Zit. 2 5 Elster 6iatt
N4- Jahrgang
Montag. 15. vezemver (924
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oderhessen
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Der Prozeß des Reichspräsidenten.
Magdeburg, 13. Dez. (5.11) Zum heu» tlgcn fünften V:rhanDlungstag find die früheren Minister und Staatssekretäre Fehrenbach, Makiras, Grüner, Dr. David und Stein olS Zeugen erschienen.
Der als Zeuge vernommene damalige Staatssekretär Wallraf bekundet, der Wgeordnete Ebert habe zu dem Streik in Oesterreich im Hauptausschuh Stellung genommen und dabei das Verbot des „Vorwärts" mit dem Hinweise verurteilt, daß durch die österreichische Presse der Streik in Oesterreich der ganzen Welt bekannt geworden sei. Vach dem amtlichen Bericht erklärte er weiter: Die Sozialdemokratische Partei begrühl mit grober Sympathie die Bewegung Der österreichischen Arbeiter und erklärt sich mit ihnen in aller Form solidarisch. Wir bringen zum Ausdruck, dah die deutsche Sozialdemokratie ebenfalls fest entschlossen ist. die Forderungen der Annexionisten zurückzuschlagen, um einen Frieden der Verständigung herbeizuführen. Darauf fei eine Vcdc des Abgeordneten Scheidemann gefolgt, der erklärt habe, in Deutschland sei jetzt die gleiche Stimmung wie in Oester- reich unmittelbar vor Ausbruch des Streikes. Er schloß seine Vede: „Wir drohen nicht, aber wir warnen." Wallraf habe in einer Erwiderung auf einen Angriff Scheidemanns im Reichstage festgestellt, daN die Zahl der Streikenden 160- biS 200 000 Taufend in Berlin betrug. Das gleiche sei auch von dem preuhischen Ministerium des Innern festgestellt worden, während der „Vorwärts" am 28. Januar von 250 000 und mehr gesprochen habe. Scheidemann verwies in seiner Angriffsrede darauf, daß der bayerische Minister des Innern in öffentlicher Kammersihung der Sozialdemokratischen Partei seinen Dank für ihr Eingreifen in den Streik ausgesprochen habe. Er, Wallraf, habe aber erwidert, daß die Ansicht des Ministers nicht die feiniac sei. Aus die Frage der Verteidigung erklärte der Zeuge:
Ich bin der Ueberzeugung, daß der Streik beschränkt ober verhindert worden wäre, wenn die Sozialdemokratische Partei von vornherein die Arbeiter davor gewarnt hätte.
Eine Anfrage des RechtSanwalteS Dindewald, ob der Zeuge es für möglich ha te. dab die Sozialdemokratie durch den Ausbruch des Streikes überrascht wurde, erwiderte der Zeuge: Ich glaube, dab die Sozialdemokratie durch den Streit iiber:ascht wurde. Der Generalstaatsanwalt stellt dann an den Zeugen die Frage, ob eine Einschränkung oder Dermi iderung des Streites auch eingetreten sein würde, weiin eine derartige Warnung am 29. Januar erfolgt wäre. Zeuge Wallraf beantwortet die F age dahin, dah eine richtige Antwort nicht leicht zu geben sei. In der zweiten S:tzung des Hauptausschusses zeigte der Abgeordnet~ Baumann ein Fllw- blatt, in dem zum Massenstreik auf gefordert w irbe. Di ses F^ugb.att war aury d.r preußischen Regicru: g bekamt, a^er Der dama ige Innenminister war nicht Der Meinung, Dufj Der Streik irgendwelche Bedeutung haben könnte. Am 28. Januar war er Da und am 29. versuchten S«Heidemann und Haase zusammen mit Vertretern des Aktionskomitees des Arbeilerra es. mich zu sprechen. Später versuchte Scheidemann auch wied.r'?ot. te'elrhon sch eine Konferenz herbei,u ühren. Ich erflä te mich bereit. Haase und Scheidema in zu empfangen, lehnte aber ab, mit Den streikenden Arbeitern zu verhandeln. Als Scheidemann auf feinem und ich auf meinem Standpunkt verharr e, tonnte die Ko rfe enz nicht stattfinden und am 2. Februar war der Streik zu End e. Durch den Ianuarstreik wurde dem pv it schen A fc,c;t Deutschs« .ds ein schwerer Schlag versetzt.
General von Stein, zur Zeit des Ianuar- streiks Kriegsm nister. wird a's Zeuge da Über gehö t ob nah s i c- Kenntnis Maßnahrn"n der Landes c tciDituig u.ch d so ia - demollaüsche Parte, durchrreuzt wu d.n.
Er gibt an, daß mit vielen Schwierigkeiten durch die Sozialdemokratie zu rechnen war. Die Regierung wurde von drn Sozialdemokraten im Reichstag heftig angegriffen.
Rechtsanwalt Martin fragt dann den Zeugen, welche Wirkungen Der Streik auf Die Kriegführung gehabt habe. — Der Zeuge erklärt: .Vom Oktober 1917 bis Oktober 1918 war ich Kriegsminister. vorher Truppenführer im Felde. Wenn ich damals meine Leute im Schützengraben besuchte, so baten sie mich immer flehentlich. Ex-' zellenz, (ar(cn Sie schieben! Wir muhten aber mit der Munition überaus sparsam umgehen, Denn Die war sehr knapp: namentlich auch, weil wir auf und allein angewiesen waren. Es ist daher klar, dab jeder Munitionsarbeiterstreik uns den gröhten Schaden zusügen muhte. Die Sozialdemokratie Hal auch heftige Angriffe gegen die Oberste Heeresleitung gerichtet. — Rechtsanwalt Dr. Heine stellt fest, dah er als Abgeordneter mit Dem Zeugen eine Auseinandersetzung über ein Verbot der Hardenschen „Zukunft" hatte. — Der Zeuge v. Stein erwidert, dah dort ein Artikel stand, den ein Franzose geschrieben haben Ln-tc. — Rcchts- anwalt Bindewald fragt n, ob Die Rüstungen für Die 1918 bei Amiens geplante Offensive durch den Ianuarstreik beeinträchtigt worben fei.
Militärkontrolle und Kölner Jone.
Die Gründe
für eine vertragswidrige Verlängerung der Räumungsfristen.
London. 14. Dez. (TU.) lieber die an- geblichen d.utsch n Kr egsrü'tunze t äußert sich heute der diplomatische Korrespondent d.'s .Daily Telegraph" im G grnsatz zu der Hetze Der .Daily Matt" in etwas zurückyalten- Dcm Tone. Er sagt: Der Bericht Der Kontrollkommission. Der am Montag Der Kontrollkommission vorgelegt werden soll, sei noch nicht als endgültig zu betrachten, sondern als en Inte r i m s b e r i ch t, d.r auf Grund Der Derh nd- Iung~n entstanden sei. die früher zwischen Den in 5.age kommenden R g e ungen g führt wurden. England müsse darauf bestehm, dah die Kommission einen endgültigen Bericht zu einem früheren Ze.tpunkt vorleg', um England eine Entscheidung über Die Räumung der Kölner Zone in engster Anlehnung an d i e Bestimmungen des Versailler Vertrages zu ermöglichen. In englischen diplomatischen Kreisen s i man allg mein Der Ansicht, dah der endgültige Bericht der Mili- tärkontrollkommissivn nicht so ungünstig für Deutschland aus allen würde, wie es fast überall vorgestelll worden sei. Indessen müsse man es als eine Tatsache hinnehmen, dah der vorliegende Interimsbericht e r n st l i ch e Der- tragsbrüche durch Deutschland u d ernste Gefahren für D e Alliiert.n seststelle. W h sche rl ch würden Mängel der deutschen Entwaffnung. die von der M l täriontrollkom- Mission festgestcllt und aufgeDedt worden feien, eine Verzögerung Der Räumung Der Kölner Zone um einige Zeit zur Folge haben.
Der „Observer" scheibt: Zu Der Möglichkeit. dah Die britische Besetzung Kölns über den 10. Januar 1925 hinaus ver.ängert werben könnte, sei eine schwierige Foage. Die Engländer könnten nicht unter Bruch des Friedensvertrages in Köln bleiben, sie würden aber andererseits auch nicht dem Zwecke des Friedens dienen, wenn sie die Zone ohne Rücksicht auf die Folgen räumen würden. Deutschland werde zugestehen müssen, dah die Anwesenheit britischer Truppen in Köln es gegen die Wiederaufnahme der glücklicherweise aufgegebenen Politik seitens Frankreichs schütze: Frankreich aber werde anerkennen müssen, dah die Engländer ihre Garnison in Köln nicht ohne Zustimmung Don Deutschland über den 10. Januar hinaus belassen könnten. B elleicht werde Frankreich einer früheren Räumung des Ruhrgebiets zustimmen, während Deutschland sich mit einem späteren Zeitpunkt für d i e Räumung Kölns einverstanden er'D-en konnte IUnfalls toe-De einKvmvrv iß r er wech: A t un e mei?» lich fe n. Das Dew.i.m.teriu a ü_. faö Deutlch- land f ei. e Entwalfnungs.erpflichturgen um
gangen habe, werde vollständig überzeugend sein müssen, um Die Beibehaltung Der brit schen Garntton auf Deutschem Boden auf unbestimmte Zeit zu rechtfertigen.
Deutschlands „Verfehlungen".
Ein französisches 3r|,9 'is für Deutschlands schwache.
Paris. 13. Dez. (TU.) „Ere Vouvelle" bringt zur Abrüstungskontrolle in DeutschlanD einen Artikel. Der von Denselben offiziösen Kreisen beeinflußt wurde wie Der kürzlich un „Matin" veröffentlichte Artikel. Eine hohe militärische Persönlichkeit. es handelt sich offenbar um Den Ka° bine11schef des Generals Rollet, hat Dem Vertreter Des Blattes crflärt:
„DeutschlanD rüstet nicht zum Kriege. DeutschlanD ist unfähig, eine neue Offensive vorzubereiten unD wirb es bei der gegenwärtigen üleberwachungsmethoDe auch nicht in einigen Jahren können. Rein. Die Militärkontrolle hat zu keinem Mibersolg geführt. Alle Diesbezüglichen Pressemeldungen sind ebenso st u - piDe wie verbrecherisch. Für eine Beunruhigung Der öffentlichen Meinung ist nicht Der geringste Grund vorhanden."
Das Blatt macht weiter gegenüber Den von Berliner Vertretern Der hiesigen Presse verbreiteten irreführenden Meldungen folgende Feststellungen:
1. Die Offiziere der Kontrollkommission konnten sich stets zu den Kasernen und Arsenalen Zugang verschaffen.
2. Es ist unrichtig, dah in den Kruppschen Werken 22 000 Gewehrläufe lagern. Es handelt sich um einen Posten von 15 000 Laufen und eö ist unmöglich nachzuweifen, dah Die Firma Krupp sich damit einen Derstoh gegen die Abrüstungsklausel zuschulden kommen lieh.
3. Das Vorhandensein vorr Ausrüstungs- gsgenständen wie Offiziersh Ime, Uniformen uiw. hat nicht- auf sich, da es unmöglich ist, mit diesen Gegenständen eine Offenfloc in die Wege zu leiten.
4. Die Kommission hat nicht, wie fälschlich behauptet wurde. 20—25-Millimeter-Kanonen entdeckt, sondern 80-Millimeter-Geschütze aus Der Vorkriegszeit, Die im besten Falle a l s altes Eisen Verwendung finden können.
5. Es trifft zu, dah Die Kontrolloffiziere in Die Archive des Reichswehrministeriums keinen Einblick nehmen konnten, doch miht man in den zuständigen militärischen Kreisen Frankreichs diesen Archiven nur winzige Bedeutung bei.
— Zeuge v. Stein entgegnet. Wir hatten nur mit einem Minimum von Munition gerechnet.
Der nächste Zeuge, General v. Wrisberg, war beim Ausbruch des IanuarstreikS Chef des Allgemeinen Kriegsdepartements. Er äußert sich zur Frage des IanuarstreikS dahin, dah dieser nicht nut in schärfster Weise Deutschland- Landesvrrte'd gung b e nträchtigte. sondern auch die Siegeszuversicht der Feinde stärkte und das
Vertrauen bet kämpfenden Truppe schwächte.
Der Zeuge fährt fort: „Run zu Der Stellung der sozialdemokratischen Par ei! Die Presse der Mehr» heitssozialdemokraten hat während des ganzen Krieges jeden Versuch zur Hebung der Stimmung unterlassen. Die Disziplin muhte geschäd gt werden. wenn z. B. der sozialdemokratische Abgeordnete Davidsohn im Reichstage in Uniform scharfe Angriffe gegen Den Kriegsminister r'ch- tete.“ Der VorsitzenDe teilt Diese Ansicht nicht unD fragt Den Zeugen, was Derrn Herr Ebert Damit zu tun habe. v. Wrisberg hebt hervor. Dah Herr Ebert Die sozialdemokratische Jugend aufgeforDcrt habe, sich nicht zur militärischen IugenDausbildung zur Verfügung zu stellen. Rechtsanwalt He ne erwidert. Dah Die Arbeiterturnvereine diese Ausbildung übernommen hätten, v. Wrisberg überreicht bann den amtlichen Bericht über eine Rede Eberts im Hauptausschuh, in der die Regierung und die Heeresleitung angegriffen und gegen einen 4. Winterfelbzug Stellung genommen toirb.
Rach einer Pause wird der Zeuge Reichskanzler a. D. Fehrenbach vernommen. Auf bic Frage bes Rechtsanwalts Heine, wie die Lage Anfang Juli 1917 war, erwidert Fehrenbach. dah im Januar 1917 der Beschluß gefaßt wurde, tn den uneingeschränkten 11- Dootkrieg einzutreten. D:thmann und Hclffe- rlch waren dagegen. Man befürchtete, dah Dann Amerika den Krieg crCären könnte, aber Admiral v. Capelle, Der Marinestaatssekretär, bracht in schärfster Weise zum Ausdruck, dah von Amerika keine Gefahr zu erwarten sei. Als Dann der uneingeschränkte ÜI-Bootkrieg innerhalb von 6 Monaten keinen Erfolg hatte, ver- anlahten Das Zentrum, Die Demokraten unD Die Sozialdemokraten Die Einbringung der bekannten Friedensrefolution. Aus eine weitere Frage des Rechtsanwalts Heine, ob der Zeuge gehört habe, daß Ebert sich für Die Landäver- tciDigung eingesetzt habe, bemerkt Fehrenbach: „Ich hatte damals Den Eindruck unb habe ihn i noch heute, dah die Mehrheit der Hoztaldemo- I
krakle und Ihrer Führer so vaterländisch gesinnt waren wie jede andere Partei.
Ich bin Der Meinung, dah selbst Die revolutionäre Stimmung im Rovember 1918 nicht von Der Mehrheit ssozialDemokratie getragen wurde. Auch nach Ausbruch Der Wirren hat Ebert in zwei Rachtverhandlungen bis in Den Morgen hinein mit Gewerkschaftsvertretern und sozialdemokratischen F'hrcrn Darüber verhanDelt, wie ein Generalstreik und sonstige öffentliche Ülnruhen verhinDert werden könnten.
Der frühere Krie^sminlster und spätere Reichsverk hrsmi"ister Gröner erklärt. Daß er als Cbri Des Kriegsarntes in Den Jahren 1916 und 1917 jcDerjeit vollstes Verständnis für Di" S'gerungen Der Landesverteidigung bei Der Sozialdemokratie und Sbert gesunden habe. Heber die Zelt nach Dem Zusammenbruch sagte Gröner auf Befragen. Ebert habe nach dem Zusammenbruch di? F-rerungen der Obersten Heeresleitung nachdrücklichst unterstützt und alles g'tin, um ihre Forderungen durch us»tzen. Dw Zeuge verliest sodann einen 'Brief vom 8. 12.18 des GeneralfelDrnar- schalls von Hindenburg an Ebert, in Dem (Sirrt. Der krrn Fel ^marsch all als treuer deutscher Mann. Der sein Vaterland über alles liebe, geschildert sei. gebeten wird, mit an Der Rettung Des Volkes vor dem Drohenden Zusammenbruch zu a-Mtcn.
2lls nächster Zeuge wird Der sozialdemokratische Abg. Dr. DaviD v-rnommen. Der Darlegt. Daß Die Sozialdemokratie stets, auch nach Der russischen Revolution, am Prinzip Der LanDesvertelDigung festgehalten habe. Ebert sei Pessimisten in toiriiamer Rede entgegengetreten unD habe betont, daß von einem 5 ri<-De n um jeden Preis unter keinen Umständen die Rede sein Dürfte.
Der jetzt Der Deutschnationalen Partei angehörige frühere Berichterstatter des „Vorwärts". Emll Unger, bekundet. Der fo’ial» Demokratische Parteivorstand hätte Die Möglichkeit aehabt. gegen Die Vorwärtsartikel für die StrcikforDerungen eine Erklärung zu erlassen, wenn er Den Streik nicht gebilligt habe.
Rechtsanwalt Heine verliest soDann einen Brief. Den Ebert 1917 an seinen Sohn Georg schrieb, in Dem in bezug auf Den Damaligen Streik getagt toirD: „Solche Rarrenftr eiche Dienen nicht Dem Frieden, sie gefährden euch draußen an Der Front unD steigern Die Kampfeslust Der FeinD e."
Die Sitzung wird auf Dienstag vertagt.
Die Regierungskrisis.
Die Lozialdemokrntcn beim Kanzler Die Haltung des Zentrums und Der
VokSpartci.
■Berlin, 14. Dez. ,WTB.) Der ?icid>* kanzler empfing Die Mitglieder Der fozialdemo- kratifchcn Reichstagsftaltion Hermann M ü l • ler, WelS, Dittman n und Hilfer - . Ding. Diese erklärten, der Ausfall bei Reichstagswahlen bedeute nach ihrer Meinung eine Bestätigung und Billigung Der bisherigen Politik Der Reichsregierung, insbesondere ihrer Außenpolitik, welche auch von Der Sozialdemokratie unterstützt worden sei. Ihrer Meinung nach könne nur eine Linksregierung in Frage kommen. Für den Fall, daß trotzdem eine Erweiterung Der Regierung nach rechts erfolgen sollte, kündigten die sozialdemokratischen Führer die schärfste Oppofitlon ihrer Partei mit allen Mitteln an. Der Reichs' kanzler gab zu diesen Ausführungen keine weiteren Erklärungen. Er betonte nur. daß zweckmäßigerweise Die Partei mit Der Regierungsbildung beauftragt würde, die Die Anregung an der Erweiterung nach rechts gegeben habe.
Wie die Telegraphen-Ülnion erfährt. Dürften die Deutschnationalen und Die demokratische Partei sowie das Zentrum am Mittwoch, und Die sozialdemokratische Partei am Donnerstag zusammen- treten Das Berliner Zentrumsblatt, die „German i a", schreibt, Der diesmalige Wirrwarr hätte vermieden werden können, wenn dir Parteien ihre Wahltaktik höheren Gesichtspunlten unterworfen hätten. Schon im allen Reichstag habe niemand getoapt, die Regierung derMittelpartcien zu stürzen. Die Logik und Die Tatsachen würden auf Die große Koalition durch Einbez.ehung der Sozialdemokraten und schließlich auf eine Volksgemeinschaft durch Einbeziehung Der Deutschnationalen ge ührt Haven. Das deutsche Volk wünsche keine Regierung, die an Stelle Der Vernunft Experimente setze, Denn es gelte weiter- zugehen unD nicht umzukehren. Der von Der DallS- partei angestrebten Rechtskoalition könne sich Das Zentrum, das Den Wahlkampf gegen Die Deutschnativnalen habe führen müssen, überhaupt nicht anschließen. Das Dlatt schließt: Wir wissen wirklich nicht, wie mit Den Deutschnationalen eine vernünftige Außenpolitik gemacht werben kann und wir können uns nicht vorstellen, wie ein Kabinett mit deu:schnatlonaler und volksparteilicher Mehrheit mit den aufjen- und innenpolitischen Fragen fertig werden will Deren Lösung jetzt gefunden werden muß.
Außer dem Zentrum sch int, w e Der „Montag" berichtet, auch Die Deut s che Volks- Partei Weng Reigung zur ülebernahme der Regierungsblldung zu zeigen. Der Gedanke einet Regierungsbildung mit aktiver oder stillschweigen' er Unterstützung Dec Sozialdemokratie lehne man in volksparteillchrn Kreisen nach wie vor a b, namentlich mit Dem Hinweis Darauf, daß eine solche Regierung keine praktischen Arbeitsmöglichkelten habe, Da ein Derartiges Kabinett bei Den ersten wichtigen polit schen Fragen, vor al'em b?i Den 6 l e u erfragen. auseinanDerfall m würde. Eine Ent- scheidung in Der Regierung öb ld mg Dürfte kaum vor Donnerstag zu erwarten fein. Da Die Entschlü fe Der RcichstagSsrak.lonen erst am Mittwoch fallen werden.
Die Pariser
Wirtschaftskonferenz.
(5'rnstc» Tchw rriflkeitcn in den Dniffcfj» französischen Han del SvcrtraqSvcrhand» lunqrn.
Paris, 14. Dez. (TU.) Der Vertreter bei Telegraphenunion erhielt gestern abend von einem einflußreichen Mitgllede der deutschen Handelsdelegation Auskünfte über den Stand der deut'ch- franrö ifchen W r.f^aft verhandl >ngen. Bisher feien trotz der Verständigung über verschiedene Ein'elheiten d i e wichtigsten Hauptprobleme noch nicht geklärt. Ein scharfer Ge- gen'ah bestehe in der Frage der W e i n , ö l l e. Auch in der Frage der C i s e n i n d u st r i e ist bisher kein Ergebnis er leit irerDen. Die Gerüchte über e'ne internationale Derstän- digung in der Frage der Eisenindnstrie entbehre jeder Grundlage Auch ankere Staaten, wie England und die Tschechoslowakei, sink nicht zu den Besprechungen h'nzugezogen wor< den Jedoch werden die betreffenden Länder ic gewissen Einzelfragen auf Dem Laufenden gehalten. Wenn die Gegensätze sich bisher nicht überbrücken Netzen, so liegt der Grund hierfür allein in dem verfehlten französischen Zoll- s h st e m , das den Abschluß eines Handelsvertrages geradezu unmöglich macht.
Herriots Erkrankung.
Die Möglichkeit einer Kabinettskrise.
London, 15. Dez. lFunkspruch.) In Den Den Blättern aus Paris zunegangenen Tele- gramm-n wird mit Der Möglichkeit gerechnet, Daß Das Ministerium Herriot infolge Der Krankheit Des Ministerpräsidenten zurücktritt. „Daily Chronicle" betont. Daß zahlreiche, xur Mehrheit gehörende RaDik le Herriot Den Rücken wenden, während im Senat Die Opposition gegen ihn zun hme. „Tim s" berichtet aus Paris, es überrasche nicht. Daß Die Möglichkeit eines Rücktritts Herriots unD einer Neubildung der Äabir^ittf


