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ten Trauerzug, dec en Begleitung deS Ministers uni> des Hnterstaatssekretärs des Innern seinen Weg nach dem Friedhof fortsehte. Auf der Piazza Tiburtina hielt der Trauerzug; alle An­wesenden knieten nieder. Nachdem einige Minu­ten lang Stille geherrscht hatte, rief Rossoti. der Vorsiherrde der faschistischen Gewerkschaftsver­bände: Armando Casallni! Die Menge antworte e mit erhobener Stimme: Gegenwärtig! Damit war die ergreifende Tvauerfeier beendet.

Wiederbeginn des Kampfes in Schanghai.

Schanghai. 15.Sept. (Funkspruch.) Nach­dem auf das stürmische Wetter wieder Sonnen­schein folgte, nahmen die Heere der rivalisieren­den Gouverneure, die um den Besitz Schanghais ringen, den Kampf in allen Abschnitten des Schlachtfeldes wieder auf. Nach einer Meldung aus Tientsin haben die Truppen Wu - Pei -- Fus ihre Bewegung von Pao-Ting-Fu fort­gesetzt. Sie sind mit Artillerie und Flugzeugen vollständig ausgerüstet. Eine Firma von Tientsin hat einen Auftrag zur Herstellung von Gas­masken erhalten. Die Eisenbahnlinie nach der Mandschurei ist an der chinesischen Mauer unter- brochen, um einen Einbruch der Truppen aus der Provinz Tschili zu verhindern.

Nach einer Meldung aus Tokio hat die An­ruhe unter den Streitkräften des Generals T s ch a n g t s o l i n, die in Mulden zum Vor­marsch gegen Peking und zum Angriff auf die Streitkräfte dec Zentralregierung zusammengezo­gen sind, einen scharfen Einspruch des ja­panischen Generalkonsuls in Mukden hervorgerufen. Japanische Truppen werden möglicherweise zur Aufrechterhaltung der Ord­nung herbeigerufen.

Die Kämpfe in Marokko.

Paris, 16. Sept. (WTB.) Nach einer Meldung aus Marokko haben die Spanier die Stellungen an der Mündung des Lauflusses sowie einige Posten an der Gamavar gestern ohne jeden Zwischenfall geräumt. Eine Abteilung hat T e 1 u a n und die Stellungen der vorgescho­benen Posten von Kalaa nach einem gutverlau­fenen Kampfe neu mit Lebensmitteln versorgt.

Aus aller Welt.

Der geppelin über Frankfurt erwartet.

Sie große Deutschland-Rundfahrt verschoben.

Berlin, 15. Sept. (Priv.-Tel.) Infolge der neueren Verschlechterung der Wetterlage und der notwendig gewordenen Abänderung der Kur­belwellen auf der Propellerseite der Motoren hat die Leitung der Zepvelinwerft davon Ab- s! and genommen, noch diese Woche die große Fahrt desZ. R. III nach Norddeutschland und Skandinavien anzutreten. Es sei neuerdings ge­plant, für die große Probefahrt die Route durch ganz Deutschland mit Einschluß des besetzten Gebietes zu nehmen. Die Fahrt soll den Rhein hinauf, vom Rhein- lan d nach Westfalen, Hamburg und Schleswig-Holstein gehen, von wo aus die Ostsee mit Kurs auf Königsberg überflogen werden soll. Nach einem Rundflug über Ost­preußen soll das Luftschiff dann südlichen Kurs auf Oberschlesien nehmen und von dort über Breslau und Mitteldeutschland, wobei auch Berlin berührt werden soll, nach Fried» rSchsHafen zurückkehven. In dieser Woche fin­den nur noch einige Heinere Probefahrten statt. A«f eine telegraphische Anfrage beim Luftschiff­bau Friedrichshafen hat dieser die Stadt Frank­furt wissen lassen, daßZ. R. 126" auf einer dieser Probefahrten auch Frankfurt überfliegen werde: dagegen sei die vom Ma­gistrat gewünschte Landung auf dem Flugplatz der Delag ausgeschlossen.

DieSchule der Weisheit".

Darmstadt, 15. Sept. (WB.) Die Gesell­schaft für Freie Philosophie, die Schule der Weis­heit, des Grafen Keyserling, hat heute ihre 6. Tagung, die'bis zum 19 Septembr. dau rn soll, eröffnet. Der Dvrsitende Graf Kehser.i.ig mr^rte die intcre fante Mitteilung daß die Schule tci Weisheit trotz aller Te cnfen heute mehr blühe denn je. Die Gesellschaft zähle zur Zeit 1100 Mitglieder, die nicht nur aus Deutschland, sondern aus Amerika, Asien und Afrika, sowie Australien stammen, ein Bewis dafür, daß der Gedanke der Schule und die Ph'los.phie sich bei allen Völkern durchsetze. Der ersten Bo t ag h _lt Graf Keyserling über: Werden und Ter- gchen. Am Nachmittag sprach Prof. Driesch überOrganische Entwicklung".

Eine internationale Akademie für vergleichende Rechtswissenschaft.

In Genf wurde eine internationale Aka­demie für vergleichende Rechtswissenschaft ge­gründet beren Vorsitzender für die nächsten drei Jahre Professor Andrä Weiß (Pari«) ist. Die Arbeiten der Akademie werden in vier Gruppen eingekeilt: Für lateinisches Recht, für anglo­amerikanisches Recht, für die In Mittel- und Nordeuropa und für die im Orient und in den Kolonien geltenden Rechtssysteme. Unter dan Mit­arbeitern der dritten Gruppe, die der Leitung von Wieland (Basel) untersteht, befinden sich auch die beiden deutschen Rechtsgelshrten He y- ma n n (Berlin) und Sieber (Leipzig).

Wilhelm Roux f-

3m Alter von 74 Jahren ist Montag nach­mittag in Halle der als Begründer der Gnt- wicklungSmechanik bekannt gewordene Geheime Medizinalrat Professor Wilhelm Roux ge­storben.

Eine kalifornische Stadt das Opfer eines Blitzes.

In Moniere y zerstörte der Blitz einen Behälter mit 55 000 Varrels Rohöl. Der hier­durch verursachte Brand hatte den Tod von vier Soldaten zur Folge, die mit der Löschung des Brandes beschäftigt waren. Der Desamtschaden ir ird auf 3 Millionen Dollars geschäht. Der alten Stadt Monterey, der Sih der ersten Regie­rung Kaliforniens, droht durch den Brand die völlige Zerstörung.

Autounglücke.

Bei dem Autorennen Weesen-Amden (Schwei­zer Kantont Gallen) ereignete sich auf der Heimfahrt ein schwerer Hnglücksfall. Infolge all­zu großer Geschwindigkeit und Platzens eines Reifens überschlug sich der Rennwagen der Prinzessin Hohenlohe, der von Eugen Geis­

ser- ZUrrcy gefahren wurde uno in Dem sich außerdem der bekannte Rennfahrer Dr. Karrer befand. Der Wagenführer Geisser erlitt so schwere Verletzungen, daß er im Krankenhause starb. Auch Dr. Karrer wurde erheblich verletzt. Hnweit des benachbarten Branchewinda (Thüringen) stießen an einer unübersichtlichen Stelle der Landstraße ein Personen- und Lastwagen zusammen. Frau Kommerzienrat Her twi g aus Katzhütte wurde aus dem Auto geschleudert und so schwer verletzt, daß sie im Arnstadter Krankenhaus starb.

Bootsunglück.

Während eines Sturmes ist im Kiele r Außenhafen ein Segelboot gekentert. Deo Assistenzarzt an der Universitätsklinik Gu­tow s k y und eine junge Dame sind er­trunken.

Ein französisches Flugzeug in der Pfalz ab­gestürzt.

Paris, 16. Sept. (WTB.) Ein französi­sches Flugzeug ist auf dem Fluge nach Saargemünd In der Pfalz abgestürzt. Der Führer wurde verwundet, der Mechaniker, der ihn begleitete, wurde schwer verletzt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 16. Sept. 1924.

Die Arbeit der Hausfrau.

Ich bewundere die Hausfrauen. Und zwar so ehrlich, daß mir manche dieser treuen Pioniers der Kleinarbeit beschämt sagt:Hören Sie doch auf!"

Man hat für mancherlei Personen und Taten bei uns Zeit Mut und Gelegenheit gefunden, ihnen Denkmäler zu errichten. Die unendliche Liebe und Sorgfalt, Hingabe und Rastlosigkeit aber der Hausfrau ist dabei immer übersehen worden.

Es gibt so viele Brunnen und Säulen, zu deren Ausschmückung die Bildhauer auf der Suche nach Motiven sich fast den Kopf zerbrach.n haben die Hausfrau und ihre Arbeit auf einem solchen Kunstwerk zu verewigen, ist ihnen bis jetzt nicht eingefallen. Ich bin viel in Städten fjerumgetommen; hin und wieder habe ich mal Anspielungen auf die Hausfrau bei solchen Gelegenheiten in der Darstellung erblicken können, nicht aber die bewußte Arbeit, den vielen guten Kochtopfgewaltigen einer Stadt ein wür­diges Denkmal zu setzen.

Das brauchte durchaus nicht prosaisch zu wirken! Wenn du mittags hungrig nach Haase kommst, dann dünkt dich das duftige Mittagessen durchaus nicht Prosaischl, sondern schmunzelnd blickst du zu der Kochkunst lerin und denkst: Es ist doch ein wahrer Staat, wie meine Frau zu kochen versteht, Hnd dann lassest du es dir wohl- schmecken.

Hnd hernach, während du gutgestimmt ver­daust, kommt dir wohl der Gedanke, daß Essen doch eigentlich recht prosaisch ist. Lieber F 'eunb, wenn du satt bist, ist eben dem Essen der Zauber genommen; dann kommt auch jener Hochmut wieder, der das Essen als etwas Nebensächliches betrachtet: sd schnell wird das Gute vergessen. Liebe Hausfrau, tröste dich, das Sprichwort sagt schon: Der satten Maus schind da^ Mch' bi ter.

Wieviele Arbeit der Hcrusfvau bekommen wir gar nicht zu Gesicht! Wieviele Hand^r f,e muh sie tun von denen wir gar nicht wissen, daß sie da sind! Laß' den guten Geist deines Hauses einmal verreisen, dann fühlst du etwas davon! Wische dann gelegentlich über die Politur der Möbel, da wirst du merken, daß man wehmütig in den Staub schreiben kann:Kehr wieder!" Der Aschenbecher bleibt stehm. wo du ihn hinaestellt hattest, Streichhölzer liegen in der Stube herum All das ist dir sonst entgangen.

Hole sie dann selbst vom Bahnhof ab und empfange sie bei ihrer Rückkehr so, als ob du dein besseres Selbst wiederfändesl, denn dann werden dir die Augen für ihren Wert geöffnet fein.

Liebe Hausfrauen, wenn wir erst wieder ein reiches Volk sind, da wird auch ein Denkmal bewilligt!er.

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(Siebener Wochcnmarktpreise

am 16. September 1924 (Händlerpreise).

Es kosteten: Butter Pfd. 220 Pf., Matte 30, Käse 60, Eier Stück 15, Wirirg Pfd. 15, Weiß­kraut 810, Rotkraut 1520, gelbe Rüben 10, rote Rüben 8, Spinat 30, Römi chkohl 8, Dohnen 1520, Blumenkohl Stück 50200, Salatgurken 10, Einmachgurken 36. Endivien 1030, Ober- Kohlrabi 10, Hnter-Kohlvabl Pfd. 6, Tomaten 2530, Zwiebeln 1520, Lauch Stück 5-15, Meerrettich ICO, Sellerie Stück 2550. Kürbis Pfd. 8-10, Pilze 20, Kartoffeln 5, Falläpfel 5, Aepfel 1012, Birnen 820, Brombeeren 50, Preiselbeeren 80, Zwetschen 1520, Mirabellen 25, junge Hahnen 100, Suppenhühner 90, Nüsse 50-60.

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* * Der neue Gießener Vieh- und Krämermarkt-Tarif wird im Anzeigen­teil unseres heutigen Blattes zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Interessenten seien hiermit be­sonders bavauf hingewiesen.

* * Deutsche Jugendherbergen. Die zugunsten des Iugendhrrbergstoerkes von den Zweigausschüssen 2Nain-Lahn-Fulda und Od n- walo veranstaltete große Warenlotterie, in der die Ziehung am 14. ds. Mts. stattfinden sollte, wurde mit Rücksicht auf bic schwierige Verteil hing der Lose auf dem Land auf den 12. Oktober verschoben. (Siehe gestrige Anzeige.)

* * Zulas ung der Postanweisungen nach Dänemark. Dom 15. d. Mts. sind Post­anweisungen nach Dänemark bis zu 150 Kr. wie­der -ugelassen. Postaufträge und Nachnahmen auf Sendungen aus Dänemark nach Deutschland sowie Gebührenzettel zu Wertkästchen, Postpaketen und Frachtstücken nach und aus Dänemark sind ebenfalls wieder zulässig.

* Schneeschuh - Fahrkarten. Der Deutsche Ski-Derband will an die Reichs­bahn mit dem Ersuchen herantreten, ähnlich wie Fahrradkarten auch Schneeschuh-Fahr­karten aufzulegen, damit Schneeschuhe auch in Schnell- und v-Zügen Beförderung finden können. Durch diese Erleichterung würde der Wintersportverkehr zweifellos erheblich gestei­gert werden.

*" D i e Kaufmännische Fortbil­dungsschule und die öffentliche Hö­here Handelsschule veranstalteten am Samstagabend in den Räumen des Katholischen ll^reinShauses einen Eltern- und Hnterhaltungs- abend, der sich sowohl von fetten der Schüler

utu> Deren Angehörigen tote auch von feiten der geladenen Gäste eines außerordentlichen Zu­spruches zu erfreuen hatte. Der Leiter der An­stalt, Dr. Feld, sprach in fesselnder Weise über die Aufgaben und Ziele der kaufmännische Schule". Die einzelnen, anerkennenswerten Lei­stungen aus dem vielseitig angelegten Programm hervorzuheben, verbietet der zur Verfügung ste­hende Raum, andererseits wäre cs unbillig, nur einzelne Namen der Mitwiikenden. die größ­tenteils als Schüler und Schülerinnen den beiden Schulen angehören, hier besonders zu nennen, da alle ihr Testes hergaben. Die orchestrale Aus­gestaltung des Programms hatte dieBereinigung jugendlicher Musik- und Literaturfreunde" über­nommen und erntete ebenso wie die übrigen Mit- wirkcnden für ihre Darbietungen reichen Beifall.

" En dlich e rwisch t. In der Person des. 20jährigen Kaufmanns Werner Sorge aus Gießen wurde in Frankfurt a. M. der Schwind­ler festgenommen, der dort feit längerer Zeit im angeblichen Auftrag der abwesenden Herrschaft den Dienstboten gegen hohe Bezahlung Bilder ablieferte, die gar nichts wert waren. Den gleichen Trick hat Sorge in el, Fällen auch in unserer Stadt angewandt, weshalb auch die hiesige P>>- lizei an dem hoffnungsvollen jungen Mann ein starkes Interesse hat.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadttheater, 8 Ahr:Flachsmann als Erzieher". Hessische Dilderbühne:Die Tragödie im Hause Habsburg". Lichtspielhaus, Bahnhvfstr.:Das Recht auf Liebe". Astoria-Lichlspiele:Der Vater".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es sei darauf hingewiesen, daß die heutige Ausführung der KomödieFlachs­mann abs Erzieher" das letzte diesjährige Gast­spiel von Dao-Nauheim aus ist.

Wettervoraussage.

Wechselnd bewölkt, auffrischende westliche Winde, kühl, vorwiegend trocken.

Landkreis Gießen.

T) Lich, 14. Sch>t. Am Samstag sand die Hochzeit des Grasen Georg Friedrich zu Solms- La u b a ch mit der P r i n z e s s i n I o - Hanna zuSolms-Hohensolms - Lich im hiesigen Schlosse des Fürsten Reinhard zu Svlms-Hohensolms-Lich, statt. Am Polterabend wurde der fürstlichen Familie und insbe ondere dem jungen Paare seitens der hiefigen Vereine ein Ständchen gebracht. Gegen 8 Ähr abends versammelte sich die h.esigc Ortsgruppe de'Deut­schen Jugend, der die Braut als Mitglied an- gchörte, im Schloßgarten und führte unter Ge­sang mit Mandolineybeglellung einen wohlge­lungenen Fackelreigen auf, der mit dem Ab- brennen eines h ll lodernden Rei ighaufens einen wunderbaren Abschluß fand. Im An chluh am eine kurze Ansprache dankte der Bräutigam in bewegten Worten für das schön ge.u ig w Spiel und die dargebrachten Glückwünsche Im Schein t>'r brennende i Fackeln verabschiedete sich sodann die Braut von den ihr lieb gewordenen Angehörigen des Bundes durchs Händeschütteln. Anschließend hieran rückten die hie'igen Vereine geschlossen in einem Fackelzug mit Trornmel- ffang, voran der aus der Heimat des Bräutigams herbeigeeilte GesangvereinGermania"»Laubach, vor das Hauptportal des Schlosses. Nach dem Gesang dreier Lieder seitens des letztgenannten Vereins und des GesangvereinsRoth cher Män- ncrchrr"-Lich ergriff Bürgermeister Völker da­hier das Wort und überbrachte der fürstlichen Familie und besonders dem jungen Paare die Glückwünsche der Stadt Lich und ihrer Einwohner. In ein von dem Redner aufgebrachtes Hoch stimmte die überaus große Zahl der Zuschauer begeistert ein. Der Bräutigam b .rannte in be­redten Worten feine Liebe un> Treue zur engeren Heimat wie auch zum deutschen Vat.rland. dank e für die erwiese, er Aufmerk amkeiten un> brach e ein Hoch auf das Wohlergehen der Stadt L ch u: b ihrer Cinwohn rfchaft aus Zwei sih hier, n anschli hende Ge'angsvorträ^e der Geian sabtti- lung der GesellschaftGemütlichkeit" und des Männergefangvereins tja" dahier beendeten das to h.g lunpene Ständchen Am Sams agmit- tag 121 H h: fand die kirchliche Trauung in der hiesigen altehrwürdigen Mar'enstiftskirche statt. Eine große Menschenmenge war aus nah und fern hrrbeigeeilt, um der Handlung beizu­wohnen. Dis auf den letzten Platz war die Kirche besetzt. Die kirchliche Hand.ung wurde von Stistsdechant Lenz, hier vorgenommen. Der EingangsIPruch (Trautext) lautete:Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienon." Bei den Festgästen befand sich u. a. die Familie des früheren Großherzogs von Hessen.

~ Rodheim a. d. H., 15. Sept. Gestern fand in unterem Dorfe Bürger meist erwähl statt. Don 225 Wahlberechtigten traten 15? zur Wahlurne. Deren Stimmen verteilten sich auf die beiden Kandidaten: Landwirt Adolf Hof­mann II. 118 Stimmen, Beigeordneter Wilhelm Reichhardt II. 39 Stimmen.

Kreis Friedberg.

*Dad-Nauheim, 14. Sept. Zu einer Kundgebunggegen die Kriegs schul d- lüge hatten für heute vormittag die Vater­ländischen Verbände Oberhessens alle nationalgesinnten Männer und Frauen ein­geladen. Mehr als 1500 Einwohner Bad-Nau­heims und Hmgegenb hatten sich am Ort der Veranstaltung, in den staatlichen Trinkkuranlagen, versammelt. Auch zahlreiche Kurgäste sah man in der Menge. Bunte Fahnen und Banner der Va­terländischen Verbände und der National­sozialisten belebten das Bild. Unter Mitwirkung der Kapelle der ehemaligen 81er nahm die Ver­anstaltung einen erhebenden Verlaus. Sie bewies wiederum, daß die nationalen Kreise nicht gewillt sind, an den Folgen einer ungeheuren Lüge zu­grunde zu gehen. Die Versammlung wurde von Dr. Lenz -Gießen, dem Vorsitzenden der Vater­ländischen Verbände Oberhessens. geleitet. In sei­nen Begrützungsworten betonte er, daß die Schuld­frage eine Frage auf Leben und Tod für das deutsche Volk sei. Es gelte, unsere Ehre wiederher- zustellen, trotz der Widerstände, die sowohl vom feindlichen Ausland als auch von der deutschen sozialistischen und verwandten Presse ausgehen. Nach den Klängen eines alten Armeemarsches be­trat General von Wrisberg -Berlin die Rednertribüne. In wohldurchdachten Ausführun­gen gab er einen kurzen, aber inhaltreichen Heber» blick über das umfangreiche Material, das Deutsch­land zum Beweise seiner Unschuld vorlegen kann. Die Veröffentlichungen aus russischen und deut­schen Archiven, die Dokumente aus Brüssel und so manches andere Schriftstück lassen die Schuldfrage als hinreichend geklärt erscheinen. Poincarö ist der

Hauptrriegsyetzer gewesen: sranzösische Gelder ha­ben Rußland in den Stand gesetzt, seine Kriegs­vorbereitungen in großem .Umfange treffen zu kön­nen. In Rußland trieb die Partei der Großfür­sten und der rechte Flügel der Duma zum Kriege gegen die Mittelmächte. Der linke Dumaflügei war dagegen. Zwischen beiden Gruppen schwankte der Zar hin und her. Auch England ist mitschuldig.; Ein Wink nach Paris, und Petersburg, und die russische Mobilmachung wäre unterblieben. Aber England handelte nach seinem alten Grundsatz, daß die stärkste Macht auf dem Kontinen ver­nichtet werden müsse. Es hat sich nach einem Ge­ständnis der Saturday-Review seiner Handels- Rivalen immer durch den Krieg entledigt. Lebhaf­ter Beifall belohnte den Redner. -- Als zweiter Redner sprach Oberpostinspektor Sprenger- Frankfurt a. M. Er wies zunächst aus die schwere Schuld der Vorkriegsregierungen nach Bismarcks Abgang hin, der drohenden Kriegsgefahr nicht mit allen notwendigen Vorbereitungen begegnet zu sein. Auch habe unsere Diplomatie es nicht wie Bismarck verstanden, den Zusammenschluß der europäischen Großmächte gegen Deutschland zu verhindern. Rur in diesem Sinne kann von einer deutschen Schuld gesprochen werden.- 2p seinen weiteren Ausführungen behandelte er die schwe­ren Lasten, die das deutsche Volk unmöglich tra­gen könne. Mit dem Gesang des Deutschlandliedes und der Annahme einer Entschließung endigte die wohlgelungene, machtvolle Kundgebung in den Anlagen. Darauf nahm General von Wris­berg in der Allee den Vorbeimarsch der Ver­bände ab. Die Entschließung, die der Reichsregie­rung übersandt wird, hat folgenden Wortlaut: Die auf Einberufung seitens der Vereinigten Va­terländischen Verbände Oberhessens am Sonntag, den 14. September 1924 in den staatlichen Trint- furanlagen Bad-Nauheims überaus zahlreich ver­sammelten Einwohner ünd Kurgäste sind der festen Heberzeugung, daß ohne Beseitigung der schmachvollen Lüge von Deutschlands Schuld am Weltkriege ein Aufstieg aus tiefster Not unmög­lich ist. Aus diesem Grunde muß alles geschehen, um die deutsche Ehre durch Widerlegung der Kriegsschuldlüge wiederherzustellen. Wer ein rei­nes Gewissen hat, kann sich dieser Forderung nicht entgegenstellen. Das deutsche Volk aber darf nicht müde werden, immer wieder den Ruf nach Wahr­heit in die Welt hinauszusenden. Die Versamm­lung fordert deshalb von der Reichsregierung die unverzügliche Weiterverfolgung der schon ange­kündigten Aufrollung der Kriegsschuldfrage vor aller Welt, ohne sich durch irgendwelche Drohun­gen beirren oder einschüchtern zu lassen."

fpd. Bad-Nauheim, 15. Sept. Als Dr. Hermann Winter aus Speyer und Dr. Willi Haas aus Erlangen logierten sich Mitte voriger Woche in einem hiesigen Hotel zwei junge Leute ein. Am nächsten Morgen fuhren sie in einem Auto in der Richtung nach Frankfurt weiter. Kaurn hatte das Paar Nauheim verlassen, als ein Kurgast bemerkte, daß ihm aus seinem Hotelzimmer alle wertvollen Schmuck­sachen gestohlen waren. Als Diebe kommen zweifellos die beiden jungen Leute in Frage.

Hessen-Nassau.

][ Marburg, 14. Sept. Die Stille bet großen Ferien wurde heute durch mehrere große Veranstaltungen unterbrochen. So fanben anläß­lich der Roten Kreuz-Jubelfeier auf dem Marktplatz, &;r Ketzerbach und an der Nordschule Gesangs- und Dvkalkonzerte statt und dir Frei­willige Feuerwehr hielt mit der Sanitätskolonne -eine gemeinsame Hebung ab. Gleichzeitig veran­stalteten die Schüler der Landschulen im Sta­dion ein großes Wetturnen und in den Stadtsälen tagte unter großer Beteiligung der Taubstummen-Verein für Hes en-Na.-sau. In d r Stadt herrschte daher heute reger Fremdenverkehr.

fpd. Frankfurt a. M., 15. Sept. Sams­tag trafen in Frankfurt sechs französische, ameri­kanische, englische und belgische Offiziere der InterallliertenMilitär-Kontroll- k o m m i s s i o n ein und verweilten längere Zeit in den Diensträumen der zuständigen Polizei­behörden.

Turnen, Sport und Spiel.

Gauturnsahrt des Gaues Hessen

vw. Butzbach, 15. Sept.

Di^ Gauturnfahrt des Gaues Hes­sen fand am gestrigen Sonntag mit dem Ziel Butzbach statt. Bekanntlich müssen die Teilneh­mer zunächst einmal 2 Stunden Marsch za- rückgelegt haben, wenn sie sich an den turne­rischen Hebungen beteiligen wollen.

Gegen 9 Hhr vormittags trafen die Turner ein, um nach der Begrüßung and Konzert auf dem Marktplatz sich auf den schönen Sportplatz im Lustgarten zum Wetturnen zu begeben. Pünktlich, wie vorgesehen, ward begonnen und präzis wie stets das Programm durchgeführt. Das Wetturnen umfaßte Freiwettlauf, Kugelstoß 100-Meter-Lauf, Stabhochsprung und Pflichtfrei' übung.

Gegen 2Vs Mr bewegte sich ein imposanter Festzug, den eine prächtige Feuerwehrkapelle begleitete, und in welchem wohl 600 Turner der 5 Bezirke des Gaues Hessen mit ihren Fah­nen und Trommler- wie Pfeiferkorps waren, durch die geschmückten Straßen der Alt- und Neustadt nach unserem wundervollen Marktplatz. Bon dem Fenster des altertümlichen Rathauses be­grüßte der 1. Sprecher des hiesigen Turnvereins, Redakteur Schneider, die Gäste und Turner und betonte, daß der Turnverein Butzbach, der einen Friedrich Ludwig Weidig, einen Moritz Kuhl und einen Albert Wämser als Führer be­sessen habe, seine Tradition besitze. Bürger­meister Köhler hieß die Turner herzlich will­kommen und wünschte der Veranstaltung besten Verlauf. Sodann nahm der 1. Gauvertreter, Fabrikant Pfeiffer- Wetzlar, das Wort zu einer begrüßenden und begeisternden Ansprache, in der er die hohe Bedeutung des Turnwesertt in der Deutschen Turnerschaft und deren ernst« Aufgabe gerade in der heutigen Zeit hervorhob. Sie müsse die starke Seele in starkem Körper er­ziehen, sie müsse ihr redliches Teil mit dazu bei­tragen, um eine gesunde, edle, das Vaterland Ile- bendeIugend heranzuziehen. Sie müsse denTurner- WahlspruchFrisch. Fromm, Froh, Frei" wieder zu Ehren bringen. Dann werde sie durch die trüben Tage zu lichteren gehen, dann werde sie aushalten im Sturmgebraus, wie es im Turner­lied heiße. Hntcr Begleitung der Feuerwehr­kapelle fang die große Festverfammlung:O Deutschland hoch in Ehren, du heil'ges Land der Treu" und begab sich dann auf den großen Dportplah im Lustgarten. Dort fanden all­gemeine greiübungpn, an welchen sich