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len an, besonders auä) die Engländer imb so­gar die Franzosen, während von tschechi­scher Seite entschiedenster Widerspruch er­hoben wurde. Der Kongreß verzichtete auf eine Abstimmung über diese Frage.

Eröffnung der holländischen Generalstaaten.

Die Thronrede der Königin.

Haag, 16. Sept. (Wolff.) Die Königin der Niederlande hat heute nachmittag die neue Ta­gung der Generalstaaten mit einer Thronrede eröffnet, in der u. a. die Hoffnung ausgedrückt wird, daß die ökonomische Krise jetzt ih en Höhepunkt überschritten hat. Teilweise lasse sich schon jetzt eine leichte Besserung in Handel, (In­dustrie und Ackerbauwirtschaft erkennen. Auch die Besserung der Finanzlage berech­tige dazu, mit neuen Hoffnungen rn eine neue günstige Zukunft zu blicken. Es sei begründete Aussicht vorhanden, daß, wenn jetzt neue finan­zielle Maßnahmen von den Genecalstanten ge­fordert und Liese angenommen werden, die Aus­gaben und Einnahmen für das Haushaltsjahr 1925 aus balanciert werden können. Trotz­dem müsse im Interesse des öffentlichen Wohl­standes noch größere Sparsamkeit an den Tag gelegt werden. Die Beziehungen zu den an­deren Mächten könnten als die allerfreund- lichsten betrachtet werden. Die Gesetzentwürfe zur Regelung der Stärke und der Zusammensetzung der Flotte, zur Besteuerung des Luxus und zur Herabsetzung gewisser allzu schwer empfundener direkter Steuern sind rnDor- bcreitung. Demnächst wird ein Gesetzentwurf ober die Versicherung der Arbeiter gegen Krankheit und Unfall (angebracht werden. Andere Gesetzentwürfe zur Revision der Arbeilerversiche- rung werden vorbereitet. Die finanzielle und öko­nomische Lage Riederländisch-Jndiens weise eine Besserung auf.

Reservistenrevolten in den südlichen Niederlanden.

Amsterdam, 16. Sept. (WTD.) Aus Breda und Bergenop Zoon wird über Zwischenfälle berichtet, die sich anläßlich der E i n- berufung einiger tausend Soldaten der, Jahrgänge 1918/19 für Reserveübun­gen ereignet haben. Die Eingezogenen haben johlend und schreiend die Sttahen durchzogen und die Passanten belästigt. Sie haben den Offizieren den Gehorsam verweigert und ihnen keine Ehrenbezeigungen erwiesen. Außer der städttschen Polizei mußte auch M i - Ittarpolizei aufgeboten werden, um die Ruhe wiederherzustellen.

Fasziftentumulte in Italien.

Rom, 16. Sept. (WTB.) Vergangene Rächt durchzogen faszistische Abteilungen lärmend and singend die Strafen der Stadt, wobei sich kein ernster Zwischenfall ereignete: Zeitungs­stände wurden geplündert und die Bestände an Oppositionsblättern verbrannt oder zerrissen. Auch heute schlag der Versuch vollkommen fehl, das Redaktionsgebäude der Zeitung Mondv^ zu erstürmen; ebenso mißlang em Angriff auf dasGrornale d'Jtafta". In Ve­nedig sind nicht weniger als vier Frei­maurerlogen geplündert und zwei ka­tholische Vereinslokale in Venedig und Murano gleichfalls gestürmt worden. Der Bischof von F^> li gn o richtete an Mussolini ein Telegramm, in-, dem er über Ausschreitungen von Z^lszisten vor dem katholischen Ver­eins lokal klagt.

Die Lage in Marokko.

Madrid, 17. Sept. (Reuter.) Die militä­rische Lage an der Westzone zeigt weiter eine Reigung zur Besserung. Vorgestern hat sich Ge­neral Perdre, Mitglied des militärischen Di­rektoriums mit feinem Gefolge im Auto von Tetuan nach Tanger begeben und ist auf dem gleichen Weg zurückgefah en. Die Reise ist ohne jeden Zwischenfall verlausen und hat besonders in Tanger günstige Beurteilung gesunden und die Gerüchte zerstreut, daß die Verbindungslinie zwischen diesen beiden Städten unterbrochen sei. Die Rachricht. daß die Abteilung des Generals S e r r a n o eine Zeitlang in Gefahr gewesen sei, kann gleichfalls als falsch bezeichnet werden. Die Truppen dieser Abteilung operieren zur Zeit in der Rähe des Lauflusses und arbeiten mit den übrigen Streitkräften zusammen.

Die Kämpfe in China.

Schanghai, 16. Sept. (Havas.)^Die Gegner der Pekinger Regierung versuchen aW der Ver­längerung des Kampfes zwischen den Gouver­neuren Tsching und Liang-Lu Ruhen ziehen. So schlägt Sun-Vatsen seinen Gegnern Tschen- Kong-Mm vor, sich mit ihm zu versöhnen, um alsdann vereinigt die südlichen Provinzen anzugreifen, die der Pekinger Regierung treu geblichen sind. Tschang-tsu-lin bleibt, nach-

Gießener Stadttheater.

Otto Ernst: Flachsmann als Erzieher.

Otto Ernsts Schulkomödie findet immer wie­der ihr Publikum, trotzdem ihr die Feinheit der Satire fast gänzlich abgeht und sie mit ihrer mo- raltiiefenden, fingerdick aufgetragenen Tendenz nur in einem so flotten Spiel genießbar ist, wie sie Adolf T e l e k h s Aufführung uns gestern bot. Bei den durchweg dankbaren, ausgestaltungsfähi­gen Rollen gibt es auf der Bühne sogar recht er­heiternde Szenen, die bei der Lektüre im stillen Kämmerlein unerträglich wirken würden. Unter den verschiedenen, rein typisch gefaßten Lehrer­gestalten war ausgezeichnet Julius Bastes Ord­nungsfanatiker und Pslichtproh mit seinem bor­nierten Duckmäusertum, bis ins kleinste sauber herausgeschält und durchgeführt. Auch dem ge­nügsamen Riemann, der seit dem Seminar kein Buch angerührt hat und seine Rechenkünste allen­falls beim fröhlichen Dauerskat ausfrischt, verhalf Karl Juhnke zu einem vollen Erfolg. Glän­zend war Adolf T e l e k y s Flachsmann, der miserable Bildungsschuster" und widerwärtige Gesinnungslump, glänzend in seinem geistigen Hochmut, fast noch besser in der widerlich schmie­rigen Kriecherei vor dem Vorgesetzten. Der dem Schuldespoten an Unfähigkeit und elender Gesin­nung durchaus ebenbürtige Spion Diercks war bei Herrn Schubert in guten Händen. Alles Licht sammelt sich auf Jan Flemming, den Schulmeister

dem er mobilisiert und die Linie Trents m-Mukden gesichert hat, in Verteidigungsstellung. Er erliest eine Proklamation, in der er erklärt, daß er zur Bekämpfung des Präsidenten Tsaokun. das Kommando über die gesamten Streitkräfte der Mandschurei übernimmt.

Kleine politische Nachrichten.

Der Erste Staatsanwalt für den Landgerichts­bezirk München I hat das vom Stadtrat Rieder- maier von der kommunistischen Fraktion beantragte Verfahren gegen den Ersten Bürgermeister der Stadt München, Eduard Schmid, wegen Wuchers eingestellt. Riedermaier hat seinerzeit gegen den Ersten Bür­germeister wegen der hohen Gaspreise und der schlechten Qualität des Gases Anzeige erstattet.

Der politischen Polizei ist es gelungen, in dem badischen Orte Renchen im Haue ^es Kommu­nisten Bechtle eine Werkstätte zur An­fertigung von Handgranaten auftu- decken. Da Bechtle anscheinend von der Verfol­gung Wind bekommen hatte, wurden in der Werk­stätte nur 30C0 Zünder, in einem Tümpel aber eine große Anzahl fertiger Handg^naten gefun­den. Docht le wurde verhaftet.

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Anläßlich der Einweihung eines Denkmals für den gefallenen Republikaner Dr. Frank wird in M a n n h e i m am 27. und 28. September ein republikanischer Tag für Südwest­deutschland abgehalten. An der Denkmalsenthül- lung werden Vertreter des Reiches, der Länder und der Parlamente teilnehmen.

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Dey deutsche Botschafter in Moskau, Graf Drockdorff-Ranhau, ist zur Kur in Hom­burg v. d. H. eingetroffen.

Der französische Ministerpräsident H e r r i o t hat sich nach einem Besuch Marseilles und Toulons zur Teilnahme an den Flotten­manövern auf dem PanzerkreuzerProvence" eingeschifft. *

Zwischen dem Delegierten der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken in Deutschland, Botschafter Krestinski einerseits und den Delegierten Ungarns, Minister von K a n h a andererseits wurde ein 2lbkommen über die Aufnahme der diplomatischen und wirtschaft­lichen Beziehungen abgeschlossen. Das Abkommen soll durch beide Regierungen bestätigt werden.

Aus aller Welt.

Amerika in Erwartung des Zeppelin.

Der amerikanische Kapitän Klein, der seitens der Regierung der Vereinigtes Staaten den Auftrag erhalten hat, das Zeppelinluftschiff aus Friedrichshafen abzuneh- men, ist an Bord derMauretania" in Cher­bourg angekommen.

Wie im Weißen Hause verlautet, dürfte die Ankunft des Zeppelinluftschifies Z. R. III in den Vereinigten Staaten den Plan eines Rvrdpvl- f I u g e s wieder aufleben lassen.

Der schnellste Transatlantikdampfer.

Der CunarddampferMauretania", der am Montag in Plymouth eintraf, hat die Strecke ReuyorkPlymouth in 4 Tagen 21 Stunden 57 Minuten zurückgelegt und da­mit einen neuen transatlantischen Rekord auf­gestellt.

Straßenbahnzusammenstoß.

Dienstagrachmittag fuhr in Charlvtten- burg eine Straßenbahn auf einen halten­den Straßenbahnzug, in dem gerade 2 0 Kinder einer Tegeler Schule einsteigen woll­ten. Die Plattform des Anhängewagens wurde vollständig eingedrückt. Vier Personen wur­den schwrr, fünf leicht verletzt. Mehrere Kinder erlitten bei dem Anblick einen Rervenchock, einige fielen in Echreikrämpfe.

f Autounglücke.

In Heroldsberg (Mittelfranken) ereig­nete sich ein schweres Automobilunglück, bei dem die beiden Insassen, zwei Rürnberger Herren, zum Teil schwer verletzt wurden. Der Chauffeur kam mit dem Schrecken davon. Der Wagen wurde vollständig zertrüm­mert. Bei dem einen Schwerverletzten handelt es sich um Dr. Klott vom Fränkischen Kurier. Bei einem Automobilunglück in S t. I ohns (Reufundland) sind die vier Insassen des Wagens getötet worden, darunter zwei Offiziere des hier liegenden KreuzersConstance". Durch den Sturz des Wagens sind außerdem noch zwei ehemalige kanadische Offiziere getötet worben.

Wettervoraussage.

Wechselnd bewölkt, westliche Winde, tagsüber wärmer, nachts tühler, stellenweise schon beträcht­liche Riederschläge.

Unsere Lage im Hochdruckgebiet ist unver­ändert. Ein vor Skandinavien liegendes Tief-

aus Idealismus, den genialen Pädagogen. Ihm legt der Verfasser der bekanntlich selber Ham­burger Dolksschuttehrer war ein ganzes Lehr­buch der Methodik in den Mund, das man in die­ser konzentrierten Form nur mit einigem Humor herunterwürgen kann, wenn ein Mann wie Felix R o r f o l f es mit gutem Witz und flottem Spiel, allerdings auch mit reichlichem Pathos, serviert. Prächtig waren Karl V o 1 ck s Schulrat, ein fa­moser Kerl, den man gern haben muhte, und Rud. Golls Schuldiener. Fräulein Born­heim war eine niedliche kleine Gisa Holm, der man unbesehen glaubte, daß sie lieber Kinder wiege als Schule halte. Frau Schubert schien sich trotz des martialischen Schnurrbartes in der Rolle des Mannes in Weiberröcken nicht ganz wohl zu fühlen.e.

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Theater, Kritik und Publikum von heute.

Der neue Leiter des Hessischen Landes- theaters, Generalintendant Emst Legal, hat jetzt, vor Beginn der Spielzeit, sich mit einem öffentlichen Vortrag dem Darmstädter Publi­kum vorgestellt. Seine Ausführungen waren we­niger eine programmatische Erklärung über den Spielplan der Bühne der hessischen Landes- hauptsiadt, als für die Theaterkunst der Gegen­wart überhaupt, was ihnen eine höhere Bedeu­tung gibt. Legals künstlerische Anschauungen

bruckgebiet wird oyne große Störungen abziehen. Rächtliche Abkühlung wird bei vorwiegend west­lichen Winden demnächst Regelfälle bewirken.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 17. Sept. 1924.

Hcppclinbesnch über Gießen?

Die Stadtverwaltung hat gestern den Luft­schiffbau in Friedrichshafen telegraphisch gebeten, das Z e p p e l i n l u f t s ch i f f bei seinen noch be­vorstehenden Probefahrten auch über Gießen fliegen zu lassen. Daraufhin hat die Leitung der Zeppelin-Werft telegraphisch geantwortet:

Aeberfliegen Gießens sehr wahrscheinlich möglich."

Hiernach darf man wohl damit rechnen, Lab aucy wir die Freude haben werden, diese neue Großtat deutschen Geistes und deutscher Technik hier begrüßen zu können.

Weitere Ermäßigung der Postgebühren

Die Reichspostverwallung beabsichtigt, über die bereits bekanntgegebenr Ermäßigung der Post­scheck- imb Postanweisungsgebuhren hinaus eine Herabsetzung der Fernsprech- und Telegraphengebühren vorzunehmen. Diese Maßnahms geschieht in Verfolg des vom Kabinett beschlossenen allgemeinen Preis­abbaues. Die Ermäßigung wird voraussichtlich am 1. Dezember eintreten. Wie im einzelnen die Ermäßigung sich gestaltet, steht noch nicht fest doch dürfte es sich nicht um eine schema­tische Herabsetzung der einzelnen Gebühren handeln.

Die Arbeitsmarktlage im Ge­biet des Arbeitsnachweises für das nördliche Oberhessen lumfasend Gießen- Stadt und -Land und die Kreise Alsfeld, Lauter» bach und Schotten) hat/sich in den letzten,Wochen weiterhin verschlechtert. Jnsbevnderr sind von der zunehmenden Arbeitslosigkeit die Krei e G i e- ßen und Alsfeld betroffen.. Im Kreise Als­feld sind mehrere Gruben und in der Stadt Als­feld einige Betriebe (Maschinenfabrik und We e- reien) ganz stillgelegt worden. Rach den neue­sten Ermittelungen beläuft sich die Ge arntzifier der Erwerbslosen-Unterstützungsempfängee in dem vbendezeichneten Gebiet auf 1197. Davon entfallen auf "Gießen-Etadt 138, Gießen-Laad 752, Kre.s Alsfeld 240, Kreis Lauterbach 25, Kreis Schotten 42. 3m gesamten Arbeitsnachweisgebiet ist in­folge der anhaltenden großen Wirtschaftsschwie- rigfeiten in zahlreichen Betrieben auch noch Kurz­arbeit im Gange.

* Ein Antrag zur Verbesserung der Kleinrentnerfürsorge. Abg.Din­ge l d e y und die Fraktion der Deutschen Volks­partei im hessischen Landtag haben nachstehenden Antrag zur Kleinrentnerfürsorge beim Landtag eingebracht:Wir beantragen, der Landtag möge beschließen, die Regierung zu ersuchen, die Ge­meindeverwaltungen und die städtischen Wohl­fahrtsämter alsbald, ohne weiteren Aufschub, dringend anzuweisen, daß 1. die Sähe der Klein­rentnerunterstützungen gegenüber den im April dieses Jahres gezahlten Beträgen durchschnittlich eine Erhöhung erfahren, die dem Durchschnittsver- hältnissah der Erhöhung der Beamtenbezüge, min­destens aber dem Verhältnissatz der inzwischen eingetretenen E rhöhung der Miete entspricht. 2. Die allgemeine Anforderung der Wohlfahrts­behörden an die Fürsorgeberechtigten, ihren Rach- laß für den Fall des Todes an die Gemeindebe­hörde zu veräußern, oder gar zur Sicherstellung dieser Ansprüche hypothekarische Belastungen von Grundbesitz zu übernehmen, wegfällt, und nur noch in den wenigen Cinzelfällen ausnahmsweise ge­handhabt wird, in denen die besonderen Vermö­gensverhältnisse des Fürsorgeberechtigten der­artige Anforderungen gerechtfertigt" erscheinen lassen."

* * Steuermilderungen. DerReichs­anzeiger" veröffentlicht eine Verordnung über die wirtschaftlich notwendigen Steuermilderungen. Hierunter fällt die Ermäßigung der allgemeinen Umsatzsteuer von 2Vr auf 2 Proz. Ferner die Ermäßigung der Gesellschaftssteiler, der Wert­papiersteuer und des Kapital- und Derkehrssteuer- gesetzes vom 8. April 1922.

* Die st ädt. Sonder st euer vom be­bauten Grundbesitz kann innerffalb acht Tagen noch ohne Kosten bezahlt werden. Man beachte die heutige Bekanntmachung.

* * Die Gemüse-undOb st trockenan- lage im Elektrizitätswerk soll wieder in Betrieb' genommen werden. Siehe Bekanntmachung.

" Auch Ermähigun,g der Gepäck- u. Expreßguttarife. Entsprechend der Herab­setzung der derzeitigen Frachten der Rormalklasse der Gütertarife um 10 Prozent vorn 18. ds. Mts. ab werden die Gepäck- und Exprehgutsähe mit Wirkung vorn 1. Oktober ab ebenfalls um 10 Pro­zent ermäßigt. Die Mindestfrachten bleiben un­verändert.

* * Deutschnationale Volkspartei. Man schreibt uns: In einer sehr stark besuchten , Mitgliederversammlung im Postkeller sprach am

wurzeln im Seelischen und er bekennt sich zu einemTheater der Seele". Besonders charakteristisch für seine Auffassung sind die nach- stehenden Sähe seiner Ansprache: Auf der Grund­lage des Könnens, der befreiten Stimme und des befreiten und zugleich gebändigten Körpers und unter dankbarer Ausnutzung der Lehren aus hinter uns liegenden Jahren, versuchen wir jetzt zu schöner künstlerischer Sachlichkeit durchzu­brechen, zu rein gefühlsmäßiger Durchdringung der Dichterwerke. Wir sind nicht mehr die glück­lichen Verwalter einer uns überlieferten festen Theaterkultur, einer von Zweifeln freien Tra» dition. Olein. Im Gegenteil! Auch auf diesem Gebiete ist uns der Boden un cer den Füßen tveggezogen worden, und was uns noch vor zehn Jahren gefiel, von dem erleben wir heute, daß es im besten Falle ins Museum gehört, daß es uns aber in keinem Fall innerlich mehr an­geht, am wenigsten uns heute in unseren Seelen- Nöten etwas zu sagen vermag. Bekennen wir uns nun freudig zur Gegenwart, so be­kennen wir uns auch zum Zeitalter der Ar­beit und der hochentwickelten Technik, zum restlosen Einsehen aller Kräfte. Heute lautet, ganz anders als in früheren Zeiten, unsere For­derung: Gebt jeder einzelnen Dichtung das, was sie speziell für sich verlangt. Richt nur jeder einzelne Dichter und Komponist hat seinen eigenen Stil, sondern sogar jedes einzelne Werk jedes einzelnen Dichters soll und muß seine besondere Einfühlung und Ausdeutung haben. Wir Men-

Freitagabend Reichstagsabgeordneter Pros. Dr. Werner über die politische Lage, besonders von der Haltung der Deutschnativnalen bei den Verhandlungen über die Dawes-Gesetze. Er be­tonte eingangs seiner Ausführungen, es sei für die Deutschnationalen, als der stärksten Fraktion des Reichstages, nicht leicht gewesen, eine Ent­scheidung zu treffen. Die Verantwortung war eine sehr große, da sich die deutsche Reichsregie­rung völterrcchtlich in London gebunden hatte. Die Fraktion war anfangs geschlossen gegen dir Gesetze. Bald liefen aber von allen Seiten, na­mentlich aus dem besetzten Gebiete, Kundgebungen Bei der Fiction ein, die sich für eine Annahme der Gesetze aussprachen. In täglichen Frattions- sihungen wurde dasFür" andWider" erwogen. Wenn sich nun nach ernster Prüfung der Sach­lage 48 deutschnationale Otbgeorbnete für das Eisenbahngesetz entschieden und so den Dawes- Gesehen zur Annahme verhalfen, so kann von, einer Ab ko mmandierung einzelner keine Rede sein. Ein Frattionszwang war nicht ausgeübt worden. Abg. Dr. Werner, der zu denReinsagern" gehörte, legte nun die Gründe dar, die seine 48 Fraktionsgenossen zur Stimmabgabe für die Annahme veranlaßten. Es kamen hierfür, u. a. in Betracht die Befreiung des Ruhrgebietes und der Gefangenen, die Rückkehr der Ausgewiesenen, die Beseitigung der Zollgrenze, die Zurückgewin­nung der Regiebahn, die Möglichkeit, die Aufwerttmgsfvage neu zu regeln, die Wieder­belebung unserer schwer leidenden Wirtschaft, be­sonders der Landwirtschaft durch Schutzzölle, die Möglichkeit der Regierungsumbildung im Reiche wie in Preußen durch Einbeziehung der Deutsch- nationalen. Darin erblickten dieJasager" einen taktischen Erfolg. Wenn nun dieReinsager" diesen Standpuntt nicht verkennen, so sind sie der Meinung, daß durch die Annahme dem deutschen Volke die wirtschaftliche DersNavung drohe. Deutschland werde wirtschaftliche und in- buftriell dem Auslande verfallen. England habe bereits die Wiedererhebung einer 26prozentigen Ausfuhrabgabe eingeführt, Frankreich werde folgen. Das Dawes-Gutachten sei für die Dauer nicht durchführbar. DieReinsager" fürchteten leinen Rachteil für die Partei bei Reuwahlen. Da an dem fachlichen Inhalte des Gutachtens in London nichts geändert wurde, so waren die Reinsager" der Anschauung, daß neue Derhand- hmge. nötig seien. Der lebhafte Beifall, der bei der Annahme der Gesetze aus der Loge der ausländischen Diplomaten erfolgte, gäbe doch zu denken. Die weitere Entwicklung müsse zeigen, ob dieReinsager" ober, dieJasager" recht be­halten. Es sei zu wünschen, daß das letztere der Fall sei. Doch dürfe die Einheit der Partei nicht scheitern an der Tatsache, daß in einer so wich­tigen Frage die Anschauungen auseinander­gingen. Dieser Meinung wurde auch in der an­schließenden Aussprache allseitig Ausdruck ge­geben.

k. Die Deutsche Volkspartei hielt am Freitagabend im Gewerbehaus eine Mitglie­derversammlung ab. Rach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden Prof. Dr. Kraus- müller sprach Generalsekretär Kolbach- Darmstadt über das Londoner Abkommen. Der Redner schilderte zunächst kurz den Gang der Kon­ferenz in London, um sich dann näher mit dem Ergebnis dieser Verhandlungen zu beschäftigen. Zur Frage:Hätte man nicht mehr erreichen können?" wies Redner auf die außerordentlichen Schwierigkeiten bei den Verhandlungen hin, die es nicht zuliehen, mehr \ herauszuholen, wie ge­schehen ist. Es gilt vor allem die Gegenwart zu erhalten, die Zukunft zu erkämpfen, deshalb muhte das Erreichte angenommen werden. Dies war auch um deswillen notwendig, weil wir unbedingt daran denken müssen, dem besetzten Ge­biet möglichst bald einen Teil der unter groben Opfern getragenen Lasten abzunehmen. Wenn auch die Wünsche durch das Londoner Abkommen nicht voll befriedigt sind, so sind die Erfolge, welche unsere Staatsmänner, insbesondere der Außenminister Dr. Stresemann, in London erzielt haben, nicht zu unterschätzen. Erfreu­lich erweise "machen sich die Auswirkungen des Londoner Abkommens im besetzten Gebiet bereits teilweise bemerkbar, es zeigt sich dort, wie der Redner schilderte, ein Gefühl des Aufatmens und der Hoffnung auf bessere Zeiten. Der Refe­rent kam weiter auf die parlamentarische Situa­tion nach der Rückkehr unserer Delegierten aus London zu sprechen, um sich dann mit den Ab- stimmungsergebnissen und seinen Begleiterschei­nungen zu beschäftigen. Redner beleuchtete so­dann die Stellungnahme der Deutschen Volks­partei zum Londoner Abkommen und stellte fest, daß die Partei einmütig hinter ihrem Führer Dr. Stresemann steht. Zum Schluß berichtete der Re­ferent noch über die politischen Verhält­nisse in Hessen.

Bornotizen,

Tageskalender für Mittwoch. Verpächteroerband: 8 Uhr Versammlung im Hotel Hopfeld. Radllub Germania: Monatsver­sammlung 81/» Uhr im Dereinslokal. Lichtspiel­haus Bahnhofstraße:Mae Murray". - Astoria- Lichtspiele:Der Vater". Hessische Dllder- bühne:Die Tragödie im Hause Habsburg'.

schen von heute, die wir die Rotwendigkeit er­kannt haben, wieder zu einer neuen Welt-, anschauung zu gelangen, müssen uns vor allen Dingen auf den metaphysischen Gehalt der groben Dramendichtungen konzentrieren,

EineoffizielleBiographieCdnardsVU.

Der erste Band der Biographie Eduards VII., die Sir Sidney Lee im Auftrage König Georgs von England schreibt, wird noch vor Weihnachten erscheinen und dürfte eines der am meisten bespro­chenen Bücher der letzten Jahre werden. Die Dar­stellung ist auf der bisher den Geschichtsschreibern unzugänglichen Ptivatkorrespondenz des Herr­schers aufgebaut. Der Verfasser konnte auch eine große Anzahl von Schreiben benutzen, die König Eduard an berühmte Staatsmänner gerichtet hat, so den ganzen Briefwechsel des Königs mit Bea­consfield, Gladstone und Salisbury. Wie in Lon­doner Blättern berichtet wird, zeigt der Briefwech­sel mit Gladstone, daß König Eduard zu diesem Staatsmann in einem lebenslänglichen freund­schaftlichen Verhältnis stand. Die wichtigsten Auf­schlüsse über seine politischen Anschauungen aber gewährt sein Bridfwechsel mit Lord Beaconsfield. Aus der Darstellung des mit Spannung erwarte­ten Buches ergibt sich, daß Eduard schon als Prinz von Wales das regste Interesse an der Weltpolitik gehabt hat und einen tiefgehenden Ein­fluß auf die Politik ausgeübt har