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schließt sich Dte ntttgevlldete FraSwn Der atarn- talen Linken mit 42 Stimmen an, der jetzt auch der mehrmalige Kammerpräsident Raoul Pe- ret angebort; die nächststärkste Gruppe ist die Linksrepublikanische Partei mit 38 Mitgliedern, darauf folgen dte Kommunisten mit 26 Mitglie­dern. dte Gruppe der Demokraten (Elsah-Lothrin- ger und einige Dissidenten) mit 14 Mitgliedern. Zu keiner Partei gehören 28 Abgeordnete.

Vreitscheid bei Herriot.

Parts, 19. Ouni. Ministerpräsident Her­riot hat gestern abend den deutschen Reichstags­abgeordneten D r e t t s ch e i d empfangen.

Gegen französische Tendenzlügen

Berlin, 20. Ount Das PariserJournal" bringt einen u. a. auch vom diplomatischen Be­richterstatter derDaily Mail" aufgegriffenen Be­richt, wonach die französische Regierung seit einiger Zeit sowohl aus dem besetzten Gebiet wie aus dem unbesetzten Deutschland Informationen erhal­ten habe, die von militärischen Plänen gegen die französische Besatzung im Ruhr gebiet wissen wollen.

Demgegenüber wird von maßgebender amtlicher Stelle festgeslellt, daß selbstver­ständlich derartige Plane in Deutschland von kei­ner militärischen oder zivilen Stelle auch nur in Erwägung gesogen worden sind.

Desgleichen bestehen nicht die geringsten An­haltspunkte dafür, dah einzelne Privatpersonen in Deutschland sich mit Plänen dieser Art besaht haben. Solche Pläne würden von der Reichs­regierung sofort unterdrückt worden sein. Die Meldung desJournal" ist also völlig aus der Luft gegriffen, ö. h. die französische Regierung hat derartige Rachrichten nie er­halten, oder aber die französischen Nachrichten- stellen sind irgendwelchen Schwindlern zum Opfer gefallen, die aus gewinnsüch­tiger Absicht solche.Informationen" erfunden haben.

Dokumente zur separatistischen Bewegung in Rheinhessen.

Frankfurt a. M., 19. Juni. Die Doku­mentensammlung zur Geschichte drs pfälzischen Separatismus wird nunmehr in denBeiträgen zur Geschichte des Separatismus in Rheinhessen" fortgesetzt, deren erstes HeftBingen", dem zwei weitere folgen sollen, in diesen Tagen im Kom­missionsverlag von Lehmann in Frankfurt-M., Römerberg, erscheint. Das Heft enthüll außer einer genauen Schilderung der separatistischen Um­triebe in Dingen ein wertvolles Quellenmate­rial, dessen Beweiskraft durch Faksimiles wesent­lich unterstützt wird, und welches durch die Mr- künden beweist, dah der Kreisdelegierte Jean Vermeil den Putsch in Dingen in allen Stadien und mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützt hat und dah er als der eigent­liche Urheber des Putsches zu betrach­ten ist.

Die angebliche Steuerreform.

Wie uns aus parlamentarischen Kreisen mit­geteilt wird, sind die Dlättermlldungen über den Plan einer Steuerreform sowie namentlich über den Fortfall der Steuervorauszahlu gen unu» -treffend. Ebenso unrichtig jd>n dir Mel­dungen, dah sich das Reichökabinett in dm letzten l Tagen mit den Fragen der Deamtenbesol- ? düng besaht habe oder befassen wolle.

Ein Ultimatum des Reichsverkehrsministers.

Berlin, 19. Juni. Der Reichsverk h smi- nister hat laut demLokalanze ger" an die Reichs- gcwerkschaft deutscher E.ftnbah ibeamten und -An­wärter die Aufforderung gerichtet, den § 2 ihrer Satzungen, der die Streikfrage behänd: lt, end­gültig zu streichen. Die Erkmrungsfi ist läuft An­fang nächster Woche ab. Falls der Aufforderung nicht entsprochen w rden sollte, dürfte, wie das Blatt schreibt, die Reichsgewerkichaft nicht m.hr zu den 0'^jprechungen im Reichsreckehcsministe- rium Hinz ^gezogen werden.

Gespannte Lage in Serbien.

Wien, 20. Juni. Aus Belgrad wird ge­meldet, die innerpolitische Lage sei derart ge­spannt, dah man mit Ueberraschungen rechnen müsse. Die oppositionellen Abgeordneten werden nach übereinstimmenden Meldungen der Presse in verschiedenen Gegenden des Landes be­lästigt, zwei Dau.rn-Abgeordnrte wuclea mihhan- delt: sie wandten sich mit einem Protest an den König.

3m Hafen von Antivari sind zwei fran­zösische Tvrpedobootszerstörer angekommen.

Der britisch-mexikanische Streitfall.

L o n d o n, 20. Juni. (WTD.) 3m Unterhause erklärte Macdonald, die Haltung der mexi­kanischen Regierung gegenüber dem britischen Ge­schäftsträger Cummins sei in jeder Beziehung u n- entschuldbar, denn Cummins habe lediglich die 3nteressen der britischen Untertanen in Me­xiko wahrgenommen. Die Abreise des bri­tischen Geschäftsträgers, dieunmittelbarbe- v o r st e h e, werde von den Bereinigten Staaten gesichert. Macdonald gab weiterhitr zu verstehen, dah die britische Regierung unter diesen Umstän­den auf. die Entsendung einer britischen Mission nach Mexiko verzichte, die sich über die Frage der Anerkennung der mexikanischen Regierung un­terrichten sollte.

Bekanntlich wurde der britische Geschäftsträger in Mexiko nicht nur von der mexikanischen Regie­rung an der Ausübung seiner Tätigkeit gehin­dert, sondern nach der vergeblichen Aufforderung das Land zu verlassen, in seiner Behausung regel­recht belagert.

Strefemann über Vas Herriotprogramm.

Dessau, 19. Juni. AuS Anlaß des Landtagswahlkampfes in Anhalt sprach der Reichsminister des Aeußern Dr. Strefemann in einer Versammlung der Deutschen Volks- Partei in Dessau. Seine Ausführungen be­wegten sich bezüglich des Sachverständig gengutachtens in den Gedankengängen, die er vor kurzem in Karlsruhe ausgeführt hat. Anter Bezugnahme auf die Darlegungen Herriots bei Gelegenheit der Regierungs­erklärung in der französischen Kammer betonte der Reichsminister, dah er keinen Zweifel da­ran hege, dah die neuen Männer Frankreichs die bisher gegen Deutschland angewandte Methode der Bekämpfung nicht fortzu­setzen gedächten. Er begrüßte die Aeuße- rungen des französischen Ministerpräsidenten über die Amnestierung der Gefangenen, be­tonte jedoch, daß die psychologischen Wirkun- gSn einer solchen Maßnahme nur dann in Deutschland eintreten könnten, wenn die Am­nestie eine ausnahmslose sei. Wer ge­gen die Truppen eines Staates, der eine Be­setzung vornimmt» sich vergeht, möge in den Augen dieses Staates sich eines schweren Vergehens schuldig machen. Man dürfe aber nicht vergessen: Wer sich einer von ihm nichit als vertragsmäßig angesrhcnm Besetzung auch mit Leib und Leben widersetzt, handle nicht aus unedlen Motiven. Es wärefalsch, wenn Frankreich Märtyrer schaffen wolle.

Die Erklärung Herriots bezüglichder Räumung deöRuhrgebiets faßt Stre- semann dahin auf, daß das Inkraft­treten aller mit dem Sachverständigengut­

achten verbundenen Gesetze und damit der Be­ginn der deutschen Leistungen aus dem Sach­verständigengutachten milder Aufhebung der Besetzung Hand in Hand gehe. Damit werde, wenn auch die übrigen, nicht vertragsmäßig besetzten Ge­biete geräumt würden, der Statusquo wieder hergestellt sein. Wenn dazu die Wie­derherstellung der wirtschaftlichen und finan­ziellen Souveränität Deutschlands komme, so würde das Tor zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Deutschland wieder geöffnet sein und wir würden uns in den heftigen Kämp­fen nach Friedensschluß, in Jahren, die bis­her gegenüber Deutschland die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln gewesen sind, das bewahrt haben, worauf es in der Gegenwart am meisten ankommt: das Reich und seine Einheit. )

Deutschland erhoffe von einer loyalen und fairen Durchführung des Sachverständigen­gutachtens einige Jahre ruhiger Entwickelung, wenn auch bei angestrengtester Tätigkeit zur Hervorbringung der Leistungen. Wolle Frank­reich mit diesem Deutschland als ruhigem Rachbar leben, so würde das jedermann in Deutschland begrüßen, der in einem friedlichen Nebeneinanderleben beider Nationen die Vor­aussetzung Der friedlichen Entwickelung der europäischen Verhältnisse erblicke. Ohne Vor­eingenommenheit, aber auch ohne Illusionen werde das deutsche Volk in dieser Beziehung die Taten der neuen französischen Regierung erwarten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 20. Juni 1924.

Die Aussichten des technischen Berufs.

Die große Arbeitslosigkeit, die wir zur Zeit in Deutschland haben, äußert sich in allen Be­rnsen. Katastrophal liegen aber die Verhältnis e im technischen Berufe. Die Nachkrie, sz ät hat den technischen Berufen eine Fülle vo i K äs­ten wie nie zuvor zugeführt. Allein an d n eth­nischen Hochschulen bab?n sich in den eintet, en Semestern der J.ihre 192224 ettoa 33 030 Stu­dierende und Hörer eintragen laßen. Das be­deutet gegenüber der Friedenszeit, z. D. Winter­semester 1913/14, wo nur im ganzen rund 17 020 Teilnehmer eingetragen waren, annähernd eire Zunahme auf das Doppelte. In den Maschinen- baufächern, Maschinen mgenieurwrse i und Elek oo- technik, ist sogar ein Zuwachs von etwa 4320 auf 14 000 zu verzeichnen, im Bergbau von 106 auf 1736 (!), in der Chemie von etwa 2000 auf 4500. Selbst Arbeitgeberverbände, wie der Ar­beitgeberverband für die ch.'mi che Industrie und der Deutsche Bcaunkohtenin.ai'trieherein, warnen eindringlich vor der Ergreifung der tnchnch- wissenschaftlichen Ve ufe. Die Arbeitgeber haben sonst ein großes Interesse daran, daß immer ge­nügende Kräfte zur Verfügung stehen. Heute ist es aber so, daß auch die Arbeitgeberverbän'e sich vor dem Angebot an techni.chen Kräften n cht mehr retten können. In der Tat befte.jt nicht die geringste Aussicht, das Heer von jungen Technikern und tt h in.kern unllrzubri gen. A^ch das Ausland wird sie nicht aufn hm n da es be­kanntermaßen nur erfahrene Kräfte sucht.

Ebenso üb rfteigt der <ut>?an * zum mittler:n technischen Beruf jcd s norm.ile Maß. Die staa- lichen technischen Fachschulen waren genötigt, die Zrotze Zahl von Anmeldu -gen zurück uweiscn. Die technischen Privatschuleir, die aus p ivllgeschäft- lichen Gründen niemals an der Ueb.n ft l u g ihrer Klassen Anstoß genommen haben, haben bis zu 4 Parallel-Klassen eingerichtet, um der heran- stürmenden Flut zu genügen. Noch immer eji !ie- ren auch die sogenannten Fernunterrichtsanstalten, die sich nicht scheuen, den technischen Beruf in den rosigsten Farben zu schildern, um Uneinge­weihte geschäftlich aus beuten zu können. Solche Anstalten sind für die technische Ausbildung grundsätzlich zu verwerfen. Die technischen Wll- sensch'ften brauchen wie keine andere einen leben­digen und nicht einen papierenen Unterricht. Ge­rade bei dem Riesenangebot an technischen Kräf­ten werden nur die Tüchtigsten eine Existenz finden und sich erhalten können.

Ungezählte Tausende ton Technikern sind s4-on heute stellenlos. Die Industrie hat teufen"'e juäftc infolge der schlechten Konjun "tur ab ge­stoßen, die Behörden haben beim Personalabbau ebenfalls Techniker und zwar 25 Proz des Per­sonalbestandes entlassen. Der technische Beruf ist zur Zeit der'a u s s i ch t s l ose st e Beruf. Die wenigsten, die ihn ergriffen haben, werden ihn auch tatsächlich ausüben können. Aber auch für diese wird er kein einträglicher Beruf sein, denn die Arbeitslosigkeit im Berufe drückt naturgemäß auf die Bewertung und De^hlung der techn schen Arbeit. Auf jeden Fall ist jedem zukünftigen Techniker zu raten, sich die gründlichsten hand­werksmäßigen Fertigkeiten anzueignen. Sie wer­den ihm nicht nur für den Fall, daß es ihm gelingt, den technischen Beruf tatsächlich aus;u- üben, zu Gute kommen, sondern auch die Möglich­keit geben, als gelernte Handwerker durchza- kommen.

** Für die Wahl zur Hessischen Aerztekammer ist bei dem Wahlleiter nur ein Wahlvorschlag eingelaufen, der nach den Bestimmungen der Wahlordnung als gewählt gilt. Der Vorschlag verzeichnet folgende Namen. Geh. San-Rat Dr. Habicht-Darmstadt, San.-Rat Dr. A. Fuld-Mainz-Mombach, Dr. Büchner- Gießen, San.-Rat Dr. F. W. Vogel-Darm­stadt, Dr. Ql. Deters-Mainz, Dr. Th. Reine- wald-Giehen, San.-Rat Dr. E. Grein-Offen­bach, San.-Rat Dr. I. Höchstenbach-Ober-Ingel- 'beim, Dr. L. Dalquen-Heldenbergen, San.-Rat Dr. Karl Brünning-Darmstadt, Dr. Th Daiser- Woims, San.-Rat Dr H. Hahn-Bad-Nauheim, Dr. O. Diehl-Biebesheim, Dr K. Schmahl-Wen- delsheim (Rheinh.), Dr. K. Oelmann-Lampert- 'fjeim, Prid.-Doz. Dr. G. ttmann-Gie- ßen Geh.-Rat Dr. M. Reisinger-Mainz, Med.- Qiat Oberarzt Dr. A. Werner-Heppenheim a.d.B., Ob.-Med.-Rat Dr. K. Königer-Offenbach. Auch

die vorgeschlagenen 19 Ersatzmänner gelten als gewählt.

** Gebühren für die steuerliche Unbedenklichkeits-Erklärung. Vom Reichssinanzministerium wird amtlich mitgeteilt: Die Ausstellung von steuerlichen Unbebentlich- keits-Erlläi ungen für Auslandsreisen bedeutet für dte Finanzämter eine beträchtliche Arbertsbe- lastung. Es ist daher angezeigt, daß die Reichs- finanzveiwaltung für ihre im Interesse der Aus- landsrcisenden aufgewandte Verwaltangsarbeit eine angemessene Gebühr erhebt. Zu diesem diesem Zwecke ist eine Verordnung erlassen, die eine Gebühr von 10 Goldmark für die einzelne Reise vom 2 0. Juni ab vorsieht. Für Fa- nulienpässe gilt die gleiche Gebühr wie für Sin- zelpäfse.

* Verbotene Reinigungsstätte. Wie das Polizeiamt mitteilt, ist es verboen, Tep­piche Betten, Abputztücher usw. aus den Fen­stern heraus auf die Straße auszuschütteln, weil bei so unstatthaftem Treiben natürlich die Stiaßenpassanten belästigt und oft genug auch verunreinigt werden. Jede Hausfrau, die sich von dieser polizeilichen QSamung getroffen fühlt, niuß sich sagen, daß sie das, was sie selbst nicht gerne e dulden möchte, doch auch den Mitmenschen nicht antun darf. Wo diese Einsicht jetzt nicht Platz greift, da sollen künftig die Polezeibeamten mit Strafanzeigen etwas nachhtlfen.

** G u t befestigen! Das Polizeiamt gibt kannt, daß Blumenstöcke, Blumenbretter und andere Gegenstände auf Ballonen, vor Fenstern usw. so sicher befestigt fein müssen, daß durch das Hei ab fallen oder Umstürzen Personen nicht be­schädigt werden könne i. Wer diese selbstverständ­liche Sorgfalt außeracht läßt, macht sich strafbar. Das ganz dicke Ende in Gestalt von Schadenersah- forberungen und evtl. -Klagen kommt dann ge­wöhnlich noch dazu.

Das Promenadenkonzert der R e i ch s w e h r i a p e l l e, das für gestern nach­mittag angelündigt war, mußte aus dienstlichen Gründen ausfallen. Ei e große Menschenme ge, die sich in Erwartung der musikalischen Genüsse aus dem Landgraf-Phllipp-Plah eingesunden hatte, muhte nach einigem Warten enttäuscht den Heimweg antreten.

** Aus dem Gießener Standes­amtsregister. Es verslarben in der Zeit vom 1. bis 14. Juni: 1. Juni: Paul Schmidt, 1 M. alt, Schottstraße 13: Wilhelm Eisfeller, Flaschen­bierhändler, 54 Jahre alt, Marburger Str. 56. 2. 3uni: Hermann Wiesen, Kaufmann, 63 Jahre alt, Dleichstr«ße 27. 3 Juni: Ernst Hermann Decker Kaufmann, 55 Jahre alt, Seltersweg 85. 4. Juni: Luise Gerth, geb. Ulm, Witwe, 82 I. alt, Licher Str. 74. 5. Juni: Wilhelm Seipp II., Rentner, 66 I. alt, Dleichstrahe 11. 6. Juni: Will). Hillgärtner. Buchdrucker, 25 I alt, Bleich­st raße 15. 7. Juni: Heinrich Stephan, Brief­träger i. R., 78 I. alt, Sandgasse 45. Iohanette Franke, geb. Reuling, 67 I. alt, Diezstraße 8. 8. Juni: Katharina Haun, geb. Wießner, Witwe, 70 I. alt, Mittelweg 13. Elisabeth Henn, geb. Lippert, 63 I. alt, Kirchenplatz 11. 9. Juni: Heinrich Schmidt, Schneider, 69 I. alt, Krofdorfer Straße 13. 10. Juni: Elisabeth Ferres, geb. Jacobi, Witwe, 73 I. alt, Schottstraße 15. 12. Juni: Lina Hahn, geb. Höhne, Witwe, 76 I. alt, Landgrafenstraße 2. 14. Juni: Heinrich Emrich, y2 Stunde alt, Roonstraße 16. Helene Reiß, geb. Schwalm, Witwe, 69 I. alt, Goethe- straße 40.

** Eine neue Ansichtsmarke zu 3 M a r k hat die Reichsdruckerei hergestellt. Sie wird demnächst ausgegeben. In der Gröhe von zwei nebeneinandergelegten gewöhnlichen Marken zeigt sie eine Ansicht der Marienburg in sehr anschaulicher und ansprechender Dar­stellung. Sie ist in Kupferdruck in rotbrauner Farbe auf weißem Waffelmusterpapier in Do­gen zu 50 Stück gedruckt. Das Bild ist von einem 1 Millimeter breiten, guillochierten Rand umgeben. In den Wolken rechts oben stehtMarienburg" in umschlungener Alt­schrift, wie man sie auf alten Stichen findet. Oberhalb der Ansicht verdeckt ein 2/2 Milli­meter breites, senkrecht schraffiertes, ver­schlungenes Band die Umrandung zum Teil. Auf dem oberen Rande steht links und rechts in lichter Schrift die Wertziffer und in der Mitte der Wert in AK-Dersalbuchstaden. Auf

dem unteren Bande steht in derselben Schrift Deutsches Reich".

** 26 M illionen Silber münzen- Die Münzprägung galt im Mai in erster Linie den Silbermünzen. Deren Zahl wurde von nicht ganz 3i/3 Millionen Stück auf fast 23 Millionen gebracht, so daß davon schon am Ende des Mo­nats 26 276 452 Stück im Verkehr waren. 15 778 996 zu 1 Mk. und 10 497 456 zu 3 Mk. In Berlin wurden allein 15 Millionen Silbermünzen geprägt, in Stuttgart 2V2 Millionen usw. Von Münzen zu 1 Rentenpfennig wurden nur noch unbedeutende Mengen in München und Stuttgart geprägt. Die Prägung von solchen zu 2 Pfg. hat man auch in Muldenhütten eingestellt. Im ganzen gab es nur etwas über 95 Millionen neue Pfennigmünzen, 28 zu 50 Pfg., 26i/2 zu 10 Pfg., 25V3 zu 5 Pfg., nicht ganz 11 zu 2 Pfg. und 1,3 Millionen zu 1 Pfg. In ganzen sind 591 612 560 Rentenpfennligmünzen ge­prägt, so daß von den neuen Münzen insgesamt 617 889 012 oder mehr als 10 Stück auf den Kopf der Bevölkerung zur Qkrfügung stehen.

RDV. Zulaufsgene hmigangspflich t i g e Waren im Po st verkehr. Nach einei Entscheidung des Leitenden Zollausschasses in Koblenz sind Pakete mit Fahrradteilen nach deir gesamten besetzten Gebiet zulaufsgmeh- migungspflichtig.

** Zu dem Bericht über dieSchöffen- gerichtsverhandlung vom 7. Juni geht uns folgende Zuschrift zu:Der verurteilte Heinrich Scholz ist nicht Naturheilkundiger, hat sich auch nicht als Naturheilkundiger bezeichnet, und gehört nicht dem hiesigen^Naturheilverein an. Er hat sich lediglich als Heilkundiger be­zeichnet und hat mit der Bewegung der Natur­heilkunde nichts zu tun."

** Wasser wärme der Lahn. Heute morgen 17 Grad Reaumur.

DornoNzen.

Tageskalender für Freitags Englisches Seminar der Universität: 8V4 Ahr im Hörsal 45 Dortrag von Prof. I. A. Roy. LiebigShöhe: 8 Ahr zweites Abonnements­konzert der Reichswehrkapelle. Gießener Rudergesellschaft 1877: im Bootshaus 8V2Ahr Dortrag von Prof. Dr. Lange. Südwest­deutscher Radioklub: 8l/2 Ahr im Phhfikal. In stitut LehrkursEinführung in die Radiotechi nik". Rundfunkhaus Löberstraße: 8V2 Ahr Wiener Abend Lichtspielhaus Bahnhofstr.: Der Geigerkönig." Astoria-Lichtspiele Die Raubzüge der Totenkopfflieger." Pw last-Lichtspiele: Erstaufführung des 2. Nibe» lungenfilmsKriemhilds Rache".

(Siebener Goethe-Woche. Vom Goethe-Bund wird uns geschrieben: Leider ist die Beteiligung der Bürgerschaft an der geplanten Gießener Goethe-Kundgebung so gering, daß dic Durchführung des vielversprechenden Festpro­gramms ernstlich in Frage gestellt ist. Es wäre im Interesse unserer Aniversitätsstadt höchst be< bäuerlich, wenn nicht an einer der vorgesehener Veranstaltungen sich die gesamte Bürgerschaft beteiligen würde. Mag die Schwere der wirt­schaftlichen Verhältnisse drückend auf viele unserer Mitbürger lasten, so sind wir dennoch überzeugt, daß unsere Bürgerschaft die hohe Bedeutung dieser Veranstaltung erkannt hat und jeder es sich zur Pflicht anrechnet, unserer Gießener Goethe- Kundgebung zu einem würdigen Erfolg zu ver­helfen. Die andernfalls erforderlich werdenden Streichungen im Programm wären um so bedauer­licher, als durch weitgehendes Entgegenkommen der Mitwirkenden, die sich in uneigennütziger Weise in den Dienst der Sache stellten, es möglich war, ein so vielversprechendes Festprogramm -ruf« stellen zu können. Man beachte Die heutige Anzeige.

Bühnenvolksbund. Man bittet uns, besonders darauf hinzuweisen, dah die Auffüh­rung von LienhardsWieland der Schmied" am Sonntag die letzte hier in Gießen ist, und daß der Beginn mit Rücksicht auf auswärtige Besucher bereits auf 4 Ll h r festgesetzt ist. (Siehe Anzeige.)

Oberhessischer Geschichtsver- e i n. Man schreibt uns: Wir machen daraus auf- meitfam, daß der Oberhessische Geschichtsverein am kommenden Sonntag den üblichen Sommer- ausflug veranstaltet und zwar nach Mar bürg, dessen herrliche Kunstdenkmäler unter der kundigen Führung von Professor Rauch besichtigt werden. Gäste sind willkommen! (Im übrigen siehe An­zeige.-

Zur Sonnwendfeier auf der Burg Münzen berg lädt der Jungdeutsche Orden im Anzeigenteil unseres heutigen Bialles ein. Interessenten seien auf diese Ankündtguna besonders aufmerksam gemacht.

Wettervovaussaqe

Heiter bis tooltig, ziemlich warm, meist trocken.

Landkreis Gicszen.

J) Lich, 18. Juni. Der ©emeinberot beriet in feinet gestrigen Sitzung, zu welcher der Amtsvorstand bei hiesigen Oberförsterei, Forst rat H e i m b u r g, zugezogen war, den Entwurf des Waldwirtschaf tsplanes für das Rech­nungsjahr 1925 und stimmte dex Vorlage zu. Durch Aenderung der Bestimmungen des Reichs­rats über die Erhebung der Vergnügungs- , ft euer vom 10. April 1924 wurde auch eine Aenderung der bestehenden Ortssatzung notwen- 1 big. Der von dem Bürgermeister hierüber vor­gelegte Enttrurs, der als wichtigste Bestimmung bei Tanzvergnügungen bie Erhebung ernerPausch- fleuer in Höhe von 25 Goldpfennig für 10 Qua­dratmeter Veranstaltungsfläche (seither 6 Pf.) vorsieht, würbe gutgeheihen. Auf Widerruf genehmigt wurde das feit Jahren über das ftäbt. Gelände der Mengesgafse geführte Schmal- s p u r g e I e i f e der Firma Heinrich Reger in Lich gegen Ausstellung eines Reverses und Z»h- luna einer jährlichen Anerkennungsgebühr von 20 Mk. Verschiedene früher in Papiermark fest­gesetzte Anerkennungsgebühien wurden auf An­trag hin auf Goldmark herabgesetzt. Die städti­schen Bauplätze am Wall Flur I (Ur. 8984/10 und 8985/io sind laut einer Verfügung des Dezirks- wohnungskvmmissars für bie Baulustigen Leo­pold Pirl und Martin Siejkvwski in 2In= sprach genommen wordren. Die Bauplätze werden ben Genannten im Wege bes Erbbaurechts über­lassen. Degen ein Baugesuch des Martin Siej- kowski wurden Einwendungen nicht erhoben. Verschiedene Gesuche hiesiger kleinerer Geschäfts­leute um Erlaubnis zur Anbringung von Fir­menschildern senkrecht zur Stvahenflucht- hnie wurden zurückgestellt. Gleichzeitig wurde bc-

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