Ausgabe 
15.12.1924
 
Einzelbild herunterladen

Zit. 2 5 Elster 6iatt

N4- Jahrgang

Montag. 15. vezemver (924

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oderhessen

Vrv« und Verlag: vrühl'schr Univtrßtittr.vnch- und $ttin»ru(!«ei H. Lange in Sieben. Schriftleitnng und Scschäftrftelle: Schulttrabe r.

2ieeal}iet von 2*i._. . .> für bie Tagesnutr.mei bis zum 9<ad>mittag vorher o^ncitbcDerbinbltdikeiL Preis für \ mm hohe

für Anzeigen von 27 mm Brette c>rtlich8, ausroürts 10 (Bolbpfenntg; für 'He» Klamc-Aiijeigen o 70.um Brette 35 ibolbpfeitnig, Plutjüorfd)rift 20 ,21 uf- chlag. - Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton: )r Friedr. 2vilh Vangc; ür den übrigen Teil: Ernst Dlumschein.' für den Anzeigenteil: Haus Deäi, sämtlich in Gießen.

Erscheint täglich, außer Sonn^ und Feiertags.

Beilagen:

GießenerFamilienblStter Heimat im Bild.

MonatS'Lezvcrprelr:

2 Boldmark u . 20 Gold» Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n f p r e ch'Anschlüsse: Schnfileitung 112, Der» sag undGeschäf'.sstellebl. Anschrift für Drahtnach­richten: An;eiger<Siejzen.

Popfcheckkonto: Jranffun a. M. 11688.

5

Der Prozeß des Reichspräsidenten.

Magdeburg, 13. Dez. (5.11) Zum heu» tlgcn fünften V:rhanDlungstag find die früheren Minister und Staatssekretäre Fehrenbach, Makiras, Grüner, Dr. David und Stein olS Zeugen erschienen.

Der als Zeuge vernommene damalige Staats­sekretär Wallraf bekundet, der Wgeordnete Ebert habe zu dem Streik in Oesterreich im Hauptausschuh Stellung genommen und dabei das Verbot desVorwärts" mit dem Hinweise verurteilt, daß durch die österreichische Presse der Streik in Oesterreich der ganzen Welt be­kannt geworden sei. Vach dem amtlichen Bericht erklärte er weiter: Die Sozialdemokratische Par­tei begrühl mit grober Sympathie die Bewe­gung Der österreichischen Arbeiter und erklärt sich mit ihnen in aller Form soli­darisch. Wir bringen zum Ausdruck, dah die deutsche Sozialdemokratie ebenfalls fest ent­schlossen ist. die Forderungen der Annexionisten zurückzuschlagen, um einen Frieden der Ver­ständigung herbeizuführen. Darauf fei eine Vcdc des Abgeordneten Scheidemann ge­folgt, der erklärt habe, in Deutschland sei jetzt die gleiche Stimmung wie in Oester- reich unmittelbar vor Ausbruch des Streikes. Er schloß seine Vede:Wir drohen nicht, aber wir warnen." Wallraf habe in einer Erwiderung auf einen Angriff Scheidemanns im Reichstage festgestellt, daN die Zahl der Streikenden 160- biS 200 000 Taufend in Berlin betrug. Das gleiche sei auch von dem preuhischen Ministe­rium des Innern festgestellt worden, während derVorwärts" am 28. Januar von 250 000 und mehr gesprochen habe. Scheidemann ver­wies in seiner Angriffsrede darauf, daß der bayerische Minister des Innern in öffentlicher Kammersihung der Sozialdemokratischen Partei seinen Dank für ihr Eingreifen in den Streik ausgesprochen habe. Er, Wallraf, habe aber er­widert, daß die Ansicht des Ministers nicht die feiniac sei. Aus die Frage der Verteidigung erklärte der Zeuge:

Ich bin der Ueberzeugung, daß der Streik be­schränkt ober verhindert worden wäre, wenn die Sozialdemokratische Partei von vornherein die Arbeiter davor gewarnt hätte.

Eine Anfrage des RechtSanwalteS Dindewald, ob der Zeuge es für möglich ha te. dab die Sozial­demokratie durch den Ausbruch des Streikes überrascht wurde, erwiderte der Zeuge: Ich glaube, dab die Sozialdemokratie durch den Streit iiber:ascht wurde. Der Generalstaatsan­walt stellt dann an den Zeugen die Frage, ob eine Einschränkung oder Dermi iderung des Strei­tes auch eingetreten sein würde, weiin eine der­artige Warnung am 29. Januar erfolgt wäre. Zeuge Wallraf beantwortet die F age dahin, dah eine richtige Antwort nicht leicht zu geben sei. In der zweiten S:tzung des Hauptausschusses zeigte der Abgeordnet~ Baumann ein Fllw- blatt, in dem zum Massenstreik auf ge­fordert w irbe. Di ses F^ugb.att war aury d.r preußischen Regicru: g bekamt, a^er Der dama ige Innenminister war nicht Der Meinung, Dufj Der Streik irgendwelche Bedeutung haben könnte. Am 28. Januar war er Da und am 29. versuchten S«Heidemann und Haase zusammen mit Ver­tretern des Aktionskomitees des Arbeilerra es. mich zu sprechen. Später versuchte Scheidemann auch wied.r'?ot. te'elrhon sch eine Konferenz herbei,u ühren. Ich erflä te mich bereit. Haase und Scheidema in zu empfangen, lehnte aber ab, mit Den streikenden Arbeitern zu verhandeln. Als Scheidemann auf feinem und ich auf meinem Standpunkt verharr e, tonnte die Ko rfe enz nicht stattfinden und am 2. Februar war der Streik zu End e. Durch den Ianuarstreik wurde dem pv it schen A fc,c;t Deutschs« .ds ein schwerer Schlag versetzt.

General von Stein, zur Zeit des Ianuar- streiks Kriegsm nister. wird a's Zeuge da Über gehö t ob nah s i c- Kenntnis Maßnahrn"n der Landes c tciDituig u.ch d so ia - demollaüsche Parte, durchrreuzt wu d.n.

Er gibt an, daß mit vielen Schwierigkeiten durch die Sozialdemokratie zu rechnen war. Die Regie­rung wurde von drn Sozialdemokraten im Reichs­tag heftig angegriffen.

Rechtsanwalt Martin fragt dann den Zeugen, welche Wirkungen Der Streik auf Die Kriegfüh­rung gehabt habe. Der Zeuge erklärt: .Vom Oktober 1917 bis Oktober 1918 war ich Kriegs­minister. vorher Truppenführer im Felde. Wenn ich damals meine Leute im Schützengraben be­suchte, so baten sie mich immer flehentlich. Ex-' zellenz, (ar(cn Sie schieben! Wir muhten aber mit der Munition überaus sparsam umgehen, Denn Die war sehr knapp: namentlich auch, weil wir auf und allein angewiesen wa­ren. Es ist daher klar, dab jeder Muni­tionsarbeiterstreik uns den gröhten Schaden zusügen muhte. Die Sozialdemokratie Hal auch heftige Angriffe gegen die Oberste Hee­resleitung gerichtet. Rechtsanwalt Dr. Heine stellt fest, dah er als Abgeordneter mit Dem Zeu­gen eine Auseinandersetzung über ein Verbot der HardenschenZukunft" hatte. Der Zeuge v. Stein erwidert, dah dort ein Artikel stand, den ein Franzose geschrieben haben Ln-tc. Rcchts- anwalt Bindewald fragt n, ob Die Rüstun­gen für Die 1918 bei Amiens geplante Offensive durch den Ianuarstreik beeinträchtigt worben fei.

Militärkontrolle und Kölner Jone.

Die Gründe

für eine vertragswidrige Verlängerung der Räumungsfristen.

London. 14. Dez. (TU.) lieber die an- geblichen d.utsch n Kr egsrü'tunze t äußert sich heute der diplomatische Korrespondent d.'s .Daily Telegraph" im G grnsatz zu der Hetze Der .Daily Matt" in etwas zurückyalten- Dcm Tone. Er sagt: Der Bericht Der Kontroll­kommission. Der am Montag Der Kontrollkom­mission vorgelegt werden soll, sei noch nicht als endgültig zu betrachten, sondern als en In­te r i m s b e r i ch t, d.r auf Grund Der Derh nd- Iung~n entstanden sei. die früher zwischen Den in 5.age kommenden R g e ungen g führt wur­den. England müsse darauf bestehm, dah die Kommission einen endgültigen Bericht zu einem früheren Ze.tpunkt vorleg', um Eng­land eine Entscheidung über Die Räumung der Kölner Zone in engster Anlehnung an d i e Bestimmungen des Versailler Vertrages zu ermöglichen. In englischen diplomatischen Kreisen s i man allg mein Der Ansicht, dah der endgültige Bericht der Mili- tärkontrollkommissivn nicht so ungünstig für Deutschland aus allen würde, wie es fast überall vorgestelll worden sei. Indessen müsse man es als eine Tatsache hinnehmen, dah der vorliegende Interimsbericht e r n st l i ch e Der- tragsbrüche durch Deutschland u d ernste Ge­fahren für D e Alliiert.n seststelle. W h sche rl ch würden Mängel der deutschen Ent­waffnung. die von der M l täriontrollkom- Mission festgestcllt und aufgeDedt worden feien, eine Verzögerung Der Räumung Der Kölner Zone um einige Zeit zur Folge haben.

DerObserver" scheibt: Zu Der Möglich­keit. dah Die britische Besetzung Kölns über den 10. Januar 1925 hinaus ver.ängert werben könnte, sei eine schwierige Foage. Die Engländer könn­ten nicht unter Bruch des Friedens­vertrages in Köln bleiben, sie würden aber andererseits auch nicht dem Zwecke des Friedens dienen, wenn sie die Zone ohne Rück­sicht auf die Folgen räumen würden. Deutsch­land werde zugestehen müssen, dah die Anwesen­heit britischer Truppen in Köln es gegen die Wiederaufnahme der glücklicherweise aufgegebe­nen Politik seitens Frankreichs schütze: Frankreich aber werde anerkennen müssen, dah die Eng­länder ihre Garnison in Köln nicht ohne Zu­stimmung Don Deutschland über den 10. Januar hinaus belassen könnten. B elleicht werde Frankreich einer früheren Räu­mung des Ruhrgebiets zustimmen, wäh­rend Deutschland sich mit einem späteren Zeitpunkt für d i e Räumung Kölns einverstanden er'D-en konnte IUnfalls toe-De einKvmvrv r er wech: A t un e mei?» lich fe n. Das Dew.i.m.teriu a ü_. faö Deutlch- land f ei. e Entwalfnungs.erpflichturgen um­

gangen habe, werde vollständig über­zeugend sein müssen, um Die Beibehaltung Der brit schen Garntton auf Deutschem Boden auf unbestimmte Zeit zu rechtfertigen.

Deutschlands Verfehlungen".

Ein französisches 3r|,9 'is für Deutschlands schwache.

Paris. 13. Dez. (TU.)Ere Vouvelle" bringt zur Abrüstungskontrolle in DeutschlanD einen Artikel. Der von Denselben offiziösen Krei­sen beeinflußt wurde wie Der kürzlich unMatin" veröffentlichte Artikel. Eine hohe militärische Per­sönlichkeit. es handelt sich offenbar um Den Ka° bine11schef des Generals Rollet, hat Dem Vertreter Des Blattes crflärt:

DeutschlanD rüstet nicht zum Kriege. Deutsch­lanD ist unfähig, eine neue Offensive vorzubereiten unD wirb es bei der gegen­wärtigen üleberwachungsmethoDe auch nicht in einigen Jahren können. Rein. Die Militärkontrolle hat zu keinem Mibersolg geführt. Alle Dies­bezüglichen Pressemeldungen sind ebenso st u - piDe wie verbrecherisch. Für eine Beun­ruhigung Der öffentlichen Meinung ist nicht Der geringste Grund vorhanden."

Das Blatt macht weiter gegenüber Den von Berliner Vertretern Der hiesigen Presse verbrei­teten irreführenden Meldungen folgende Fest­stellungen:

1. Die Offiziere der Kontrollkommission konn­ten sich stets zu den Kasernen und Arsenalen Zugang verschaffen.

2. Es ist unrichtig, dah in den Krupp­schen Werken 22 000 Gewehrläufe lagern. Es handelt sich um einen Posten von 15 000 Lau­fen und ist unmöglich nachzuweifen, dah Die Firma Krupp sich damit einen Derstoh gegen die Abrüstungsklausel zuschulden kommen lieh.

3. Das Vorhandensein vorr Ausrüstungs- gsgenständen wie Offiziersh Ime, Uniformen uiw. hat nicht- auf sich, da es unmöglich ist, mit diesen Gegenständen eine Offenfloc in die Wege zu leiten.

4. Die Kommission hat nicht, wie fälschlich behauptet wurde. 2025-Millimeter-Kanonen ent­deckt, sondern 80-Millimeter-Geschütze aus Der Vorkriegszeit, Die im besten Falle a l s altes Eisen Verwendung finden können.

5. Es trifft zu, dah Die Kontrolloffiziere in Die Archive des Reichswehrministe­riums keinen Einblick nehmen konnten, doch miht man in den zuständigen militärischen Krei­sen Frankreichs diesen Archiven nur winzige Bedeutung bei.

Zeuge v. Stein entgegnet. Wir hatten nur mit einem Minimum von Munition gerechnet.

Der nächste Zeuge, General v. Wrisberg, war beim Ausbruch des IanuarstreikS Chef des Allgemeinen Kriegsdepartements. Er äußert sich zur Frage des IanuarstreikS dahin, dah dieser nicht nut in schärfster Weise Deutschland- Landesvrrte'd gung b e nträchtigte. sondern auch die Siegeszuversicht der Feinde stärkte und das

Vertrauen bet kämpfenden Truppe schwächte.

Der Zeuge fährt fort:Run zu Der Stellung der sozialdemokratischen Par ei! Die Presse der Mehr» heitssozialdemokraten hat während des ganzen Krieges jeden Versuch zur Hebung der Stimmung unterlassen. Die Disziplin muhte geschäd gt wer­den. wenn z. B. der sozialdemokratische Abgeord­nete Davidsohn im Reichstage in Uniform scharfe Angriffe gegen Den Kriegsminister r'ch- tete. Der VorsitzenDe teilt Diese Ansicht nicht unD fragt Den Zeugen, was Derrn Herr Ebert Damit zu tun habe. v. Wrisberg hebt hervor. Dah Herr Ebert Die sozialdemokratische Jugend aufgeforDcrt habe, sich nicht zur mili­tärischen IugenDausbildung zur Verfügung zu stellen. Rechtsanwalt He ne erwidert. Dah Die Arbeiterturnvereine diese Aus­bildung übernommen hätten, v. Wrisberg über­reicht bann den amtlichen Bericht über eine Rede Eberts im Hauptausschuh, in der die Re­gierung und die Heeresleitung angegriffen und gegen einen 4. Winterfelbzug Stel­lung genommen toirb.

Rach einer Pause wird der Zeuge Reichs­kanzler a. D. Fehrenbach vernommen. Auf bic Frage bes Rechtsanwalts Heine, wie die Lage Anfang Juli 1917 war, erwidert Fehren­bach. dah im Januar 1917 der Beschluß gefaßt wurde, tn den uneingeschränkten 11- Dootkrieg einzutreten. D:thmann und Hclffe- rlch waren dagegen. Man befürchtete, dah Dann Amerika den Krieg crCären könnte, aber Admi­ral v. Capelle, Der Marinestaatssekretär, bracht in schärfster Weise zum Ausdruck, dah von Amerika keine Gefahr zu erwarten sei. Als Dann der uneingeschränkte ÜI-Bootkrieg innerhalb von 6 Monaten keinen Erfolg hatte, ver- anlahten Das Zentrum, Die Demokraten unD Die Sozialdemokraten Die Einbringung der bekannten Friedensrefolution. Aus eine weitere Frage des Rechtsanwalts Heine, ob der Zeuge gehört habe, daß Ebert sich für Die Landäver- tciDigung eingesetzt habe, bemerkt Fehrenbach: Ich hatte damals Den Eindruck unb habe ihn i noch heute, dah die Mehrheit der Hoztaldemo- I

krakle und Ihrer Führer so vaterländisch gesinnt waren wie jede andere Partei.

Ich bin Der Meinung, dah selbst Die revolu­tionäre Stimmung im Rovember 1918 nicht von Der Mehrheit ssozialDemokratie getragen wurde. Auch nach Ausbruch Der Wirren hat Ebert in zwei Rachtverhandlungen bis in Den Morgen hinein mit Gewerkschafts­vertretern und sozialdemokratischen F'hrcrn Dar­über verhanDelt, wie ein Generalstreik und son­stige öffentliche Ülnruhen verhinDert werden könnten.

Der frühere Krie^sminlster und spätere Reichsverk hrsmi"ister Gröner erklärt. Daß er als Cbri Des Kriegsarntes in Den Jahren 1916 und 1917 jcDerjeit vollstes Verständnis für Di" S'gerungen Der Landesverteidigung bei Der Sozialdemokratie und Sbert ge­sunden habe. Heber die Zelt nach Dem Zusam­menbruch sagte Gröner auf Befragen. Ebert habe nach dem Zusammenbruch di? F-rerungen der Obersten Heeresleitung nachdrücklichst un­terstützt und alles g'tin, um ihre Forderungen durch us»tzen. Dw Zeuge verliest sodann einen 'Brief vom 8. 12.18 des GeneralfelDrnar- schalls von Hindenburg an Ebert, in Dem (Sirrt. Der krrn Fel ^marsch all als treuer deut­scher Mann. Der sein Vaterland über alles liebe, geschildert sei. gebeten wird, mit an Der Rettung Des Volkes vor dem Drohenden Zusammenbruch zu a-Mtcn.

2lls nächster Zeuge wird Der sozialdemo­kratische Abg. Dr. DaviD v-rnommen. Der Dar­legt. Daß Die Sozialdemokratie stets, auch nach Der russischen Revolution, am Prinzip Der LanDesvertelDigung festgehalten habe. Ebert sei Pessimisten in toiriiamer Rede entgegengetreten unD habe betont, daß von einem 5 ri<-De n um jeden Preis unter keinen Umständen die Rede sein Dürfte.

Der jetzt Der Deutschnationalen Partei an­gehörige frühere Berichterstatter desVor­wärts". Emll Unger, bekundet. Der foial» Demokratische Parteivorstand hätte Die Möglich­keit aehabt. gegen Die Vorwärtsartikel für die StrcikforDerungen eine Erklärung zu erlassen, wenn er Den Streik nicht gebilligt habe.

Rechtsanwalt Heine verliest soDann einen Brief. Den Ebert 1917 an seinen Sohn Georg schrieb, in Dem in bezug auf Den Damaligen Streik getagt toirD:Solche Rarrenftr eiche Dienen nicht Dem Frieden, sie gefährden euch draußen an Der Front unD steigern Die Kampfeslust Der FeinD e."

Die Sitzung wird auf Dienstag vertagt.

Die Regierungskrisis.

Die Lozialdemokrntcn beim Kanzler Die Haltung des Zentrums und Der

VokSpartci.

Berlin, 14. Dez. ,WTB.) Der ?icid>* kanzler empfing Die Mitglieder Der fozialdemo- kratifchcn Reichstagsftaltion Hermann M ü l ler, WelS, Dittman n und Hilfer - . Ding. Diese erklärten, der Ausfall bei Reichs­tagswahlen bedeute nach ihrer Meinung eine Bestätigung und Billigung Der bis­herigen Politik Der Reichsregie­rung, insbesondere ihrer Außenpolitik, welche auch von Der Sozialdemokratie un­terstützt worden sei. Ihrer Meinung nach könne nur eine Linksregierung in Frage kommen. Für den Fall, daß trotzdem eine Erweiterung Der Regierung nach rechts erfolgen sollte, kündigten die sozialdemokratischen Führer die schärfste Oppofitlon ihrer Partei mit allen Mitteln an. Der Reichs' kanzler gab zu diesen Ausführungen keine weiteren Erklärungen. Er betonte nur. daß zweck­mäßigerweise Die Partei mit Der Regie­rungsbildung beauftragt würde, die Die An­regung an der Erweiterung nach rechts gegeben habe.

Wie die Telegraphen-Ülnion erfährt. Dürften die Deutschnationalen und Die demokratische Partei sowie das Zentrum am Mittwoch, und Die sozial­demokratische Partei am Donnerstag zusammen- treten Das Berliner Zentrumsblatt, dieGer­man i a", schreibt, Der diesmalige Wirrwarr hätte vermieden werden können, wenn dir Parteien ihre Wahltaktik höheren Gesichtspunlten unter­worfen hätten. Schon im allen Reichstag habe niemand getoapt, die Regierung derMittelpartcien zu stürzen. Die Logik und Die Tatsachen würden auf Die große Koalition durch Einbez.ehung der Sozialdemokraten und schließlich auf eine Volksgemeinschaft durch Einbeziehung Der Deutschnationalen ge ührt Haven. Das deutsche Volk wünsche keine Regierung, die an Stelle Der Vernunft Experimente setze, Denn es gelte weiter- zugehen unD nicht umzukehren. Der von Der DallS- partei angestrebten Rechtskoalition könne sich Das Zentrum, das Den Wahlkampf gegen Die Deutschnativnalen habe führen müssen, über­haupt nicht anschließen. Das Dlatt schließt: Wir wissen wirklich nicht, wie mit Den Deutschnationalen eine vernünftige Außenpolitik gemacht werben kann und wir können uns nicht vorstellen, wie ein Kabinett mit deu:schnatlonaler und volksparteilicher Mehrheit mit den aufjen- und innenpolitischen Fragen fertig werden will Deren Lösung jetzt gefunden werden muß.

Außer dem Zentrum sch int, w e DerMon­tag" berichtet, auch Die Deut s che Volks- Partei Weng Reigung zur ülebernahme der Regierungsblldung zu zeigen. Der Gedanke einet Regierungsbildung mit aktiver oder stillschwei­gen' er Unterstützung Dec Sozialdemo­kratie lehne man in volksparteillchrn Kreisen nach wie vor a b, namentlich mit Dem Hinweis Darauf, daß eine solche Regierung keine prak­tischen Arbeitsmöglichkelten habe, Da ein Derartiges Kabinett bei Den ersten wichtigen polit schen Fragen, vor al'em b?i Den 6 l e u er­fragen. auseinanDerfall m würde. Eine Ent- scheidung in Der Regierung öb ld mg Dürfte kaum vor Donnerstag zu erwarten fein. Da Die Entschlü fe Der RcichstagSsrak.lonen erst am Mitt­woch fallen werden.

Die Pariser

Wirtschaftskonferenz.

(5'rnstc» Tchw rriflkeitcn in den Dniffcfj» französischen Han del SvcrtraqSvcrhand» lunqrn.

Paris, 14. Dez. (TU.) Der Vertreter bei Telegraphenunion erhielt gestern abend von einem einflußreichen Mitgllede der deutschen Handels­delegation Auskünfte über den Stand der deut'ch- franrö ifchen W r.f^aft verhandl >ngen. Bisher feien trotz der Verständigung über verschiedene Ein'elheiten d i e wichtigsten Hauptpro­bleme noch nicht geklärt. Ein scharfer Ge- gen'ah bestehe in der Frage der W e i n , ö l l e. Auch in der Frage der C i s e n i n d u st r i e ist bisher kein Ergebnis er leit irerDen. Die Ge­rüchte über e'ne internationale Derstän- digung in der Frage der Eisenindnstrie ent­behre jeder Grundlage Auch ankere Staaten, wie England und die Tschechoslowakei, sink nicht zu den Besprechungen h'nzugezogen wor< den Jedoch werden die betreffenden Länder ic gewissen Einzelfragen auf Dem Laufenden gehal­ten. Wenn die Gegensätze sich bisher nicht über­brücken Netzen, so liegt der Grund hierfür allein in dem verfehlten französischen Zoll- s h st e m , das den Abschluß eines Handelsver­trages geradezu unmöglich macht.

Herriots Erkrankung.

Die Möglichkeit einer Kabinettskrise.

London, 15. Dez. lFunkspruch.) In Den Den Blättern aus Paris zunegangenen Tele- gramm-n wird mit Der Möglichkeit gerechnet, Daß Das Ministerium Herriot infolge Der Krankheit Des Ministerpräsidenten zurücktritt.Daily Chronicle" betont. Daß zahlreiche, xur Mehrheit gehörende RaDik le Herriot Den Rücken wenden, während im Senat Die Opposition gegen ihn zun hme.Tim s" berichtet aus Paris, es über­rasche nicht. Daß Die Möglichkeit eines Rücktritts Herriots unD einer Neubildung der Äabir^ittf