Ausgabe 
19.8.1924
 
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Abstellung der Liebelstände herbeizuführen. Sper­rtet habe sich hiermit bereits einverstanden erklärt.

-Zu Dienstag, vormittags 10 Llhr, wur­den die Ministerpräsidenten der Län­der vom Reichskanzler nach Berlin gebeten. Mittwoch tritt wahrscheinlich der Auswär­tige Ausschuß zusammen.

Die Koalitionsparteien fest hinter der Regierung.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 19. Aug. Wie wir aus parlamen­tarischen Kreisen erfahren, werden sich die Frak­tionell der Regierungsparteien am Mittwoch im Reichstag versammeln um zu dem Ergebnis der Londoner Konferenz Stellung zu nehmen. Es ist schon fetzt mit Sicherheit vorauszusehen, daß die Regierungsparteien sich re st los geschlossen hinter das Kabinett Marx-Stresemann stellen werden, nachdem bei der Parteiführer-Besprechung bereits zum Ausdruck gebracht worden war, daß die Reichsregierung in Bonbon den deutschen Stand­punkt mit Erfolg durchgeseht hat.

Die Haltung der Deutschnationalen.

(Eigener Informationsdienst.)

In den Kreisen der deutschnationalen Reichstagssraktion erklärt man, daß das Ergeb­nis der Londoner Konferenz nicht befrie­digend sei. Die -Zustimmung zu der einjährigen Räumungsfrist erwecke die aller stärk st en Bedenken, und es sei nach wie vor absolut keine Llrsache vorhanden, die teilweisen Erleich­terungen als eine wirklich tragbare Lösung der militärischen Räumungsfrage anzusehen. Roch be­denklicher aber sei die Tatsache, daß die deutsche Delegation in London nicht die Möglichkeit wahr­genommen hat, in der Frage der Kriegs­schuld eine Erklärung abzugeben. Die deutsch­nationale Reichstagsfrccktivn werde bei ihrer Stel­lungnahme zu den Ergebnissen der Londoner Kon­ferenz die Frage zu prüfen haben, ob die sieben Punkte, die von deutschnativnaler Seite als Bor­bedingung zur Annahme des Sachverständigen« Gutachtens ausgestellt waren, erfüllt worden sind oder nicht. Eine Zustimmung der Deutschnatto- nalen zu den Aussührungsgesetzen erscheine nach Lage der Dinge ganz unwahrscheinlich.

Ministerrat in München.

München, 18. Aug. (WB.) Heute vor­mittag traten die Mitglieder der bayerischen Staats regierung zu einem Mini st er rat zu­sammen. Gegenstand der Beratungen ist in der Hauptsache das Ergebnis der Londoner Konferenz. Ministerpräsident Held wird abends nach Berlin abreisen zur Teilnahme an den am Dienstag beginnenden Besprechungen der Ministerpräsidenten der deutschen Länder mit der Reichsregierung. Ministerpräsident Held nimmt auch an der Sitzung des Reichsrats teil und eventuell auch an der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses.

Dor einem Ausruf der Regierung

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 19. August. Don unterrichteten Stellen wird uns soeben mitgeteilt, daß die Reichs- regierung beabsichtigt, in den nächsten Tagen eine Kundgebung zu erlassen, in der sie auf die Bedeutung des Ergebnisses der Lon­doner Konferenz hinweist. Diese Kundge­bung ist namentlich für die Devölke- rüng der besetzten Gebiete bestimmt.

Frankreichs Hegemonie 1 über Europa.

ckin französisch-serbischerDefensiv"- Vertrag.

Paris, 19. Aug. DemMatin" wird aus Belgrad gemeldet: DieWvemja" teile mit, daß 'Außenminister Maringowitsch in den letzten Tagen mehrere Hnterretmngen mit dem französischen Gesandten in Belgrad de Billy über den demnächstigen Abschluß eines Defensivdertrages zwischen Südslawienund Frankreich gehabt habe. Dasselbe Blatt erfährt, daß die Verhandlungen sich ihrem Ende nähern und daß anfangs Sep­tember Maringowitsch zur Llnterze.chnung des Vertrages nach Paris reifen werde. Dec All'anz- vertrag werde die Aufrechterhaltung des Status quo auf dem Balkan und in Mitteleuropa zum Ziele haben und in den Grundzügen dem fran­zösisch -tschechischen Defensivvertrag äh eln. Llnmit'elbar nach der Llnterzeich u g werde Kö­nig Alexander zu einem of 113teilen Be uch bei Dvumergue nach Paris reifen.

Die Aufwertungssrage.

Im Reichstagsausschuh für Auf - Wertungs-Angelegenheiten erklärte gestern, wie aus parlamentarischen Kreisen ver­lautet, der Vertreter des Reichsemährungsmini- sleriums, eine allgemeine Aufwertung sei schon mit Rücksicht auf die Rotlage der Landwirt­schaft ganz unmöglich. Der Vertreter des Finanzministeriums betonte gleichfalls ben ablehnenden Standpunkt seines Ressorts. In den Fragestellungen, die sich an die Regie­rungserklärungen knüpften, kam zum Ausdruck, daß auch seitens der aufwertungsfreundlichen Parteien nicht mehr an eine generelle, sondern mir cm e:ne individuelle Aufwertung unter Berücksichtigung der sozialen Verhältnisse ge­dacht wird.

Zusammenstöße in Italien.

Reapel, 18. Aug. Zahlreiche Mitglieder der Oppositionsparteien, welche sich zu einer Versammlung in ein katholisches Dererns- lokal begeben wollten, wurden von der Polizei auseinandergetrieben. In Piazza Dante ereignete sich ein Zusammenstoß der Denronstran- ten mit einer Gruppe Faszisten, wobei meh­rere Personen getötet und verletzt wurden.

Rom, 18. Aug. (WTD.) Wegen des gestri­gen Zusammenstoßes in Reapel zwischen Fas- zisten und Anhängern der Opposition greift dis O p p 0 s i t i 0 n s p r e s s e die F a s z i st e n und die Rationale Miliz, die allein geschos­sen hätten, mit äußerster Heftigkeit an und meint, die erste Provokation habe schon Samstag stattgefunden mit der Plünde -> rung einiger Vereinslokale durch die Faszist en,

Ein spanischer Heeres­bericht.

Paris, 19. Aug. (WTD.) Havas berichtet aus Madrid: Das offizi^le Kommuniquee über die Operationen in Marollo tautet:

Ostzone: In der Gegend Afrau und Ti- farium ist eine spanische Kolonne angekommen und hat die Stellungen mit Munition und ßd* bensmitteln versehen und die Rebellen zurück­geschlagen. Auf spanischer Seite sind zwei Leut­nants getötet und zwei verwundet worden.

W e st z 0 n e: Der Feind hat die Eingebore- nen-Garnison von Ohmesan angegriffen, ist aber mit starken Verlusten zurückgeschlagen worden. Die spanischen Verluste betragen fünf Tote und fün Verwundete. Eine spanische Kolonne ist nach dem Lauflusse abgegangen und in der Gegend von Emsa angegriffen worden. Die spanischen Ver­luste betragen fünf Tote und vierunddreihig Ver­wundete.

Madrid, 18. Aug. (WTB.) Halbamtlich wird erklärt, daß der feindliche Druck au ; die spanische Stellnng in Marokko fortdauere und die Truppenbewegungen stän­dig am Laufluh bedrohe.

Griechische Forderungen an Bulgarien.

Athen, 18. Aug. (Agence d'Athenes.) Der griechischeGesandtein Sofia hat an die bulgarischeRegierung eine Rote gerich­tet, in der gegen die Ausschreitungen gegen die griechischen Staatsangehörigen in Burgas pro­testiert wird und unverzügliche Mahnah - men zum Schuhe des Lebens der grie­chischen Bevölkerung gefordert wer­den.

Die Revolte im Sudan.

Eine britische Note an die ägyptische Regierung.

London, 18. Aug. (WB.) Die britische Regierung hat der ägyptischen Regierung kategorisch mitgeteilt, daß sie sich als für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Sudan ver­antwortlich betrachtet und deshalb beabsich­tigt, die Regierung des Sudans in allen zur Er­haltung der öffentlichen Sicherheit nötigen Maß­nahmen zu unterstützen. Die britische Re­gierung hat daher die dortigen englischen Truppen verstärkt und die Regierung des Sudans zur Entfernung aller unzufriedenen Elemente unter ben im Sudan stehenden ägyptischen Truppen er­mächtigt.

Jur Lage in Mexiko.

Paris, 19. Obig. (WB.) DerPetit Pa- risien" erfährt, daß ungefähr hundert mexikanische Aufständische mit dem General Sanchez an der Spitze den Eilzug MexikoVeracruz an- ggegriffen haben, der Truppen und Rei­sende beförderte. Die Lokomotive und zwei Wagen wurden zum Entgleisen gebracht, der Speisewagen wurde in Brand gesteckt und etwa zwanzig Reisende wurden getötet

Aufhebung des Verbots politischer Parteien und Verbände.

Am 21. Juli hat der Reichstagsausschuß für Rechtspflege beschlossen, dem Plenum folgenden Antrag zu unterbreiten:

Alle von der Reichsregierung oder von Landesregierungen ergangenen oder aufrecht er­haltenen Verbote von politischen Parteien sind aufzuheben."

Dazu hat der Abg. Dr. Werner, wie uns aus Darmstadt mitgeteilt wird, beantragt:Die Regierung zu ersuchen: 1. Dem angeführten Be­schlüsse ohne Aufforderung durch die Reichsregie- mng schleunigst zu entsprechen. 2. Das ver­fassungswidrige und ganz unbegründete Verbot des Deutschvölkischen Schuh- und Trutzbundes in Hessen; 3. das Verbot des Iungdeutschen Ordens und anderer Vereinigungen zur Pflege deutschen Volkstums an den Schulen baldigst aufzuheben."

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 19. Aug. 1924.

Deutsch.

Von Karl Jaspers.

Du deutscher Jüngling, der du noch die Jazz. Fox, Jimmy, und wie diese neuen, von den Hottentotten übernommenenErrungenschaften" alle heißen, zu deinem liebstenSport" zählst, sieh dir doch einmal die Hersteller dieser meist mehr als schwülen Weisen an, nach denen du dich so gern drehst und wendest I Sind-nicht mindestens 90 v. H. von ihnen keine Deutschen? Merkst du nicht, wie geschickt diese Leute auf solche Weise die sittlichen Grundlagen deines Volkes zu zerstören bestrBt sind und sie zum Teil schon zerstört haben? Schämst du dich nicht, daß auch du so leicht willen­los dem Locken der Verführer unterlegen bist? Gibt es nicht alte deutsche Tänze genug, mit denen du dich vergnügen kannst? Man nahm sie dir? Ei so hole sie wieder!

Lind dann denke noch einmal an die vielen Toten des großen Krieges, denke an die tapferen Brüder der Ost- und Westmark, die dort trotz Rot und Tod das deutsche Volkstum wahren! Sitzen nicht noch Tausende von ihnen im Gefängnis? Sind nicht Hunderte von ihnen gemordet, Lln- zählige aus der Heimat vertrieben? Werden nicht noch heute deutsche Frauen von schwarzen Ban­diten geschändet? Gibt es nicht noch eine einsame Insel im Golf von Biscaya, St. Martin de Rs, wo 38 junge deutsche Männer inmitten französi­scher Schwerverbrecher täglich aufs neue gepeinigt und drangsaliert werden? Fiel nicht vor einem Zohre der Held Albert Leo Schlageter für dich, für uns, feige umgebracht von welschen Hunden? Was machtest aber du in seiner Todesstunde? Tanztest du da nicht vielleicht auch? Verhöhntest du nicht vielleicht gerade in dieser Stunde unseren FridericusRex, indem du nach der Weise seines Marsches einen flotten Schieber tanztest?

- Ist das deutsch?

Lind du, deutsches Mädchen, denke daran, es kommt eine bessere Zeit, da wird vor dir ein kleiner Junge stehen mit blitzenden Augen, und du wirst ihm erzählen von der großen Rot, die dein Volk einst erlitten, wirst ihm sagen, wie die Volksgenossen langsam verhungerten, wie alte Leute freiwillig aus dem Leben schieden. Du wirst ihm auch schildern, wie die anderen Volksgenossen

keinen Sinn für diese ungeheure Rot hatten, wie sie praßten, schwelgten, schlemmten und noch am Abgrunde tanzten. Lind dein andächtig lauschender Junge wird dich ansehen und dich fragen:Mut­ier. ivas tatest du zu jener -Zeit?" Was wirst du dann antworten? Sorge dafür, daß du dem Jungen frei in die Augen fchauen kannst, ohne zu erröten, daß du nicht beschämt schweigen muht!

Deutsche Jugend, es soll dir hier nicht etwa Abkehr von allem Vergnügen gepredigt werden. Im Gegenteil, ein fröhlicher Mensch schafft mehr als ein griesgrämiger, aber sorgt dafür, daß diese Fröhlichkeit wieder deutsch werde, macht endlich einmal Front gegen all den Schmutz, mit dem man euch überschwemmt, zeigt eure Faust, macht eure Heimat frei, und dann tanzt fröhlich eure deut­schen Tänze!

Einkommen- und Körperschaftsfteuer- vorauszahlungen.

Der Reichsfinanzminister hat unter dem 6. August die 6. Durchführungsbestimmungen über die Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschaftssteuer im Kalenderjahr 1924 au Grund der 2. Steuernotverordnung erlassen. In den ersten Durchführungsbestimmungen war dem Finanzamt u. a. die Berechtigung eingeräumt, die Vorauszahlungen nach dem Durchschnittsgeldein- kommen der Jahre 20 und 21 festzusehen. Wollen die Finanzämter von dieser Korrertivbestimmung Gebrauch machen, so wird den Finanzämtern be­sonders sorgfältige Prüfung zur Pflicht gemacht, und es wird vorgeschrieben, daß sie auf jeden Fall ben Steuerpflichtigen Gelegenheit 3_u r Aeu ßerung geben müssen. Voraussetzung für die Anwendbarkeit dieses Korrektivs ist fer­nerhin, daß die bisher geleisteten Vorauszahlun­gen im auffallenden Mißverhältnis zur Größe und Bedeutung des Betriebes stehen. Es darf aber nicht ohne weiteres schematisch in allen Fällen, wo bei Anwendung dieses Korrektivs höhere Betröge fällig würden als nach den allgemeinen Be­stimmungen dieses Korrektivs, angewandt werden.

Rach den ersten Durchführungsbestimmungen war bem Steuerpflichtigen die Wahl gelassen, ob er die Betriebseinnahmen nach dem Soll" oder nach demIst" versteuern will. An feine Wahl war er für die Einkommen- bzw. Körperschaftssteuer- und Llmsahsteuer-Vorauszah- lungen gebunden. Es wird nunmehr angeordnet, daß auf Antrag Steuerpflichtige, die bisher nach demSoll" versteuert hatten, zu demIst" über­gehen dürfen. Wird von dieser Möglichkeit Ge­brauch gemacht, so sind nicht nur die Vorauszah­lungen für die Einkommen- oder Körperschafts­steuer, sondern auch die Vorauszahlungen für die Llmsahsteuer fortan nach demIst" zu zahlen.

Das Finanzamt kann in Fällen, in denen Steuerpflichtige in der ersten Hälfte dieses Jahres erhebliche Gewinne aus der Verleihung von Geld zu hohen Zinssätzen erzielt haben ober noch erzielen, die Vorauszahlung für diese Einnahmen nach den Bestimmungen des § 7 der 2. Steuernot­verordnung berechnen, d. h. nach dem Lleberschuh der Einkünfte über die Werbungskvsten, und zwar betragen in diesem Falle die Vorauszahlungen für die ersten angefangenen oder vollen 2000 Gm. des Lleberschusses 10 v. H. abzüglich je 1 v. H. für die zu berücksichtigenden Familienangehörigen, für die Übrigen Beträge jedoch 20 v. H

Einkommen aus Vermietungen soll unter besonders verständnisvoller Rücksichtnahme auf die schwierige Lage des Hausbesitzers ver­anlagt werden. Der Reichsminister der Finanzen erkennt an, daß die erhöhten Mieten den Haus­besitzern vielfach deshalb nicht voll zugute kom­men, weil sie die gegen früher erzielten Mehr­beträge für Reparaturen verwenden müssen. Werden Beträge für Reparaturen angesammelt. um erst künftig etwa in einem späteren Vierteljahre zur Verausgabung für Repara­turen zu gelangen, so würde in solchen Fällen der für Reparaturen zurückgelegfe Betrag am Ende des Vierteljahres zu versteuern sein. Denn er stellt sich als Einnahme dar, und seine künftig eintretende Verwendung ist nicht ohne weiteres erkennbar. Es ist für Hausbesitzer besonders wich­tig, daß der Minister die Finanzämter anweist, in solchen Fallen eines der möglichen Korrektive bei der Besteuerung zugunsten der Hausbesitzer anzuwenden. Die Hausbesitzer werden gegebenen­falls einen entsprechenden Antrag beim Finanz­amt zu stellen haben.

Erwerbsunfähige, in der Erwerbs- ähigkeit beschränkte oder über 60 Jahre alte .Steuerpflichtige, die Einkünfte aus Renten usw., Vermietungen usw., freien Beruf oder Unter» tützung beziehen und keine höheren Einnahmen als jährlich 600 Goldmark haben, sollen künftig regelmäßig von der Leistung irgendwelcher Vor- auszahlungen befreit sein.

Einmalige Einnahmen vom Gehaltsemp- änger, wie Tantiemen und Gratifikationen, ind den Vorauszahlungen für 1924 mit unter­worfen. Wo dies bislang nicht geschehen ist, oll es bei der nächstfälligen Vorauszahlung nachgeholt werden.

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Zur Wohnungsnot.

Man schreibt uns: Irn Zeichen größter Woh­nungsnot, insbesondere in den Städten, ist immer noch nicht genügend bekannt, daß die Erlaubnis des Vermieters, den Gebrauch des Wohnraums einem Dritten zu überlassen, insbesondere unter­zuvermieten, durch die Erlaubnis des Mieteini- gungsamts ersetzt werden kann. Das Mieteini­gungsamt soll die Erlaubnis nur versagen, wenn der Vermieter sie aus einem wichtigen Grunde verweigert hat.

Verweigert also der Hausbesitzer ohne wich­tigen Grund beispielsweise die Unterbermietung eines möblierten Zimmers, wozu im allgemeinen auf Grund des § 549 BGB. seine Erlaubnis ein­zuholen ist, so kann, wie bereits erwähnt, diese verweigerte Erlaubnis auf Antrag des Mieters durch eine Entscheidung des Mieteinigungsamts ersetzt werden.

Gar häufig stehen aber auch infolge der Wohnungszwangswirtschaft Mieter und Vermie­ter auf derartig gespanntem Fuße, daß eine Tren­nung für beide Teile wünschenswert erscheint, diese Trennung aber gegen den Willen des Mie­ters nur in ganz bestitnmten, im Gesetz über Mie­terschutz und Mieteinigungsämter bezeichneten Fällen, und dann nur durch gerichtliches Urteil und meist nur gegen Stellung einer geeigneten Crsahwohnung, durchführbar ist. 2n vielen Fällen gelingt es nun dem Mieter, der ebenfalls gerne ben bestehenden Mihhelligkeiten aus dem Wege gehen mochte, leichter als dem Hausbesitzer, eine für ihn passende Ersahwohnung zu finden und den Mieter dieser Wohnung zu einem Tausch mit ber feinigen zu veranlassen, die Durchführung des geplanten Tausches scheitert aber daran, daß sich der Hausbesitzer aus oft recht belanglosen Grün­

den weigert, den ihm zum Tausch vorgeschlage- nen Mieter mietweise aufzunehmen, wodurch neuer Streit zwischen den Parteien entsteht. Auch hier kann auf Grund des § 29 des Mieterschutzgesehes das Mieteinigungsamt um die Erlaubnis zur Un­tervermietung seiner Wohnung an ben von ihm gefundenen Mieter gegen den Willen des Ver­mieters angerufen werden. Anträge dieser'Art sind unter Schilderung des Sachverhalts und den genauen Anschriften der in Betracht kommenden Parteien in dreifacher Ausfertigung zu stellen.

K°.

Glehener Wochenmarktpreise

am 19. August 1924 (Händlerpreise).

Es kosteten: Butter Pfd. 200 Pf., Matte 25, Käse 4060, Eier Stück 14, Wirsing Pfund 20, Weißkraut 20, Rotkraut 30, gelbe Rüben 15, Spinat 30, Bohnen 15, Blumenkohl Stück 50 bis 150, Salat 1015, Salatgurten 1050, Einmach­gurken 34, Endivien 30, Ober-Kohlrabi 1015, Erbsen Pfd. 15, Tomaten 40, Pilze 15, Kar­toffeln 5, Falläpfel 8, Aepfel 25, Dirnen 15, Brombeeren 50, Himbeeren 60, Pflaumen 15, Zwetschen 40, Mirabellen 45, Reineklauden 35, jun^e Hahnen Stück 90120, Suppenhühner 100 bis 200. -

Borrrottzen.

Tageskalender für Dienstag. Stadttheater, 8 Uhr: Großstadtluft. Steno­graphen - Verein Stoltzte - Schreh, Dereinsbe- sprechung um 8 Uhr im Schipkapaß. Grün- dungsversommlung der Altersvereinigung 1894 bis 1924, 8V2 ^Ihr im Sjinbenbirrg. Rund- funkhaus, Löberstvaße, 8V2 Uhr: Musikalischer Abend.

Am Anzeigenteil kündigt der Riesen- zirkus Aluwoe sein Eintreffen für die nächsten Tage an.

**Blaue Mil ch". 'In letzter Zeit machen Hausfrauen' häufig die Beobachtung, daß Die von ihnen zum Sauerwerden aufgestellte Milch nach ein bis zwei Tagen auf der Oberfläche blaue Flecken zeigt ober ein vollständig blaues Aussehen bekommt. Wie uns das Chemische Untersuchungsamt für die Provinz Ober Hessen mitteilt. ist diese Erscheinung auf Bakterien (Bac- tenum syncyaneum) zurückzuführen, die aus der Lust in ble Milch gelangen und durch Farbstoff­bildung die blaue Farbe der Mllch verursachen. Die Milch wird durch ihr blaues Aussehen wohl unappetitlich, gesundheitsschädlich ist sie aber nicht.

Aufgang ber Hühnerjagd. Die Hühnerjagd beginnt auf Grund des § 3 der Ver­ordnung über die Ausführung des Iagdstraf- gesehbuches vorn 29. April 1914 nach einer Be­kanntmachung des Ministeriums des Innern für das ganze Land, mitAusnahme derober- hessischen Kreise Alsfeld, Lauter­bach und Schotten am 25. August. Die Hüh­nerjagd in den drei Kreisen beginnt erst am Mon­tag. dem 1. September 1924. Die Hegezeit für Fa­sanen erfährt keine Aenderung. Die Jagd auf Fasanen beginnt also erst am Dienstag, dem 16. September.

** Vom Vogelsberger Höhenclub. Am Sonntag veranstaltete der V.H.C. Gießen seine Augustwanderung in die reizvolle .Umgebung un­serer benachbarten Musenstadt. Trotz ber Unbil­den des vorherigen Tages hatte sich eine stattliche Wanderschar von 80 Teilnehmern am Bahnhof Gießen eingefunden, um ben Frü^ug nach Rieder- Walgern zu benutzen. Ueber Wenkbach unb die Rehbrücke ging es zum höchsten Punkte der heu­tigen Wanderung, bem ruinengefrönten Frauen­berg, von dessen Gipfel man einen entzückenden Rundblick genoß. War die Fernsicht auch leider etwas beschränkt, so bot ber Blick auf die nähere Umgebung, das Lahntal, den Ebsdorfer Grund und namentlich das malerische Marburg mit seinem hochragenden Schlosse genug des Schö­nen. Auf mancherlei Kreuz- und Querwegen, die indes mit gutem Humor genommen tourben, ge­langte man zum Elisabethenbrunnen, einer eigen­artigen, im 16. Jahrhundert erbauten, von Lin­den und Buchen umsäumten unb mit steinernen Ruhebänken versehenen Brunnenanlage. Von der Terrasse der dicht dabei gelegenen Gastwirtschaft hatte man einen schonen Blick in die fruchtbare Ohmebene mit Schröck im Vordergrund und dem hochgelegenen Amöneburg und der Wittelsbacher Warte im Hintergrund. Rach angemessener Kafsee- pouse ging es über die Hansehäuser dem Endziele Marburg zu, unterwegs immer prächtige Ausblicke auf die herrlich gelegene Musenstadt genießend. Auf Bopps Terrasse wurde noch eine geraume Zeit bis zur Heimfahrt in trautem Beisammensein verbracht.

" IugendherbergeHoherodskopf. Die Arbeiten zum Ausbau sind voll im Gang:

T. sind die Maurer- unb Zimmerarbeiten schon fertiggestellt. Die Schreiner- unb Anstreicher- arbeiten werden aber noch-einige Wochen in An- Pruch nehmen. Das ungünstige Wetter hat lei­der einige Verzögerung gebracht, doch wirb mit ber Fertigstellung noch im September gerechnet.

** Die Allgemeine Ortskranken­kasse fordert im Anzeigenteil zur Einzahlung ber noch rückständigen Versicherungsbeiträge bis zum 26. August auf.

** Aus bem Gießener Standes- amtsregister. Es verstürben in ber Zeit vom 1. bis 14. August: 1. Aug. Katharine Wienbrauck jeb Schwarz, Witwe, 71 Jahre alt, Schützen- Ivaße 19. 8. Aug. Hermann Schaumberger, Mäk­ler, 78 Jahre alt, Lubwigstrahe 30. 13.2teg. Marie Majewski, Schneiderin, 43 Jahre alt, Liebigstraße 37(. Elisabethe Kuhl, geb. Henkel, Witwe, 61 Jahre alt, Grabenstrahe 6. 14. Aug. Anna Marie Dauer, geb. Dauer. Witwe, 59 Jahre alt, Lahnstraße.

Landkreis Gir^cn.

Dg. Gr.-Düse ck, 18. Aug. Das sechs­jährige Töchterchen des Landwirts Wagner lief auf dem Felde in eine unvorsichtig gehaltene Sense und erlitt an einem Beine so schwere Ver­letzungen, daß es zur Klinik gebracht werden mußte. Man befürchtet, daß das Bein steif wird. Dor dem Kriege hatte unser Dorf drei Dresch- rnaschinenbesiher. In der Inflationszeit errb» chlossen sich zwei davon zum Verkauf ihrer Maschinen. Run hat sich eine größere Zahl Landwirte zusammengeschlossen, um eine Dresch­garnitur zum gesellschaftsweisen Gebrauch zu be- chaffen.

Hessen-Nassau.

fpd. Fulda, 18. Aug. Die Erinnerung an bie vor 1200 Jahren vollzogene Fällung der Donareiche durch len Hs. Bo i.atius findet ihren estlichen Ausdruck in einer Reihe kirchlicher Ver­anstaltungen, die in diesen Tagen in der Bischofs-