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Montag, 15. September 192$

Hr. 217 Erstes Blatt

V$. Jahrgang

Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeDerbindlichKeit.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig: für Re­klame-Anzeigen v.70mm Breite 35 Goldpfennig, Plahvorfchrist 20°/n Auf­schlag. - Verantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friede. Will). Lange: für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Erscheint täglich, außer Sonn- und Feiertags, mit d. Samstagsbeilage: GießenerFamilienblätter

Monats-Bezugspreis: 2Doldmark u. 20 Gold­pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. F e r n s p r e ch-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112; für Verlag und Geschäftsstelle 51.

Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeigerrießen.

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GietzenerAnzelger

General-Anzeiger für Gderhessen

vruS und Verlag: vrühl'fche Univerfiläts-Vuch- und Steindruckerei R. Lange jn Siehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulfttahe 7.

C o o l i d g e , General Pershing, den Staats, sekretär Hughes und Weeks und einer gan­zen Reihe hoher Staatsbeamter und Offiziere vor- beimarfchierten. Die offiziellen Ansprachen waren mit Rücksicht aus die innere Opposition be­kanntlich hatten sich auch die demokratischen Kan­didaten für die Präsidentschaft und Dizepräsident- schaft, sowie zahlreiche große kirchliche Verbände gegen den Verteidigungstag ausgesprochen sehr vorsichtig gefaßt, Staatssekretär Weeks vom Staatsdepartement erklärte in Washington, die Tatsache, daß die Armee bestehe, sei keine Kriegs­angst. Es sei Pflicht jeder Regierung, Vorsorge gegen unvorhersehbare Gefahren zu treffen. Dadurch könne auch der Friede am besten gesichert werden.

Primo de-Rivera in Marokko.

Madrid, 14. Sept. (WB) Der Präsident des Direktoriums hat aus T e t u a n telegraphiert, er hoffe in Kürze die spanische Front bis zur internationalen Zone von Tanger wieder­herstellen zu formen. Ohne sich überreichem Optimismus hinzugeben, tonne er behaupten, dre Lage scheine sich zu klären, obwohl noch manches bunte! erscheine. Ferner kündigt er den Beginn des Rückmarsches von der Lau- 2inie und die Einschiffung der Truppen nebst Mate­rial an.

Vor entscheidenden Beschlüssen.

Die heutige Kabinettssitzung: Kriegsschuldnote, Völkerbund und Bürgerblock

Die Kabinettssihung, die heute statt- findet, steht schon seit mehreren Tagen i.n Zrel- punlt des politischen Jntere ses. Man erwartet von ihr eine neue Beschlußfassung in der Frage der Kriegsschulderklärung. Und man verbindet damit eine Spannung, die von den sozialdemokratischen Blättern und einem Teil der Linkspresse mit einem krisenhaften Anstrich versehen wird. Es ist wirklich lern Verdienst der deutschen Oeffentlichkeit, daß es zu dieser Zu­spitzung gekommen ist. Alm was handelt es sich bei dieser ganzen Angelegenheit? Alm den Kampf, den Deutschland gegen die K i'gsfchuldlüge führt, um eine Erklärung der deutschen Regierung, btc zwischen dem Abschluß der Londoner Verhand­lungen und dem Beginn der Genfer Dölker- bundsdebatten unbedingt nötig war, wenn Deutschland die günstige Gelegenheit nicht ver­säumen wollte, seiner Stellung als gleich­berechtigte Handelsmacht eine feste Fundamentierung zu geben. Der deutsche Außen­minister ist mit Recht der Ansicht, daß Deutsch* lanb sich von dem Schuldartikel des Versailler Vertrages lossagen muß, ehe sein etwaiger Eintritt in den Völkerbund spruchreif wird. Denn Deutschland kann sich unter keinen Almständen der Gefahr aussehen, daß sein etwaiger Ein- tritt in den Völkerbund als freiwillige Anerken­nung des Versailler Vertrage; und f zineKnegs- schuldlüge gebeutet wird. Wird nach dieser Rich­tung feine volle Klarheit geschaffen formtet sich Deutschland in dem Kampf gegen die Schuld­lüge für immer feine Hände.

Dies alles ist so einleuchtend, daß man meinen sollte, die gesamte deutsche Presse müsse und werde sich einmütig und freudig hinter die deutsche Re-

der Erklärung an die auswärtigen Mächte unter allen Almständen er, algt.

In diesem Sinne hat sich auch der Außen­minister in der am Samstag durch Wolfs ver­breiteten Ansprache an die Berliner Pressevertre­ter geäußert. Danach ist die Regierung nich: ge­bunden, die Erklärung sofor. zu nolifizieven, Wehl aber unbedingt verpflichtet, den aus­wärtigen Mäch en von der Erklärung Kenntnis zu geben. Der heutige Kabineitsbeschluß wird sicherlich eine Bekräftigung de er TatiaHe b. ta­gen. Wenn die ausländische Presse sich dann weiter aufregen will, dann mag sie cs tun. Von der deutschen Presse und von der gesamten deutschen Oeffentlichk.it aber wird man erwer en müssen, daß sie nun endlich ihren blinden Parte.- politischen Eifer zügelt und darauf verzichtet, eine außenpolitische Frage von denkbar größtem deut­schen Interesse in den Staub des Parterge- zänks zu ziehen. Von der Regierung erwarten wir, daß sie sest und stark bleibt. Sie wird da­mit'den Krisenstiftern und ihrem unverantwort­lichen Treiben am chtsten einen Riegel vvrschieben.

Die Umbildung des Reichskabinetts.

Vorbesprechungen. Der Kampf gegen die Kriscnmacher.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 15. Sept. Dir politische Situation in Berlin hat in den letzten 24 Stunden ih Ge­sicht beinahe von Evui d auf verän.ert. Tie Fe- rienstimmung von gestern scheint geradezu über Rächt verflogen zu sein, und an ihre Stelle ist in politischen Kreisen wie vor allen Dingen in der Presse eine plötzliche Betriebsamkeit getreten, die durch die Worte Letennzeich:et w:rd, mit denen derVorwärts' sei en Leitartikel ein­leitet:Die Regierungskris e ist eröff­net". Ob die Dingy allerdings bereits soweit gediehen sind, das zu entscheiden kann man getrost den berufsmäßigen Krisenmachern überlassen. So­viel ist allerdings sicher, daß die Aeußerungen, mit denen

Dr. Stresemann

den Angriffen und Verdächtigungen gegen ihn den Hals umgedr ht hat, den Komplex te; schwe­benden Fragen mA einem Ruck in den Vorder- g u: d der p l'tischen Erärterun en gerückt haben, der bekanntlich meist das Vorstadium der prak­tischen Behandlung zu sein pflegt. Die Reichs- regierung ist noch nicht wieder vollzählig in Te - [in aber ebenso wie der A u tz e n m i n i st e r be­reits am ersten Tage seiner Anwe e.iheit ein- gchendr Besprechuni mit seinem Staatsse­kretär hatte, sind diese Fragen offenbar auch zwischen dem Reichskanzler und dem Reichspräsidenten in Freudenstadt zur Sprache gekommen.

Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß dabei auch die Möglichkeiten der Regierungsum­bildung bereits durchgesprochen wurden, zumal ge­wisse Anzeichen dafür vorliegen, daß die Frage des Eintritts der Deutschnativnalen ins Kabinett wenigstens nach der sachlichen Seite hin bereits weiter ausgerelft ist, als der Oeffentlichkeit bis­her bekannt wurde.

Rach dem Stand dieser Frage kann man wohl annehmen, daß der K a n z l e r p o ste n kaum mehr sehr große Schwierigkeiten machen wird, da die Deutschnationalen offenbar in ihren Forderungen die Grenzen des'Möglichen berücksichtigen. Es ist anzunehmen, daß sie in das neue Kabinett ihre besten Männer schicken werden, um wirklich eine Regierung auf die Deine stellen zu können, die den kommenden großen innen- und außen­politischen Aufgaben mit der notwendigen Kraft und Sicherheit entgcgengchen kann. Vielleicht liegt einmal gar nicht so sehr auf außenpolitischem Ge­biet als vielmehr in diesen Aussichten der inner- politischen Entwicklung der Hauptgrund da­für, daß von links her die Krisenmachcrei mit

einer solchen Betriebsamkeit angefeuert wird Das tat ja auch Herr Dr. Stresemann in seinen Er­klärungen offen ausgesprochen. Wenn er besonde­ren Wert darauf legte, alle

Gerüchte über Uneinigkeiten und Zwiespältigkeiten im Kabinett

zu dementieren, so hindert das denVor­wärts" und dieV ossische Zeitung" nicht, das alte Märchen ihrem Zweck zuliebe erneut auszubreiten. Georg Bern h^t r d geht bereits so weit, den R ü ck t r . t der Regierung, bestimmt aber doch den des 21 u j e n m i n isters zu ver­langen. Dr. Stresemann, der nach den Londoner Verhandlungen begreiflicherweise einigermaßen abgekämpft war, ist aber aus dem Airlaub, wie seine Erklärungen bereits zeigen, mit seiner alten Frische zurückgekehrt, die wohl das genaue Gegen­teil einer Müdigkeit ist, die die Voraussetzung da­für wäre, um Herrn Bernhard den Gefallen zu tun. Es ist nun anzunehmen, daß alle diese Dinge am Anfang der nächsten Woche in die Entschci düng hineingreifen werden, und der Außen- mmifier wird dann zweifellos zeigen, daß er füi feine Auffassung zu kämpfen weiß.

Die Koblenzer Konferenz.

Rückführung dcr Beamten. Die Stellung der Schutzpolizei.

Köln, 15. Sept. (WTD.) Die deutsche Ab­ordnung für die Durchführung der Londoner Abmachungen im besetzten Gebiet arbeitet unter dem Vorsitz des Landeshauptmannes Dr. He­rl o n in zwei Abteilungen, und zwar in Koblenz und in Düsseldorf. Die Koblenzer Abteilung leitet Ministerialdirektor Dr. Dil11 hey, die Düsseldorfer Abteilung Geheimrat Dr. Claus­sen. In Düsseldorf haben zunächst die Vertreter der preußischen Regierung mit dem Vertreter des Generals D e g o u 11 e Über die

Rückführung der aus dem französischen Sank- tions- und Einbruchsgebiet ausgewiefenen Be, amten in ihre Aemter

verhandelt. Rach dem Ergebnis der Verhand­lungen können, abgesehen von sechs bereits durch die Franzosen bekannt gegebenen Beamten, deren Ausweisung vorläufig noch nicht wieder aufgehoben worden ist, alle aus dem frag­lichen besetzten Gebiet ausgewiesenen Beamter ihr Amt sofort wieder aufnehmen mit Ausnahnu des Bürgermeisters Schmidt-Düsseldorf, des Oberregierungsrats H e x l e - Düsseldorf, des Polizeipräsidenten Me lche r° Essen, des Stadt- baurats Diefenbach-Bochum, des Kriminal­kommissars Dave-Herne, des Kriminalwacht- Meisters Sevenlkh und den uniformierten Be­amten der staatlichen Schutzpolizei. Dabei ist vor- läufig für die Leiter der städtischen Polizeiver» toaüungen die Einschränkung gemacht worden, daß sie bis zur Entscheidung über '

die Organisation der staatlichen Schutzpolizei iw

besetzten Gebiet,

über die weitere Verhandlungen vorbereitet sind, ihren Dienst nur auf nehm en dürfen, wenn der Be­satzungsbehörde gegenüber die Oberbürger- meister allein verantwortlich bleiben. .Bezüglich ter darnach verbliebenen Beschränkungen der Rück­kehr in die Heimat und in das Amt wurde seitens des Vertreters des Generals Degoutte in Aussicht gestellt, daß die seitens der preußischen Vertreter geäußerten Wünsche auf ihre Beseiti­gung in naher Zukunft erneut geprüft wür­den. Aleber die Rückführung der aus der b e l g i» scheu Zone des Sanktions- und Einbruchsgebiet ausgewiesenen Beamten in ihre Aemter ist eine entsprechende Regelung in den allernächsten Tagen zu erwarten. Bemerkt sei noch zur Vermeidung von Mißverständnissen, daß die Erlaubnis zur Rückkehr in das sranzösisch-belgische Sanktions­und Einbruchsgebiet sich auf alle Zivil­personen und Beamten, einschließlich der Angehörigen der Schutzpolizei mit alleiniger Aus­nahme der bereits früher veröffentlichten sechs Personen erstreckt.

bereitung seit Wochen schon zwiscken pazifisti­schen Organisationen und Anhänger.! ds Grand« satzessi vis pacem, para bellum"' Stoff zu leb­haftesten Auseinandersetzungen bot Rach An­kündigung des Kriegs d e pa r t e m e nt s sollte der Zweck der Veranstaltung sein, die ge­samte Wehrkraft des Landes zueiner Att Probemobilisation aufzurufen. Kaum jemals zuvor dürfte aber ein europäisches Friedensmanöver von so gewaltigem Ausmaße stall gefunden haben, und wenn man daran denkt, daß im selben Zeitpunkte, wo in Reuyork ein ^Bombenangriff einer f indlichen Lustslotte und seine Abwehr" unter Aufgebot eines höchstent­wickelten militärischen Apparats dar gestellt wird, in Genf die europäischen Rationen sich über das Problem der Abrüstung den Kopf zerbrechen, so fällt es schwer, keine Satire zu schreiben.

Für die breiten Massen des amerikanischen Volles waren die heutigen Paraden eine willkom­mene Gelegenheit, sich am bunten Farbenspiel der Uniformen und der Militärkapellen zu erfreuen. Heute marschierten Hunderttausende von Zivi­listen zusammen mit den Soldaten. Der größte Teil der Reservemannschaften hatte sich frei­willig zur Verfügung gestellt. Dem ausländischen Beobachter mußte besonders die starke Beteili­gung der Frauen auffallen, die zusammen mit den Männern stramm vor dem Dräsidenten

Die kommunistische Gefahr i Gründung eines Roten Frontkämpfer- bnndes.

Berlin. 15. Sept. Die deutschen Kommu­nisten find im Auftrage Moskaus darangegangen, einen sogenannten »Roten Frontkämpfer­bund" zu gründen. Daß diese Organisation slaatsumstürzlerische Tendenzen verfolgt, liegt ohne weiteres auf der Hand. Von besonderer WichtigkeU ist eS aber daß die Kommunisten sich darum bemühen, diesen Frontkämpferbund durch Eingaben an bie Regierungsstellen legal zu machen, um dann um so ungestörter ihre militärischen Vorbereitungen treffen zu können. Man darf wohl annehmen, daß unsere Behörden von vornherein auf diese Bewegung ein wach­sames Auge werfen werden. Es ist bekannt, daß die Kommunisten in Oesterreich außer­ordentlich große Waffenlager eingerichtet haben, was ihnen um so leichter geworden ist, I als Oesterreich heute einen großen Teil Europas durch seine französisch gewordenen Fabriken mit Kriegsmaterial versorgt.

Ebenso ist festgestellt, daß auf der Donau I einlebhafterWaffenschmugge'l vor sich gebt. Es wird also den Kommunisten nicht schwer fallen, ihren Frontkämpferbund mit bestem Kriegs­material auszurüsten. Die Taktik der Kommunisten besteht aber gegenwärtig auch darin, sich mit dem unter demokratischer und sozialdemokratischer Lei­tung befindlichen Kampfbund Schwarz- Rot-Gold zu verbinden und in ihm eventuell maßgebenden Einfluß zu gewinnen. Ferner soll auch ihr Streben dahin gehen, eine gemein­schaftliche Frontmit der sozialdemo­kratischen Partei Deutschlands aufzu­richten. Daß sie mit dieser Taktik Erfolg haben werden, zumal auch ihre neueste Parole lautet: geschlossen in die Gewerks «Haften zurück­zukehren und dort die Macht an sich zu reißen, erscheint nicht ausgeschlossen, zumal die Sozialdemokratie erst im Herbst vorigen Jahres den Beweis ihrer absoluten Unzuverlässigkeit da- durch lieferte, daß sie sich mit den Kommunisten ; in Verhandlungen über eine Abwehr eventueller rechtsradikaler Puts«He einließ. Ihre unsinnige Angst vor dem Dürgerblock dürfte diese Un­zuverlässigkeit zweifellos erhöhen.

Die kommunistische Gefahr ist heute größer denn je, es tft notwendig, sich immer wieder daran zu erinnern, daß die KPD ihre Wühlereien mit derselben Hartnäckigkeit fortsetzt wie früher und daß ihr vor allem ganz außerordentliche Geld­mittel zur Verfügung stehen. Es ist Pflicht aller nationalen Parteien, sich dieser kommunisti­schen Gefahr gegenüber zusammen-uschließen und Mn den Parlamenten dahin zu wirken, daß der BKampf mit dem Kommunismus sofort und ohne jede Verzögerung ausgenommen und ihm jede Basis zur legalen Ausbreitung seiner mili­tärischen Putschorganisationen genommen wird.

Das Urteil im Elberfelder Kommunistenprszetz.

Leipzig, 15. Sept. (WTB.) Vor dem Staatsgerichtshof hatten sich am Samstag elf Elberfelder Kommunisten wegen Vergehens gegen das Republikschuhgeseh und unbefugten Waffen­besitzes zu verantworten. 'Aus der Vernehmung ergab sich, daß die kommunistische Reichs­tag s f r a k t i o n zur Bildung von Ulegalen Ver­bänden und zum bewaffneten Aufstand des Proletariats aufgefordert hat. 3n Elberfeld wurden Hundertschaften gebildet, von denen die Gruppe des Angeklagten Clemm im Dienste befindliche Schutzpolizisten ube.f.el, diese gewaltsam entwaffnete und d.e Waffen der K. P. D. zuführte, wobei in einem Falle em Polizeibeamter getötet wurde.

Es erhielten wegen des Verbrechens des Raubes bzw. der Beihilfe dazu, begangen in - Tateinheit mit dem Verbrechen der Vorberei­tung zum Hochverrat und wegen unbe­fugten Waffenbesitzes

Zuchthausstrafen:

die Angeklagten Michels und Tlemm je 12 Sabre, letzterer auch 300 Mk. Geldstrafe, G r v h 11 Jahre und 300 Mk. Geldstrafe, S ch u r f f sie­ben Jahre und 300 Mk. Geldstrafe Rusch und | (S Ibers je 10 Jahre und Becher 5 Iahe. Gefängn,isstrasen: Die Angeklagten Sa - lewski und Zins je 4 Jahre und 200 Mark Geldstrafe, Engels 1 Jahr und 50 Mk. Geld­strafe. Die Geldstrafen und 6 Monate von jeDer Freiheitsstrafe sind durch die Untersuchungshaft

In der Begründung des Alrkeils f Jhr e der Vorsitzende Richter aus: Es ist sestgestellt, oaß bei den Raubüberfällen eine rechtswidrige An­eignung von Waffen durch die Angeklagten st^ckt- gefundrn hat. Es bleibt gleichgültig^ oo sie die Waffen später der kommunistischen Partei aus- liefern wolltet oder nicht. Mit den Rau bub :r- fällen steht in engster Verbindung die To Überei­lung eines hochverräterischem Unternehmens,er Wille der kommunistischen Partei ist auey nach dem Zusammenbruch der Aktion dahin gegangen, neue revolutionäre W ege varzu xret en. Der 13. Februar sollte z. B. Gelegenheit dazu geben. Es handelt sich also bei dem Untern eh men nicht um ein unbestimmtes, in weiter Fer. c liegendes Ziel, sondern um eine bestehende, aus­reichend gekennzeichnete Unternehmung.und ge­rade diesem Unternehmen sollten die Waffenbe- schaffungen durch die Angeklagten dienen. Das hatten die Angeklagten auch gewußt und gewollt. Weiter haben die Angeklagten einer staats- feindlichen geheimen Verbindung an- gebört, da die K. P. D. verboten war und ftch ferner des unbefugten Waffenbesitzes schuldig

gemacht, Irena auch nicht di: Anklage dahin auf- rechterhalten werden kann, daß sie em Waffen­lager im Besitz hatten.

Zusammenschluß von S. P. D. und K. P. D. in Qberschlesicn.

Hindenburg. 14. Sept. (Priv.-Tel.) Wie wir erfahren, fand hier ein von den oppositio­nellen Ortsgruppen der S.PD. ^benchle.iens und der K.P.D. gemeinsam veranstal­teter Parteitag statt, auf dem er aus Grund einer einstimmig angenommenen Resolution, die sich im wesentlichen gegen oas Dawes- Gutachten richtet, zum Zusammenschluß von 21 oppositionellen Ortsgruppen der S P. D. mit der K. P. D. tarn

Der amerikanische

Derteidigungstag".

Riesenmanöver in den Vereinigten Staaten.

Parade vor dem Präsidenten Coolidge.

Washington, 13. Sept. Millionen ame- , iranischer Bürger und Bürgerinnen fanden sich | heute in Reih und Glied mit Truppen der | orrmee und Marine zu imposanten Parade- märfchen und Manöverübungen zusammen, um | hcnVerteidigungstag" zu begehen, dessen Vor-

gicrung stellen. Aber weit gefehlt! Die Kriegs- schulde,.lläcunader deutschen Regierung und die Absicht ihrerdRotifizierung an Die auswärtigen Mächte sind heute ein Zankapfel, um den sich die Parteien und ihre Presse wieder einmal zur Freude des Auslandes in der übelsten Weise balgen. Die Deutschnativnalen gehen mit dieser Erklärung als mit ihrem Erfolge und Tri­umphe krebsen, um bei ihren enttäusch en Anhän­gern wieder Stimmung zu machen. Alnd die S o- zialdemokratie wetteifert mit der bürger- lichcm Linken in dem Bestreben, die Kriegsschuld­erklärung der Regierung als parteipolitisches Zu­geständnis an die Deutschnationalen, als einen Köder des künftigenDürgerblocks" zu verdächti­gen und herabzusehen. Die Sozialdemokratie kün­digt der Regierung den schärfsten Kampf an und treibt es ganz offenkundig zur Krisis und zurAuflösungdesReichstages. Und all dieser parteipolitische Zank und Streit umtobt mit seinem Lärm eine Regierung, die ohne Rücksicht auf jede Parteipolitik ein rem deutsches Interesse verfocht, als sie sich von dem Kriegsschuldartikel des Versailler Diktates lossagte und die offizielle Mitteilung dieser Erklärung an die ausländischen Mächte in Aussicht stellte.

Man kann auch die Regierung nicht ganz von Schuld freisprechen. Cs wäre unbedingt ge­boten geweseii, und das entsprach auch der Auffassung des Reichsauhenministers die Alebermittlung der deutschen Kriegsschulderllä- rung an die auswärtigen Mächte an demsel­ben Freitag vorzunehmen, an dem die Ab­stimmung im Reichstag zugunsten des Eisenbahn­gesetzes aussiel. Die Kundgebung hätte dann in richtigem Zusammenhänge mit der ganzen poli­tischen Lage gestanden und jeder Gegenagitation int Jnlande oder Auslande wäre die Spitze abgebrochen worden. Man hat leideren Ber­lin, während der Außenminister abwesend war, den günstigen Augenblick versäumt.

I Aber wenn je, so muh es hier heißen: Aufge- I schoben ist nicht aufgehoben. Die Regierung scheint der Ansicht zu sein, daß eine Rotifizierung der Erklärung gegenwärtig untunlich sei und daß man den Abschluß der Genfer Verhandlungen abwarten müsse. Darüber läßt sich reden, denn schließlich ist der Zeitpuntt der Ueberreichung nicht die Hauptsache. Es muß aber außer allem Zweifel siehen, daß die amtliche Alebermittlung