Ausgabe 
18.3.1924
 
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Die «SehmxrtTften Wen sich jetzt an ote Spitze Verschiedener Körperschaften von Arbeitslosen ge- stellt und mit Hilfe reichlicher Versorgung mit Geld und Waffen einen Terror geschaffen, der, wie es heißt, ebenso grob sei wie hr den Lagen, wo die sogenannte »autonome Regierung" die Kontrolle in Händen gehabt habe.

Doch ernster sei die Behauptung, daß die ört­liche« französischen Militärbefehlshaber diese neue Bewegung heimlich unterstützte.

GS erscheine vollkommen klar, dab keine Rückkehr zu dem normalen Zustand ordentlicher Sicherheit folgen werde, bevor nicht die zwei oder drei führenden französischen Offiziere in der Pfalz gänzlichzurückgezogen würden und Ä>ie früheren Beamten, die der bayrischen Regie­rung wirllich verantwortlich seien, wieder in ihre wichtigen Qlemter eingesetzt seien. Es sei klar, dab bei der augenblicklichen Stimmung in Deutschland die bevorstehenden Verhandlungen in einer gefährlich gespannten Atmos­phäre beginnen würden, wenn nicht vorher die Pfalzfrage aus dem Wege geräumt sei.

Tagung der deutschen Frauen­vereine.

Mannheim, 16. März. (Wolff.) Ter Bund der deutschen Frauenvereine ist zu seiner 13. Sitzung zusammengetreten. An 200 Delegierte und ebensoviel Gäste aus allen Gauen Deutsch­lands und der besetzten Gebiete sind eingetroffen, unter anderen hat auch der Verband deutscher Hausfrauenvereine und der Verband landwirt­schaftlicher Hausfrauenvereine D legi .rle entsan' t, ebenso wie die Berufsorganisationen der liierten Prst-, Telegraphen- und Msenbahnbeamtinnen Deutschlands. Hertwrzuheben ist die Anwesen­heit der Vorsitzenden des Bundes der Schwei­zer Frauenvereine Die Tagung wurde von Frau St. Marianne. Weber- Heidelberg eröffnet durchs eine Begrüßungsansprache, in deren Verlauf auch

die Treue der deutschen Frauenvereine gegen­über den Schwestern des besetzten Gebietes, besonders der Pfalz,

Ausdruck gegeben wurde. Im Anschluß hieran tvvrde folgende Resolution einstimmig angenom» »nen: »Die zur Tagung des Bunkxä deutscher Hausfrauenvereine hier versammelten Fr.ru ru aller deutschen Gaue gedenken in Herzlichkeit und Treue der Frauen in den besetzten Ge­bieten, vor allem ihrer Schwestern in der Pfalz. Sie danken ihnen, daß sie in aller Rot und Bedrückung den deutschen Gedanken behalten. Sie versprechen, ihnen Treue zu wahren, und alles zu tun, um das Schicksal derer zu lindern, die von Haus und Hof vertrieben wurden, weil sie dem Vaterland nicht untreu werden wollten. Indem sie ihre Grütze über den Rhein hinübeo- senden, hoffen sie, datz in kurzer Zeit alle Schranken fallen werden, die heute noch deutsche Volksgenossen voneinander trennen."

Der neue mecklenburgische Landtag.

- Schwerin, 18. März. (Priv.-Del.) Hier tst der neue mecklenburgische Landtag zufammen- Setreten. Zum Präsidenten wurde der deutsch- nationale Abgeordnete I o v e n gewählt. Die heutige Tagung des Landtags wird sich mit der WahldesneuenMinisteriums befassen, baS nur noch aus drei Ministern bestehen soll. Für die Besetzung dieser Ministerposten dürften in Frage kommen für Inneres und Justiz, von Brandenstein, Vorsitzender des Mecklen- burgischen Landbundes (deutschnatl.), Landwirt­schaft und Finanzen: Landwirtschaftsrat a. D d Oertzen (deutschnatl), Kultus und Muter- Hcht: Pastor Stamm (Deutsche Vpt.),

* D"s 29 t-kp» oqrarnrn der Bayerisch it Vokkckvartei.

München, 18. Möm. (WTB) In dem Wahlaufruf der Bayerischen Volksvartei mit der Parole »Bayern den Bayern" wird u. a. gefordert, drtz Bayern das Eigentumsrecht an den bayerischen Eisenbahnen, der bayeri­sche« Post und die Polizeihoheit wieder erhalten, and datz die bayrische I u st i z h o h e i t rn einem Matze gewahrt vxn.de, wie es in der Reichsverfafsung von 1871 gegeben worden ist.

Verurteilte Svione.

Leipzig, 17. März. (WTB) Bor dem 8. Strafsenat des R-ichsgerichts wurde heute ein Spionageprozch verharrtest, der den Auftakt für den am Donn rstag stattsindenden Pro .etz gegen den Hauptmann d'Armont, den L:iler der französischen Spionagezentrale in Da'el. bildet. Zu verantwort n hatten sich die schweizerischen E aotsangehört ren, Kinoregisseur Binz und Ge­freiter D o r m a n n und der Kraftfahrer Adler von den württembergischen Kraftfahrtruppen, so- wie die Braut Bormann8, F.irda Schenk aus

Stuttgart. 'Binz hatte im Auftrag d'Armonts Bormann und Adler veranlaht, ihm geheim zu haltende Papiere auszuhändigerr. Es wurden verurteill: Binz zu 11 Jahren Zuchthaus, Bormann zu 13 Jahren Zuchthaus und Aus- stotzung aus dem Heere, Adler zu 21/2 Jahren Gefängnis und Frieda Schenk zu 2 Jahren autzerdem auf je 10 Jahre Ehrverlu st er­kannt.

Der Hamburger Hafenarbeiterftreik.

Hamburg. 17. März. (Priv.-Del) In den letzten Tagen sind 26 mit Kohlen und Stückgütern beladene Dampfer, von der See kommend, hier eingetroffen. Seit SamStag konnte jedoch nur ein Dampfer abgefertig t werden und zwar nach Indien. Da der AuSgangsverkehr so gut wie stillgelegt ist, macht sich bereits eine starke Stauung von Schiffen an den Kais bemerkbar. In Arbeitgeberkreisen beab­sichtigt man, den an der Vulkanwerft zur Repa­ratur liegenden HapagdampferHansa" als Wohnschiff für Arbeitswillige ein- zurichten. Die Technische Rothilfe setzte heute an acht Stellen im Hamburger und Altonaer Hafen insgesamt etwa 500 Mann ein. Die Lage auf den Werften ist unverändert. Der Hafenbetriebsverein berief für heute eine Versammlung ein zur Er­örterung der £<ye.

Kleine politische Nachrichten.

Der FinanzauSschuh des Hessischen Landtags trat in die Generaldebatte über den Rotvvranschlag und die damit in Verbin­dung stehenden Steuergesehe ein. Dia Sozial­demokraten beantragen für die soziale Fürsorge die gleichen Mittel, wie 1923 einzustellen. Die A^g. Brauer und Gen. beantragen Aufhebung der Artikrt 62 und 65 des Volksschu lGe­setzes und Wiederherstellung des Volksschul- gesetzes von 1874, die älebevnahme der Orts- Polizei durch di- Gemeinden und endlich Auf­hebung der Artikel 4 und 14 des Landsteuer- gesehes von 1920. Grund- und Gewerbesteuern sollen nur als Gemeindesteuern erhoben werden.

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Der Reichskanzler und der Bei chs- mi nist er des Aeuhern begaben sich am Dienstag nach Wien, um den Besuch des Bun­deskanzlers Seipel zu erwidern. Es dürften di- kürzlich in Berlin geführten Verhandlungen üLxr dir wi.tf hasttichen und Handelsbeziehungen Deutschlands und Oesterreichs, sowie auch die Frage der Rechtsangleichung und des Verkehrs Gegenstand einer Aussprache sein.

Wie dieZett" hort, wird die deutsche Botschaft in Angora, dem Sitz der türki­schen Regierung, demnächst beseht. Die Personen- frage ist entschieden, es werden zur Zeit Ver­handlungen mit der türkischen Regierung wegen des Agrements für den in Aussicht genommenen Botschafter geführt.

In Berlin wurde ein Autvomnibus Sonn­tag nacht kurz nach Vk Mhr an der Endhalte­stelle Danzigerstraße-Ecke Prenzlauerallee von 25 bis 30 jungen Burschen angehalten. Sie drangen In den Wagen ein und gaben vor, nach Dismarckbündlern zu suchen. Alle Per­sonen, die sie als solche ansahen, wurden vm ihnen verprügelt. Die Rückfahrt trat der AutvvrnnibuS unter polizeilicher Bewachung an.

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In der Vollversammlung des bayrischen Landtags wurden für die Volksbegehrensanträge der Bayerischen Dolkspartei 72, dageaen 66 Stim­men abgegeben, so datz die notwendige Zwei­drittelmehrheit nicht erreicht ist. Die De- gchren gelten somit als abgelehnt. Der Präsi­dent hat ihr Ergebnis sofort dem Staatsmini­sterium zugeleitet, damit nunmehr eine Volks- entscheidung über die Volksbegehren herbei­geführt werden kann.

Der Pazifist Prozessor Dr. Quidde wurde auf Anordnung der Stacttsanwaltschast München verhaftet. Die Festnahme geschah im Zu­sammenhang mit seiner Veröffentlichung in der »Welt am Montag" am 10. März. Die gleiche Abhandlung hat Quidde auch als Flugblatt drucken lasten und an viele Adressen des Aus­landes versandt.

Der Präsident von Mexiko, Obregon, er­klärte, datz hochggestellte Beamte britischer Petroleumgesellfchasten den A u f - stand in Veracruz unterstützt hätten, indem sie den Aufständischen Geld und Schiffe zur Verfügung stellten und die Regierung bei ihren Bemühungen, die Bewegung zu unter­drücken, behinderten. Obregon beabsichtigt, die Angelegenheit durch den Generalstaatsanwalt untersuchen zu lassen.

MM

von

Ein Roman aus dem 21. Jahrhundert Hans Dominik.

49. Fortsetzung. (Rachdruck verboten,)

Sie dürfen feine Lichter führen. . . Sie müssen sehr tief fliegen . . . Schon das ist nidjt ohne Gefahr . . . Dazu kommt, datz von gelber Seite. . . vielleicht auf Sie geschossen werden wird . . . lieb erlegen Sie in aller Ruhe . .

Da ist nichts zu überlegen, Herr Isenbrandt. Was sollte ich da noch überlegen? Schon das freut mein altes Herz, datz Sie mir so viel Ver­trauen schenken, mir Ihr Geheimnis sagen. Hat) dann noch das Vergnügen, den verdammten Gel­ben einen Streich zu spielen. . . Datz ich denen ihr Handwerk legen kann . . . das macht mir einen Höllenspatz . . . da kommt's mir keinen Augenblick darauf an, meine alten Knochen zu riskieren."

Ich wutzte, lieber Franke, datz ich mich auf Sie verlassen tarnt, und danke Ihnen von ganzem Herzen. . ."

Er schüttelte die Hand des alten Gefährten mit kräftigem Druck.

Rehmen Sie meine Maschine! Die Ver­änderungen, die an dem Flugschiff zu treffen sind, machen Sie am besten selber. Sie werden das am besten einzurichten wissen. Ich mache Ihnen tnzwischm den Streutank fertig. Den wollen wir darm zusammen unter die Maschine hängen."

Eine knapp» halbe Stunde später schoß die schnelle Maschine, von dem alten Schmelzmeistrr gesteuert, in den dunklen Abendhimmel und ver­schwand nach Osten zu»

Georg Isenbrandt hat die Maschine und den Alten nie wiedergefehen. Der blieb von dieser Stunde an verschollen. Gs ist auch niemals bekannt geworden, ob der Alte bei der Schleichfahrt durch die dunklen Berge gegen eine Felssch -offe rannte oder ob er mit seiner Maschine das Opfer chine­sischer Kugeln wurde. Rienrals auch wurden irgendwo irgendwelche Spuren von ihm gefunden. Aber es mutz rhm doch gelungen sein, den Auf­trag Isenbrandts zum weitaus größten Teile auszusühren. Erst ganz am Ende seiner aben­teuerlichen Fahrt muh er zugrunde gegangen sein, denn schon am übernächsten Tage lieh der plötz­liche Zustrom aus den chinesischen Bergen nach, und bereits am Ende der Woche herrschten wie­der normale Wasserverhältnisse im Ilttal.

In jener erstem Flutnacht ging es freilich desto stürmischer zu.

Der Stau dämm bei Terek bot ein wildroman­tisches Bild. Brüllend und gurgelnd stauten sich die Wildwasser hinter ihm zu einem Riesensee. Die mächtigen, millionenkernigen Scheinweller der Bauleitung beleuchteten die brodelnde Wasser­fläche von den Ufern aus.

An eine so schnelle und Plötzliche Inanspruch­nahme jenes groben, eben erst vollendeten Stau­beckens hatte niemanb gedacht. Roch waren die jetzt schon Überfluteten Flächen mit Baugerät, mit Häusern, ja mit ganzen, wenn auch noch un­bewohnten Dörfern befett

Das alles hatten die wilden Wasser auf» gewühlt und wirbelten es in gigantischem Spiel durchrtnander. Hier trieben abgerissene Schindel­decken . . . da Prähme . .. dort Rüstzeug aller Art. Mnb zu dem, was hier schon gewesen, kam

Aus Stabt und Land.

©leben, den 19. März 1924.

Die Tollwut.

Eine der wenig erfreulichen Kriegserrungen­schaften, der wir in den letzten Jahren begegnen, ist die Ausbreitung von Tierseuchen, die wir vor dem Kriege in Deutschland dank unserer vorzüglich wirkenden Deterinärpolizei nur noch dem Rainen nach kannten. Hierher ge­hört z. B. die Beschälseuche der Pferde, die Lungenseuche des Rindviehs, die Rinderpest, die vorübergehend an den Reichsgrenzen auftrat, und die Tollwut. Es kamen zwar auch vor dem Kriege vereinzelte Fälle von Tollwut vor, die aus den angrenzenden Ländern (Frankreich und Rußland), in denen die Seuchenbekämpfung we­niger gut vrgamsiert war, eingeschleppt worden waren. In den letzten Jahren aber häufen sich die Fälle so, daß von einer allgemeinen Gefähr­dung gesprochen werden muh. Roch ist zwar unsere engere Heimat £on Tollwutfällen ver­schont geblieben; das Auftreten der Seuche in Frankfurt und dessen Umgebung, in Darmstadt und im Aeg.-Bez. Kassel zwingt aber dazu, vor­sorglich Maßnahmen zu treffen, die ver­hüten, daß die Seuche auch bei uns eindringt. Diese Maßnahmen, die in einem jetzt erscheinenden Amtsverkündigungsblatte veröffentlicht werden, bestehen in der Hauptsache darin, daß das freie Herumlaufen der Hunde verhindert wird. Sie müssen angekettet oder eingesperrt gehalten wer­den, ober mit einem das Beißen sicher ver­hindernden Maulkorb geführt werden. Frei um» herlaufende Hunde werden eingefangen und kön­nen getötet werden. Außerdem machen sich deren Besitzer strafbar. Ferner müssen alle Hunde ein Schildchen tragen, das den Namen und Wohnort des Besitzers trägt. Hierzu können Metallblätt­chen oder auch Lederschildchen, die die ent­sprechende Aufschrift tragen, dienen. In Städten genügen die Hundemarken, um gegebenenfalls die Hunde identifizieren zu können. Beide Maßnah- men gründen sich auf die Erfahrung, datz die Verbreitung der Seuche stets dadurch erfolgt, daß ein infizierter Hund frei umherläuft und andere Hunde wohl auch Menschen beißt. Wird ein tollwutkranker ober verdächtiger Hund ermittelt, so ist es von arößter Wichtigkeit, zu wisten, woher er kommt. Damit der Sache weiter nachgegangen werden kann. Mm dies zu ermög­lichen, ist die Kennzeichnung der Hunde notwendig.

Da wie oben gesagt Fälle von Tolv- tout in unserem Kreise bislang nicht festgestellt sind, ist kein Grund zu Rervosität und Beängstigung gegeben. Es sind in letzter Zeit wiederholt ganz harmlose Hunde als tollwut- verdächtig zur Mntersuchung gekommen. Die von den Tieren verletzten Personen besanden sich in wenn auch begreiflicher, so doch unnötigen Aufregung. Mm aufklärend zu wirken, ist der Veröffentlichung der amtlichen Anordnungen ein kurzes Merkblatt über die Tollwut beigegeben, aus dem erneut folgendes angegeben sei:

Die Tollwut ist eine ansteckende Krankheit, die hauptsächllch durch den Bitz kranker Hunde verbreitet wird. Sie entsteht immer durch ehre Ansteckung und nie, wie vielfach fälschlich ange­nommen w'rd, von selbst, etwa durch Hitze, Durst u. dgl. Der AuSbruch der Krankheit ent­steht nicht unmittelbar nach dem Ditz, fonbern erst nach 3 brs 6 Wochen, zuwellen nach Mo­naten unb noch längerer Zeit (Incubation).

Die Erscheinungen beim Hunde sind In der Regel folgende: Zuerst zergen die Tiere ein ver­ändertes Benehmen, das hauptsächlrch bem ge­nauen Kenner des Tteres, dem Besitzer, bemerkbar wird, und das je nach dem Eharakter des Tieres sehr verschleden sein kann. Sie werden mürrisch, hastig, weniger folgsam oder scheu. Zuweilen ver­kriechen sie sich auch. Die Futteraufnahme wird zumeist schlechter. Dagegen besteht oft Reigung, unverdauliche Gegegenstänbe zu benagen (Holz, Kohle, Leder u. dgl.) und schließlich auch zu­weilen abzuschlucken.

Im weiteren Verlauf der Krankheit suchen die Hunde oft zu entweichen; sie durchlaufen bann stellos oft sehr große Strecken. Gleichzeitig steltt ich in diesem Stadium die ausgesprochene Reigung zum Dcihen ein. Die Tiere beißen in alles, was ihnen in den Weg kommt: in feste Gegenstände, Menschen und Tiere. Dabei sind sie zuweilen gegen ihre Besitzer noch zutraulich.

Ein solcher frei umherlaufender Hund bildet eine große Gefahr, gegen die sich die Maßnahmen in erster Linie richten müssen.

Bis zu diesem Stadium entwickett sich die Krankheit In 35 Tagen. Dann setzen Lähmungs­erscheinungen ein, die zuerst Schlund- und Kehl­kopf befallen. Es stellen sich Schluckbeschwerben ein; das Bellen wird heiser und heulend. Dann wird die Kaumuskulatur ergriffen. Der Mnter- tiefer hängt herab; Speichel, Schaum und Schleim ließen aus dem Maul. Schließlich tritt eine Lähmung der Hinterbeine hinzu. Die Tiere ver­kriechen sich dann gern, und verenden schließlich in Erschöpfung.

Acht alle Erscheinungen sind immer gleich deutlich ausaesprochen. Das Krankheitsbild oauiert individuell, nach bem Charakter der Tiere Manche Tiere sind sehr bösartig (rasende Wut) manche ruhiger (fülle Wut). In dec Hauptsache ist das Krankheitsbild aber sehr charakteristisch.

Während es demnach am lebenden Tiere relativ leicht ist, innerhalb kurzer Frist die Wut festzustellen, ist die Feststellung beim toten Tiere sehr schwierig. Charakteristische Veränderungen an den Organen gibt es nicht; mikroskopische Mnterfuchungen des Gehirns geben nicht immer bestimmte Resultate. Iinpfversuche an Versuchs­tieren geben erst nach längerer Zeit ein Resultat.

Es. ist deshalb von größter Bedeutung, daß verdächtige Tiere nicht sofort getötet, son­dern möglichst eingesperrt und lebend beobachte! werden. Besonders wichtig ist dies, wenn ein Mensch gebissen worden ist, da es dann von größ­ter Wichtigkeit ist, möglichst frühzeitig bestimmt zu willen, ob die Krankheit vorliegt oder nicht Es ist in den meisten Fällen falsch wenn bei Tcllwutverdacht irgend ein Mebereifriger sich beeilt, den verdächtigen Hund zu erschlagen oder tctzuschießen. Dann beginnen erst die Schwierig­keiten, die sonst leicht vermieden-werden können.

Cs gibt ein Impfverfahren, durch das ge­bissene Menschen mit einem großen Grad von Sicherheit vor dem Ausbruch der Tollwut ge­schützt werden können. Das Verfahren ist aber nur dann Erfolgversprechend, wenn es unmittel­bar nach der Infektion durch den Biß ange- wendet werden kann. Da es auf der anderen Seite sehr zeitraubend ist und einen längerer Aufenthalt in Berlin notwendig macht, wird mar es nur an wenden, wenn der Rach^reiS der Rot- Wendigkeit erbracht ist. Deshalb ist es von großer Wichligleit, die Diagnose der Krankheit mÄlichst am lebenden Tier stellen zu können. K.

U

Bornottzen.

TageSkalender für Dienstag. Stadttheater: 7 MhrMaria Magdalene". Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Rärrtsch« Frauen". Palast-Lichtspiele: .Zirkus Relly".

Aus bem Stadttheaterbureaui wird uns geschrieben: Zu der morgigen Benefiz- Vorstellung für bte ausscheidenden Mitglieder be8 Stadttheaters, die bekanntlich bie Operette .Drei alte Schachteln" von Kollo bringt, sei bemerkt, daß sie ohne Gültigkeit von Gutscheinen gegeben und auch nicht Im Abonnement wiederholt wird. Die Vorbereitung der Aufführung liegt in den be­währten Händen des Herrn Rudolf Goll, bte Tanzarrangements werden von Lina O l d i n l einstudiert, während Karl K n ü b e l die musika­lische Leitung hat. Als Klaus wirb Herr Hoen- s e l e r s vom Gärtnerplahtheater München, der zur Zeit auch am Reuen Operettentheater FranL- furt gastiert, Mitwirken.

Von der V 0 rtragS-Veretni- gung wird uns mitgeteilt: Infolge unerwarteter persönlicher Verhinderung hat der für ben Wil­helm-Busch» Abend gewonnene Redner, Dr. K 0e ppe n aus Berlin, um De rschiebu ng des Vortragsabends auf Ende März ober An­fang April gebeten *

vberhessischer Kunstverein. Die gegenwärtige Ausstellung, die nur bis morgen, Mittwoch, dauern sollte, bleibt noch bis zum nächsten Sonntag ged fnet, und zwar morgen, Mittwoch, von 11 bs 1 Mhr, am Nachmittag von 3 bis 5 Mhr, am Freitag und Sonntag von 11 bis 1 Mhr.

"Das Frühjahrskonzert deS Gern­hardt s che n Zither- und Mandolinen' ch 0 r s am Sonntag nachmittag in der Reuen Aula nahm ttoh des schdnen Frühlingswetters bei gutem Besuch einen vortrefflichen Verlauf. Schon der symphonische Festmarsch von Dauer verriet den Wvhlllang eines gut disziplinierten Zither», Geigen- und Mandolinen-Orchesters, glücklich unterftü&t von der vorzüglichen Akustik ber Reuen Aula. Dasselbe darf auch von ben übrigen Chorstücken gesagt werden, die außerdem das Bestreben der Vereinigung verrieten, die Zithermusikpflege auf einer musikalisch beachtens­werten Höhe zu halten. Zeigten die beiden Kon- zertouvertüren von Swoboda, sowie das preis­gekrönte Mandolinen-Orchester-Konzert von Kolb maneck strengere klassische Form, so näherten sich der spanische Tanz und die Freischütz-Fantasie wenn auch im Rahmen noch guter Musik mehr dem Gebiet der Volksmusik Es war eine Lust, die zum Teil noch jugendlichen Mitglieder unter der Leitung ihres bestens bekannten Diri­genten zu hören. Einen besonders glücklichen Griff hatte man mit der Wahl des Solisten^' Ver­bandszitherlehrers Schmidt aus Frankfurt a. M., getan. Seine ganze Art, sich zu geben, ein wunderbar klingendes Instrument, das. waS er daraus spielte und wie er cd spielte, gewannen im Sturm die Herzen der Zuhörer. Immer wie­der aufS neue mußte er nach stürmischem Bei­fall in bte Saiten greifen. Er spielte außer ber

das. was die Fluten unterwegs mitgenommen | gab hatten.

. . . Ganze Herden von ertrunkenem Vieh . . . Teile zertrümmerter Brucken . . . zerstörte D-haufungon . . . und dazwischen In erschreckender Menge die Leichen von Menschen. Die Wasser mußten schon auf chinesischem Gebiet furchtbar gehaust haben.

Jetzt stand die Oberfläche dieses höllischen Wirbels kaum noch einen Meter unter der Damm- frone. Stieg das noch weiter, so mutzten die. Fluten über die Krone hinweg in breitem Schwall zu Tal stürzen . . . Vorausgesetzt, daß der Damm hielt.

Hier lag die Gefahr. Der Damm war in den zuletzt gefer lgtcn Teilen noch nicht fest abgebu.t» den. Die Möglichkllt war vorhanden . . . war nur allzu groß, daß der gesteigerte Druck ber aufgestauten Wassermengen diese neuen Teile aus bem Darum herausbrach. . . und dann . . .

Schon auf die ersten Rachrichten von dem bedrohlicher 6teigen ber Fluten hatte Georg Jsen- branbt die Siedler im unteren Ilttal telegraphisch warnen lassen. Sobald Ihn der alte Schm^zmeister verlassen, bestieg er selbst ein Flugschiff und fuhr nach den Terekanlagen.

Er kam, sah. . . und fand seine schllmmsten Befrirchttrngen übertroffen. Die Dammkr'one war menschMleer. Das hatte die Bauleitung in Terek bereits aus eigenem Triebe angeordnet, denn unmöglich konnten die frischen Damntteile dem enormen Wasserdruck noch lange standhalttn. Jeder Augenblick konnte die Katastrophe, ben Dammbruch bringen.

Schnell gab Isenbrandt seine Befehle. Er ließ alle Sirenen talabwärts ausheulen... er

nochmaligen dringenden telegraphischen Alarm, den ganzen III stromabwärts bis zum Balkaschsee . . . aber Isenbrandt sah noch weiter. Rur ein Mittel gab es noch ber drohenden Kata­strophe zuvorzukommen. S) schnell wie möglich mußte man die neuen, noch weichen Teile des DammeS von bem Wasserdruck entlasten, ben Stausee absenken.

Das war nur möglich wenn man einen Ein­schnitt von gehöriger Tiefe und Breite in be.t alten, gesunden Teil ber (Staumauer einsprengte. Dort mußte es geschshen, beim der neue, noch schwache und schon überlastete Teil ber Mauer hatte die Dranspruchung einer Explosion nicht ertragen. Gr wäre sicherlich sofort In seiner ganzen Ausdehnung zu Bruche gegangen.

großen Mongen davon ließ sich aber die Spren-

□lut mit ben schärfsten Sprengmitteln und mit gung in den granitharten Darnrnassen des alten Teiles bewerkstelligen. Gelang sie. so würden sich freilich sehr gewaltige Wassermengen durch bk gesprengte Lücke talabwärts ergießen. Sie würben sich-rlich beträchtlichen Schaden annchten. Aber dieser Schaden lanb diese Gefahr blieben immerhin in üb-rsehbaron Abmessungen. Mnb ber Spiegel des Stausees mußte sich bann schnell senken. De, Druck auf den schwachen Teil des Dammes mußte sofort irachlassen. Das Schlimmste war dann über­wunden, die schwerste Gefahr vermieden.

.Rach ben Anordnungen Isenbrandts lief das Sprengkommando über die Dammkrone nach der anderen Berglehne hinüber. Im mittleren Teil war die frische Stelle. Am Rorduier, Im harten alten Teil, sollte die entlaftenbe Scharte aus ge­sprengt werden.

(Fortsetzung folgt.)