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Dienstag, 16. Septemver (924

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

3wette§ Blatt

Nr. 218

ment gegeben werden.

Durch diese Einrichtung ist es möglich ge­worden die Tätigkeit unseres eigenen Personals aus das Schauspiel im weiteren Sinne vom Drama bis zum Schwank zu konzentrieren.

Zunächst wurde eine grundlegende Aende- rung der Organisation vorgenommen. Das Gie­ßener Stadttheater war von Haus aus als Schauspielbühne aufgebaut worden: mc Operette war erst wahrend des Krieges hinzu­gekommen, als ein großer Teil des Publikums im Theater in erster Linie Zerstreuung sachte

Wenn wieder auf eine Hebung des Rivea ls der Bühne und nicht nur hier hingearbeitet werden, wenn das Theater seinen Beruf als wichtiger Kulturfaktor za wirken, wieder mehr betonen soll, so scheinen die Zeitumstände für solchen Aufbau, der natürlich auch entsprechende Mittel erfordert, nicht besonders günstig zu fein. Braucht an die allgemeine Geldknappheit erinnert zu werden, oder Imran, daß das Kino in letzter Zeit Gebiete ziu 'erobern bestrebt ist, die schon durch ihren Stoff der Schaubühne Vorbehalten schienen? Ist nicht ein neuer Bewerber um die Gunst des künstlerisch interessierten Publikams, ein Rundfunk, auf den Plan getreten?

Werden die Theater im kommenden Winter all den sie bedrohenden Fährlichkeiten siegreich begegnen können?

Rach der Meinung deS Schreibers dieser Zeilen werden sie es können, wenn sie Q u a l i t ä t s leistungen bieten. Solche Leist an- gen an unserer Bühne wieder zu ermöglichen, sind die sorgfältigsten Borbereitungen getroffen wor­den. wie aus folgendem erhellen mag.

Der Saisonbeginn des Stadttheaters

Eine Vorschau aus die Winterspielzeit 1924/25 von Hofrat Hermann Steingoetler.

Daß dies große Vorteile hat und ein besseres künstlerisches Arbeiten ermögticht, liegt auf der Hand. Zum Glück ist aus den hinter uns liegenden chweren Zeiten ein Stamm bestbewährter Kräfte unserer Bühne erhalten geblieben. Ramea wie die der Herren Teleky. Goll. Volck, Schubert und der Damen Marcks. Jüngling und Sturmfelssprechen ür sich selbst. Durch ein neues allem Anschein nach Dauer versprechendes Abkommen mit dem Hessischen Staat ist dieser Kerntruppe unseres Schauspieles durch die Beschäftigung am Bad- Rauheimer Kurtheater während des Sommers ganzjähriges Engagement geboten, ein Umstand, der an und für sich unser Stadttheater schon eine Stufe höher stellt als die Bühnen vieler anderen Mittelstädte.

Bei der notwendig gewordenen starken Der- jüngung desPersonalbestandes ist mit außerordentlicher Vorsicht vorgegangen worden. Ein Teil der ersten neuen Kräfte hat sich bereits dem Gießener Publikum in Gastspielen borge» teilt, so Sri. Dachs eld als Sentimentale in Clavigv, Herr Da st 6 aus der bekannten Künst- lerfamilie gleichen Ramens als jugendlicher Ko­miker und Bonvivant inCharleys Tante", Herr Rich. R o r f o l k für das Rollengebiet des Herrn Lambertin inIohannisfeuer". Für die Fächer des ersten jugendlichen Helden und der ersten Raiven sind Curt Joachim Baum vom Wies­badener Landestheater und Rita Andre vom Münchener Volkstheater verpflichtet worden, nach­dem der Leiter unserer Bühne sich von den Fähigkeiten der Betreffenden persönlich überzeugt hatte. Ebenfalls vom Münchener Vollstheater kommt Frl. Maufe R elfen, die für einen Teil der jugendlichen Salondamen in Aussicht genom­men ist. .

Die Gestaltung des Spielplanes hängt bei vernünftigem künstlerischen Arbeiten natürlich zum guten Teile von der Individualität der ein­zelnen Kräfte ab, und die Aufstellung eines so­genannten Prospektes ist daher bei so starkem Wechsel im Personal wie dieses Jahr eine etwas problematische Sache. Trotzdem soll mit Vorbehalt von Minderungen ein solcher Prospelt wie in früheren Jahren herausgegeben und allen Inter­essenten zugänglich gemacht werden.

Hier sei in Vorschau auf die kommende Spiel­zeit nur kurz folgendes ausgeführt:

Den Klassikern wird, wie es hier üblich, die größte Sorgfalt gewidmet werden, doch sei ausdrücklich bemertt, daß hier sehr häufig ge­gebene klassische Werke im Abonnement nicht gebracht werden sollen. Ins Auge gefaßt sind 'Aufführungen von Faust, Räuber, Teil, Ghges und sein Ring u. a. m.

Don Werken, die neu oder wenigstens für Gießen neu sind, wurden zur Aufführung ins Auge gefaßt: Don Hellmut Unger:Der ver­liebte Deifu" oderMutterlegende": von Rudolf Presber:Kreuzfeuer": von Sudermann: Hasenfellhändler": von Dernard Shaw:Teu­felsschüler": von Frank Wedekind:König Riccolo": von Max Reimann:Rundfunk": von Hans Geisow:Der alte Textor": von Herbert Eulenberg:Münchhausen"; von Gerhart Hauptmann:Und Pippa tanzt"; von Wilhelm v. Scholz:Jude von Konstanz" oderVertauschte Seelen". Außerdem ist an eine Aufführung vonPeer Gynt" gedacht, falls sich die Schwierigkeiten, die die Musik von Grieg für hier bietet, überwinden lassen.

Im übrigen sollen alle etwa während der Spielzeit herauskommenden Reuerscheinungen von literarischem Werte sorgfältig geprüft und wenn möglich dem Spielplan einverleibt werden. Dabei sei aber ausdrücklich betont, daß nicht etwa ein­seitig eine Richtung bevorzugt werden soll. Auch die Werke heiterer Gattung, selbst wenn sie älte­ren Datums sind, sollen gebührend berücksich­tigt werden. Haben doch Aufführungen von Großstadtluft" und'Charlehs Tante" während des Sommers bewiesen, wie dankbar ein zahl­reiches Publikum ist, wenn ihm harmlose An­regung zu herzlichem Lachen geboten wird.

Eröffnet wird die Spielzeit am Dienstag, 1 Oktober, im Abonnement mit Ibsens Schauspiel Nordische Heerfahrt", als zweite Vor­stellung, ebenfalls im Abonnement, geht (wie schon erwähnt) am Mittwoch, 8. Oktober, Jo­hann Stvauh' llassische OperetteDie Fle­dermaus" in Szene.

So sind denn alle Vorbereitungen getrosten, eine in künstlerischer Deziehung erfolgreiche Spiel­zeit durchzuführen. Daß auch der finanzielle Er­folg eintritt. liegt in der Hand unseres Theater­publikums. das sein Interesse zunächst in zahl­reicher Beteiligung an dem aufgelegten Abonne­ment betätigen möge. Aber die Gießener Bürger­schaft wird sicher ihr geliebtes Stadtthealer. mit dem sie so eng verwachsen ist und dem sie auch in schwersten Zeiten durchgeholfen hat, nicht im Stich lassen, jetzt, da sich der bekannteSilber- streifen" am politischen Horizont gezeigt hat, der sich hoffentlich auch auf das wirtschaftliche Gebiet ausdehnen wird.

Auch angesichts der kommenden Handels­vertragsverhandlungen mit Frankreich muh noch­mals besonders daraus hingewiesen werden, daß die handelspolitischenSchiebungen zum Saar­ge b i e t eine vollkommen gesonderte Angelegen­heit darstellen. Frankreich, das die Ausfuhrwaren des Saargebietes nicht ganz aufnehmen kann und desl-atb. mangels anderer Absatzgebiete für die Saarwerke. unbedingt daraus angewiesen ist, die Saarprodukte möglichst zollfrei, wie bisher, nach Deutschland zu bringen, wird Kon­zessionen machen, um diesen Erfolg zu er­reichen. Ein spontanes Gewähren zollfreier Ein­fuhr nach Deutschland für bestimmte Produkte aus politischen Gründen und mit Rücksicht auf die Stimmung im Saargebiet wird von den An­gehörigen des Saargebietes selbst nicht ge­wünscht. Wie ich ausdrücklich wiederhole, haben Vergünstigungen, die Deutschland dem Saargebiet gewähren würde, auch nicht die Konsequenz, daß sie in anderen Handelsverträgen, welche die Meist­begünstigung enthalten werden, gewährt wer­den müßten, da die Saar deutsches Ge­biet ist.

Der kommenden Winterspielzeit wird, was die finanzielle Gestaltung der Thoaterverhältnisse be­trifft, in manchen Städten und von manchen Dühnenleitungen mit einem gewissen Pessimismus entgegengesehen.

Es ist nun nicht zu verkennen, daß überall der Ausgabenetat anwächst, und zwar haupt­sächlich infolge Steigerung der Personalausgaben. War im vergangenen Winter bei den meisten Theatern noch ein verhältnismäßig günstiger finanzieller Abschluß zu erzielen, so lag der Hauptgrund darin, daß die Gagen noch nicht die Friedenshöhe erreicht hatten, andereileits aber die Höhe der Eintrittspreise Friedenseinnahmen ermöglichte. Hierin ist eine grundsätzliche Wand­lung eingetreten: es werden jetzt höhere Gagen gezahlt als im Frieden. Unb das jnit vollem Recht, denn bie Friebensgagen der Schauspieler waren, verglichen mit der Entlohnung in anderen Berussgatttmgen entschieden za gering. Der Künstler der feine ganze, ungeschmälerte Kraft seinem schönen, aber auch aufreibenden Beruf widmen soll, muß möglichst der Sorgen um das tägliche Brot enthoben fein. Am hiesigen Stadt­theater wurde übrigens schon früher obigem Grundsätze Rechnung getragen, und es wurden in der Vorkriegszeit hier höhere Gagen gezahlt, als sie damals in Städten von der Größe Gießens üblich waren. Dementsprechend war auch der Ruf, den die Gießener Bühne in der Theater­welt genoß. Leider nötigten der Krieg und die Rachkriegszeit zur Einschränkung aller Ausgaben. Die Gehälter des Personals mußten herabgesetzt, die Sachausgaben stark eingeschränkt oder für bessere Zeiten zurückgestellt werden.

Ureisfeuerwehttag Gießen.

-O ©roften-ßinben, 15. Sept. Der Herbsttagung des VerbandeS Freiwilli­ger Feuerwehren des Kreises Gie­len hatte die hiesige Wehr für den gestrigen Sonntag eine gute Vorbereitung vorausgehen las­sen. so daß sowohl die ernste Arbeit als auch die kameradschaftliche Geselligkeit zu ihrem vollen Rechte kamen. Unter der Leitung des Kreisver­bandsvorfitzenden spritz Wenzel (Gießen) be­gannen die geschäftlichen Verhandlungen um 10 Uhr in der Turnhalle. Der Kreis Gießen umfaßt nunmehr 14 Wehren ( Annerod wurde neu aus­genommen) mit rund 1500 Mitgliedern, von de­nen 11 Wehren mit 21 Abgeordneten vertreten waren. Den besten Wünschen der Kreisverwal­tung fürdiese sozialste, über den Parteier stehende Organisation der freiwilligen Feuerweh­ren" gab Dr. K rüget in Verhinderung deS zu­ständigen Referenten Dr. Heß warmen Aus­druck/Bürgermeister Lang entbot herzlichen Gruß namens der Gemeinde. Rach den Mitteilun­gen des Vorsitzenden haben von den 953 Gemein­den des Volksstacües Hessen nur 355 freiwillige Feuerwehren (Starkenburg 152, Rheinhessen 130, Oberhessen 73), die nach dem neuen Aufbau der Organisation im Lande zunächst in 18 Kreisver­bände zusamrnengefaht sind, deren Vorsitzende die drei Provinzialausschüsse bilden, die ihrerseits wiederum den 12gliebtigcn Landesausschuß wäh­len (4 Mitglieder aus jeder Provinz). Die Kreis­verbände sollen werbend für bie Gründung neuer Wehren wirken, die in idealem Streben im Dienste praktischer Rächstenliebe Haus, Hof und Leben ihrer Mitmenschen in Feuersnot schützen wollen. Als Rechnungsprüfer für 1924/25 wurden Matheis und Münch (Gießen) und Schm l d t (Langöns) wiedergewählt. Der nächste Herbstver­bandstag wird am 20. September 1925 in Lich zusammenkommen, für 1926 stehen Lollar oder Hungen in Aussicht, wobei jedesmal das 50jäh- tige Bestehen der betreffenden Wehren mitgcfeicrl werden soll. In den Uebungsbereich soll auch die Ueberlandhilfe einbezogen werden, ein Versuch, den Lich im vorigen Jahr schon in Ge­meinschaft mit Birklar und Riederbessingen mit Erfolg gemacht hat.

Runmehr zeigte bie hiesige freiwillige Feuer­wehr auf bem Sportplatz bei der Turnhalle die sahungsgemähen Geräteübungen und an chließend einen Drandang riff auf das am Rordausgang des Ortes gelegene Anwesen der Firma Stixiufe & Cie. l vormals Gossi). In seiner Kritik der Uebung hob Branddirektor Dran bach (Gießen) hervor, daß bie Wehr unter der umsichtigen und energischen ßettung ihies 1. Kommandanten, Landwirt Wilhelm B oll, ih.e Ausgabe ausge­zeichnet gelöst habe. Die Geräteübungen seien mit ruhiger Siä>erl>eit exakt ausgeführt worden, der Drandangriff habe die rasche Erfassung der jedesmaligen Lage bargetan, die durch eine an­genommene Drehung des Windes zudem noä einen Stellungswechsel nötig gemacht hatte.

Der Rachmittag führte bie Gäste in einem Festzug unterBeteiligung sämtlicher hiesigen Ver- eine durch bie beflaggten Ortsstrahen nach dem Festplah, wo Bürgermeister Lang in längerer Ansprache bie Bedeutung des Tages hervorhob und Frl. Emma Schäfer einen dichterischen Fest grüß eiirbrucksvoll vortrug. Die im Festzug bestaufmarfchierenben Wehren Lang Göns, Bad- Rauheim und Heuchelheim wurden durch Diplome ausgezeichnet. Unter der Einwirkung ber vorzüg­lichen Musik ber fleißigen Kapelle Topp (Gie­ßen) entwickelte sich halb ein buntbewegtes Trei­ben auf dem Festplatz, bis am Abend bie fremben Wehren abzogen und das Fest in mehr lokale Bahnen einlenkte.

Richt nur die Zollsätze sind in den kom­menden Hanbelsvertragsverhanblunge i mit Frankreich peinlichst zu überlegen, sondern es müssen auch Garantien geschafsen werden für ein vernünftiges Zollabfertig ungsvcrsah- re n. Es ist bekannt, bah bie Zollschikanen. ins- befonbere bie rigorose Dehanblung ber Zolldekla­ration, vor dem Kriege eine ganz außerordent­liche Erschwerung der Einfuhr nach Frankreich bedeutet haben. In dieser Richtung wären unter allen Umständen Garantien dafür zu verlangen, daß die gleichen Schrkanen nicht wieder Platz greifen. Insbesondere sollte bie Anwenbung hoher Strafen, die immer erfolgten, wenn nur ver­sehentlich die Angaben nicht genau in Gewicht oder Bezeichnung zutrafen, vermieden werden.

Ferner ift darauf zu bestehen, daß bezüglich des Riederlassungsrechts und Gründ­er w c r b s sowie des möglichst einfach zu ge­staltenden Pahwesens unbedingte Segen- f e itigfeit maßgebend sein muh und bah unter keinen Umständen bie Beschlagnahme vo n Patenten, welche nach dem 10. Januar 1920 erteilt finb, ausgesprochen werben kann.

3um deutsch-französischen I Handelsvertrag.

Don Präsident a.D. Geheimrat Dr.Guggenheimer. I Wenn schon die allgemeinen Vorbereitungen I (ür die kommenden Handelsvertragsverhandlun- I gen im Hinblick auf den 10. Januar nächsten Jahres, von dem 'ab wir unsere handelspolitische Autonomie zurückerhalten. sorgsamster Vorberei­tungen bedürfen, so gilt das ganz besonders für Sie Verhandlungen mit Frankreich, die um em Öaar schon in London übers Knie gebrochen worben wären. Was in ber kurzen Zwischenzeit über die Räumungsfrage verlautete, zwingt nur noch mehr zum grundsätzlichen Festhalten an der Forderung, baß keine hanbelspolitischen Zugestänbnisse an Frankreich unter bem Druck ber Besatzung anb vor Er­langung voller wirtschaftlicher Frei­heit gemacht werden dürfen. Alle weiteren Aus­führungen zu diesem Thema sind unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt zu verstehen.

Wir brauchen keinesfalls von der irrigen Ansicht auszugehen, bah Deutschland bas größere I Interesse haben müßte als Frankreich, baldigst nach dem 10. Januar in geregelte Hanbelsver- tragsverhältnisse zu kommen. Die Franzosen ihrerseits können im Interesse ber Bilanzierung ihres Außenhanbels ben Export nach Deutschlanb für gewisse Probukte nicht entbehren. Was bie im Mittelpunkt meines wirtschaftlichen Gesichtsfeldes liegende Warengruppe anbetrifft, so wird zwar immer betont, daß bie augenblickliche Lage bes inneren französischen Eisenmarktes auf lange hinaus bie gleiche bleiben würbe und sich kein Ueber- angebot von Eisen, Roh- unb Halbprobaktea bemerkbar machen würde, aber Frankreich hat ' durch ben Zuwachs ber lothringischen Hütten- inbuftric eine betartige Steigerung seiner Cisenprobuktion erfahren, baß die norbsranzösi- schen Eisenerzeuger Wert daraus legen, den Ab­fluß der lothringischen Halbfabrikate in das Ausland gesichert zu sehen, wenn einmal die Rachsrage im Innern Frankreichs nachlassen sollte.

Auch die französischen Regierungs­stellen haben ein Interesse daran, die deutsch- französischen Handelsbeziehungen für bie Zeit nach dem 10. Januar 1925 möglichst bald ver­traglich zu regeln. Der Oberste Ausschuß für Handel und Industrie, ber in Parts am 1. August unter Vorsitz bes Hanbelsmintsters tagte, stellt fest, daß

von bem Abkommen mit Deutschland in hohem Maße die Entwicklung nicht allein der Beziehungen Frankreichs zu gewissen anderen Ländern, sondern auch die Ge­staltung des französischen Handelsvertrags- Systems abhängen wird".

D-iesen Vermerk kann man allerdings ver­schieden auffassen. Frankreich hat seit 1919 das System der unbedingten Meistbegünsttgung ver­lassen jnbem es mit der Tschechei, Finnland unb Polen nur Handelsverträge auf Gr undlage der Gegenseitigkeit durch Aufzählung ber einzelnen Sarif nummern mit besonderen Zoll- sähen avschloß. Will also Frankreich dieses System Deutschland gegenüber wieder verlassen unb zur unbebingten Meistbegünsti­gung zurückkehren, ober will es gar den fran- »ösischen Export von Luxusartikeln nach Deutsch­land noch weiter auf Kosten Deutschlands er­leichtert sehen indem es besttmmte Zollvorteils in Deutschland erhält, ohne Gewährung von Vergünstigungen für die deutschen Fertigtvaren, auf deren Mehrausf ihr doch gerade das ganze Reparationsproblem beruht? Wenn man also die Frage eines deutsch-französischen Handels­vertrages untersuchen will kann man sie deutscher­seits nur vom Standpunkt ber Gegenseitig-

Kleine Strafkammer.

* Gießen, 12. Sept. Ein hiesiger Schlosset war vom Schöffengericht wegen Sachbeschä- bigung verurteilt worden, weil er Mitte Dezem- ben v. I. an ein Haus im Seltersweg mit roter Farbe den bekannten kommunistischen Schlager: Den Kommunismus in seinem Lauf, hält weder Seeckt noch Ebert auf geschmiert habe. Aus seine Berufung wurde er freigespro chen. Ein in­zwischen nach Argentinien ausgewanderter junger Landwirt hatte zwar beschworen, daß er ben An­geklagten in ber Rächt beim Schein einer Laterne erkannt habe: bie Beweisaufnahme ergab aber gewichtige Zweifel an ber Richtigkeit biefer Aus­sage. Der Angeklagte hatte zur Kommunistischen Partei keine Beziehungen, soll aber einem Mit- gliebe biefer Partei, ber als Täter in Betracht kommt, äynlich sehen. Es ist möglich, bah ber Zeuge bei der mangelhaften Beleuchtung sich ge­irrt hat.

Einen unerwarteten Ersolg hatte der Arbeiter Chr. L. von Illnhausen mit feiner Berufung gegen ein Urteil des Schöffengerichts Ortenberg, durch das er wegen Diebstahls zweie i H ä m m e l zu zwei Wochen Gefängnis verurteil! worden war. Er wollte freigesprochen sein, die Beweisaufnahme ergab aber zweifelsfrei, daß er es war, ber in einer Rächt bie Tiere gestohlen unb im Wald abgeschlachtet hatte. Da auch bie Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte, war das Gericht in ber Lage, bie Strafe für bie ge­meingefährliche Tat entsprechend zu erhöhen Das Urteil lautete auf fünf Monate Ge­fängnis.

Der Holzarbeiter L. Sch. von Lauterbach der vom dortigen Schöffengericht wegen Fahrrad- diebstahls zu einer Geldstrafe von 600 Mk. ver­urteilt worben war, erreichte mit seiner Berufung, daß er zwar nicht wegen Diebstahls, aber wegen Hehlerei statt der Geldstrafe zwei Monatc Gefängnis erhielt. Es konnte nicht mit Sicherheit nachgewiesen werben, baß ber Angeklagte selbst es war, der das Rad in einem unbewachten Augen­blick von ber Straße weg gestohlen hatte, er mußte sich aber sagen, bah berUnbekannte", bem er es mitten in ber Rächt unter bem Werte abtaufte, es selbst nicht auf ehrlichem Wege erlangt haben konnte.

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feit aus lösen.

Deutscherseits ist das Interesse am Bezug französischer Ausfuhrprodukte nicht so stark, wie oft in verschiedenen privaten Kreisen in Franc- reich angenommen wird. So glaubt die loth­ringische Hüttenindustrie, baß bie deutschen Inter­essenten unbedingt bas Fallenlassen von deutschen Einfuhrzöllen für lothringisches Eisen bei der deutschen Reichsregierung zu erreichen veriuchen würden. Daß dieses nur eine Private und nicht eine amtliche Ansicht in Frankreich ist konnte man inzwischen hinlänglich aus ben Fühlern er­sehen die in London ausgestreckt wurden, Wallach- wertsprvourren aucy u 3abre 1913 Operettenpersonal nut genügendem Chor, das vor

^ollaebiet hergestellten Walzwerks- allem die Aufführung der guten klassischen Ope» ^eullchen Follgebiet AgestE u A^ellt ^te ermöglicht hätte, betete eine für die ES sSSIaä dat dm deutsche F-rtigindustr,- hi-lig-" Dmhältntss- untragbare Sr&öbimg des (Absatz ihrer Maschinen. Ausgabenetats. So konnten nur die lungeren, WE Ä üochr^ wie nach dem sL-btet klemmen SfawP'tetten gegeben nxdjen. dm aN° sowoyt nach x.ou)nngL technische auf einen sehr sagen wir einmalgrof>

gunjal in der o - 9 ^las- städtischen" Geschmack zugeschnitten sind und

ftc^stehm^^Iedoch^ha^sich dr: deutsche Industrie schließlich bet einem guten Teil bes Publikums auf den Standpunkt gestellt, bah lieber teilt auf Widerspruch stießen.

SSanbcldncrtraq mit Frankreich abgeschlossen Es ist nun für ben fommenben Winter von

werden soll als noch weiter französische Pro- dem Engagement eines e i g en en Operetten-

buffe - als solche muß man leider ja die Personals ganz abgesehen worden und

elfaß-lolhringischen Produkte bezeichnen zoll- die Operetten sollen durch regelmäßige Gastspiele frei nach Deutschland kommen unb hier ben not- eines besonderen Ensembles ausgesuhrt werden, wendiaen Schutz ber deutschen Arbeit durch- dieses Ensemble, das sein eigenes Orchester be- brcchcn sitzt, steht unter Leitung von Direktor A. San-

%<inlreid) hat das größte Interesse, den der in Frankfurt a. M der uns seinerzeit auch Warenverkchr zwischen seiner Industrie unb bie schonen Opemauffuhrungen von /Jtafter- ^tschband durch einen Handelsvertrag so za finger-'JUlgnon usw. öermittelt bat ia $err aestalten wie er sich bisher abspielte. Dos Jahr Sander in Verbindung mit bem,Sranffurtra 1924 als das erste Jahr nach Wiederherstellung Opemhause steht, kamt er bei Bedarf das<agene B4 Sdässrsewuassrx'»» Beweis. ., . I nute foaenannte kl assische Operette

Im 1 Quartal 1924 stand Frankreich dem Als erste Operettenvorstellung

Werte nach an der britt en Stelle der nach g_ dtt>eite Vorstellung der Spielzeit über-

Deutschland importierenden Lander. Umgekehrt o> Johann Strauß' ewig jungeSieber-

war in der gleichen Zeit bie deuNch. Aus angeseht worden, berBettelstudent",

fuhr nach Frankreich wirtschaftlich über ^rnierbarDn", aber auch ausgewählle neuere

Haupt nicht meßbar. Infolge der Ent- $£9^ toie ^oVine unb ber Zufall", vielleicht Wertung des Franks liegen Preise und Lohne m «.olla'ndweibchen" usw. werben folgen. Für jebeä Frankreich seit längerer Zeit wesentlich mtter n A^Eent finb bei 24 Vorstellungen fteven entsprechenden Sätzen in Deutschland Dadurch Operettenaufführungen vorgesehen. Eine Reihe ist den deutschen Produkten nicht nur der Absatz Vorstellungen wird auch außer Abonne-

nach Frankreich selbst abgeschnitten., sondern es I bat sich auch im Wettbewerb beispielsiveise auf den Märlten Chinas. Sübamerilas und des Orients ertriefen, daß bie französische Konkumenz in ihrer Preisstellung den deutschen An­geboten weit überlegen war.