Nr. <92 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Samstag, 16. August <92<
Erfahrungen Deutschlands int Luft» rnb des Krieges zu profitieren.
wird, von den ($rj
schifibau Währei
Landwirtschaft und Gartenbau
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denken geben.
unvollständige dein Zeitraum Liste dürfte machen.
kühler. Ein deutscher Gelehrter, Dr. Adrian Mohr, der sich jur Zeit in Reykjavik auf Island aufhält, hat gerade diese Zusammenhänge zwischen Mond und Wetter zum Gegenstand eingehender Untersuchuingen gemacht. Es würde zu weit führen noch besonders auf die Einwirkungen des Mondes auf das Pflanzen- und Tierleben einzugehen. Interessant sind jedenfalls die Beobachtungen und Messungen, die neuerdings angestellt worden sind, um die Beziehungen zwischen den Mondphasen und der Entwicklung der Keimzellen, sowie der Fortpflanzung aufzudecken, worüber Albert Pietsch in der „Umschau" überaus interessante Einzelheiten zu berichten weih.
Die Einflüsse von Sonne und Mond sind jedenfalls so deutlich, daß man durchaus mit Recht die Frage stellen darf, ob nicht auch von anderen Stellen des Kosmos gewisse Wirkungen ausgchen. Es ist ja erwiesen, das) die Planeten untereinander sich gegenseitig „stören" d. h. dah sie unter besonderen Umständen durch ihre Massen auf ihre Bewegungen verzögernd einwirken. Sv hat man, um nur ein Beispiel herauszugreifen, vor über achtzig Jahren bemerkt, daß der Planet Uranus sich etwas langsamer bewegte, als er es eigentlich „durfte", und man zog daraus den Schluß daß irgendein unbekannter Weltkörper in der Rahe diese Störungen verursacht. Man berechnete den vermutlichen Standort und die Große dieses unbekannten Planeten (Levrrrier m Paris führte diese Arbeit aus), und als man dann dir betreffende Stelle des Himmels genau durchforschte entdeckte man (im Jahre 1846) einen bis dahin unbekannten Planeten, den wir heute als Reptun kennen. .
Wenn man sich diese Einzelheiten überlegt, und wenn man weiß, welche wunderbaren Wechselwirkungen im Kosmos sich zeigen, so wird es nicht mehr phantastisch klingen, wenn man angesichts der gegenwärtigen Marsnähe die Frage aufwirft, ob dieser Planet auf unsere Erde nicht irgendwelche Störungen auszuüben vermag, und zwar Störungen, dir sich sowohl in meteorologi-
dl°sammlung der Schmetterlingsblütler verzichten und sie durch starke N= und K-gaben zwingen, die Dotenphosphorsäure freizumachen. Jedoch ist zu beachten, daß starke dl-düngung die Leguminosen gerade zurückdrängt und der N doch zu teuer geworden ist und seine Rentabilität mit der Stärke der Düngung abnimmt. Dagegen sind Zauche Kompost und menschliche Exkremente ganz brauchbare Stickstoffdünger für. eine Wiese, trenn auch Kot die Beschaffenheit des Futters verschlechtert.
Aus vorstehendem folgt, daß es sich wohl lohnt, die Wiesenflächen, die Mutter der Wirtschaft' intensiv zu düngen, denn: „Gute Wiesen sind die Stühe der Viehzucht, die Hilfe des Ackerbaus und das Kleinod des ländlichen Besitzers." (Aepomuk Schwerz.)
scher wie auch in anderer Hinsicht bemerkbar machen können.
Es ist sehr auffallend, daß wir in den letzten Wochen eine ununterbrochene Kette von Wetterstürzen erlebten, daß aus allen Teilen der Welt Rachrichten vorliegen über schwere Hagelwetter von vernichtender Wii-kung, über Hochwasserkatastrophen. Erdbeben, Wirbel st ürme und ähnliche Erscheinungen. Am 7. August war in Reuyork der heißeste Tag seit vielen Jahren, so daß Tausende die Rächt im Freien zubrachten. 3n Spanien herrscht seit Wochen in den Provin.zSn Kastilien und Aragonien eine solche Gluthitze, daß die Landschaft, da seit hundert Tagen kein Regen mehr gefallen ist, einer Wüste gleicht und die Bauern in Auswandererzügen ihre Dörfer verlassen, um nicht zu verdursten. Große Hochwasserkatastrophen werden aus Südfrankreich, Süd- slavien und Rordchina gemeldet, Erdbeben aus Japan, Wirbelstürme aus Südjapan, Indien und Amerika. In London schüttete ein Orkan Regen
massen zur Erde wie seit mehreren Jahrzehnten nicht. Das alles ist nur eine sehr kleine und Liste von Anglücksbotschaften aus einer einzigen Woche. Aber diese vielleicht doch viele nachdenklich
starke magnetische Füder, gewissermaßen eine Art drahtloser Telegraphie, deren Kontaktwirkuncen für uns zuweilen in katastrophaler Weise in Erscheinung treten. Infolge der elektro-nulgneti- schen Spannungen, die von den Sonnenflecken hervorgerufen werden, werden nämlich die Luftdruckverhältnisse unserer Erde fortgesetzt verändert, und zwar bis tief in die Schächte der Bergwerke. Bei plötzlich einsetzender Druckabnahme entweichen die eingeschlossenen Gase aus ten Gesteinsspalten und entlaßen sich in jenen gefürchteten „Ochla- qenden Wettern", denen schon viele Bergleute zum Opfer gefallen sind. Die engen Beziehungen, die zwischen Sonnenflecken und „Schlagenreni Wettern" bestehen, sind längst einwandfrei erwiesen, und so ist ed möglich geworden, eines Warnüngsdienst zu schaffen.
älm die gewaltige Wirkung der Sonnew- flecken verständlich zu machen, sei noch bmrertt, daß diese Flecken oft eine Ausdehnung haben, die dem zehn- bis zwanzigfachen Erdducchmelser entspricht. _ „ , , .
Die Einwirkungen des Mondes auf unsere Erde sehen wir am deutlichsten an den Gezeiten (Ebbe und Flut). ^Welche ungeheuren Kräfte hierbei im Spiele sind, können wir überhaupt nicht abschätzen. Es ist aber nicht übertrieben, wenn man sagt, daß alle bereinigten Maschinenkräfte unserer Erde nicht imstande wären, eine gleich große Bewegung der Wafser- massen hervorzurufen, wie der Mond es vermag. Die Anziehungskraft des Mondes äußert sich aber weiterhin noch darin, daß er auch die festen Landmassen in ähnlicher Weise beeinflußt und die Erdkruste an den Stellen, auf die der Mond wirkt, um etwa 30 Zentimeter hebt. Zugleich über'erzeugt der Mond im Luftozean ter Erde, qenau wie auf den Meeren, die Erscheinung von Ebbe und Flut. Er entzieht dcckmrch antereri Teilen der Erte Luftmassen, so daß sich dort, infolge der geringeren Luftmenge die Kälte des Weltraumes auf die Erdoberfläche viel starker । bemerkbar macht. Mit anderen Worten: es wird
In der Kenntnis kosmischer Wirkungen steht unsere Wissenschaft, trotz aller glänzend' Leistungen, noch immer erst am Anfang, älnd deshalb gehört es zu ihren Aufgaben, nicht nur die rein physischen Elemente ter Gestirne zu untersuchen sondern auch jene andern Beziehungen aufzuyellen, die heute noch durchaus ungeklärt sind, aber immerhin bereits geahnt werten. Vielleicht birgt der Mars nicht nur auf seiner Oberfläche (nämlich in seinen Meeren, Landmaiien, „Kanälen" und den weißen Polflecken) gea'iäe Rätsel, sondern es ist sehr wahrscheinlich, oaß seine Rähe uns noch ganz andere Geheimirrsw enthüllt, die uns er^nm^n lasten und uns t.1
in diesem Gebiet allein 1 1 775 Wohnungen mit 42000 Zimmern beschlagnahmt wurden. Dieser Zivilbeamtenapparat wurde planmäßig zur Verdrängung der deutschen Derwaltu n g sbehörden an gesetzt. Mit seiner Hilfe führte ter nrter- alliierte Ausschuß das gegen Wortlaut und Geist des Rheinlandabkommens verstoßende Verbot der Gültigkeit gewisser deutscher G e s e h e im Rheinland durch. Mit seiner und der Desatzungstruppen Hilfe ist die deutsche Polizeigewalt im besetzten Gebiet beschränkt worden, obgleich die Aufrechterhaltung der öffentliche Ordnung als wichtigste'Angelegenheit ter Zivilverwaltung ausdrücklich im Rheinlandabkommen den deutschen Behörden überlassen worden ist. Die Beiseiteschiebung der deutschen Behörden ist dadurch erreicht worden, daß die leitenden Beamten ter deutschen Verwaltung ausgewiesen worden sind. In der französischen Zone des Rheinlandes sind heute noch 99 Prozent der leitenden deutschen höheren Beamten ausgewiesen. Kein einziger Landrat hatten sein Amt zurückkehren dürfen. In Wiesbaden können gegenwärtig txm^35 höheren deutschen Beamten nur 5 ihre Tätigkeit ausüben. Kontrollbesuche von Beamten ter Berliner Zentralbehörden müssen vorher bei den Franzosen angemeldet und von ihnen genehmigt werden, älnd die Verordnung ter Rheinlandkvmmission Rr. 205 beansprucht für die französischen Besat- zungsbehörten das Recht der Ernennung von Beamten durch die Franzosen.
Aus diesen wenigen Tatsachenangaben wird für jeden klar, daß die deutsche Verwaltungs- Hoheit im Rheinland zur Zeit so gut wie gamicht besteht, älnd es ist nur eine ter verschiede non deutschen Forderungen, daß durch die Londoner Verhandlungen eine Handhabe erreicht wird, die diesen skandalösen, gegen die deuts/che Verteil- I tungshoheit und gegen die geschriebenen Verträge verstoßenden Zuständen ein Ende bereitet und | unser gutes Recht wieder herstellt.
Die Erdbeerbeete im August.
Je sorgfältiger die Pflege ter Erdbeerbeete ist, um so reichlicher und länger werten sie tragen und um so besser werten die Früchte sich entwickeln. Hierzu gehört in erster Linie das rechtzeitige Entfernen ter Ranken, einer Arbeit, die bis Ente des Monats durchgeführt werten sollte. Die Ranken, welche manche Sorten in überreicher Menge entwickeln, schwächen die Stöcke und saugen, wenn man sie noch länger beläßt, den Boden aus. Es gibt zwar in den Hausgärien auch sogenannte Erdbeerwiesen, an denen kaum etwas geschieht, aber die Früchte bleiben klein, sie sind oone das köstliche Aroma und ter Tummelplatz für Schnecken, Tausendfüße und äbn» liches Gelichter. Bei ter Arbeit des Abrankens werten auch alle alten und fleckigen Blätter entfernt, ter Boden von ilnfraut gereinigt, gelockert und schließlich mit kurzem Pferdedung belegt. Ob man bei dieser Gelegenheit noch eine Stickstoffgabe in Form künstlicher Düngemittel anwendet, hängt von der Beschaffenheit ces Bodens ab. Ist dieser nahrhaft und schwer, dann unterbleibt sie besser, weil einseitige Stickstoffdünger bei Erdbeeren nur viele und große Blätter erzeugt, auch die Blüten leicht fehlschlagen. . m
Der August ist auch die beste Zeit zur Vornahme neuer Grdbeeranlagen. Der Boden süc Erdbeeren muß tiefgründig, locker und im letzten
Der gegenwärtige Stand der Wiesendüngung.
Eine Wiese besteht aus Gräsern, Kleearten, Kräutern und leider auch Unkräutern. Da jede dieser Gruppen auf eine Düngung anders reagiert ist ein Düngungsversuch hier nicht so einfach zu beurteilen. Er muß jedenfalls mehrere Jahre fortgeführt werten und in der Wirkung auch die Güte des Heus berücksichttgen. Professor Wagner-Darmstadt hält eine Ersahdüngang für unnötig solange ter Gehalt des Heus bei 15 Proz. Feuchtigkeit: 2 Proz. Kali (K), 0,65 Proz. Phosphorsäure (P) und 1 Proz. Kalk (Ca) aufweist. Da aber die einzelnen Wiesenpflanzen samt Unkräutern verschiedenen Mineralgehalt haben, so genügt diese chemische Untersuchung doch nicht völlig, zumal durch die Düngung ter Bestand bald wechselt.
Die Grundlage ter gesamten Düngung ist die mit K und P. Besonders wird K viel verbraucht, so daß vorübergehend sogar einseitige! l<°Tüngung richttg sein Lum. 50 Pfund reines K ist die Mindestgabe je V4 Hektar. In guten Verhältnissen ftjnn man bis 100 Pfund herauf- gef>en.
Eine Kalkdüngung ist sehr notwendig, weil sie in vieler Hinsicht wirkt. Ca stumpft die Säure ab macht den Boten warm und gar und zieht das' Chlor, ein Pflanzengift, das mit dem Kali auf die Wiese kommt, mit sich in den Untergrund. Der Kalkgehalt im Thomasmehl ist jedenfalls völlig unzureichend.
Die Sttckstoffdüngung der Wiesen ist ein umstrittenes Kapitel: Da eine gute Wiese za 25 Proz. aus Schmetterlingsblütlern bestehen soll, die Luststtckstvfs sammeln, so ist Stickstofszufahr (N) nur nötig, um schlechte Wiesen auf die Höhe zu bringen, zumal Ackerfrüchte, z. B. Kartoffeln, eine um 75 Proz. bessere Ausnutzung gewährleisten.
Daher hat sich auch das System Reubauer nicht durchsetzen können, das sehr starke dl-gaben und fast monatliche Mahd empfahl.
Bei Dewässerungswiesen und künstlicher | Trocknung oder Haltbarmachung in Futtertür- | men mag es am Platze sein.
Gin anderes System (Aereboe-Wrangell) hat I viel von sich reden gemacht. Es will auf die
Marsnahe und Erdkatastrsphen.
Einwirkungen ans dem Weltenraum.
Don unserem wissenschaftlichen W.-QItitarteiter.
Am 23. August wird, wie bereits bekannt, der Planet Mars sich in ter größten Erdnähe befinden und die Entfernung, die Mars und Erde trennt, wird an diesem Sage nur noch etwa 55 Millionen Kilometer betragen, während ter Mars auf seiner Dahn um die Sonne in der größten Entfernung 400 Millionen Kilometer von ter Erde wegrücken kann. Man kann durchaus ernsthaft und vollkommen wissenschaftlich begrüntet die Frage stellen, ob nicht die ungewöhnliche Annäherung des Mars auf den Zustand unserer Erde irgendwelche Einflüsse auszuüben vermag.
Daß solche kosmischen Wirkungen tatsächlich bestehen, formen wir ja ganz deutlich an Sonne und Mond beobachten. Ganz abgesehen davon, daß alles Leben auf ter Erde durchaus von ter Licht- und Wärmestrahlung ter Sonne ate hängt, ist es wissenschaftlich erwiesen, daß auch die Sonnenflecken, die zuweilen beobachtet werten, den ganzen Zustand unserer Erde ganz gewaltig berinflussen. Was wir als Sonrvew- flecken erkennen, sind nicht, wie man früher annahm. Erkaltungserscheinungen an ter Sonnen- Oberfläche, sondern ungeheure Wirbelstürme, deren Entladungen nicht nur den Luft- mantel ter Erte in stürmische Bewegung bringen und starke Gewitter und Hagelfälle verursachen, fontern die auch den ganzen elektro- magnetischen Zustand unserer Erde in stärkste Anruhe versehen. Man hat bemerkt, teß in Zeiten ter Sonnenfleckenpei-ioten sich die Polarlichter besonders häufig zeigen und daß infolge ter Einflüsse auf den Erdmagmtismus die Radeln ter Kompasse in nervöses Schwanken geraten und bon ter Rord-Süd-Richtung erheblich abweichen. Zwischen Sonne und Erte bi,.- ten sich als Auswirkung ter (ätxnnenflaßen)
Der Transatlantik-Flug. I
Von James D. W h a r t v n.
Ein bekannter amerikanischer Journalist, ter in engster Fühlung mit ter amerikanischen Abnehme- kommis ton des Riesenluf schifses Z. R. 3 steht, sendet uns solvente Ausführungen über den Lus k eu- zer, ter binnen kurzem seine Reise über den Antiantischen Ozean an- treten wird.
3n Fachkreisen ist man der Ansicht, daß die weitere Entwicklung der amerikanischen Luftschifffahrt davon abhängen wird, wie ter Z. R. 3, das riesige lenkbare Luftschiff, das seit 2 Jahren bei der Zeppelin-Luftschiffwerft im Dau war. sich bei dem Transatlantic-Flug. der im Herbst dieses Zahres flattfinten soll, bewähren wird. Z. R. 3 (Zeppelin Rigid 3) ist das letzte Luftschiff, das von Deutschland unter den Bedingungen des Versailler Friedens Vertrages an die Verbandsmäch e abgeliefert werten muß. Eine Re<he derartiger I Fahrzeuge sind bereits im Laufe ter Zeit an ' J>ie verschiedenen Mächte übergeben worden, und zwar je drei an Frankreich und Italien, zwei an England, eins an Japan und nunmehr eins an die Vereinigten Staaten. Einige dieser Fahrzeuge gingen entweder durch ^Inglucksfälle zugrunde, intern sie unter großem Rlenschenverlust explodierten, wie ein englisches über Hutt, ein anderes im Mittelmeer, andere wurden als unbrauchbar abmontiert. Diese Tatsache könnte ein voreiliges Urteil gerechtfertigt erscheinen lassen, daß auch die Aussichten für den Z. R. 3 wenig günstig sind. Trotzdem erscheint mir ein derartiges Urteil nicht am Platze aus dem einfachen Grunde, weil es sich hierbei nicht um eine rein militärische Angelegenheit handelt, sondern um ein kaufmännisches Unternehmen, bei welchem nüchterne Be- rechunng entspricht. In Akron-Ohio ist näm- I lich von feiten Amerikas eine Organisation ins Leben gerufen worden, die Goodyear Zeppelin Corporation, die in enger Fühlung mit den deutschen Zeppelinwerken steht und de an dem Erfolg des Z. R. 3 aufs innigste interessiert ist. Diese Gesellschaft beabsichtigt nach einer erfolgreichen Durchführung des Transatlantikfluges weitere noch größere lenkbare Luftschiffe ähnlichen Thpes für transkontinentale und transatlantische Passagierfahrten zu bauen.
Rach den Bedingungen des Versailler Frie- tensvertrages darf Deutschland für sich selbst feine weiteren Luftschiffe des Zeppelintyps bauen. Es । ist daher ganz natürlich, daß eine so große Industrie wie ter Luftschiffbau in Deutschland alles daran sehen wird, um sich nach Möglichkeit zu erhallen, um so mehr, als diese Industrie ursprünglich für Handelszwecke ins Leben gerufen wurde. .Man hat deshalb den einzigen vernünftigen Weg gewählt und sich mit einer entsprechenden 3nterftrie in einem ter aiussichts- vvllsten, über umgehende Entwicklungsmöglichkei- ten verfügenden Staate verbunden. Die Bedeutung dieses Schrittes ist außerordentlich weit- tragend, drückt sie doch nichts weniger aus, als daß ter weltberühmte Luftschiffbau Zeppelin aus Friedrichshafen am Bodensee damtt nach Akron- Ohio verpflanzt wird. Daß ter große Konzern damit amerikanisiert wird und ter Rame Zeppelin für We nichtdeutsche Welt einen wenig angenehmen Beigeschmack, den er während des Krieges hatte, verliert. Aus diesem Grunde werten auch die ganzen Vorgänge bei der Ablieferung des Z. D 3 grundverschieden sein von den Maßnahmen, die man bei ter iletergabe ter unter dem Fri^ensvertvage abgelieferten anderen Fahrzeuge beobachten konnte. Die Zeppelin- aesellschaft ist <5k ter glücklichen Durchführung des Transatlanttkfluges ebenso interessiert, als die amerikanische Flvttenbehörte oder irgend eine andere Firma. Die Gesellschaft hat aus leicht erklärlichen Gründen bisher stets verschwiegen, bäh ter Z. R. 3 unter den Verpflichtun- gen des V ersailler.Friedens vertrage s gebaut wurde. Es kann kein Zweifel bestehen, daß die Zeppelingesellschaft nichts unversucht lassen wird, um eine unbeschädigte Ablieferung des Z. R. 3 an die Fkottenbehorde sichrrzußellen und, was wichtiger ist, sich für dessen Beibehaltung in amerikanischem Luftverkehr einzusetzen. Denn mit ter Ablieferung wird eine Lin mässe von Erfahrungsmaterial ' Berechnungen und technischen Einzelheiten nach Amerika überführt werden, das die amerikanische Flottenbehörde in den Stand sehen
In ter Ablieferung dieses letzten Fahrzeuges [ besteht außerdem ein großer Unterschied im Vergleich zu den früher unter den Bedingungen des Frietensverträges abgeliefcrten Zeppelinen. Die letzteren waren meist alte Schiffe, d.e während des Krieges im militärischen Dienste gegen die Der- I bandsmächte Verwendung gefunden ha ten. Die e Tatsache lieh auf beiden Seiten wenig Freute bei dem ilebergateaft aufkommen. Der Geist, ter damals die Deutschen bei ter Ablieferung befreite, geht aus den Worten des deutschen Komman- I bauten, ter ten Z. R. 113 an Frankreich ablieferte, hervor, die folgendermaßen lauteten: „Hier ist Ihr Schiff, ich beglückwünsche Sie zu ter Heber- gäbe, denn es ist ein vorzügliches Fahrzeug. Persönlich wünsche ich Ihren alles Gute, aber als I Ihr früherer Gegner hoffe ich, teih Eie es morgen in Grund "flnb Boten fahren." Dieser Wunsch ging zwar nicht in Erfüllung, doch wurde das Fahrzeug sehr bald als unbrauchbar demontiert. I
Die hauptsächlichste Gefahr für die • Durchführung eines regelmäßigen Luftschisfd enstes der amerikanischen Flottentehörte liegt darin, daß weder Amerika noch irgendeine andere alliierte Ration bisher in der Führung von Luftschiffen irgendwelche Erfahrungen gesammelt hat. Das „leichter als dies Luftfahrzeug" ist eine Erfindung Deutschlands. Deutschland erfand die Type und entwickelte sie. Deutsch- I land war die einzige Ration, die lenkbare Luft- I schiffe während tes Krieges anwandte und die I teSbaCb in ten vier Jahren äußerst wertvolle Erfahrungen sammelte. Die Führung eines Luftschiffes verlangt Instinkt. Man muh stets bedacht sein, das ganze ungeheure Fahrzeug in ständiger Harmonie zu halten. Der deutsche Pilot erklärte mir, daß es mehr eine Kunst als eine Wissenschaft ist. Wie ter in der Ebene Lebende sich erst mühsam an die Kunst tes Bergsteigens gewöhnt, so dauert es lange, bis sich der Laie an die Führung eines Luftschiffes gewöhnt. Die amerikanische Flottenbehörde hat allerdings im Bau und in ter Führung tes amerikanischen Luftkreuzers „Shenandoah" gewisse Erfahrungen gemacht, de
ihr zustatten kommen. Z. R. 3 soll ein Handels- I I luftschiff werten, aus welchem Grunde die praktischen Auswirkungen tes Transatlantitfluges besonderes Interesse verdienen. Anrerika hat zwar noch nicht selbst einen Tvansatlantikflug bisher unternommen, doch ist ein derartiger Flug bereits erfolgreich durchgcführt worden. Der R. 34, ein englisches Luftschiff nach dem Modell eines Zeppelins, flog bereits von England nach Reuyork, ergänzte dort das Betriebsmaterial und kehrte | nach England zurück. Die Reife des Z. R. 3 ist I daher mehr aus dem Grünte interessant, daß sie ter Vorläufer eines regelmäßigen transatlantischen Flugdienstes werten fiaim, als wegen ter absoluten Neuheit dieses Vorgangs.
Das Fahrzeug wird nach Ankunft in Lake- Hurst das Eigentum deramerikanischen Flottenbehörde werten. Was diese damit tun wird, ist bisher Geheimnis. Man hat borge- schlagen, sie dem Präsidenten Cvolidge als Luftjacht anstatt seiner bisherigen Vacht Matzflower" zu überlassen oder es als Flaggschiff ter amerikanischen Luftflotte zu benutzen. Auch dessen Indienstnahme für einen transkontinentalen Dienst Reuyvrk-Chicago oder einen transatta wischen Dienst Amerika-Europa tourte vvrgeschlagen. Wahrscheinlich wird das Fahrezug kaum für den letztgenannten Dienst in Frage kommen, da die Fachleute es hierfür zu klein halten und meinen, daß hierfür Zeppeline von doppeltem Ausmaß des Z R. 3 erforderlich seien. Die an tem Ausbau des Hantelsluftverkehrs interessierten Parteien nehmen an, daß Z. A. 3 ter Vorläufer einer Reihe von anderen Luftschiften werden wird, die zwar von ähnlichem Typ aber von größerem Ausmaß sein trerten und hie dann in den verschiedenen Luftverkehrslinien Verwendung finden sollen.
* * *
Wir f)aben die obigen Auslassungen wörtlich zum Abdruck gebracht, weil sie beweisen, mit welch geradezu brutaler SelMverständllchkeit unsere Kriegsgegner das angebliche Recht vertreten, aus tem Diktat von Versailles Ruhen ziehen zu können. Sollte nicht auch die Aufnahme eines Kampfes um die Deutscher Hal iung ter Zeppeline eine Ehrenaufgabe ter Gegenwart sein?- Die Echriftleitung.
Die Fremdherrschaft am Rhein.
Das • Sachverständigengutachten verlangt als Voraussetzung der- Durchführung der in ihm ent- ' haltenen Reparationsvorschläge u. a. die Wiederherstellung ter-' fiskalischen Einheit des deutschen Reiches. Wenn darunter natürlich auch in erster Linie die Wiederherstellung der deutschen Steuerhoheit verstanden werden muß, so ist doch bei den inneren Derwaltungszusammenhän- gen klar, daß dadurch im allgemeinen die Wiederherstellung der deutschen Verwaltungs- Hoheit gefordert wird. Man hat sich im unbesetzten Deutschland keine rechte Vorstellung davon machen tonnen, in welchem Maße die staatliche Hoheit im besetzten Gebiet tatsächlich ausgeschaltet ist. Bei den Friedensverhandlungen ist seinerzeit zugesichert worden, daß die Stärke ter ins Rheinland zu legenden Besahungstruppen etwa der Stärke der ehemaligen deutschen Truppen in diesem Gebiet entsprechen soll. Statt der 70 000 Soldaten, die vor dem Kriege dort in Garnison lagen, sind aber allmählich ins altbesehte Gebiet rund 1 4 0000 fremde Soldaten gelegt worden. Zu ihrer Unterhaltung und Sicherheit ist dann allmählich ein ziviler Verwaltungsapparat. der alle Grenzen des Berechtigten überschritten hat. entwickelt worden.
Im Interesse der Sicherheit der Desahungs-- truppen waren durch das Rheinlandabkommen den Alliierten gewisseKvntrollrechtezu- geftanten Worten. Die Zivilverwaltung sollte jedoch in deutsch en Händen bleiben. Das Rheinlandabkommen sieht einen interalliierten AusschuhvonvierPer- fönen vor. Aber schon nach zwei Jahren wa- । ren allein in Koblenz 1300 Zivil- beamte der Alliierten, dazu noch 12 Bezirks- telegierte mit je 20 Personen, die über das Land I verteilt waren Die Mehrzahl dieser Zivilbeamten brachten ihre Verwandten mit, für die |


