Ausgabe 
16.5.1924
 
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Freitag. 16. Mi 1924

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheflen)

Ar. 1(5 Zweites Blatt

Wirtschaft.

Zur Kohlenversorqung der Reichsbahn.

Wenn der Streik im Ruhrgebiet auch einen allgemeinen Rückgang der Kohlenbelieferung 3ur Folge hat, der bisher in verschiedenen Industrien schon zu einer Einschränkung des Betriebes führte, sv ist, wie derDeutsche Handelsdienst" von zu­ständiger Stelle erfährt, für die Durchfüh­rung des Eisenbahnverkehrs in der nächsten Zeit nichts zu befürchten.. Dank der stärkeren Belieferung aus der Ruhr in den letzten Monaten und den früheren Einkäufen eng­lischer Kohle ist die Reichsbahn hinreichend mit Dienstkrhlen bevorratet. Die Lieferung englischer Kohlen sind allerdings seit einiger Zeit beendet und der vielumstrittene englische Kvhlen- kredit der Reichsbahn ist inzwischen auch schon abgewickelt. Da sich die Verhältnisse äuf dem heimischen Kohlenmarkt seit Beginn dieses Jahres aber erheblich gebessert haben, ist eine Erneue­rung dieser Bezüge zur Zeit nicht beabsichtigt.

sein Blick ging om Vater vorbei in die Tiefe des Zimmers.

Gottfried Dantiger geriet in Elfer. Die Kälte des Sohnes reizte ihn. Er spürte unausgesproche- nen Widerstand und ließ sich dadurch zu aus° schweifenden Folgerungen, zur Ausmalung von Einzelheiten und zu Schilderungen hinreißen die sich in diesem Augenblick phantastisch ausnahmen und über Jahve und Jahrzehnte hinwegsprangen. Er war sich dessen wohl bewußt und schwieg end­lich erschöpft und mit sich selbst unzufrieden.

Cs wurde still in dem rnotterleuchteten Raum, in dem der Schritt des auf und ab wandernden Mannes widerilang.

Der Sohn sah über den Tisch gebeugt und schrieb krause Zeichen auf ein Blatt.

Plötzlich blieb Bantiger vor ihm stehen, stützte die Faust aus den Tisch und fuhr mit verhaltener, tonlos gewordener Stimme fort:

Lenz, sitz nicht wieder so stumm und teil- nahmlos, gib mir ein Wort zurück! Ich verlange keinen Ausbruch des Beifalls, verlange überhaupt keinen Beifall. Sprich dagegen, wenn du Gründe, Bedenken, Zweifel hast, dir an meinem großen Plan rütteln können, nur bleib nicht stumm und verschlossen, als ging dich das alles nichts an!

Lenz blickte nicht auf. Statt der krausen Linien malte er Zahlen, immer dieselben, eine endlose Reihe von Dreiern. Er war dreiunddreißig Jahre alt, und aus dieser Zahl entstanden die unauf­hörlich sich fortsetzenden Zeilen.

Da entfuhr dem Baumeister das wilde Wort: Ich schass's allein! Ich seh' alles dran, was ich in mir hab', ich brauch' euch nicht, weder dich ncxü den. der mir aanz entronnen ist, den Jörg.

Polens aufstrebende Seemacht.

Von unserem Danziger Korrespondenten.

Die Republik Polen bemüht sich nach Kräften, eine seefahrende Ration und im Anschluß daran eine Seemacht za werden. Sie hat eine Marllie- schule in Dirsc^u und besitzt sogar ein Schulschiff tn Gestalt des alten SegelschiffesLwow', außerdem besteht ihre Kriegsflotte aus einigen alten deutschen Torpedo- und Minensuchbooten, die teils in Putzig, teils in Danzig vor Anker liegen. Richt viel größer ist die Handelsflotte: Sie umfaßte nach den Zusammenstellungen des Danziger Hafenausschusses am 1. Juli 1923 etwa 20 Fahrzeuge mit im ganzen 11247 Tonnen, darunter nur ein größerer Dampfer von etwa 5000 Tonnen, alles andere kleine Küstendampfer und Fischerboote.

Aber die polnische Seemacht soll wachsen, und deshalb sorgt Polen schon heute in groß­zügiger Weise für die hierzu erforderlichen Hafen­anlagen. In Gdingen wird ein grohange- legter Handelshafen erbaut, daneben ein lleinerer Kriegshafen für die Flotte und auf der Wester- platte bei Reufahrwasser errichtet Polen eine Riederlage für Kriegsgerät: und baut dazu eigens ein Bassin zum Entladen der Munition, das allerdings zur Hälfte von Danzig zu bezahlen ist. Im übrigen, weshalb sollte Polen nicht bauen? Bauen kostet ja zunächst nichts, wozu dienten sonst die guten Freunde, die für Anleihen zu solchen Zwecken immer zu haben sind!

Anders steht es freilich mit den laufenden kleinen Ausgaben für die junge Flotte. Hierfür ist das Geld anscheinend manchmal recht schwer aufzutreiben. Sw Hat Polen an dem Haupt- und Prachtstück seiner Kriegsflotte, dem von einer holländischen Reederei als ausrangierten Segler gegen eine kleine Anzahlung erworbenen Schul­schiffLwow" bisher wenig Freude erlebt. Wie dieDanziger Allgemeine Zeitung" berichtet, wur­den schon feit Jahren die Bemühungen der hol­ländischen Reederei, zu ihrem Gelde zu kommen, von Polen durch leere Versprechungen hingehal­ten, wobei der Hinweis auf die baldige Be­setzung Danzigs und die damit zu erwar­tende Sanierung der polnischen Finanzen eine Hauptrolle spielte. Die Reederei ging scheinbar auf diese Versprechungen ein, traf aber im stillen ihre Maßnahmen und wartete einen günstigen Augenblick zum Handeln ab. Dieser kam, als die Lwow", die sich bis dahin nur tn der Ostsee bewegt hatte, im Herbst vorigen IahreS zum ersten Male in die Welt hinausfuhr, um als Wanderausstellung die Küsten Südamerikas auf­zusuchen, wo sie die Erzeugnisse polnischen Ge­werbefleißes vorführen und wirtschaftliche Derbin- dungein anknüpfen sollte. Diese Gelegenheit be­nutzte die holländische Reederei, um die Klage gegen die polnische Regierung zu erheben, und als dieLwow" auf der Rückfahrt nach der Heimat Ende Januar d. I. in Cherbourg anlangte, wurde sie auf Grund dieser Klage beschlagnahmt. Die Besatzung wurde auf mehrere Monate nach Hause beurlaubt, die polnische Marine aber muß tarn ihr stolzestes Schiff entbehren, weil die junge Seemacht den alten Kasten nicht bezahlen kann.

Leider scheint es auch mit der Ausbildung des Personals bei der aufstrebenden Seemacht nicht zum besten bestelll zu fein. Wie die Cux­havener Hochseefischerei QL®, mitteilt, hat ein Fischdampser der Cuxhavener Reederei hn August 1921 das polnische TorpedobootKujawiak" an der norwegischen Küste vor dem Untergang und völliger Vernichtung geborgen. Der auf die Rot­signale des Torpedoboots sofort herbeieilends Fischdampfer fand dasselbe in vollkommener Hilf­losigkeit vor. Mit großer Mühe gelang es trotz des hohen Seeganges, der auch Beschädigungen des Fischdampfers herbeiführte, daS Torpedoboot nach Stavanger einzuschlepven. Sine amtliche Pro­tokollaufnahme wurde unter Berufung auf die Hoheitsrechte des Kriegsschiffes ab gelehnt und der Fischdampfer mit seinen Ansprüchen an das polnische Ministerium verwiesen. Seit Winter 1921 bemüht sich die Cuxhavener Gesellschaft um die Anerkennung der gerechten Forderungen aus tatsächlichen Aufwendungen, Schäden und Berge­lohn, aber selbst eine im Frühjahr 1922 von der polnischen Regierung anerkannte Teilforderung für Schadenersatz ist bisher noch nicht aus­gezahlt worden Die geschädigt, Gesellschaft hat um Veröffentlichung der Angelegenheit gebeten, damit sich nicht auch andere Schiffe bei ähnlicher Gelegenheit in unnötige Unkosten stürzen.

Freilich es ist schlimm, wenn ein Volk des Binnenlandes, das vis dahin keine Seefahrt be­treiben konnte, Plötzlich eine Flotte erhalten muß und nicht zu fahren versteht, noch schlimmer aber

und Jugendfürsorge. Di. 67. Dr. Hunte» müller. Rietzsches Zarathustra. Mo. 89 abends, unentgeltlich. Dr. Horneffer. Her- nann Cohens Leben und Werke. Einstündig, un­entgeltlich. Dr. Kinkel. Grundfragen der Religionsphilosvphie. Mi. 78, unentgeltlich. Dr. Raab. Probleme und Aufgaben der Jugend­fürsorge und Jugendpflege. Di. 89 abends. Dr. Stern. Dante und Goethe. Einstündig. Dr. Collin. Uebungen im schriftlichen Gebrauch der deutschen Sprache (Slilübungen). Mo. 2Va4 unentgeltlich. Dr. Faber, Lektor. Uebungen im mündlichen Gebrauch der deutschen Sprache (Redeübungen). Do. 34, unentgeltlich. Dr. Fa­ber. Uebungen in der Kunst des Vortrags (Stimm- und Sprechbildung, Sprechtechnik). Zwei­stündig. Vortrag ausgewählter Proben aus der deutschen Dichtung. Einstündig, unentgeltlich. FrL Be Hag Hel, Hilfsassistenlln. Englische Ergänzungslurse fürGymnasialabi'urienten. 3) Für Anfänger. Mi. 68. b) Für Vorgeschrittene. Di. 68. c) Für Teilnehmer an beiden Kursen: Aus­sprachübungen. Mi. 34. Dr. Spira. Italien im 19. Jahrhundert. Di. 67, unentgeltlich. Dr. "Eigener. Pompeji. Mo. 46. Frl. Dr. Bieber. Dürer, Grünewald, Holbein. Do 67. Dr. Rauch. Der 2. Teil des wohltempe­rierten Klaviers von I. S. Bach (mit Beispielen am Klavier). Do. 89 abends. Prof. Traut- ma nn. Deutschlands Bodenschätze. Mi. 78 abends. Dr. H a r r a s s o w i h. Ausgewählte Kapitel aus der modernen Biologie. Di. 45, unentgeltlich. Dr. Becher. Landschaftskund- liche Einteilung der Erde im Ueberblick. Di. 67, unentgeltlich. Dr. K l u t e. Staat und Wirt­schaft. Mo. 67. Dr. Lenz. Praktisches Seminar für Englisch. The Modern English Nove) (Vorlesung in englischer Sprache). Mi. 56. Assistent Bayliß. Praktisches Seminar für Französisch: Traditions, moeurs, coutumes et fetes populaires des provinces framjaises (Vor­lesung in französischer Sprache). Do. 56. Lektor Vlamynck.

Dis Bomtigev.

Roman von Hermann Stegemann.

4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Und er ist doch ein Stück von mir," fließ Gottfried Bantiger in verbissenem Schmerz her­vor und starrte, alles vergessend, mit aufammen- gekniffenen Augen in den feuer sprühen den Abend--

klang hinter ihm der Schritt des Erst­geborenen. Rasch fuhr er sich über die Stirn als müßte er die Erinnerung verscheuchen, und wandte sich um.

Sie begrüßten sich kurz und karg, schon vom Geschäft des Tages erfaßt, aber der Gruß kam beiden aus warmem Herzen. Und nun bezwang sich der Baumeister und schwieg von seinen neuen großen Plänen, bis er den Sohn ruhig und sach­lich über Gang und Stand der Verhandlungen unterrichtet und von ihm einen Gegen bericht halten hatte. Er wußte, daß er An Nicht über­raschen durfte, ihm keine neuen Anschläge vor- sehen durfte, bevor die laufenden Geschäfte er­ledigt toaren. Lorenz dachte langsamer als der Vater und scheute vor unerwarteten, scheinbar überstürzten Handlungen leicht zurück.

Erst im letzten Augenblick, als alles anbere besprochen und erledigt war und der Sohn der den Auseinandersetzungen des Vaters wortkarg, aber aufmerksam gelauscht hatte, schon zum Auf­bruch rüstete, lenkte der Baumeister das zer- flatternbe Gespräch auf seinen neuen Plan.

Der Sohn horte stumm zu. Dein schmales, hageres Gesicht erstarrte zu ausdrucksloser Maske.

Butzbach - Sicher Eisenbahn.

i. Butzbach, 15. Mai.

Unter der Leitung des Vorsitzenden des Auf­sichtsrats der D u h b a ch-L icher Eisenbahn- Aktiengesellschaft fand heute auf dem hie­sigen Rathaus eine Sitzung der Vertreter der an dxr Eisenbahn beteiligten Gemeinden statt, zu der Bürgermeister Volker- Lich eiiigel-abcn hatte. Das Kreisamt Gießen war durch Regierangsrat Hemmerde, das Kreisamt Friedberg durch Rogierungsiat Rind fuß ver­treten. Außerdem nahm noch Landtagsabgeorb- neter Fenchel an der Tagung teil. Zu be­sprechen waren die Anträge der Firma Lenz wegen Vermehrung des Aktienkapi­tals und Rückzahlung der Obligatio­nen, sowie die Fahrplanwünsche der an der Strecke liegenden Gemeinden. Das einleitende Referat zu den beiden ersten Punkten gab Bürgermeister Volker. Rrgierungsrat Hem­merde legte die rechtliche Seite der Angelegen­heit dar, wie sie durch die dritte Steuernotver- vrdnung insbesondere geschaffen ist. Er gab, be­sonders bei dem geringen Angebot der Firma Lenz, das eine 4prozentige Aufwertung Vor­schlag, den Rat. auf eine Rückzahlung im Augenblick zu verzichten und die Auswirkung der obengenannten Verordnung abzuwarlen. Der Vertreter des Kreisamts Friedberg unterstützte diese (Ausführungen. Da das hessische Ministe­rium schon der durch die Generalversammlung be­schlossenen Vermehrung des Aktienkapitals seine Zustimmung versagt hatte, einigte man sich auf folgende Beschlüsse, die Bürgermeister Völker durch die beiden Kreisämter dem Ministerium unterbreiten sollen:

1. Ein neuer Detriebsvertrag m:g' nicht die staatliche Genehmigung er­halten, wenn er tn Widerspruch stehe mit der Konzessionsurkunde und dem Sa- nierungsvertrage von 1913. Ein Gut­achten des Justizministeriums soll dazu erbeten werden. Jedenfalls darf eine Bestimmung, nach der die Bahnbetriebsleiterin nicht verpflichtet ist, wirtschaftlich unrentable Züge zu fahren, nicht genehmigt werden.

2. Eine Vermehrung des Aktien­kapitals möge nur dann gestattet wer­den, wenn das Bezugsrecht der Ge­meinden so gestaltet wird, daß es sie in pro­zentual gleicher Weise am Aktienkapital wie seit­her beteiligt und es nicht nur nach der Höhe der in Besitz befindlichen Obligationen, sondern (durch Geldzahlung ausgeübt werden kann.

3 Die Rechte, die die Gemeinden aus dem Obligativnsbesih haben (Stimmen im Auf­sichtsrat usw.), müssen auch in Zukunft nötigen­falls durch neuen Vertrag gewahrt werden.

4. Die Beschlüsse der letzten Ge. eralversamm- lung sind durch die dritte Steuernotverordnang als überholt anzusehen. Insbesondere ist heute eine Kündigung der Obligationen un- 8 U 15 Di^Gemeinden verzichtenaus die Um­wandlung der Obligationen in Ak­tien und ersuchen soweit dies noch nicht >ge­schehen ist um baldige Eintragung ihrer Hypotheken in die Grundbü­cher. Die Obligationen sollen nach der dritten Steuernvtverordnung bzw. nach den an deren Stelle tretenden Lesehlichen Bestimmungen be­handelt werden. ~ _

6. Die Wünsche der Stadt Dad-Rau- h r i m die eine gleiche Behandlung wie die übri­gen Obligationsgläubiger erstrebt, nachdem sie die Kündigung der Schuldverschreibungen s. Z. angenommen hatte, sollen unterstützt werden.

Rach diesen Beratungen ging man zur Be­sprechung der F ahr p la n wünsche über. Man verlangte die Einlegung des Abendverlehrs zwi­schen Dad-Raüheim und Butzbach bzw. Lich, die besonders während der Rauheimer Kurzeit not­wendig ist. Der Arbeiterzug, der bisher abends nur bis Ettingshausen fährt, soll bis Queckborn duichgeführt werden und von dort morgens als F.ühzug zurückkehren. Die Stadt Butzbach und die preußischen Gemeinden an der Eisenbahn wünschen für die Milchbeförderung einen Sonntagszug. Diese Beschlüsse fanden einstimmige An­nahme.

Vom Getreidemarkt

Der deutsch-russische Zwischenfall, dem die . Schließung der russischen Handelsvertretung in Berlin folgte, hat bis jetzt keinen bemerkenswerten Einfluß auf den Produktenmarkt gewonnen. Da­bei dürfte allerdings zu berücksichtigen sein, daß. obgleich neue Getreideverkäufe von feiten der Russen zur Zeit nicht mehr getätigt werden, doch der Erfüllung bestehender Kontrakte nichts in den Weg gelegt wird. Auch besteht immerhin die Hoffnung, daß die Differenzen in nicht allzu ferner Zeit beigelegt werden. Davon abgesehen, kann nur immer wieder gesagt werden, daß die Verhältnisse am Geldmarkt und di: schwierige Lage des Prvduktenmarktes überhaupt irgend­welche andere, früher sehr beachtete Momente, vollständig wirkungslos machen. So blieb der amtliche Bericht über den Sacrtenstand in Preußen ganz ohne jede Beachtung, obgleich er mit einem Durchschnittsprädikat von 3.5 für Roggen gegen 2 9 im Verjähre recht ungünstig lautet. Aller­dings : Bis zur Ernte ist eine Besserung der Aus­sichten sehr leicht niöglich. auch lauten private Berichte aus dem Lande etwas günstiger.

An der Produktenbörse hörte man in dieser Woche von einer Aufhebung des Verfütterungs- verbotes für Brotgetreide, auch wollte man wissen, daß amtlicherseits die Wiederaufnahme der Roggenspiritusbrennerei in Erwägung gezogen sei. Eine Bestätigung dieser Meldungen liegt zur Zeit noch nicht vor und ist im letzteren Falle auch unwahrscheinlich.

In Süddeutschland brachten zahlreiche Mehl- Versteigerungen stark gedrückte Preise. Es läßt sich beobachten, daß französische Mehle vom fran- I zösischen Handel zurückgekauft wurden, da die Ab- U1M. aiLIIIII II um !!! .

bauen wie ich, nur auf leichtere Art, weil ich dir für einen festen Grund, einen Romen und die hohe Schule gesorgt habe, so tritt von mir weg, Lenz, und geh mit meinem Segen den eigenen Weg. Das verwehr' ich keinem, ich hab' auch den Jorg nicht gehalten, als ich erkannte, daß ich ihn in den Bock hätte spannen müssen, um ihn zu fesseln. Er ist gegangen und ich ^b die Schwelle nicht hinter ihm reingewischt. Er kann kommen, wie er gegangen ist. Gerdas verlangt nicht von mir, daß ich auf meine Gedanken, aus meine Pläne, auf mein eigenes Leben verzichten soll 3a ich brauche keinen Rat, auch den deinen nicht nicht aus Stolz, mein Sohn, sondern well ich nichts Fremdes ertrage, nicht mehr eins bin mit mir, wenn ich auf andere fröre. Du bist mir ein treuer Helfer, wenn ich's fertig vor dich bringe und sage:So, jetzt greifen wir's an aber ich kann nicht anders als allein sinnen und allein regieren. Das ist schwer für euch, gut, ich glaub' es dir, aber sag' selber, meinst du, ich dächte daran, es euch, dir, der Ens, dem Jorg, den Ingenieuren, den Bauleuten, den CRunfern, jedem Steinhauer und dem Herrgott im Himmel mit Fleiß schwer zu machen? Du schüttelst den Kopf? Run wohl, so nimm den Vater und den Baumeister wie er ist oder streck dir dein eigenes Gleis und führe es besser, gerader, schneller zum Ziel als der Jorg! Ich geb' dir den Weg frei."

Gottfried Dan tiger hatte mit wachsender Ruhe gesprochen, zuletzt llar und ohne Bitterkeit. Er fühlte sich so frei, daß er beinahe gewünscht hätte, der Sohn nähme seine Freiheit zurück und über­ließe dem Vater sein Lebenswerk zu einsamer Vollendung.

(Fortsetzung folgt.)

Die Wirtschaftslage in Argentinien.

Don Oberstleutnant Justo E. Diana, Konsul der Republik Argentinien, Berlin.

Die weltwirtschaftliche Krisis, die dem Welt­kriege infolge seiner mißlungenen Liquidation folgte, hat auch Argentinien nicht verschont, wo sie mit besonderer Schärfe 1921 auftrat. Dank seines gesunden Wirtschaftskörpers befindet sich Argentinien jedoch bereits wieder in der Re­konvaleszenz. Die Temperatur einer Ration ist ihre Handelsbilanz und diejenige Argentiniens nähert sich wieder der Rorm. Die Handels­bilanz, die früher stets mit einem Aktivsaldo zu­gunsten Argentiniens abschloß, zeigte 1921 den erschreckend hohen Passivsaldv von 78.4 Mill. Goldpesos, der sich 1922 auf 13,6 Mill. Goldpesos und 1923 noch weiter vermindert hat, ein Zeichen, daß sich die Krisis löst. Ihre Hauptursache bildete die verringerte Ausnahmefähigkeit des kontinen­talen Europas für die Produkte Argentiniens: während man in Mitteleuropa kein Geld zur Bezahlung hatte, hielt man in Frankreich und Italien mit den Käufen zurück, um die Währung nicht zu gefährden. Mn ter dieser Absatzstockung hatte namentlich die argentinische Viehzucht zu leiden, da die Viehpreise auf einen Bruchteil des normalem! Preises sanken.

Die Passivität der Handelsbilanz ist auch der Grund für den ungünstigen Wechselkurs der argentiniichen Währung gegenüber Dollar und Pftlnd. Da die einzige Einnahmequelle Argen­tiniens der Erlös feiner Ausfuhr ist und es andererseits namhafte Beträge für den Zinsen- sdicnst seiner Anleihen nach England und Rord- amerika zu remittieren hat, so muß, wenn wie gegenwärtig die argentinische Einfuhr größer ist als die Ausfuhr, sich die Währung zwangs­läufig verschlechtern. Gleichwohl ist der argenti­nische Peso mit einer Golddecke von 80 Proz. d i e be st fundierte Währung der Welt (der Dollar ist zu 31 Proz., das Pfund nur zu 24 Droz, durch Gold gedeckt). Die inländische Kaufkraft des Peso hat weniger gelitten als die­jenige der meisten Währungen. Die Preise tn Argentinien sind gegenwärtig nur 36 Proz. hoher als 1913: gleichzeitig sind aber die Löhne um 71 Proz. gestiegen, so daß der Reallohn wesent­lich größer ist als vor dem Kriege. Ein Kilogramm Rindfleisch kostet nur 17 Centavos (24 Pf.) gegen 39 Centavos vor dem Kriege. Die übrigen Ratz« rungsmittel liegen etwa 40 Proz. über den Vor­kriegspreisen. Infolge der auch in Argentinien herrschenden Wohnungsnot sind die Mieten um 50 Proz. hoher als 1913.

Die deu tsche Ei nfuhr tn Argentinien hat 1922 92,7 Mill. Goldpesos betragen, d. fr. mehr als vor dem Kriege (1913: 83,9 Mill., 1912: 74 2 Mill. Goldpesos). Die argentinische Aus­fuhr nach Deutschland hatte 1922 einen Wert von 52,8 Mill. Goldpesos (1913 62,2 Mill.): sie wächst ständig. In der letzten Zeit haben sich die Viehpreise etwas erholt: Rinder für die Her­stellung von Gefrierfleisch kosten jetzt 90 bis 130 Papierpesos: Rinds häute notieren IP/e bis 14 Papierpesos. Die Getreideernte 23/24, die jetzt frereingefommen ist, wird für die größte gehalten, die Argentinien je zu verzeichnen hatte. Es wurden schätzungsweise ge­erntet: 7 058 000 Tonnen Weizen, 4 800 000 T. Mais. 1 605 000 T. Leinsaat, 1 191 000 T. Hafer und 276C03 T. Gerste. Das Eisenbahnnetz (38 COO Kilometer) wird weiter ausgebaut: die Ltaatsbahn allein hat 3003 Kilometer in Angriff genommen, darunter eine neue Transandenbahn von Salla nach Fagosta. Die öffentliche Schuld Argentiniens (einschließlich derjenigen der Provinzen und Gemeinden) beträgt 3 Milliar­den Papierpesos, ist also verglichen mit der Einwohnerzahl (10 Millionen) und den großen natürlichen Hilfsquellen des Landes relativ Nein.

Wan wird der Hoffnung Ausdruck geben dürfen, daß das in Europa virifach brachliegende Kapital sich in immer stärkeren Maße den ge- winnrcichen Belä igungsmög ichlli en zuwendrt, die sich in der argentinischen Petroleum-Produk­tion der Holzausbeute, der Bautätigkeit, sowie in der Daumwoll-, Woll- und Lederfabrikation bieten. Das starke deutsche Element in Argenti­nien, das bisher schon soviel zum Aufschwung des Landes beigetragen hat und wegen seiner Recht­schaffenheit und wirtschaftlichen Regsamkeit sich hoher Wertschätzung erfreut, wird auch in Zu­kunft ein wichtiger Faktor in der aufstrebenden Wirtschaft Argentiniens sein.

ist es, wenn es Schiffe, Personal und Derwcll- tungskosten seiner Flotte nicht zu bezahlen ver­mag. Ob man auch in solchem Falle wohl sagen darf:Ravigare necesse est?"

Hochschulnachrichten.

Sommersemester 1924 an der LandeS- Universtlät Gießen. Vorlesungen für Hörer aller Fakultäten.

Mission und Kolonialpolitik vor, in und nach dem Vertrag von Versailles. Do. 89 abends, unentgeltlich. Dr. Frick. Kursus der Körper- Untersuchung und Körpermessung. (Sinftünbig, Zeit nach Vereinbarung. Dr. Henneberg. Ver­erbung und Vererbungsfrygiene (mit Lichtbildern). Do. 67. Dr. Huntemüller. Jugendpflege

Lorenz Bantiger zerbrach die Spitze des Stiftes über der letzten Hrei und richtete sich langsam auf. Gelblich verfärbt starrte fein bart­loses Gesicht, und zwischen den Augen erschien eine Ader, die von der großen Zornader des Vaters flammte. Aber es war immer noch die ölte Scheu vor 6em gewaltigen Teniperament des Baumeisters und das Gefühl der eigenen Unter- legen freit, die seiner Stimme Kraft und Ent­schiedenheit raubten, als er äußerlich ruhig, inner­lich bebend, antwortete:Du schaffst alles allein. Wir wissen's, Vater, und ich weiß es besser noch als der Jorg, denn ich bin bei dir geblieben, and ich hob' es schwer, meinen Mann zu stellen, denn alle wissen's, daß du der Meister bist und alles aus dir selbst erschaffst. Ich steh' daneben. Das ist nicht leicht, wenn man breiunbbretßtg Jahre zählt. Du machst es einem schwer, ja schwer, Vater!"

Das letzte Wort schrie er laut, um einen heftigen Ausbruch des Vaters zu übertönen. Dann raffte er still, mit hastigen Bewegungen die Brief­schaften zusammen und wandte sich zur ^.ur.

Gr hatte die Hand schon auf die Klinke gelegt, ols der Vater mit kalter ruhiger Stimme zu sprechen begann und ihn durch die Kraft feiner

Ich" mach's euch schwer? Ei, wo steht denn geschrieben, baß ich es euch leicht machen soll, indem ich von meiner Art lasse? Soll ich 3urüd- treten von meinen Werken, um der Jugend den Platz zu lassen? Ich hab' ein Recht auf mein Schaffen, denn ich hab' geschafft ehe einer von euch da war, und ihr selber gehört zu meinem Schaffen. Willst du dich trennen von mir, willst dir selbst ein Lebenswerk aus dem Stein