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Erstes Blatt

V4. Jahrgang

Mittwoch, sb. Zuli M4

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeVerbindlichKeit. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Ne- Klame-Anzeigen ö.70mm Breite 35 Goldpfennig, Platzvorschrift 20°/n Auf­schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. Wilh. Langx.; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: HansBeck. sämtlich in Gießen.

Boykott der deutschen Wissenschaft Don D. Dr. M. Schian.

DieMitteilungen des Verbandes Deut­scher Hochschulen" erwerben sich ein Verdienst dadurch, daß sie fortlaufend Mitteilungen über die Stellung internationaler, wissenschaft­licher und technischer Kongresse zu den Ver­tretern der deutschen Wissenschaft bringen. Er- fteulich sind diese Mitteilungen freilich nicht. .Sie liefern ja den traurigen Beweis dafür, das) noch fünf Jahre und länger nach dem Ende des Krieges die Gelehrten der feindlichen Völ­ler großenteils nicht diejenige Ruhe des Tlr- iteils wiedergewonnen ha.ben, die es ihnen als einfache Anstandspfticht erscheinen lassen müßte, auf dem Boden wissenschaftlicher und technischer Arbeit mit den Deutschen gemein­sam tätig zu sein.

In Rom sollte im Herbst 1923 ein inter­nationaler Kongreß für vergleichende Patho­logie stattfinden. Er wurde auf 1924 verscho­ben, weil keine Einigung über die Zuziehung deutscher Gelehrten erzielt werden konnte. Es scheint, daß er gar nicht stattgefunden hat, weil jene Frage keine allgemein beftiedigende Lö­sung fand. Das einberufende Komitee wollte die Deutschen auSschliehen. Dagegen wurde er-' heblicher Widerspruch laut. Ist es eigener ita­lienischer Chauvinismus, der das Komitee be­stimmte? Oder trieb die Rücksicht auf fran­zösischen Haß?

In Toronto findet im August 1924 ein in­ternationaler mathematischer Kongreß statt. Lieber 100 europäische Gelehrte werden teil­nehmen; aber Deutsche sind nicht geladen.

Von dem auf Juni 1924 nach Kopenhagen einberufenen 4. Kongreß der Internationalen Llnion für reine und angewandte Chemie find Deutsche ausgeschlossen. Infolgedessen haben Schweden und Finnland erklärt, daß auch sie nicht teilnehmen werden.

In Paris hat sich eine neue Internatio­nale Gesellschaft für Straftecht aufgetan, le­diglich zu dem Zweck, die alte, wirklich inter­nationale, durch eine andere, Deutschland aus- schließende zu verdrängen. Sie bringt das auf die hübsche Formel, daß sie nurnattons lo- halement pacificöes et resolument pacifistes" aufnehme. Da müßte ja wohl zu allererst Frankreich ausgeschlossen werden! Denn es gibt wohl keinen Richtfranzosen mehr auf der Welt, der Frankreich für refolument pacifiste hielte! Aber die Formel soll natürlich gegen Deutschland gehen. Die infame Heuchelei wird verewigt.

Das sind nur ein paar Beispiele. Jedes Jahr bringt neue Erfahrungen dieser Art. Die Welle des sinnlosen, pharisäischen, heuch­lerischen Hasses ist keineswegs vorüber!

Immerhin es fehlt nicht ganz an An­zeichen dafür, daß hier und da bessere Ein­sicht Platz greift. DieMitteilungen des Verbandes Deutscher Hochschulen" bringen auch dafür einige Zeugnisse. Freilich, es Hingt immer noch abscheulich, wenn z. B. die In­ternational Commission of Illumination die deutscheDeleuchtungstechnischeGesellschaft ein­ladet, an ihren Beratungen als Beobachter teil­zunehmen, und ihr mitteilt, daß sie voraus­sichtlich nach Deutschlands Eintritt in den Völkerbund wiederaufgenommen werden würde. Wahrhaftig, es wäre zu begreifen, wenn deutsche Organisationen nachher erklär­ten, daß sie für diese Gnade dankten.

Das erfreulichste Datum ist der bereits aus den Zeitungen bekannt gewordene Be­schluß des nationalen Wissenschaftlerverban­des Englands (Rational Union of Scientific Workers) vom Juni 1924 gegen den Aus­schluß der deutschen Wissenschaftler aus den internationalen Organisationen. Der Beschluß besagt,daß die Organisation wissenschaft­licher Vereinigungen oder Kongresse, die als üternational bezeichnet werden, von denen iber einzelne Rationen aus polittschen Grün­den ausgeschlossen werden, des Gei st esd er Wissenschaft unwürdig und den Interessen der Wissenschaft schäd­lich ist". Wenn die englischen Gelehrten diese Stellung nur auch praktisch durchsetzen vollten! Wenn sie wie Schweden und Finn­land in dem obenerwähnten Fall handeln wollten, so wäre die Frage entschieden. Aber bas tun sie nicht. Es geht wie in derengfe llschen Politik überhaupt. Theorettsch man­ches Wort der 'Gerechtigkeit^ praktisch lauter

Die letzten Vorarbeiten siir London.

Die Bedingungen der Repko für die Herstellung der wirtschaft­lichen und administrativen Einheit Deutschland.

Paris, 16. Zuli. (WTD.) Die Repko Hal gestern in einer offiziösen Sitzung, die am Abend in eine offizielle umgrwan- delt wurde, sich mit den Fragen beschäftigt, die durch das Herriot-Macdonald-Rbkommcn vom 9. Zuli aufgeworfen worden sind. Die Repko ist aufgefordert worden, Vorschläge für die Aufstellung des Planes zu machen, nach dem die wirtschaft­liche und fiskalische Einheit Deus ch- lands wiederhergestellt werden soll, sobald die Repko entschieden hat, daß der Dawesplan zur Ausführung gelangt ist.

Die Repko hat dieses Problem, wie der Matin" berichtet, in zwei Teile geteilt; sie hat damit begann m, die Möglichkeiten eines Planes zu diskutieren, um den Aebergang der jetzigen Wirtschaftsorganisationen in den be­setzten Gebieten in die durch das Sachderstän- digengutachtcn vorgesehenen Organisationen zu bewerkstelligen.

Rach längerer Beratung hat sie beschlos­sen, in dieser Frage weitere Aufklärun­gen von den alliierten Regierun­genzuverlangen. Rach demPetit Pa- risien" soll die Repko sogar erklärt haben, es sei ihre Ansicht, daß dir Frage vcn den Re- giermigen in nicht genügend präzi­sierter Form gestellt worden sei. Sie könne daher keine Entscheidung treffen.

Die Repko hat alsdann dieDedingungen festgestellt, die nach ihrer Ansicht erfüllt sein müssen, wenn der DaweSPlan als ausgeführt betrachtet werden soll. Sie wird offiziell fest­stellen, daß Deutschland den Dawesplan zur Ausführung gebracht hat, wenn folgende fünf Bedingungen erfüllt sind:

1. die Leitung der Eisenbahn-Gesellschaft konstituiert ist,

2. die Goldnvtenbank konstituiert ist,

3. das System der Industrie-Obliga­tionen organisiert ist,

4. die Eisenbahn- und Zndustrie-Obli- Mationen an die von Der Replo ernannten Trusts abgetreten sind,

5. die Ausländsanleihe von 800 Mill, untergebracht ist.

Dieser letztere Punkt habe zu der leb­haftesten Diskussion Anlaß gegeben. Der englische Delegierte habe erklärt, daß die Unterbringung der Anleihe schwierig, wenn nicht unmöglich sein würde,wenn nicht die deutsche Wirtschaftseinheit vorher wiederhergestellt worden sei. Am Sir Brad- burh zu überzeugen, habe Barthou seine ganze Lieberzeugungskunst und Dialeltik ins Feld führen müssen, wobei er vdp dem belgischen Delegierten Delacroix lebhaft unterstützt worden sei.

DieseBedingungen" der Repko beweisen, wie sehr die deutschen Befürchtungen berechtigt waren, die eine völlige Verdrehung der Voraussetzungen des Sachverständigengutachtens durch das fian» zösische Uebergewicht in der Repko voraussahen. Wir haben in unserem gestrigen Leitartikel die! in Frage stehendcln Sähe der Sachverständig^ im Wortlaut angeführt dis vorstehende Mel­dung aus Paris beweist, daß man, unbekümmert um diesen sestgelegten und von allen Regie­rungen als Grundlage angenommenen Wort­laut des Planes von den entg grngesetzten Voraussetzungen das grundlegende Problem der Wiederherstellung des Statusquo behandeln wrll. Praktisch würde dies bedeuten, daß dieseWie­derherstellung" aus unbestimmbare Zeit ver­schoben wird. Cs dürfte anzunehmen fern, daß die deutsche Regierung nachdrück­lich auf die Folgen dieser echt fran­zösischen Verdrehungspolitik hinweist und daß die amerikanischen Teilnehmer soviel ge­sunden Menschenverstand and sovielEnergie nut- bringen werden, daß sie die älnmöglich^eit der Durchführung dieser Replo-Tedingung.m der Konferenz vor Augen führen. Wie gering auch in England die Hoffnungen auf em ersprieß­liches Ergebnis der heute beginnenden Verhand­lungen sind beweist der nachstehende Schlußbe- richt über die Tlnterh'ausdebatte. Das amt­liche England allerdings trägt eme zuversicht­liche Miene zur Schau bie nächsten Tags

Rücksicht auf Frankreich. Immerhin hat Eng­land seinerseits den Verkehr mit deutschen Ge­lehrten wieder ausgenommen.

Die deutsche Wissenschaft braucht sich nicht aufzudrängen; sie kann warten. Aber eine

schon werden zeigen, welcher Ansicht wir uns anschließen ^können.

Amtlicher englischer Optimismus

London, 16. Zuli. Rach Ansicht amt­licher britischer Kreise beginnt die heutige inter­alliierte Reparationskonferenz unter besse­ren Auspizien, a<ls jede bisher abgehaltene derartige Konferenz. Macdonald werde die Eröffnungsan spache halten, die zu­sammen mit den einleitenden Formalitäten den größten Teil der Vormittagssihung in Anspruch nehmen werde. Am Rachmittag werde die Kon- fev:n?agertba in Angriff genommen werden. Der Londoner Derrchterstaller d:sReuhort Herald" teilt mit, der Vorschlag .den gestern Bald- toi n im .Unterhaus gemacht habe, durch die Repko einen besonderen Ausschuß einsetzen zu lassen, um die Fragen, die im Zusammenhang mit den etwaigen Verfehlungen Deutschlands auftauchen, zu regeln, habe in der gestrigen Sitzung des Kabi­netts eine günstige A u s rtia h m c gefunden. Macdonald werde Herri o t seinen Vor­schlag unterbreiten und es sei möglich, daß er sich als die Lösung einer der schwierig­sten Fragen, die der Konferenz vorliegen, dar­stelle.

Bedenken

britischer Abgeordneter.

London, 15. Juli. (Wolff.) Tlnterhaus. Der Arbeiterparteiler Z o h n st o n erklärte, die Kernfrage des ReparationsProblemjZ sei nicht Deutschlands Zahlungsun­fähigkeit. Es könnte nicht deutscheSach- leistungen in Gestalt von Kohlen oder Farb­stoffen annehmen, ohne seine eigenen Ar - beiter erwerbslos zu machen. Wenn die zivilisierten Rationen endlich zu dem Schluß kom­men würden, daß keine Ration Leistungen aus einer anderen herausziehen könne, ohne seine eigene Arbeiterklasse zu schädigen, dann werde man zu einem Wendepunkt im internationalen Verkehr ge­kommen sein. Statt ihre Zeit mit einemzweck­los e n B e r i ch t zu vergeuden, sollten die Mächte ihre Entschädigungsansprüche voll­kommen aufgeben, damit Europa wieder neu gestaltet werden könnte.

Das ArbeitermitgliedDickson sagte, er hoffe, daß England unter keiner Bedingung Sachleistungen von Deutschland annehmen werde. Das Volk werde weiterhin bezüglich der Wirkungen der Re­parationszahlungen irregeführt.

Das konservative Mitglied Samuel erklärte, er sei überzeugt, d'a h Der Da Wes­ir e r i ch t undurchführbar f e i. Die vorge­sehenen Annuitäten würd.n von Deutschland nur geleistet werden können, trenn es einen Auhen- h.rndel mit einem Tlmsah von etwa 3 Milliarden Pfund habe. Frankreich, Belgien, Italien und Amerika würden die deutschen Waren nicht neh­men; wenn aber diese Waren nach England ous- geführt würden, so würden Tausende von Arbeitern erwerbslos werden. In dem Maße, in dem Deutschland gedeihen würde, würde der Handel Englands zurüc^chen.

Auch das liberale Mitglied Wedg­wood Denn erklärte, es sei zweifelhaft, ob Deutschland in der Lage sei, dem DaweHbericht gemäß einen großen Ausfuhrüberschuß zu erzeugen und wenn Deutschland diesen erzeugen könne, wer solle die Ware abnehmen? Zeder, der­ben Versailler Vertrag studiert habe, müsse zu dem Schluß gekommen sein, daß'die neuen,Deutsch­land auferlegten Verpflichtungen weit über den Versailler Vertrag hinaus- g in gen.

Das Arbeitermitglied Morel er­klärte, der Dawesbericht werde von zahlreichen Arbeitermitgliedern mit höchster Besorg» n i s betrachtet, die durch die Rede des Premier­ministers nicht vermindert worden sei. Die Ret­tung Europas sei durch die bisherige Repa rations politikverhindertwor­den. Glaube irgendein vernünftiger Mensch, daß Deutschlandallein für denKrieg ver­antwortlich sei? Deutschland sei es bisher niemals erlaubt worden, seine eigene Verteidigung zu führen; wenn es nun dem Völkerbund bei treten sollte, so müßte man ihm auch das Recht geben, seine Sache zu vertreten.

Der amerikanische Repko- ,,Agent".

Paris, 16. Zuli. (WB.) Die Repko hat gestern das amerikanische Mitglied des Sachver- ständigenausschusses Owen QJoung zu dem im Sachverständigenbericht vorgesehenen Agenten für die Reparationszahlungen ernannt.

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Owen D. QJoung war bei den Beratungen des Sachverständigenkomitees Vorsitzender des ülnterausschusses für die Stabilisierung der deut­schen Währung.

Schande für die Welt ist es. daß man sie noch immer von < der vollen internationa­len Gemeinschaft, die von ibr nur Rutzen ziehen könnte, fernhält.

Agrarkrise und Schutzzoll

Die Gewerkschaften beim Grafen Kanitz.

Zu den gestrigen Besprechungen des Reichs»- ernährungsministers Grafen Kanitz mit den Ge­werkschaftsvertretern über die Frage der Agrar­schuhzölle wird aus Berlin gedrahtet, daß eine llebereinftimmung zwischen den gegensätzlichen Auffassungen nicht erzielt worden sei. Rach der Rede des Grafen Kanitz, in der er a l s einzigen Weg für die Gesundung der deutschen Landwirtschaft die Schaffung von Schutzzöllen bezeich­nete, lehnte namens der freien Gewerk­schaften Grahmann alle fchuhzollpolitischen Maßnahmen mit Rücksicht auf die Ernährungs­lage der städtischen Bevölkerung a b. Der Ver­treter der ch r i st l i ch e n Gewerkschaften B a l t - rusch erklärte sich unter gewissen Vor­aussetzungen für die Schuhzollvor­lage der Regierung. Für die Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften erklärte L e m- mer, daß augenblicklich die Zollvorlage der Regierung aus wirtschaftlichen und politi­schen Gründen abzulehnen sei.

Erklärungen des Neichsernährungsministers.

Berlin, 15. Zuli. (WB.) Der Reichsmt- nister für Ernährung und 'Landwirtschaft, Graf v. Kanih, gewährte heute einem Ve.treter des Wolffbureaus eine Unterredung über bie Rotlage der Landwirtschaft. Es handle sich heute darum, so errtärte der Minister, ob bie deutsche Volksernährung sich in Zukunft vorzugs­weise auf die Produktion der heimischen Scholle oder auf die Einfuhr stützen solle.

Die deutsche Volksernährunz sei in greifbarer Zukunft gefährdet,

wenn die notwendigen Vorkehrungen nicht.schon heute getroffen würden. Keine Regierung dürfe tatenlos zusehen, daß die Landwirtschaft unter dem Zwange einer akuten Rot läge zum exten­siven Betrieb übergeht. Die Landwirtschaft fei aber bereits auf dem Wege zur Extensivierung. Dom Ernährungsstandpuntt au3 sei es also Pflicht der Regierung, der Landwirtschaft eine wirklich nachhaltige Erleichterung zu verschaffen. Leider fehlten für die Kredithilse heute die Mittel und ein radikaler Abbau der Steuern würde den Staatshaushalt umwerfen und die Gefahr einer neuen Inflation heraufbeschwören. Durch Frei­gabe der Ausfuhr sei keine durchgreifende Erleich- tetung zu erhoffen.

Es bleiben daher nur die Zölle.

Der- Ernährungsminister verbreitete sich dann eingehend über dir Frage der Schutzzölle, bie efiahrungsgemäß geeignet seien, die Produktion zu vermehren. Die von der Reichsregierung gleich-- 3eilig mit der Einführung von Schutzzöllen ge­plante Herabsetzung der Umsatzsteuer dürfte den Ladenpreis trotz der eventuellen Aus­wirkung der Zölle in absolut erträg­lichen Grenzen halten. Die Verhinderung der Einfuhr von Gefrierfleisch, die tendenziösen Rachrichten zuwider tatsächlich nur 5 Proz. des ganzen deutschen Fleischkonsums ausmachr, sei nicht beabsichtigt. Maßvolle Agrarzölle bewirken unbedingt die Hebung der heimischen Agrar­produktion, gleic^eitig aber auch mit dem Stei­gen der Kaufkraft der Landwirtschaft die He­bung der industriellen Produktion.

Somit bessere sie die Arbeits- und Lohnbedin-« gungen bei der Industrie.

Tlmgekehrt sei heute durch fehlende Absatz­möglichkeiten der Industrie an die Landwirtschaft der Arbeitsmarkt bereits gefährdet. Eine Verleue- rung der Lebenshaltung des Arbeiters brauche man durch die Agrarzölle nicht zu befürchten, wenn es gelinge, die Zwischenstellen vom Agrar- produ?enten bis zum Verbraucher za einer Preis­korrektur zu bewegen. Zur Erreich rng dieses Zie­les werde die Regierung fern Mittel unver­sucht lassen.

Aus dem besetzten Gebiet.

Die Aufhebung der Ausweisungen in Rheinhessen.

Gegenüber der gestern von uns gekennzeich­neten Behauptung desTemps", Frankreich habe zur Liquidation des Ruhrkampfes alles getan, habe die Ausweisungen aufgehoben und die Gefangenen sreigelassen, diene zur Illustration folgendes Zahlenmaterial:

Im besetzten hessischenGebiet wur­den bei rund 7 5 00 au s ge wi e senen Reichsbeamten (Eisenbahn, Post, Zoll) bis­her die Ausweisung von 3700, das sind 5 0 P r o - 3 en t, aufgehoben. Für die Kommunal- und Verwaltungsbeamten betragen die entsprechenden Zahlen 175 und 22, d. h. e r st 8 Prozent der Ausweisungen sind aufgehoben. R o ch u n g ün'st ig e r ist das Verhältnis bei den Angehörigen freier Berufe, wo 3000 Aus­weisungen 165 Zurücknahmen, oder 5l/2 Pro- ze n t gegenüberstehen.

Insgesamt sind so von rund 11 000 Aus­weisungen aus dem besetzten hessischen Gebiet eftt rund 4000, ober etwa 38 Prozent, zu- rüdgenommen worden.

Verbote undVerwarnung".

Höchst a. M.. 15. Zuli. (WTD.) Die Inbe^ alliierte Rheinlandkommission hat dieM ü n - ebener Reuesten Rachrichten" endgültig im besetzten Gebiet verboten auf Gri^d einer