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Oer Alte auf Topper.
ytoman von Hanns von Zvbeltih.
44. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„3a, sah du den mal! Kommst bei den Kriegs- (äuften nicht mal über die Grenze."
»Sind eben die verfluchten windigen Franzosen 1 Ein Pack! Wär' bei Gott unter des hoch- seligen Königs Majestät nicht möglich gewesen. Erst der Friedrich hat die Dagage grost werden lassen, dah sie jetzo die erste Geige spielen darf. Das kommt auch aus sein Schuldbuch!"
»Auch. . . Zabeltitz . . ."
Diesmal ist's der Alte, der schluckt und schluickt. 3st ihm sehr desagreable — das — grab von dem Lasow, bei dem es immer leicht an dein schuldigen Respekt vor der Majestät gefehlt hat, dem der österreichische Offizier immer noch h.-im lich zum Rockkragen 'raussah. Gesagt ist aber gesagt, und es trotzt auch in dem alten wunden Herzen. So, dah er noch einmal sagt: „3a — die windigen Franzosen schreibt 3h°n Historie sicherlich auch ins Schuldbuch."
„Dorten wird noch diel arideres zu stehen kommen. Par exemple, wie Er mit der Armee herumzieht und die eigenen Provinzen im Stich säht, dah sie zugrunde gehen müssen. Soll mich nicht wundernehmen, wenn jetzt auch Berlin in Feindes Hand fällt. Wird wohl das Ende vom 2teÖ€ sein."
„Wieso? Das Ende von welchem Liede?" „3e nun —vom ganzen Fridericus ONagnus!" Da lacht der Toppersche. Gallebitter, aber er lacht. „Kennst ihn doch verflucht schlecht, den König. D^n kriegen sie nicht unter. Hat Kollm
überwunden und Hochkirch und Kunersdorf, wird auch jetzo die Metze Fortuna wieder zwingen. Sollst sehen! And das lab dir sagen: wenn sic ihn bei Lebzeiten ganz klein machen und wenn wir alle darüber ins Elend kommen, tiefer noch, als wir schon drinstecken — darum bleibt er doch Fridericus Magnus, von dem sie noch in späten Zeiten erzählen werden, wie vom Grohen Alexander oder vom Julius Casar." Hatte sich ordentlich aufgerichtet bei den Worten, hatte mit lauter Stimme gesprochen. Achte nun doch wieder die Hand des anderen und sagte fast weich: „Tut mir so leid um dich, Lasvw. Wollt' wohl, ich sand' ein rechtes Trostwort."
„Lab nur sein, Hans Ehrenreich. Da suchst du vergebens. Aber ich dank' dir für den guten Willen — ja — und so du mir sonst noch was Gutes antun willst, so [ab den alten Streit zwischen uns begraben sein. Rkan sargt ja noch Besseres ein als solch eine Lappalie."
„Das soll ein Wort sein, Lasow! Hab nun komm mit ins Haus. Sonsten, wenn wir Jank hatten, taten wir einen guten Trunk, und alles war gut. Heut — du mein Gott! — heut ist Küche und Keller teer. Kann dir grab nur zeigen, wie sie gehaust haben, die Hunnek."
Wahrhaftig: allenthalben hatten sie aus dem platten Lande bis Berlin hinunter gchaust wie die Hunnen, die Moskowiter, und die Oesterreicher unter dem wilden Lach nicht nrinber; allein in der Renmark waren gegen zweitausend Gehöfte der Flammen Raub geworden. Als sie dann wirllich die Hauptstadt eingenommen, ver
fuhren fic glimpflicher, legten ihr mir zwei Millionen Taler Kriegskvittributton auf und begnügten sich, die KöniAichen Schlösser zu Schönhaus«m und Charlottenburg zu devastteren. Blochten doch wohl für ihr Renommee vor ganz Europa fürchten — und dann: die Alliierten Ligen sich balde so in den Haaren bei dem ganzen Plünderungszug, bab es beinahe zum Schieben und Stechen gekommen wäre.
Dazu aber: am 9. Oktober waren sie in Berlin eingezogen, am 13. hoben sie sich wieder von dannen. Denn der Schrecken fuhr ihnen heillvs auf die Rach richt in die Glieder: der König kommt! Schon sein Rame reichte hin, sie zu scheuchen. So bab er, der Sovge um Berlin enthoben, sich in schnellen Märschen nach der Elbe wenden konnte, wo Feldmarschall Daun jetzt stand mitsamt den Reichsvölkem. Wie im Fluge trieb er die vor sich her, nahm Wittenberg wieder und Leipzig. Mit dun Daun freilich, mit dem war nicht so leicht abzurechnen, wie etwa mit Dem Herzog von Zweibrücken, der die armselige ReichS- armee kommandierte, der noch von Robbach her die Angst in den Buren steckte. Mit dem Daun: das kostete eine Schlacht.
Ist am 2. Rovember zu Eilenburg gewesen, dab ein paar Herren vom Hauptquartier im Wirtshaus zum Römischen Kaiser zusammensaben, bei der Flasche Pvntal, um einen langen Tisch, auf dem die Talglichter qualmten. Der Kruse- mart war da und Lentulus; bann fand sich ber Generalleutnant von Hülsen dazu unb, später am Abend, der alte Eichler, ber Kabinettsrat. Unb als grab, zufällig, ber Page Zabeltitz die Rase zur Tür 'reinstreckte, sie aber gleich erschraken vor den hohen Herren wieder zurückziehen wollte,
Vies ihm der LentutuS zu: .Spazier' ®r nut herein, mein Sohn. Sind berat Majestät schon zur Ruh gegangen?"
»Pirch hat heut dar Dienst, Herr General"
„Also komm Er nur. Mit Permission der Herren. Er kann sich mit der Lichtputzschere nützlich machen."
Sv hat sich Zabeltttz bescheiden an ein Eckchen gesetzt. Hatte auch wirllich zu tun, denn die Talq- ftrazeln klunkerten in einem fort, und eS ries halb der eine, bald der andere: „Iunkcr, tu Er sein Devoir." Dafür schob ihm Krusemark ein Glas Roten hin. Aber der Wein schmeckte ihm heut nicht, unb eigentlich hält' er lieber m feinen Kämmerlein oben untermDach gelegen unbgelxult; am Morgen war der lange Brief ber Frau Mutter gekommen mit den schlechten Rachrichten vom Einfall der Moskowiter, vom jammervollen Tode des guten alten Egid unb des lieben Magisters unb allem, was drum unb dran hing.
Hörte so kaum hin, was die Herren sprach, n, fing nur einzelne Brocken auf, das unb jenes, und im Grunde wenig Tröstliches. 3a, so manches patzte freilich zur eigenen Stimmung
Seltsam, freimütig sprachen sie heut, fast als achteten sie nicht des jungen Blutes am Tische.
„Messieurs." meinte der fünften so fd>iiKinfame Eichler einmal kummervoll, „so schlecht bei Humor wie jetzo hab' ich Seine Majestät nimmer gesehen. Selbst nicht nach der ÄuncrSborfev Bataille, wo ihn doch auch bas Desespoir gepackt hatte.' Wollen Sie mir's glauben, Meftieurs, bab er mir gestern gesagt hat: was ich auch tun mag. die Liebermacht erdrückt mich. 3ch hab' keine Hoffnung mehr auf dieser Welt."
(Fortsetzung folgt.)
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