nr. 245 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)
Ein Tag in Königswusterhausen.
„Rundfunk und Schule." — 3m Brennpunkt des deutschen Funkwesens.
Von unterem 6onberberi(^tcrfta'.ter. — (Nachdruck verboten.)
Berlin, 8. Oktober 1921.
Prächtiges Wetter hat uns der Weltergott beschert au unserer Tagung „Rundfunk und Schule". Es ist, als wolle er jetzt im Oktober nachholen, lvas er im August und September versäumte. Aber man soll ihn nicht zu sehr loben, sonst wird er vielleicht wieder übermütig, und das Elend beginnt von neuem „CR u n ö - fünf und Schule" heißt die Losung, unter der sich einige hundert Lehrer von Volks- und höheren Schulen sowie Rundfunkfachleute von Auf hier in Berlin zusammeng funcen hab.n 3m groben Hörsaal der Universität finden die Beratungen statt, und es hat den Anschein, als wenn das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht diesmal eine Frage zur Diskussion gestellt hätte, die an Zrll- gemäßhell nichts zu wünschen übrig läßt Wer auch nur im geringsten sich mit der drahtlosen Nachrichtenübermittlung beschäftigt hat, wird zugeben, daß dem bei uns erst seit einem knappen Jahre bestehenden Rundfunk auch für die Zwecke der Belehrung und Erziehung ber 3ugenö eine nicht zu gering einzuschätzenbe Bedeutung zu- fonunt. Wie der Film sich ans Auge wendet, so wendet sich der Rundfunk ans Ohr des Teilnehmers. Beiden haftet daher eine gewisse Einseitigkeit an. 3m allgemeinen wird ein Mensch wohl lieber auf das Hören als auf das Sehen verzichten, wenn er nicht beides gleichzeitig hoben kann. Trotzdem hat der Rundfunk es verstanden, im deutschen Volke sich eine große G-emeinde begeisterter Anhänger zu verschaffen, die täglich zur Zeit um etwa 2000 zunimmt.
250 000 Deutsche sind bis jetzt angemeldete Teilnehmer am Rundfunk, so daß man ruhig sagen kann, annähernd eine Million Volksgenossen haben die Möglichkeit, den Darbietungen der Sendegesellschaften Tag für Tag zu lauschen. Fürwahr, es ist doch ein erhebender Gedanke für einen dieser vielen, zu wissen, daß unzählige gleich ihm in derselben Minute dasihen und den geheimnisvoll herangetragenen Worten und Tönen aufmerksam folgen. 3ch habe nicht die Absicht, an dieser Stelle eine gelehrte Abhandlung über die Natur dieser ilebertragung, über Hochfrequenztechnik usw. zu schreiben. 3ch möchte mich nur mit dem Ergebnis aller dieser physikalischen und technischen Arbeiten, dem Rundfunk, wie wir ihn seit einem 3ahre haben, beschäftigen.
Die ersten Anfänge waren reine Konzert- ober wenigstens musikalische Darbietungen. Allmählich erweiterte man den Umfang des Gebotenen. und heute umfaßt die Tageseinteilung beispielsweise des Frankfurter Senders von vormittags 11 Uhr bis nachts 11 Uhr eine Fülle von Darbietungen aller Art. von Märchenerzäh- lungen für Kinder, Wirtschaftsmeldungen, Zeit- und Wetterdienst, belehrenden und unterhaltenden Vorträgen, Sprachunterricht bis zur ernsten und heiteren, klassischen und modernen Musik, ja sogar zur Übertragung ganzer Opern direkt aus dem Opernhause. Darunter ist doch schon manches, was auch für den Unterricht, für die Belehrung unserer 3ugenb wertvolle Dienste leisten würde, wenn wir bereits geeignete Einrichtungen hätten, diese Dinge in weitestem Umfange an die Schüler heranzubringen. Daß diese Möglichkeit durchaus besteht, beweisen bereits gemachte Versuche. Aber abgesehen vom DiDungswert besitzt der Ruird- funk eine Wirkung, die ganz allein schon ausreichend wäre, fein Bestehen zu rechtfertigen und ihm volle Daseinsberechtigung zu sichern. Das ist das Zusammenhalten der Kinder und 3ugend- lichen un Hause. Gerade aus Arbeiterkreisen der Großstadt und ihrer nächsten Umgebung werden in dieser Hinsicht ganz bemerkenswerte Stimmen laut. „Früher brachte ich die Kinder nicht dazu, abends daheim zu bleiben", erklären viele, „seitdem aber „der Radio" im Hause ist. sitzen sie da und können es nicht erwarten, bis das Programm des Senders begiimt." 3ch muh dabei erwähnen, daß es in den Sendestädten, also auch hier in Berlm, bekanntlich mit ganz geringem Geldaufwand möglich ist, am Rundfunk teilzunehmen.
Aber nicht nur für die 3ugend hat der Rundfunk seinen Wert. Denken wir an Bewohner der kleinen Städte und des flachen Landes! Vielleicht sind es alte Ceute; abgeschnitten vom Verkehr und von den Genüssen und den Errungenschaften der Kultur, gibt ihnen der Anschluß an den Rundfunk die Möglichkeit, wieder teilzunehmen am pulsierenden Leben, wie Herr Staats- fefretär Bredow am Beispiel seiner eigenen Eltern ausfübrte. Die gleichen günstigen Erfah
rungen sind bereits auch im Auslände gemacht worden. 3n Amcr.la hat man sogar Versuche gemacht, einzelne Vorlesungen vollständig vor dem Aufnahmemikrophon eines Rundfunksenders abzuhallen, und dadurch den Universitäten ein Auditorium majimum im weitesten Sinne zu verschaffen.
3mmer wieder wurde auch die Bedeutung des ethischen Gedankens betont, der dem Rundfunk innewohne, und den man vielleicht am besten folgenbermafren kennzeichnen kann. Aehnlich wie die Theatergemeinde. so fühlt sich auch die Rund- funtgemcinbc als eine grobe Aicheitsgemeln- schast im besten Sinne des Wortes, und somit erfährt durch den Ruiidfunk der Gemein- schaftsgedanke eine starte Federung.
Aber ich wollte ja eigentlich von Königs- wusterhausen erzählen und sehe mit Schrecken, das) ich den kostbaren, mir zur Verfügung stehenden Platz mit allerhand Spekulationen und Betrachtungen vergeude.
Mit der Tagung war verbunden eine Besichtigung der Hauptfunkstelle K ö n i g s w u st e r - Hausen. Dreißig Kilometer südlich von Berlin, am Ende der Vorortbahn, inmitten der märkischen Streusandbüchse liegt das gleichnamige Städtchen, und schon einige Stationen vorher erkennt man das Vorhandensein der Funkstelle an den hohen Eisengittermasten, die über den Tannenwald hervorragen, der dort weite Strecken Landes bedeckt. Es ist ein ganz eigenes Gefühl, wenn man diese bis zu 200 Meter hohen Maste mit den zahlreichen Abspannungs- und An- tennenbrähten betrachtet, bie wie ein zartes Spinnennetz sich gegen ben klaren Himmel abheben.
3ch glaube, ber Besuch gerabe dieser Funk- stelle gibt uns bas beste Bild von ber allmählich immer mehr angewachsenen Bedeutung ber draht- losen Nachrichtenübermittlung überhaupt. Nicht umsonst fuyn Königswusterhausen ben Namen Hauptfunk st elle. 3st es doch ber Mittelpunkt für eine ganze Anzahl Funkdienste, die besonders in ben 3ahren ber 3nflation von einem gar nicht abschähbaren Nutzen für Deutsch- lanb waren. Wenn man bie Hauptfunkstelle in ihrer jetzigen Einrichtung verstehen will, muh man ihre Entstehung und Geschichte kennen
Don ber Militärverwaltung wurde die Funkstelle in den 3ahren 1914 bis 1915 erbaut. Dicht bei dem Städtchen Königswusterhausen auf einem kleinen Sandhügel gelegen, bildet sie ein Wahrzeichen für die ganze Gegend. Ein großes Gebäude steht dicht dabei. Die Aufschrift Funker- ka ferne verrät noch heute feine erste Bestimmung. Durch -Umbau haben aber inzwischen viele Familien Wohnungen darin erhalten. Selbst bie Ställe sind in niedliche, freundliche Wohnhäuser verwandelt worden. Nur für die Reithalle hat sich noch keine rechte Verwendung gefunden.
Die wichtigsten Gebäude der Station wurden in Anbetracht ihrer militärischen Bedeutung so gebaut, dah sie möglichst bomfcen- sicher waren. Es sind dies vor allem der Sender-undMaschinenraum. Sie liegen im Keller. Darüber befinden sich noch Derwal- tungs- und Wohnräume.
Für die Zwecke der Militärverwaltung waren zuerst vier verschiedene Sender aufgestellt, von denen aber immer nur einer im Betrieb sein konnte. Es waren dies:
1. ein 70-KW»(3enber nach dem System ber tönenben Löschfunken, ber von der Firma Telefunken gebaut war. Er hat während des Krieges u. a. zur Verbreitung ber Heeresberichte gedient:
2. ein 5--Sender nach demselben System und von derselben Firma gebaut.
3. ein 32-KV^-L ichtbogensender nach dem Poulsensystem (sprich Paulsen-), erbaut von der Firma C. Lorenz A. G. und
4. ein 4-KW»<5enber, ebenfalls ein von ber Firma Lorenz erbauter Lichtbogensender.
Die beiben letzteren Sender sind dadurch bemerkenswert, dah sie die ersten größeren ungedämpften Sender waren, die in Deutschland nach dem Lichtbogensystem auf einer Groß- station aufgestellt wurden. 3n den vier Sendern waren drei Antennen vorhanden. Die Antennen konnten von einer Antennenwahlschalttafel aus mittelst besonderer Antennenschalter ein-eln auf die verschiedenen Sender geschaltet werden. Diese Schalter befinden sich in einem besonderen Raume, dem Antennenschaltcaum, über dem Senderraum und werden von diesem aus durch lange Seil- züge betätigt. Die Anordnung war dabei so ge- 1
troffen, bah stets nur e i n Sender arbeiten konnte, unb bie anbern elektrisch blockiert waren. Es war eben damals ein gleichzeitiges Arbeiten mehrerer Sender an derselben Stelle noch nicht möglich.
Wie cs früher allgemein üblich war. so war auch Königswusterhausen gleichzeitig Sende- und Empfangsstclle. Natürlich konnte stets nur eines von beiden erfolgen. Die öenbeanlagen sowohl wie die Empfangseinrichtungeii wurden dadurch nur höchstens bis zur Hälfte ihrer Leistungsfähigkeit ausgenüht.
Die Energie, die für ben Betrieb erforderlich war, wurde von Dieselmotoren geliefert. Es sind drei Deuher Dreizylinbermotore von je 150 P. 8. unb ein Einzylindermotor von 50P.S. vorhanden. Sie waren g.kuppelt mit Generatoren von je 100 bzw. 32 KW Leistung.
Nach dem unglücklichen Ausgange des Ärie- ges durfte die Station nicht mehr im Besitze der Militärverwaltung bleiben. Sie wurde daher im 3obre 1919 von der Reichstriegraphenver- waltung übernommen. 3n der übernommene.! Form, die ja durchaus für die besonderen Bedürfnisse der Obersten Heeresleitung zugechnitten war. war die Gesamtanlage für bie Reichstelegraphenverwaltung nicht brauchbar. Während des Krieges hatten sich bie ungebämpsten Sender immer mehr in ben Vordergrund gebrängt, unb durch den Ueberlagerungsemp- f a n g mit Hilfe ber Elektronenröhren war man imstande, bie großen Vorzüge der ungedämpften Wellen voll auszunuhen. D e beiden tönenden Sender muhten nun Röhrentendern Platz machen. Und nach und nach erfuhr bie Station, nunmehr Hauptfunkstelle genannt, unter der Leitung des Telegraphentechiischen Reichsamts eine durchgreifende Umwandlung.
Vor allem wurde versucht und m.t Erfolg in die Praxis umgesetzt, mehrere Send'ec gleichzeitig arbeiten zu lassen. 3m Auslande bezeichnete man einmal diesen Plan als eine „technische Frechheit". Man muh aber zugeben, dah diese „Frechheit" wie leider so oft un Leben andeiei Frechheiten auch vollen Erfolg hatte. Sodann ging man dazu über, ben Sende- und Empfangsbetrieb zu trennen, um die Leistungsfähigkeit der Hauptfunkstelle voll äusnuhen zu können. Die Empfangsanlage wurde nach Zehlendorf verlegt, unb ber eigentliche Telegraphierbetrieb erfolgte im Haupttelegraphenamt zu Berlin. Von hier aus wurden bie Sender in Königs- Wusterhausen ferngetastet, unb h'erher wurden bie in Zehlendorf aufgenommenen Telegramme geleitet. Der ganze Aus- unb Umbau erfolgte unter dem Zeichen einer immer fühlbarer werdenden Geldentwertung.
Um die verschiedenen Sender erfolgreich gleichzeitig betreiben zu können, muhte bie Antennenanlage bedeutend erweitert werden. An Stelle der ursprünglichen drei sind jetzt etwa 20 größere und kleinere Antennen vorhanden. Die fünf alten Masten genügten natürlich längst nicht, um diese vielen Antennen zu tragen. Es wurden noch zwei weitere Maste errichtet. Der eine wurde dabei am Boden liegend fertig zusammengesetzt und bann vermittelst eines Hilfsmastes auf einmal aufgerichtet. Der andere wurde in dec üblichen Weise nach Art des Schornsteinbaues errichtet. Sie sieben Maste sind 100 bis 210 Meter hoch. Sie müssen gegen die Erde gut isoliert sein, daher sitzen sie auf mächtigen Porzellanisolatoren, bie eine hohe Druckfestigkeit haben ntirffen, um ben Druck ber gewaltigen Eisen- massen eines solchen Turmes aushalten zu können. Einige dieser Maste haben am Grunde einen Querschnitt von zweimal zwei, also von vier Quadratmetern. Nach oben verjüngen sie sich etwas. Die Maste sind bann noch zur Verhütung von seitlichen Bewegungen unb vor allem, um dem Zug ber vielen Antennen gewachsen zu sein, nach bret oder vier Selten burch dicke Stahlseile abgestützt, die selbst oben unb unten gut isoliert sind. Die vielen Antennen bedingen besonders in der Nähe des Antennenschaltraumes ein großes Gewirre von Antennenzuführungsdrähten. Um gegenseitige Berührungen derselben zu verhüten, und um bei heftigem Winde Schwankungen zu vermeiden, die Kapazitätsänderungen der Antennen und damit Schwankungen der Wellenlängen im Gefolge hätten, sind bie Zuführungen kurz vor ber Einführung in bas Gebäude nochmals abgefangen. Teilweise geschieht dies mit Hilfe von vier freistehenden Holztürmen von je 30 Meter Höhe. So ist die Mastanlage mit Antennen vollbesetzt und auf das äußerste ausgenutzt.
Während bei einer Rundfunkempfangsanlage die Erdung ber Antenne unb bes Apparate verhältnismäßig einfach einzurichten ist, ist bies bei einer großen Sendestation schon recht umstänblich. Man muß bedenken, daß es sich da um Ströme von recht beachtlichen Stärken handelt, die in
Seltsame Aittewochen.
Roman von Arnold Fredericks.
20. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Dann halten Sie es für möglich, daß Frau Stapleton viel Geld am Spieltisch verlor unb sich scheute ihrem Mann ihre Veriuste ernzuge- stehen? Um ohne Wi sen ihres Mannes zu den hunderttausend Dollar zu kommen, hätte sie bie Wärterin und deren Freund Valentin an geteilt, uni das Kind für kurze Zeit verschwinden zu ^^Keinesfalls ist dies unmöglich. 3ch empfehle 3hnen, diesen Verdacht zu verfolgen, tfrnben wir heraus daß Frau Stapleton solche Zigaretten mit Goldrand raucht, so bringt uns das der Lösung viel näher." , _ , ,
Grace, die sich des tief bekümmerten ^Aussehens dn' Frau Stapleton wohl erinnerte, suhlte, daß der Schluß sehr q:tragt war, sie wollte ihn aber dennoch nachgehen.
„Nun." fuhr der Präfekt fort, „kommen wir zu dem unerwarteten Auftauchen Valentins, ber hinten am Auto hing, das Sie heute nacht nach Paris zurückbrachte."
„Wie ich 3hnen sagte, behauptet, er, auf Stapletons Wagen aufgestiegen zu sein."
„Der von Francois geführt wurde?" „3a“
„Und Sie sagen, der Mann, der den Wagen lenkte, hatte einen schwarze i Bari — kurz, daß er derselbe war, der in Valentins Zimmer ein- brach und die Zigaretten stahlT
,3a.**
„Dann lügt entweder Valentin, oder der Mann mit dem schwarzen Bart ist wirklich Fran- yois. Wir wollen die Geschichte von beiden Seiten betrachten. Sagt er die Wahrheit, so ist Francois einer der Räuber."
„So sieht es aus. Sie sagten, Sie liehen ihn beobachten?“
,3a. Meine Leute berichten, daß er in Stapletons Wagen heute abend etwa um neun Uhr das Haus verließ. Das sttmmt mit Valentins Erzählung offenbar überein. Ebenso soll er um elf Uhr herum zurückgrtehrt fein — allein.“
„ Folgte man ihm nicht?"
„Nein. Es ist in einem anderen Wagen nicht möglich, ohne seine Aufmerk cynteit zu erregen — und dann würde er auf der Hut fein. Wir wollen nicht, daß er sich beobachtet weih."
„Aber — Stapleton weiß doch, wo er war — warum er f ort fuhr?"
„3 a. Wir haben ihn befragt. Er wuhte darum. Franyois h. tte ihm gesagt, der Denzin- behälter fei undicht, und er hatte ihn beauftragt, den Behälter sofort reparieren zu lassen."
„Unb wurde er in Orbnurg gebracht?"
Der Präfekt lächelte. „3a, der Wagen wa: in einer Werkstätte am Boulevard St. Michel von halb zehn bis halb elf Uhr."
©race lehnte sich erstaunt zurück. „Dann lügt Valentin!" rief sie aus.
„So scheint cs, ralürlich wenn nicht Francois einen anderen Wagen aus der Werkstät e nahm, solange sein eigener wieder hergestellt wurde."
„Das wird man dort ja erfahren können."
„Dort leugnen sie es Aber biete Burschen bangen alle zusammen. Sie machen sich nichts
daraus, einem Kollegen zu einer kleinen Spritz-i fahrt zu verhelfen."
„Valentin sagt in ferner Erzählung nichts davon."
„Er hat es vielleicht als unbebautere Einzelheit ausgelassen. 3ch glaube, er kann unbeobachtet in ben zweiten Wagen geschlüpft fein, wie in den ersten. Natürlich, es war ja durck.1 Er fand es nicht erwähnerrsweri. Alles selbstverständlich unter der Voraussetzung, baß er bie Wahrheit sagt. Nun nehmen wir an, er lüge — der Mann mit dem schwarzen Bari sei nicht Francois, sondern ein Helfer Valentins in ber Sache. Was ist der Zweck seiner Erzählung?"
„Das kann ich mir nicht denken. Wissen Sie es. Herr Präfekt^'
„Nein — nicht auf ben ersten Blick. Der erste Widerspruch wäre natürlich: Handeln Dalenttn und der Mann mit dem schwarzen Bari un Einvernehmen, warum wäre letzterer in Valentins Zimmer eingebrochen, um die Zigaretten zu holen?"
„Das scheint keinen Sinn zu haben."
„Doch kann er einges-hen haben, welche Gefahr die Zigaretten in Va-lentins Besitz bildeten und er kann, statt ihn zu warnen einfach h.nge- gangen sein und sie n>'genommen haben. Dies ist keine besonders glaubhafte Erklärung, aber wir wollen es so annehmen, um mit unseren, Vermutungen weiter zu kommen. Nehmen Sie an, Valentin, der Mann mit dem schwarzen Bart unb Mary Lanohan. die Wärterin, arbeiten zusammen mit Frau Stapleton oder anderen Helfern. Sie haben das Kind httl weggebrr.cht. Sie entführen Eie und senden bie Nachricht durch
Mittwoch, (5. Dttober 192-
Antenne unb Erbe geschickt werden. Man mutz diesen Strömen den Eintritt in bie ©rite möglichst erleichtern, wenn man nicht große Verluste durch den Uebergangswiderstanb erleiben will, die natürlich die Reichwctte außerordentllch herabsehen würben. Als ©t blei hing bient ein etwa einen halben Meter tief eingegrabenes Netz von decken Kupserbrählen, bad sich unter ber gefaulten Aiuenncnanlage ausdehill An sich ist bie Sage der Station auf dem Saiidhügcl nicht allpr günstig Es wäre vom fünfte^rieben Standpunkte ous viel besser, sie läge in einer Senke mit pobem Grundwasserspiegel, im 3ntereffc einer guten und einwandfreien Erdung.
Wozu braucht nun bie Hauptfunkstelle diese vielen Antennen? - Weil sie die Zentrale für den innerdeutschen Funkverkehr war und ist. Nach dem Kriege war unser Drahtnetz dem riesenhaft anwachsei'den Telegraphen- und Fernsprechverkehr auch nicht entfernt gewachen, zum großen Teil infolge der durch den Kneg bebingten mangelhaften 3nstandhaltung unb Ergänzung. Da wurde bas Reichsfun kn eh gelchaise a ur Entlastung des herunterg. wirtschafte t.. Drairielo graphennehes und vor allem zur schnellsten lieber- mittlung der nach Ueberfae bestimmten Funk- tckgiamine nach Eilvese und Rauen. DaS Reichsfunkneh, das inzwischen auch eine Folge der mit der Stabilisierung unserer Währung einsehenden Gesundung — viel von seiner Wichtigkeit wieder eingebüßt hat, bildete ein lltetz von drahtlosen Sende- und Empfangs stellen, die über ganz Deutschland verteilt waren Die größeren, die sogenannten Le 11 f u n l ste 1 len, kirnten alle direkt nut der Zentrale in Berlin verkehre,!, und dieser gesamte Verkehr ging über Königs« Wusterhausen
®afüi waren in der Hauptfunkstelle eine ganzr Anzahl kleinerer Röhrenfender 'von je 503 Watt Leistung) eingesetzt, die im Laufe ber letzten Mo« natc teilweise wieder entfernt wurden, um an» beten, stärkeren, Platz zu machen. Außerdem befinden sich dort zw-ei Röhrenfender zu je 10 un? jteei von je 5 Kilowatt Leistung Ein neue) 5-Kilotrattlender wird benutzt, um bie Sonntags- konzecte auf Welle 2803 und 680 sowie ben Pressedienst zu geben. Die meisten Sender stammen von der Firma Telefunken. Sie arbeiten alle, mit Rücksicht auf die durch das enge Bei inanber ber vielen Antenne,, und das gte.chzeitige Arbeiten der Sender schwierige Abstimmung, mit Zwischen kreis. Die Anodenspannung von 4000 Volt wird teilweise von je j.iitei hintereinander geschalteten Gleich- stromhochipannilngsmaschinen geleert, teils wirb der von einer öOO-Perioden-Wechtelstromma.schine erzeugte Wechselstrom burch Quecksilber- ba m p f g le i chr i'ch t e r oder durch besondere Röhren, sog. K e n o t r o n s, gleichgerichtet.
Außer bem innerdeutschen Verkehr bewältigt bie Hauptfunkslelle auch einen großen Te l des Europasunkvertehrs. 3n dieser Hinsicht soll sie noch weiter ausgebaut und die jeht z. T. in Ebers- w-alde unb Nauen untergebrachten Sender dorthin verlegt werden. Da in den alten Gebäuden aber keine Möglichkeit zu weiterer .Unterbringung von Sendern besteht, hat man bereits ein neues ®e- bände, einige hundert Meter von ber alten Station entfernt, errichtet mit vollständig getrennter Antennenanlage. Außerdem ist ein drittes Gebäude im Bau, das später alle Telephoniesender aufnehmen soll, währerrd die Gebäude I unb II den Telegraphiesendern Vorbehalten sind. Sobald die neue Anlage fertig ist, wird Königswusterhausen mit einem 230-Meter-Mast und seinen etwa 15 bis 18 übrigen Antennenmasten unserer größten Funkstelle, Nauen, nicht nachstehen. An Vielseitigkeit des Betriebes übertrifft es diese Station bereits heute, dient es doch außer dem 3n(anb- unb dem Europadienst dem Wirtschaftsnmdspruch, ber auf Welle 4000 funktelephoßisch bis zu 40maJ täglich stets bie neuesten Wirtschaftsmeldungen Börsenkurse usw. einer zahlreichen Abonnentenschar bekannt gibt, und der besonders in den letzten 3ahren für die deutsche Wirtschaft, für Handel und 3nbuflrie ganz vorzügliche Dienste geleistet hat. Daneben werden, wie bereits erwähnt, ein Pressedienst funktelephonisch auf Welle 2500, Kon» zerte auf Welle 2800 und Wettermeldungen funk- telegraphisch auf 5700 gegeben.
Damit wäre so das allerwichtigste über die Hauptfunkstette Königswusterhausen gesagt. Es ließen sich natürlich noch viele interessante Einzel, Hellen bringen, bie aber mit Rückicht auf den begrenzten Platz unterbrückt werben müssen. 3<t glaube llibessen nicht zu viel zu sagen, wenn ich zum Schlüsse fest stelle, baß die Besichtigung der Hauptfunkstelle bei allen denen, die da van teilgenommen haben, ein Gefühl der Bewunderung für die technischen Leistungen und ein Gefühl des Stolzes darüber, daß es fast durchweg deutsche Leistungen sind, hervorgerufen hat. Daneben aber auch ein Gefühl des Staunens, fast möchte ich sagen ehrfürchtigen Staunens, über die Er-
Ste an Stapleton. Sie trauen 3haen nicht, da sie zweifellos wissen, daß Sie meine Agentin sind. Sie beauftragen Dalenttn, sich an das Auto anzuklammern, damit er b h.rupte.i kann er fei ihr Feind und bemühe sich, wir Sie. das Kind zu finden. So erwirbt er sich 3hr Vertrauen. Er weist Sie an, ben Auftrag der Räuber sofort Stapleton auszurichten. Er fragt Sie aus unb erfährt, bah Sie keine Ahnung haben, wo bo$ Kind verborgen ist. Dann erklärt er sich bereit, 3hnen, so gut es ihm möglich ist. den Ort zu zeigen, wo das Haus liegt. 3st er mit den Räubern im Bund, so wird er morgen Sie und die Leute, bie ich 3hnen mitgebe, an einen Ort führen, der von bem wrrklichm. wo sich das Kinb beftndet, einige Meilen entfernt ist, unb Sie verlieren den Tag mit zwecklosem Such n Eü träte wirklich ein gescheiter Streich von den Leuten." „Gewiß wäre es bas," bemerkte Grace.
„Ferner sagten Sie bem Burschen von 3H em Plan, bic Verbrecher zu fangen. Sie Wellen ihn morgen nachmittag in den Plan einweih n Tun Eie das, so geht er sicher unter irgendeinem Vorwand an ben Fernsprecher und war ck 'eite Kameraden vor dem, was Sir tun wollen. 3ch empfehle 3hnen strengstens, in den Bur'chen kein Vertrauen zu setzen."
„Dennoch wollen Sie versuchen, das Haus, das er bezeichnet, zu finden?"
„3 a. Wenn er uns auch an dw Nase herum- führt. Wir dürfen nichts unversucht lassen. _ Unb nun kommen wir zu 3fyrer Besprechung mit Stapleton. Sie haben natürlich den Auftrag auäge» richtet. Was sagt er dazu?"
(Snrtfetgmg folgt)


