Ausgabe 
17.3.1924
 
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nt 65 Zweiter Blatt

Dassilberne" Jubiläum des Kinos.

Las Kino Tonnte Anfang Marz die Füer feines 25jährigen Bestehens begehen. An tiefem Tage wurde worauf eine englische Fachzeit­schrift aufmerksam macht das erste Kino er­öffnet. Es ei-scheint uns kaum b-g-eifuch, dast der Film in einer Entwicklung toi nur einem Dierteljahrbundect ein so gewal'.i ec Kul u.-faktor geworden ist und eine so riesige Drrbrei'ung ge­funden hat. Das bescheidene und mit Mißtrauen betrachteteSchaubudenwe'en", das damals ins Leben gerufen wurde, bat si,ch zu einer Industrie entfaltet, in der Milliarden angelegt sind und Hunderttausende ton Menschen Beschäftigung finden.

Im Jahre 1896 kam ein junger Mann na­mens Dlackton, der aus Sheffield ausgewandert war und der einige Zeit als Zimmermann ge­arbeitet hatte, auf den Gedanken. sich journalistsich zu betätigen: er erlangte eine Unterredung mit Edison, der ihm ton seiner neuesten Erfindung erzählte. Edison zeigte dem jungen Berbchäerstattcr einen 50 Fust langen Film, der den Titel^cr schwarze Liamanten-Expreszua" führte. Es war nicht viel mehr als das Bild eines Eisenbahn - zuges, der sich bewegte. Aber die Sache machte auf den jungen Blackton einen ungeheuren Ein­druck und er hatte sofort die dunkle Ahnung, das) mit dieser neuen Erfindungein Geschäft" zu machen sein müsse. Mackton teilte seine An­schauungen einem Freunde namens A. E. Smith mit, der sich, als Taschenspieler sein B ot ver­diente und mit dem Wesen dec herumziehenden Schaubudenleute vertraut toar. Smith steuerte

Embarras de richesse!

Odn Sharles S. Mitchell, Präsident der Ru° trvnal City Dank, Reuyork.

Die Schnelligkeit, mit der die Vereinig- fen Staaten die dem Weltkriege folgend? ^wictschastliche Depression überwunden Haden. Hai LaS Erstaunen der gesandten Welt hertocgeruse.r. Wicht ton nusten der ging die Wiederbelebung oes amerikanischen Wirtschaftslebens tor sich. son° >dern ton innen heraus aus den eigenen reichen Kräften des Landes. Das natürliche Wachstum der Devötkerung und die wrch'elsuttge Stützung einer aufs engste mit einander verflochtenen hoch­entwickelten Industrie haben jene schnell.' Erhv- lung unseres Wirtschaftslebens zuveze gebracht. Wir haben das Gleichgewicht wiederge'undrn, aber ter Schwerpunkt unserer e'genen Kraft liegt in uns selbst. Dir innige Verbindung andrer Wirtschaft mit der Weltwirtschaft eine F lge des Krieges hat bei uns eine Reihe wichtiger Wirtschastsproblerne geschaffen, von teren bal­diger und glücklicher Lösung viel für die wirtschaft­liche Zukunft unseres Landes abhängt. Eines der brennendsten und zugleich schwie igster Probleme ist unsere Einstellung gegen übe; der wiedererstar- tenten Konkurrenzfähigkeit Europas «ms dem Weltrnarckle, auf die wir uns in den räch- ' (len Jahren gefaxt machen müssen, und die Ucber- windung der Schwierigkeiten, die wir bei dem kommenden Wettbewerb gerate in unseren reichen Goldreserven besitzen.

An sich ist ein gesunder Wettbowe-b auf dem Weltmärkte ?.u begrüben. Er zwingt die am Wrlt- aeschäst beteiligten Rationen zu schärfste.- Kal'u- lation, treibt die Industrien zu ständigen Derbet- seiungen ihrer Produktionsmittel und zur Aus­nützung aller technischer F rtschriste an and ar kt jn stabilisierend auf die Wütmarktprette Ein sol­cher neuer wachender Wettbewerb enthält aber ar»ch gewisse Härten, besonders für ein Land, wie das unfrige. das eine hochentwickeste Ind iflrt? unb einen unverhästnismästig hohen Lebensstan­dard aufweist, älnser Reichtum droht un­ser Verhängnis zu werden. Der Gold­schatz, den wir während des Weltkrieges ansam- vreln konnten zieht uns gleich einem Gew.ch'e nieder. Oberäläc'stiche B-urtei ung der M'.rt'ch f - lichen Zusammenhänge haben die Anschwell ng unseres Goldbestandes als etwas Ee'gnces arge- fehen. Ganz das Gegenteil scheint ml der F dl tu sein. Bei der wiedererwa-chmden^ Konkrcrenz Eutepas, wie wir sie rn den nächsten Jahren zweifellos erleben werden, beb-utet der liebe rffifj, an gelben Metallen einen bedeikltchlen Rach - teil, der um so gröber Wird, je mehr da ch. die allmähliche Bezahlung der Schulden u-d du ch den Zinsendlenst Gold bei uns ernstro.nt Die Goldbe­stände des amerikanischen Schahamte 5 betrugen Anfang dieses Jahres etwa 4247 Millionen Dol­lar, eine Summe, die etwa der Hälfte der gesam­ten Gotdvorräte der Welt entspricht. Unter Gold- Vorrat hat im totgangenen Jahve um 291 Mil­lionen Dollar, d. h. um 56 Millionen Dollar mehr als im Jahre 1922 zuaenvmmc-n Dazu war die inländische Goldproduktion die grösste leit 1919 grab stellte sich auf über 50 Millionen Dollar. Die Erhöhung der Goldbestände bewirkt a twmatisch eine bedenkliche Kreditexpansion, die sich micocr- um in einer Inflation dec Zahlungsmittel und damit in höheren Preisen unserer Produkte auZ- wirkt. Dies bedeutet aber nichts anderes als eine gefährliche Schwächung unserer K o n- Turrenzsähigkeit auf dem Weltmärkte. Die hierdurch bewirkte künstliche Abschnürung vom Welthandel toü'be dann natwendigerweife zu einer schweren industriellen Krise, zu passiver Handelsbilanz und damit sinkenden Lohnen und Preisen führen. Wir haben das kei-eswe-'s lerchte Prvblem zu losen, eine allmähliche Wieder- Verteilung dec bei uns anto'amme.ten Gold­bestände du ch W.rr n'mp-rte ci f.uteitm. ohne d n Weg einer du.ch mangelnde Ko.rkur ruzfähigkett auf dem Weltmärkte gewaltsam e z' uuge.aet Pas­siven Handelsbilanz zu gehen. Eine durch eine sktche pasfire Handelsbilanz erz'wuugene Wstt- bcwerbsfähiakeit müstte not'ed grige erma^eg zu heftigen Erschütterungen unsere Industrie füh­ren. für die sich bereits im F ühjahr vorigen Jahres Anzeichen bemerkbar machten. Rur durch eine sehr vorsichtige Wirtschaftspolitik unO in Zu­sammenarbeit mit den grosten Machtmitteln der Dankarelt gelang es damals, eine Krise glücklich xu vermeiden. Dri dein cepmtoärtigen Status un­terer Handelsbilanz bedeutet nun auZl-änotfch: Zahlungen für uns immer eine Gefahr, unfern an sich schon hohen Goldbestand zu vermehren, uao doch müssen wir alles daran sehen ui'er (3rpj-t- ge schäft gesund zu erhalten und eine Jndustrirkri e zu vermeiden. Das Gleichgewicht unserer Preise mit den Weltmarktpreisen zu erhalten und zu gleicher Zeit das G l e i ch g e -

Glehener Anzeiger (General-Anzeiger siirGberhessen)

wicht unserer Handelsbilanz nicht zu verlieren, ist der Kernpunkt dieses Problems.

Die Regierung hat alle diese Gefahren, auf die sie von führenden Wirtschaftlern und Finanz- leuten schon längst hingewiesen wurde, klar er­kannt und sucht sie durch eine energiiche Wirt­schaftspolitik zu bannen. Während der neue Zolltarif eine UcbeZchwemmung unseres ein­heimischen Marktes mit billigen Au-landswa e.i zu vermeiden erstrebt, soll die Forderung des Ex­portgeschäftes durch speziel dafür gefchnste.ie Oiganifatic.ien (Webbg.setz) in die Wege aeleiiet werben. Mastnahmcn finauz pv itische. Ratu. sol­len helfend eingveifen. Auf Veranlassung des Dundesreserreamtes sind seit De i rn dieses Jah­ves in der Zisfexngruppi-. ung u isrres Dgnkaas- weiseS Aenderungen vorgenommen worden, die den Gedanken einer künstlichen Dersteiung des Geldmarktes unb bamit einer Schmälerung der Kreditexpansion zum Ausdruk b In­gen. Man hat mit dem System gebrochen, die Goldbestände in einer Summe in ihren Verhält­nis zum Rotenumlauf und den Depositengeldern auszuweisen, verbucht vielmehr die Goldbestände getrennt indem die Guthaben bei den Agenturen der Reservebanken und beim Schatzamt zasammtn- gezogen werden, um aasschliestlich Gotooeckung für den Rolenumlauf zu bilden, wich end die Gut­haben beim Dundesre.ertoamte sowie der eigene Er ldbestand der zwölf Dundesre ertobanten als Sicherheit für die DepositenLelder fungie en. Wa- ren bisher Rotenumlauf und Depolitenge'.der zu­sammen zu etwa 80 Prozent durch Gold gedeckt, so ist jetzt für den Rotenu.nlaus allein eine volle, d. h. 100 prozentige Golddeckung vorhanden, wäh­rend die Depositenge.der nunmehr noch nicht ganz zu 50 Prozent mit Gold gedeckt sind. Die hierdurch erzeugte künstliche Geldknappheit soll eine Ein­dämmung des Kreditmarktes ein.ei.en und so einer Warenverteuerung Vorbeugen.

Wir wünschen den internationalen Handelsverkehr recht bald in normalen Bahnen fliesten zu sehen und haben durch Wcven- kredile, Handelsverträge und ähnliche Mastr.cch- men, die geeignet find, den friedlichen Handels- torckehr unter den Rationen zu fordern, u uercit guten Wi.len bewiesen. Tie erhöhte T.ilnahme an der Lösung des R e p a r a t i v n s p r o b l c me s und der deutsch-amerikanische Han­delsvertrag beweisen, dach wir auch die An- ku.bclung der d.u scheu Wirtschaft nicht aas Dem Auge verlieren. Wir toifen aber auch dast Han­del und Ln'.ustrie Europas nur auf den Zeitpualt warten, um mit den von hier zurück,iiehenten Geldern die eigene Indust ir zu erhöhter Qci- stungssähigkcit anzu.egen. Die Losung der oben fkizzierten Problem', i.l sicher.ich schw.e ig, restlos wird sie kaum mög.ich fein. Was von hier aus ge­schehen kann, ist eine äu erst vorsichtige und ux t> blickende Handels- und Finanzpo.itik u id em iver- te.ev Ausbau unserer an sich schon hoch enttoicte.'- ten Inrustrien. Reden einer gro'^üüiei H n- dels- unb F nanzpoiitik werden Rationali­sierung und Intensivierung der Ar­beit bei uns die grasten Leitmotive der Zulu nt bleiben. Ausgabe der ameritanif^en Dank ° w e l t aber mutz es sein, den langsam eintetzenleu Pinzeh les internationalen Kräfte r.uig.ei-.es mit Mut unb Verständnis zu unterstützen.

Dos Memelstatut.

Das Merncl-Abkommen, über das der Volker- bundsrat gegenwärtig berät, stellt sich dar als ein Vertrag zwischen Frankreich. England. Italien und Japan einerseits und Litauen andererseits. In Artikel 1 übertragen die vier alliierten Hauptmächte alle ihnen durch den Vertrag von Versailles übertragenen Rechte auf die Memel- gebiete an Litauen unter den ii den Anlagen aufgestellten Bedintuigen, die einen Integralen Bestandteil des Vertrags bilden.

Die Anlage 1 enthält das Statut der Au­tonomie des Memelgebiels, das eine gesetzgeberisch«, admi istra ioe unb fi lan ielle Ein­heit unter der Souveränität Litauens bildet. Der Präsident der litauischen Republik ernennt einen Gouverneur für das Meiv.el- g-biet. Die exekutive Gewalt liegt bei einem Direktorium, das fi f> aus fünf Burgern des Memelgebiets den Präsidenten einbegriffen zusammenseht. Dieser ernennt seinerseits die vier anderen Mitglieder. Daß Direktorium bedarf des Vertrauens der Memeler Kammer. Die gesetz­geberische Gewalt liegt in den Grenzen deß Sta­tuts bei einer aus Grund des gleichen, direkter/ und geheimen Wahlrechts gewählte i Memeler Kammer. Die Gesetze werden durch den litaui­schen Gouverneur obligatorisch veröffentlicht und gegengezeich-nel durch bei Präsidenten des Me­meler Direktoriums. 11 iter die Autonomierechte des Memelgebietes fallen unter anderen: die einiges Geld ?,u dem Unternehmen und brachte ein gewisses Ve.ständniZ dafür mit.

Mil einem Kapital ton 600 Dollar kauften nun die beiden eine Kinoausrirstung und zogen rm Lande herum, um fu y S'/men im F'stm auf Iahrmä ckten und Rammest lätz.en tov. u ühven. Zum e'-ftenmal traten sie mit ist em Kino, das wohl als die Urform der Lichtspielch-ater gelten kann, am 10.-z 1899 tor das Publikum. Ob­wohl die älntollkommenheit der Instrumente und Male.lasten Unfälle und Sch-wieiigkeiten bercit-Va. fanden sie dvch> vielen Drifall unb . . . natürlich auch. Rachahmung. Ein Mann namens Rock machte ihnen mit einemDioskov-Apparat" schalle Konkurre-nz so da st sie schstehlich, um den lästigen Rebenlirhler zu br'eitigen, sich mit ihm vereinigten. Rock, der vor 1 Jahren mit einem De mögen von 10 Millionen Dollar gesto rben ist, gründete nun mit Dkackton und Smith dieDita- graph-Filmgefellschaft", die erste Filmgefellsch<ift, bie die Welt gesehen.

Man ging bald dazu über, nicht nur einfache Szenen torzuführen. sondern kleine aufregende Dramen he auszubringen, und das erste Film­drama, das sie zeigten, schilderte einen Mann, der in seinem Zimmer von einem Geist besucht wird und dadurch, in das größte Entsetzen gerät. Dieser eiche Film,Da§ Spuklxins", wir er ge­nannt wurde, toar ein ungefr u er Erfolg und der Vorläufer einer groben Reihe solcher kurzen schauerlichen und spannenden Geschichten, die die neue Gesellschaft herausbrachte.

Bald begnügten \\K Smith und Blackton nicht mehr mit einaktigen Dramen, sondern es wurden lange Geschichten" inmefj e cn Akten" bärge» stellt. Die Schauspieler, zunächst von der Straste herbeigeholte Komödianten, deren Ramen nicht

Gemeinde- unb Kreisverwaltung, Kultus- unb älnterrichtswesen, Gesundheits- und Armen­pflege, soziale Gesetzgebung, bie Lokalbahn mit Ausnahme der litauifchen Staatsbahn, die Zivil- gesetzgcbung, das Wasserrecht, Rechtspflege und Steuern, mit Ausnahme der Zollgebühren und Monopole. Die Souveränitätsrechte über das Memelgebiet können nur mit Einwilligung der vcrtragichliestenden Teile an eine andere Macht übergehen. Jedes Ratsmitglied hat das Recht, die Aufmerkiamkeit des DoUerbundes bei Ver­letzung des Gesamtabkommens, also auch jdos Statuts über die Memelautonomie zu lenken: Mci^lunzsoerschiedenhei.e.i über die Vertrags­bestimmungen zwischen einer aLiierten Macht und der litauischen Regierung können auf Verlangen eines Teiles vor den flandigen internatio­nalen Gerichtshof gebracht werden, dessen Beschlutz endgültig ist.

Die zweite Anlage regelt die Hafen- organifation und seht einen Hafenrat ein, dem ein vom Präsidenten der litauischen Republik ernannter Vertreter der litauischen Wirtschafts- Interessen, ein von der Lokalregierung ernannter Vertreter der Handelsintevesfe i Memels und ein Sachverständiger des Derlehrsausschusfes des Völkerbundes angeboren.

Anlage 3 bestimmt die Einzelheiten des Transitverkehrs auf dem Memelflust, setzt eine Freizone für den Transitverkehr ein und enthält die Klausel, dast für Holzflostunz Zoll- frciheit besteht. Der Vertrag tritt in Kraft nach Rastfizierung durch das litauische Parlament.

Befreiung von den Beiträgen zur Erwerdsiosenfürsorge.

W T D. Der § 34 ter Verordnung über die Eilve b t 'CifürfL-rge l i brr n ow.-n Fassung vom 16 Feoraa r 1924 ermächtigte den Rei'ch^a b'-its- n;i lipoer, ke'.immte Beschäfstgungs- unb Pe fönen- grub ei toi ter B c i l r cr g s p f l i cht z u i ®r» werdslosenfürsorge frei zu erklären, o.er sie torlchfeden zu belasten. Ra h em ur° fp.ür,g'i5- von dem Reichta b itsmin ster eine weitgehende Befreiung ins Auge gefastt wov- le t war, i t sie auf G.unb von Vo.-sch'ägen, die der Fastausschnst für die E.-verbsfosenfurfo ge im De.^>aitungsrat tes R ihsants für Arveitsver- n.i tlurg erstat et haste, mit Zustimmung des R-i h"rats zurächst in folgendem -Umfange zu- stande^e fromm.n:

Deitragssrei ist die Deschastigung in der Land- ober Forstwirtschaft, wenn bet Beschäftigte nur w ihr end eines Teiles des Jahres als A b itnehmer tätig ist, in der Hauptsache aber von eigenen laid- oder fvrswst tscha stliche.n Gruadbe i) kbt (Hcue linge.) Das gilt auch für Angehörige solcher Arbert- reymer.

Deitragssrei ist ferner auch auster- halb ter Land- uib Forstwirtschaft wer für mi .tes ens ein Jahr oder auf unoeitl nrnte Zeit mit mindestens sechsmonatiger Kün- digungsfrist eingestellt ist.

Ci gelle t n sind aus der Derofeitlbchung in Rr. 6 des Reid-sg setzbiatres zu e.itnehmen.

Gics;cner Strafkammer.

G lest en, 14. März. Der Arbeiter Karl Schmidt von Bovsdorf hatte am 16. Oktober 1923 aus dem Himmelsbachschen Sägewerck zu Ri "da. ein Plakat an geheftet, worin das werk- tästge Volk zum Kamvf gegen Militärdiktatur und Fas UrnuZ aufg.'foi>:rt wurde. Das Schöffen­gericht Ridda hatte ibn freigesprochen, weil es der Auffassung war, Schnidt habe nicht das Bewusttscii gehabt, hierdurch verschiedene Klassen t>er Bevölkerung zu Gewalttä igleiten anzureizen. Die Strafkammer verwarf au3 derselben Erwä­gung heraus die Berufung der StaatLantoaltschaft.

Der Jagdaufseher Karl Melchior von Müaster hatte an 16. Mai 1923 in Hochweisel er Wald di: Jagd ausgeübt, obwohl keiner der Iagdvachler in I.agbhestrk anwesend war. Das Schaff engeiicht Butzbach hatte ihn frei- g e s v r o ch en : es hi elt seine Behauptu ag, er habe auf Gru id verschiedener Tatsache i geglaubt, die Iagdvächtor seien irgendwo im I-agdbezirk an­wesend, nicht für widerlegt. Die Strafkammer schlost sich dieser Auff assu iq an und verwarf die Berufung der Staateanwaltschafst.

Der Eierhaidler Adolf Scheuermann von Echeell war von dem DchöffengeUchl Ridda wegen und fugten Kartoffelh.andels zu 3 Tagen Ge­fängnis unb 200 M k. © el bft ra f c tor- ur'cilt worden. Die Strafkammer stell'e, ebenso wie das Schöffengericht, fest, dist der Angeklagte einmal erhalten ist, traten mehr und mehr in den Dorde g'-und, und das Starsystem begann sich auszubitden.

Eine Sensation der neuen Fi'mindust'ie war im Jahre 1904 der FilmDas Geben von George Washington", dem ein nicht minder beliebter -WtcrDas Leben von Moses" folgte, desten Aufführung eine . . . halbe Stunde bauerte. Die Kinob fiter, deren damals schon eine ganze Menge gab, hielten den Film zwar für viel zu lang, aber man fand Gefallen daran.

Dir Vitagravh-Gefel.'schäft b achte auch 190? die erften Starfilms, und zwar entstand diese Gattung durch den Einfall Dlacktons, die Ramen der Schauspiefer auf der Leinwand grvst anzn- zeigen. Richt lange danach war die F.lmgefell- schäft von Smith und Dackkon zu einem g ossen ilntemebmcn heranaewachsea. bad ein jährliches Budget von 5 Mi.lionen Dollar hatte.

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Sarrasanis Amerikafahrt.

Hans Strsch-Sar'asani, der volkstümlichste und bedeutendste Meister der klassisch en deutschen Zirkuskunst, hat im Rovember Deutschland ver­lassen. um inmitten der schweren K l!is sein älntei nehmen nicht dem nöligen Be derben pr is- zugeben. Orofk.ügig, wie in allen seinen ilnter- nehmungen, hat er den Sprung über den großen 2ci<f. ge'wagt. um in Südame.ika der Zirkuskunst ci-i neues Feld zu erobern. Der Transport dies-'s I Riesenunteinehmens mit seinen dreihundert Künst­lern. seinen ztveihundert Tieren und den mehr als hundert Transportautos toar ein Meisterwerk, das die wiedererwachende deutsche Handelsschiis- fahrt geleistet hat. Diese einzigartige Zirkus- expedttion wurde ausgeführt auf den beiden Dampfern .Danzig" undßubenborff" der Hugo

Montag, 17. Mrz 1924

am 12. September 1923 10 Zentner Kartoffel* zum Zwecke des WZr.erverkaufs angekauft hatte und verwarf daher fein: Berufung.

Der ©ifenbabnafa lent Heinrich Schlien» b e <f e r von Bad-Rau hei n hatte in den Jahren 1922 und 1923 in fünf Fallen bei der Ausfüllung von Blankofahrkarten höhere Beträge erhoben, al; ii d.n Büchern verrechnet waren. Das Gericht hi.lt seine Angabe, er ha>e die Differenzbeträga nicht für sich behalten, fordern zur Deckung von Fehlbeträgen in der Kasse verwendet, nicht für toioerlegt unb sprach ihn frei.

Schöffcn^erlcht.

Giesten, 14. Marz. Gegen einen br.er wohn­haften Hausburschen aus Bad Kissingen toar durch etra,befehl an Stelle der an sich toertoirflcn Geiängnrsstrafe von einer Woche eine Gelostrase von 1b G.ldmark festgesetzt toorDen, weil er be- fchaldigt war, einer Witwe dahier 2 Stallhasen gestohlen zu haben. Er hatte Einspruch eingelegt, weil er die Tat nicht bogmagen habe. Trotz seines Leugrens tourb» er jedoch des Diebstahls über- führst unb' zu einer Woche Gefängnis ver­urteil. Eine ümtoanblung in eine Geldstrafe fand nicht statt.

Ein Kaufmann von hier hatte sich im Ro­vember wiederholt geweigert, Del gegen Ent- ridj-ung des Kaufpreises in Papiermark abzu­geben, vielmehr ausdrücklich Zahlung in wert­beständigem Gold verlangt. H<mte suchte er sich damit zu entschuldigen, dast er damals kein Oel mehr gehabt habe, al.ein bivfe Behauptung wurde durch die Beweisaufnahme widerlegt. Er wurde deshalb wegen Zuwiderhandlung gegen die Ver­ordnung zur Sicherftellang des Warenumlaufs vom 22. 10. 23 zu der Mindeststrase von einer Woche Gefängnis und zu einer Geldstrafe von 20 Goldmark verurteilt.

Ein trauriges Bild ergab die Verhandlung gegen einen junien Daglöh.ier von Klein-Linden. ($; hat seinen Eltern un> einer verwandten Fa­milie 7 Wurste entwendet, seine Stiefmutter durch .Faustschläge aus Rücken, Arme und in das Ge­richt, sowie dadurch, dast cr sie wider die Wand warf, misthand:lt und 8.50 Mk., die er von seinen Elstern zum Bezahlen von Kartoffeln er­hielt, unterschlagen. Seine Eltern waren zur Zu­rücknahme des Strafantrags gegen ihn nicht zu bewegen, da sie schon alles versucht hätten, um ihn auf ordentliche Wege zu bringen, und do sie jetzt nur noch die Hoffnung hätten, dah eine Gefängnisstrafe ihn vielleicht bessern könne. Der Angeklagte wurde darnach zu einer Gesamt- eefängnisstrafe von zwei Wochen und r e i Tagen verurteilt.

Gerichtssaas.

rm. D a r m ft a & t. 15. März. Der Verwal- tungsgerichtshof nahm in feiner geftnaen Sitzung S elhmq in b:r Beschwerde gegen den Pcliretwach m ister Georg Schnetder in Giesten wegen Misthandlung. Sch. ist beschul- big:, im Januar vorigen Jahres den Studenten G u t b m a n n, der mit Bekannten abends aus dem juristischen Seminar nach Hause ging und fang, nach der Sistierung, als G. angeblich den Ramen vecweigcr e, misthandelt und ihm dann noch auf d:m iÄevier bei der Ramensseststellung auf die Rase gckchlagen zu haben, so dast diese geschwollen war und blutete. Da die Sachlage in der ersten Verhandlung nicht geklärt werden konnte, wurde die heutige zweite Beratung angesetzt, wo der Schneidm.' nicht erschimen tst. Guthmann machte seine Aussag m im e Eid. to-'ihr md Sch. von An­fang an j:d: Misthandl mg b.st i t und nur die Si­stierung d.'s G. zugab, M dieser seinen Qtamen nicht angab. Heute gab der damalZ in Begl.i ung des G. bfiidltch: Zeug: Referendar W Mahr unter Eid die bestimmte Er lir.mg ab, dast damals ©., der von dun Ange'lag ea mit zum Revier ge>- nemmen wurd:, un:erto:g3 plötzlich zur Seite tor­kelte. E.' ging dann auch auf das Revier, um zu hären, was Doig'nq. Härle aber von d:m dort an» wesenden Wach meister Schn rdt. dast dieser die Misthandlung nich hab: vmrhind:rn können Heute tourte di's von dun in Fr g r kommenden Wacht­meister Sch beftri tei, auch Vie übrigen als Zeu- g:n verm rmmenei Polizeiwach meister crHärtcn unter Eid. dast ihnen der Vorfall nicht mehr er- i-nerlich sei. Den Ver reter des Stan sinteresieS sind to hl auch di: R iberci n ?to sch n S ndenten- schr.fl unO P-l zm Mannt, li: habe i sich aber bts« f. x immer i i gehörigen Grenzen gehalten im vor- H gmben Falle liege aber unftr i ig nach den be­eideten Aussagen ciie Mihhandlung des Siuden- teu G. und damit ein De gch:n vor. Der Gerichts­hof bxmttoortete demen sprechend die Schuld- fr a g e mit3 a!" Das Slrafoerfa!>veu gegen Sch wird demnach feinen 5:r ging nrhmen.

Sti"nes-Reedereien ii Hamburg. Der Umbau der Schiffe für den speziellen Zweck erfolgte so grof> zügig und sach-emast dast trotz der Emvfindlich- feit der tocrttoflcn Tiere und trotz der Ausfahrt im stürmischen Sw bftc nicht der geringste Verlust zu beklagen ist. Am 4. De-.ember ist tie ©arrafanl- Schau wohlbehalten an ihrer ersten Etavpe an- cefangt, in Montevideo in der Republik Uruauah. Der Empfang, den das deu sche Unter­nehmen bei der Regie ung und bei der Bevölke­rung des Landes gesunden hat war mehr ati. heizstch. und bedeutet einen grosten Gewinn für den deutschen Gcdanten in diesen schweren und niede.-schmetternden Zeiten. Zum erflenmate seit zehn Iahien liest in diesem Lande ein Unter­nehmen die deutsch.: F ag-te über seinem Hause wehen und bekannte sich offen zu seinem vielge- geschmähten deutschen H imatlande. Der künst­le isch.e Erfolg toar durchschlagend: drei Monate wird die Sarrasani-Saison in Montevideo dauern. Der (3 ö fiungdrorfte lung wohnte der Präsident der Re^ubstk. Herr ©errato. bei austerdem sämt­liche Mi i'ter und die diplomatischm Vertreter der südame ikanischen und europäi'chei Staaten. Hans St'sch--Sar.asani und seine Künstlertruppe sicht im Mittelpunkt deS aesellschaftlichxn Lebens in dieser vornehmen Tou.i.'Ien- und Handelsstadt Südamerikas, und er dehnte seine Spielzeit um zwei Monate länger aus, als ursprünglich beab­sichtigt toar. Er gedenkt Argentinien unb Brasilien zu besuchen und dann nach Deutsch­land zurückzukeh.en mit einer nach vollkommen neuen Ge ichf'puutten zu'ammen^e'teslteu Schau.. Dem kühnen Pionier der Zi lüskuust winkt auch in Südamecita die glcvfj.: Volkstümlichkeit, die er sich in Mitteleuropa in langem, mühevollem und arbeitsamen Ringen evfdiarfen fy*.