"Dsrvtre'tlümdenHa'hnenschrei. Gin Anwohner der Frankfurter Straße besitzt einen Gockel, der sein erstes Kikeriki alle Morgen mit großer Pünktlichkeit gegen 3 ^kh-r in den werdenden Tag hinauskräht. Verschiedene mit besonders feinen Verven begabte Vachbarn sind nun ü6gl den zeitigen Weckruf dieses Frühaufstehers so erbost, daß sie sich bei der Polizei beschweren und um Ginschireiten gegen die nächtliche Ruhestörung ersuchten. Ein Schuhmann über- nähm denn auch die Mission und forderte gestern den nichtsahnenden ^ockelbesiher auf, dafür zu sorgen, daß der frohgemute Herr des Hühnervolkes in -Zukunft zu der bisher gewohnten frühen Weckrufstunde noch den Schnabel halte.Der Gockel- besiher bezweifelt. daß der Ha'hn für diese polizeiliche Forderung Verständnis haben und sich das muntere M . . ., nein Schnäbelchen so mir nichts dir nichts verbieten lassen werde. Wir bezwei- feln's auch Die Einsicht muß eher aus der andern Seite gesucht werden. Vielleicht Ware aber mal nachzuprüfen, ob es sich bei diesem Spektakclmacher überhaupt um einen deutschen Gockel handelt der ja doch eigentliche wissen mußte, daß deutsche Verven wenigstens nachts in Vühe zu lassen sind. Womöglich handelt es sich um einen gallischen Hahn, Len Poincare kurz vor seinem 2lbgang noch hierher hat schmuggeln lassen damit er gewisse überempfindliche Leute nachts noch extra piesacken soll, um sie schneller „um vollendeten Ämkihpen zu bringen? Ha, ja es geht doch nichts über einen schneidigen Hahn und eine gute Vachbarschaft!
.** Ein vortrefflicher Reiseschi l- derungs - undHagdfilm läuft bis morgen einschl. im Lichtspielhaus Bahnhofstraße. Der Film der in hochinteressanter Weise aus dem ^äge'rparadies der afrikanischen Wildnis berichtet, verdient die beste Empfehlung. Vicht nur den Erwachsenen bereitet er einen besonderen Genuß der heutzutage, wo die Auslanhreisen für weite Kreise der Deutschen ein Ding der Llnmöglichkeit sind, doppelt hoch zu veranschlagen ist auch der Jugend, die zu diesem Film Zutritt hat gibt er sehr viel Wissenswertes und Schönes, an'dem sie sich erfreuen kann. Ein instruktiver Degleitvortrag eines Afrikakenners ist noch mit besonderer Anerkennung zu quittieren.
Bornotizcn.
— Tageskalenöer für Samstag. Physiolog Institut: 8 Uhr Vortrag „Die Technik des künstlerischen Vortrags mit Rezitationen". — Kavallrrieverein: 8 Uhr bei Teigler außerordentliche Generalversammlung. — Rundfunkhaus, Löberstraße: 8y2 Uhr Die Holzbläser. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Aus dem Hagerparadies der afrikanischen Wildnis". — Palast- Lichtspiele: „Helena".
— Tageskalender für Sonntag. Oberhefsischer Kunstverein: 11 bis 1 Uhr Ausstellung graphischer Werke der Karlsruher Künst- lerschast. Gießener Turnerschaft: 4 und 8 Uhr Festspiel vom Deutschen Turnfest „Frischauf, mein Volk". — Familienabend in der Stadtkirche: 8 Uhr Vortrag von Geh. Kirchenrat Professor D. Dr. Krüger „Das deutsch-evangelische Kirchenlied«.
— DieGießenerTarners.chaft schreibt uns: Der Kartenverkauf für das vorerst am Sonntag, 18. und Montag, 19. ds. Mts. in der T u rn- halle am Oswaldsgarten zur Aufführung gelangende Vaterländische Fest- spiel des Münchener Turnfestes „Frisch auf mein Volk' ist bis jetzt ein recht guter. Die Vorbereitungen haben unter Leitung des Mitgliedes des hiesigen Stadtthsatrrs Herrn Huhnke einen guten Verlauf genommen. Vahezu sechzig Personen wirken mit. Durch das Entgegenkommen der Stadt sind die Szenerien, die Beleuchtungskörper und die Kostüme aus dem Theaters undus den Veranstaltern zur Verfügung gestellt worden. Die restlichen Kostüme sind aus Frankfurt. Der Besuch des Festspiels, das überall großen Anklang gefunden hat, ist zu empfehlen.
— Der Goeth e-B u n D veransraltet Sonntag abend einen Lichtbilder-Dortrag über Streifzüge durch die Gebirgs- und Stromgebiete Vord- Chinas. (Siehe Anzeige.)
Wettervoraussage
Vorwiegend heiter, trocken, etnxis wärmer.
Landkreis Gics;en.
£ Wieseck, 16. Mai. Hm Philosophenwald und dessen Umgebung belästigte in den letzten Tagen ein in mittleren Hahren stehender Mann weibliche Passanten inunsittlicher Weise. Gestern abend konnte er gestellt werden, ergriff aber in der Richtung der Wiesecker Mühle die Flucht, wo er von herbei- geeilten Radfahrern fe st genommen wurde. Die an ihm verübte Lynchjustiz machte nach Anlegung' eines Votverbandes durch Dr. Katz seine Ueberführung in die Klinik mittels Krankenauto notwendig. — Hn der Gemeinderats- s i h u n g am Donnerstag erklärte sich der Gemeinderat damit einverstanden, daß die Dau- lustigen, die seitens des Staates ein Baust i l f e da r l e h e n erhalten, ein solches in gleicher Höhe seitens der Gemeinde bekommen. Leider gestatten es die geringen vorhandenen Mittel nicht, allen Hnteressenten zu helfen. Die Erhebung einer vorläufigen Gewerbesteuer für die Gemeinden nach der Verordnung vom 27. März, die in letzter Sitzung abgelehnt wurde, verfiel auch in dieser Sitzung wieder der Ablehnung. Der Gemeinderat ist sich bewußt, daß hierdurch kein Sonderrecht für die Gewerbebetriebe geschaffen werden soll, daß vielmehr die vorgeschlagene Form der Besteuerung zu sehr großen Härten führt, da die Veranlagung nach den Roheinnahmen (nach Abzug der Löhne und Gehälter) vorgenommen wird und bei den einzelnen Berufen, bei vielleicht gleichen Roheinnahmen, durch die Verschiedenartigkeit des verarbeiteten Materials die Verdienstmöglichkeiten ganz verschiedene sein können. Vun hat wohl oder übel der Finanzausschuß das Wort, um etwas Brauchbares herauszuarbeiten. Dem Bürgermeister wurde die gewünschte Ermächtigung erteilt, die Pachtgeldsumme der Gemeindejagd für 1 92 4 in Verhandlungen mit den Hagdpächtem neu zu regeln. Bei dem kürzlichen Brande in der H. B. Vollschen Filiale hat sich herausgestellt, daß eine ganze Anzahl Feuerwehrgeräte ergänzt bzw. neu enge« schafft werden müssen. Es herrschte nur eine Stimme darüber, unsere freiwillige Feuerwehr im Laufe der Zeit zu einem jederzeit hilfsbereiten Instrument zu machen. Uebec die angeforderten Geräte sollen Kostenvoranschläge eingestolt und bann erneut Vorlage gemacht werden^
* Grünberg, 16. Mai. Die Berhand- langen der Stadt mit den Grünberger Hagdpächtern vor dem Hagd-Pachteini- gungsamt in Gießen führten zu einem Vergleich. Mit Rücksicht auf den verminderten Wildbestand zahlen die Pächter für 1924 65 Prozent und für den Rest der Pachtzeit 70 Prozent der Friedenspacht.
Kreis Friedberg.
s. f. Friedberg, 16. Mai. 3n der gestrigen Stadtverordnetensihvng spitzte sich die Besetzung des vierten Beigeordneten- postens zu einer politischen Aktion aus. Die Stadt hatte seither vier Beigeordnete: der der sozialdemokratischen Partei angehörige Beigeordnete Kühn ist von seinem Posten zurückgetreten. Die Fraktion der Sozialdemokraten beansprucht die Wiederbesehung dieser Stelle mit einem Parteigenossen. Mr diese Forderung trat Beigeordneter Windecker ein. während Beigeordneter Leuchtgens derselben widersprach und Windecker den Vorwurf machte, aus Entgegenkommen gegen die Sozialdemokratie diese Stellung einzunehmen. Hiergegen verwahrte sich Beigeordneter Windecker in sehr energischer Weise und betonte,
daß er in seiner langjährigen politischen Tätigkeit seine Stellung und Meinung stets unentwegt vertreten habe. Vachdem noch der Kommunist Loth H. die Streichung der dritten Beigeordnetenstelle verlangt hatte, wurde trn Antrag Gebhard, die vierte Stelle zu st r e i ch e n, mit 8 gegen 16 Stimmen (bei drei Enthaltungen) abgelehnt und der Antrag Windecker, die Stelle wieder zu besehen, mit 18 gegen 7 Stimmen (bei zwei Enthaltungen) angenommen. — Von dem sonstigen Verlauf der Sitzung ist noch erwähnenswert, daß die Stadt dem Wetteraue rR eiterverein, der in diesem Hahre wieder ein großes Reiter- fest auf der Seewiese abhalten roill, einen Ehrenpreis bewilligte. Es wurde bei dieser Gelegenheit mitgeteilt, daß Bad-Vauheim sich eifrig bemüht, diese Veranstaltung nacß dort zu bekommen. Auch der Deutsche Automobilklub wird im Verlaufe des Sommers seinen Bundestag hier abhalten, es sollen damit interessante sportliche Veranstaltungen verbunden sein. — Der in der letzten Sitzung beantragte S p a r a u s s ch u ß ist bereits gewählt und seht sich aus den Beigeordneten Langsdorf und Leuchtgens und den Stadtverordneten Mörschel und Hhl zusammen. — Die außerordentliche Steuer auf Grundbesitz war in der letzten Sitzung auf 50 Proz. der staatlichen Steuer festgesetzt und auf die Dauer von 3 Monaten bewilligt: nach Vorschlag des Finanzausschusses wurde die Dauer auf ein ganzes Hahr ausgedehnt. — Der Vorschlag des Finanzausschusses, nach welchem der Pachtpreis für Kleingartengrund st ücke für 250 qm 7.50 Mk. betragen soll, wurde nach längerer Debatte mit 14 gegen 9 Stimmen (bei drei Enthaltungen) angenommen.
Hessen-Nassau.
F r a n t f u r t a. M, 16. Mai. Eine Einbrecherbande dringt feit einer Woche in Geschäfte, die während der Mittagsstunden geschlossen halten, mittels Vachschlüsseln ein und plündert sie aus. So wurde Donnerstag mittag inmitten des stärksten Straßenverkehrs am Roßmarttt ein Geschäft, das nur eine Stunde geschlossen hielt, um bedeutende Mengen Kleiderstoffe beraubt. Die Diebe haben die Ware ungeniert vom Laden auf die Straße und sie dann auf einem Drückkarren fortgeschafft.
Ufingen (Taunus), 16. Mai. (Priv.-Tel.) Etwa 1000 Meter diesseits der Grenze des be- sevten Gebiets wollten zwei französische Soldaten in Uniform an einem Weiher mit Sprengstoffen fischen. Als ein Förster fie auf die Ungesetzlich ke it ihrer Handlung aufmerksam machte, ging einer der Soldaten dem Förster mit einem Messer zuleibe. Der Söhn des Försters schoß darauf auf den Angreifer und verletzte ihn schwer. Die Franzosen haben den Verwundeten über die Grenze ins besetzte Gebiet geschleppt. Die deutschen Behörden haben eine Untersuchung des Falles eingeleitet.
Büchertisch.
X Prof. Dr. Walter Kinkel. Hermann Cohen. Eine Einführung in fein Werk. Mit einem Bildnis. (Strecker und Schröder, Stuttgart. Kartoniert 5Mk., Halbleinenband 6Mk.) — Unzweifelhaft hat in den letzten Hahren das Hnteresse an philosophischen Problemen mächtig zugenommen, ebenso unzweifelhaft hat es sich aber oft auf leichten Veb en Pfaden verloren, und daran waren nicht zuletzt auch die Philosophen selbst schuld, indem sie in der Behandlung der schauerigsten Fragen soweit sich fortgearbeitet haben. Daß dem Fernerstehenden ohne Hilfe ein Verstehen nicht mehr möglich tpar. Sind schon Kants Schriften feine leichte Lektüre so hat die Kritik — ob mit Recht ober Unrecht, sei 'hier nicht untersucht — bcxß das große geschlossene philosophische System des Marburger Veukantianers, Hermann Cohen, als noch schwerer verständlich hingest ellt. Daher ist sein Vame vielen noch unbekannt. die seine humanen und sozialen Anschauungen hochschätzen würden. Diesen wohl bedeu
tendsten Vachfolger Kants dem p^|vVM<V Interessierten näherzubringen, ist der Zweck dieses Buches. Der Professor unserer Landes- universität Dr. Walter Kinkel bekennt sich als Schüler und Anhänger Cohens, doch behält er sich überall die Freiheit der Kritik vor. Hmchio- gcaphischen Teil kann er aus der Fülle persönlicher Erlebnisse schöpfen, im zweiten Teil behandelt er eingehend das System Cohens und feine es. ochemachenden Kantschriften, immer mit der Haupttendenz den wahrhaft humanen und sozialen Geist klar hervorzuheben.
— Der Lebensquelt. Roman von Ger trüb Lent. Verlag Ernst Keil's Vachs. (August Scherl) G. m. b. H., Leipzig. Geb. Halbln. 4 Gm., geb. Halbld. 10 Gm. Ein Werk, das mit dem tiefen Verstehen für menschliche Schwächen unb dem lebendigen Einfühlen in das Gefühlsleben der Menschen in den dunklen Tagen deutscher Vot wie em starkes Zeitdokument wirkt. Der trüb-brodelnde Hexenkessel unserer Gegenwart tut sich vor uns auf; an der lichten Gestalt einen deutschen Frau unb eines Mannes von festem, ritterlichem Schlag zeigt sich, was uns in allem Viedergang noch erhalten blieb. Wir werden geführt zu verschütteten Heilquellen, zur Arbeit, in der wir ein Sinnbild grüßen von Deutschlands unversiegbarem Lebensquell.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden.
Gießen. Sonntag, 18.. Mai. Cantate. »OOjähr. Hubiläum des deutsch-evangelischen Gesangbuches. Stabtkirche. 8: Zugleich Christenl. f. d. Veukvnsirm. a. d. Markusgem. Pfr. Becker. 9'/,:, Pfx. Mahr. 11: Kinderkirchef. d. Matthäusgem. Pfarrass. Hertel. Ivhanneskirche. 8: Zugl. Christenl. f. d. Veukvnf. a.d.Hohannesgem. Pfr. Ausfeld. 9',',: Pfr. Bechtols- heimer. 11: Kinderkirche f. d. Lukasgem. Pfr. Dech- tolsheimer. — Wieseck. Samstag abb.6'/2: Feier! Einhol. d. neuen Glocke. Sonntag 9'/2; 11: Kinderkirche; abds. 8: Liturgische Gefangbuchsfeier. — Kirchberg. 10: Kirchberg: 400jähr. Jubelfeier des ev. Kirchenliedes. 11: heil. Abendm. f. Mainzlar. I1',: Lollar.
Katholische Gemeinden.
Gießen. Samstag, 17. Mai. 47, u. 7 Beichte. Sonntag, d. 18. Mai. 6'/, Beichte, 7 Messe, Korn. d. Hungfrauen, 8 Korn., 9 Hochamt m. Pred., 11 Meße m. Pred., 27, Christenlehre u sakrament. Bruderschaftsandacht, 4 Hungfrauen-Kongregation. Grünberg. 97, Messe m. Pred., Dienstag u. Freitag abds. 8 Maiandacht.
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