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Ar. 24(6 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dderheffen)
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Eine Balkanreise.
Grotzrumänien. — Dollrspsyche und Staatsleben. — Das Heer.
(Eigener Bericht des (Siebener Anzeigers.) (Nachdruck verboten.)
3n Rust schuk verabschieden loir uns von unseren bulgarischen Freunden und besteigen den Fährdarnpsei zur Ueherfuhr nach Rumänien. Die Maschine beginnt zu arbeiten, langsam sehen wir uns in Bewegung. Ein dreifaches „Hurra!" hüben und brühen. Dann fingen wir noch einmal, wie schon so oft vorher, das „schurni Mariha". Ein kleines Zeichen des Dankes an das gastliche Bulgarien, das sich die Achtung für das Deutschtum, für die deutsche Kultur bewahrt hat trotz allem, was geschehen. Don brüben klingt unser „Deutschland über alles" herüber. Schwächer wird der Gesang, nur noch einige abgerissene Töne trägt uns bet Wind zu. Nun Winken sie uns noch — und Winken — bis wir sie nicht mehr sehen Formen. Die Ufer des Flusses gleiten an uns vorüber. Noch einmal nehmen Wik in Gedanken Abschied von dem Qanbe, das uns so überaus herzlich und gastfreundlich empfing und beinahe vier Wochen beherbergte. Dann wenden wir unsre Blicke vorwärts. Drüben auf der rumänischen Seite erscheint der Hafen von Giurgiu. 3m eleganten Dogen dreht das Schifflein bei und legt an. Wir schreiten über die Laufplanke und befinden uns im Königreich Grob-Rumänien. Die Zollrevision schenkt man uns (die Raucher atmen auf, beim „von einer groben Furcht sinb sie befreit"), nur bie Pässe werben gründlich revidiert. Wir begeben uns inzwischen in das anliegende Gasthaus. Ein junger Mensch von ungefähr 20 Jahren in grauer Militärhose, hemdsärmelig, bedient. Einer von uns will mit ihm rumänisch radebrechen. Doch er lacht und sagt: „Sprechen Sie nur deutsch, ich verstehe es schon." Bald erfahren wir, dcH er ein Deutscher aus der Bukowina ist und gegentoärtig zum Heere eingezogen ist. „Aber wie kommen Sie hier in dieses Lokal?" fragt ihn einer. Er lacht und sagt: „O, das ist sehr einfach. Wenn Sie einige Tage in Rumänien sind, wird 3hnen das nicht mehr weiter auffallen. 3ch bin nämlich Bursche bei einem Oberleutnant und dieser ist der Sohn der Wirtin. Bor geraumer Zeit wurde ich hierher kommandiert und mub hier „Dienst" machen. Das Schlimmste dabei ist, dab ich der Alten ebenso parieren mub wie einem Vorgesetzten. Ein Kamerad von mir hat's freilich schöner. Der fährt jede Woche einmal auf Regimentskosten nach Bukarest und bringt Briefe dorthin — für die Mädels seiner Offiziere. .
Die Türe öffnet sich plötzlich, eine Frau ruft einige rumänische Worte herein. Er ruft uns noch zu: „Die Alte schimpft schon wieder," und verschwindet.
Das war der erste Eindruck, den wir von Rumänien, von „Groh-Rumänien" empfingen.
*
Mittags kamen wir in Bukarest an. Schon am Bahnhof schlägt uns grober Lärm entgegen: Die Kutscher der unzähligen Fiaker schreien, die Chauffeure tuten unaufhörlich mit den Hupen, um die ankommenden Reisenden auf ihre Vehikel aufmerksam zu machen, und auch alles Uebrige wird nTit möglichst viel Lärm und Geschrei erledigt, eine Eigenart des Rumänen, der wir noch oft begegneten.
Wir besteigen bie Strabenbahn und erkundigen uns nach der Haltestelle. Sehr bereitwillig gibt die Schaffnerin Auskunft. Anschließend bittet sie uns, ihr am Schlub der Fahrt die Fahrscheine zurückzugeben, damit sie diese nochmals verkaufen tonne. Sie sagt uns das nicht etwa heimlich, sondern ganz ungeniert. Es mub etwas Selbstverständliches hier sein. Schließlich sagt sie uns, jetzt mübten wir aussteigen, wenn wir zur deutschen Schule in der Stvata.... wollten. Wir suchen die Schule, aber nirgends ist sie aufzufinden. Einen Vorübergehenden bitten wir um Auskunft und er sagt uns in fliehendem Deutsch: „3a, meine Herren, Sie sind gerade am anderen Ende der Stadt. Sie sind ganz sicher falsch orientiert worden. 3n dieser Beziehung müssen Sie in Bukarest vorsichtig fein, sonst wird 3hnen das noch oft vorkommen." Er zeigt uns dann die Richtung und wutschnaubend ziehen wir zurück in der entgegengesetzten Richtung. Aber was wollen wir machen? Wer unter den Wölfen ist, mub mit ihnen heulen. *
3m Volke gehen eine grobe Menge Anekdote n und Witze um. Zum Teil beleuchten sie sehr drastisch die morschen und faulen Zustände des gesamten S taa t s l e bens. Andererseits spiegelt sich in ihnen aber auch die Mentalität des rumänischen Volkes, vor allem bie naive Dummheit des Durchschnittsrumänen.
Der „Advenil" erzählt folgendes:
Einem kleiner. Bäuerlein ist eine Kuh krepiert ein sehr schlimmer Verlust für ihn, denn wie soll er jetzt seine Ernte cinbringen? Em Tier fehlt ihm zum Gespann. Eine andere kaufen? 3a, das ist leichter gesagt als getan. Bares Geld hat er nicht und Kredit ebensowenig. Ratlos und niedergeschlagen grübelt er nach. Da kommt ihm plötzlich der Gedanke, es einmal — die Not war
ja doch so grob — beim lieben (Sott zu versuchen. Sein Sohn hat gerade Schreiben gelernt. Er mub sich sofort Hinsehen und der Alte diktiert: „Lieber Gott! Sei so gut und schicke mir doch 3000 Lei, damit ich mir eine neue Kuh kaufen kann, dieweil die alte tot ist." — „So, jetzt schreib noch den Namen darunter." —
Aber jetzt die Adresse. Wo wird der liebe Gott sein. Der Geistliche sagt, er sei überall, doch das kann man nicht auf den Brief schreiben. — 3etzt hat ers: „An den lieben Gott in Bukarest". Wenn er nicht in Bukarest ist, wo sollte er sonst sein?
Der Postbeamte in Bukarest dreht den Brief mit den steilen Buchstaben einigemal in seinen Händen. „An den lieben Gott!" brummt er. „Aber was," sagt er schlieblich, „der liebe Gott, das ist doch sicher der Ministerpräsident."
Er erhält auch den Brief: weil ihm die Sache Spab macht und er auch gern einmal die „göttliche Gnade" spielen möchte, zeigt er ihn seinen Ministerkollegen und veranstaltet eine Sammlung unter ihnen. Das Ergebnis, 1500 Lei, wird in einen Umschlag gesteckt, mit dem Stempel des Ministeriums versehen und abgeschickt.
Nach einiger Zeit erhält der „liebe Gott" einen zweiten Brief:
„Lieber Gott! Für die 1500 Lei, die Du mir geschickt hast, danke ich Dir. Aber wenn Du mir wieder Geld schicken willst, so schicke es nicht durch das Ministerium. Die Kerls haben es gemacht wie immer, sie haben die Hälfte gestohlen." —
*
Ein Minister war in kurzer Zeit zu grobem Reichtum gelangt. Als ihm eines Tages ein Sohn geboren wird, bemächtigt sich dessen sofort der Dolkswih. Folgendes erzählt man sich von ihm:
Einige Tage nach der Geburt bemerken die Eltern, hab das Kind die eine Hand krampfhaft geschlossen hält. Sie versuchen, sie ihm zu öffnen, jedoch vergebens. Der Arzt wird zuvate gezogen, allein auch ihm gelingt es nicht, die kleine Faust au offnen. So fest hält er die Hand geschlossen, daß man fürchtet, ihm die Glieder zu zerbrechen, wollte man sie mit Gewalt lösen. — 3n ihrer Ratlosigkeit läbt die Mutter einen Geistlichen holen. Aber auch er hat mit Gebet, Weihwasser und vielfacher Dekreuzigung keinen Erfolg. Die Eltern sind verzweifelt. Da rät ihnen die Amme, es doch einmal mit dem Rabbiner zu versuchen, vielleicht könne der helfen. Was tut man nicht alles in einem solchen Falle, an die geringste Hoffnung klammert man sich — und zumal besorgte Eltern — alles wird versucht. Also kurz, — der Rabbiner wird geholt. Er kommt und besieht sich den Fall. Dann lacht er: „Hm, nichts einfacher als das." Er zieht einen 1000-Lei-Schein aus seiner Brieftasche und hält ihn dem Kleinen vor, und siehe, in den Fingern zuckt es schon ein wenig. „Exzellenz, leihen Sie mir für einen Augenblick noch einen 1000 Lei-Schein I" Er hält den zweiten Schein dazu. 3etzt offnen sich die Finger schon etwas weiter: als er dann noch einen dritten Schein hinzufügt, da macht der Kleine die Hand weit auf — und was ficht man? Was hält er darin verborgen? Den Ring der 2bnme, den er ihr rrom Finger gestohlen hat.
*
Einen kleinen Einblick in die Verhältnisse des rumänischen Heeres gewinnen wir durch Gespräche mit deutschen Offizieren und Mannschaften, die ihrer Dienstpflicht genügen. Einige davon haben früher schon einmal in der k. u. t. Armee gedient und haben dadurch einen Mab stab. Das Urteil, das man allgemein und immer wieder hört, geht dahin, dab die Zustände „unter aller Kanone" seien. „ . .
Sie erzählen uns, der Rumäne sei kem schlechter Soldat Wenn ihm gesagt wird: „Dein Vaterland ist in Gefahr", so schlägt er sich sehr gut. Er ist vor allem genügsam, wenigstens der, welcher vom flachen Lande kommt. Aber — und das ist der Haken — er tut nur mit, wenn der Offizier voran geht und überall dabei ist. Für eine Ausbildung und einen Kampf, der das Schwergewicht wie die Verantwortung mehr auf den Einzelnen legt und sich auf dessen 3ntelligenz und persönliche Tapferkeit stützt, ist der Rumäne nicht zu gebrauchen Dazu kommt noch, dab die Offiziere im Durchschnitte nicht viel taugen. „Wir haben Offiziere", so sagt uns ein Oberleutnant, „die keine Karte lesen können (was übrigens kein Wunder ist, denn oft sind überhaupt keine Karten da)."
Schon äußerlich bekommt man keinen besonders guten Eindruck vom Offizierskorps. Man braucht sie ja nur anzuschauen in den Straben von Bukarest, wie sie einherswlzieren: Geschminkt, gepudert und parfümiert.
Die Disziplin im Heere soll „einfach grobartig" sein. Ein Offizier erzählt uns verschiedenes darüber und etwas später gibt uns ein Unteroffizier von einem Ergänzungsbezirkskom- inando noch einige Aufschlüsse. Er sagt: „Wenn
(Biebener Stadttheater. Friedrich Lienhard: Der Fremde. — Heinrich von Kleist: Der zerbrochene
Krug.
Lienhards „Cchelmenspiel" aus dem Refor- (nationszeitalter spiegelt unsere garende, aufgewühlte Gegenwart wider, jene niebcrbrucsenDen 3ahre, die erst wenige Monde zurückliegen und doch schon fast vergessen sind, jene trüben Uatzre, in denen ein Mann erst etwas galt, wenn er den „Batzen über den Tisch rollen" liest, oder anders gesagt, mit dem Banknotenpaket jonglierte und dann ergeben gekrümmte Rücken vor sich -y8 war die Zeil der Fäulnis religiösen und staatlichen Lehens, eine Zeit der Erkenntnis, die nach Dem Reformator schrie, nach dem Führer aus geistiger Not und sozialer und nationaler '3cörangm3. Daß Till Eulenspiegel diese Fuhrerpettonlich- keit nicht werden konnte, dast ihn die furchtbare Erkenntnis der Zeit in allen Fasern seines heißen Herzens erschauern machte, er aber auch die Ohnmacht in sich fühlte, mit kühner aat Wegweiser zu sein, das macht seine in der Historie lo seltsam verzerrte Gestalt im lauernden Glanze Lienhardscher Dichtung zu einer ersfutternd tragischen. Tiefes Erbarmen mit menschlicher Not, aber auch ein hochgemuter Stolz, eine Keuschheit der Seele, die ibn vielleicht weit über feine Zeit
heraushebt, läßt ihn sich in das Narrengewand hüllen. Hinter der schirmenden Maske desPossen- reißers verbirgt sich ein stolzes, von den Giftpfeilen menschlicher Bosheit, Gleichgültigkeit und Niedertracht verwundetes Herz. So will wohl Lienhards Eulenspiegel verstanden werden, wie ihn Kurt 3oachim Daum gestern ergreifend interpretierte. Und welch Aufleuchten, welch neues Hoffen und Sehnen durchzittert des Braunschweiger Herzogs armen Narren, als sich ihm in der stolzen, keuschen Kunigunde, dem spröden Wirtstöchterlein, eine verwandte Seele erschlicht. Die Narrenkappe ist ein schlechter Schutz gegen den zündenden Funken Liebe. Aus dem Schelmenspiel droht Ernst zu werden: zwei edle Menschen seelen streben zueinander, finden sich im gegenseitigen Verstehen. Doch nur für Augenblicke, dann hat der Narr sich wieder in der Gewalt: entsagend führt er die Geliebte ihrem bäuerlichen Freier zu und kehrt selbst wieder zu seinem traurigen Amt am Braunschweiger Hof zurück.
Eine strenge Zensur wird dem Dichter vorwerfen können, dab sein Schelmenspwl M^erv- haft, fragmentarisch geblieben ist. dast manches anaedeutet. dann wieder fallen gelassen wird, day vor al.em der Charakter der Kunigunde nicht er- lawpfend herausgearbeitet ist, dast ferner das Spiel als Zeitgemälde nicht sehr ergiebig ist Aber die starke Verinnerlichung, auf die Karl Dolcks ausgezeichnete R-gie und mit ihr vor
wir zu einer Waffenübung hundert Leute benötigen, so müssen wir jedesmal zweihundert Gestellungsbefehle hinausschicken. Die übrigen hundert kommen nämlich doch nicht." Erstaunt fragen wir: „3a, aber was macht man denn mit diesen? Wie bestraft man sie?" „Bestraft? Wie will man das anfangen? Einzelne vielleicht. Aber wie kann man alle bestrafen? Dafür sind es zu viele. — 3m Kriegsfälle stelle ich mir übrigens die Sache idyllisch vor. Es wird bei der Mobilmachung überhaupt niemand kommen. Auster einigen Deutschen vielleicht. Aber selbst, wenn die Formationen zusammen kommen sollten, so klappt die Sache doch nicht. Es ist mit Verzögerungen von Tagen zu rechnen." Einige drastische Beispiele erzählt er uns dazu: und gibt dann auch noch einige Bilder aus dem Derhällnis von Vorgesetzten und Untergebenen.
Die Ausrüstung des Heeres — das ist ein Kapitel für sich. Zunächst die Kleidung.' 3ch habe Abteilungen gesehen — sie fuhren eine Weile dienstlich in der Dahn mit uns —, die waren fo schmierig in ihrer Kleidung und ihrer ganzen Aufmachung, dast sie einer Räuberbande ähnlicher sahen, als Angehörigen der Armee eines europäischen Staates. Andererseits sieht man aber auch wieder ganz gut gekleidete Mannschaften. Man sagt mir allerdings, das feien nur Urlaubsanzüge. Dei der Rückkehr mühten sie sofort abgeliefert werden. — Die schlechte Kleidung soll darin ihren Grund haben, dast die Lieferanten (vor allem Frankreich) getragene und aufgefärbte Sachen liefern. 3m Voranschlag stehen natürlich die Ausgaben für neue Sachen. Die Differenz versickert irgendwo. „Einzigartig" ist auch die Ausrüstung des Heeres mit Waffen. Es besitzt Waffen aller Modelle. So sind noch „eroberte" Gewehre aller Art im Gebrauch, soviel ich hörte, auch älteren Modells. Don den Leuchtpistolen ist ein Teil österreichischen und der andere russischen Ursprungs. Es ist dann regelmäßig so, dast die Munition des einen Modells ausgerechnet dahin geschickt wird, wo das andere in Verwendung steht. — 3n einer Garnison werden die Feld
küchen nachgeseben. Zur Hälfte sind efl russische und österreichische. Man findet, dast 80 Prozent unbrauchbar sind Don einem Handwerker wir^. ein Kostenvoranschlag über die Reparatur ein- gefvrdert. Dieser wird für au hoch befunden und die ganze Sache aufgeschoben auf lange Frist, mit anderen Worten: Es wird 'überhaupt nichts daran gemacht werden.
Auch die Verpflegung der Truppen soll mi- fevabel sein Auf einem Dahn böse in Alt-Rumänien sprechen uns zwei Eisenbahner an und fragen, wie es in Deutschland steht. Wir erfahren, dah sie Deutsche sind aus der Dukowina, die zum Heere eingezogen, hier Arbeitsdienst an der Dahr machen müssen. Auch sie beklagen sich bitter über die jämmerlichen Verhältnisse im Heere. „Arbeiten müssen wir von früh bis spät und Wassersuppe bekommen wir zu essen. Gs ist nicht zum Aushalten. Und dazu 1 Lei Löhnung am Tage" (= ungefähr 2 Pfennige). Dasselbe Urteil hörte ich später noch von anderen Soldaten.
Diese Zustände wären zu verstehen, toenn der Staat durch Friedensverträge oder etwas derartiges in seinen Ausgaben für diese Zwecke beschränkt wäre. Es werden aber in Rumänien für das Heer große Summen bewilligt. „Allerdings", so sagte mir ein Soldat, „vom Ministerium der Finanzen biS zur Heereslieferung und dem Magen des Musketiers ist ein langer, langer Weg und der Himmel ist hoch und Dukarest ist weit." — Er hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Es ist ja immer und überall dasselbe in Rumänien, vom Straßenbahnschafsner bis in das Ministerium: Für Geld kann man alles erreichen 3edes Amt ist eine „melkende Kuh". Seine „siebene in nahmen“ sind schon stillschweigend in bai Gehalt eingerechnet. Wer es eben am besten versteht, macht Karriere. Unmöglich ist es, gegen diese Zustände anzukämpfen, die Korruption wurzelt zu tief. „Alle machen es so." Letzten Endes sind diese Verhältnisse in allgemeiner Entwicklung des Volkstums begründet: denn in jeder Beziehung, man sieht es auf Schritt und Tritt, sind bk Rumänen eine degenerierende Nation.
gesetzt Rudolf Goll war ein Richter Adam, dem man seiner Schlechtigkeit wegen nicht gram fein kann. Seine bäuerliche Verschmitztheit, seine unendliche Fabulierlust, die aus ihm geradezu einen Virtuosen hn Lügen macht, der schließlich selbst an seine Lügen glaubt, die kaum faßbare Frechheit, mit der der verstockte Sünder die Netze seiner Schuld zu zerreißen sucht, das alles ist höchst spaßhaft. Und Lachen entwaffnet, das spürt auch der gestrenge Vorgesetzte (Karl (Bold), der den pfiffigen Dorftribunen aus der Patsche Helsen will und erst grob wird, als dieser sich bis zum letzten Augenblick taub stellt. Eine köstlich komische Figur stellte Frau Schubert- 3 ü n g l i n g in ihrer Mutter Rull auf die Deine. Die behaglich breit ausladende Geschichte vom zerbrochenen Krug war trotz der Kürzungen der Regie famos gelungen. Das betrogene Mädchen spielte Gerda D a ch f e l d recht sympathisch. Auch 3ulius Baste, Hartmut Brand und Ruth Kreuz machten ihre Sache gut.
Friedrich Hebbel schrieb bei der ersten Aufführung von „Der zerbrochene Krug" am Wiener Durgthcater: „Der zerbrochene Krug* gehört zu denjenigen Werken, denen gegenüber nur das Publikum durchs allen kann. Das (Siebener Publikum wird sich ja doch wohl diesem „Durchfall" nicht aussehen wollen, wie es nach der recht spärlich besuchten Erstaufführung fast den Anschein haben konnte? -e
Landwirtschaft und Gartenbau.
Pflege und Düngung der Wiesen.
Von Landwirtschastsvat. Dr. Lehr, Landwirtschaftsamt Lich.
Zu einer modernen, intensiven Bewirtschaftung der Wiesen gehört vor allen Dingen eine Regelung bei- Grundwcisserverhältnisse und die sachgemäße Düngung.
Ueberall wo die Wiesen zu nah sind, infolge zu hohen Standes des Grundwassers (feuchte Täler' ober Niederungen), kann nur schlechtes, saures Futter wachsen, und jeder Düngungsauf- wand wird auf solchen Wiesenflächen meistens zwecklos sein, weil die Güte des Futters in solchen Fällen nicht verbessert werden kann. Die Senkung des Grundwasserstandes allein kann hier nur QlbTyilfe schaffen, indem entsprechend tiefe Abzugsgräben ober eine systematische Dränage angelegt werden. Alle der Entwässerung bienenden Anlagen sind im Herbst gründlich zu räumen, damit das überschüssige schädliche Wasser rasch abziehen kann. 3m Pflanzenbestand der Wiesen macht sich eine systematische Entwässerung bienen* Wiesen derart bemerkbar, bah viele, die Güte und den Ertrag des Futters stark beeinträchtigende! Wies en Unkräuter, wie Binsen, Simsen, Seggen, Schachtelhalm, scharfer Hahnenfuß, Butterblume, Wiesenschaumkraut u. a. m, verschwinden und gute Gräser und Krauter an deren Stelle tre'en.
Auch bie vorhandenen Bewässerungsanlagen finb im Herbst instand zu sehen. Die beste Zeit zum Bewässern der Wiesen (düngende Dewäs e- rung) sind die Herbstmonate nach der Grummeternte, weil gerade die ersten Fluten im Herbst bie besten Düngstoffe aus den Dörfern und Feldern mit sich führen. Bei der Bewässerung ist darauf zu achten, bah das Wasser schwach aber gleichmäßig über die Wiesen hinweg rieselt, damit die schwebenden Dungstoffe sich absetzen können, und der Pflanzenbestand bereits vor Winter noch mit ben tn Wasser gelösten Nährst offen sich sättigen und im nächsten Frühjahr alsdann zeitig und kräftig sich entwickeln kann. Weiter ist her der Bewässerung darauf zu achten, daß sie nicht zu einer Verwässerung führt. Sobald der Boden kein Wasser mehr aufninunt, ist die Bewässerung so Lange zu unterbrechen, bis der Voder wieder durchlüftet ist. Auch von strengem Frost darf man sich beim Bewässern nicht überrascyen lassen, denn sobald eine Eiskruste in bie Grasnarbe! hineinfriert, ersticken die wertvollen Gräser und Kräuter, und nur wertlose Pflanzen (saure Gräser) behaupten das Feld. Auch im Frühjahr kann bewässert werden: diese Bewässerung bient aber dann nur zur Anfruchtung und darf nur dann geschehen, wenn das Wasser wärmer als deq Boden ist
Auch bei der Düngung der Wiesen ist der Schwerpuntt in die Herbst- und Frühwinter- monate zu legen. Dor allen Dingen ist darauf hinzuarbeiten, daß eine hinreichende Menge ven
gut zersetztem Humus im Boden Dorbrnben ist, in dem allein ein reges Datterienleben sich entwickeln kann, der aber auc> gleichzeitig die Grundlage ist für die gleichmäßige Versorgung der Pflanzen mit Wasser und die Umsetzung des Kunstbüngeis in aufnehmbare Nährstoffe An gareförberuhen Düngemitteln wären an erster Stelle guter Kompost, gut vnwotteter Stallmist unb 3auche zu nennen. Die beste Zeit für die Kompostdüngung toäie eigentlich sofort nach dem ersten Schnitt. Wegen anderer dringender Arbeiten in tiefer Zeit kommt aber der Landwirt dann nicht zur Kompostdüngung: spätestens halb nach dem letzten Schnitt sollte aber doch der Kompost ausgestreut unb eingeeggt weichen, damit er im Herbst noch einwachsen kann Nicht nur durch seinen Dakterien- und Humusreichtum fordert der Kompost die Gare des Bodens, sondern er wirtt auch pflanzenernährend durch bie in ihm in leicht aufnehmbarem Zustande enthaltenen Nährstoffe, weiterhin trägt er zur Verjüngung des Graswuchses und zum dichten Schluß der Grasnarbe bei. Gut verrotteter Stallmist kann bei trockenen, mageren Wiesen mit lückenhafter Grasnarbe und geringem Ertrag im Herbst auf bie Wiesen gebracht unb eingeeggt, sehr schnell die Gisträge steigern, Gin weiteres, von jeher sehr geschätztes Wiesenbüngungsmittel ist die 3auche, vor deren einseitiger Verwendung aber nicht genug gewarnt werden kann, weil die werwollen Wiesenpflanzen in ihrem Bestände bei übermäßigen Zauchedüngung zurückgehen und dafür weniger wertvolle Pflanzen, wie Kälberkropf, Bärenllau, Wiesenkerbel usw. sich ein ft eilen. Da bie 3auche einen sehr nichtigen Gehalt an Phosphorsäure besitzt, muß jede 3auchebüngung, bie am zweckmäßigsten auch im Herbst durchzuführen ist, durch eine Phosphorsäure- und vorteilhaft auch durch eine Kalidüngung ergänzt werben.
Für bie Kunstdünger Kall, Kainit, Kalisalz und Thomasmehl bzw. Rhenaniaphosphat ist bie beste Anwenbungszeit der Herbst. Der Kalk cvirtt entsäuernd auf die feuchten Wiesenböden, verbessert die Schmackhaftigkeit, die Verdaulichkeit und den Nährstoffgehalt des Futters, begünstigt bie Dodengare und das Gedeihen der stickstoff- sammelnben Pflanzen. Am zw.ckmäß gsten kommt der Kalk im Kompost auf die Wiesen, oder wenn er dem Kompost nicht zugefügt wird, im Herbst alle 3 bis 4 3ahre etwa 10 Ztr. kohlensauren Kalk ober Kalkmergel ja i/t Hektar.
Bekanntlich gehören alle Wiesenpflanzen zu den Kalifressern, und aus diesem Grunde darf an der Kalidüngung nicht gespart werden, besonders nicht auf den leichteren Wiesenböden. Die Kalt- büngung ist immer im Herbst vorzunehmen, und zwar mit 3 bis 6 Ztt. Kainit je 1/4 Hektar, je nach Bodenbeschafsenheit und sonstiger Düngung mit Kompost, Stalldung oder 3auche.
Auch das Thomasmehl bzw. das Rhenania- phosphat ist bei her Herbstdüngung auf bie
allen Herr Daum und Frl. Nelsen bie Ausführung eingestellt hatten, gaben dem Stück eigenartigen Reiz und zwingende Wirkung. Frl. Nelsen, der das Keusche, Herbe dieses sehnenden, aus der Niedrigkeit seiner Umwelt ans Licht strebenden Mädchens, nach der Gehaltenhett ihres Spiels und her dunklen Färbung der Sprache besonders glücklich lag, dürfte in dem Gespräch mit den Gasten und dem Freier mit ihrem Temperament noch sparsamer zu Werk gehen. Dann wird ihre Kunigunde die geschlossene große Linie haben, bie diesen Charakter so wertvoll macht. Von den anderen Spielern interessierte neben Karl VoIcks prächtigem Wirt besonders 3ulius Da st 6, der aus seinem Schneider wieder mit liebevoller Klein- malerei eine unendlich komische Figur machte. Max Hoffmann verschluckte die Hälfte feiner Worte, seine gewiß amüsanten Witze hätten sicher auch das Publikum zu ähnlichen Lachsalven begeistert, wie der Schneider sie allerdings wohl unnachahmlich von sich gab. *
Daß „Der zerbrochene Krug" Heinrich von Kleists mit Recht als die stärkste deutsche Komödie gewertet wird, bewies die gestrige, von Herrn 3ntenbant Steingoetter selbst äußerst sorgfältig vorbereitete Aufführung aufs neue. (Sin heiteres Genrebild altholländischen Dolks- lebens, in der Manier der Steen, Teniers oder Drouver mit breiten Strichen, warm unb färben» freubig hingeworsen, war sehr glücklich in Szene


