dynastie stammen und archäologisch von großer Bedeutung sind, da sie interessante Ausschlüsse über die Frühzeit der ägyptischen Architektur bieten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 20. Sept. 1924.

Unsere Uhren.

Ich denke hier nicht an die mehr oder we­niger niedlichen Chronometer, die man in der Westentasche oder am Armband mit sich herum­schleppt, sofern nicht etwa ein Abstecher zumVer­sah", der ja auch bei diesem oder jenen mal Vorkommen soll, eine Trennung herbe'igesührt hat. Meine Gedanken sind auch nicht bei den größeren Zwiebeln", die sich daheim an der Wand oder als Rausschmeißer aus dem Rachttisch befinden. Mich beschäftigen heute nur die öffentlichen -U hren. Diese sollen bekanntlich, so nimmt der Bürger allgemein an, den Strahenpassanten stets die genaue Zeit verkünden, damit er daran erkenne, ob er auf dem Wege zum Dienst, zur Bahn, zum Gerichtstermin, zur Zwangs­versteigerung, zum Stelldichein oder zu sonst etwas sich sputen muh, oder ob er ein gemütliches Schlendertempo sich leisten kann. Die Meinung des Bürgers wird aber nach meinen Beobach­tungen von den Ähren beileibe nicht etwa von ihren Besorgern oder Eigentümern! nur als Theorie betrachtet, die man in der Praris ja nicht zu befolgen brauchte. Jede Ahr wahrt deshalb ihre Selbständigkeit, sie ^verkündet ihre eigenegenaue Zeit. I ch finde, dah das ni ch t in der Ordnung und auch nicht schön von den Ähren ist. Sie bringen damit nicht nur ihre natürlich ganz unschuldigen Eigentümer oder Fürsorger in eine mißliche Lage gegenüber ihren Mitbürgern, die ob dieser Derschiedenarttg- teit dergenauen Zett natürlich wenig erbaut} sind, sondern sie zwingen auch den Bürgers­mann zu der Ansicht, daß diese Anterschiedlichkett nicht zum Lobsingen, sondern ganz einfach zum Heulen ist. In diesen heulenden Chorus stimme ich aus vollem Herzen mit ein, denn auch ich bin von dieserSelbständigkeit" unserer öffent­lichen Ähren schon mehrmals schwer geuzt wor­den. Ich bin immer stark beschäftigt und deshalb gezwungen, überall die letzte Minute aus­zunutzen. Wollte ich beispielsweise zur Dahn, so stellten mich die öffentlichen Ähren, so lange sie mein Vertrauen noch besahen, immer schwer unter Druck. Die eine trieb mich zur höchsten Eile, die andere hieß mich bedächtig gehen, dann kam wieder so einHetzhund", und als ich am Bahn­hof anlangte, erkannte ich, daß mir noch reichlich Zeit bis zur Abfahrt des Zuges verblieb. Das ging so verschiedenemal, dann habe i ch für meine Person den öffentlichen Ähren ein stram­mes Mißtrauensvotum erteilt, welches freilich ohne die üblichen Rücktrittsfolgen geblie­ben ist. Dah ich mit meiner Ablehrning dieser unzuverlässigen Ahren-Regierung nach wie vor völlig im Recht bin, wurde mit gestern durch

ine Stadtkirchen-Ahr erneut bewiesen. In ge­treuer Befolgung meiner neuen Stellungnahme beacht^e ich dieses Zifierblatt nicht, bah erstaunt war ich aber, als die Glocke mit ihren weithin hörbaren Tönen eine Zeit verkündete, die mit meinem nach der Dahnhofsuhr gerichteten, Taschen-Chronvmeter stark in Widerspruch stand. Weitere Beobachtung ergab, daß sich die Stadt- kttcyen-Ahr nicht der Besorger! dasnieb- W Scherzchen" leistete, beispielsweise richtig 10,18 Ahr am Zifferblatt anzuzeigen und falsch 10 Ahr zu sch lagen. Das ging so den ganzen Vormittag über. Wer sich da nun, ohne aufzublicken, auf den Glockenschlag Der- taffen hatte und dem Zuge oder einer sonsti­gen wichtigen Angelegenheit zustrebte, der mag wohl sehr wenig erbaut gewesen fein, als er hinter die Bescherung kam. Ich vermute, daß da mein Mihtrauensstandpuntt gegen die Strahen- uhren wohl manchen Anhänger bekommen hock. Wollte ich meinen hochachtungsvollen Respekt vor dem Strafgesetzbuch verleugnen, so würde ich sagen: meinetwegen können die öffentlichen Ähren gestohlen werden. Ich will aber an meinem Standpunkt festhalten und deshalb will ich die Ähren anderen Leuten erhalten wis­sen, so lange diese selbst nichts dagegen; haben. Rur möchte ich in deren Interesse wün­schen, daß der Ahrengesellschaft möglichst bald die hartnäckige Steigung zur Cigenbrödelei aus- getrieben und sie toieöer zu der guten deut­schen Ordnung zurückgeführt werde. Wenn das gelungen ist, werde ich mit ihnen vielleicht auch wieder Frieden schließen. Teddy.

Unser neuer Roman.

In unserem heutigen Blatte beginnen wir mit dem Abdruck des neuen Romans. Die Er­zählung ist geschickt geformt und von ständig wachsender Spannung erfüllt. Die Verfolgung des Kriminalfalles, um den sich das Ganze dreht, bringt viele abwechslungsreiche Bilder, denen das Interesse unserer Leser bis zum Schluß zuge­wandt bleiben wird.

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Die Nerchs-Tcuerungsziffer.

Die Reichsindexziffer für diÄ Lebenshaltung (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung) für Mittwoch, den 17. September, ist nach den Feststellungen des Stattstischen Reichs­amts gegenüber der Vorwoche unveränderte geblieben. Sie beträgt das l,16billionenfache.

Tagung der hessischen membebeamten. Die Eewe'kchaft der hes fischen Gemeindrbeamten hielt dieser Tage tz Offenbach eine aus ganz Hessen stark besuchte Ver sammlung ab, auf deren Tagesordnung al Hauptpunkt stand:Die Angriffe auf die De amtenbesoldung und die Rechtsverhältnisse de Gemeindebeamten". Die Verhandlungen fanbei ihren Riederschlag in einer Entschließung, in ds es heißt: Die ©emeinbebemntentxTfa mmlun(

Gießener Wochenmarktpreise

am 20. September 1924 (Händlerpreise).

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfd. 2.20 bis 2.30 Mk., Matte Pfd. 35 Pf. Käse Pfd. 55 bis 65 Pf., Eier Stück 16 bis 17 Pf.. Wirsing Pfd. 12 Pf., Weißkraut 8 bis 10 Pf., Dotkraut Pfd. 12 bis 15 Pf., gelbe Rüben Pfd. 8 bis 10 Pf., rote Rüben Pfd. 12 Pf., Spinat Pfd 70 Pf., Römischkohl Pfd. 10 Pf., Bohnen Pfd. 2A bis 25 Pf Blumenkohl Stück 20 bis 150 Pf Salat Stück 10 Pf., Salatgurken Stück 10 bis 50 Pf., Einmachgurken Stück 3 Pf., Endivien Stück 15 bis 20 Pf., Ober-Kohlrabi Stück 5 bis 10 Pf, Anter-Kohlrabi Pfd. 6 Pf., Tomaten Pfd. 20 bis 30 Pf., Zwiebeln Pfd. 15 bis 20 Pf., Lauch Stück 5 bis 15 Pf., Rettich Stück 10 Pf., Meerrettich Pfd. 50 bis 100 Pf., Sellerie Stück 10 bis 40 Pf Kürbis Pfd. 8 Pf., Pilze Pfd. 15 Pf., Kartoffeln Pfd. 5 Pf., Falläpfel Pfd. 3 bis 5 Pf., Aepfel Pfd. 6 bis 20 Pf., Dirnen Pfd. 8 bis 15 Pf Drvmbeeren Pfd. 40 Pf., Preiheldeeren Pfd 80 Pf., Zwetschen Pfd. 10 biS 12 Pf., MirabÄen Pfd. 25 Pf., junge Hahnen Pfd. 90 Pf., Suppen­hühner Pfd. 80 Pf., Gänse Pfd. 100 Pf., Rüsse Pfd. 45 bis 50 Pf. ' "

3s

Bornotizen.

. Tageskalender für Samstag: Reichsbund der Zivildienstberechtigten 8V2 Ahr: Monatsversammlung in derStadt Lich". Dachem-Vevein, 9 Ahr Versammlung im Schipka- pafl. Davaria, 81/2 Ahr Generalversamm­lung. Kavallerie-Verein Monatsversammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Jackie, der Lausbub". Hessische Dilderbühne:Horrido!"- Astoria-Lichtspiele:Brigantenliebe".

Tageskalender für Sonntag: Gießener Radfahrer-Verein 1885, 3 Ahr nachm. Vereinsfahren. Ruderklub Hassia, 21/» Ahr nachm. Vereinsregatta. Rudergesellschaft Gie­ßen, 3 Ahr nachm. Vereinsregatta. M. T. V. 8V2 Ahr vorm. in der Oberrealschule Vereins- Wetturnen. Leibdragoner, 3 Ahr nachm. Gene­ralversammlung bei Kobel. Dienenzüchterve» ein Gießen und Amgegend 3 Ahr nachm. Ve» sammlung bei Kraft. Dt. u. Oest. Alp.-Verein. Sekt. Gießen, 8.16 Ahr: Wanderung. Chor- VereinigungArminius" Konzert nachm. 4 Ahr im Kathol.schen Vercinshaus. Lichtspielhäuse, wie Samstag.

Dlachelta - Dolksspiele. Dil Spiele,bie wegen Erkrankung eines Spielers zu­nächst abgesagt werden muhten, finden nun an: Montag und Dienstag kommender Woche statt Am ersten Abend wirdDoktor Faust" gegeben am zweiten gelangtDer Diener zweier Herren? zur Aufführung. Wie der Gießener Iugendrin« uns schreibt, war grundlegend für die Auswahl der Sttrcke der geistige Inhalt, wie er sich in mit* telalterlichen Spielen und in den Märchen am klarsten ausdrückt. Als Ausdrucksmittel wird de> Gleichklang von Farbe, Linie und Wort erstrebt Das Ziel ist, die Gesamthandlung zu einem ein« heitlichen, gerundeten, klaren Dilde zusammenzu« fassen. Die Volkshochschule empfiehlt ihren Mid gliedern den Besuch der Spiele. (Siehe heutig, Anzeige.)

Wettervoraussage.

Bewölkt, südliche bis westliche Winde, warm mit Regenfällen ist zu rechnen.

Roch Abzug des Hochdruckgebiets rückt dal Tief stark nach Südosten gegen den Kontinent vor Wir durften morgen bereits unter dem Einflus seiner S-idseite trübes, regnerisches Wetter be kommen.