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Oer Alte auf Topper.

Stenum von Hanns von Zvbeltitz.

20. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

»Da spann' aus und versorg' den Schecken," Heißt es noch, und dann irahm dec alte Herr umständlich die beiden schweren Säcke vom Wagen und trug sie hinüber ins Herrenhaus und in seine Stube, schlost sie fort. Stand eine Weile in Gedanken, zündele dann das Lalglicht im Wessingleuchter an, putzte den Docht besonders umständlich, wie um Zeit zu gewinnen, und schellte: »Die gnädige Frau möcht' doch mal 'rüberkommen."

Das Licht gab nur einen schwachen Schein. Aber als Beate über die Schwelle trat, war's ihm, als brauchte er gar nicht zu fragen:Wie geht's mit dem Christian?" So wunderlich jung sah sie aus, fast wie eine glückliche Frau. Schien dabei eine eigene Emotion in ihr, dah sie gleich begann: Herr Baler, dem lieben Gott sei gedankt, Chri­stian ist recht gut zuwege, hat gegessen und ge­trunken, mit schönem Appetit, und viel mehr mit mir gesprochen, als bis heute."

So, das freut mich, meine Tochter," sagt er darauf.Der Durdrian ist doch ein Deubelskerl, aber deine treue Pflege wollen wir nicht ver­gessen. Lind nun setz' dich, ich hab' mit dir zu sprechen." Stellt den Messingleuchter auf ben grosten Tisch, seht sich in den Lehnstuhl und fängt an zu erzählen: von seinen Geschäften in Stern­berg und was der Züd gesagt und das) er Geld mitgebracht hätte und allerlei, was eigentlich nicht zur Sache gehört. Macht nämlich Llmwege und muh dann endlich doch damit heraus:Also,

Tochter, in ein paar Tagen oder so geht der Kaspar ins Feldlager."

Dachte, sie würde sehr erschrecken oder auf­brausen. Aber sie sitzt stille, hat nur die Hände fest ineinander verschränkt und den Scheitel tief geneigt, dah er ihr Gesicht nicht recht sehen kann. Antwortet gar nichts.

Nämlich, Beate, es muh sein. Order muh pariert werden. Ich hab' aber noch meine be­sonderen Gründe." Lind ec beginnt wieder zu erzählen, von dem Junker und der Rath, and meint wieder: jetzt wird sie hochfahren.

Aber sie sitzt so stille, wie vorher, und spricht nur, nach einer Weile, ganz sanft und leise: Die Kinder . . ."

Beinah, dah er jetzt aufgebraust wäre. So leicht, wie sie das nahm, beinahe, als ob sie's entschuldigen wollte. Doch er besinnt sich uird beherrscht sich. Ist im Grunde froh, dah die liebe Frau sich so fügt. Steht langsam und schwer auf, nimmt den Leuchter:Gat also. Nun will ich den Christian sehen." Geht zur Türe, wartet auf sie. Halb hat sie sich erhoben, sinkt wieder zurück. Sind doch wunderlich, die Froaensloute. Also geht er allein.

Wie aber die Tür sich hinter ihm geschlossen, wirft sie die beiden Hände vor das Gesicht und weint bitterlich.

* # *

Am nächsten Tage, dem Tage des Herrn, ging der Herr Patron mit den Seinen zum Gottes­dienst. Er voran, neben ihm Frau Beate, mit dem Gesangbuch im Arm: dahinter ein ungleich Paar, der greise Junker Egid und das junge Blut Kaspar.

Der Küster 'harre es adzupafsen mit dem Sinläuten, bis der gnädige S)err auf die Dorf- strahe trat. Aber der Gestrenge machte es nicht wie andere, die Pastor uni) Gemeinde gern war­ten liehen. Er war allezeit pünktlich, und sein Haus nruftte es mit ihm sein.

Langsam, ein wenig gravitätisch, schritt er die Dvrsstrahe entlang, über den Gottesanger und mit gelüftetem Hut über die Schwelle des Kirch­leins, aus dem Steinpflaster hin zum Herrschafts­gestühl. Da wartete schon hinter dem schweren, wappengeschmückten Cichenstuhl der Derworrner und schob ihn dem Gnädigen unter. Links neben ihm kam die Schwieger zu sitzen und dann Egid: der Junker hatte hinter seiner Mutter za stehen.

Klein und ärmlich war das Kirchlein. Aber auf den Holzbänken sah die Gemeinde dicht ge­drängt, die Männer mit ihren harten Ledergesich- tern, die Weiber die grobe Haube, aus schwarzem Band kunstvoll gebunkert, auf den Köpfen. Jeder im besten Kleid, das ihm die Russen gelassen. Der Patron konnte zufrieden sein: es fehlte Wohl keiner und keine: er »nd der Pastor hielten scharf auf die Kirchenzucht.

Drüben auf der anderen Längsseite sah die kleine Frau Magister, die noch recht elend aussah: neben ihr die Frau Schulmeister, und dahinter stand Ruth. Auf der niedrigen Empore hockte die Jugend auf ihren Schemeln: in der Mitte zwischen ihr der einarmige Balthasar Schmidt als Chormeister, mit dem Röhrchen in der Hand, dah er ein weniges mit ungebrannter Asche nach­helfen könnte, so es nicht recht klappte: ganz am Ende knieten zwei Jungen mit den nackten Schien­beinen auf Erbsen, weil sie am vorigen Sonntag der nötigen Aufmerksamkeit ermangelt hatten. Das

mußte schmerzlich weh tun, denn den Sünden, liefen jetzt schon die Tränen über die Backen. Aber es tat gut. Balthasar hatte es ausprobiert: wer die anderthalb Stunden auf Erbsen kniete, dem entging auch nicht ein Wörtlein von der Predigt. Lind weichherzig war der Schulmeister nicht. Das hatte er sich schon ehedem abgewöhnt, als er Korporal beim Regiment Bevern gewesen und zehn Hahr lang Rekruten dressiert hatte.

Sie sangen übrigens ganz respektabel, die Hungen und die Mädchen, das alte schöne Luther- lied: Ein' feste Burg ist unser Gott, Vers eins und zwei. Wenigstens befand der Gestrenge so, der selber mitzusingen für Pflicht und Anstand hielt, wennschon er wußte, dah sein dröhnender Dah nicht gerade zum Kunstgesang sich eignete. Die Hauptsache blieb, dah es von Herzen kam. Schade nur, dah die Orgel fehlte. Aber dazu hatte es noch nie gelangt.

Der Herr 'Magister hatte sich wieder einen seiner Lieblingstexte erwählt. Matthäus, Kapitel fünf, Vers fünf. «Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.' Lind er drehte und wendete das Thema, er sprach so eindringlich, dah die alten Weiber bald zu schluch­zen ansingen, auch manche Hunge dazu. Bei allem Respekt vor Gottes Wort, an dem er sich gewiß» lich nimmer zu deuteln und zu rütteln erlauben wollte: dem Patron kroch eine Laus über die Leber, als er so Demut und Geduld in allem Llngemach über alle Mähen rühmen hörte. Mochte ja seinen Segen haben, gerade jetzt. Die Geduld wenigstens, die konnte man brauchen. Aber manch­mal war's doch zum Dreinschlagen

(Fortsetzung folgt.)

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