Ausgabe 
16.8.1924
 
Einzelbild herunterladen

Nr. <92 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Samstag, 16. August <92<

Erfahrungen Deutschlands int Luft» rnb des Krieges zu profitieren.

wird, von den ($rj

schifibau Währei

Landwirtschaft und Gartenbau

ert

denken geben.

unvollständige dein Zeitraum Liste dürfte machen.

kühler. Ein deutscher Gelehrter, Dr. Adrian Mohr, der sich jur Zeit in Reykjavik auf Island auf­hält, hat gerade diese Zusammenhänge zwischen Mond und Wetter zum Gegenstand eingehender Untersuchuingen gemacht. Es würde zu weit füh­ren noch besonders auf die Einwirkungen des Mondes auf das Pflanzen- und Tierleben ein­zugehen. Interessant sind jedenfalls die Beobach­tungen und Messungen, die neuerdings ange­stellt worden sind, um die Beziehungen zwischen den Mondphasen und der Entwicklung der Keim­zellen, sowie der Fortpflanzung aufzudecken, worüber Albert Pietsch in derUmschau" über­aus interessante Einzelheiten zu berichten weih.

Die Einflüsse von Sonne und Mond sind jedenfalls so deutlich, daß man durchaus mit Recht die Frage stellen darf, ob nicht auch von anderen Stellen des Kosmos gewisse Wirkungen ausgchen. Es ist ja erwiesen, das) die Planeten untereinander sich gegenseitigstören" d. h. dah sie unter besonderen Umständen durch ihre Massen auf ihre Bewegungen verzögernd einwirken. Sv hat man, um nur ein Beispiel herauszugreifen, vor über achtzig Jahren bemerkt, daß der Planet Uranus sich etwas langsamer bewegte, als er es eigentlichdurfte", und man zog daraus den Schluß daß irgendein unbekannter Weltkörper in der Rahe diese Störungen verursacht. Man be­rechnete den vermutlichen Standort und die Große dieses unbekannten Planeten (Levrrrier m Paris führte diese Arbeit aus), und als man dann dir betreffende Stelle des Himmels genau durch­forschte entdeckte man (im Jahre 1846) einen bis dahin unbekannten Planeten, den wir heute als Reptun kennen. .

Wenn man sich diese Einzelheiten überlegt, und wenn man weiß, welche wunderbaren Wechsel­wirkungen im Kosmos sich zeigen, so wird es nicht mehr phantastisch klingen, wenn man angesichts der gegenwärtigen Marsnähe die Frage auf­wirft, ob dieser Planet auf unsere Erde nicht irgendwelche Störungen auszuüben vermag, und zwar Störungen, dir sich sowohl in meteorologi-

dl°sammlung der Schmetterlingsblütler verzichten und sie durch starke N= und K-gaben zwingen, die Dotenphosphorsäure freizumachen. Jedoch ist zu beachten, daß starke dl-düngung die Legumi­nosen gerade zurückdrängt und der N doch zu teuer geworden ist und seine Rentabilität mit der Stärke der Düngung abnimmt. Dagegen sind Zauche Kompost und menschliche Exkremente ganz brauchbare Stickstoffdünger für. eine Wiese, trenn auch Kot die Beschaffenheit des Futters ver­schlechtert.

Aus vorstehendem folgt, daß es sich wohl lohnt, die Wiesenflächen, die Mutter der Wirt­schaft' intensiv zu düngen, denn:Gute Wiesen sind die Stühe der Viehzucht, die Hilfe des Ackerbaus und das Kleinod des ländlichen Be­sitzers." (Aepomuk Schwerz.)

scher wie auch in anderer Hinsicht bemerkbar machen können.

Es ist sehr auffallend, daß wir in den letzten Wochen eine ununterbrochene Kette von Wetterstürzen erlebten, daß aus allen Teilen der Welt Rachrichten vorliegen über schwere Hagelwetter von vernichtender Wii-kung, über Hochwasserkatastrophen. Erdbeben, Wirbel st ürme und ähnliche Erscheinungen. Am 7. August war in Reuyork der heißeste Tag seit vielen Jahren, so daß Tau­sende die Rächt im Freien zubrachten. 3n Spa­nien herrscht seit Wochen in den Provin.zSn Ka­stilien und Aragonien eine solche Gluthitze, daß die Landschaft, da seit hundert Tagen kein Regen mehr gefallen ist, einer Wüste gleicht und die Bauern in Auswandererzügen ihre Dörfer ver­lassen, um nicht zu verdursten. Große Hochwasser­katastrophen werden aus Südfrankreich, Süd- slavien und Rordchina gemeldet, Erdbeben aus Japan, Wirbelstürme aus Südjapan, Indien und Amerika. In London schüttete ein Orkan Regen­

massen zur Erde wie seit mehreren Jahrzehnten nicht. Das alles ist nur eine sehr kleine und Liste von Anglücksbotschaften aus einer einzigen Woche. Aber diese vielleicht doch viele nachdenklich

starke magnetische Füder, gewissermaßen eine Art drahtloser Telegraphie, deren Kontaktwirkuncen für uns zuweilen in katastrophaler Weise in Er­scheinung treten. Infolge der elektro-nulgneti- schen Spannungen, die von den Sonnenflecken her­vorgerufen werden, werden nämlich die Luftdruck­verhältnisse unserer Erde fortgesetzt verändert, und zwar bis tief in die Schächte der Bergwerke. Bei plötzlich einsetzender Druckabnahme entweichen die eingeschlossenen Gase aus ten Gesteinsspalten und entlaßen sich in jenen gefürchtetenOchla- qenden Wettern", denen schon viele Bergleute zum Opfer gefallen sind. Die engen Beziehungen, die zwischen Sonnenflecken undSchlagenreni Wettern" bestehen, sind längst einwandfrei er­wiesen, und so ist ed möglich geworden, eines Warnüngsdienst zu schaffen.

älm die gewaltige Wirkung der Sonnew- flecken verständlich zu machen, sei noch bmrertt, daß diese Flecken oft eine Ausdehnung haben, die dem zehn- bis zwanzigfachen Erdducchmelser entspricht. _ , , .

Die Einwirkungen des Mondes auf unsere Erde sehen wir am deutlichsten an den Gezeiten (Ebbe und Flut). ^Welche ungeheuren Kräfte hierbei im Spiele sind, können wir über­haupt nicht abschätzen. Es ist aber nicht über­trieben, wenn man sagt, daß alle bereinigten Maschinenkräfte unserer Erde nicht imstande wären, eine gleich große Bewegung der Wafser- massen hervorzurufen, wie der Mond es vermag. Die Anziehungskraft des Mondes äußert sich aber weiterhin noch darin, daß er auch die festen Landmassen in ähnlicher Weise beeinflußt und die Erdkruste an den Stellen, auf die der Mond wirkt, um etwa 30 Zentimeter hebt. Zugleich über'erzeugt der Mond im Luftozean ter Erde, qenau wie auf den Meeren, die Erscheinung von Ebbe und Flut. Er entzieht dcckmrch antereri Teilen der Erte Luftmassen, so daß sich dort, infolge der geringeren Luftmenge die Kälte des Weltraumes auf die Erdoberfläche viel starker bemerkbar macht. Mit anderen Worten: es wird

In der Kenntnis kosmischer Wirkungen steht unsere Wissenschaft, trotz aller glänzend' Leistungen, noch immer erst am Anfang, älnd des­halb gehört es zu ihren Aufgaben, nicht nur die rein physischen Elemente ter Gestirne zu unter­suchen sondern auch jene andern Beziehungen aufzuyellen, die heute noch durchaus ungeklärt sind, aber immerhin bereits geahnt werten. Viel­leicht birgt der Mars nicht nur auf seiner Ober­fläche (nämlich in seinen Meeren, Landmaiien, Kanälen" und den weißen Polflecken) gea'iäe Rätsel, sondern es ist sehr wahrscheinlich, oaß seine Rähe uns noch ganz andere Geheimirrsw enthüllt, die uns er^nm^n lasten und uns t.1

in diesem Gebiet allein 1 1 775 Wohnungen mit 42000 Zimmern beschlagnahmt wurden. Dieser Zivilbeamtenapparat wurde planmäßig zur Verdrängung der deutschen Derwaltu n g sbehörden an gesetzt. Mit seiner Hilfe führte ter nrter- alliierte Ausschuß das gegen Wortlaut und Geist des Rheinlandabkommens verstoßende Verbot der Gültigkeit gewisser deutscher G e s e h e im Rheinland durch. Mit seiner und der Desatzungstruppen Hilfe ist die deutsche Po­lizeigewalt im besetzten Gebiet be­schränkt worden, obgleich die Aufrechterhal­tung der öffentliche Ordnung als wichtigste'An­gelegenheit ter Zivilverwaltung ausdrücklich im Rheinlandabkommen den deutschen Behörden über­lassen worden ist. Die Beiseiteschiebung der deut­schen Behörden ist dadurch erreicht worden, daß die leitenden Beamten ter deutschen Verwaltung ausgewiesen worden sind. In der fran­zösischen Zone des Rheinlandes sind heute noch 99 Prozent der leitenden deutschen höheren Beamten ausge­wiesen. Kein einziger Landrat hatten sein Amt zurückkehren dürfen. In Wiesbaden können gegenwärtig txm^35 hö­heren deutschen Beamten nur 5 ihre Tätig­keit ausüben. Kontrollbesuche von Beamten ter Berliner Zentralbehörden müssen vorher bei den Franzosen angemel­det und von ihnen genehmigt werden, älnd die Verordnung ter Rheinlandkvmmission Rr. 205 beansprucht für die französischen Besat- zungsbehörten das Recht der Ernennung von Beamten durch die Franzosen.

Aus diesen wenigen Tatsachenangaben wird für jeden klar, daß die deutsche Verwaltungs- Hoheit im Rheinland zur Zeit so gut wie gamicht besteht, älnd es ist nur eine ter verschiede non deutschen Forderungen, daß durch die Londoner Verhandlungen eine Handhabe erreicht wird, die diesen skandalösen, gegen die deuts/che Verteil- I tungshoheit und gegen die geschriebenen Verträge verstoßenden Zuständen ein Ende bereitet und | unser gutes Recht wieder herstellt.

Die Erdbeerbeete im August.

Je sorgfältiger die Pflege ter Erdbeerbeete ist, um so reichlicher und länger werten sie tragen und um so besser werten die Früchte sich ent­wickeln. Hierzu gehört in erster Linie das recht­zeitige Entfernen ter Ranken, einer Arbeit, die bis Ente des Monats durchgeführt werten sollte. Die Ranken, welche manche Sorten in über­reicher Menge entwickeln, schwächen die Stöcke und saugen, wenn man sie noch länger beläßt, den Boden aus. Es gibt zwar in den Hausgärien auch sogenannte Erdbeerwiesen, an denen kaum etwas geschieht, aber die Früchte bleiben klein, sie sind oone das köstliche Aroma und ter Tummelplatz für Schnecken, Tausendfüße und äbn» liches Gelichter. Bei ter Arbeit des Abrankens werten auch alle alten und fleckigen Blätter entfernt, ter Boden von ilnfraut gereinigt, ge­lockert und schließlich mit kurzem Pferdedung belegt. Ob man bei dieser Gelegenheit noch eine Stickstoffgabe in Form künstlicher Düngemittel anwendet, hängt von der Beschaffenheit ces Bodens ab. Ist dieser nahrhaft und schwer, dann unterbleibt sie besser, weil einseitige Stick­stoffdünger bei Erdbeeren nur viele und große Blätter erzeugt, auch die Blüten leicht fehl­schlagen. . m

Der August ist auch die beste Zeit zur Vor­nahme neuer Grdbeeranlagen. Der Boden süc Erdbeeren muß tiefgründig, locker und im letzten

Der gegenwärtige Stand der Wiesendüngung.

Eine Wiese besteht aus Gräsern, Kleearten, Kräutern und leider auch Unkräutern. Da jede dieser Gruppen auf eine Düngung anders rea­giert ist ein Düngungsversuch hier nicht so einfach zu beurteilen. Er muß jedenfalls mehrere Jahre fortgeführt werten und in der Wirkung auch die Güte des Heus berücksichttgen. Professor Wagner-Darmstadt hält eine Ersahdüngang für unnötig solange ter Gehalt des Heus bei 15 Proz. Feuchtigkeit: 2 Proz. Kali (K), 0,65 Proz. Phos­phorsäure (P) und 1 Proz. Kalk (Ca) aufweist. Da aber die einzelnen Wiesenpflanzen samt Un­kräutern verschiedenen Mineralgehalt haben, so genügt diese chemische Untersuchung doch nicht völlig, zumal durch die Düngung ter Bestand bald wechselt.

Die Grundlage ter gesamten Düngung ist die mit K und P. Besonders wird K viel ver­braucht, so daß vorübergehend sogar einseitige! l<°Tüngung richttg sein Lum. 50 Pfund reines K ist die Mindestgabe je V4 Hektar. In guten Verhältnissen ftjnn man bis 100 Pfund herauf- gef>en.

Eine Kalkdüngung ist sehr notwendig, weil sie in vieler Hinsicht wirkt. Ca stumpft die Säure ab macht den Boten warm und gar und zieht das' Chlor, ein Pflanzengift, das mit dem Kali auf die Wiese kommt, mit sich in den Untergrund. Der Kalkgehalt im Thomasmehl ist jedenfalls völlig unzureichend.

Die Sttckstoffdüngung der Wiesen ist ein umstrittenes Kapitel: Da eine gute Wiese za 25 Proz. aus Schmetterlingsblütlern bestehen soll, die Luststtckstvfs sammeln, so ist Stickstofszufahr (N) nur nötig, um schlechte Wiesen auf die Höhe zu bringen, zumal Ackerfrüchte, z. B. Kar­toffeln, eine um 75 Proz. bessere Ausnutzung gewährleisten.

Daher hat sich auch das System Reubauer nicht durchsetzen können, das sehr starke dl-gaben und fast monatliche Mahd empfahl.

Bei Dewässerungswiesen und künstlicher | Trocknung oder Haltbarmachung in Futtertür- | men mag es am Platze sein.

Gin anderes System (Aereboe-Wrangell) hat I viel von sich reden gemacht. Es will auf die

Marsnahe und Erdkatastrsphen.

Einwirkungen ans dem Weltenraum.

Don unserem wissenschaftlichen W.-QItitarteiter.

Am 23. August wird, wie bereits bekannt, der Planet Mars sich in ter größten Erd­nähe befinden und die Entfernung, die Mars und Erde trennt, wird an diesem Sage nur noch etwa 55 Millionen Kilometer betragen, während ter Mars auf seiner Dahn um die Sonne in der größten Entfernung 400 Millionen Kilometer von ter Erde wegrücken kann. Man kann durchaus ernsthaft und vollkommen wissenschaftlich be­grüntet die Frage stellen, ob nicht die unge­wöhnliche Annäherung des Mars auf den Zu­stand unserer Erde irgendwelche Einflüsse auszuüben vermag.

Daß solche kosmischen Wirkungen tatsächlich bestehen, formen wir ja ganz deutlich an Sonne und Mond beobachten. Ganz abgesehen davon, daß alles Leben auf ter Erde durchaus von ter Licht- und Wärmestrahlung ter Sonne ate hängt, ist es wissenschaftlich erwiesen, daß auch die Sonnenflecken, die zuweilen beobachtet wer­ten, den ganzen Zustand unserer Erde ganz gewaltig berinflussen. Was wir als Sonrvew- flecken erkennen, sind nicht, wie man früher an­nahm. Erkaltungserscheinungen an ter Sonnen- Oberfläche, sondern ungeheure Wirbel­stürme, deren Entladungen nicht nur den Luft- mantel ter Erte in stürmische Bewegung bringen und starke Gewitter und Hagelfälle verursachen, fontern die auch den ganzen elektro- mag­netischen Zustand unserer Erde in stärkste Anruhe versehen. Man hat bemerkt, teß in Zeiten ter Sonnenfleckenpei-ioten sich die Polarlichter besonders häufig zeigen und daß infolge ter Einflüsse auf den Erdmagmtismus die Radeln ter Kompasse in nervöses Schwanken geraten und bon ter Rord-Süd-Richtung erheb­lich abweichen. Zwischen Sonne und Erte bi,.- ten sich als Auswirkung ter (ätxnnenflaßen)

Der Transatlantik-Flug. I

Von James D. W h a r t v n.

Ein bekannter amerikanischer Journalist, ter in engster Fühlung mit ter amerikanischen Abnehme- kommis ton des Riesenluf schifses Z. R. 3 steht, sendet uns solvente Ausführungen über den Lus k eu- zer, ter binnen kurzem seine Reise über den Antiantischen Ozean an- treten wird.

3n Fachkreisen ist man der Ansicht, daß die weitere Entwicklung der amerikanischen Luftschiff­fahrt davon abhängen wird, wie ter Z. R. 3, das riesige lenkbare Luftschiff, das seit 2 Jahren bei der Zeppelin-Luftschiffwerft im Dau war. sich bei dem Transatlantic-Flug. der im Herbst dieses Zahres flattfinten soll, bewähren wird. Z. R. 3 (Zeppelin Rigid 3) ist das letzte Luftschiff, das von Deutschland unter den Bedingungen des Ver­sailler Friedens Vertrages an die Verbandsmäch e abgeliefert werten muß. Eine Re<he derartiger I Fahrzeuge sind bereits im Laufe ter Zeit an ' J>ie verschiedenen Mächte übergeben worden, und zwar je drei an Frankreich und Italien, zwei an England, eins an Japan und nunmehr eins an die Vereinigten Staaten. Einige dieser Fahr­zeuge gingen entweder durch ^Inglucksfälle zu­grunde, intern sie unter großem Rlenschenverlust explodierten, wie ein englisches über Hutt, ein anderes im Mittelmeer, andere wurden als un­brauchbar abmontiert. Diese Tatsache könnte ein voreiliges Urteil gerechtfertigt erscheinen lassen, daß auch die Aussichten für den Z. R. 3 wenig günstig sind. Trotzdem erscheint mir ein derartiges Urteil nicht am Platze aus dem einfachen Grunde, weil es sich hierbei nicht um eine rein militärische Angelegenheit handelt, sondern um ein kaufmän­nisches Unternehmen, bei welchem nüchterne Be- rechunng entspricht. In Akron-Ohio ist näm- I lich von feiten Amerikas eine Organisation ins Leben gerufen worden, die Goodyear Zeppe­lin Corporation, die in enger Fühlung mit den deutschen Zeppelinwerken steht und de an dem Erfolg des Z. R. 3 aufs innigste inter­essiert ist. Diese Gesellschaft beabsichtigt nach einer erfolgreichen Durchführung des Transatlantik­fluges weitere noch größere lenkbare Luftschiffe ähnlichen Thpes für transkontinentale und transatlan­tische Passagierfahrten zu bauen.

Rach den Bedingungen des Versailler Frie- tensvertrages darf Deutschland für sich selbst feine weiteren Luftschiffe des Zeppelintyps bauen. Es ist daher ganz natürlich, daß eine so große In­dustrie wie ter Luftschiffbau in Deutschland alles daran sehen wird, um sich nach Möglichkeit zu erhallen, um so mehr, als diese Industrie ur­sprünglich für Handelszwecke ins Leben ge­rufen wurde. .Man hat deshalb den einzigen vernünftigen Weg gewählt und sich mit einer entsprechenden 3nterftrie in einem ter aiussichts- vvllsten, über umgehende Entwicklungsmöglichkei- ten verfügenden Staate verbunden. Die Bedeu­tung dieses Schrittes ist außerordentlich weit- tragend, drückt sie doch nichts weniger aus, als daß ter weltberühmte Luftschiffbau Zeppelin aus Friedrichshafen am Bodensee damtt nach Akron- Ohio verpflanzt wird. Daß ter große Kon­zern damit amerikanisiert wird und ter Rame Zeppelin für We nichtdeutsche Welt einen wenig angenehmen Beigeschmack, den er während des Krieges hatte, verliert. Aus diesem Grunde wer­ten auch die ganzen Vorgänge bei der Abliefe­rung des Z. D 3 grundverschieden sein von den Maßnahmen, die man bei ter iletergabe ter unter dem Fri^ensvertvage abgelieferten ande­ren Fahrzeuge beobachten konnte. Die Zeppelin- aesellschaft ist <5k ter glücklichen Durchführung des Transatlanttkfluges ebenso interessiert, als die amerikanische Flvttenbehörte oder irgend eine andere Firma. Die Gesellschaft hat aus leicht erklärlichen Gründen bisher stets verschwiegen, bäh ter Z. R. 3 unter den Verpflichtun- gen des V ersailler.Friedens vertra­ge s gebaut wurde. Es kann kein Zweifel bestehen, daß die Zeppelingesellschaft nichts unversucht lassen wird, um eine unbeschädigte Ablieferung des Z. R. 3 an die Fkottenbehorde sichrrzußellen und, was wichtiger ist, sich für dessen Beibehaltung in amerikanischem Luftverkehr einzusetzen. Denn mit ter Ablieferung wird eine Lin mässe von Erfahrungsmaterial ' Berechnungen und technischen Einzelheiten nach Amerika überführt werden, das die amerikanische Flottenbehörde in den Stand sehen

In ter Ablieferung dieses letzten Fahrzeuges [ besteht außerdem ein großer Unterschied im Ver­gleich zu den früher unter den Bedingungen des Frietensverträges abgeliefcrten Zeppelinen. Die letzteren waren meist alte Schiffe, d.e während des Krieges im militärischen Dienste gegen die Der- I bandsmächte Verwendung gefunden ha ten. Die e Tatsache lieh auf beiden Seiten wenig Freute bei dem ilebergateaft aufkommen. Der Geist, ter damals die Deutschen bei ter Ablieferung befreite, geht aus den Worten des deutschen Komman- I bauten, ter ten Z. R. 113 an Frankreich ablieferte, hervor, die folgendermaßen lauteten:Hier ist Ihr Schiff, ich beglückwünsche Sie zu ter Heber- gäbe, denn es ist ein vorzügliches Fahrzeug. Per­sönlich wünsche ich Ihren alles Gute, aber als I Ihr früherer Gegner hoffe ich, teih Eie es morgen in Grund "flnb Boten fahren." Dieser Wunsch ging zwar nicht in Erfüllung, doch wurde das Fahrzeug sehr bald als unbrauchbar demontiert. I

Die hauptsächlichste Gefahr für die Durch­führung eines regelmäßigen Luftschisfd enstes der amerikanischen Flottentehörte liegt darin, daß weder Amerika noch irgendeine andere alliierte Ration bisher in der Führung von Luftschiffen irgendwelche Erfahrungen gesam­melt hat. Dasleichter als dies Luftfahr­zeug" ist eine Erfindung Deutschlands. Deutsch­land erfand die Type und entwickelte sie. Deutsch- I land war die einzige Ration, die lenkbare Luft- I schiffe während tes Krieges anwandte und die I teSbaCb in ten vier Jahren äußerst wertvolle Er­fahrungen sammelte. Die Führung eines Luft­schiffes verlangt Instinkt. Man muh stets bedacht sein, das ganze ungeheure Fahrzeug in ständiger Harmonie zu halten. Der deutsche Pilot erklärte mir, daß es mehr eine Kunst als eine Wissen­schaft ist. Wie ter in der Ebene Lebende sich erst mühsam an die Kunst tes Bergsteigens gewöhnt, so dauert es lange, bis sich der Laie an die Füh­rung eines Luftschiffes gewöhnt. Die amerikanische Flottenbehörde hat allerdings im Bau und in ter Führung tes amerikanischen Luftkreuzers Shenandoah" gewisse Erfahrungen gemacht, de

ihr zustatten kommen. Z. R. 3 soll ein Handels- I I luftschiff werten, aus welchem Grunde die prak­tischen Auswirkungen tes Transatlantitfluges be­sonderes Interesse verdienen. Anrerika hat zwar noch nicht selbst einen Tvansatlantikflug bisher unternommen, doch ist ein derartiger Flug bereits erfolgreich durchgcführt worden. Der R. 34, ein englisches Luftschiff nach dem Modell eines Zep­pelins, flog bereits von England nach Reuyork, ergänzte dort das Betriebsmaterial und kehrte | nach England zurück. Die Reife des Z. R. 3 ist I daher mehr aus dem Grünte interessant, daß sie ter Vorläufer eines regelmäßigen transatlantischen Flugdienstes wer­ten fiaim, als wegen ter absoluten Neuheit dieses Vorgangs.

Das Fahrzeug wird nach Ankunft in Lake- Hurst das Eigentum deramerikanischen Flottenbehörde werten. Was diese damit tun wird, ist bisher Geheimnis. Man hat borge- schlagen, sie dem Präsidenten Cvolidge als Luftjacht anstatt seiner bisherigen Vacht Matzflower" zu überlassen oder es als Flagg­schiff ter amerikanischen Luftflotte zu benutzen. Auch dessen Indienstnahme für einen transkonti­nentalen Dienst Reuyvrk-Chicago oder einen transatta wischen Dienst Amerika-Europa tourte vvrgeschlagen. Wahrscheinlich wird das Fahrezug kaum für den letztgenannten Dienst in Frage kommen, da die Fachleute es hierfür zu klein halten und meinen, daß hierfür Zeppeline von doppeltem Ausmaß des Z R. 3 erforderlich seien. Die an tem Ausbau des Hantelsluftver­kehrs interessierten Parteien nehmen an, daß Z. A. 3 ter Vorläufer einer Reihe von anderen Luftschiften werden wird, die zwar von ähnlichem Typ aber von größerem Ausmaß sein trerten und hie dann in den verschiedenen Luftverkehrslinien Verwendung finden sollen.

* * *

Wir f)aben die obigen Auslassungen wörtlich zum Abdruck gebracht, weil sie beweisen, mit welch geradezu brutaler SelMverständllchkeit un­sere Kriegsgegner das angebliche Recht vertreten, aus tem Diktat von Versailles Ruhen ziehen zu können. Sollte nicht auch die Aufnahme eines Kampfes um die Deutscher Hal iung ter Zeppeline eine Ehrenaufgabe ter Gegenwart sein?- Die Echriftleitung.

Die Fremdherrschaft am Rhein.

Das Sachverständigengutachten verlangt als Voraussetzung der- Durchführung der in ihm ent- ' haltenen Reparationsvorschläge u. a. die Wieder­herstellung ter-' fiskalischen Einheit des deutschen Reiches. Wenn darunter natürlich auch in erster Linie die Wiederherstellung der deutschen Steuerhoheit verstanden werden muß, so ist doch bei den inneren Derwaltungszusammenhän- gen klar, daß dadurch im allgemeinen die Wie­derherstellung der deutschen Verwaltungs- Hoheit gefordert wird. Man hat sich im un­besetzten Deutschland keine rechte Vorstellung da­von machen tonnen, in welchem Maße die staatliche Hoheit im besetzten Gebiet tatsächlich ausgeschaltet ist. Bei den Friedensverhandlungen ist seinerzeit zugesichert worden, daß die Stärke ter ins Rheinland zu legenden Besahungstruppen etwa der Stärke der ehemaligen deutschen Truppen in diesem Gebiet entsprechen soll. Statt der 70 000 Soldaten, die vor dem Kriege dort in Garnison lagen, sind aber allmählich ins altbesehte Gebiet rund 1 4 0000 fremde Soldaten gelegt worden. Zu ihrer Unterhaltung und Sicherheit ist dann allmählich ein ziviler Verwaltungs­apparat. der alle Grenzen des Be­rechtigten überschritten hat. ent­wickelt worden.

Im Interesse der Sicherheit der Desahungs-- truppen waren durch das Rheinlandabkommen den Alliierten gewisseKvntrollrechtezu- geftanten Worten. Die Zivilverwaltung sollte je­doch in deutsch en Händen bleiben. Das Rheinlandabkommen sieht einen in­teralliierten AusschuhvonvierPer- fönen vor. Aber schon nach zwei Jahren wa- ren allein in Koblenz 1300 Zivil- beamte der Alliierten, dazu noch 12 Bezirks- telegierte mit je 20 Personen, die über das Land I verteilt waren Die Mehrzahl dieser Zivilbeam­ten brachten ihre Verwandten mit, für die |