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Kinderspiele,

Darmstadt, 14. Juli.

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 2.45 Uhr. Am Regier ungstisch: Finanz- Minister Henrich und Minister Raab.

Die Beratungen werden bei Kapitel 108 sFinanzministerium) ausgenommen.

2lbg. Dr. Osann (D. Dp.) legt dar, daß dir Revision der Bauordnung eine unbedrngtr Rot- Wendigkeit sei. Das Reich sei jetzt in der an­genehmen Lage, keine Schulden zu besitzen. da die Staatsanleihen entwertet sind. Die Inhaber van Obligationen wenden sich aber nicht nur an das Reich, sondern au-dji an den hessischen Staat, und verlangen die Aafwertung. Die Auswertung könne natürlich nicht von heute auf morgen vor- | genommen, sie müsse aber im Auge behalten I werden.

Minister Henrich erklärt, die Revision der Bauordnung sei im Gange und werde bald dem Hause vorgelegt werden köimen. Das Reich hat die Verpflichtung zur der Verzinsung der Eisen­bahnanleihen übernommen. Das Land hat eine Restschuld von 120 Millionen zu verzinsen, es .wird über diese Frage verhandelt, die Aussich­ten sind für uns nicht ungünstig.

Es folgt eine Reihe von Abstimmungen. Die Kapitel 78 bis 100 und 108 bis 118 werden lan- genommen.

Aui Wunsch des Finanzministers wird jetzt eine Regierungsvorlage über die Veräußerung des Herrngartens und des Ovangeriegartens zu Darmstadt an die Stadt Darmstadt beraten, Sn der Aussprache wird nach einer längeren! Aussprache der Antrag des Ausschusses, wonach die Regierungsvorlage abz>ul rhnen sei, ange­nommen. Dagegen sind die 2ll>gg. der Deutschen Dolkspartei und von den anderen Parteien die Darmstädter Abgeordneten.

Um 5 Ahr werden die Beratungen abge­brochen» nächste Sitzung morgen

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zubringen. Eine zwangsweise Einziehung der^ «beiten offen-

Beträge von den Eltern kann also nicht in

Frage kommen.

Botschafter v. Hösch bei Herriot.

Paris, 14. Juli. (WTB.) Botschafter v. Ho sch hatte heute mittag mit dem Mi­nisterpräsident Herriot vor dessen Abreise nach London eine fast ein stündig e Unter­redung. Der deutsche Botschafter entwickelte 'nochmals den deutschen Standpunkt in allen aktuellen Fragen.

Kommunistenskandal im Preußischen Landtag.

Berlin, 14. Huli. Bor Eintritt in dieTages- mbmmg verlangt Abg. Sr. Weher-Ostpreub-n (Komm.) unter grober Unruhe des Halises die : sofortige Beratung des kommunistischen Antrages, der gegen die Durchsuchung der Zimmer der kom­munistischen Fraktion des Preußischen Landtages und gegen die Beschlagnahme von Privatakten der kommunistischen Abgeordneten protestiert und der dem Landtagspräsidenten das Mißtrauen aus­spricht. Unter grobem Lärm s Heitern die Beratungen an dem Widerspruch aus bIItAbg^Liebknecht (Anabh.) erklärt die von dem Präsidenten Leinert ermächtigte Polizei habe nicht nur die Zimmer der Kommunisten, sondern I auch die Zimmer der unabhängigen Abge- ordneten Rusch und Liebknecht erbrochen. (Hier I rufen die Kommunisten: Also hat Leinert die U n- I Wahrheit gesagt.)

Präsident Leinert erklärt, wenn wei­tere Angriffe gegen ihn laut würden, toerbe er von der Geschäftsordnung rücksichtslos Gebrauch machen. (Lärm bei den Kommunisten.)

Abg. Schmidt (Komm.) verlangt hieraus die sofortige Beratung der kommunistischen Anträge, die anläßlich der Affäre des hannoverschen Mas­senmörders Haarmann die Entlassung der I verantwortlichen Polizeibeamten, des P o - I lizeipräsidenten und des Oberprasi- dentenRoske fordern.

Auch diesen Anträgen wird widersprochen.

Abg. Frau Wolfstein (K.) nimmt dann unter Lärm und Gelächter der Rechten das Wort zur Geschäftsordnung. Sie sagt:Gegen den Sau­zustand ....* _rc

Präsident Leinert unterbricht hier die Ab- . geordnete und sagt:Sie haben von einem Sau- zustand gesprochen, auf wen soll sich das beziehen?

Frau Wolfstein fortfahrend: Ich brauche nicht wie eine Unterfuchungsgefangrne auf Ihre Frage zu antworten. Lesen Sie doch das Steno­gramm nach. (Zustimmung bei den Kommunisten) | Präsident Leinert: Sie haben d.e Pflicht zu antworten. (Erneuter Widersprach und Lärm bei den Kommunisten.) .

Abg. Frau Wolfstein erhält darauf einen Ordnungsruf und begründet dann, wiederholt vom Präsidenten unterbrochen, einen Antrag auf Untersuchung der in einem Prozeß festgestellten Zustände bei der Düsseldorfer Polizei.

Präsident Leinert: Ich weih nicht, welchen Antrag Sie meinen. Sie haben ihn weder ver­lesen, noch die Rümmer genannt.

Abg. Frau Wolfstein (K.): Sie haben ihn ja im Aeltestenrat gehört. Stellen Sie sich doch nicht dümmer als <Äe sind. .

Präsident Leinert: Wegen die er Belei­digung des Präsidenten schließe ich Sie von der I Sitzung aus. (Lärm bei den Kommunisten.)

Frau Wolfstein blcibt trotz der wieder­holten Aufforderung des Präsidenten im Saal. Präsident Leinert unterbricht darauf argen 4 Uhr die Sitzung. In der Pause läßt sich Frau Wolf­stein von ihren Fraktionsgenossen zum Verlass n I des Saales bewegen. Am 3/*5 Ahr wird die I Sitzung wieder eröffnet. Frau Wolfstein (K) ist nicht im Saal anwesend. Auf die Frage des Prä­sidenten Leinert wird gegen die sofortige Bera­tung des kommunistischen Antrages über die Düs­seldorfer Polizei Widerspruch erhoben.

Abg. Dr. Meyer-Ostpreußen (K.) erftärt: Da Präsident Leinert offensichtlich die Absicht habe, die kommunistischen Abgeordneten zu provo­zieren und so aus der Sitzung zu entfernen, habe die kommunistische Fraktion beschlossen, daß »rau Wolfstein dieser Sitzung nicht länger beiwohnt. (Zuruf rechts: Vorsicht ist die Mutter des Por­zellanhandels I) Sie sollten nicht von Porzellan sprechen. Jeder weiß doch, daß Mitglieder dieses Hauses und Mitglieder des Kabinetts an bösen Pvrzellanschiebungen beteiligt sind. Die kommu­nistische Fraktion habe gegen die ganz unberech- tigte Ausschließung der Abg. Frau Wolfstein beim Aeltestenausschuh Einspruch erhoben. Von dessen Beschluß werde es bahängen, ob die kom­munistische Fraktion Frau Wolfstein weiter an den Sitzungen teilnehmen läßt. _T, u

Präsident Leinert ruft den Abg. Meyer zur Ordnung und teilt unter dem Beifall der Rechten mit, daß Frau Wolfstein, weil sie per Aufforderung zum Verlassen des Saales nicht gefolgt ist, für acht Sitzungstage aus­geschlossen sei.

Kommunistenprozesse.

Verurteilter Dombenfabrikant.

Die neue Arbeiterpartei in Amerika.

Reu hort, 14. Juli. Funkspruch. Wie der ^Washingtoner Berichterstatter der republikanischen Tribüne" meldet, nimmt die Campagne zugunsten La F o ll e t te s als Präsidentschaftskandidat den Charakter einer Arbeiterbewegung an um Einfluß auf die Regierung zu gönnen. Die Campagne werde durch hervorragende Mit­glieder der organisierten Arbeiterschaft unter­stützt Die Taktik, durch die die Arbeiterschaft in England Einfluß auf die Regierung erlangte, werde sorgfältig geprüft. Ein anderer Bericht­erstatter derTribüne" rechnet mit der Mög­lichkeit, daß La Follette in den fünf westlichen Staaten siegen werde, wodurch verhindert werde, daß irgend ein Gegenkandidat die Mehrheit der Stimmen erlange.

Hessischer Landtag.

.50. Stiftungsfest

des Kriegervereins Gießen.

Am Samstag und Sonntag feierte der hiesige Kriegerverein sein 50. Stiftungssest. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch einen am Samstag abend auf der Liebishöhe abgehal­tenen Kommers, der bei außerordentlich zahl­reicher Beteiligung ein reichhaltiges Programm aufwies. Der Vorsitzende des Vereins, Land­gerichtsrat Stümpert, bot nach einer kurzen Begrüßung einen Rückblick auf die Tätigkeit des Kiiegervereins in den letzten 50 Jahren, dabei auch der verstorbenen Mitglieder, insbesondere der Kriegsopfer gedenkend. Die heute noch leben­den Mitbegründer des Vereins Privatier Bal­ser, Postsekretär i. R. Mayer und Geh. Kom­merzienrat Em melius wurden besonders ge­ehrt. Im weiteren Verlauf des Abends hielten noch Ansprachien Beigeordneter Dr. S e i b als Vertreter der Stadt, Oberst Fett als Vertreter des Inf.-Regts. 15, Oberst v. Reidhardt für die Kriegerkameradschaft Hassia, sowie eine Reihe sonstiger Vertreter militärischer Vereine und Or­ganisationen, die Kameradschaftliche Vereinigung ehemaliger Leibgardisten und der Verein ehe­maliger 116er stifteten dem Jubilar Fahnen- nägel. Außerdem wurden eine größere Anzahl Mitglieder für langjährige Mitgliedschaft und treue Mitarbeit vom Verein durch Ehrenurkunden ausgezeichnet. Der übrige Teil des Abends wurde durch 'Musikvorträge der Kapelle Weller, Vio- linsolis von Fritz Rath-Mainz, deklamatorische und gesangliche Darbietungen von Heinz Bech- stein, einem allerliebsten Rokoko-Tanz und Marmorgruppen des hiesigen Männerturnvereins in bester Weise ausgefüllt.

Am Sonntag vormittag wurden, nachdem mehrere Kameraden des Vereins den drei Grün­dern und dem Vorsitzenden in überraschender Weise in ihren Wohnungen ein Ständchen dar- gebracht hatten, auf beiden. Fri^>höfen für cie Gefallenen Kränze niedergelegt. Am UV» Ahr versammelten sich die Mitglieder und geladenen Gäste auf dem Hofe der Zeughauskaserne, wo auch die Reichswehr Aufstellung genommen hatte, z u einer erhebenden Gedächtnisfeier für die Gefallenen. Eine stimmungsvolle Ein­leitung bot das von einem Teil der Reichswehr­kapelle zu Gehör gebrachte Riederländische Dank­gebet:Wir treten zum Beten", dem die von Studienrat Prof. Dr. Schmoll gehaltene Ge­dächtnisrede folgte. Prof. Dr. Schmoll der m seiner schlichten aber zu Herzen gehenden Art I zu begeistern versteht, führte ungefähr folgendes aUß(Sin Gedenktag soll der heutige Tag I sein, zurückführen in die Tage der Vergangen­heit und großen Geschehens:Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten, fein Rame fei gelobt", das soll nach dem Wunsche der Frst- leitung das Leitmotiv für diese Morgenfeier fein ein Aufblick zu dem allmächtigen Gott, dem' Lenker der Geschicke von Menschen und Völkern. And diese Feier soll ein Prolest fein gegen einen hervorstechenden Zug unserer Zeit, die so oft als eine schnellebige I bezeichnet wird. Schnellebig, d. h. nur zu ©ft schnell vergeßlich Wie leicht und schnell vergißt das Geschlecht unserer Tage die Wohltaten Gottes, die Erweisungen seiner Gnade und Freundlichkeit. Wie leicht aber und schnell vergißt es auch menschliche Verdienste, auch da, wo es sich um ausgezeichnete, hervorragende Ver­dienste handelt, wie leicht und schnell vergißt es seine großen Männer. Ein Protest gegen diese Vergeßlichkeit, die zugleich eine grobe A n - I d a nkbark eit ist, soll diese Feier sein, dem

eins ein Kranz niedergelegt.

Rachmittags fand eine Familienfeier auf der Liebigshöhe statt, die bei misikalischen. deklamatorischen und theatralischen Darbietungen, Kinderspiele, Volkstänze, Kinderreigen und Feuerwerk in bester Weise verlief.

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Gedächtnis der Toten geweiht und bestimmt, ihr Andenken au wahren und zu erhalten, -u13 JV Gießener Kriegerverein vor 50 Jahren gegr^ det wurde, da hatte Gott den deutschen Walten < den Sieg verliehen, der Traum der besten Deal" scheu war erfüllt, ein mächtiges Reich ^erstan^ den. In den Kriegervereinen aber sammelten sicy Tausende von Mitkämpfern der letzten Smege, um dus militärische und kameradschaftliche Be­wußtsein zu erhalten, Liebe und Treue zu Kaiser und Reich, Volt und Vaterland au pflegen uno sich bereit zu halten, stets für das Wohl des Vaterlandes einzutreten. Ehre den Man­nern, die damals auch hier in Gießen fid)i uni diese Ideale scharten, und teuer soll uns das Andenken derer sein, die nach einem Leben der Arbeit und Pflicht in den fünf Jahrzehnten ziv großen Arme« abberufen wurden. In Treue und Dantbarkeit gebenten wir ferner der Gefallenen des letzten 'großen Krieges. Selbstverständlich ist, daß die jüngeren und auch manches im mutieren Alter stehende Mitglied des Vereins zu den Fahnen eilten, daß die älteren in der §eunat Kriegsdienst leisteten. Reserven, Landwehr, Land­sturm, sie alle traten an, als jenes heilige Beben im 2luguft 1914 durch die deutschen Lande ging. 15 kamen nicht wieder, andere haben ehrenvolle Wunden, mancher Siechtum und-den Todeskeim in sich nach Hause gebracht. Wenn sie wieder vor uns ersteht, die große Zeit, als würde ein Vor­hang beiseite gezogen, bann werden sie alle wieder lebendig, die unsere Brüder waren. Aber diese stolze Erinnerung macht un»s das Herz auch wieder schwer. Für den Sieg, für ein starkes Deutschland als Hort des künftigen Weltfriedens starben unsere Helden, und nun liegt unser Vater­land am Boden, Millionen von Schwestern und

»* Das Schulgeld für ortsfremde Schüler der Fortbildungsschule. Das Kreisamt Gießen teilt den Bürgermeistereien und Schulvorständen det Landgemeinden des Kreises I im neuesten Amtsverkündigungsblatt die nach­stehende wichtige Entscheidung mit: Aus ver­schiedenen Gemeinden wird uns berichtet, der Gemeinderat habe es a b g e l e h n t, die von den i Schulgemeinden angeforderten Beträge zu übernehmen oder dort, wo die Aebernahme er­folgt sei, beschlossen, diese Kosten von den ei­tern der die auswärtige Fortbildungsschule be-; suchenden Schüler w ieder erstatten zu lassen. Beides ist unzulässig. Rach den von dem , Landesamt für das Bildungswesen erlassenen Be-ß L _

stimmungen, die die Zustimmung des Ä schusses des Landtags gefunden Y~ Schulgeld von den Heimatgerne luden der Schüler, nicht von ihren Angehörigen, auf -

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Brüdern sind uns entrissen. Sn den besetzten Gebieten namenloses Leid, und was das schlimmste ist: Klassenhaß zerreißt und zerfleischt unser Volk. And darum alle diese Opfer im Kriege und nach dem Kriege? Rein, darum nicht, sondern diese Opfer weifen den Weg zur Höhe, aus diesen Opfern erwächst utts neue Hoffnung, ohne Opfer kein Aufstieg und fein? Rettung. Freilich heißt -es du stark und hart fein, aber die «Liebe zum Vaterland, das Gefühl, für das Schicksal mitverantwortlich zu sein, muß den Willen des einzelnen stärken. Vergessen wir es nicht, auch wenn es uns in dem neuen Hause, in dem wir wohnen, nicht immer gefällt: Eines steht groß in den Himmel gebrannt, alles darf untergeben, Deutschland, unsere Kinder und Vaterland, Deutschland muß bestehen. Wenn uns das hei­liges Gelöbnis ist, denn halten wir Lebenden das Gedächtnis an unsere Toten in echter Treue wach, solange wir auf fremde Hilfe hoffen, wird uns nicht zu helfen sein, aber Gottes­furcht und Gottvertrauen als Waffen | des Geistes werden uns wieder zur Höhe führen, | und wenn die Welt voll Teufel wär. So wollen , wir unsere Totengedenkfeier ausklingen lassen mit j den Worten eines Gedichtes, das in freier Weise 1 an den 93. Psalm sich anlehnt: Mag lärmend - | schrein' die ganze Welt: Hinweg mit ihm, dic Engel der Tiefe sich rüsten zu streiten mit Ange- ; stüm. Wir singen den ewigen Psalm int Chor: Rach größer ist Gottl Zu ihm empor heben wit gläubig und kühn unser Haupt. Der Herr bleibt doch Sieger, Heil dem, der ihm glaubt."

Rach Schluß dieser packenden Ausführungen spielte die Musik leise:Ich hatf einen Kame­raden", die Fahnen wurden gesenkt, während die Teilnehmer entblößten Hauptes andächNg > lauschten. Eine weihevolle, erhebende Stunde, die ; vielen der Teilnehmer noch lange in Erinnerung, bleiben wird. Anschließend an die Gedächtnis­feier sand ein Vorbeimarsch der Truppen and der einzelnen Militärvereine statt. Am Krieger­denkmal wurde kurz darauf von Landgerichts­rat Trümpert im Auftrag des Kriegerver-

Fertigstellung des Entwurfs der Goldnotenbank.

(Berlin, 14. Juli. (WTD) Wie wir er- fahren hat das Organisationskomitee für die Goldnotenbank seine Berliner Beratungen über die im Komitee b^rbeiteten Gesetz- und Statuten-Entwürfe am 10. Juli abgeschlossen. Das aus dem Präsidenten des Reichsbankdlrekto- i-iums Dr Schacht und dem englischen Banner Sir Robert Kindersley bestehende Komitee bat die Entwürfe der R e p ar a t i o n s l o m- Mission mit einem Begleitschreiben am 12. Juli in Paris übergeben. Die beiden Mit­glieder des Komitees befinden sich in Paris, um der Reparationskommission etwa notwendige Aufklärungen M geben.

feite willkürlich verdreht, verwässert und für uns I völlig entwertet worden sind. And das deutsche Volk, das heute hellhöriger und klarsehender als das vom Wilsonschen pazifistischen Chloroform betäubte Volk von 1918 ist, hat das kann nicht scharf genug betont ©erben durchaus | kein Interesse daran, auf seine Kosten die Herr­schaft einer Demokratie von Poincarßs und Fochs Gnaden in Frankreich zu sichern.

Die englische, dem Sozialisten Maedonald und dem Liberalen Lloyd George nahestehende Presse überbietet sich in Beteuerungen, daß biq Londoner Konferenzim wahrhaft intarnatio- nalen Geiste von Genf" geleitet werden tourbe. Deutschland wird mit stärkster Aufmerksamkeit diesen Geist von London beobachten, um so mehr, aI3 das Frankreich des Demokraten Herriot sich rüstet, seiner Herrschaft nach Möglichkeit Schwie­rigkeiten zu bereiten. Denn außer dem Mar­schall Foch und dem General Rollet setzt es den Obergeneral Degoutte und den Prä­sidenten Tirard in Mürsch, um mit Hilfe der Satrapen von Brüssel die amerikanisch-rng-- lische Festung des Geistes der ehrlichen Berstanbi- gung mit all den sattsam bekannten gallischen Kriegswerkzeugen und Propagandamethoden zu bercnncn. Die Entscheidung liegt, wie im Weltkriege, bei den Amerikanern. Die Rach- folger des Herrn Wilson haben fovi-l an Deutschland wiedergutzumachen, die Ehre der Väter des Dawesplanes steht so sehr auf dem Sviel daß man erwarten mußte, daß von amerikanischer Seite alles geschieht, um den Sachverständigenplan tatsächlich feinem Geisteund Inhalte gemäß zur Ausführung zu bringen. <$dpn dieersten 'Tage der morgen beginnenden Kon- ferenz werden zeigen, wie weit diese Erwartungen gerechtfertigt sind. Es ist nur zweierlei möglich. Entweder wird der Geist von Landon endgulttg Schluß machen mit den in den letzten 5 Iah^a angetoanbten Methoden und ein als gleich­berechtigt anerkanntes Deutschland als frei- willigen Unterzeichner eines ^Vertrages sehen, der zum mindesten toir sind, mehr alä be­scheiden den durch das Versailler Diktat ge­schaffenen Zustand 'wiederhrrstellt oder der Geist r^n London wird ein Schatten des Geistes von Versailles sein und das (Sterben Europas am Gifte französischer Rachsucht und Landergler wird seinen Fortgang nehmen. Vidoant consules ...

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Leipzig, 14. Iuli. (WTB.) 'Der 5. Straf­senats dos Reichsgerichts verurteilte den 61jährigen Brunnenbauer Wilhelm Schönberg aus Osnabrück wegen Vergehens gegen das Spreng st ossgesetz und wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Vergehens zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust sowie Stellung unter Polizeiaufsicht Schönberg, !^r be­reits erheblich vorbestraft ist, hat im Hrrbst 1W3 auf Veranlassung der K. P. D. in seiner Wohnung in Osnabrück Bombe n mit Sprengwirkung von 30 Metern Am- k rei s angefertigt. Bei einer Haussuchung wurde eine große Menge Sprengrnaterial ' und auch eine Anzahl fertiger Bomben ge­funden. Der Angellagte war geständig.

Strafanträge im baherifchsn Massenprozeß.

M ü n chen, 14. Iuli. (WTB.) ImProzeh gegen 157 Mitglieder der kommunistischen Partei in Bayern beantragte der Staats­anwalt heute folgende Strafen unter Errechnung mildernder Amstände: Gegen den Landtags- abgeordneten Goetz-München 1 Iahr Ge­fängnis, den Landtagsabg eorbneten Buchs - Rürnberg, den Schriftsteller Dr. Frank-Berlin, Stadtrat T h i e r a u f - München je zehn Mo­nate Gefängnis, gegen die übrigen Angeklagten Gefängnisstrafen von 2 bis 6 Monaten. Die I Antersuchungs- und Schutzhaft sei allen anzu- I rechnen.

Wcttcrvo ranHsage

Warm, südliche bis westliche Winde, Gewitter­neigung, später zunehmende Bewölkung und Ver­schlechterung.

Im Bereich des kräftigen Hochdruckgebiets über Mitteleuropa bleibt es zunächst warm, bei örtlichen Gewitterbildungen. Westlich Iilandsist ein neues Tiefdruckgebiet erschienen, dessen Cin- I flutz auf unsere Wetterlage jedoch noch nicht abzusehen ist

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 15. Iuli 1924.

Sport und Persönlichkeit.

Sport ist nicht Selbstzweck, Sport ist Mittel zum Zweck. Volkssport und Leibespftege sollen Persönlichkeiten schaffen, die inneren Werte des Menschen steigern oder gar erst begründen hel­fen. Wenn die sportliche Betätigung neben der rein körperlichen Ausbildung das aber tut, bann ist sie mehr als nur Körperkultur oder wie manche immer noch geringschätzig meinen Spie­lerei.

Wenn der Berufstätige den ganzen Tag über Berufs- und Wirtschaftsfragen gebrütet, toenn er sich mit den kleinlichsten Sorgen des Mltags her­umgeschlagen hat, dann ist es für ihft, eine Er­holung, wenn er eine Beschäftigung ausüben kann, zu der er Lust und Liebe hat, bei der er sich tret fühlt von jedem, auch dem kleinsten Zwang. Ur erhält durch eine solche Beschäftigung feine innere Freiheit zurück. Und welche Betätigung wäre da­für geeigneter als die selbstgewählte sportliche < Was vermag ähnlich aus das Gemüt einzuwir­ken? Beim Sport gibt sich der Mensch mit ganzer Seele der Beschäftigung hin. Das Gefühl der Le­bensbejahung wird gestärkt. Die vier Worte im TurnerspruchFrisch Fromm Fröhlich Frei" haben in diesem Sinne eine tiefe Bedeutung und sind nicht nur Aeuherlichkeit.

Auch den Geist beeinflussen Sport und Leibespflege in hohem Maße. Die Gedanken müs­sen zusammengenommen werden, geistige Zucht wird verlangt. Konzentration auf einen Punkt ist geboten. Hebe neue Lage muh blitzschnell ersaht werden: Umsicht, Geistesgegenwart unb schnelle Entschlußkraft find dazu nötig. Die im Beruf er­schlafften Rerven werden durch die Sportausübung wieder gestählt. Besonders für die geistigen Ar­beiter ist die sportliche Betätigung in ihrer Wir­kung auf den Geist geradezu eine Rotwendigkeit.

Zu der Wirkung auf Gemüt und Geist kommt die Ausbildung des Willens. Beim Sport muh man nicht nur die Gedanken, sondern auch die Glieder in der Zucht haben, der Wille zur Selbstbeherrschung wird also gestärkt. Mut und Ausdauer, die zur sportlichen Betätigung notwen­dig sind, sind ebenfalls abhängig von einem star­ken Willen. Da Sport immer innerhalb einer Ge­meinschaft ausgeübt wird, so verlangst man von dem Sporttreibenden Rückficht auf die Mitmen­schen, die Zurückstellung eigener Interessen und ein entwickeltes Gemeinschaftsgefühl. Kurz, der Sport fördert die Willensbildung, die innere Diszipliniertheit des Menschen.

Wenn aber Volkssport und Leibespflege in dieser Weise auf Gemüt, Geist und Willen wirken neben der Ertüchtigung des Körpers, dann tra= I gen sie ausschlaggebend dazu bei, Menschen zu ei> ziehen, wie wir sie brauch^: Menschen, die sich aus dem physischen und moralischen Zusammen- bnich der Kriegs- und Rachkriegszeit herausretten I und beh Grunbstock legen zu einem Geschlecht, wie es das deutsche Vaterland einzig und allein brau­chen farm, wenn der innere und äußere Wiederauf­bau gelingen soll. *

~ " Bestandene Pr üfun g. Die Prüfung als Kriminalsekretär beim Pvlizeiamt Gießen be­standen die Kiiminalwachtmeister Hohs. Steif <9-'. Hauer, Heinrich Wolf, Karl Hofmann., Einst Glänzer, Ludwig Möbus sowie ba Polizeiwachtmeister Gustav Holzigel.

** Die Wahlen zim: Handwerks­kammer betrifft eine Bekanntmachung in un­serem heutigen Anzeigenteil, die wir der Auf­merksamkeit der Wahlberechtigten empfehlen.

** Der Herb st markt in Gießen findet vom 21. bis 28. September statt. Interessenten möge die heutige Bekanntmachung beachten. !

** D i e Sammler für die Woh' nungs nothilfe, die in diesen Tagen bei unseren Mitbürgern erscheinen werden, weisen sich aus durch vorgedruckte mit polizeilicher nehmigung versehene Sammellisten. Eine Ver­sammlung der Helfer und Helferinnen, bei bet über den Plan berichtet wird und bei bet jedermann willkommen ist, findet heute 8x/s llhc abends im Hause Kirchstraße 9 ftatt Siehr | Anzeigenteil.)

Vorrwtizeir.

Tageskalender für Dienstag: Stadttheater: 8 Llhr Gastspiel des Domra-Bala«?' laika-Orchefters. Akad. Ausschuß für Leibes« Übungen: 8V4 Ahr im großen Hörsaal der Uni­versität Vortrag des Staatsministers a. D. Do« minieus überDie Pflege der Leibesübungen an den deutschen Hochschulen". Gichener Radfahrer^ Verein 1885: 9 Ahr bei Doller Mitglieder-Der« farnmhmg. Zirkus Mark: 8 Ahr letzte Vor« stellung.

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