Nr. 67 Zweites Blatt
Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderyeffen)
Neue Steuern.
/Don Prof. D. M. Schian. M. d. L.
Die hessische Regierung hat dem Sondevaus- schuß des Landtags einen vorläufigen Goldmarkvoranschlag für 1924 vorgelegt. Beigefügt sind Gesetzentwürfe über neue, für das am 1. April beginnende Rechnungsjahr zu erhebende Steuern. Der Sonderausschuh hat, nachdem die Deutsche Volkspartei und der Bauernbund die Zuständigkeit des Sonderausschusses (dessen Mandat am 31. März abläuft) bestritten hatten, beschlossen, die Behandlung dieser Vorlagen dem Plenum des Landtags vorzubehalten. Daraufhin ist der Finanz- ausschuh einberufen worden. Das Plenum des Landtags wird in aller Kürze zusammeirtreten, um wenn möglich vor dem 1. April die erforder-, lichen Beschlüsse zu fassen. Dem Plenum wird die Regierung natürlich dieselben Steuergesehe unterbreiten. So ist es wünschenswert, dah sich die Oeffentltchkeit mit ihnen befasse.
Der hessische Staat ist.finanziell in einer besonders schwierigen Lage. Richt bloh durch die feindliche Besetzung eines groben Teiles des Landes, sondern auch und vor allem dadurch, dah er die vollen persönlichen Volksschullasten und die Polizeikosten übernommen hat, was andere Länder nicht getan haben. Durch die Uebernahme sind die Gemeinden stark entlastet worden, was in deren Haushalt in die Erscheinung treten muh. Aber der Staat hat nun für Aufbringung der Wittel zu sorgen. Er erhält aus den Reichs- steuern bestimmte Ueberweisungen, so- namentlich 80 v. H. der Einkommen- und Körperschaftssteuer, 50 v. H der Umsatzsteuer und der Grunderwerbsteuer. Aber er braucht mehr. Dies Mehr soll 1924 aufgebracht werden:
1. Durch eine progressive Steuer vom land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitz. Sie soll nach einem durchgestaffelten Tarif erhoben werden, und zwar zu mindestens 0,24 v. H. (bei ©teuertoert bis zu 50 000 Mk.) und höchstens 0,48 v. H. (von dem 100 000 Mk. übersteigenden Wert). Da diese Grundsteuer für das dritte Ziel 1923 einheitlich 0,25 v. H., für das vierte Ziel 0,50 v. H. betrug, so ist wenigstens gegenüber diesem letzten Ziel und namentlich für den kleineren und mittleren Grundbesitz eine Minderbelastung vorgesehen. Dabei soll der kleinere Grundbesitz geschont werden.
2. Durch eine vorläufige Gewerbe- steuer für das Rechnungsjahr 1924 mit einem Steuersatz von 1,6 v. H. des Steuergrundbetrags. Dabei ist vorgesehen, dah der Steuersatz für einzelne Gewerbegruppen allgemein ermähigt werden kann.
3. Durch eine Sonder st euer vom bebauten Grundbesitz in Höhe von jährlich 60 Goldpfennigen von je 100 Mark des fest gestellt en Steuerwertes. Frei bleiben Reubauten oder neugefchasfene Gebäudeteile, wenn der Bau erst nach dem 1. Juli 1918 bezugsfertig geworden ist und hierzu keine Beihilfen aus öffentlichen Mitteln gewährt worden sind.
Steuern, namentlich neue Steuern, pflegen sehr kritisch betrachtet zu werden. Unter dem Druck der Rot ist In der letzten Zeit auch die Bewilligung von neuen Steuern rascher vor sich gegangen als früher. So tarnen die im letzten Vierteljahr vom Sonderausschuh beschlossenen Sondersteuern — die Gewerbesteuer und die Steuer vom Gebäudebesitz — sehr schnell zustande; und die Erhebung folgte dem Beschluß auf dem Fuh. Auch jetzt ist die Lage so, dah der Staat dringend Geld braucht. Aber wenn nunmehr nicht eine einmalige Sondersteuer beschlossen werden, sondern für ein ganzes Jahr Steuerlasten auferlegt werden sollen, so ist gründlrche Prüfung unumgänglich. Hier möchte ich wenigstens einige Bemerkungen zur Sache geben.
Die G r u n d st e u e r in der neuen Form der Durchstasfelung wird etwas weniger drücken als die letzthin erhobene Grundsteuer. Aber zu prüfen wird fein, ob die Landwirtschaft in ihrer! jetzigen Lage imstande fein wird, die Steuer In dieser Höhe zu tragen. Die augenblickliche Situation scheint das fraglich zu machen.
Die Gewerbesteuer begegnet ganz besonderen Schwierigkeiten. Es ist daran gedacht gewesen, die Veranlagung der Gewerbesteuer für 1923 als Grundlage für den Ausschlag für 1924 zu benutzen. Das schien um so richtiger, als es infolge Unterlassung der endgültigen Einkommensteuer-Veranlagung sür 1923 unmöglich geworden ist, den gewerblichen Ertrag und damit den Steuerwert des gewerblichen Anlage- und Betriebskapitals für 1924 festzusetzen. Aber auch die Veranlagung zur Gewerbesteuer für 1923 begegnet groben Schwierigkeiten sowohl hinsichtlich der gleichmähigen Festsetzung des Ertrags wie hinsichtlich der einheitlichen Bewertung des An- DitWWiflW'IW-
Ein Roman aus dem 21. Jahrhundert von Hans Domini k.
50. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
3m taghellen Lichte der Scheinwerfer sah man vom Ufer aus die Mannschaft über die Dainm- krone eilen. Sie mochte etwa öte Mitte erreicht haben, als ein Blitz an btefer Stelle aufzuckte, ein krachender Donner das Toben der Elemente übertönte.
An der schwachen Stelle des Dammes war eine schwere Sprengladung explodiert. Einen Moment noch stand die Mauer dort zitternd im Strudel. Dann rih sie breit auf, neigte sich zu Tal und brach in Riesenbrocken auseinander. 3n wütendem, flöhendem Schall stürzten die entfesselten Nuten wie ein einziger starrer Block zu Tal.
Verschwunden war an dieser Stelle der Damm . . Verschwunden die Leute des Sprengkommandos auf ihm.
Ein Schrei des Entsetzens aus vielen tausend Kehlen.
Isenbrandt selbst stand unter der Wucht der Katastrophe wie erstarrt.
Wie war das möglich gewesen? . . . Wie tonnte das geschehen? . . . Der Sprengstoff trug noch keine Zündung. Auch wenn einem der Träger eine Kiste entglitt, konnte sie doch nicht explodieren.
Ein Verbrechen? . . . Rur ein Verbrechen konnte es fein. Von wem? . . Es bedurfte keiner FragL-
läge- und Betriebstapltals. Ein Ausweg muhte aber gefunden werden: unb so sollen dann als Grundlage die Vorauszahlungen gewählt werden, die die ®etoerbetret« benden Im Kalenderjahre 1 924 nach den reichsgesetzlichen Bestimmungen zu lersten haben. Die Regierung hebt hervor, dah dadurch erreicht werde, dah Veränderungen in den Verhältnissen der Steuerzahler entsprechend berücksichtigt werden. Sie teilt mit, dah die Interessenten zu dem Entwurf gehört worden sind: über den Inhalt der Aeuherung der Interessenten sagt sie nichts.
Endlich die Steuer vom bebauten Grundbesitz. Sie soll im wesentlichen nach denselben Grundsätzen erhoben werden, wie die Sondersteuer im lehtverganuenen Vierteljahr, und zwar vierteljährlich in derselben Höhe wie diese „einmalige“ Sondersteuer. Ueber diese Steuer
habe ich im „Giehener Anzeiger" bereits
ausführlich gesprochen: ich habe damals
dringend davor gewarnt, diese Steuer
in ihrer sehr wenig ourchgebitdeten Form auch künftig zur Staatseinnahmequelle zu machen. Das soll nun doch geschehen. Zweifellos wird die Steuer auf starken Widerstand stohen. Bereits die Sondersteuer für das 1. Vierteljahr des Kalenderjahres 1924 war von der Deutschen Volkspartei im Sonderausschuh abgelehnt worden; diese Partei blieb damals mit ihrer ablehnenden Haltung überraschenderweise allein. Zweifellos wird sie auch jetzt widersprechen. Es handelt sich, wie nochmals betont werden muh, bei dieser Steuer um eine ganz ungleichmäßige, ungerecht wirkende Belastung. Richt der Besitzer toirb besteuert, sondern der Mieter: und zwar nach Maß- stäben, bte zu seiner Leistungsfähigkeit durchaus nicht in rechtem Verhältnis stehen. Wer eine große Wohnung braucht — vielleicht, weil er eine grobe Familie hat —, wer also bereits dadurch belastet ift, dab er einen besonders groben Teil fernes Einkommens sür die Wohnung ausgeben muh, der wird schwerer als andere betroffen. Der Junggeselle, der keine Familienwohnung hat, kommt gut weg. Zugrundegelegt wird der gemeine Wert wie er für 1914 festgesetzt worden ist. Kann man sagen, dah dieser Wert auch jetzt noch, nach 10 Jahren, den richtigen Mahstab gibt? Jedenfalls ergeben sich in der Praxis Ungleich- mäbigkeiten der Belastung vn ganz ausseroordent- llchem Ausmabe. Bevor eine so schwer- brücfenbe Mietssteuer für ein ganzeS Jahr beschlossen wird, mühte unbedingt die Grundlage dec Berechnung, also der gemeine Wert des Gebäudes, nach» geprüft werden. Endlich die Heranziehung des „Zubehörs", des Hofreitegrundes und der mit diesem zusammenhängenden Grab- und Grasgärten! Die Belastung des Mieters mit Abgaben für Teile dieses Zubehörs, ohne dab er von ihnen den geringsten Vorteil hätte! Die aus der Verschiedenheit dieser Zubehörteile entstehende Ungleichmäßigkeit der Besteuerung! Einsprachen gegen bte Sonder steuer bes letzten Vierteljahres sinb bei den Finanzämtern zu Haufen eingegangen: das ist kein Wunder. Es ist vorgesehen, dab der Steuevanteil ganz oder teilweise erlassen werben Eaim, wenn bte Erhebung „eine besondere Härte" bedeuten würbe. Den Antrag soll jetzt wenigstens auch der Ersatzpflichtige stellen dürfen (also der Mieter, nicht nur der Hausbesitzer). Aber wann liegt eine „besondere Härte" vor? Rach welchen Maßstäben sollen die Finanzämter entscheiden? Sozialrentnern, Kleinrentnern, Erwerbslosen Ist ihr Steueranteil zu erlassen: in diesem Fall soll aber nur der Steuerpflichtige den Antrag stellen dürfen. Das ist ganz unverständlich. Die Regierung sagt dazu: „Diese Vorschrift ist gewählt mit Rücksicht auf bte Arbeitsüberlastung ber Finanzämter. Es soll auf diese Art die Zahl der um Erlab Rachsuchenden vermindert werden." Das sind, wie mir scheint, geradezu bedenlliche Sähe. Man will den Aermsten der Armen in unserer armen Zeit, den Sozialrentnern, Kleinrentnern, Erwerbslosen zwar Erlab der Steuer zuführen, aber man möchte, indem man ihnen selbst nicht bas Recht zum Rachsuchen bes Erlasses gibt, sondern sie darin vom Hausbesitzer abhängig macht, diese „Wohltat" für einen Teil von ihnen (die zarter Besaiteten?) illusorisch machen? Ich stehe nicht an, diese Bestimmung tn hohem Grade unsozial zu nennnen. Sie darf in keinem Fall aufrecht erhalten bleiben. Die Regierung sagt am Schlich der Begründung, dab die Steuerbelastung von 60 Pf. jährlich auf 100 Qliarf Steuerwert einer Mietsteuer von 12 bis 10 v. H. der Friedens- miete gleichkomme. Dieser Sah zeigt deutlicher als irgendetwas Anderes, dab sie die Tragweite der Steuer falsch einschäht. Ich kenne Beispiele, in denen diese Steuer nicht 10 bis 12 v. H., sondern 2 0 v. H. der Friedensmiete beträgt, ja sogar noch erheblich darüber hinausgeht. Eine für viele einfach untragbare Belastung! Es wäre immer noch gerechter (wenngleich keineswegs gerecht: eine Mietssteuer kann nicht gerecht fein),
Mit schweren Schritten wandte er sich zum Ufer und begab sich in das Bureau ber Werkleitung.
„War unter dem Sprengkommando ein Gelber?"
Einer der Ingenieure beantwortete die Frage.
„Jawohl! Alibeg! Ein kirgisischer Vorarbeiter .. . Einer, ber sich durch besondere Anstelligkeit auszeichnete."
Ein Held! dachte Isenbrandt bei sich. . . sicher ein gelber Ingenieur, ber sich h'-er unter fatscher Flagge als We tmarm verdingt hat.
Dam ü>tnbte er sich an den Stationsleiter.
„Ich kehre nach Wierny zurück. Alle Rach- richten sür mich bitte dort hin! Hier ist Menschenhilfe vergeblich. Ve 'trauen wir auf Gott."
Roch einmal tixirf er einen Blick auf das Tal, In dem das entfesselte Element dahinschob.
Wehe alle de en talabwärts, die uni'e.e Warnung nicht befolgten I
In dieser Rächt flogen die Telegramme zwischen Wlevnh und Berlin hin und her.
In Utga, der alten heiligen Hauptstadt der Ehalla-Mongolen, hatte Wellington Fox mit Hilfe des getreuen Ahmeo die Witthusens ermittelt. Ville Wochen hindurch war Ahmed in der Maske eines sartischsn Händlers durch das mongolischr Land gezogen. Hatte mit grobem Geschick und noch gröberem Glück hier gefragt und dort ge- forcht, bi; er endlich die Spur hatte, die nach Utga wies.
Dann war Wellington Fvr zu ihm gestoben. Der kam als russischer Toehändler mit einer groben Handelskarawane aus dem nahen Kjachta
wenn einfach eine Mietssteuer von 10 v. H. von allen Mietern erhoben würde.
Die neuen Steuerentwürfe bedürfen also gründlicher Prüfung. Wir dürfen erwarten, dab sie vollzogen werden wird.
Iugendrvandern und Jugendherbergen,
Die Erholungsreise, der mehrtägige Ausflug, die frohe Ferienwanderung, früher auch dem bescheidener Gestellten möglich, ist heute den meisten zur schönen Erinnerung an eine bessere Vergangenheit geworden. Wer vollends kann heute noch seinen Heranwachsenden Kindern die Mittel geben, in alter Weise mit Freunden und Gefährten auch nur die engere Heimat zu durchwände rn? Die Kosten der Bahnfahrt und besonders die ber Lieber nach tung stehen weit über dem Friedenshand das '.Einkommen weit baiunler! Soll nun unsere Jugend, die unsere Zukunft ist, nicht mehr in freier Luft ihre Brust weiten, in Sonne Wind und Wetter ihre Wangen bräunen, ihre Kräfte erproben? Soll sie die Heimat nur noch aus Büchern und Dor-trägen kennen lernen? Das wäre das Schlimmste. Bewegung in freier Lust bietet ja schliesslich auch Sport und Spiel. Aber Kenntnis der Heimat vermittelt nur Anschauung und Erleben. Buchwissen bleibt da eine tote Gedächtnislast, wird es nicht durch frohes Schauen und Geniesten zum seelischen Besitz und durch, freundliche Erinnerung an frische, freie Wandertage zum unverlierbaren Schah. Wir Aelteren lieben die Heimat, weil wir sie kennen. Einem ihm unkundigen Geschlecht wird sie gleichgültig fein, denn wer wollte UnbelannteS schätzen und wert halten? Sollen nun aus nuferen jungen Leuten F auen und Männer werden, denen die feine und doch ewige Schönheit unserer heimischen Landschaft, das Traute und Liebenswerte unseres Volkstums, das geheimnisvoll Anziehende all der Denkmäler unserer Geschichte und Derzeit fremd bleibt? Mag auch eine spätere Zukunft bessere Zeiten bringen, so aufnahmefähig und bildsam ist das Menschenherz nicht wieder wie in jungen Jahren, und so viele nimmt dann die harte Fron der Arbeit, die Sorge um die Familie ganz gefangen.
Unsere Jugend empfindet das selbst. Mit eigener Kraft, mit ihrer Hände Arbeit, allen Schwierigkeiten zum Trotz hat sie sich vielerorts in Deutschland „D leiben" ausgebaut und ausgestattet. Doch, reichen ihre Kräfte nicht zur Weiterentwicklung und Vollendung des Planes, das ganze deutsch: Sprachgebiet mit einem Reh von Unterkunftsstätten zu überziehen, in denen jeder jugendliche Wanderer für wenige Groschen ein bescheidenes ^Nachtquartier findet. Hierzu bedarf es umfassender Verwaltungsarbeit und geldlicher Beihilfe ber Erwachsenen. Dieser Aufgabe unterzieht sich der Verband für Deutsche Jugendherbergen, der in Hilchenbach in Westfalen feinen Sih hat. Ihm sind über 1800 Jugendherbergen im deutschen Reiche, In Oesterreich, Deutsch- böhmen und dem deutsch besiedelten, aber der Tschechoslowakei ausgelieferten Sudetenland angeschlossen. Sie bieten einfaches Lager auf Strohsäcken mit Wolldecken und Kochgelegenheit. Unter Aussicht eines Herbergsvaters werden sie von den H^rbergsgästen selbst in Ordnung gehalten. Sie werden gern und stark benutzt. Weite Wanderungen können so unsere Jugendlichen vornehmen, ohne auf Gasthöfe angewiesen zu sein, die ihnen ihre Fahrten unerschwinglich machen würden.
In Giessen hat die Stadtverwaltung ein? solche Herberge errichtet, die sich im Hause Asterweg 25 befindet. Die Geschäfte des Verbandes führt für unser Gebiet der Zweigausschuh Main-Lahn-Fulda, der in Frankfurt a. M. seinen Sih hat. Eine (Ortsgruppe dieses Zweigausschusses ist vor wenigen Tagen in Giessen gegründet worden. Am 10. d. M. hatten fich auf Einladung des städtischen Jugendamtes Vertreter der Iugendbünde, der Jugendpflege treibenden Vereine, der Gebirgs-, Turn- und Sportvereine des Truppenteils und der höheren und Volksschalen zu einer Besprechung in Gegenwart des Geschäftsführers des Frankfurter Zweigausschusses, Rektor Schmitt, zusammengefunden, deren Ergebnis die Gründung war. Der vorläufige Vorstand soll aus Beigeordneten Dr. Frey als Vorsitzenden, Dr. Flörke als Geschäftsführer und Rechner, Gerichtsreferendar Balz, Studienrat Pws. Dr. Bern deck, Otto Jakobi, Lehrer Kling, Frl. Speckhardt, Reallehver Will bestehen. Er kann sich durch Zuwahl ergänzen. Die Ortsgruppe hat sich folgende Ziele gesteckt: Sie wlll die Freunde des Iugendwanderns und der Jugendbewegung sammeln und sie durch die Zeitschrift uird gelegentliche Veranstaltungen fortlaufend darüber unterrichten. Gleichgültige will sie gewinnen, Ablehnende eines Besseren de-
über die russische Grenze. Vorzüglich hatte er es verstandon, fein Aeusteves der Rolle, die er hier spielen muhte, anzupassen. Den Mangel seiner russischen Sprachckenntnisse verbarg er geschickt unter einem freilich recht holprigen Chinesisch Solange aber fein allzu scharfes Auge ihn beobachtete, kein allzu scharfes Ohr ihn hörte, konnte er hier Wohl unbehelligt einen Plänen nachgehen.
In einer der groben Herbergen der Stadt, in der die Karawane Quartier nahm, hatte er sein Unterkommen gefunden. Dast er hier häufig mit einem sartischen Händler zusammenkam, fiel bei der Mannigfaltigkeit und Unübersichitlichk'.it asiatischer Kaufmannsgeschäfte nicht weiter auf.
Es war um die Zeit der Abenddämmerung. Wellington Fox fast in dem primitiv einfachen Raum, der ihm in der Karawanserei als Untcr- kunft diente.
Ein leises Klopfen an der Tür. Die einzelnen Schläge in der verabredeten Folge. Wellington Fvx schob den schweren Holz riegel zurück. Der Sorte trat in den Raum.
„Bist du da, Ahmed? ... Wie steht's?"
„Gut, Herr! Euer Papier ist in den Händen des alten weissen Herrn."
„Will er cd tun?"
„Ja, Herr... er machte das verabredete Zeichen . . ."
„So wirst du also um neun Uhr mit den Gesang nen das Haus verlassen. Bist du sicher. .. ganz sicher, dah der Wärter feinen Verrat übt?“
Er hat geschworen ... bei den Seelen seiner Ahnen . .
„Ein Schwur?"
„Er wird feinen Schwur hallen, Herr. Wirst du ihn aber auch im Flugschiff mitnehmen, wie
IMMvoch, 19. Mürz W
lehren. Die Oeffenllichkeit will sie davor überzeugen, dah die Iugendbünde auf strenge Wanderzucht halten, dem Alkohol und der Zigarette absagen, die Wanderunsitten bekämpfen. Ratar- und Denkmalschutz tätig üben, altes Volksgut an Liedern, Tänzen und Spielen pflegen und erhalten, dass sie nicht beurteilt werden dürfen nach den Ausschreitungen und Geschmacklosigkeiten Einzelner, die den Wandervögeln wohl manche Aeuserlichkeiten abge- guckt, mit einem rechten Wandervogel aber nichts zu tun haben. Die Ortsgruppe will insbesondere den Iugendbunden selbst, deren Führung und Zusainmensehung naturgemäß starkem Wechsel unterliegt, eine dauernde Stelle zur Förderung gemeinsamer Bestrebungen schaffen. Dadurch soll zugleich das feste Bindeglied zwischen ihnen und dem städtischen Jugendamt geschaffen werden. Denn das Iugenowchlfahrtsgeseh, das am 1. April ds. Is., wenn nicht ganz, so doch in wesentlichen Teilen in Kraft tritt, macht dem Jugendamt die Förderung der Jugendbewegung zur Pflicht und sieht die amtliche Mitwirkung darin erfahrener Personen vor. Da ferner das Recht auf Benutzung ber Jugendherbergen künftig grundsätzlich an den Besitz eines vom Verband ausgestellten Bleibenausweises geknüpft fein wird, soll die Ortsgruppe die Ausstellung solcher Ausweise für Gießen und Umgebung übernehmen und die Um- stände und Kosten des Bezuges aus Frankfurt ersparen. Weiter soll sie sich der Giessener Jugendherberge annehmen und ihre Grhallung und Ausgestaltung fördern, soweit es der Stadt die schwierige Lage der öffentlichen Körperschaften verbietet. Für eine spätere, hoffentlich bessere Zukunft ist an den Ausbau zu einem Jugendheim gedacht, das den Iugendvereinigungen eine dauernde Stätte für ihre Zusammenkünfte bietet. Endlich besteht der Plan, das sog, Schweizer- Haus auf dem Hoherodskopf, das unbenutzt und dem Verfall preisgegeben dastehl, zu einer größeren Jugendherberge auszugestalten. Schon vor der Gründung der Ortsgruppe hatte das hessische Finanzministerium auf Anfrage des städtischen Iagendsestes in dankenswerter Weise sich bereit erklärt, es zu diesem Zwecke unentgeltlich zur Benutzung zu überlassen. Die Beschaffung der Einrichtung ist bereits gesichert, und junge erwerbslose Arbeiter sind geneigt, die Arbeiten auszuführen. So ist zu hoffen, daß dieser Plan trotz der Ungunst der Zeit verwirklicht werden Eamr An ein Gelingen ist aber nur zu denken, wenn der Werberuf dep Ortsgruppe in weiten Kreisen unserer StadtGehor findet. Es gilt das um fo mehr, als vom einzelnen nicht viel verlangt wird. 1,50 Mk. beträgt der Jahresbeitrag, für Vereine 3 Mk. Personen über 18 Jahre erhalten als Einzelmitglieder den Bleibenausweis für weitere 1,50 Mk., aber auch nur. wenn sie Mitglieder sind; Personen unter 18 Jahre erhalten ihn auch ohne Einzelmitgliedschaft. Der Beginn des Vertauss der Dleiben- ausweise wird durch eine Anzeige im „Gieß. Anz." bekanntgegeben.
Sochschulnachrichten.
Das Studium an der Technischen Hochschule Darmstadt im Sommer-Semester 1924.
Der für das Sommer-Semester (Ende April beginnend) zu erwartende starke Andrang zum technischen Studium veranlasst die Studentenschaft der Technischen Hochschule Darmstadt, die Oesfentlicy-keit über die Studien- und Lebensverhältnisse in Darmstadt zu unterrichten.
Die Kosten für das Studium nähern sich durchaus den Dorkriegsverhällnissen. Die Hoch- schulgebühren und Unterrichtsgelder belaufen sich für das Sommersemester auf etwa 180 Mark. Zur Lebenshaltung und zur Anschaffung von Studienmaterial sind bei bescheidenen Ansprüchen monatlich durchschnittlich 80—120 Mk. erforderlich. Die Kosten für ein Semester stellen sich also auf 400—450 Mark. Für den Reueintretenden krmmt eine einmalige Ausgabe von 80—120 Mk. zur Anschaffung von Lehrmitteln und Geräten bei Beginn des Studiums hinzu.
Eine vollkommene Deckung der Semesterkost«' durch Werkarbeit während der Ferien ist unter heutigen Verhältnissen kaum möglich. Stipendien werden grundsätzlich nur an Studierende in vorgerückten Semestern ausgegeben, so dass ein Antritt des Hochschulstudiums nur da angeraten werden kann, wo Rücklagen die Finanzierung des Studiums sicher stellen.
Bet lästigem husten.- ml en wir Jlmen, „Tagina-Bonbons" au nehmen. Lösen heu Schleim, lindern die Schmerzen. In allen Avolbeken erbälil. Stets vorrätig: Enael-Slpotbeke, Gienen, ufro. Saglttawerk S.m.b.H., Machen BW i.
du versprochen? Er fürchtet die Strafe, wenn die Flucht entdeckt ist."
„Ich werde ihn mitnehmen. . . samt seinen fünfhundert Lollar. Er mag sie in Frieden in Kjachta verzehren.
Leb Weg vom Haus bis zum Brunnen ift kurz. Um yeun Uhr werde ich dort unter dem Schlln ebner Rotlandung niedergehen."
„Wenn du da bist, wird alles gut fein, Herr!"
Ahmed verließ den Raum. Wellington Fox blieb mit seinen Gedanken allein. Im Geiste sah er das Glück der Geretteten ... die Freude Isenbrandts, wenn er mit ihnen in Wiernh landen würde. Roch einmal überlegte er alle Chancen. Es mußte gelingen.
SS waren ein paar helle, freundliche Räume, in denen die Witthusens die Tage ihrer Gefangen»' schass verbrachten. Der alte Herr faß seiner Tochter gegenüber Ein Schachbrett, das ihnen di« endlos,n Stunden ihrer Haft kürzte, stand zwischen ihnen. Aber settdem das Papier des sartischen. Händlers durch den bestochenen Wärter in ihren Händen war, standen die Figuren unberührt auf den Feldern.
Die lange Haft ... die Ungewissheit über ihr Schicksal hatten öte blühenden Farben Maria Feodorownas gebleicht. Jetzt hatte die Erregung der Erwartung das alte Rot auf ihre Wangen Hurückgezaubert. Auch Theodor Witthusen hatte die Lethargie verloren, die bisher auf ihm lag. Es war mehr die Sorge um Maria, sein einziges, so sehr geliebtes Kind, als die um ihn selbst, die ihn niedergedrückt hatte.
(Fortsetzung folgt.)


