Frau Marie Pfohl-FIöring sVioline) aus Darmstadt und Musikdirektor Hch. Müller- Friedberg, boten jeder in seiner Art. Vollendetes. Mit ebenso Heller, reiner, starker als anmutiger, lieblicher Stimme spendete und Frau Gusti Müller-Armendinger Lieder von Ioh. Wolfgang Franck, von G. Fr. Händel und Ioh. Seb. Dach unter feinsinniger Assistenz des Meisters auf der Orgel, des Musikdirektors Müller. In Frau Marie Pfohl - Florina bewunderten wir eine Virituostn auf der Violine, die sowohl die Sätze aus der Diolinsonate Ar. 4 von Händel, als die liebliche Arie von Terraglia, sowie die Sarabande und Correnta von Correlli als die Siciliano von Francoeur und die Aria von Lotti in vollendeter Weise in großem Ton vor- trug. Musikdirektor Müller war zum vortrefflichen Interpreten von Mendelsfohn-Dav- tholdy in der Orgelsonate Ar. 2, ferner von R. Schumann in der Fuge Ar. 1 über D—a —c —h. und ferner von Ioh. Seb. Dach in der groß angelegten herrlichen Toccata und Fuge in v°Moll geworden. In der Kantate: „Liebster Jesu, mein Verlangen" vereinigten sich Orgel, Violine und Sopranstimme zu einem Trio von wunderbarer Schöne und verhalfen damit dem großartigen Tonsah Altmeisters Dach zu einer Wiedergabe, die des tiefsten Eindrucks auf alle Zuhörer nicht verfehlte. Violinsolis und Lieder sanden auf der Orgel durch Musikdirektor Müller nicht nur die feinsinnige Begleitung, nein, auch die cdle Ergänzung. In ernster erhabener Weise wurde uns ein Kunstgenuß bereitet, der in höhere Sphären die Seelen hob und in ihnen eine weihevolle Weihnachtsstimmung erzeugte.
sf. Friedberg, 15. Dez. Dec von der Derst n i g u n g „W i n t e r h i l s e" gestern im Hotel Trapp veranstaltete Weihnachtsmarkt nahm einen sehr schönen Verlauf. Der Saal war geschmackvoll dekoriert, der Zuspruch so stark, daß teilweise ein etwas beängstigendes Gedränge herrschte. Die Verkaufsbuden und Trinkstuben erfreuten sich regen Besuches und flotten Absatzes, das Friedberger Salonorchester hatte sich freiwillig und unentgeltlich in den Dienst der guten Sache gestellt, Tombola, Radiokabinett und humoristische Aufführungen sorgten für Abwechslung, und so wird auch der finanzielle Erfolg hoffentlich em recht günstiger sein. — Ein von den Schülern des Polytechnikums auf heute nachmit:ag einberufene Versammlung war von über 400 Personen besucht: auf der Tagesordnung stand der „Reu- bau eines Polytechnikum s". welche Frage auch schon die letzte Stadtverordnetenversammlung beschäftigte. Eine von dem Vorsitzeirden D e i s e n- r o t h vorgeschlagene Entschließung, welche in dieser Frage eine klare und entscheidende Antwort verlangt, wurde einstimmig angenommen. Der Direktor des Polytechnikums, Prof. Dr. Schäfer, teilte in einer Ansprache mit, daß auch das Kuratorium der Anstalt sich schon wiederholt mit der Frage beschäftigt habe und verliest eine Eingabe, welche von dieser Stelle an die betreffenden Behörden ergangen sei.
Kreis Schotten.
La u ö a ch, 14. D z. Das h es'ge Johan n- Friedrich-Stift ist ein Segen für unsere Stadt und Lling-gend. Bei Llnalücksfällen und unter Verhältnissen, die ein rasches E ngreifen nötig machen, kann hier sofort operiert werden, wofür ein besonderes Krankenhaus und en Operiersaal vorhanden ist. Außerdem ist e n Altersheim für Gebrech! chr b.nd rlei Geschlechts und ein besonderes D a m e n h e i m an- geglj.edert. Da die vorhandenen Rin ne aber nicht entfernt mehr genügen, so hat man beschlossen, das Krankenhaus zu erweitern. In nächstm Frühjahr soll ein Anbau errichtet toerben, so daß insg samt 30 Bitten aufg schlagen werden können. Dieses ..St fi“ war ursprünglich das Wohnhaus d>s Johann Crespel, d's Jugendfreundes Go th's, der jenen Sond r ing euch hier e'nmal b sucht haben fall. Crespel biute d s Haus und starb darin 1813 an d r Pest, w lche die Rusten h er nach der Viliersch ift bei Le pzig üngeschl ppt h tten. Der Begründer des he gei Gymnasiums, Gras F ttdr ch, gelt. 1900, erwarb es und richtet» es als Sp tal ein. Hierzu diente früher das Gebäude d r jetz gen Ren'k nnmec in der Dorstadt. — Durch die Dnnühuig n des Zigarrenfabr kanten Karl Michel aus der Tagung der F "eböerger Hand lskamme? hat d.e Eisenbahn st recke Hung en — Mücke an Sonntagen ducchg-hmde Züge von h er nach Mücke. ES ist d.es für daS reisende Publckum ein ganz besonderer Vorteil, rwiniiiiiiiiirniiiiri inmirrmi il
Dis rote Kaschgar.
Roman von Fedor von Zobeltih.
19. Fortsetzung. (Aachdruck verboten.)
„Fürchten Sie nichts," antwortete Fiedler ernst. „Ich will auch bei der Ehrlichkeit klug sein. . ."
Freye sand die Mutter in ihrem großen Lehnstuhl bei der Lampe. Sie trug ihre Brille und hatte ein Buch auf dem Schoße, las aber nicht.
„Du bist lange geblieben, lieb Kindchen," sagte sie, „aber ich habe indessen gut geschlafen und wieder von >>m Vater geträumt. Er läßt dich grüßen und dir sagen, du habest eine gute Wahl getroffen. Wann kann ich den Bruder sehen?"
„Er ist draußen. Mutter, ich traf ihn und nahm fl>n mit."
Die alte Frau legte die Drille ab, Helle trat in ihr Auge, sie strich über ihren Rock und glättend über ihr Haar. „Muß ich mich umkleiden?" fragte sie. „Gib mir den Handspiegel, Kindchen — sitzt meine Brosche grabe? — und nimm mir das Wolltuch ab! Kann ich nicht das Schwarzseidene anziehen? es geht schnell."
„Muttchen, bleib, wie du bist," erwiderte Freye lächelnd, „du bist noch immer die große Dame wie früher. Ich hole den Bruder Doro- theus . . ."
Er trat ein und küßte Frau von Elstern die Hand. „Ich danke Ihnen, gnädige Frau," sagte er, „daß Sie mir erlaubten, Ihnen meine Aufwartung zu machen. Ich hätte das von selbst getan. doch ich wußte nicht, ob ich willkommen sein würde, unt deshalb zog ich es vor, mich zunächst Fräulein Freye anzuvertrauen. Das mag inkorrekt gewesen sein, aber ich stehe unmittelbar vor meiner letzten großen Reise unb wollte mir wenigstens Gewißheit schaffen, ob ich eine Hoffnung mitnehmen kann."
Freye schob dem Missionar einen Stuhl zu und trat dann in das Dunkel des Zimmers zurück. Ihr Herz klopfte ängstlich, es lärmte in ihrem Blut. Sie lehnte sich in dem Winkel, in dem sie stand, gegen die Wand zurück. (Sine niederdrückende Schwäche beschlich sie. Sie hatte
)-( Ruppertsburg. 14. Dez. Advent ift'S. „Wie soll ich Dich empfangen, und wie be- geg'n ich Dir?", so singen und beten wir im Blick auf das Kommen des Heilandes am lieben Christfest. So denken und sorgen wir im Hinblick auf die Wiederkunft Christi zum Weltgerichte. In eindringlicher, ernster Weise wurde es unserer Gemeinde im Laufe der letzten Woche gezeigt. M ffionar Walther aus Beuern hielt von Montag, den 8., bis Sonntag, den 14. d Mts.. Evangelisationsvvrträge. Selbst vom Lande stammend, kennt er die Röte und Schäden unserer Gemeinden um so mehr, da er nun schon mehrere Jahre im Dienste der Dolls- miffron steht. Volkstüml ch und anschaulich war die Form seiner von heiligem Ernst und wahrer Liebe zum Volke durchdrungenen Reden. Die ersten Versammlungen fanden im Gemeindesa<Ä statt. Am Montagabend hatten sich etwa 50 Erwachsene eingefunden, um zu hören, was der Missionar über den Text: „Land, Land, höre des Herrn Wort!" zu sagen hatte. Diel größer war die Zahl der Besucher schon am Dienstagabend. Der Betrachtung lagen die Worte zugrunde: „Wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder, so könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen." Am Mittwoch war das Thema „Wahrer Iangfrauenschmack". Fast sämtliche Jungfrauen unserer Gemeinde hatten sich ein- gefunden. Der Donnerstagabend war den Jünglingen gew dmet, denen in eindringlichster W sie Wesen und Segen „Reiner Jugend" geschildert wurde. Was Missionar Walther den Eltern am Freitagabend über „Erziehungsfragen" sagte, war religiös und pädagogisch äußerst wertvoll und könnte, wenn es überall befolgt würde, den rechten Grundstein zum Wiederaufbau unse.es Volkes legen. Der Saal war gedrängt voll, so daß sich der Kirchenvorstand genötigt sah, für alle weiteren Vorträge in die Kirche einzuladen. „Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten" war der Text am Samstagabend. Ergreifende, geradezu erschütternde Beispiele, die der Missionar erzählte, bewiesen die Wahrheit dieses Spruches und konnten so als ernste Ermahnung an die Herzen der Hörer klopfen. Immer größer wurde deren Zahl. In den Versammlungen am heutigen Sonntage war die große Kirche dicht gefüllt. 3m Gottesdienste am Vormittage berichtete der M s ionar unter Zugrundelegung der Worte: „Er führet mich auf rechter Straße um seines Ramens willen" über feine Erlebnisse in französischer Kriegsgefangenschaft in Dahomo und Marokko. Er verstand es, manchem bclümmerten Menschenherzen für den weiteren Lebensweg Trost zuzaru.en. Wenn uns r (Staatlichen gesunden soll, dann muh auoor die UrgcHe des Staates, die Familie, gesund werden. So war denn der Vortrag für Eheleute am Sonn- tagnachrnittag, aufgebaut auf dem Texte: „Zanket nicht auf dem Wege!", recht geeignet, zu zeigen, was den Familien fehlt, und wie es anders werden könnte. Der Sonntagabend brachte die Schlußverfamnrlung. „Ich muh heute in deinem Hause einkehren!" Dieses Heilandswort an Za° chäus, gerichtet an unsere Gemeinde, ist die trost- vollste Ansage, aber auch die ernsteste Ermahnung zur wahren Vorbereitung aus den Empfang des Heilandes. „Ihm sei Herz und Haus geweiht!" so klang es durch die letzte Rede des Missionars. Mögen die vielen schonen Weihe- stunden, die uns die Ei angelisativuswoche brachte, zu Stunden ernster Einkehr und innerer Aufrichtung werden zum Segen unserer Familien, unserer Kirche, Gemeinde und unseres Volkslebens! Wie schon oben erwähnt, stieg die Zahl der Besucher ständig, und zwar von 50 bis zu 275. An Kollekte für die Dvlksmissron gingen über 100 Mk. ein. Außerdem wurden für 37 Mk. kleine Misfionsichristchen verkauft.
Kreis Lauterbach.
C Lauterbach, 15. Dez. Der Ortsge - Werbeverein stimmte der Wiederwahl des Steinmetzmeisters Anton Leonhardt aus Grünberg zum Abgeordneten zur H ssischen Handwerkskammer und des Schreincrmeisters Georg H a u b a ch aus Gießen zu seinem Stellvertreter zu. Zum Vorsitzenden des hiesigen Ge- sellenprüsungSausschas eS wurde Schreinermeister Wilhelm Schmidt wiedergewählt. Der Vorsitzende, Schlofsermeister Ot terbein, erstattete den Bericht über die Bezirksverbandssihang und die Kreiskonferenz, die beide in Lauterbach stattgefunden haben. Der Hessischen Handwerkskammer ist es gelungen, einen Ärefcit von zwei- Millionen zu 14 bis 15 Prozent zu erhalten, der
wieder einen Wunsch der kranken Mutter erfüllt, der ihrem eigenen Willen widersprach. Aber sie fühlte, der Gegenwille, stark noch am Vormittag, war zacher geworden nach dem Abschied von Gert. Irgend etwas Aeues und Unbetannteä floß in ihr Gefühlsleben und erregte sie. Sie lauschte aufmerksam der Stimme der Mutter, die in völlig ruhigem und klarem Tone sprach:
„Freye sagte mir, daß Sie nach Rückkehr von Ihrer Reise die Missionstätigkeit aufgeben wollen, um eigenen Landbesitz zu übernehmen. Habe ich das Kind richtig verstanden?"
„Durchaus, gnädige Frau."
«Sie befinden sich also in äußerlich so günstigen Verhältnissen, daß ich die Bitternis der Armut für Freye nicht zu fürchten habe?"
„Ich nehme an Armut freiwillig auf mich, was das Los der Bedrückteren lindern kann. In den Augen der Welt gelte ich für reich."
Eine halbe Minute verstrich lautlos, dann fuhr Frau von Elstern fort:
„Ich frage nicht nach dem Stande, den Sie außerhalb der Missionsgemeinde einnehmen. Daß Sie Gescllschaftskreisen angeböten, denen auch wir entstammen, sagt mir schon die erste flüchtige Bekanntschaft mit Ihnen. Aber ich habe eine andere Frage auf dem Herzen und überlasse Ihnen, ob Sie mir daraus Antwort geben wollen ober nicht. Waren es äußere Gründe, die Sie aus den Missionsweg führten, ober war es allein die üleberzeugang, damit ein Gott wohlgefälliges Werk zu tun?“
Druder Dorotheas neigte leicht den Kopf. „Ich glaube den Sinn Ihrer Frage zu verstehen", entgegnete er. „Ein äußerer Grund kann oft den Anstoß zu einer im Allertiefsten sich festsehenden lleberaeugung geben. Es kann eine anscheinende Kleinigkeit fein, ein Zufall, eine höhere Fügung, ein Geschehnis von großer Tragik. Ich habe in meiner Jugend viel durchmachen müssen, vor allem schwere geistige Kämpfe, und sie waren es, die mich über manchen mühseligen ilmtoeg 8“ Öen 5)crmbutern und ihren M.ssionen führten, urm Ihre Frage zu beantworten: Ja, meine Heberte ugung gab den Ausschlag."
kV ri ^'rQU Don Distern suchte in den verdunkelten Ecken des Zimmers nach ihrer Tochter. „Freye. tritt näher Tagte sie. .komm zu
durcy ote Genosienschattsbanten an bte rredtt- bebürftigen Handwerker zur Verteilung gelangen soll. — Die Zahl der Rundfunkteilnehmer ist in Öen verschiedenen Orten des Vogelsberges in ständigem Wachsen begriffen. Besonders in den abgelegenen Orten des Vogelsberges bildet der Rundfunk für viele neben der Zeckung die einzige Verbindung mit den Geisteszentren der Großstädte.
Starkenburg und Rheinhessen.
Mainz, 15. Dez. (Wolsf.) Das schone Kar- meliterkloster in Mainz, das im Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut wurde, ist nach wechselvoller Geschichte heute mit der Einweihung durch den Dllchos Dr. Hugo von Mainz feinem gottesdienstlichen Zweck wieder zurückgegeben worden. Im Jahre 1912 beschloß die Stadtverordneten-Versammlung, die Kirche wieder Herstellen zu lassen, nachdem sie über 100 Jahre als Magazin benutzt worden war. Dieser Beschluß konnte unter den Verhältnissen nicht durchgeführt werden. 1922 muhte man sich durch den immer weiter schreitenden Verfall dazu entschließen, die Kirche infolge ihrer Baufälligkeit niederzureißen. Den vereinten Bemühungen des Oberbürgermeisters Dr. K ü l b, des Provinzialdirektors Dr. il f i n g e r und des Bischöflichen Stuhls in Mainz ist es zu verdanken, baß die Kirche mit ihren inzwischen entdeckten Altfreskomalereien vor dem Abbruch bewahrt worden ist. Durch Vertrag zwischen der Stadt Mainz und dem D.schöflichen Stuhl ging die Kirche unter den üblichen Vorbehalten ins Eigentum des Karmeliterordens über, der die Kirche wiederherstellen und der Allgemeinheit zugänglich machen lieft. Unter der kundigen Hand des Malers K i e n z l e wurden die zum größten Teil übertünchten Altfreskomalereien, deren ilr- sprung in den Anfang des 15. Jahrhunderts fallen dürfte, freigclegt und erneuert. Die Kunstkleinodien an den ilsern des Rheins werden durch die Wiederherstellung der Karmeliterkirche in Mainz eine wesentliche Bereicherung erfahren haben.
" Bensheim, 15. Dez. (Eigener Bericht.) In einem Rachbarorte von Bensheim hatte sich ein Landwirt wegen übler Rachrede eine Beleidigungsklage zugezogen. Er erhielt eine Ladung zu einem Sühnetermin, der er aber nicht Folge leistete, ebenso erschien er nicht zu drei nacheinander angesehten Gerichtsterminen. Als ihn das letzte Mal Gendarmen festnehmen wollten, entfloh er in einen Wald. Run wurde er eines Morgens in der Frühe im Stall überraschend festgenommen und dem Gericht zugeführt. Er wurde zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt und zu den Koste n. Diese werden ganz beträchtlich sein, denn er hat jetzt für die Gebühren der verschiedenen Termine auszukommen, sowie für die Gebühren der Zeugen, die jedesmal geladen waren. Wäre der Landwirt zum Sühnetermin erschienen, so wäre er vielleicht mit 10 Mark Geldstrafe davongekommen.
Hessen-Nassau.
bl. Dillenburg, 15. Dez. Der Magistrat beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Frage der Veränderung unseres Bahnhofes. Rach Auskunft des Bürgermeisters hat das Reichsverkehrsministerium, den wiederholten Vorstellungen Rechnung tragend, Mittel für den Weiterbau der Unterführung und den älmbau des Empfangsgebäudes bereit gestellt. Die Kosten belaufen sich auf an- näherrü) 4 Million Mark. Die derzeitigen Verhältnisse verbieten leider einen Reubau des Bahn- Hoses. Mit der Erweiterung des Gebäudes ist zugleich der Aeubau einer Straße ins Auge gefaßt worden, die das Empfangsgebäude mit dem Mittelfeld verbinden soll. Hier wird neues Baugelände gleichzeitig erschlossen werden. Die Arbeiten sollen in Kürze begonnen und im Jahre 1925 vollendet werden.
E Salzschlirf, 15. Dez. In unferm während der Sommermonate so belebten Badeort ist es jetzt still geworden. Die Kurgebäude, Hotels und Pensionen sind zum großen Teil geschlossen, in andern sind die Handwerker eingekehrt, um alles wieder für die nächste Saison instand zu feben. Die Bevölkerung zehrt von dem, was sie während der Sommermonate erworben hat. Diele haben bei der Feldbereinigung Arbeit gefunden, oder sind ins Holz gegangen.
fpd. Frankfurt a. M, 14. Dez. In der Geleitstrafte hatten sich zwei Hausbewohner sehr lebhaft gezankt, so Daß sie wütend
mir, lieb Kindchen, und höre mich an. Willst du, daß dieser Mann, der sich Bruder Dorv- theus Fiedler normt, dein Gatte wird?"
Freyes Gesicht war weiß wie gebleichtes Linnen. „Ich sage nicht nein, nicht ja", erwiderte sie. „Heute noch nicht. Ich will mich nicht binden. Ich warte feine Heimkunft ab . . ."
Run geschah etwas Schreckhaftes. Der Gesichtsausdruck der Frau von Elstern veränderte sich jäh. Er wurde böse. Die Züge verschoben sich unter einer plötzlichen Rervenreizung. Gin Irrlicht tanzte durch die Augen. Die Stimme klang schrill und zugleich befehlend.
„Aber i ch will, daß ihr euch bindet", rief sie. „Ich verlange Gehorsam von dir! Gehorsam gegen mich und de» Vater. Kenn' ich den Mann, der um dicht wirbt? Ich kenne nur den Bruder Dvrotheus. Du aber sollst wissen, toer er ist!"
Sie hatte den rechten Arm erhoben, vielleicht zu einer Gebärde, die ihren Worten Rachdruck geben sollte. Doch schwer und wie gelähmt fiel Der Arm zurück. Das Gesicht regelte sich wieder und überzog sich mit wächserner Blässe. Langsam senkten sich die Lider über die Augen, der Oberkörper sackte im Stuhl in sich zusammen.
Der Missionar hatte sich erhoben, er stand jeßt hinter Freye. Sie hörte seine flüsternden Laute: „Sagen Sie zu — es bindet Sie nicht! •Um der Mutter willen sagen Sie zu!"
Freye neigte sich, zitternd in allen Fiebern, über ihre Mutter und tüftle sie.
„Muttchen, sei verständig," raunte sie ihr 3U, „sei lieb. Ich tu’ ja, was du wünschest. Ich verlobe mich mit ihm. Ich bin seine Braut."
Sie kniete vor ihr nieder und streichelte die schmalen, gelben Hände, angsterfüllt, voller Verwirrung und doch wie unter einem Zwange: als fei der geflüsterte Rat des Bruders Dorotheus ein hypnotischer Befehl gewesen.
Sta richtete die alte Kau sich in ihrem Lehnstuhl wieder ein wenig auf. Sie lächelte beglückt, etu traumhaftes Lächeln. „Geht ihr morgen zum ^at der Aeltesten?" fragte sie mit fast erlöschender Stimme.
Run neigte auch der Missionar das Knie vor ihr und zog ihre Hand an seine Lippen.
„Im Ramen Ihrer Tochter verspreche auch ich es", sagte er.
auseinander gingen. Der etne nxn. nach Dem ©treff in den Keller gestiegen. Als er nach kurz« Minuten zurück in seine Wohnung trat, machte ein Herzschlag fernem Leben ein Ende. Der Tod dürfte durch die Aufregung nach dem Streit verursacht fein. — Auf frischer Tat wurde einer der ©troßenräuber, der in der letzten Zeit die einsamen Straßen des Westends durch ileber- fälle aus alleingehende Damen unsicher gemacht hatte, ertappt und nach verzweifelter Gegenwehr fest genommen. — Eine Bande beraubt gegenwärtig die auf den Straften stehenden^ Lastwagen ihrer Kollis und fügt auf diese Weise den Fuhrhaltern, da diese für die Waren auf kommen müssen, schweren Schaden zu. Bis jetzt konnte die Bande nicht ermittelt werden. — In den Römerhallen eröffneten etwa 250 hiesge K iü n ft l e r und Künstlerinnen einen Weihnachtsmarkt. Ihnen Huben sich die Frankfurter Schriftsteller mit ih.er Büchern zugesellt. Der Verkauf bringt eine Fülle von Geinäiden. Pla i ei, graf ß scher B ät een, © icke- reicn, Decken. Geweben, Ch ist. aumschmuck. tünft- lerischen Lebkuchen und ungezählte andere nützliche und schöne Sachen, denen in diesen teuren Zeiten hoffentlich auch die Käufer nicht fehlen werden. — Der Taunusklub plant die E r - richtung eines Ehrenhaines für seine im Weltkriege gefallenen Mi:g ieder. Als Platz ist dazu ein Wcttdgebiet im sog. S.ockbom zwischen dem Feldbcrg und dem Sandplacken aasersehen. Die Verhandlungen m t den zuständigen Amtsstellen sind sowett gediehen, daß die Verwirklichung des Plares bereits im Laufe des Jahres 1925 erfolgen kann.
Wirtschaft.
Arbeitsmarkt und Wirtschaftslage.
Tie schwache Besserung des InlandabfaheS, die sich vereinzelt in den letzten Monaten bemerkbar machte, hat sich im Rovrrnbrr auf den Steinkohlenbergbau, die Eisen- und d e Metallindustrie ausged Hit. Leider ist die geringe Besserung in b't Metrik ndustrie nur für die erste Ro- vemberhäl'te von Dauer gewesen. Das bevorstehende WeihnachtZg schäft w rtt günstig aus d e Geschättslagc ein. Die Verbandsbildung in der Met ll ndustrie war von w fentliche.n Einfluß auf die Umfaßgeftaltung des d-ätschen E senmarkttS. 2810 typische industrielle Betriebe melden nach den Erhebungen des Reichsarbeitsblttt s eine Verminderung des Anteils der Betriebe mit schlechtem Geschäftsgang, nämlich von 45 Proz. im Oktober auf 36 Proz. im Rovember, wahrend die gutbeschä t gt n Betriebe von 17 auf 24 Proz. stiegen. Die Berichte der Länüesamter für Arbeitsver.ni t ung lassen eine we tere Des e- rung der Lage erkennen, zeigen aber gleichzeitig, daft einzelne Grwerbezweige noch immer mit Rückschlägen zu kämpfen haben.
Im Kohlenbergbau d s Rahrg'bets bessert* sich in der zweiten Monatshälfte des Rovember der Abruf von Kohlen durch größeren Bedarf an Hausbrand und E ndeckungen durch einzelne Werke. An den oberschles scheu Zechen hob sich der Kohlenabsay nur teilweise (Grobkohle und Hausbrand), während d e Kotsnachfrage im ganzen unverändert blieb. Der Absatz der nieder- schl s scheu Reviere verstärkte sich g geuüber dem Vormonat um ein Geringes. Auch im mitteldeutschen Draunkohleng b et war die Lage im ganzen unverändert. Der Siegerländer Erzbergbau kann eine bessere Rachfrage melden, doch klagen die Gruben des Lahn- und Dillbezirles nach wie vor. Die Kaliindustrie hatte unveränderten Absatz in normal r Weise, schw f lsaure Salze wurden vom Ausland beg hrt. D.e Bezahlungen lassen hier sehr zu wünschen übr g. Die Austragsbclebung in der westlichen Eisen- und Metalsindustrie brachte für eine Re he von Betrieben auf Monate hinaus volle Beschäftigung. Jedoch ist der Geschäftsging in ani> ren Landesteilen wieder recht schlecht. Auch der M schinen- bau zeigte eine leichte Zunahme des De chüfti- gungsgrades. die jedoch aus dem Inland herrührt. In der chemischen Industrie decken sich die Verbraucher nur mit dem notwendigsten ein, die Lage ist im ganzen flau. Das Sp an- und Wcbstosigewerbe m.Det l bh ifteve Rachfrage in Delleidungsg g nständen, ebenso weist das Be- fleibungeg to.rbe f lbst guten Geschäftsgang auf. Die günstige Witterung brachte dem Baugewerbe noch verhältnismäft g rege Sät gleit,
Frau von Elstern nickte zufrieden. Ihre Hände tasteten über die Kopfe der Änienben. „Segen über euch", hauchte sie.
Dann war es ganz still im Zimmer. Freye mährte sich nicht. Sie fühlte sich wie verloren in einer Lufthülle von älnwirksichkeitt
Die Mutter bewegte sich wieder. „Ich will schlafen", sagte sie matt. „Katharine soll kommen."
Freye fuhr auf und flog hinaus, das Mädchen zu rufen. Reben sich hörte sie die Stimme des Bruders. „Ich muß Sie noch sprechen," sagte er, —nur wenige Worte . . .“
Während Katharine ihre Herrin nach ge= wohnter Art zu Bett brachte, tftr die Medizin reichte und sich dann zu ihr setzte, zog Freye den Bruder Dorotheus in ihr lleines Gemach. Hier war es noch finster, sie mußte erst bte Lampe entzünden und sah nun, wie ein Lächeln herzlicher Güte auf dem Gesicht des Mannes stand.
„Rur wenige Worte," wiederholte er, „nur eine Erklärung. Ich begreife, was Ihre Frau Mutter teilt. Sie sagte es auch Wer ist der Dru^ der Dorotheas Fiedler? Einer unter vielen. Sie wenigstens sollen wissen, wer dahinter steht — deshalb wünscht sie das Verlöbnis vor dem Ra! der Aeltesten."
„Das uns bis zum Tode zusammentut", stammelte Freye.
„Sind wir Sklaven einer törichten Heber» lleferung? In dieser Gemeinschaft pflegt man noch allerhand Seltsames und Geheimsinniges aus alten Zeiten, was andere Gemeinden längst als Ballast von sich geworfen haben. Im Aufseherkollegium hütet das Dreiblatt des Rats der Aeltesten den Zauber der Vergangenheit. Der Rat kennt meinen weltlichen Ramen und ist verpflichtet, ihn Ihnen zu nennen, wenn Schwester Freye und Bruder Dorotheas ihm ihre Braut- schäft künden . . .“ Hnb wieder trat das alle Schtearmgeisterei gelassen abwehrende Lächeln auf fein Gesicht, als er fortfahr: „Der Rat hält art öen alten Formeln fest, die eine Lösung des Verlöbnisses verbieten. Denn was Gott zasammen- gefügt, das soll der Mensch nicht trennen. Aber Gott lebt auch in der Seele der Menschen, and Menschlichkeit liegt nicht in der Erstarrung der Satzung" (Fortsetzung folgt)


