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Nr. 166
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Erstes Blatt
V4- Jahrgang
Donnerstag, 12. Juli 1924
General-Anzeiger für Oberheffen
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Der erste Tag der Londoner Konferenz.
Macdonald über die Aufgaben der Konferenz. — Herriot bietet Macdonald den Borsitz an. Bemerkenswerte Auslassungen des Vertreters Amerikas.
Das Schauspiel von Bonbon hat begonnen. Wenn wir diesen manchem Leser vielleicht unpassend erscheinenden Ausdruck gebrauchen, liegt die Tlvsache in den üblen Erfahrungen der Vergangenheit und in der Tatsache begründet, datz die gestern au8 Paris gemeldeten Beschlüsse der Repko die deutschen Bedenken gegen den Erfolg der Konferenz unterstreichen mutzten. Nun wird heute gedrahtet, datz der gestern gemeldete De- fchlutz der Repko nicht der Wirklichkeit entspricht. Vielmehr besage der wichtige Punkt 5 nicht, datz die Zeichnung auf die Anleihe, sondern der Abschlutz von Verträgen, welche die Zeichnung sicherten, einen wesentlichen Faktor für den Beginn der praktischen Anwendung des Dawesberichtes bilde. Mit den Verträgen sei der vorläufige Abschlutz von Abmachungen zwischen der deutschen Negierung und den ausländischen Banken gemeint. Die Kapitalgeber würden nicht in die Tasche greifen, bevor alle im Sachverständigenbericht enthaltenen Bedingungen erfüllt seien. Dies beziehe sich deutlich auf die wirtschaftliche Räumung des Ruhrgebiets; mit anderen Worten, die Reparationskommission schlage den Abschlutz von Verträgen vor der Räumung und die Zeichnung der Anleihe n a ch der Räumung vor. Tie Auffassung der Kommission über die praktische Anwendung des Dawesplanes sei den Regiermn- gen lediglich al» Meinungsäuberung unterbreitet worden. Cs bleibe abzuwarien. ob die Regierungen diese annehmen würden.
Wie dem auch sei, mit spihfirrdigen Verdrehungsversuchen der Grundlagen des Sachverständigengutachtens kann die begreifliche Erregung über diese Versuche nicht aus der Welt geschafft werden. Tlnd die Londoner Konferenz wird, um Mrruhigung in Deutschland und die notwendige Bereitwilligkeit zur Durchführung der entsprechenden Maßnahmen herbeizuführen, in eindeutiger Weise den Vertrag als Ganzes, ohne Rücksicht auf .Preftig e fragen und politisch-militaristische Forderungen annehmen müssen. M a c- donald und der amerikanische Botschafter K e l l o g haben in ihren gestrigen Reden dies mit erfreulicher Deutlichkeit betont, lind die vorliegenden Drahtberichte über die Halsung der a m e r i - kanischen Presse beweisen, datz die Abkehr von den Methoden PoincarSs als die Bedingung für die Durchführungsmögtichkeit des Dawesplanes in den Vereinigten Staaten angesehen wird. Von der Notwendigkeit dieser Abkehr und den verderblichen Folgen der Politik der Gewalt und Rache ist gestern in London viel ge- sprvcheii worden. Wir wollen hoffen, datz es nicht bei den Worten und dem äutzerlichen Schauspiel bleibt, das derartige Konferenzen seit 1918 der Welt geboten haben, sondern datz derGeistdes ehrlichen Kaufmanns, um dessen Sieg Deutschland seit 5 Jahren verzweifelt kimpft, in London einen Boden findet, der endlich Taten ermöglicht.
Die Rede Macdonalds.
London, 16. Juli. (Wolfs.) Sri der Eröffnungsrede Macdonalds auf der heutigen internationalen Reparationskonferenz heißt es dem heute abend 8 Ahr ausgegebenen Eommuniqus zufolge:
Meine ersten Worte und Gedanken sind die des Willkommens im Namen sowohlmeines Landes als auch meiner Regierung an die Vertreter der Nationen, die, während der Krieg wütete, an unserer Seite kämpften und die jetzt die Verantwortung teilen, Europa Frieden und Sicherheit zu bringen. Die Nachkriegsprobleme sind zahlreich und verwickelt gewesen und es lag in der Natur der Dinge, daß wir bezüglich ihrer nicht immer gleicher Ansicht sein tonnten. Aber jedesmal, wenn tpir verschiedener Meinung waren, haben wir einen neuen Beweis von der gebieterischen Notwen- digkeitderEinigkeit erhalten, wenn unser Sieg wirklich Europa sowohl für die großen Mächte als auch für die kleinen Nationalitäten sicher machen soll. Nichts hat uns m:hr gehindert als die wirtschaftlichen Probleme, die aus dem Kriege entstanden sind und unter diesen sind d i e Reparationenein es der schwierigsten gewesen. Zu Beginn des letzten Jahres entstanden
ernste Meinungsverschiedenheiten unter uns über diese Frage, die, wenn nicht ein starker guter Wille in unseren Herzen gewesen wäre, zu üblen Folgen hätte fuhren können. Schliehlich beschloß die Reparationsk'Jmmrsswn mit Zustimmung der Regierungen einen Ausschuß von Sachverst ändigen zu ernennen, um Dass ganze Problem zu erforschen und uns bei feiner Lösung zu leiten. Im April lieferte uns der Aus- schuh einen Bericht, der nicht nur durch seine Fähigkeit, sondern auch durch seine Einstimmigkeit, uns allen die gebieterische Pflicht auferlegte, ihn unverzüglich zur Durchführung zu bringen.
Wir haben bisher eine Politik verfolgt, die nicht nur verfehlt hat, die erwarteten Reparationen ernzubringen, sondern die als Folge zu einer Unbeständigkeit der Gemüter geführt hat, zu einem Anwachsen des aggressiven
Militarismus und zur Verstärkung einer Furcht, die jedes Sicherheitsgefühl ausschaltete.
Die Nationen haben nicht eine Hoffnung vom Anbrechen eines friedlichen Tages erblickt, sondern in eine graue Aussicht drohender Gefahr geschaut. Es ist unsere Pflicht, sie zu beenden und zu versuchen, die neue Gelegenheit zu ergreifen und glücklichere Aussichten zu schaffen. Ich unterschätze Perneswegs die Schwierigkeiten unserer Ausgabe. Andererseits hoffe ich jedoch, datz Sie nicht die Aufrichtigkeit unseres Wunsches, sie zu überwinden, unterschätzen. In einigen seiner Vorschläge ist der Bericht vielleich t auch anfechtbar. Aber wir sind von den Sachverständigen gewarnt worden, datz er als Ganzes genommen werden mutz und wer ihn immer sorgfältig untersucht hat, wird zu demselben Schluß kommen. W i r dürfen reicht versuchen, seine E i n z el- heiten abzuändern, sonst fallen wir wieder in die Meinungsverschiedenheiten, in denen wir uns früher befunden haben. Versuche, Vereinbarungen über fleine Tinge von geringfügiger Bedeutung zu finden, werden stets fehlschlagen.
Der Bericht fordert nicht nur Verpflichtungen von Deutschland, sondern auch von uns.
Wir müssen ihm eine Chance geben. Wir müssen unsere Maßnahmen so anwenden, datz wir Bedingungen schaffen, unter denen der Plan, wie uns gesagt worpen ist, arbeiten wird, und von diesen Bedingungen sind zwei unbedingt wesentlich:
1. Daß die wirtschaftliche und fiskalische Einheit Deutschlands wiederhergestellt toirb,.
2. daß angemessene Sicherheit den Gläubigern | gegeben werden kann, die ersucht werden sollen, eine sehr große Anleihe vorzustrecken, welche die Grundlage des Planes ist.
Der Mechanismus, durch den dies getan werden soll, bietet einige Sicherheit, und ich bin überzeugt, daß die Schwierigkeiten überwunden werden können und daß wir als Schlußwort unserer heutigen Beratungen das Wort schreiben können, das von unseren Beschlüssen solangefehlte, nämlich das Wort: Erfolg! Der Dawesbericht hat einen scharfen älnterschied zwischen den wirtschaftlichen und politischen Erwägungen gezogen und sich auf die e r st e r e n konzentriert. Der erste Sah, der Schlüssel des Berichtes selbst, gibt den Schlüssel zu der Lage. Die Sachverständigen sogen: Wir sind an unsere Aufgabe als Kaufleute herangetreten, bestrebt, wirkliche Ergebnisse zu erzielen.
Meine Herren! Können Sie etwas Besseres tun, als die Anwendung dieses Berichtes in d e m- selben Geiste, in dem er gefaßt worden ist, zu fordern? Wir müssen damit rechnen, datz wir alle andren Fragen als die alleinige und einfache Anwendung des Berichte s b e i s e i t e st e l l e n. Wir dürfen nicht Fragen verwickelt gestalten, indem wir sie mit fremden Fragen verbinden. Die verhängnisvolle Gewohnheit, eine Frage mit einer anderen zu verbinden, ist zum größten Teil verantwortlich gewesen für den Mißerfolg, irgend etwas in der Vergangenheit zu lösen. Wir müssen Schritt für Schritt gehen, indem wir jede Frage soweit tote möglich isolieren und lösen, bevor totr zu der nächsten Frage Übergehen. Der Dawesbericht ist nicht in sich eine endgültige Losung aller unserer Probleme. Aber lassen Sie uns erst den Boden freimachen, in dem wir den Dawesbericht zur Durchführung bringen. Danach bin ich bereit, mit Ihnen für die anderen Fragen eine Lösung zu suchen.
Die Gerechtigkeit des Dawesplanes, ferne Unparteilichkeit und sein Gleichgewicht
haben allgemeine Anerkennung gefunden. Er ist ein praktisches, wirtschaftliches Werk, das aufrichtig im Lichte der Tat aufgeführt wurde. Was sein Ziel betrifft, so kann ich nichts Besseres tun, als den ausgezeichneten Auszug anführen, der aus Dequemlichkeitsgründen vorangesetzt wurde. Lieser Auszug erklärt folgendes:
Das Ziel des Planes ist
' 1 eine Maschinerie zu errichten, um die größten Iahrcszahlungen von feiten Deutschlands zu erlangen, t
2 größtmöglichste Transfers an die Gläubiger Deutschlands zu ermöglichen
3 die Frage, was Deutschland zahlen kann, aus dem Gebiet praktischer Anregungen heraus- zunehmen, Ä _ .. , ~ .
4 eine endgültige und umfassende Vereinbarung über alle Reparationsprobleme unb die damit zusammenhängenden Fragen zu eneichtern, sobald die Umstände dies möglich machen.
Die Sachverständigen machten sich daran, Mittel zu ersinnen s ü r den W i e d e r a u f ba 4 Deutschlands, Seite an Seite Mit der Bezahlung von wesentlichen Reparationen an die Alliierten, und soweit sie dies erreicht haben, haben sie doppelt für den Wiederaufbau Deutschlands beigesteuert. Daraus geht klar hervor, und dies ist ein Punkt, auf den die Sachverständigen selbst Wert legten, datz es im eigenen Interesse Deutschlands liegt, diesen | Plan durchzuführen. Es ist nicht nur em
Plan, um Zahlungen von Deutschland zu erhalten ; er versucht auch, die Stabilisierung der deutschen Währung und die Balancierung des deutschen Budgets sicherzu st eilen.
Er bietet tatsächlich die einzige Hoffnung für Deutschland, aus dem finanziellen Sumpf, in den es fast unrettbar gesunken ist, hrrauszu- kommen.
Macdonald schloß: Wir wünschen einen besonderen Willkomm Len amerikanischen Vertretern darzubieten. Ich weiß, Sie sind nicht hier als Volldelegierte. Die Lage in Amerika verhindert dies. Aber Sie sind hier als ein Beweis des mitwirkenden Wohlwollens. Amerika war ein großer Partner von uns in Tagen, w) wir uns im Kriege befanden'.^ Sein Geist erhellt den Bericht, der uns hier zusammengebracht hat. Wir werden es bitten, nicht als eine Regierung, sondern als ein Volk mit zahlreichen Hilfsquellen und gutem H^zen Anteil an den finanziellen Plänen zu nehmen, die zur Durchfüh.ung g.bracht werden müssen, wenn ein baldiger Wiederausbau in Europa slattfinden soll. Außerdem wird es als Zuschauer, der zurückgezogen ist, von den Gefühlen und Erwägungen, die uns Europäer bewegen, vielleicht eher in der Lage sein, in kritischen Tagen mit freieren Ansichten und mit ruhigerem Urteil zu Helsen, als wjr, die wir inmitten der Gefahren stehen, fähig sind. Wir begrüßen unsere amerikanischen Freunde herzlich auf der Konferenz, und ich kann nur die Hoffnung hier wiederholen, indem ich die Konferenz für eröffnet erkläre und Sie bitte, Ihre Aufgaben zu beginnen, daß, wenn ich he schließe, ich Männern Lebewohl sagen werde, die in ihre verschiedenen Länder zurückkehren, stolz und glücklich über den Erfolg ihrer Arbeit!
Ministerpräsident Herriot führte aus: Herr Premierminister! Ich bin sicher, der Wortführer der hier versammelten Delegierten zu fein, wenn ich Ihnen für die edelmütigen Worte danke, die Sie soeben geäußert haben. Jeder von uns, wir alle von Ihnen hierher eingeladenen Vertreter sind uns des Ernstes unserer Pflicht bewußt, die wir hier zu erfüllen haben. Tie Frage ist, die Interessen der Menschheit, die in gleicher Weise und während langer Zeit durch einen grausamen Krieg gelitten haben, zu versöhnen mit der Notwendigkeit, den Frieden wiederherzustellen, zu dem wir alle streben wollen. Die Aufgabe, die uns erwartet, ist außerordentlich schwierig und ich frage mich, ob in der Geschichte die Vertreter von Regierungen je einer schwierigeren Ausgabe gegenübergestanden haben. Aber jeder einzelne und wir alle zusammen werden hierher die Liebe des Landes, das totr vertreten. und die von uns selbst empfundene Liebe mitbringen. Wir wollen alle soviel wie möglich daran arbeiten, eine Lösung zu erreichen, und toir sind, wie Sie, Herr Prästdent, besonders froh, hier unsere guten Freunde aus der Vereinigten Staaten zu sehen.
Herr Premierminister! Ich bin sicher, daß ich unsere gemeinsamen Gefühle zum Ausdruck bringe, wenn ich Sie int Namen meiner Kollegen bitte, das Amt des Vorsitzenden zu übernehmen und unsere Zusammen- kunst zu leiten.
Der amerikanische Botschafter Kelloq sagte: Im Namen meiner Kollegen und in meinem eigenen Namen wünsche ich den Premieimiinistern dieser beiden großen Länder zu danken für ihre edelmütige Begrüßung der Delegierten der Vereinigten Staaten auf dieser höchst wichtigen Konferenz. Cs ist wahr, daß wir nicht in derselben Eigenschaft kommen, mit denselben Befugnissen, tote die übrigen Delegierten, weil wir nicht Teilhaber des Versailler Vertrages oder der jetzt in Kraft befindlichen Sanktionen sind. Olber wir kommen in demselben Geiste und wir wünschen, hilfreich zu sein.
Es ist nicht unser Wunsch, auf irgendein Land einen unangemessenen Druck auszuüben und eine Politik anzmrehmen, die nach se'mer Ansicht wirtschaftlich und politisch n cht feinen Interessen dient, sondern, wenn wir bas können, zu versuchen, das größte wirtschaftliche Problem in Europa seit Generationen zu lösen. i
Ich werde Ihre Zeit nicht in Anspruch nehmen, um die Probleme zu erörtern, deren Erörterung zuerst von feiten der unmittelbar daran interessierten Länder kommen fort. Aber die Notwendigkeit, daß etwas geschehen muh, wurde von der Reparationskommission und den die Ernennung des sogenannten Tawesausschusses interessierten Regierungen erkannt. Ich habe die Ehre, einige dieser Herren zu kennen. Es sind alles Männer vonVerantwortlichkeit und Erfahrung. Ich weiß,' datz die amerikanischen Mitglieder Männer von Höch st er Fähigkeit, Erfahrung und Charakter sind. Ich glaube, alle von ihnen sind an die Frage in einem liberalen Geiste herangetreten, in der Absicht, fair zu sein und die Rechte aller Länder anzuerkennen und vor allem die
Frage ohne Rücksicht auf die politischen Ansichten irgendwelcher Länder vom wirtschaftlichen und fauf- männlichen Standpunkte aus in Betracht zu ziehen. Ich glaube, sie haben dies getan. Sir haben Monate mit Erwägungen Angebracht. Hat jemand einen besseren Plan?
Ich kann einfach sagen, daß meine Regierung und das amerikanische Volk glauben, daß die Annahme des D.rwesberichtes der erste große Schritt in der Wiederherstellung Europas, bei der Stabilisierung seiner Industrien und zur
Wohlfahrt und zum Glück des Volkes ist.
Der italienische Delegierte de Stefani erklärte u. a., die italienische Delegation sei fundamental überzeugt von der Notwendigkeit der Arbeit der Konferenz und sei bereit, dieser Arbeit wirksame Mitwirkung zu leihen. Von dem Erfolg der Konferenz hänge, wirtschaftlich und politisch gesehen, vollkommen der Wiederaufbau und der Friede Europas ab.
Der japanische Delegierte Hahashi erklärte, die japanische Regierung wünsche, datz ihr Vertreter in ernster Weise mitwirke, um die Arbeiter der Konferenz zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Der belgische Minister Thennis erklärte, die belgische Regierung und das belgische Volk seien tief überzeugt von der historischen Bedeutung der Arbeiten der Konferenz. Er gab der Zuversicht Ausdruck, daß sie erreichen werde, der Welt Gerechtigkeit und Frieden zu bringen.
Macdonald
erklärte zum Schluß, er werde fein Bestes tun, der Konferenz vorzusitzen, die historisch sein werde und, wie er hoffe, erfolgreich sein werde.
Heute keine VoNsttzukg.
Paris, 17. Juli. (WTD.) Tie Konferenz von London wird, wie Havas meldet, heute leine Sitzung ab halten. Es tagen aber die bretl Kommissionen, und zwar die erste um 3.30 Uhr, die zweite um 4.30 Uhr und die dritte um 5.30 ülhr.
Gold aus Quecksilber.
Ein sensationeller Erfolg der deutschen Wissenschaft.
Dem Leiter des photo-chemischen Laboratoriums der Technischen Hochschule in Berlin- Charlottenburg Professor Dr. Miethe und seinem Privatassistenten Dr. Stamm- re i ch ist es gelungen, durchexperimen- telleZertrümmerungvonQuecksil- beratomen Gold herzu stellen. Eine praktische Bedeutung kommt dieser hervorragenden wissenschaftlichen Entdeckung jedoch n i ch t z u, da zur Herste Nun z von einem Kilogramm Gold nach dem Verfahren der beiden genannten Gelehrten Quecksilber und elektrischer Strom im Werte von mindestens 20 Millionen Mark aufgewendet werden müßte.
I Reich und Bayern.
Ministerpräsident Held für Einheit und Geschlossenheit.
München, 16. Juli. (WTB.) In der Land- tagssihung ergriff der Ministerpräfident das Wort. Nachdem er auf die notwendige Hilfe für die Landwirtschaft hingewiesen hatte, streifte er die Kreditfrage, die ein Problem der Stunde fei, und erklärte zum Dawesbericht, daß dieser Deutschland trotz seiner ungeheuren Verarmung wieder schwere Lasten auferlege. C r betonte die Einigkeit zwischen der R e i ch s r e g i er u n g und den Vertretern der Einzel- staaten in Berlin, und daß bei dem Gutachten ein Minimum von E h r e n s o r de r u n gen des deutschen Volkes die Voraussetzung für den Abschluß von Verhandlungen sei. Held sagte weiter, die Zeitungsmeldungen von einem zweiten Koalitionsprogramm seren unrichtig, die Regierung treibe keine Politrk des doppelten Bodens, und bemerkte zur Denkschrift über die Abänderung der Weimar e v Verfassung, sie sei geeignet, in Zukunft Konflikte zwischen Bayern und dem Reich z u v er« hindern, und trete nicht als Gegner, sondern als Freund des Reiches auf, weil die freie Gestaltung des einzelnen Staatslebens die beste Klamnrer für die Reichs- e i nh eit sei. Es wäre pflichtvergessen, dem Reich in der schwersten Zeit den Rücken zu kehren, man müsse vielmehr für die Einheit undGeschlossenheit des Reiches ein- treten. Der Kommunismus fei d i e größte Gefahr für den Staat, d i e nationale Beweauna begrüße er, sie müsse


