König hat Widder mal 'ne gewaltige Schlacht geschlagen . .
Plumps — fiel die Kanne in Scherben. Lind Frau Beate wandte sich um, zitternd vor Erregung. „Mujante, das sagt Ihr zuletzt? Hat der König gesiegt? Wo war die Schlacht? So red't doch . . . red't doch. .
„Oh je . . . je . . . das scheene Warmbier...“
„Kriegt anderes, Al e. Ein Schmeerbrvt dazu. Aber so red't doch!"
„Je ... je. . . mächtig hat er gesiegt, der Herr König. Je... wo is denn gleich gewest? Llnse Herr Pforr* hat's mir doch verzellt . . . da hinten in Sachse . . . wo is denn man bloß gewest ... jao... ein Schmeerbrot Han d> gnädige Fru gesagt . .
„Mosunte, besinnt Euch!"
„Jesses! Je ses! Mein oller Kopp, der will nich mehr. Aberscht, ich hab' ja doch die Zeitung vor den gnä'gen Herrn in Leichholz in der Kiepe —"
Llmständlich fing sie zu kramen an. So langsam, dah Frau Beate es nicht ertragen konnte. Griff selber zu. Die Zeitung! Seit die Russen dagewesen, hielt der Herr Vater keine Gazette mehr, wollte knapsen und knapsen, wollt' auch nichts mehr wissen von der Welt da draußen —
Da war's endlich. In ein Tüchlein eingeschlagen, die Post für Leichholz. Ein Brief zuerst. Ein kleiner Brief, dem man's ansah, das; er weit gewandert war. Mit zierlicher Aufschrift: .Monsieur le Baron de Lasow. . .'
Das Lvttchen! Also sucht sie dennoch zerschnittene Fäden wieder zu knüpfen... das Lottchen. . .
(Fortsetzung folgt.)
Ministerrat in Paris.
Paris, 19. Aug. (WTD.) Lieber den heutigen Ministerrat wurde der folgende amtliche Bericht ausgegeben:
„Die Minister sind heute vormittag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik im Elhsöe zusammengetreten. Der Ministerrat war gänzlich den Ausführungen gewidmet, die Herr io t über verschiedene Puntte der Londoner Abmachungen gemacht hat. Die Minister haben das Werk der französischen Delegierten auf der Londoner Konferenz einmütig gebilligt und ihnen für die bedeutsamen Ergebnisse gedankt, die sie im Interesse Frankreichs erreicht haben. Es wurde beschlossen, dah der Ministerpräsident am Donnerstag dieser Woche in Kammer und Senat eine Erklärung verlesen wird, die einen völligen Lleberblick über die Ergebnisse der Konferenz enthält."
Rach Beendigung des Ministerrats erklärte H e r r i o 1 Pressevertretern gegenüber, dah, er die ministerielle Erklärung persönlich in Kammer und Senat verlesen werde. Während der Verlesung im Senat werde die Kammer die Sitzung unterbrechen. Rach einer Erklärung des Ministers des Innern hat Herriot nicht die Absicht, vor den Kammer- und Senats» kommissronen für die Finanzen und auswärtige Angelegenheiten zu erscheinen.
Frankreichs Vertreter in den Dawesorganisationen.
P aris, 20. Aug. Dem „Echo de Paris" wird aus London gemeldet: Es werde dort erklärt, dah Frankreich bei der Organisation der von dem Sachverständigenplan vorgesehenen Organisationen vertreten sein werde im Aufsichtsrat der Reichsbank durch den ehemaligen Llnter- staatssekretär des Finanzministeriums und Generaldirektor der Llnion Parisienne Sergent, im Konvertierungsausschuh durch den Finanzsachverständigen Parmentier, im Eisenbahn-Kommissariat durch den bekannten Eisenbahnsackwerstandigen L e v e r v e, den das Dawesko-mitee ebenfalls mehrfach konsultiert hat. Wichtige Vereinbarungen über die militärische Räumungssrage.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 20. Aug. Aus Mitteilungen der Berliner Regierungsstellen geht hervor, dah die beteiligten Regierungen vor dem Abschluh der Londoner Konferenz die Vereinbarung ein» gegangen sind, von Zeit zu Zeit neuerliche Verhandlungen über die Möglichkeit einer Abkürzung der milttä= rischen RLumungsfrist abzuha l ten. Wie wir hierzu erfahren, wi d sich die Reichs- regi:rung bemühen, durch weitere Ve. Handlungen mi England. Frankreich und Belg ei zu errech.n, dah auch die sog. San k t i o n s b ez in-ke, d e Städte Duisburg, Ruhrort und Düsseldorf so früh als möglich geräumt w.rden, d. f>. e t ti> a gegen Ende dieses Jahres. Im Auswärt g n Amt hat man den Eindruck, dah die Abkürzung der militärischen Räumungsfrist im we entlichen davon abhängen wird, welkes Ergeb.is de Wirtschafisverhandlui.gen mit Frankreich haben werden.
Die Anleihefrage.
Reuhork, 19. Aug. „Assoeiated Preß" berichtet : Einige Bankiers hätten erklärt, die Vorher eitungen für die Zeichnung der Anleihe würden sofort beginnen. Die Ausgabe selbst könne indessen nicht vor Oktober erwartet werden. In Wallstreet werde erklärt, die Anwesenheit einiger amerikanischer Bankiers in Europa werde die Regelung der Anleihe beschleunigen. Vertreter vieler Amerikanischer Danken und Trust-Kompagnien feien kürzlich nach Deutschland gefahren, um über private Anleihen zu verhandeln und die Beziehungen zu den deutschen Finanzinstituten wieder herzustellen.
„Herald and Tribüne" berichtet, in finanziellen Kreisen glaube man. die Anleihen an Deutschland würden in den nächsten paar Jahren eine Höhe von etwa einer Milliarde Dollar erreichen.
Amerikanische Kredite für die Kali-Industrie.
Zu den Verhandlungen über die amerikanischen Kredite für die deutsche Kaliindustrie weist die „Voss.sche Zeitung" zu melden, dast der Abschlust der Verhandlungen für diese Woche in Aussicht steht. Wie das Blatt bemerkt, wird dies der erste Kredit sein, der der deutschen Industrie vom Ausland ge? toahrt wird, ohne dast Bankgiro verlangt wird.
Das Abkommen zwischen der deutschen Und der elsässischen Kaliindustrie ist dem
Der Mrs aut Eopper.
Roman von Hanns von Zobeltih.
17. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Acht Llhr abends ist's und pechrabenschwarze Rächt. Da brach der kleine Husar, der Zielen, der den halben Lag über verg.blich herumschar- muvicrt, aus dem Dusch, stürm', mit seinen Fuß- volk zwischen den Teichen gegen die Süptitzer Höhen. Lind von des Königs Armeeteil rafften die Wackeren zusammen,,was noch h ile Knochen Hot, Atem in der Brust und Courage im Herzen. Der alte Hülsen, vom Pferde gestürzt und arg verletzt, seht sich auf eine Kanone: Vorwärts, Bursche! Verstand doch sein Me ier, der Hül en! Der Major von Lestwih sammelt ein paar Ba- taillv >e. führt sie höhan. Die Tambours schlagen, was das Kalbfell hergaben will: Sturm. Sturm! Roch einmal wehrt sich der Oesterreicher. Aber da sind die Regimenter Forcade, die Gardegrenadiere, die vom Markgraf Karl und vom Prinzen don Pr<uhen über ihn. die preuhische Wachtparade — die W.ißröcke packt derSchr.cVen, si.- weich m — He fliehen — auf Torgau zu. hinter die Wälle. Lorten liegt schon der verwundete Daun, seines Sieges gew.ß Llnd nun tritt Lach zu ihm ins Zimmer: „Exzellenz — die Schlacht ist verloren—"
Das war ein anderer Abend heut, als der nach der Bataille von Kunersdorf!
Ist um föun Llhr vom Schlachtfeld fortgeritten, der König, mit frohem Herzen. Wollt' im Pfarrhaus zu Elsing Rachtquartier nehmen, fand das aber überfüllt bis zum Dach mit Bles-
gleichen Blatte zufolge vottaupg nur auf drei Jahre abgeschlossen worden. Die Verhandlungen werden mit dem Ziele des Abschlusses eines Generalabkvmmens, dast auster Amerika noch weitere Absatzgebiete auf dem Weltmarkt umfassen wird, weitergeführt.
Lin deutsch-ungarischer Konflikt.
D e r l i n, 20. Aug. Die Verhaftung des angeblichen Erzberger-Mordecs Schulz in Llngarn scheint die Llrsache eines politischen Konstitts zwischen Deutschland und Llngarn darzustellen. Die ungarische Polizei lehnte es rundweg ab, den deutschen Behörden Auskunft über die Persönlichkeit des Verhafteten zu geben. Die Rach- richt. dast der Verhaftete inzwischen von der ungarischen Polizei wieder freigelassen wurde, hat in Berlin großes Aufsehen herooc- gerusen. Wie wir hören, a>irt> die deutsche Regierung durch den deutschen Gesandten in Budapest einen energischen Protest schritt bei der ungarischen Regierung unternehmen, um gegen das Verhalten der ungarischen Polizeibehörden Einspruch zu erheben, die es abgelehnt haben, auf die Anfragen der deutschen Behörden zu antworten. Im übrigen steht es fest, dah die deutsche Regierung das bereits ausgesprochene Au sliese r un gsbegehren ausrecherhalten wird, falls sich nachträglich ergeben sollte, dah es sich tatsächlich um den Erzberger-Attentäter handelt.
Die Ansicht der Ungarn,
Budapest, 19. Aug. (WB) Zur Frage der Auslieferung der deutschen Cegenrevolutivnäie erhalten die Zeitungen von zuständiger Seite eine Information, worin u. a. gesagt wird: Ge» mäst dem belgischen Auslieferungsgeseh von 1833, das in der ganzen Welt gelte, sei die Auslieferung politischer Gefangerer un» statthaft. Mangels besonderer Konventionen würden mit Rücksicht auf die Gegenseitigkeit Präzedenzfälle in Betracht gezogen. Deutschland habe aber sowohl die Auslieferung des Mörders Tiszas, Csernyak, wie auch die Auslieferung D e l a Kuns und die des Attentäters gegen Tisca, Lekai Leitner seinerzeit verweigert. Deutschland und Oesterreich stünden also auf dem Standpunkt, dah das Asy recht auch sog. relativen politischen Verbrechern zukomme. (Anm. d. WD.: Wie wir hören, ist der knutsche Gesandte in Budapest beauftragt worden, für den Fall, dah der Verhaftete identifiziert wird, schon jetzt seine Auslieferung zu beantragen.)
*
Eine wettere Meldung aus Berlin besagt, dah die Budapester Polizei erklärt habe, dah die verdäch.igen Deutschen, die man für die Mörder Erzbergers hielt, nicht mit diesen identisch sind, sondern deutsche Offiziere seien, die wegen B.triligung am Kapp-Putsch nach Ungarn geflohen fi.cd.
Belagerungszustand im Sudan.
Kairo, 19. August. (Reuter.) In Ost-Sudan soll infolge von Llnruhen das Kriegsrecht proklamiert worden sein. Für heute werden militärische Verstärkungen erwartet.
Parteikrieg aus Kuba.
Reuhork, 19. August. Reuter wird aus Havanna gemeldet, daß einige Personen getötet, 15 verletzt worden sind anläßlich eines Zusammenstoßes bei Gelegenheit ein^r Versammlung der Liberalen in Pinatdelrio, Provinz Kuba. Der Präsident Z a h a s verabschiedete etwa 100 Konservative, die im Departement für Auswärtige Angelegenheiten toirfam waren, infolge der gegen sie erhobenen Anschuldigung, bei den Wahlen die Chancen von Renochal begünstigt zu t)a< ben. Der Präsident droht, daß er die Offiziere in den höchsten Stellungen bei der Armee und der Marine ohne Angabe von Gründen verabschieden werde.
Aus Stadt und Land.
Giehen, den 20. Aug. 1924.
Goldige Menschen.
Jeder von uns kennt Menschen, in deren Rähe einem das Herz aufgeht. Das sind Leute, die mit dem lauten Ton unserer Tage nichts zu tun haben und solange abseits stehen, bis sie gefragt werden. Sie drängen sich nicht vor und wollen nichts, sie fürchten nicht zurückgeseht zu werden und find immer guter Dinge, auch wenn keiner von ihnen spricht und sich mit ihnen abgibt.
Sie sind selten und treten niemals in Massen auf. Ganz wie verborgene Blumen wachsen sie gerade da, wo sie keiner vermutet. Tausendmal blickt man über sie gleichgültig hin, bis eine Bewegung oder ein Wort von ihnen verrät, daß sie ein goldenes Herz haben.
Solches Menschen Freundschaft zu besitzen, ist sehr viel wert. Man hat damit einen Schatz gefierten. Ging zur Kirche, winkte dem Pagen: „Schaff' Er mir ein Bund Stroh und ein paar Lichte. Ich muh schreiben!"
Am Altar hat er gese'sen, auf der untersten Stufe. Im Schiff kamen und gingen und drängten sich die Soldaten, Offiziere und Burschen. Kam wchl auch ein alter Graubart heran, fafj.e Postv, fragte mit strahlend m Geficht: „Ru, Frtze, haben wirs heut gut gemacht?" Lind der König antwortete: „Brave Bursche seid ihr! Ab:r könnt ihr mir nicht ein Feuerchen machen? Mich frert." Ein paar dicke Kirchenlichte hat der Z beltitz in der Sakristei gefunden. „Muht mir auch Papier und Gänsekiel besorgen!" Dw Pfarrhe.r wußte Rat. Als so das kleine Feuer auf den Steinplatten loderte, dah er sich die starren Hände Wärmen konnte, und die Kerzen bvanktten, da schrieb Friedrich an seinen Minister Fincken stein die Siegesbotschaft: ,Wir haben Daun und die Oesterreicher geschlagen, die Rächt ist eingefallen, sonsten würd' ich mehr Llmstände melden können. Morgen werden Sie die Einzelheiten erfahren!' Echrieb's und streckte sich und schlief auf s inem armseligen Bunde Stroh, den Kops auf der Altarstufe. in der Rocht #um 4. Rovember, in der Kirche zu Effing. Rach seinem zwölften Siege im grohen Kampf um Schlesien, im Kampf gegen Europa.
* *. *
Ein Jubel ging durch die preußischen Lande, als die Rachricht von Torgau von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf zog. Richt nur die Kunde vom Sieg. Jetzt war auch Schlesien frei geworden, die Russen wichen bis über die Weichsel zurück, die Franzosen hinter den Rhein;
wonnen, uer sich immer vermehrt, je öfter man aus seiner Fülle nimmt. An ein Versagen oder Aus- schöpsen ist nicht zu denken, denn ein reiches Herz wird nur reicher dadurch, dah es gibt. In allen Lebenslagen finden sie den rechten Ton; im Glück bewahren sie uns vor Llebermul, im Llnglück vor Kleinmut; bei unferm Plänemachen vor lieber» spanntheit, bei Ratlosigkeit vor Selbstverkleinerung. Llnd wie gut das alles tut, weiß, nur der, der es schon erfahren hat!
Es ist leicht, sich die Freundschaft dieser Lieblinge Gottes zu bewahren, wenn man sie einmal erworben hat, aber es ist schwer, sie zu gewinnen, denn äußerem Getue sind sie nicht zugäng- gänglich. Für Schmeichelei haben sie kein Ohr. Geschenke pflegen sie lächelnd zurückzuweisen, Gefälligkeiten persönlicher Art oft nicht minder. So bleibt denn nur der beschwerliche Weg übrig, recht und schlecht um ihre Freundschaft zu dienen und zu ringen. Llnd dabei wirst du die Erfahrung machen, daß es ihnen nicht einmal so sehr auf deine Freundschaft anzukommen scheint, daß sie tun, als seiest du einer der vielen nur, die ihnen im Grunde ja doch nichts zu bieten hätten.
Aber eines Tages ist dann die Eisrinde ihres Herzens gesprengt: mit offenen Armen kommen sie dir entgegen, und zum erstenmal fühlst du, daß du ihr Vertrauen besitzest, das zu verlieren dir ebenso schwer wird wie es dir zu gewinnen geworden ist.
« - r fwd gewiß nicht mehr so „gefühlsduselig" wie die Zeit der Llrgrohväter mit ihren zarten Seelenfreundschaften, aber eine Sehnsucht nach solch feinem Verständnis haben wir uns doch gerettet. Wie wird da manches Schwere leicht, aber auch mancher Leichtsinn unschädlich, ja fruchtbar .gemacht!
auf Verkehr mit gleichgestimmten Herzen bleibt doch letztlich jeder Mensch angewiesen, er sei auch wer er sei.
Wohl dem, dem solch goldiger Mensch sein Herz geschenkt hat. * Ha.
Einkommensteuer und Buchführung in der Landwirtschaft.
An und für sich ist der Landwirt nicht verpflichtet, Bücher zu führen. Ein gesetzlicher Zwang zur Buchführung, wie ihn das Handelsgesetzbuch für Kaufleute kennt, ließe sich angesichts der besonderen Verhältnisse in der Landwirtschaft auch nicht rechtfertigen. Trotzdem sind die meisten Landwirte — und sicher nicht zu ihrem Rachteil — dazu übergegangen, richtige Bücher nach kaufmännischer Art zu führen, und man hat zu diesem Zweck besondere Buchungsshsteme erdacht, die den landwirtschaftlichen Verhältnissen entsprechen. Allerdings gibt es noch viele Landwirte, die eine systematische Buchführung nicht eingerichtet haben und dementsprechend unterscheidet das Einkommensteuergesetz zwischerl buchführenden und nichtbuchführenden Landwirten. Auch die Rechtsprechung des Reichsfinanzhofs hat sich diese Llnterscheidung zu eigen gemacht.
Die Rotwendigkeit der Einrichtung einer geordneten Buchführung für den Landwirt hat man auch besonders damit zu begründen versucht, dah eine ordnungsgemäß eingerichtete und gehandhabte Buchführung bei der Veranlagung der Einkommensteuer große Vorteile biete, weil das Finanzamt zur Ermittlung des steuerbaren Betriebsgewinns die Bücherabschlüsse verwenden müsse (§ 32,2 E. St. G.) und somit die Gefahr unrichtiger Schätzungen durch die Finanzämter, die bei nichtbuchführenden Landwirten natürlich vorhanden ist, ausgeschaltet werde. Leider Hai sich dies Argument nicht als völlig stichhaltig erwiesen, vielmehr hat der Reichsfinanzhof auf Grund der Vorschriften der zweiten Steuernotverordnung Rechtsatze entwickelt, die darauf hinauslaufen, den buchführenden Landwirt nicht anders zu behandeln als die nichtbuchführenden.
Der Reichsfinanzhof begründet diese Auffassung in einer Entscheidung vom 21. Mai 1924 damit, daß „es ein Gebot der .steuerlichen Gerechtigkeit sei, die buchführenden Landwirte den nichtbuchführenden nach Möglichkeit gleichzustellen". Es soll dadurch erreicht werden, daß beide Arten von Landwirten gleichmäßig veranlagt werden. Es wird Wohl niemanden geben, der diesem vom Deichsfinanzhof vertretenen Grundsatz nicht beistimmen würde, denn es ist zweifellos gerecht, in der Heranziehung gleicher Berufskreise zur Steuer möglichst große Gleichmäßigkeit anzustreben. Trotzdem muß man hier eine gewisse Einschränkung machen. Wenn das Einkommensteuergesetz vorschreibt, daß bei buchführenden Landwirten die Bücherabfchlüsse zu der Veranlagung zu verwenden find, so liegt darin sicherlich mehr als nur eine technische Vorschrift. Der Sinn einer solchen Vorschrift kann vielmehr nur der sein, daß die Landwirte, welche Bücher führen, einen Anspruch darauf haben sollen, daß bei der Heranziehung zur Steuer ihren tatsächlichen Einkommensverhältnissen, die sie eben durch ihre Bücher genau nachweisen können, besser und genauer Rechnung getragen wird als bei den nichtbuchführenden Landwirten, bei denen das
Daun hielt sich untätig südlich Dresden, wagte keinen neuen Schlag. Llnd man erfuhr's bald: in Paris war man des Krieges müde, ii Wien fing die Einsicht an, daß Friedrich unbe iegbar sei. Mehr denn je sprach man vom S rieben. —
Fast Mitte Rovember ist's geworden, eh; die langsame Post die Siegesnachricht in Las Tvppersche Elend brachte. Kam eines Mttta s die alte krüpplige Sternberger Bote if au in die Küche, brummte ihr „Giro Mögen ooch," stellte erst breitbeinig die Kiepe auf Lea Tisch, knüpfte die Tragbänder los, schlug die Hände kräftig g gen den Leib. „Bannig kalt heute. In Reppen is einer verfroren, gestern. Llnd de verflixten Wölf sein och Widder da. Hinter dem Willing us Gandern fein se hergewesen."
Die junge Gnädige stand grab’ am Herd, um nach dem Rechten zu sehen. Stellte schnell ein Töpfchen Warmbier auf. So karg es zuging im Herrenhause, wer von der Landstraße versprach, mußte eine Labung haben; das war alter Brauch.
Die Olsche tnachte gierige Augen, sch'e sich neben ihren Korb, drehte die braunen Knochenfinger ineinander und spann das Garn weiter. „In Koritten, da hat die Flehersche Brot gebackt mit Baumrinde, de Wi ib, da Han ihre drei Kin- ners dicke Bäuche gekriegt, un rai liegen sie. Jao. . . wie füll svu armet Frunzimmer die Kinners das Maul stoppen? Io . . . is schon Rot im Land Heuer, Gnädige. Linsereine sieht's, wo man so rumkommt. Der Bauer Klinke, dem die russ'schen Hunde die Zähn' ausgeschlagen, der muh immer noch mit ’m verbundenen Maul gehn, kann nich reden un nischt essen, und die Fru jammert, daß Gott erbarm . . . Jao . . der
Finanzumt schon rein technisch rein anveres uuir» tcl als die Schätzung hat. Das Einkommensteuergesetz rechnet also mit der verschiedenen Behand- lung der buchführenden und nichtbuchführenden Landwirte und in der Tat muß man sagen, daß jie gerechtfertigt ist. Wenn der Reichsfinanzhof in der gleichmäßigen Behandlung beider Arten von Landwirten ein Gebot steuerlicher Gerechtig- keit zu erkennen glaubt, so sieht er scheinbar der obengenannten Vorschrift nicht ganz auf den Grund: sie bezweckt gerade das Gegenteil von Gleichmacherei, sondern will Berücksichtigung der steuerlichen Wahrheit! Dr. B.—L.
*
** Vonder L an d e s u n iver si tä t. Der Oberarzt an der Llniversitäts-Frauenklinik, Pn- vatdozent Dr. Adolf S e i tz aus Elberfeld, ist zum außerplanmäßigen außerordentlichen Professor ernannt.
Fa hrraddiebe. Vorgestern wurden zwei junge Leute von auswäris hier festgenommen, die sich ein Fahrrad bei einem Lomdwiri geliehen hatten, um angeblich nach Hause zu fahren. In Wirklichkeit fuhren sie nach Gießen und verkauften hier das Rad. Ferner wurde ein junger Mann von auswärts, der in einer hiesigen Gastwirtschaft ein Fahrrad gestohlen hatte, in dem Augenblick am Bahnhof fest genommen, als er im Begriff war, mit der Bahn nach Wetzlar zu fahren. Das Fahrrad wurde spät« auf Bahnsteig 6, mit einer Karte nach Wetzlar versehen vorgefunden. Beide Räder konnten ihren Eigentümern wieder zugestellt werden.
, , " Die Hessische Bilder bühne hat bekanntlich die Palastspiele am Lindenplatz übernommen, um hier dem hochwertigen Spiel- und Kulturfilm eine würdige Stätte zu bereiten.
” FilmevonHessen. Bon der Hessischen Bildstelle in Darmstadt und der Lehr- und Kunstfilmgesellschaft in Wiesbaden werden zur Zeit im Odenwald die ersten Landschaftsfilme ausgenommen. Bis jetzt sind verfilmt: Michelstadt mit seinem Licht- und Brunnenfest, Erbach mit dem Eulbacher Markt, - ferner Lindenfels, die Perle des Odenwaldes, zur Zeit seines Burg- festes. Weiterhin sind die Aufnahmen in Lich- tenber g, Groh-Bieberau und Rie- dernhausen nahezu vollendet. Durch die erfreulich rege Llnterstützung seitens der staatlichen und kommunalen Behörden, der Derkehrsvereine, der ortsansässigen Industrie und zahlreicher Privatpersonen, unter denen mit an erster Stelle die Grafen von Erbach-Erbach zu nennen find, schreitet die Arbeit an diesem bedeutsamen Heimatfilmwerk erfolgreich vorwärts. Es steht zu erwarten, daß der erste Teil des Films, „Der Odenwald", noch in diesem Sommer beendet wird. Beeinträchtigt, zum Teil auch sehr verzögert werden die Aufnahmen durch das schlechte Wetter.
Oeffentliche Bücherhalle. Im Juli wurden 940 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 488, Zeitschriften 91, Iugendfchriften 124, Literaturgeschichte 7, Gedichte und Dramen 12, Länder- und Völkerkunde 57, Kulturgeschichte 10, Geschichte und Biographien 83, Kunstgeschichte 3, Raturwissenschaft und Technologie 36, Heer- und Seewesen 1, Haus- und Landwirtschaft 3, Gesundheitslehre 3, Religion und Philosophie 8, Staatswissenschaft 5, Sprachwissenschaft 5, Fremdsprachliches 4 Bände. Rach auswärts kamen 12 Bände.
** Erledigte Lehrerstellen werden ausgeschrieben für je ehren evangelischen Lehrer und eine katholische Lehrerin an der Volksschale ?-u Hainstadt und Rumpenheim, beides Kr. Offenbach. Dienstwohnungen sind nicht vorhanden, Mietwohnungen schwer zu beschaffen.
” Schwerbeschädigte Deamten- scheininhaber. Man schreibt uns: Der Reichstagsabg. Thiel (D. Vp.) hat im Interesse dieser Echwerbeschädi jten, die in Kürze vor der Frage stehen, ob sie sich unter Rückgabe des Beamtenscheines mit 2000 Mk. abfinden las en wollen oder ob sie nach wie vor Wert darauf legen, auf feste An stellung auf Grund des Scheines zu warten, die nachstehende Anfrage an den Reichsarbeitsminister gerietet: Für die planmäßigen Anstellurgen versorgungsberechü ter Inhaber des Teamtenscheines nach 8 33 Les Reichs- Versorgungs gesetzes sind von der Reichsregierung als allgemeine Richtlinien die Anstellu gsgrund« sätze im August 1922 herausgegeben worden. Die einzelnen Res orts der Reichs legierung hatten zu diesen Grundsätzen besondere Ausführungsbesiim- mungen zu erlassen, durch welche die Anstellung von schwerbeschädigten Beamtenscheininhabern innerhalb der Ressorts geregelt werden sollte. Sie Aussührungsbestimmungen sind von den für die .Unterbringung von Schwerbeschädigten vornehmlich in Befracht kommenden Ressorts, Post und Eisenbahn, bis heute nicht ersassen worden- Da mit dem 31. August 1924 die Frist abläuft, innerhalb welcher sich die schwerbeschädigten Beamtenscheininhaber gegen eine Ablösung von 2000 Maik abfinden lassen.können, wäre ich für eing baldige Mitteilung darüber dankbar, was in der Angelegenheit seitens des Reichsarbeitsministeriums zur Beschleunigung getan worden ist.


