Ausgabe 
17.7.1924
 
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Nr. 166 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GveryeM) Donnerstag, 17. Juli 1924

Kew Gartens

10

g bezeichnet.

IL8 kommt -es

verwirrenden Fülle deS Sttaßen- und Geschäfts­bildes bemerkt man, wie sich gewisse Gewerbe und Berufe aus verhältnismäßig kleinem Um­fang lokalisiert haben, um sozusagen eine Oase in der alles gleichmachenden Steinwüste zu bil­den. Anders würde der riesige Verkehr, di« Vielverzweigtheit der Wirtschaftsbeziehungen nicht zu bewältigen sein.

Köln, vom Rhein aus gesehen, dar und trägt darüber die WertangabeZwei Mark" und da­runter die BezeichnungDeutsches Reich". 3m Hinblick auf die Verhältnisse im deutschen Westen seit dem Friedensschluh darf die Wahl dieses Stadtbildes eine besondere, tiefere und historische Bedeutung für sich in Anspruch nehmen.

Aehnliches gilt auch von der weiteren neuen deutschen Briefmarke zu 3 Mark, die in schöner Weise an den abgetrennten deutschen Osten ge­mahnt. Sie zeigt in ebenso toohlgelungener Aus­führung das schicksalsreiche Schloß des deutschen Ritterordens, die M a r i e n b u r g , ebenfalls von der Wasserseite aus gesehen. Auch diese Marke ist in Kupferdruck ausgeführt, und zwar in rot­brauner Farbe, während der Wert zu 2 Mark mit der Kölner Ansicht in Blau erschienen ist. Beide Marken haben leider nur den einen Rach- teil, daß sie seither lediglich in den beiden Wert- stufen zu 2 und 3 Mark verausgabt wurden, die aber im gewöhnlichen postaltscherr Korrespondenz- Verkehr im Reich und nach dem Auslande gar nicht vorkommen, vielmehr nur bei der Freima­chung von Wertbriefen. Paketen ufw. benv igt wer­den. Um auch dem nicht gerade verwöhnten deut­schen Staatsbürger mit kleinem Geldbeutel einmal einen behördlichen ästhetischen Genuß zu verschaf­fen und die schönen Marken populär zu machen, möchte man hosfcn, daß die Reichspostverwal ung auch noch die niedrigen und gebräuchlicheren Werte mit den neuen Motiven schmücken läßt. 3cten- fMs ist es erfreulich, daß mit den vorbildlichen neuen Postwertzeichen endlich einmal der bisher solange beschrittene Weg der unschönen Lang- weiligkett verlassen worden ist.

Sonntag in London! Wie anders spielt sich das Leben an diesem Tage ab als auf dem euro­päischen Kontinent. Doppelt, eindrucksvoll th seiner Ruhe nach dem all dem lauten Treiben ter Woche. Guropäische Schriftsteller haben den eng­lischen Sonntag einentoten Tag" bezeichnet. Das trifft keineswegs zu, jedenfalls kommt es

Epping. 3m Sonnenglanz liegt die rerzvo.le Land­schaft, die sich fast dicht an die letzten Häuser der City heranwagt. Unö abends lehrt der Aus- slügler- in die Stadt zurück, deren Straßen und Gassen fast wie verträumt daliegrn.

Dann erhält London einen neuen Reiz, dop­pelt anziehend, weil das Historische und Ehr­würdige seines Stadtbildes nur noch heimlicher und vertrauter wird. Wie ein ferner Schleier liegt der Sommerdunst über der Stadt, die mas­sigen Konturen der St. Pauls Cathedral und des Parlaments in zarte Formen vertvandelt. Und nun blitzt es aus in den Verkehrsvierteln des Westens, an allen Giebeln und Straßen­ecken flimmert und gleißt die Lichtreklame. Das ist ein bunt schillerndes Feuerwerk, ein lustiges Farbenspiel von reizvoller Originalität. Da wer­fen sich zwei Clowns Lichtbälle zu und sehen so einen Firmennamen zusammen. Da öffnet sich eine riesige Streichholzschachtel und formt aus ihrem Inhalt ein Rellameschlagwort. Da ver­langt ein weinendes Baby kategorisch nach seiner Milchslasche, um dann lachend die Güte seines Inhalts zu loben. All dies buntschillernd und bewegt von oft erstaunlicher Werbekrast. Ruf einer anderen Stelle die feurige Zeitung, hoch am Hausgiebel erscheinen Lichtbuchstaben schnell hin­tereinander und aus ihrer Folge ergeben sich ganze Sähe und Rachrichlen. Auch der Penny- lose und der zum Lesen zu Bequeme können den Inhalt dieser Himmelszeitung verfolgen. Richt weit davon flimmern d^ Coliseums Konturen im gespenstischen Lichte, während sich auf dem Dache dieses mondänen Varietes ein riesiger Lichtglobus dreht. Ein vielseitig geschnittenes Prisma bist du. London, in beiten hundertfachen Flächen sich das Leben buntschillernd bricht.

Die Rechtinätzigkeit der französischen Kohlenförderungen

Nach dem Versailler Vertrag muß Deutschland an Frankreich alle diejenigen Schäden ersetzen, die ihm an Ausfällen aus der eigenen Kohlenförderung während der Zeit der Behinderung entstehen. Diesem Zweck Lienen nicht nur die allgemeinen Repara­tionsverpflichtungen; daneben mußte Deutsch­land auch noch die Saargruben abtre­ten und sich zu laufenden monat­lichen Kohlenlieferungen verstehen. Nach Teil 8X2 Anlage 5 des Versailler Vertrages ist Deutschland zum Ersatz für den .Förderausfall zu 10jährigen Kohlenlieferun­gen verpflichtet. Während dieser Zeit hat Deutschland jährlich 7 Millionen Tonnen Kohlen (insgesamt also 70 Millionen Tonnen) zu liefern als Ersatz für den während des Krieges entstandenen Förderausfall. Außer­dem erhält Frankreich für die Nachkriegszeit den Anterschied zwischen der Förderung der französischen Kohlengruben in dem betreffen­den Nachkriegsjahr und der Förderung im letzten Vorkriegsjahr; in den ersten fünf Nach- kriegSjahren sollen diese Leistungen bis zu 20 Millionen Tonnen jährlich betragen und in den folgenden fünf Jahren bis zu 8 Millionen Tonnen. Aus diesen Bestimmungen läßt sich schließen, daß die Entente mit einem lOjähri- gen Förderausfall in Frankreich gerechnet hat. Tatsächlich läßt sich jedoch schon jetzt feststel­len, daß in den französischen Kohlenrevieren die Friedensförderziffern bei­nahe erreicht sind.

So hat z.D. die Tagesförderung in den beiden wichtigsten Kohlenrevieren (Nord und PaS de Calais) im Januar 1924 bereits über 80 000 Tonnen erreicht; nach amtlichen Verlautbarungen wird sie am Ende dieses Jahres die Vorkriegsförderung von täglich 91300 Tonnen vermutlich über­schritten haben. Für das Departement du Mord allein betrug die Kohlenförderung am 1. Januar bereits 91 Prozent derjenigen von 1913; die Erzeugung von Briketts und von Koks war sogar noch höher; im Laufe des Mo­nats Januar trat eine weitere Steigerung bis zu 98 Prozent der mittleren Monatsförde­rung vor dem Kriege ein. Von den 112 För­derschächten des Bezirks du Nord sind nur noch drei wieder herzustellen; dafür sind jedoch zwei neue angelegt worden. Die maschinelle Ausrüstung ist im großen und ganzen voll­kommen vollendet; dasselbe gilt für die Ent­wässerung. Die unterirdischen Anlagen sind zu 75 Prozent wieder in Betrieb; zum Ersatz für diejenigen Strecken, die nicht mehr in Betrieb genommen werden können, sind neue Strecken angelegt worden in den Feldern, die vor dem Kriege noch nicht aufgeschlossen waren. Wäh­rend im Jahre 1913 in den Zechen des Be­zirks du Nord nur 10 648 Arbeiterwohnungen bestanden, beträgt ihre Zahl jetzt rund 15 000. Wie günstig die Förderung in diesem Revier sich entwickelt hat, geht daraus hervor, daß es 1913 16,7 Prozent zur französischen Koh­lenförderung beitrug, und daß es 1923 sogar 15 Prozent beisteuern konnte, trotzdem in­folge des Hinzutretens der ehemals deutsch­lothringischen Kohlengruben die französische Kohlenförderung ganz erheblich sich vermehrt hat. 3n den anderen französischen Kohlen­revieren liegen die Verhältnisse ähnlich. So hat z. D. die Leistung der wiederaufgebauten Gruben im Bezirk Pas de Calais im Jahre 1923 sich um über 50 Prozent verbessert. Don den dort zerstörten 15600 Arbeiterhäusern sind 15 000 neu wiederhergestellt bzw. bereits neu gebaut worden.

Werden trotz dieser Verhältnisse die deut­schen Kohlenlieferungen weiter fortgesetzt, so

genügen allein diese, um sämtliche Ausfälle der französischen Kohlenförderung reichlich zu decken. Der Saargruben bedarf es dazu nicht. Bleiben diese vielmehr (wie vorgesehen) bis 1935 weiter an Frankreich, so erhält dieses Land ungefähr 100 Millionen Ton­nen Kohlen mehr als es auf Grund desSinnesdesVersailler Vertra­ges beanspruchen dürfte. Die deutsche Regierung täte gut, dieser Frage ihre Auf­merksamkeit zuzuwenden und auf eine Ermäßi­gung der Kohlenlieferungsverpflichtungen hin­zuwirken. Vor allem sollte sie aber die Ver­hältnisse der Saargruben im Auge behalten. Bekanntlich ist von Deutschland der Wert der Saargruben mit 1100 Millionen Goldmark veranschlagt worden. Frankreich hat dagegen nur einen viel niedrigeren Betrag anerkannt.

Es ist darauf zu achten, daß uns bei Rück­gabe der Saargruben kein höherer Betrag an­gerechnet wird.

OmFlugzeugzurbritischen Reichsausstellung.

Don A. v. Knobelsdorff, Berlin*). IV. Londoner Kaleidoskop.

Das Stvaßenbild Londons hat sich in den

Zähren meines Fernseins ein Welten- schicks.il liegt dazwischen wenig verändert. Da ist der ernste Geschäftsmann von ehedem, der hastende Angestellte, der flinke Geschästsboy. Da sind all die charakteristischen Straßentypen Lon­dons, der Sandwichman, der Straßenmaler, der gutmütige Bobby (Schuhmann). Rur am vieles lebhafter, hastiger und farbenfi'eudiger erscheint das Straßenbild. London ist mehr denn je das

ganz auf die Einstellung an, die der Urteilende >em WorteErholung" oderRe gnügen" gegen­über einnimmt. Mit einer natürlichen Fröhlichkeit begeht der Engländer den Sonntag, einer Mun­terkeit, die um so erfrischender wirkt, weil sie der Liebe zur Rcttur oder den Reizen des eigenen Heims entspringt. Ob er in seinem Homespun-An­zug, in Breeches, die Pfeife im Munde lange Spaziergänge unternimmt, ob ec sich dem Golf oder Tennisspiel widmet oder im gemütlichen Heim die Musik pflegt, stets zeugt die seine Art seiner Erholung von gesunder Lebensauffas- ung. Frische Wangen und ein guter Appetit sind der Lohn eines solchen Sonntag >s, der blaue Montag, eine kontine.italeuropä>sche Erscheinung. Wie schön ist solche ein Ausflug nach Richmond, oder Windsor, nach Kongston oder

Die (Erprobung

von Bayer 5805 im Kongo-Staat.

3n den Laboratorien des belgischen Kongo- Staates sind dauernd Versuche mit dem neuen deutschen Mittel gegen die Schlafkrankheit, Bayer 205, trorgenommen worden, über deren Ergebnisse ein Bericht des BrüsselerTimes"°Korresponden- ten Räheres mitteilt. Die belgischen Aerzte haben diese Versuche mit großem Interesse verfolgt, und der Chefarzt des Lcä>vratoriums von Leopoldsville hat selbst die Arbeiten überwacht. Die Ergebnisse der belgischen Aerzte sind für das neue Mittel günstig; es wird hervorgehoben, daß es viel wirk­samer ist, als alle anderen Heilmittel, da die Zahl der notwendigen Einspritzungen nicht so hoch und die Heilwirkung sehr viel länger andauert. Doch glaubt man, daß die bisher erlangten Ergebnisse mit Bayer 205 noch nicht als endgültig anzusehen sind. Seine Anwendung bedeutet jedenfalls eine sehr viel geringere Gefahr als jedes andere Mittel. Mit Atoxyl mußte man 8 Einspritzungen machen, um dieselben Erfolge zu erzielen, die nach 23 Einspritzungen mit Bayer 205 erreicht wurden. Die Frage, ob das neue Mittel auch für das von der Schlafkrankheit ergriffene Rindvieh volle Heil­erfolge bringt, ist noch nicht entschieden. Die bel­gischen Aerzte glauben, daß es in vielen Fällen als wirksam sich erwiesen hat, aber es sind noch keine Berichte eingetroffen, die endgültige Urteile gestatten. Die belgische Regierung, die feit zwei Jahren mit dem neuen Mittel Versuche <m- stellte, hat sich nach einem Bericht derTimes der Firma gegenüber verpflichtet, die endgültigen Resultate über die Versuche nicht ohne Zusttrn- tranig der Firma an die Oeffentlichkeit zu bringen.

Neue deutsche Briefmarken.

Die Wiederkehr der deutschen Goldmarki-ech- Itunfl hat für den ernsthaften Briefmarkensammler zwei erfreuliche Begleiterscheinungen mit ich ge­bracht. Einmal ist dasSammeln lediglich um des schnöden Mammons willen, das bei allzu- vielen Auchphilatelisten in der Zeit der fortschrei- lenden Geldentwertung überwog, setzt im wesent- licben in Fortfall gekommen. Die Llllffassung. durch die mehr oder minder wahllose Anhäufung internationaler Postwertzeichen als stets stabiler ober noch steigender

MwoX' Ä Ai^en, tS S fdyJetl einander folgend«,.U-berdru». nwrfen mit immer längeren ^^ermihen. beftett Während damals der Sammler -rvoll ständig" bleiben rooltte. Ichi-r atemlos Mtor unräbliaen fast täglichen Reuer schein ungen yer itf Ä wir nunmehr wieder die wenigen frii stehenden Grundwerte für die verschiedenen ^stalischen Deförderungszwecke wie vor dem befreit Morden sind wir dagegen wn ter schalen, nichtssagenden tee Dte

Marken der Inflationszett und schon gänger auszeichnete. Auch der Segenw^rtigaus ken gebräuchlichsten Wertslusm pra^nd^ Mer

toä »rieftörctber dürfte es noch nicht betont

Wirtschaft.

Um die Goldwertberechnung bei Zinsen der Roggenrentcnbriefe.

Wie erinnerlich sein dürfte, wurden anfangs des Wahres sowohl die R o g g e n r e n te n b a n k A.-G., als auch die Preußische Central- Do d e n k c e d i t A.-G. Don einem Roggenpfand- briefinhaber verklagt, welcher verlangte, daß die am 1. Januar fälligen R ogge n w e r t z i n s en bezahlt würden unter Zugrundelegung des G vl> markwertes während der maßgeblichen Schlüsselperiode. Während daS Landg r.cht -Ber­lin 1 liegen den Kläger und zugunsten ter Preußischen Central-Dotenkredit A.-G. entsthied, hat das Landgericht Berlin II seinerzeit die R og­ge n r e n t e n bau k verurteilt die ZinS- scheine vom 1. Januar nach dem durchschnittlichen Goldmarkwerte des Roggens während ter für &ie Roggenrentenbank maßgeblichen Schlusselpe- rivde einzulösen. Die Roggenrentenbank hat hier­gegen Berufung eingelegt. Das Ka mrner- g e r i ch t hat am 2. Juni 1924 in iletereuifttm- mung mit ter grundsätzlichen Entscheidung des Landgerichts Berlin 1 der Berufung statt- gegeben und die Klage abgewiesen.

Die eingehende Begründung des kammerge­richtlichen Urteils dürfte weitere Kreise interessie­ren Tas Kammergericht hat anerkannt, daß die Roggenrentenbank A.°G. in ihren Prospekten und Drucksachen klar und unzweideutig die Absichten angegeben hat, die sie bei Schaffung d^ neuen Kreditmittels verfolgte, nämlich die Mark als Leistungsinhalt und als gesetzliches Zahlungsmittel beizubehalten, indessen insoweit sie als Wert-

Kraftzentrum Englands, das große offene Fen­ster, das dieses so eng mit dem Weltverkehr ver­knüpfte Handelsvolk mit dem Weltmärkte ver­bindet.

Erst allmählich merkt man, daß unter ter scheinbar unveränderten Oberfläche manche Ver­änderung vor sich gegangen ist. Viele anständig gekleidete Personen, die am Straßenrand« Zünd­hölzer, Postkarten und andere Kleinigkeiten des täglichen Bedarfes feikhalten, zeugen davon, daß Rot und Elend auch in weiten Kreisen des englischen Volkslebens Einzug g halten haben. In der Arbeiterschaft herrscht unzufriedene Stim­mung. Seit Beginn des Jahres ist kein Monat vergangen, ohne daß ein ernsthafter Streik das Wirtschaftsleben erschüttert hätte. Grubenarbeiter, Eisenbahner und Hafenarbeiter legten kurz nach­einander die Arbeit nieder Wenige Tage vor meiner Ankunft stellte ein wilder Streik auf der Untergrundbahn den Personenverkehr zir Ausstellung stark in Frage. Bei dem ungeheuer feingegliederten Betriebe, den das Londoner Ver­kehrswesen darstellt, bedeutet die Ausschaltung eines so wichtigen Rades, tote es die Unter­grundbahn darstellt, natürlich eine schwere Stö­rung. Die Ursache ter Streikepitemie liegt sowohl auf wirtschaftlichem wie auf psychologischem Ge­biete. Es kann keinem Zweifel unterließen, daß einige Industriezweige in ter Bestrebung, ihre W ettbewerbssähigkeit auf dem Weltmärkte zu erhöhen, ihre Löhne zu früh abbauten und die aus ihnen ruhenden Lasten auf die Arbeiterschaft abzuwälzen suchten. Andererseits spielen hierbei aber sicher auch psychologische Einwirkungen mit, die als eine ter Kriegsnachwehen anzusprechen sind. Die Lösung ter Arbeiterfrage ist daher eines der dornenvollsten Probleme der gegen­wärtigen Regierung. 3n dem Bestreben, ihre bürgerliche Anhängerschaft nicht zu verlieren, stoßt die Arbeiterpartei auf Schritt und Tritt auf den Unwillen der Arbeiter, die ihre Rechte ver­raten glauben.

Gladstone gab einer Gruppe amerika­nischer Reisenden einmal den Rat, sich zur gründ­lichen Besichtigung des Londoner Stadtbildes einer Reise aus dem Verdecke eines Autobusses zu bedienen. Dieser Ratschlag hat auch heute noch seine Geltung. Für einen Schilling kann man von lustigem Sitze aus das ganze Pano­rama des Londoner Strahenlebens an sich vor­überziehen lassen, wobei man einen intimeren Einblick in die Reize dieser ei^nartigen Stadt bekommt als etwa von einem Gesellschastsauto- mobil aus. überaus fesselnd ist es zu beobach­ten mit welcher Liebe hier die Tradition ge­pflegt wird, wie ter Fortschritt vor dem Ehr­würdigen halt machen muß. Trotz einer schier

) Siehe die Ausführungen in Nr. 155, 157 und 162 desGieß. Anz.".

'sein, daß wir feit kurzem ein paar neue deutsche Post marken haben, die in Motiv und Ausführung auch höheren Ansprüchen genügen unb ungleich wirksamer als bisher sürcheutschen Geschnrack und deutsches Können im Weltpostverkehr 3eugnU ablegcn können. So wurden kürzlich zteri Brief- marken verausgabt die eine im Werte von 60 Pfennig in rotbrauner Farbe, die andere zu 80 Pfennig in Graublau, die das Bildnis tes verdienstvollen ersten GeneralpostmeiserS teö Deutschen Reiches, Dr. Heinrich von Stephan, tragen Die Marken enthalten an den Seiten die Inschrift Fünfzig Jahre Weltpostverein und erinnern MmU an ^dL^Hauptwerk Stephans, den von ihm gegründeten Weltpostverein,^der am 15 Sevtember 1874 zum erstenmal in Bern tagte toterem PortrLi finbet ein hm NI dagegen fehlt bedauerlichertorise ter Name des deutschen Organisators. Zur Erhöhung ter Wirkung in äußerten tschen Ländern Iväre es zu wünschen daß hie Anbringung dieser Angabe nD^±m»mÄf beim Anblick dieser bei- den im üblichen Buchdruck ausgeführien Marken kommt der kunstliebende Sammler auf seine Koster wenn er sich zwei weitere neue Marken betrachteß die in schönem, weichen und doch klarem Tiefdruck bergest eilt sind. Beide knüpfen in ihrer kunst- lerifchen Qualität und in der Zeichnung an die frühere schöne Wartburgmarke zu 5000 Mart an, ter kiter infolge der schnellen Pot oerhohungen nur eine recht kurze Lebensdauer teschieden war Die eine Reuerscheinung, die erstmalig im Mat bei der Eröffnung ter Kölner Messe im dortigen Messepostamt verkauft tourte, stellt auf großem Querformat die toeltberühmte Ansicht des alten

Tie Stimmung Deutschland gegen­über ist durchaus freundlich, solange ich die Beziehungen auf das ge- chäftliche Gebiet beschränken. Der Engländer ist viel zu sehr Geschäftsmann, als daß er den Wert einer guten Verbindung nicht zu chähen wüßte. Häufig stößt man jedoch aus be­rechtigte Klage aus ter Inslationsz.it und ihrer Rachwirkungen. Das Hlnten'en an nicht erfüllte Kontrakte, überschrittene Liesersristen und ähn­liche unliebsame Erfahrungen wird noch lange in her englischen Geschäftswelt foitleten, und es wird des redlichen guten Willens auf beiden Seiten bedürfen, um hier wieder die frühe en angenehmen Beziehungen aufleben zu lasen. Der Verkehr mit den Behörden wickelt sch in an» genchmster Form ab. Freundliche Hilfsbereitschaft läßt das Bestreben erimnen, eine gute At­mosphäre zu schaffen. Leiter habe ich feststellen müssen, daß gerate in den Kreisen, mit denen mich aus früheren Jahren Bande der Freund- schast verknüpften, in deren Berührung ich also an nehm en durfte, einmal die wirkliche Stimmung ungeschmintt zu ersahien. der Krieg eine erheb­liche Abkühlung. um nicht zu sagen Abneig ing, deutschem Wesen gegenüber hervorgerufen ha». Der Gedanke des Krieges und die Meterjeugung, für sittliche Forderung die Waffen ergriffen zu haben, ist dem Volke in überaus geschickter Weise eingehämmert worden. Das Grabmal desunbe­kannten Kriegers" in ter Westminster Abbey zeugt davon, in wie psychologisch feiner Weise dieser Gedanke verewigt wurde. Dieser unbe­kannte Krieger ruht neben den englischen Köni­gen, neben den großen Staatsmänne n und Dich­tern seines Voltes, und ter stets frische Blumen­schmuck auf der einfachen Marmorplatte zeugt davon, welche Verehrung er genießt Richt weit davon steht im Angesicht ter White Hall der sogenannte Cenotaph. d. h. das teere Grabmal, das in würdiger Weise das Andenken an die Toten des Weltkrieges wach hält. Auch hier stets frischer Blumenschmuck in üppiger Fülle. Der Vorübergehende lüstet in sttller Andacht den Hut. Während in Westminster ein unbekannter Krieger begraben wurde, um der Fantasie des Besuchers weitesten Spielraum zu laisen, ist hier die Symbolik durch ein imposantes leeres Grab­mal ausgedrückt worden. So sind Polittk und Religion, Symbolik und Fantasie in geschickter Weife miteinander verknüpft.

Ausbau ende Kräfte, die am Werke sind, lassen die Zukunftsaussichten in dem Verhältnis der beiten Rationen zueinander günsttger erscheinen. Kunst und Wissenschaft tuen ihr Möglichstes, die Annäherung ter beiden Rationen zu fördern. Opernaufsührungen deutscher Künstler, ter Ribe- lungen-Film - für dessen Siegfried hier alle Welt schwärmt sind ferne, aber feste Fädett für - die Wieteranknüpsung alter Beziehungen. Wembley selbst mit seinen internattonalen Kon- ferenpen steht in dieser Beziehung ganz auf dem Boden ter Völterversöhnung. 3n dem augen­blicklich tagenden Weltkraftkongreß toerten eine Reihe bedeutender deutscher Elektrotechniker und Krafttheoretiter zu Worte kommen. 3hre Aus­führungen vor einem internattonalen Gremium werden beweisen, daß es Deutschland um den friedlichen Wiederaufbau der Weltwirischast ernst ist. So heilen Kunst und Wissenschaft die Wun­den, die eine unheilvolle Polittk schlug.

Die innerpolitische Lage Deutschlands wird als sehr verworren teurtrilt. 3n einer Unter­redung, die ich mit dem bekannten, auch tn Deutschland viel beachteten Schriftsteller und Ab­geordneten K. D. Morel hatte, erklärte mir dieser, daß es für eine gerechte Würdigung ter innerpolitischen Lage Deutschlands deshalb so schlimm bestellt sei, weil nicht nur der gewöhn­liche englische Zeitungsleser, terman in the ftreet, sondern auch viele 3ntellektuelle die Be­deutung national mit militaristisch identifizierten. Hierdurch sei In weiten Schichten Englands der Eindruck verbreitet, daß diejenigen Kreise in Deutschland am Werke seien, denen man die Schuld am Kriege zuschreiben zu müssen glaubt.

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