finden werden —, unbedingt sicher anlegen wollten und dies nur in nründelsicheren Werten tun tonnten, ungünstiger zu behandeln, wie eine Gruppe anderer Gläubiger. Der menschliche Gedanke, welcher jenen Dorschlägen und Bestimmungen zugrunde liegt, ist verständlich, aber in der rauen Welt der Tatsachen kaum ausführbar und mühte auch von allen erwerbsunfähigen Personen oder solchen, die durch die Geldentwertung und die 3. Steuernotverordnung ihr Dermögen so gut wie völlig verloren haben, als unbillig empfunden werden. Die individuelle Behandlung von Schuldnern oder Gläubigern würde überdem einen bureaukratischen Arbeitsaufwand verursachen, dessen Llmfang und Beendigung vollkommen unübersehbar wäre. Zahllosen Gläubigern würden auch die finanziellen Mittel und die geschäftliche Gewandtheit fehlen, in einem solchen weitläufigen Verfahren ihre Rechte wirksam geltend zu machen.
Der Grundgedanke der Aufwertung liegt darin, dah für die Forderung dereinst Goldwert gegeben ist und wertlosesPapier zurückgezahlt wird, und mithin eine ungerechte Bereicherung des Schuldners und eine ungerechte Enteignung des Gläubigers eintritt. Wenn man dieses Sachverhältnis vom sittlichen Standpunkt als unzulässig betrachtet, so muh die Aufwertung für alle Berechtigten und Derpflich- reten innerhalb finanzieller Möglichkeiten die gleiche sein, lieber die Frage der Rückwirkung sollte zwischen den Parteien eine Meinungsverschiedenheit nicht bestehen.
Die Regierung hat Jahr und Tag die Möglichkeit und den Entschluß, eine gesetzliche Aufwertung vorzunehmen, bestritten, ,3m Hinblick auf jene amtlichen und halbamtlichen Erklärungen haben zahlreiche Gläubiger Kündigungen und Rückzahlungen ohne Vorbehalt angenommen. Es wäre nicht zu rechtfertigen, wenn öffentliche Kreditinstitute und Gemeinden, welche so glücklich waren, etwaige kommende Entschlüsse vorauszuahnen und ihre Anleihen ganz oder in größtem Umfange kündigten, nunmehr von der Pflicht zur Aufwertung befreit würden, weil die Reichsregierung sich später anders entschlossen und nicht gleichzeitig ein Sperrgesetz erlassen hat. Falls man von der Rückwirkung absehen sollte, würden Landschaften und Pfandbriefschuldner ohne jegliche Gegenleistung in Goldwerten von ihren Schulden befreit; Gemeinden, die noch im Lahre 1923 große Anlechen aufnahmen unter Berufung auf ihre finanzielle Leistungsfähigkeit, würden sich auf Kosten ihrer Gläubiger in ungerechter Weise bereichern. Der Rachweis der Schuldforderung kann nur in einfachsten Formen geführt werden, wenn man den Gläubiger nicht mit langwierigen und zum Teil unüberwindlichen Schwierigkeiten belasten will. Der Gläubiger oder sein Erbe soll nach der 3. Steuernotverordnung die Zeit seines Erwerbes nachweisen und je nach diesem Zeitpunkt die Höhe der Abfindung geregelt werden. Lene Forderung dürfte namentlich vielfach für geschäftsungewandte Personen unerfüllbar sein. Bei Forderungen, die seit langem erworben sind, werden die Ausweise über den Ankauf und die Zeit des Erwerbes häufig nicht mehr zu beschaffen sein, auch der Erwerb der einzelnen Forderungen und Wertpapiere im Erbgang wird in zahlreichen Fällen dem Gläubiger nicht mehr möglich sein. Ebenso werden Inhaberpapiere vielfach durch Beauftragte erworben sein und die Bankausweise nur auf diese lauten. Auf die Vorgänge, welche sich an den etwaigen Wechsel der ursprünglichen Schuldner und Gläubiger anknüpfen, kann die Gesetzgebung im einzelnen unmöglich eingehen.
Eine llare und mögliche Lösung muh deshalb von dem Begriff des Lnhaberpapieres als solchem ausgehen und die Aufwertung jedem W/rrtpapier zubilligen, welches an der entscheidenden Stelle vorgelegt wird. Das scheint unbedingte Voraussetzung zu sein, wenn die Aufwertung durchführbar gestaltet werden soll.
Kommuniftenyutsch in Portugal?
Paris, 14. Aug. Gegenüber Dläfe:mel- bungen, dah in Lissabon die radikalen Kommuni st en den Versuch gemacht h1 tten, die Regierung zu stürzen, wob i eszuEtrahen- kämpfen gekommen sei,'m ldet ein Havas- telegramm aus Madrid, dah nach den bisher vorliegenden Rachrichten an einer solchen Derkuch nicht geglaubt werden könne. Es handele sich nur um Gerüchte, die zu einer Kon ignierung d r Trappen und zur m li- tärifchen Besetzung verichi dmer Punkte geführt hatten. Die £ rd .ung sei aber nicht g stört wor- den. Derschiedene Führer ber radikalen Kommunisten seien von der Regierung verhafte werden. Die Bewegung forme als gescheitere gel en.
Verbot der „Roten Fahne".
Wie aus Berlin g?meld?t wird, hat der Fahne" wegen Anstrebung einer gesetzwidrigen Fahne "w.gen Anstr.bung einer gese^widrigen Aeadermtg der geltenden Verfassung auf die Dauer von drei Wochen verboten.
Die angebliche Freilassung der Psalzgefangenen.
Mainz, 14. Aug. (Wolff.) Die vor einigen Tagen von München aus durch die Presse gegangene Rachricht, dah es gelungen sei, die Frei- lassung sämtlicherPirmasenserBür-t g e r zu erreichen, die sich hier im Gefängnis fce=i finden und unter dem Verdacht stehen, an der Separatistenaffäre im Frühjahr in der Pfalz tell- genommen zu haben, trifft nicht zu. Ebenso ist es unzutreffend, dah ein weiteres Verfahren gegen 60 andere Einwohner der Pfalz toö= gen der gleichen Derdachtsgründe nie berget schlagen worden sei. Das gegen eine Reihe von Personen aus Pirmasens, Kaiserslautern, Bergzabern und Bäd Dürkheim von den Ve- sahungsbehörden eingeleitete Verfahren ist nicht niedergeschlagen worden, aber es sind, im ganzen 13 Personen, darunter der Chef der Polizeiverwaltung von Kaiserslautern, die seit Februar oder März hier in Haft sahen, am 10. August entlassen worden, ohne dah das Verfahren gegen sie eingestellt worden wäre. Alle übrigen Lnhaftierten aus Pirmasens befinden sich hier in Haft.
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* Es ist erstaunlich, dah derartige falsche Meldungen trotz aller Erfahrungen mit dem französischen Prvpagandadienst immer wieder Eingang in die Kanäle des deutschen RachrichtendiensteÄ finken.
Zenlrumswiderstande gegen eine Bürgerblockregieeung.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 15. Aug. Bon maßgebender Seite des Zentrums erfahren wir, dah innerhalb der Zentrumspariei außerordentlich große Widerstände gegenüber dem Plan einer Regierung des Bürgerblockes bestehen. Der Einfluß des linken Flügels sei so außerordentlich stark, daß bei etwaigen Verhandlungen für die Neubildung der Reichsregierung mit den Deutfchnationalen auf Ablehnung seitens der Zentrumspartei zu rechnen sei. Das Zentrum, so erklärt man uns weiter, würde auf Grund der gegenwärtigen innenpolitischen Konstellation die Auflösung des Reichstages für nützlicher halten, als den Versuch einer Dürgerblockregierung, der den inneren Frieden Deutschlands stark gefährden müsse.
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Die Städteanlechen — ein Märchen.
3n der letzten Zeit gingen Meldungen durch die Presse, daß deutsche Gemeinden und große Lndustrieunterneh- mungen hohe englisch-amerikanische Anleihen abgeschlossen hät- ten. Diese Meldungen entbehren, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, jeder Grundlage. Bisher sei es keiner einzigen deutschen Gemeinde gelungen, eine ausländische Anleihe zu erhalten.
Don den Erzberger-Mördern.
Budapest, 14. Aug. Wie „Esti Courier" meldet, sollen sich die wegen Mordes an Erzberger verfolgten Heinrich Schulz und Otto T i l l e s s e n seit dem Frühjahr unweit der Hauptstadt in Teteny auf einem Gute des Abgeordneten Goemboes in einem entlegenen Gebäude aufhalten. Die beiden jungen Leute verbringen nach Darstellung des Blattes ihre Zeit mit Garten- und Landarbeit und erhalten hin und wieder Besuch. — Eine amtlichö Destättgung der Angaben des Blattes liegt nicht vor.
Der Präsident von Mexiko in Deutschland.
Berlin, 14. Aug. (WTB.) Die mexikanische Gesandtschaft in Berlin gibt folgendes bekannt: Der zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Mexiko gewählle General Plutarco Elias Calles hat sich am 9. August in Reuhork mit dem der Hamburg—Amerika-Linie gehörigen Dampfer „Deutschland" eingeschisft und trifft am 19. August in Cuxhaven ein. 3n seiner Begleitung befinden sich seine drei Töchter, sein Bruder Rodolfo Elias Calles mit Frau, unk Francisco Obregon, Reffe des gegenwärtigen Präsidenten Obregon. General GallÄ wird einige Zeit tn Deutschland verweilen, um hier die Behandlung sozialer Probleme vom gesetzgeberischen und volkswirtschaftlichen Standpunkt aus zu studieren.
Militärkontrolle und Kölner Jone.
Ei« Ultimatum Macdonalds?
Paris, 15. Aug. Der Londoner Berichterstatter des „Petit Parisien" glaubt zu wissen, daß der englische Premierminister die Initiative zu einem schriftlichen Schritt bei Deutschland in der Frage der militärischen Kontrolle bereits ergriffen habe. Er verlange, daß die deutsche Regierung in kürzester Frist fünf Kategorien von Konttollmaßnahmen sich zu unterziehen habe, die in der Rote der Botschafterkonferenz vom 5. März vorgesehen sind und daß Deutschland ohne vorherige Ankündigung Dienst- gänge der Interalliierten Kontrollkommission durchführen lassen müsse, die diese für notwendig hielte. Macdonald füge hinzu, dah von der vollständigen Innehaltung dieser Verpflichtungen Deutschlands die Entscheidung über die militärische Räumung der Kölner Zone am 10. Ianuar abhängen werde, die Ende Dezember auf einer neuen Konferenz besprochen werden soll.
Berufung des
Kölner Regierungspräsidenten nach London.
Wie die „Klnische Zeitung" meldet, hat sich der Klner Regierungspräsident Graf Adelmann im Flugzeug nach London begeben, wohin er von der deutschen Abordnung berufen wurde.
26 statt 5 Prozent.
Ein Beschluß der englischen Regierung
London, 14. Aug. (WTB.) Die britische Regierung hat beschlossen, die fünfpro- zentige Abgabe, mit der die deutfche Einfuhr in Großbritannien jetzt belegt ist, wieder in eine 26prozentige umzuwandeln, wie sie ursprünglich in der repctratton recovery act festgelegt war. Es verlautet, daß diese Maßnahme in den Bericht des zweiten Ausschusses der Londoner Konferenz vorgesehen ist und daß diese Zollerhöhung eine dauernde fein soll.
Aus der englischen Presse.
London, 14. Aug. (Wolff.) Der „Daily Hevald" schreibt, es sehe aus, als wenn eine völlige Stockung herrsche, die ein Scheitern der Konferenz nach sich ziehen könnte. Dec Reichs-, kanzler habe vollkommen recht, toenn er erkläre, dah die Deutschen ihrerseits alles getan haben, um die Ziele der Konferenz zu fördern, und sorgsam vermieden haben, unnötige Schwierigkeiten zu schaffen.
„Morning Post" schreibt, Herriots Haltung habe sich zweifellos wahrend der letzten 24 Stunden versteift. Theunis sei gestern abend äußerst pessimistisch gewesen. Die britische Delegation andererseits erkenne die Schwierigkeiten der Lage, könne jedoch nicht glauben, daß die Früchte der Arbeit eines ganzen Monats im letzten Augenblick verloren gehen.
„Daily Rews" äußert sich sehr besorgt. Das Blatt schreibt, die Londoner Konferenz, die noch gestern in der Richtung einer europäischen Regelung zu gehen schien, stehe in Gefahr, durch die 5rage der Ruhrräumung zu scheitern.
Auch die „Westminster Gazette" betont, daß sich die französische Haltung infolge des Hlti» matums der Anhänger Pvincares'versteift hat.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 15. Aug. 1924.
Wieder daheim.
Der große Strom der Sommerreisenden ist mit dem Ende der Schulferien in die Stadt zurückgeflutet. Aus den Bergen, von der See, von Verwandten oder Bekannten auf dem Lande sind sie zurückgekehrt. Die Schuljugend Hut den Rucksack toiekcr mit dec Schulmappe vertauscht', und die Erwachsenen sind wieder an die gewohnte Arbeit des Alltags gegangen. Der Sommer hat es diesmal gut mit ihnen gemeint. Wettergebräunt sind sie nach den Tagen des Sonnenscheins mit frischem Lebensmut in das trauliche Heim zurück- gekehrt. freudig begrüßt von denen, die zuhause bleiben mußten.
Tausende von Menschen suchen im Sommer Erholung oder gar Heilung von allen möglichen
Leiden und Gebrechen, tote sie sich vn den erhöhten Anforderungen des eigentlichen Kulturlebens nur allzu leicht einstellen, in Badern und Sommerfrischen. Sicher ist, daß in der Tat viele Hoffnungen, welche man auf d e wohltätigen Wir- lungen der von der Ratur gebotenen Miitel setzt, erfüllt werden und die Sommerfrischler körperlich und geistig verjüngt nach Hause zurückkehren. Ob dies bei dem einzelnen aber wirklich der Fall ist, hängt oft von vornherein schon davon ab, ob man Bäder und Sommerfrischen in der richtigen Weise benutzt hat. Dabei darf man auch an ihrem Schluffe nicht vergessen, daß sich der Wechsel in unseren LebensbMngungen nicht allzu plötzlich vollziehen, weder zu plötzlich beginnen, noch za plötzlich gufhören darf. Vielmehr muh der Wechsel in unserer Lebensweise allmählich eintreten, wenn er günstige Wirkungen hervorbcinge r soll. Wer aus der Tiefebene plötzlich ins Hochgebirge gereist ist und ohne Ale&ergänge bedeutende Höhen erstiegen hat, w rd diesen schroffen Wechsel am eigenen Körper verspürt haben. '2Se; unvermittelt, aus der Großstadt kommend, in dm schäumenden Wellen der Soe gebadet hat. wirb nicht selten eine recht unangenehme Enttäuschung e.° lebt haben.
In der Regel pflegen die Erholungsuchenden solche Erfahrungen auch bei Beginn ihrer Sommerreife zu beachten, indem sie sich-allmählich a i die neuen Lebens beding unge a gewöhnen, in den wenigsten Fällen aber am Schlüsse einer solchen. Run ist aber die Vermeidung schroffer ilebergänge am Ende einer Sommer reise von besonderer Wichtigkeit. Wenn man in ein Bad reift, dann gönnt man dem Körper auf jeden Fall eine gewisse Erholung und Ruh?, die es ihm ermöglicht, die stlnbilden eines schroffen Wechsels eher zu ertragen. Kehrt aber der der Arbeit Entwöhnte in die alltägliche Frv-«arbeit zurück und vollzieht sich dieser Wechsel nicht allmählich, so bleiben die nachtelligen Folgen nicht aus, ja in vielen Fällen, namentlich da, wo es sich bei Leidenden um eine beendete Kur handelt, wird ihr Erfolg oft ganz in Frage gestellt. Es steht fest, daß in vielen Fallen die günstigen Wirkungen einer Sommerreise erst Nachkommen. Wenn z. D. ein „Marienbäder" feine alte Lebens- und Ernährungsweise ohne Liebergang wieder aufnimmt, so wird er nicht nur den Erfolg seiner Kur gefährden, ja zerstören, sondern er kann sich auch nicht unbedenkliche Verdauungsstörungen zuziehen. Wer daher irgend dazu in der Lage ist, nehme feine gewohnte Tätigkeit nicht ohne allzu schroffen Wechsel toieber auf, sondern bringe die neu geölte Maschine erst allmählich wieder in Gang, damit sie aushalten kann — bis zum nächsten Iahre. P r e b t
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** Die Mondfinsternis. Wer sich gestern auf ein Raturschausptel ersten Ranges gespitzt hatte, mußte angesichts des dichten Wölkens chlciers seine Erwartungen stark herunter- schrauben. Der Eintritt des Mondes in den Kerns chatten der Erde und die totale Morü>- finsternis als solche ging hinter den Kullssen vor sich Erst in den spateren Abendstunden beim Austritt des Mondes aus dem Kernschatten lichtete sich der nächtllche Himmel stellenweise, so daß man wenigstens für Augenblicke eine abwechslungsreiche Farbenskala — bemerkenswert vor allem die kupferrote Verfärbung — und eine wechselvvlle Sichtbarkeit der Mondoberflache beobachten konnte.
** Stadttheater. Nachdem unsere Düh- nenteitiing hier und in Bad-Rauheim an herteren Rauheiten herausg^racht hat, was irgendwre beachtenswert erschien, soll nun auch nach einer Mitteilung der Stadttheaterdirekion der Versuch gemacht werden, ob nicht auch gute Werke der älteren Lustspielliteratur toieber Anklang finden. So ist für Dienstag, 19. August, eine Aufführung des hübschen Lustspieles „Großstadtluft" angesetzt worden. Diese Vorstellung gewinnt dadurch an Interesse, daß zwei neue Miv> glieöer, Herr Richard Ulrich für das Fach der ersten Bonvivants uni) Fräulein "Emmy Bastel für das Fach der ersten Raiven sich beim hiesigen Publikum einfühven werden.
** Hessis che Di ld er bühne. Die Palastlichtspiele sind von dem Hessischen Wanderkino E. B., Darmstadt zusammen mit dem bekannten Kulturfilmfachmann Dr. Oskar Kal- b u s - Heidelberg auf mehrere Iahre gepachtet worden. Das Hessische Wanderkino E. V. pflegt und fördert in Verbindung mit den hessischen Staats- und Kommunalbehörden den hochverttgen Spiel-, Kultur- und Schulfilm int Freistaat Hessen und hat sich in Darmstadt für den kommenden Winter das Kleine Haus des Hessischen Landes- theaters für Filmvorführungen gesichert. Dr. Kal- bus ist der Verfasser des umfangreichen Werkes
Der Alie cmf Topper.
Roman von Hanns von Zobelti h.
43. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Dec Gestrenge Hit dazu g lacht, dah es Beate und dem Sohn durch Mark und Bein ging. Hat im übrigen nicht viel gesprochen, ist nur zu den Toten hü überg egangen, hat erst bea a'.t :n E .id au; b:c Wang: geküßt und dann den Magister. «Dec war toi: ein Held!" hat er gesagt. -Ünb dann hat er sich gelegt und fast vierundzwanzig Stunden um und um geschlafen.
Am Mittwoch haben sie die Toten b erd 'gt. Dazu ist der Amtsbruder aus Koritten, Mag ster Portenius, h raufgllominen und hat sehr beweglich geredet, erst in der Kirche, dann an den offenen Grüften auf dem Gottesacker Der Gestrenge aber hit vor der Gemeinde gestandst, stocksteif wie er jetzt immer stand, mit Frau Beate und dem Sohn u d der Witwe und der Ruth. Warf dann seine drei Handvoll Erde jedem nach, dem Vetter Egib, dm ! reu’n Vüttnec und dem Kossäten Krause. Drückte dec still weinenden Frau Magister die Hand, strich der Ruth still über die heißen Backen, wandte sich und wollte nach dein Schlöffe zurückgehen. Immer im Schweigen, die Stimme war ihn wie erstickt im großen Schmerze.
Frau Beate und der Stabskapitän blieben zurück, wollten die Witwe nicht allein lassen.
Wie der Gestrenge so langsam die Dorfstrahe entlang schritt, war plötzlich der Leichholzer neben ihm. Zum ersten Mal sah er ihn wieder seit Monden und wußte gar nicht, wo dec so mit , einem Male herkam.
„Wollte dem Vetter Egid doch die letzte Ehre erweisen," lägt der Lafoto.
»So — so."
„Llnd dem braven Püttner —
»So, so."
„ünb dir mein Beileid aussprechen, Zabeltitz."
„So - so"
Darauf schien das Garn abgesponc.ea. Aber nicht lange, so fing der Lasow wieder an, mit seiner Heisern, quickigen Stimme. „Schwe.e Zeiten, weiß Go.t. Dich haben sie arg heimgesuchi, die Russen."
„Freilich. Du siehsts."
„Sind auch meine nicht mbitierte Gäste gewest. Din noch so leidlich davong: kommen."
„Hast wohl die alte Uniform Maria There- siens angezogen . . ."
„Was soll man tun?“
Wieder sind sie ein Stück schweigend nebeneinander hrrgegangen. Dabei hat Zabeltitz den Lasow doch so von der Seite angesehen und sich verwundert, wie schlecht der aussah Fahl und grau und über die Maßen gealtert, da- ganze Gesicht voll Runzeln und Falken.
Endlich meint der Leichhvlzer: „Bist mir immer noch gram, Bruderherz?"
„Hat sich was — Bruderherz! Das laß lieber beiseite."
„Ru — nu! Solch alte Freundschaft soll dach nicht wegen der einen Querelle in die Bruche gehen. Und dann, Haas Ehrenreich, wer weiß? Am End' ist am favorabelsten für dich und den Christel so wie's gekommen. Der und — und Lotte hätten nimmer zusammengepaßt. Hol' mich der Henker: fast möcht' ich Euch gratulieren."
„Sv . . . was du nicht weißt. Rur, dah meinem braven Iungen das Herz beinahe darüber zevbrc>chen ist."
„Hm — ja!" macht der Lasow, räuspert sich uni) spuckt, schweigt eine Weile stille, stößt dann hastig heraus: „lllkuh dic's doch sagen — ich hab' keine Tochter mehr!"
Das ist so plötzlich gekommen, so wild und so giftig, daß Zabelkitz jach stehen geblieben llt, breitbeinig, des Todes verwundert. Könnt' sich's gar nicht erklären, was das heißen sollte. Wußte nur: dem Alten war das Lottchen allzeit Hätschelkind, Abgott und Lebensstern gerne en. Lott» chea hier und Lottchen da, von Kindesbeinen an. Was das Lottchen tat, war schön und recht und gut. Und nun mit einem Male: ich hab' keine Tochter mehr!
Dabei sah er wieder, recht deutlich, wie sehr der Lasow verfallen war. Und verwahrlost, der ganze Kerl. Schermesser und Dürste hatte de. wohl seit Tagen nicht an sich gelassen. Dazu der Mund verkniffen, die Lider dick geschwollen, und — wahrhaftig: da hing eine grobe Träne in den Weißen Wimpern. Dec Leichholzer uni) Heuler — das muhte schon schlimm gekommen sein!
„3a,“ sagte der, und jetzt klang's nicht so giftig und wild, wie traurig: „3a, ja, Bruderherz, den einen trifft's so, den andern so. 3ch hab' mein Kind verloren."
„Tot? Das Lottchen! Um Gott —“
„Schlimmer! Ich topfit’, ich könnt' trauern um sie."
„Lasow! Wann! Was redest du?"
Dec Leichholzer schluckt toieber und schluckt, ringt's endlich heraus: „Fort ist das Frauenzimmer! Rach Paris! Mit ihrem Liebsten! Richts
als einen Wisch Papier für den Vater —" und bricht ab, schluchzt auf wie ein Kind, ballt dabei die Fäuste, droht in die Luft.
Kein Wort kann der Zabeltitz heraus bringen, so sticht's ihm. Trotz allem: auch ihn trifft's wie ein Schlug ins Gesicht. Das Lottchen! Ueber die heilige Taufe hat er das süße Ding gehalten, auf den Knieen hat er sie geschaukelt, als willkommene Schwieger in die Arme genommen! Unb nun das! Eine Lasow! Schimpf und Schande. „Du Armer!" sagt er endlich und faßt den andern an die Schulter. „Armer Vater! Ia . . . das muh schlimmer sein als die Moskowiter.' Fragt nicht, will nicht weiter fragen. Könnt' dem Leichhvlzer wehe tun —
Aber der muh wohl sein Herz erleichtern wollen, ist vielleicht dessenthalben geFommen. Schluckt wieder und wieder. „Einen Wisch Papier für den Vater . . . den cher papa. wie sie schreibt. Könne nicht anders, müsse! Verstehst du, müsse! Mein Kind! Wollt' mich erst wiÄ>ersrhen, wenn sie Frau Marquise und in Ehren. Dazu müht' sie irach Paris. Der Papiere halber und der Religion halber. Verstehst du! Ein Wisch Papier! Ein Wisch, Hans Ehrenreich!" S<hluckt und schluckt und ringt sich's weiter heraus: „Vin gleich tn 'Magdeburg gewesen kannst dir denken. Die Schmach, die Schmach! A'elzucken und spitze Gesichter und spitze Worte als 3uga6e Die Königin: je regrette infiniment! Der Lehndorfi: man hält' schon lange allerlei gemunkelt, hält' aber niemand glauben mögen. Dr Fraygne heiht die Kanaille —"
„Solch Hundsfott! Der müßt' mir vor bie Klinge!"
(Fortsetzung folgt.)


