Frankreichs amerikanische Schuld.
Beginn der Rückzahlung nach Durchführung des Dawesplans.
Paris, 15. Sept. (WTB.) „ Rach einer Agcntunneldung aus Washington hat das Mitglied der interalliierten Schuldenkommission Ed. Hurley, der kürzlich eine Reise nach Frankreich gemacht hat, am Donnerstag mit dem Finanzsekretär Mellon und dem Sekretär der Schuldenkommifsion wichtige Besprechungen gehabt. Mellon und Coolidge sind der Ansicht, daß im Augenblick über die französischen Schulden nichts vereinbart werden könnte, bevor die Durchführung des Dawesplanes Ergebnisse gezeigt hat. Rach Hurleh soll die französische Regierung geneigt sein, eine Abordnung nach Washington zu schicken, die über die Rückzahlung der französischen Schulden innerhalb 65 Oahren verhandeln soll. Hurleh denkt sich die Rückzahlung der französischen Schulden folgender- mahen:
Die französische Schuld, die zur Zeit 3,3 Milliarden Dollar, ohne die aufgelaufenen Zinsen beträgt, wird innerhalb 63—67 Jahren zurückge- zahlt. Die ersten Zahlungen beginnen in 5 Jahren. Man glaubt nämlich, daß in 5 Zähren der Dawesplan in voller Durchführung sei und es Frankreich gestattet wäre, regelmäßig von Deutschland die Reparationszahlungen. die vorgesehen sind, zu erhalten. Der mittlere Zinsfuß soll 2,5 Proz. betragen. Während einer Periode von 5 Jahren wird ein Moratorium gewährt, innerhalb dieser Zeit werden auch keine Zinsen angeschrieben. Für die I a h- reszahlungen find zwei Möglichkeiten ins Auge gefaßt: Entweder zahlt Frankreich hundert Millionen Dollar jährlich, oder die Zahlungen sind zunächst schwächer, welche von Jahr zu Jahr steigen, schließlich nach 20 Jahren hundert Millionen Dollar jährlich übersteigen, dann werden sie immer größer bis die ganze Schuld getilgt ist. Die Hälfte der Zahreszah- lungen, also 50 Millionen Dollar sollen von den Bereinigten Staaten für die französische Industrie verwendet werden und man ist der Ansicht, daß auf diese Weise die Elektrisierung der französisch - belgischen Eisenbahnen finanziert werden kann.
Dor einer Entscheidungsschlacht in China.
London, 15. Sept. (Wolff.) Rach einer Meldung der „Chicago Tribüne" marschiert Tlchan Tsu Lin, der Genevalgouverneu der Mandschurei, an der Epr.ze von 1Q0 000 M'mi nach Peking. Eine Gntscheidungsschlach! st he bevor. Das Schicksal des Krieges werde zum größten Teil von dieser Schlacht abh'ingen. Wenn Tschan Tsu Lin Sieger bleibe, würden die Strcit- träfte Kiangsus, der vor Schanghai kämpft, von ihrer Lebrnsmiitelbasis abgeschn t en und so genötigt sein, den Kampf aufzugeben. Zn diesen! Falle, würden sie auch feine Verstärkungen heranbringen können.
Der hiesige japanische Botschafter, Baron Hayashi erklärte einem Vertte'.er der Sundcch Times über dir Lage in China, der Kampf, der gegenwärtig um die Vorherrschast von den verschiedenen Parteien geführt werde, werde vermutlich noch lange dauern. Dir Großmächte könnten angesichts dessen im Augenblick nichts tun, als Leben und Eigentum ihrer Staatsangehörigen zu schützen. R i e m a n d wünsche zu intervenieren. Erst wenn einer der chinesischen Machthaber endgültig die Vorherrschaft errungen Hube oder wenn eine ^völlige Erschöpfung der Kämpfenden eii- _getreten sein sollte, wäre der Augenblick für eine Zweckmäßige Zntervention der Mächte in dem ..Sinne, China ihren „gemeinsamen Beisl a n d" anzubieten, gekommen.
Aus aller Welr.
Eine neue Probefahrt des Amerika- Zeppelins.
Friedrichshafen, 15. Sept. (WTB.) Z. R. Irl ist am Samstag von der vierten Probefahrt um 6.50 lllhr abends zurückgekehrt. Die Fahrt ging rund um den Bodensee und berührte auch das Gebiet des Bregenzer Waldes sowie das schweizerische Gebiet am Oberrhein. Während der Fahrt wurden Versuche mit Telefunken-Dordpeiler angestellt. Zunächst wurden Funkstrahlablenkungen für das gesamte Wellenbereich 800—3000 Meter ausgenommen. Zm Verlause dieser Versuche zeigte sich, daß bei großen Peilentfernungen auch mit guten Funkpeilungen zu rechnen ist. Sehr interessant waren zwei Funkzielfahrten, die das Luftschiff zunächst nach K o n st a n z, dann nach F r i e- drichshafen ausführte. Bei diesem Manöver
Ueber den Spiritismus^
Don Rudolf Sieber» Frankfurt a. M.
Auf der Suche nach wahrer Erkenntnis der letzten Dinge sehen wir uns einer Stufenleiter von Crkenntnismöglichkeiten gegenüber. Als eine solche Stufe oder Form der Anschauung können wir auch den sogenannten „Spiritismus" an» sprechen.
Der einzig wahre Extrakt, den uns die Geschichte des kritiklosen Offenbarungsspiritismus bis heute zeitigen konnte, ist jedoch mir die eine Tatsache, daß die älrsache der spiritistischen Erscheinungen die Wirkung eines psychischen, d. h. also auch dem Mikroskop unsichtbaren Kräftespiels der Ratur ist. Der Glaube, es handelte sich um die Sichtbarwerdung Verstorbener, muß ein für allemal als ein Grundirrtum entlarvt werden. Die spiritistische Bewegung hat noch schwere Krisen durchzumachen, denn der alteingefleischte Glaube ist mit egoistischer Liebe genährt. Dieser geisteswissenschaftlich unhaltbare Glaube erhält neuerdings durch die Enthüllungen des modernen Mystikers Do-Din-R3 (Schneider-Franken) seinen Todesstoß. Die aufsehenerregenden Lehren dieses „Meisters des Lebens" über wahre Ethik, Metaphysik und Lebenskunst haben schon manchen Riß in Dogmen und Parteien veranlaßt, infolgedessen auch schon manchen Gegner wie begeisterte Für- fprecher großgezogen. Es lohnt sich, ihm über die Frage des Spiritismus und was damit zu- sammenhängt, anzuhören.
Dö-Vin-Aä behauptet, daß der unsichtbare Dell der Ratur bedeutend größer und formen- reicher ist alS das Sichtbare. Dus für unS Sichtbare ist nur die stoffliche
waren die Fenper der Funkkabine verhängt, so daß die Funkbeamten am Funkpeiler das Ein- lenken des Z A. III in den Zielkurs nur nach dem Gehör ausführen konnten. Alle Versuche des Rudergängers, vom Ziellurs abzuweichen, hatten sofort neue Zielkurskommandos des Bordfunkers zur Folge, u. a. wurde der Zielkurs so treu eingehalten, daß die Antennen der Bodenfun kstän- der sowohl in Konstanz als auch in Friedrichshafen genau in ihrer Mitte umflogen wurden. Dieses gute Ergebnis läßt bestimmt hoffen, daß der Zeppelin im Dedarfsfalle bei der großen Fahrt über den Ozean an dem Telefunkenbordpeiler ein wichtiges Ravigationsmrttel besitzt, das ihm besonders bei schlechtem Wetter und bei Rebel den sicheren Weg weist. Die letzte Probefahrt ist noch nicht bestimmt.
Die italienische Oper in Berlin.
Derlin, 14. Sept. (WTB.) Die italienische Oper unter dem bekannten italienischen Komponisten M a s c a g n i begann gestern mit Der Aufführung der Verdischen Oper „Aida" in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm, deren Riesenbau bis auf den letzten Platz beseht war. Unter den Anwesenden bemerkte man auch zahlreiche Angehörige der hiesigen italienischen Kolonie und Mitglieder der italienischen Botschaft. Die italienischen Darsteller wurden unterstützt durch den Kittelschen Chor. Das verstärkte Berliner Symphonieorchester (Blüthnerorchester) wurde von Pietro Mascagni dirigiert. Znsge- samt wirkten bei der Vorstellung 1000 Personen mit. Das Publikum spendete lebhaften Beifall, der sich besonders angesichts der szenischen Massenwirkungen am Schluß des zweiten Aktes (Siegesfest vor den Toren Thebens) zu stürmischen Kundgebungen steigerte. Mascagni und die Hauptdarsteller wurden mehrmals gerufen, ihnen wurden Kränze und Blumenarrangements mit Schleifen in den italienischen Landesfarben überreicht, älebrigens zeigte die ursprünglich nur für Ausstellungszwecke- bestimmte Riesenhalle eine erstaunlich gute Akustik.
Das Jubiläum des Roten KreuzeS.
Berlin, 15. Sept. Die Zubiläumswvche des Roten Kreuzes anläßlich seines 60jährigen Bestehens wurde am gestrigen Sonntag unter starker Beteiligung der Berliner Bürgerschaft mit einer Reihe festlicher Veranstaltungen eröffnet. Zn allen Kirchen Berlins wurde auf die Bedeutung der Arbeit des Roten Kreuzes hingewiesen. Zn der ganzen Stadt wurden Sammlungen xur lllnterstühung der Wohlfahrtseinrichtungen des Roten Kreuzes veranstaltet. Auf vielen Plätzen der Stadt fanden Konzerte der Musikkorps der Freiwilligen Sanitätskolonnen statt.
Ein Jubiläum der Stenographie.
Berlin, 14. Sept. (WTB.) Zu Ehren des 50jährigen Slenographenjubiläums des Miter» finders des Kurzschriftshstems Stolze- Schrey fand heute eine vom Stenographenverband S.tolze-Schrey veranstaltete F e i q r im ehemaligen Herrenhause statt, an der auch der 74jährige Zpbilar selbst teilnahm. Rach der Verlesung der Glückwunschtelegramme des Reichspräsidenten, des Reichsaußenministers und der übrigen von den reichs- und preußischen Behörden, der Industrie und den kaufmännischen Organisationen usw. eingegangenen zahlreichen Gratulationen folgten die Begrüßungsansprachen des Vorsitzenden der Schule Stolze-Schrey, des Oberstudiendirektors W e t e k a m p , und des Landrats Boer-Gardelegen, auf die der Gefeierte mit einigen Worten des Dankes erwiderte.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 15. Sept. 1924.
Senkung
der Getreide- und Brotprcise?
Zm Hinblick auf die von der Reichsregierung beschlossenen Maßnahmen zur Verbilligung der Produktionskosten ergibt sich naturgemäß dir Srrnge, ob es möglich ist, auch auf bi2 in letzter Zeit erheblich gestiegenen Getreidepreise einen gewissen Druck auszuüben. Wie der „Deutsche Handelsdienst" an amtlicher Stelle erfährt, ist eine besondere Aktion in dieser Richtung bisher nicht geplant. Man hofft aber, daß die Ermäßigung der Eisenbahntarife nun sehr bald auch einen Einfluß auf die Getreidepreise ausüb 2N werde. Die Aus- fuhrsperre für Getreide hat sich bisher in diesem Sinne noch nicht recht auswirken können^ da die Preise für Einfuhrgetreide der Weltmarktlage entsprechend kräftig in die Höhe gegangen sind. Besondere Maßnahmen zur Verstärkung der Einfuhr kommen kaum in Betracht, da wenig Reigung besteht, den Getreidevorrat der Reichsgetreide- slelle zu vergrößern. Man nimmt an, daß die Preissteigerung am Weltgelr.i.'emartt nicht von langer Dauer sein könne, da der im Vorjahre vorhandene große .Illeberschuh am Weltmärkte unmöglich aufgebraucht sein kann. Dieser Heber-
Verdichtung dessen, was unsichtbar vorhanden ist. Also alles^ Diesseits hat fein unsichtbares Gegenstück im Zenseits, aus dem es geschaffen und geformt ist und dem seine inneren Energien (Lebenskraft, Magnetismus, Strahlenkräfte usw.) entspringen. Man sagt: „W e oben, so unten, und alles hat seine innere ällrsache." Ein Vergleich bildet z. B. der Wasserdampf, welcher, wenn er erkaltet, sich wieder zu Wasser verdichtet: in demselben Verhältnis etwa stehen die sichtbare und die unsichtbare Ratur zueinander.
Für sich allein betrachtet ist die feinstoffliche Aethersphäre eine organische Welt für sich, mit eigenen Wesen, die ihrerseits zwar teilweise Menschenähnlichkeit besitzen, jedoch mit der menschlichen Entwicklungsketle nichts gemeinsam haben, da sie kein Gemüt besitzen und infolgedessen sterblich sind. Die sagenhaften Wesen (Kobolde, Rixen u. a.) sind die Bewohner des „inneren" Raturreiches und besitzen zumeist einen ausgeprägten Verstand, welcher den der Menschen oft überflügeln kann, da er keine moralischen Hemmungen kennt. Zene Wesen haben die Fähigkeit, sich ihrer Umgebung in schnellem Wechsel jeweils anzupassen, was sich aus der Gasartigkeit und Durchlässigkeit der astral-ätherischen Materie erflärt. Ihre Gedanken nehmen unmittelbare Formen an, welche sie zu beherrschen verstehen. Richts, was existiert, ist zwecklos. Die „Raturgeister" haben den Zweck, diejenigen Dinge und Geschehnisse, welche sichtbar auf der Physis toerben sollen, zu bilden, zu formen und zu verdichten. Sie wissen wohl von dieser ihrer Arbeit selbst nichts, ebenso wie die Menschen auf der Erde ihren Teil an der allgemeinen Raturentwicklung verarbeiten, ohne es zumeist zu wissen. Daher dient der Weise
icyutz muß schließlich auch wieder trgenorme tn die Erscheinung treten und das Preisniveau beetn» f hi ff en.
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** Personalien Ernannt wurden der Bibliothekar an der Bibliothek der Landesuniversität Gießen Professor Dr. Hugo H e p d i n g in Gießen zum Oberbibliothckar an der Bibliothek der Landesuniverjität Gi.'ßen: der Hilfsbiblto- thekar an der Bibliothek der Landesunioersität Gießen Dr. Wilhelm De h mann in Gießen zum Bibliothekar an der Bibliothek der Landes- Universität Gießen: der Militäranwärter Peter Kehr mann aus Heubach, Kreis Dieburg, zum Amlsgehilfen an der Landesuniversität Gießen, sämtlich mit Wirkung vom 1. Sept. 1924 ab.
RDV. Mitnahme von Handgepäck. Bei Festsetzung der Gewichtsgrenzen des in den Abteilen zugelassenen Handgepäcks wurde angeordnet, daß die Vorschriften in der ersten Zeit nachsichtig gehandhabt werden sollten. Rachdem die Bestimmungen jetzt längere Zeit bestehen und in der Presse wiederholt auf sie hingewiesen worden ist, kann erwartet werden, daß sie hinreichend bekannt sind. Die Zugbeamten sollen nunmehr streng darauf halten, daß Handgepäck und Traglasten die zugelassenen Gewichtsgrenzen nicht überschreiten und keinen größeren Raum einnehmen als den Reisenden gestattet ist. Wer sich vor Weiterungen und Zahlung der Strafzuschläge schützen will, wird gut tun, den Umfang seines Handgepäcks den Vorschriften anzupassen.
RDV. Reisegepäck aus Zeitkarten unzulässig. Rach einer neuerlichen Ergänzung der Allgemeinen Etsenbahn-Abfertigungsvor schriften wird Reisegepäck auf Monatskarten, Schülermonatskarten und Wochenkarten, mit Ausnahme von unverpackten Fahrrädern, nicht angenommen.
** Die steuerliche Belastung des Logierbetriebes. Zm Anschluß an unsere Mitteilung unter dieser Heberschrift in der Freitagsnummer vom 9. wird uns von einem Gießener Hotelbesitzer geschrieben, es komme auch in Gießen öfters" vor, daß Fremde glauben, sie würden in den hiesigen Hotels bewuchert. Wie die schweren Wirtschaftsverhältnisse für die hiesigen Hotels liegen, die zu den jetzigen, vielfach als zu hoch empfundenen Preisen führen, wird in Der Zuschrift wie folgt erklärt: „Die besten Zimmer in den ersten Hotels kosten inkl. Steuer und Bedienung 5 Mk. pro Rächt. Davon sind an den Staat abzuführen 50 Pf., an die Stadt 90 Pf., für Bedienung laut Tarif 72 Pf., zus. 2,12 Mk., bleiben also für das Zimmer 2,82 Mark. Run haben die Hotels, trotzdem sie von den Zimmereinnahmen 30 Prozent lllmsahsteuer und Gewerbesteuer zu zahlen haben, auch die Hauszinssteuer, wie jeder andere Hausbesitzer, £u zahlen. Die Hotelgrundstücke sind jedoch, da sie ein Gewerbebetrieb sind, höher, als Privathäuser eingeschäht. Infolgedessen ist die Steuer sehr hoch, sie muh auf die Mieter, und das sind die Gäste, abgewälzt werden und muß deshalb wieder mit 30 Prozent versteuert werden (10 Proz. staatliche und 20 Proz. städtische Steuer). Bei einigermaßen guter Besetzung macht das pro Cbi*t 50 Pf. aus, erhöht, sich natürlich, je mehr der Verkehr abnimmt, denn die Steuer muß auch bezahlt werden, wenn keine Gäste da sind. Der Preis von 2,82 Mk- verringert sich somit wieder um 50 Pf., bleiben somit 2,32 Mark. Rechnet man dann alle anderen Steuern, wie Einkommen- und Gewerbesteuer usw., die vom Gesamtumsatz, also auch von all diesen Steuern bezahlt werden müssen, so wird man einsehen, daß die Gießener Hotels billiger sind, als in Friedenszeiten, trotzdem die meistes Bedarfsartikel, besonders Wäsche, Vorhänge und Teppiche 100 Prozent teuerer sind, als in Friedenszeiten."
** Guten Appetit. Die Polizei verhaftete einen 24jährigen jungen Mann, der bei Glaubensgenossen um milde Gaben vorsprgch und der des Bettelns und der Landstreicherei verdächtig ist. Der junge Mensch trug u. a. eine Zigarrenkiste bei sich, in der sich außer Glasscherben und Rägeln auch — Frösche befanden. Beim Oeffnen des Kistchens entsprangen zwei von ihnen! dem Behältnis, zwei andere aber erwischte der Eigentümer und — verschluckte fie zum nicht geringen Erstaunen der Umstehenden. Des anderen Tages war er noch nicht dazu zu bewegen, seinen Magen von dem seltenen Inhalt zu befreien. Im Gegenteil, er schluckte noch Scherben undRägeldazu. Auf die Frage, warum er denn die Frösche, von denen er behauptete, daß sie noch am Leben seien, nicht wieder habe zum Vorschein kommen lassen, antwortete er, ja, dann nähme man ihm die Tiere ab, die doch „d rössier t" seien. Das Fröscheverschlucken will er in seiner Heimat, der Oberpfalz, einem herumziehenden „Zirkuskünstler" abgesehen haben. So wie jener habe er, auch „seine drössierten Frösche! söhr kühl': er habe sie den Leuten in Wirtshäusern vorgezeigt und damit fein Geld verdient. Immerhin scheint die eigenartige Kunst ihren Mann nicht „ernährt" zu haben, sonst hätte er wohl nicht
den Raturgesehen und der ällnweise glaubt eigenwillig handeln zu formen. Von letzterem aber kann man sagen, daß „er glaubt zu schieben, in Wahrheit aber geschoben wird".
Die Mehrzahl der spiritistischen Erscheinungen entsteht aus dem Mißbrauch der Fähigkeiten jener formbildenden, schlauen aber gemütlosen, teils menschenfeindlichen Wesen des unsichtbaren Teiles der physischen Ratur. Es ist ihnen möglich, im Aether die Gestalt der Menschen nachzuahmen, wie sie ihnen von der menschlichen Vorstellungsund Wunschkraft vorgezeichnet werden, und sich vermittels der Stoffentziehung aus den Medien vampyrisch bis zur Sichtbarkeit zu verdichten. Sie vermögen damit alle nicht wissenschaftlich vorgehende Sitzungsteilnehmer zu täuschen. Scharfen Kritikern jedoch bleiben sie fern. Die Fanatiker sagen bann: „Ein -Ungläubiger hat die Sitzung gestört und die „Geister" gekränkt." Der Zweck ihrer Belästigungen gründet in ihrer Eitelkeit. Sie gefallen sich im Aufsehenerregen. Es ist ein Spielen, manchmal auch ein böser Wille. Eine seltenere .Ursachenquelle übersinnlicher Phänomene ist die Astral- oder Wunschsphäre der Menschen selbst. Wünsche und Gedanken sind ätherische Gebilde, welche unter Umständen ein längeres, „galvanisches" Leben führen und ebenfalls in die odische Gestaltungskraft eines Mediums geraten können. Man wünschte seine Großmutter zu sehen und diese Wunschform verdichtete das Medium unbewußt soweit, bis sie das äußere Auge gewahrt. Daß es verwerflich ist und sogar schädlich, fein kann, sich als willenloses Werkzeug diesen Erscheinungen hinzugeben, ist einleuchtend. Sofern wir uns ihren Suggestionen nicht hingeben, haben sie auf unser Schicksal keinerlei Einsluß. Iene
zu Vetteln vrauchen. Zm übrigen fernerhin: omten Appetit.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag. Katholischer deutscher Frauenbund: Vortrag üb« Foauenfragen der Gegenwart um 8 Uhr im Kath. Vereinshaus. — Hessische Drlderbühne: „Die Tragödie im Hause Habsburg". - Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Das Recht auf Liebe". — Astoria-Lichtspiele: „Der Vater".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am Dienstag. 16. September, findet noch ein weiteres Gastspiel des Bad-Rauheimer Kurtheaters statt, und zwar wird Otto Ernsts bekannte Komödie „Flachsmann als -Erzieher" gegeben werden. Außer dem gesamten alten Herren- personal wirken in der Vorstellung von neuer Kräften in Hauptrollen mit die Herren R o r- f o l k und B a st 6, die sich ja hier bereits bestens eingeführt haben.
— Die Dlachetta-Volksspiele finden am 22. und 23. September statt. (Räheres im heutigen Anzeigenteil.) x
Wettervoraussage.
Heiter bis wolkig. Winde aus-westlicher Richtung, Temperaturen wenig geändert, vereinzelt leichte Riederschläge.
Landkreis Gietzen.
Wieseck, 15. Sept. Am Samstag sanden bei schönstem Wetter die Reichsjugend- wettkämpse für unsere Schulen statt. Um alle unnützen Festeleien und die damit verbundenen Gelbausgaben zu vermeiden, wurden die Wettkämpfe im engsten Rahmen der Schule ausgetragen, und zwar die Geräteübungen auf dem Hofe der „Roten Schule" und die Wurf» und Lausübungen auf unserem herrlich mitten im Walde gelegenen Sportplatz. Cs beteiligten sich im ganzen 73 Schüler, so daß 7 als Sieger aus dem Wettstreit hervorgingen. Es sind dies in der Reihenfolge der Wertung: 1. Rudolf Oß - Wald, 2. Adolf Kreiling, 3. Karl Vogel. 4. Ernst R e ut er, 5. Alfred Oß Wald, 6. Adolf Trautmann und 7. Karl Schwarz. Der Gedanke, der den Reichsjugendwettkämpfen zugrunde liegt, ist hier auf fruchtbaren Boden gefallen, denn alle kleinen Wettkämpfer taten ihr Bestes und zeigten zum Teil hervorragende Leistungen. Es ist die Hoffnung nicht unberechtigt, daß sich aus unserer Schülerschar in der Zukunft eine Reihe hervorragender Turner herauslristallisieren wird.
ll. L o l da r , 15. Sept. Am gestrigen Sonntag kamen hier unter großer Beteiligung der Bevölkerung die diesjährigen Reichsjugendwettkämpfe zum Austrag, wodurch den Zuschauern gezeigt wurde, daß die Schule neben der geistigen Erziehung sehr Gutes auch in körperlicher Ertüchtigung der Iugend zu leisten vermag. Dse Darbietungen der Schüler und Schülerinnen, die durch Vertreter der beiden hiesigen Turnvereine unter verhältnismäßig schweren Bedingungen nach Punkten bewertet wurden, bewegten sich auf einer beachtenswerten Höhe. Ganz besonderen Beifall fand der von den Mädchen der beiden oberen Klassen aufgeführte Reigen. Mühe und Eifer der Beteiligten fanden durch den Erfolg denn auch ihre verdiente Belohnung. Die höchsten Punktzahlen, und damit eine ällrkunde des Reichspräsidenten erhielten die folgenden Knaben: 1. Erich Seipp 92 Punkte, 2. Albert Müller 89 P., 3. Heinrich Klein 88 P., 4. Albert Medenbach 87 P. und Hans M i ck e I 87 P. — Mädchen: 1. Else Rohrbach 53 Punkte. 2. Marie Moos 50 P., 3. Elisabeth Seipp 48 Punkte.
t Grünbe rg. 14. Sept. Der Rundfunk hat in unserer Stadt und in der Umgeg^nU schon zahlreiche Anhänger gefunden. Hier zählt man bereits sieben Antennen. Die Darbietungen des Rundfunks bringen namentlich der Kleinstadt- und Landbewohnerschaft immer eine angenehme Abwechslung. — Weitgehendes Interesse bringt man hier auch dem Polizei» hundespvrt entgegen. Ieden Sonntag vor mittag kann man die Ausbildungsübungen bei Tiere beobachten, die für jeden Hundefreunh sehr anziehend sind.
Kreis Friedberg.
sf. Friedberg, 13. Sept. Die Q3er* einig ung ehemaliger Augustiner» fchüler hielt unter der Leitung ihres neugewählten 1. Vorsitzenden. Reg.-Medizinalrat Dr. Weckerling im Deutschen Hause eine gesellige Zusammenkunft ab, die sich eines sehr giten Besuches und anregenden Verlaufs erfreute. Der neue Vorsitzende gedachte in seiner Ansprache der Verdienste seines Vorgängers, Dankvorslands Alex Weber, und betonte die idealen Bestrebungen der Vereinigung. Den interessantesten Teil des Abends bildete ein Vortrag des rührigen, Vorsitzenden der hiesigen Ortsgruppe des D. d. 2L (Verein der Ausländsdeutschen), Studienrat Ferd.
Tatsachen beweisen uns lediglich das Vorhanden» fein anderer mit eigenen Intelligenzen und Lebensbedingungen.
Dies allein bedeutet allerdings schon einen Fortschritt wissenschaftlicher Forschung. Der Geist des wahren Menschen steht unendlich höher als jenes sinnfällige Kräftespiel.
Rach der neuen Lehre des Meisters ist der Tod nur ein Hüllenwechsel, wodurch andere Sinne in Funktion treten. Die Oertlichkeit bleibt dieselbe, nur tritt mit dem Wechsel der stofflichen Dichtigkeit eine andere Anschauungsweise in das Bewußtsein (vgl. traumhewußt und tagwach!). Eine Wahrnehmung Verstorbener im spiritistischen Sinne i,st aber naturgesehmähig unmöglich! Ein einander Dewußtwerden der „Lebenden" mit dem scheinbar „Toten" ist nur mittels der geistigen Sinne möglich, welche aber bet uns heutigen Menschen der Zivilisation rudimentär (verkümmert) sind. Die Wiedergeburt zum geiftigen Leben also die Erweckung und Entwicklung der feineren Sinne ist infolgedessen der Inbegriff aller echten Kultur und Lebenskunst. Erweiterung des geistigen Selbstbewußtseins und Willens (nicht Wunsches!) sind die Werte, welche allein erstrebenswert sind und welche durch ihre Gebundenheit an eine erhabene Ethik den Wesenskern alles religiösen Strebens darstellen.
Bö-Bin-Rä hat uns ein Wissen vermittelt, das uns heute dienlicher ist als alle Hoffnung auf spiritistische Experimente. Es gibt zweierlei Gegner des Spiritismus, Materialisten und Phantasten. Erst die richtige Beurteilung bei rnedia- nimen Tatsachen wird die Stufe zu einer metaphysischen Weltanschauung sein, nach der die Menschheit im Geheimen schmachtet.
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