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Nr. 270 Zweites Blatt

Gießener Anzeiqer (General-Anzeiger für Vberheffen) Samstag, 15. November 1924

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Hundert Jahre Deutschtum in Brasilien.

Don Dr. Rudolf P e s ch k e . £

In diesem Jahre herrscht in den deutschen Kolonien von Rio gründe do Sui. dem südlichsten Staate der südamerilantschen Rcp^chllk Bia'i- lien, Feslftimmung. Dor hundert Jahren lind die ersten deutschen Einwanderer hier gelandet. Neber die großen Feiern in Porto Alegre, der Hauptstadt des Staates, sowie in Sao Leopoldo und Reu-Hamburg, den ersten Ansiedlungen, wird manche Kunde auch nach der alten Stammheimat gelangt sein. Es wurde u. a. imSeifern des Staatspräsidenten und aller Konsuln, selbst des franjöiifdym von Porto Alegre, eine Ausstellung eröffnet, die Grundsteine zu zwei bedeutenden Denkmälern wurden gelegt, ferner sollen em deutsches Kran­kenhaus und eine katholische Jubiläums- k i r ch e die Erinnerung an dasCentenario" der Deutschbrasilianer wachhalten. Auch in den ein­zelnen Kolonien, selbst in den fernsten, oft nur aus wenigen Blockhäusern bestehenden Pikaden wer­ben Feste gefeiert, Reden geschwungen, Gedenk­steine enthüllt und neue deutsche Erinnerungs­schulen gegründet. Oder cs werden Plähe und Straften nmbenannt, so daß an Stellen, die noch vor zehn Jahren mit Urwald bedeckt waren, heute einGoethe- und Schiller-Platz", odereine Deutsche Iahrhundertstraße" bestehen. Die ganze Bewegung legt ein rührendes Zeugnis davon ab, mit welchem Stolz die Deutschbrasilianer ihre Abstammung und ihre kurze Geschichte empfinden, und auf welche glückliche Art sie das schwere Pro­blem, in einem anderen Staate festzuwurzeln und doch der alten Kulturgemeinschaft anzugehoren, in den allermeisten Fällen ge- lSst haben. Das zeigt sich gerade auch in der nicht nur formellen Anteilnahme der einheimischen Lusobrasilianer, die fröhlich mitfeiern und bei dem herkömmlichen Spießbratenfest und am Tanz im Grünen wacker mithalten. Sympathisch hat es auch in deutschen Kreisen berührt, daft die ita­lienische Kolonie durch ihren FührerDr. C a m p e l l i ihre Bewunderung der deutschen Ar­beitsleistungen zum Ausdruck gebracht hat. QHift- klänge lind gerade in den Hauptfeiertagen nur von Rorden, aus dem in hohem Mähe fran- zösierten RiodeIaneiro, gekommen, wo sich die poincaristilche Zeitung ,,O Paiz" erfrechte zu sagen, es wäre doch zweifelhaft, ob in nationalem Interesse die Einwanderung der Deutschen ein Segen für das Land gewesen wäre.

Das Riograndenfer Deutschtum hat in der Tat allen Grund, sich mit Ehren des Beginnes feiner Geschichte und dieser selbst zu erinnern. Hier im Lande derpatiencia", der Geduld, erreicht derjenige, der arbeitet und Geduld hat, schließlich doch sein Ziel, im Sinne des Moltkeschen Wortes, daß Glück auf die Dauer nur derTüch- t i g e hat. Es sind olle möglichen Böller hier ge­wesen, außer den Portugiesen, deren über­haupt größte Tat eS bedeutete, dem unermeß­lichen Brasilien ihren Stempel aufgedrückt zu ha­ben. Eher als die Deutschen waren Franzosen, Holländer und Spanier hier. Aber sie alle kamen nicht mit der Absicht, zu arbeiten, son­dern nur, schnell Schätze zu erraffen. Die unscheinbaren dreiundvierzig deutschen Menschen, die am 25. Juli 1824 im späteren Sao Leopoldo landeten, hoben eine nachhaltigere Wirkung als sie alle gehabt (denn sie waren entschlossen, sich im Urwald durch ihrer Hände Arbeit eine Existenz zu schaffen. Daß die Aufforderung zur Einwanderung Deutscher vom Kaiser Don Pedro sehr wahrscheinlich unter dem Einfluß fei­ner Gemahlin Leopoldina, einer österreichi­schen Prinzessin, selbst ousging, gereicht Brasilien zum Ruhme, mindert aber das deutsche Verdienst in keiner Weise.

Daß die brasilianische Regierung sich in der bewußten Abs cht, wenigstens im Süden den her- kömml chen Plantagenbetrieb durch Sklaven ab­zubauen und das Land freier Dauern­arbeit zu erschließen, an die Deutschen wandte, ist vielmehr nur ein Beweis der Wertschätzung, deren sich das deutsche Element als Kulturfaktor vor hundert Jahren erfreute. Natürlich waren vereinzelte Deutsche schon vorher, besonders in den wenigen Städtchen, aufgetaucht, auch unter den bekannten Jesuiten, die schon im fieb-

juhy, Rio Grande do SuL

zehnten Jahrhundert im Norden von Rio graube bo Sul in den argentinischen und paraguayischen Missionen getoirft bat.en, finden wir einen deut­schen Pater, den T.roler Pa'er Sepp. Aber die bewußte Ansetzung D.utscher als Bauern datiert vom Jab. ? 1824. Die ersten, wie auch die folgenden, bis etwa zum Jahre 3?. waren von einem Major Schäfer im 'wasilionischw Auftrage angeworben worden und ftammicn aus Holstein. Hannover. Meklenburg und D.i.'crn. dann in immer zune^ ne idem Mcri x Hu _ rück und von der Eifel fotoi? aus süddcut'ch n Gebieten. Bis zum Jahre 30 wird die Zah. der h-ei übe'.gekommenen deutschen Emigranten au: rinrö 3000 berechnet, ilnb seitdem, trotz schwerster Schädigungen durch anhaltende Bürger­kriege. in die auch die Kolonisten herein gezogen wurden, trotz längerer Kriege gegen Argentinien und Paraguay, in denen auch das Blut deutscher Bauernjungen floß, diese unaufbaltfam? Ausbreitung des deutschen Kolo nistenelements, die unte stützt wurden von immer neuen Wellen wagemutiger Landsleute, die frisch ins Land kamen. Nach dem Scheitern der deut scheu Einheitsbewegung von 4S l9 strebten auch nach Rio grande do Sul ebenso wie nach Santa Catharina, dem im Norden anschließenden Staate, politische Flüchtlinge oder Mißmutige darunter in größeren Verdarben ehemalige schles' wig-holsteinische Freiheitskämpfer, unter dem Namen dieD r u m m e r" in der Geschichte des brasilianischen Deutschtums bekannt. Auch der alle bisherigen Führer um ein Bedeutendes über­ragende Karl von Koseritz. hervorragender Journalist der beiden Sprachen. 3urift und Wissenschaftler, setzte seinen Fuß als ehemaliger 48er auf brasilianischem Boden Er steht hrnte noch bei allen Brasilianern im höchsten Ansehen.

Es ist nicht möglich, im engen Rahmen die gewaltige Ausbreitung des Deutschtums von den Anfängen in Sao Leopoldo und Neu Hamburg aus einigermaßen erschöpfend zu beschreiben. Wie ein breiter Gürtel schiebt sich heute das deutsche Kolonistengebiet in der Mitte des Staates vor. Etwa den Mittelpunkt bildet die gewerblich auf- blühende Stadt Santa Cruz im gle.chnamigen Munizip, so rein deutschen Charakters, daß dort sogar die Neger fließend deutsch sprechen lernen. Absplitterungen bestehen in Sao Lorenzo im Süden des Staates und am Meere, und in neu ver Z t rück e das D u sch- tum, feit knapp dreißig Jahren, unwiderstetzlich auf den zukunftsreichen Hochflächen der S c r r a bis an d e Grenze zum älruguayfluß vor. früher dort ansässige Polen und die Caboclos, eine mindcrwert ge Mischvasse aus Indianern, Weiften und Negern, vor s.ch hertreibend. Wo der deutsche Dauer wirkt, da können sich in der Nähe nur ebenfalls tüchtige Elemente, wie die Norditaliener, halten. Diese glänzende Entwicklung des Kolo- nistentums geht Hand in Hand mit dem Deutsch­tum in den Städten, mit der Ausbreitung von Handel und Industrie im Staate, an denen der deutsche Anteil ebenfalls kaum hoch genug ver­anschlagt toerben kann. Aus Heinen Venden- besihern (Kaufläden mit etwas Schankbetrieb) in weltfernen Pikaden sind bn Laufe der Jahre Handel-Häuser von Weltruf geworden, in den größten Städten Porto Alegre, Pelotas und Rio grande sind Die größten Firmen auf dem Gebiete der 'Brauereien, der Weberei, der Maschinenfabrikation, die größten Mühlen und viele andere Zweige der Wirtschaft fast ganz in den Händen der Deutschstämmigen. Ts bestehen z. D. in Porto Alegre mehr deutsche Druckereien und Duchhandlungen als brasilianische oder andere.

Die Gesamtzahl derjen-g-n. die heute in Rio grande bo Sul sich als Deutsche be rächten, ist nur ungenau zu bestimmen. De. Staatsp äfi« dent Dr.Borge# be Mebeiros g b in e.ner Festrede die Z chl der Bürger deutscher Abstam­mung auf drechundertsech^igtause:d be. eine. Tc völkerung von zwe neinvie tel Mil io ei an. Tas ist sicher zu wenig, wenn man nicht nur 'en Pa­pieren nach, sondern dem Sinne nach rech 'et und alles, was deut ch spr cht, ,\ur b.»uts' en Kolonie zählt. Schweiz r, Oesterreicher, Deutsch-

Sdtfame Mittwochen.

Roman von Arnold Fredericks.

<7. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Der Bursche fiel auf die Seite, seine Schläfe schlug krachend auf den harren Boden auf. Du- oall stand einen Äugend.ick schwer und ruckwei e atmend über ihm, drehe sich um, ergriff de auf dem Gesims liegende Lampe und warf sie uf das Bett.

An der Wand des Zimmers, dem neuster ,u, war ein Gestell, auf dem ein breiter Leder- rl»MSn lag. Duvall ergriff ihr und hatte rach dem Chauffeur die Anne an den Körper ge e fei..

Er band ihm noch ein Handtuch um bie Knöchel und er war wehrlos. Dann suchte der Detektiv auf dem Boden nach der blauen Glas- schale. r ,.

Duvall war über den eben errungenen wieg nicht von Freude erfüllt. Er hatte ei icn der Räuber gefangen, das war wohl wahr, aber andrerseits hatte er durch seine üliworfichtigleit die heille Rückkehr des geraubten Kna.en zu seinen Eltern verhindert.

Er hatte deutlich denBaler und bte Mutter vor Augen, wie sie unten auf den Televhonruf )vartcten, der nie erf Igen würde und f agte such, wie er iftnen die Wal>rheit eröffnen könnte.

Endlich sanden fein? errej en Fi'ge be kleine Glas^chale unter der Ecke des Wa^ch i^cyes. wo sie hingerollt war, e>ls Francois sie fallen lieh. Mit zi ternden Fingern drückte er sie h sttg auf die Taschenlampe, die er vomBett nahm, und näherte sich mit hoff urngslo em Ee ühl dem Fenster. Dann blinkte er wie re» e. b in der R.ch- tung nach Pci'sy. ....

Kur^e Zeit erfolge feine Antwort. Tats ch- lich erwartete er kaum eine. Dann sah er in der Ferne in der Dun!elheit ein schwaches rotes Li e t auf blitzen wie ei en Sern, ued we'er erlöschen.

Er stand hilflos da und war.e e, ob es we­der erschien; er hoffte es von Herzen. ^Da erschien es wieder, diesmal länger und wiederum ocr= schwand es. Er fragte sich, was es wohl be­deutete und war fanm erstaunt, als es wieder auf blitzte und ganz deutlich dach Moriezeichen für den Buchstabenf gafr

Nach kurzer Unterbrechung erch enen die Zei­chen wieder. Jetzt las er sie ohne Schwierigkeit. Er buchstabierte fünf Zeichen zu dem WortHilfe" zusammen.

Sofort richtete er die Taschenlampe auf den Punkt, von dem die Zeichen famen. iibem er sie auf bie Ritze im Gesims einstellle, und drück.« auf den Knopf, der das Licht ein- undauslch-lltete. Wer dort? bachstab erte er hinaus und war ete ängstlich auf Antwort. Er getauteich uich m h zu sagen. Die Person dort bi.-fe.be. die las Wort Hilfe ge'anbt hatte, muft e einer be Räu­ber sein; aber weshalb rief sie um Beistand? <$r konnte es sich nicht zuamrn nreirnen. abe: er folgerte, daß jemand, der um Hilfe rief, siche - sich auch angeben würde, wo sie nötig war; wie konnte er sonst daraus rechten?

Da begannen die roten Zeichen toe'er auf- zublitzen, diesmal waren es Zähen. EZ tarnen vier kurze, ein langes Aufleuchten, dann in ra che. Reihenfolge ande.e, die Natzrich! lautete: 42 Rue Nico Io Passy; K-ommt rasch!

Duvall taumelte, als er die Worte aufnahm Dis jetzt hatte er nicht bemerkt, daß er verwundet war. Das Blut, das von der großen S-.ramm? an ber"Stirne überein Gericht herabrann, tropf e pick out das Gesims. Er kehrte sich vom Fe ster weg. dann dachte er daran, baft er der g he m- nisvollen Person dort brüben ei e An wort g den mußte, bannt sie erfuhr, baft die Nachricht richt.g empfangen würbe.

.Komme frfort. Wer sind Sir? buchstabiee er mücham; feine Ce'afei vrrwi-rten sich se 2 Finger z.tterter vor Schachs, als er da; Blut, das aus der Wunde sickerte, einzubänr.nea ver­suchte.

wGrace Duva11' rne.de en die kurzen, richt mfßzu verstehen Ze chen

Duvall warf die Tachenamv.- lau lachend zu Boden. Sein Ko-s war v.r i st die g n e Sache schien ein toller, si urloter Alp zu fe.n. Er suchte zu überlegen, ob er verrücke sei und bas alles geträumt habe. Nochmals fansri er die blir.enben Zeichen aus: .Wer rind Sie?" buch­stabierte er nrieberum. Er f nn.c nicht glui/ei, baft er die letzte Antwort richtig ent'nfferi fcrt.e. Offenbar spielte ihm feine Einbllduna einen

tu ff en, auslandLeetsche 2Ibk mnl nge aus and ren Staaten, schle'I ch manw n cd) :c et nndSplttter anderer g rm n seye Bölk.r b ben cbenfo zwei fellrS vrllwcri g Mstg .e>- des Deutschbrast- lianeit.mS wir diejenigen die noch bie beaifte Rc chSttngeh r gl it berp h t hab n und In der amt 1 chen ctctifhl gar sticht z. tage treten. In diesem Sinne werden die Schätzungen die das D'ei tschbras liane.tam auf ein Viertel der Gesamtbevölterung ve anfd) agen, dec Wnhrhc t bebeutenb näh sein als bi? amllichen Zahlcn

D c Jahrhunde rtsie lommt gerade zur rech­ten Z t, daß die Seutf j;6r.ifiliin?r sichaufdie Quellen ihrer Kraft besinnen und zielbewußt weiter a r b i: e n. Denn t er Kr.eg hat auch hier dem De stswtum schaere Wun e i g f >'l g n. Als Brak lic i den Lock ngen der En tont, folgte und s ch ebenfalls der Mete gegen Deutschland anschloß, ba wurden auch h er die Zeitungen in deutscher Sprache verboten. Die Jfcffel.i fielen wieder und wenigste iS in Rio grande bo Sul, wu de auch webe bi «alte F el­fte t auf dem Gebiete bas Schul- unb Kirchen­wesens erlangt, abe es wr) heute doch mehr poriugiesisch gesprochen In einer 'Kolonie er­zählte m r ein: Spanie in baft noch vor zwölf Jahren kein Mensch am Ort ohne Deutsch aus­kommen konnte und sie diese Sprache eher als das naftveiwandte Portugiesisch gelernt hätte; heute würde sie kaum mehr Deutsch zu lernen brauchen. Das Verschwinden des Deutschen in ber Oessentlichkeit fällt besonders in Porto Alegre auf, wo im Kriege auch manche rein deutsch? Firma den Namen geände t hat und selbst in de Nschen Gasthöfen in der Hauptsache portu­giesisch geiproch n wird Die Gef ihren sind um so großer, we l dir lult irelt: ge.stige Entwick­lung n cht mit der wirtschEtlichen Sch ist ge­halten hat Die Protestant.scheu unb katholischen Geistlichen konnten es auch nicht allein schissen, ebinsov'enig bie, eben infolge der kultn- - llcn Anspruchslosigkeit nur wenigen und kleinen Zeitungen. So fehlt es an eingesessenen, mit den Verhältnissen veitrauten Aerzten. Ju­risten, Ingenieuren, vor allem an poli­tischen Führern, die bewußt bie Interessen des b:utfd;br f lianischen Elemente; vert e en

Da ist es von hoherBedeutung, duft fast jedes Schiff neue Einwanderer aus der alten Stammheimat bringt Die Einwande­rung ist das sicherite Miti l, baft Verluste des De.stschbrrf lianert. ms wie e au-ög glichen wer' den unb daß die V rbindang lebendig erhalten ble.bt Dte verschiedenen Wellen, d e tmmer wtrbrr über die ichon blühenden Kolonien sich ergossen, haben am tätigsten den deutschen Charakter unb die brutsche Spr che gestützt, haben auch (i:nb gerade bi: heutigen Einwanderer, unter denen viele g.bildete sind, werden d s tun» in geisttger Hinsicht immer wieder an reg mb gewirkt Unb für dir Einwanderer selbst, deren Zahl dauernd im Ete gen sich befindet, ist bas vorhandene Deutsch- brafilianertum eine so ungeheure Hilfe, baft sie ebenso wie bie direkten Nachkommen das An- benlen ber ersten Pioniere, die vor 100 Jahren landeten, segnen.

Um was geht es?

Don D. Dr. Martin Schian,

II.

Es geht um bie Gleichberechtigung ber zu staatserhaltender Arbeit bereiten Parteien. Es geht aber zugleich um ganz praktische Ziele bei allernächsten deutschen Politik.

Dahin rechne ich nicht VeilassungSände- rungen, am wenigsten solche grundlegender Art. Ich habe früher schon öfter ausgeführt, baft ich bie Zeit für solche nicht für gekommen erachte. Jetzt kann ich nicht anders urteilen. In ber Lage, in der wir sind, das Schiff umbauen das wäre verfehlt. Es war verfehlt, daß man 1918/19 um­baute. Gründ! ch verfehlt. Wir wollen ben Fehler nicht wiederholen.

Ebensowenig rechne ich zu ben nächsten Zielen der deutschen Politik die Anbahnung irgend­welchen bewaffneten Widerstandes gegen Frank- re-ch. Ich sage bas nur, weil ähnliche Gedanken noch immer auftauchen. Sie können bort keinen Boden fenben, wo man mit klarem Kopf die Lage

Streich Grace hatte ja seine Gedanken den ganzen Tag beherrscht.

Er wiichte das Blut von seinen Augen weg unb starrte bitter in die Finsternis. Es erfolgte keine Antwort.

Dann erinnerte er sich des Inhalts der Nach­richt Kommt rasch! Da war keine Zeit zu müftiger Hebertegung, wer Wohl die Nachricht übermittelt habe.

Er stürzte zur Treppe und ging wankenden Schrittes zurBiMks^ef hinab. Franyois, der Wagenführer, lag noch g.fesselt und bewußllrs am Boden.

Ach tzehn tes Kapitel.

Als Grace allein im Atelier zurück-eblielen war, verlor sie für eine Weile ih en Mut. Sie wußte, daß der Mann, brr hier im Zimmer ge­wesen war, das urhnlverkündenbe Zeichen -- das rote Licht erhalten hatte, das ihm mit­teilte. daß der Plan feiner Verbündeten miß­lungen war.

Sie gedachte der Anw i U"gen. die ihm der fchwarzbärtige Mann geg ben hatte: Wenn ich dich nich! bei Martell s i.. ffe, bringe den Jungen zu Lavillac. Vorher nm ft aber S:apleton noch benachrichtigt werden, was fern Kiade droht!

Ter Gedanke daran lieft iie schau'-ern. Sie lief zur Tür, rift heftig am ©rrff, fie hielt aber allen ihren Anstre- gu gen ftanb. Sie 'ah nach den Fenstern und tcuftL-, daß eine Flucht durch sie infolge der Lage im oberen Stock des Hauses unmöglich war. sind dann gelang? fie ihr auch, so müftte fie das Kind zurücklasfen. was sie auf feinen Fall tun wollte.

Plötzlich Härte sie wi?der das I fe Jammern. Es machte sie beinahe wahn'inn.g. Sie huch e zum Fenster und sah hinaus. b?tete um einen Hoffnungschimmer in der cht.rlichen Lage, in ber fie sich befand.

Seit dem Durchwände', res Mannes waren kaum einige Minuten verbe Sie ühl e baft c? nicht lange dauern würde. -i> er zur ck ehe e u d vor allem, der lchwcrezbärtige Marm m t ihm würden aut Vvz losghen. wenn fie se her fänden natürlich konnte ie sich weder Der- bergen, ab r dadurch wäre nichts errecht. außer vielleicht, sich felbft zu retten. Unb bie Rettung des Kindes wäre ihr nicht gelungen

Übersicht. Frankreich- Verhalten jumal tn der Eniw.lfinungskontrolle muß uns das Dlut ms Ges.cht treiben, auch zur Zeit ber Regie- r u n g HcrriotS Aber wir müssen es dulden. Leider, leider wir müssen»

Sclbstverständl ch kann auch von einer 2&- fchüttcl .ng des Load.n r Abkommens k ine Rede sein Wir haben unterzeichnet und müssen hallen, was ir.r zusagtcn. sof.ru wir iigmd ton ten Ich halte die Beding ngen des Londoner ^lblommens für außerordentl ch ichu>er traabar, abec bessere oxircn nun einmal nicht .rlangoar Anderes kamr behauptet, n cht abrr bewiesen wer. en Jedenfalls: wir nahmen an Jetzt von dem 'Ikitt zurücktreten, ist unmöglich. Wer bad will, will unfern s o fertigen Zusammenbruch

Auch an di lictchSpr schentenwahl trnfe ich nicht in erster ^mie. <Ä: ist ja mit de Reichs c.g8- tnaftl gar nicht unmittelbar verbmXn. Mittel­bare Zusammenhänge bestehen fre lieft Uber die Frage dieser Wahl ist nicht so wichtig, haß man alles auf ftc abstellen sollte. Eine andere Be­setzung dieses Amts wird sich von selbst ergeben, wenn der neue Reichst ig eine feste Mehrheit von den Deulschnat.onalen b.s zum Zentrum bringt: denn baft diese Parteien bie Rcge.ung bilden müssen, steht fest Als entferntere» Ze mag man die Wahl eines anbei\*n Reichspraschente, aus­stellen; wobei ich übrigens noch manche Fragen unb Sorgen auf dem Hervm habe Wer w vb ber neue Mann sein? Welche Partei wirb ihn stellen?

Welches sind nun aber bie nächsten Ziele? ES handelt sich für uns leider, leider noch nicht darum, große Parolen auszugeben. bie macht­volle Wirkung üben könnten. Wir müfen mit be­scheidenen Zielen zufrieden fein, mögen sie unS v.clleicht sogar um ift.er großen Bescheidenheit willen unsympathisch sein. Daß ganz Deutschlands Fre.heit noch immer nicht, noch lange nicht nächstes Ziel sein kann, ist jetem vaterländisch Denkenden ganz hart. 2lbei die allmähliche Be­freiung immer weiterer Strecken deutschen Landes muft allerdings unser Ziel fein, auch das der allernächsten Politik, die Freigebung ber Kölner Zone!

Wird derBe s till er Vertrag in birsem Stuck rvn den Gegnern gehalten werben ' Er muft! Fe ner: Die Räumung drs Ruhrg bietS in möglichst kurzer Frist! Da wir keine Waffen haben, um sie zu erzwingen, müssen wir alle anderen Mittel flu-'.er Politik zu die!em Zweck in Anwendung bringen. Weiter: Di? Zurückdrängung sr inzöstscher Herr­schaft im altbesehien Gebiet dis aus dasjenige Maß das unzwe felftajt durch baSDittat tx>n Versailles geforceri ist. Ueber diesesBcrlanger nach deutscher Freiheit hinaus geht bas politische Ziel ber Wiedererlangung des Deutschland gebüh­renden Eir.ftust s auf bie Deltgeschicke. Hier ent­steht die Frage des Beitritts zum Bölierbunb Die Forderung b.'dingungslofen Beitritts stehl auf genau der gleichen Stufe wie die Forderung bedingungsloser Unterwerfung unter alle bie feindlichen Forderungen ber letzten Jahre. Sie geht hervor teils aus einem starken Mangel an nationalem Rückgrat, teils aus einem ganz un­verständlichen blinden Vertrauen auf bie Sachlich­keit unserer Feinde, bie ihre Unsachlichkeit gerade genug bewiesen haben. Anders aber liegt es, weint wir die allgemeine Bereitwilligkeit zum Beitritt erklären, aber scharf umrcksene Sicherungen for­dern. Vielleicht kommt daS praktisch auf Ableh­nung hinaus? Wohl möglich. Aber bann ist es eine Form der 2lblehnung, bie ber Welt unt den Schichten des eigenen Volkes gegenüber, bk zu jeder feindlichen Forderung Ja sagen, die Motive des Nichteintritts über jeden Zweifel hinaus klarstellt. Also: bie klügste Form bet Ablehnung!

Zu ben nächsten Zielen der deutschen Politik gehört ferner die Durchführung des Londoner 2lbkommens. Sie wird uns viel zu schaffen machen. Sie wird für sich allein ungeheure Aufgaben In sich fdjlieftcn. Mittelbar ist dazu notwendig die Neubelebung ter deutschen W.rischaft. W.s das bedeut.t, machen sich auch heute noch längst nicht alle Deutschen klar. Noch ist bie Lage im Ruhr­gebiet ganz schlecht, in vielen anderen Bewirten mindestens schlecht. Noch ist die Situation des kleinen Beamten, des Arbeiters, am alermeisten (wenigstens im Offen) der Heimarbeiterin außer­ordentlich schwierig. Das alles kann sich - ohne neue Inflation gar nicht anders besser ge-

In unentfd;IofTenerBertoimr g sah sie zum Fenster hinaus in der Richtung na b Norden, in ber sie das rote Zeichen gesehen ha tc. Sie wun­derte sich, wo es wohl fein konnte von wo aus es gegeben worden war. Dann, als ihre Augen scharf über das Gesichtsfeld schweiften, sah fie dort, wo vor einigen Mrnu en noch baJ rote Licht erschienen war, ein blaueS aufleuch!en. Jedoch nicht, wie das rote Zeiche l, das ruhig, wie von einem festen Punkt auög?ga .ge r war; es bewegte sich fortwährend hin unb her; jetzt fiel es gerate gegen sie, ba.m verschwand eS wieder nach rechts oder links.

Sie ergriff den Feldstecher unb fah neugierig nach dem Licht. Ded.u ete es. daß 'ch i h ber Plan der Erpresser doch gelungen toir und ba« vorherige Zeichen auf einem Mißverstän. nis ruhte, oder daß ter Mann, ber bas erste ergeben hatte, überwältigt worben und bc»S Licht in Freundeshand war?

Sie hatte keine Ahnung wie sich die Sache verhielt, aber ein Gefühl o?, e ihr, es 'ei jemand, der tagen wollte, daß alles in Ordnung sei. Sie wollte antworten.

Ihr rinzigei Gedanke wc»r, Staple'on zr. übermitteln, wo fie gerade war. Sie wußte, baft der Mann, der beauftragt war, ihm telephoni ch bie Adresse miizuteilen, es nur nicht tun würde. Sie wollte ver uchen. sie selbst zu übermüteln.

Dann über!am sie eine große Genugtuung, baft sie das Morie-Alphabet kannte. Richard hatte es sie ein Jahr vorher, au- ihrer Reise von Paris nach Neuyork gel h t. Sie erinnerte sich, wie sie sich für bie drah leie Uebermittlung interessiert hatt^ und Richard hatte sie das Alphabet geehrt.

Sie ergriff di? Ta'chsnlampe und u-sterinchte sie. Cs war eine gewöh ckiche mit Trocke efement, wie sie in ben Handlungen efeftrtf<i«r Wa en verkauft werben; an der Größe sah fie, baft sie ungewöhnlich stark war.

Sei;lieft in ter Mitte war ein Keiner Knopf, durch be1en -Ijoderb ücfen ber S.rom geschlossen wurde und das Licht aufölir.e. Drrch lurzeS Drücken konnte fi? ein ra'ches Au leuchen er­zeugen, das <inen Punkt darstellte durch Re,er­halten 'wurde sie einen Strich wie vergeben

(Fortsetzung folgt.)