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Erstes Blatt

m. Jahrgang

Dienstag, 15. Juli M4

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Druck «nd Verlag: vrühl'iche UniverfitStrGuch- und Steindruckerei B. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejedeVerbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re­klame-Anzeigen ü.70mm Breite 35 Goldpfennig. Platzvorschrift 20% Aus chlag. Verantwortlich ür Politik u. Feuilleton. Dr. Friedr. Wilh. Lange; ür den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Konferenzdebatte im englischen Unterhaus.

Die Liberalen fordern Sicherheit auch für Deutschland. Die Politik der Konservativen. Unklare Haltung Macdonalds.

Die mit Spannung ertoartete Aussprache des englischen Unterhauses über die Konferenzpolitik Macdonalds hat gestern stattgefunden und nach dem bisher vor liegenden Berichtsauszug kerne Klä° rung der Lage gebracht . Auf die für uns wichtigste Frage der Räumung des Ruhrgebiets undWieder- herst<llung des Status quo ante, die von dem Liberalen Asquith angeschnitten wurde, hat Macdonald nicht geantwortet. Er hat, ebenso wie die Debatteredner, in der Hauptsache die politische Einstellung Frankreichs, seine Sorgen und Dünsche dem englischen Volke plausibel zu machen versucht, um mit diesenAufklärungen" gewisser- mahen seinen Umfall in Paris zu verteidigen, den der Konservative Baldwin mit höhnischer Ge­nugtuung ^estnagelte. Eine gröbere Linie scheint nur die ^ede des Führers der Liberalen ver­folgt zu haben, doch ist immerhin auch, die Stel­lungnahme des Konservativen Chamberlain unter Berücksichtigung der bisherigen schroffen, deutschlandfeindlichen Haltung der Mehrheit dieser Partei bemerkenswert. Man wird den aus­führlichen Bericht abwarten müssen, bevor man endgültig den Erfolg diese Dvrpostengefechtes vor der Londoner Schlacht beleuchten kann.

Der Sitzungsbericht.

London, 14. Juli. (Wolff.) Bei der De­batte über den Voranschlag des Foreign Office | sprach zunächst *

Asquith.

der Macdonald beglückwünschte, daß die Kon­ferenz in dieser Woche in London stattfinden werde. Der veröffentlichte Briefwechsel Hube gezeigt, dah zwei Dinge von der britischen Regierung deutlich erklärt oder angedeutet worden seien, nämlich

1. daß der Dawesbericht übe r den Versailler Vertrag hinausgehe,

2. das; die Ausgabe, in Zukunft zu erklären, j ob ein offenkundiger Verzug stattgefunden hat, einer anderen Autorität als der Reparationskommission anvertraut werden müsse.

Asquith gab seinem Zweifel darüber Aus­druck, ob die britische Oeffentlichkeit

die Stärke der französischen Gefühle bezüglich der Unverletzlichkeit des Versailler Vertrages kenne. Die Pakte mit Großbritannien und den Vereinigten Staaten, die den Vertrag begleiten sollten, wären verschwunden und könnten und würden auf keinen Fall in dieser Gestalt wieder orfleben. Frankreich habe nichts übrig behalten, was ihm eine Kompensation für seine Verluste und Leiden im Kriege biete oder seine Sicherheit verbürge, als den Ver­sailler Vertrag. Lind die einzige vom Vertrag gegebene Bürgschaft sei die Reparations- ! o m m i s s i o n, in der Frankreich eine dauernde Mehrheit habe. Es sei wesentlich, sich dieser beiden Dinge zu erinnern, um den französischen Stand­punkt Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Macdonalds Besuch in Paris

habe die innere Lage und den Bestand der Regie­rung H e r r i o t und, wie er hoffe, auch die wirk­same Tätigkeit der Konferenz gerettet. Das be­sondere Tribunal außerhal bder Reparationskom­mission sei fort und an seine Stelle sei der sehr guteVorschlag getreten,J

ein amerikanisches Mitglied für die Repa- rationskommission

zu ernennen.

Die Lage habe eine vitale Llmbildung er­fahren. Außerdem werde von französischer Seite mit gleichem Rachdruck der Standpunkt vertreten, dah prima facie dieReparations- kvmmission Richter in der Frage des Verzugs sein soll. Man brauche nur P o i n - cares bemerkenswerte Rede im Senat zu.lesen, um den Unterschied zu sehen, den dies in Frank­reich hervorgerufen habe. Infolgedessen beginne i>ie Konferenz in einer klareren, freundschaftliche­ren Atmosphäre, als noch vor einer Woche erwar- let werden konnte. Es beständen jedoch zwei Punkte von sehr großer Bedeutung, dsje Räumung des besetzten Gebietes und die | Sicherheitsfrage.

/ Asquith befaßte sich mit den englisch-fran- Mischen Meinungsverschiedenheiten über gewisse Munkte der Artikel 428 und 429 des Versailler Vertrages und erklärt, es sei u n m ö g l i ch, die Schwierigkeiten außer acht zu lassen, die über diesem Punkte entstehen könnten, wenn es Macdonald nicht gelinge, zu irgendeiner Ver­einbarung mit der französischen Regierung und den anderen Alliierten zu gelangen. Dre Dauer jeder Vereinbarung, die über den Dawesbencht erzielt werde, hänge von der Sicherheit ab und es sei von der größtmöglichsten Bedeutung, daß der britische Standpunkt in dieser Frage voll­kommen klargemacht werde. Erstens müsse jede Versicherung, die Frankreich gegeben werde, ihm nicht als eine separate Garantie gegeben werden, sondern als Teil einer Allg em einver- pslichtung Großbritanniens auf Grund der Dölkerbundspakte, zweitens müßte die Frankreich angebotene Sicherheit, welcher Art sie auch sei, unter den gleichen Bedingungen auch Deutschland an­geboten werden,

drittens, damit die möglich wäre, sei es klar, daß Deutschland in den Völkerbund ausge­nommen werde und einen S i h im Völker­bund s r a t erhalten müßte. Aber dies sei nicht genug. Seiner Ansicht nach seien die Fran­zosen berechtigt, noch mehr zu fordern.

Das britische Reich müsse sich verpflichten, Frankreich und Deutschland den Ge­brauch seiner LRacht gegen jeden der beiden Staa­ten zu garantieren, der dem andern einen Streit aufdränge, ohne die Maschinerie des Völkerbundes tn Gang zu sehen. Dies dürfte jedoch nicht auf Frankreich und Deutsch­land allein Anwendung finden, sondern müßte kollektiv und allgemein für alle im Völkerbund vertretenen Part eie n gelten. Dies sei die einzige wirksame praktische Gestalt, worin irgendeine Sicherheitsgarantie ge­geben werden könne.

Rach Asquith ergriff

Baldwin das Wort. Er erklärte. Asquith habe ein Argu­ment entwickelt, mit dem er in hohem Maße sympathisiere. Baldwin höhnte die Regierung, weil sie seit ihrem Amtsantritt ihre An­sichten geändert habe. Er wies darauf hin, daß die Arbeiterpartei im letzten Jahre und bei den Reuwahlen eine Revision des Versailler Vertrages gefordert habe, und sagte, die Regierung erhalte die volle Kontinuität der konservativen Außen­politik bezüglich des Versailler Vertrages und der daraus entstehenden Fragen aufrecht. Be­treffs der

Anwendung von Sanktionen wies Baldwin darauf hin, daß die Fassung des Communiques in derTimest' vom 10. Juli laute:Sanktionen, welche die Alliierten verein­bart haben werden", während das amtliche Weißbuch erklärt:Sanktionen, welche die Alli­ierten verembarm werden". Baldwin fragte, ob die Sanktionen vereinbart werden sollen, be­vor die Frage eines Verzugs entstehe oder ob sie erst erwogen werden würden, nachdem ein Verzug stattgefunden habe. Baldwin unter­suchte dann

die Vorteile, die der Bericht Deutschland biete und nahm insbesondere auf die Stabilisie- rung der deu ts chen Währung Bezug, sowie auf die Anleihe, was. wie er sagte, eine sehr beneidenswerte Behandlung eines ge­schlagenen Feindes darstelle.

Premierminister Macdonald erklärte, daß die gegenwärtige Regierung die Sachverständigenkommission geerbt habe, aber zweifellos trage die Tatsache, dah die Kommission eingesetzt wurde, und daß Ame­rika sich daran beteiligte, gewaltig dazu bei, daß es nun möglich sei. von neuem freundschaft­liche oder jedenfalls freundschaftlichere Deziehungenzu Frankreich zu beginnen. Hinsichtlich der r

Verpflichtungen, die Deutschland durch den ) Dawesbericht auferlegt würden, sagte Macdonald, es sei nur die Frage, ob be­züglich eines oder zweier Punkte des Berichtes man nicht versuche, Deutschland Verpflichtungen aufzuerlegen, die nicht legal im Bereich des Versailler Vertrages liegen. Diese Frage sei den R e ch t s s a ch v e r st ä n d i g e n vorgelegt und würde bei ihnen bleiben, bis deren Bericht der interalliierten Konferenz in dieser oder der nächsten Woche vorgelegt werde.

Frankreich sei infolge verschiedener Umstände dahin gelangt, den Versailler Vertrag als eine Art Bundeslade zu betrachten, jede neue Anregung hätte Befürchtunaen hervor­gerufen, die, toenn die Anregungen ohne Hinter­gedanken gebracht worden seien, einfach in Er- 'st a u n e n v e r s e h t e n. Auch die Anregung, daß die Sicherheit, die Frankreich durch die Re­parations-Kommission zu haben glaubte, abgeändert werden soll, habe in Paris Bestür­zung hervorgerufen.

Macdonald wies dann auf t>te bestehende Verwirrung im Zusammenhang mit der Rhein­landkommission hin und sagte, es sei Englands Pflicht gewesen, zu dem Vertrag zu stehen und nicht zuzugeben, dah man darüber hinausging. Bezüglich der Frage einer

Möglichkeit der Beteiligung Amerikas an der Konferenz

sagte Macdonald, diese Angelegenheit dürfte bis Mittwoch, Donnerstag oder Frejtag aufge­schoben werden.

Die Politik der Konservativen.

Austen Chamberlain

kritisiert heftig Macdonalds Verhandlungen mit Herr io t im Chequers und seine Einladung zur Londoner Konferenz, in der Macdonald die Recht­mäßigkeit des Versailler Vertrages In Frage ge­stellt und die Autorität der Reparationskommis­sion verleugnet Hube und Deutschland den Vor­wand gegeben habe zum Zögern und zum Feil­schen über die Annahme der Bedingungen des Daweskomitees. Die Konservativen bestän­den auf folgender Politik:

1. wollten sie aufrichtig den Versailler Vertrag annehmen und aufrechterhalten als die einzig mögliche Grundlage für das öffentliche Recht Europas,

2. wollten sie die Aufrechterhaltung der Entente mit Frankreich zum Kar­dinalpunkt ihrer Politik machen,

3. wollten sie die Forderung, dah Deutsch­land seine Verpflichtungen erfülle, in nicht geringem Maße zur Richtlinie ihrer auswärtigen Politik machen und dafür wären sie, wenn Deutschland seine Verpflichtungen, wie sie ihm jetzt vorgelegt würden, aufrichtig und loyal erfüllt, bereit, die Integrität Deutsch­lands zu respektieren und seine Rück­kehr in die Gemeinschaft der Rationen willkommen zu heißen; außerdem suchten sie die Verbin­dung mit Amerika zu sichern, wo dies nur möglich sei.

Morell

erllärt: Der Dawcsbericht seimitgroßenDe- fürchtHngen betrachtet worden und diese Be­fürchtungen wären durch die Ereignisse der letzten Tage und durch das, was sie im Laufe der De­batte gehört hätten, nicht vermindert worden. Die Rettung Europas sei durch das Reparationsprob^em verhindert worden. Die bemerkenswerteste Erklärung in Herriols letzter Rede sei gewesen, daß er dem französischen Volke versprochen habe, dah es vierzig Jahre lang über 125 Millio­nen Pfund Sterling von Deutschland erhalten werde. Das sei ein Sommer­nachtstraum, der gefährlich sei, da er Hoff­nungen erwecke, die sich nicht erfüllen liehen.

Die Bedingungen der amerikanischenGeldgeber

Paris, 15. Juli. (WTD.) Der Außen­politiker desEcho de Paris", der bereits in London weilt, macht in seiner heutigen De­pesche folgende Enthüllungen:

In Chequers habe Macdonald dem französischen Ministerpräsidenten er­klärt, daß er sich unverzüglich darum bemühen werde, den Rat der Finanziers ein­zuholen, die als Vertreter des Reuhorker Marktes gelten kön­nen. Das englische Schatzamt sei in einen engen Meinungsaustausch mit verschiedenen, aus den Vereinigten Staaten kommenden Per­sönlichkeiten eingetreten. Das Ergebnis dieser Besprechung sei gewesen, daß die amerikani­schen Finanzleute chre Unterstützung nur un­ter folgenden strengen Bedingungen zusagen wollen:

1. Gewährung der unbedingten Pri­orität für die Einlösung der untergebrach- ten Anteile von 800 Millionen,

2. Abschluß eines Abkommens, zu dem sich Deutschland tatsächlich aus freien Stücken verpflichte, x /

3. Zusicherung, daß die Amortisaticn und Tilgung des ersten Abschnittes der in der An­leihe bestimmten Summe nicht demAeber- tragungskomitee cnheimfalle, daß kei­nerlei Sanktionen einer einzigen Nation durchgeführt werden, und daß fer­ner die Vertreter der Anleihezeichner qn jedem Beschluß teilnehmen, der die Nlrt der Sanktionen zum Gegenstand hat.

Die Revolution in Brasilien.

Neuyork, 15. Juli. (WTB.) Wie aus Santos gemeldet wird, ist der letzte Kampf in Sav Paulo außerordentlich heftig gewesen. Die Zahl der Toten unter den Truppen und Zivilisten wird auf 3000 ge­schätzt. Das vornehme HotelEsplanati", das in ein Spital umgewandelt wurde, ist voll von Verwundeten. Flüchtlinge bestätigen die Nach­richt, daß 600 Mann, die von Santos in der vorigen Woche nach Sao Paolo zur Unter­stützung abmarschiert sind, von den Aufstän­dischen niedergemetzelt wurden. Die Zahl der Aufständischen, die Sao Paolo ver­teidigen, wird auf 34 000 geschätzt, während die Bundestruppen, die noch auf dem Marsch nach Sao Paulo find, etwa 24 000 Mann stark sein dürften.

BuenoSAires, 14. Juli. Funkspruch. Nach hier eingetroffenen Berichten scheint eS, daß die Revolutionäre im Westen des Staates Sao Paulo die Regierungstrup­pen erfolgreich aufhalten und süd­wärts in der Richtung auf Santos vor- dringer;.

Der Geist von London.

* Daß Minisierreden, und seien sie noch sc» gut gemeint und noch so trefflich formuliert, im Reparaüonskrieg der Gegenwart kaum stärkere Bedeutung und Wirkung haben als etwa die Leuchtkugel im Stellungskampfe, braucht nicht be­sonders hervorgehoben zu werden. Immerhin ist zur Aufhellung der Gefechtslage auch die Leucht- rafete notwendig, fo daß nicht nur in Deutsch­land, sondern in der gesamten interessierten Kulturwelt die letzte Rede des deutschen Reichs­kanzlers die Beachtung gefunden hat, die eine derartige umfangreiche Aufllärungsaktion nach den Verdunlelungs- und Derwirrungsverfuche" seit Chequers beanspruchen muh.

Gewiß hat Dr. Marx ehrlichen und llar- blickenden Leuten nichts Neues gesagt, als er die Voraussetzungen wiederholte, unter denen die deutsche Regierung grundsätzlich das Sachverständigengutachten angenommen hat und bei deren Erfüllung sie bereit war und ist, die notwendigen Gesetze nicht nur dem Reichstag vorzulegen, sondern auch zur Durchführung zu bringen. Aber die Poincamsierung des Herrn Herriot und die bisherigen Erfahrungen mit der ilebertragung des vor der Welt so feierlich be­tonten Verständigungswillens in die Praxis seitens der neuen Männer in Paris und der alten Gewaltträger in Brüssel gaben dem Chef der deutschen Regierung Veranlassung genug, hundert­fach gesagte Selbstverständlichkeiten zu wieder­holen. Es mag eine Anzahl Leute in Deutschland geben, die jeden neuen Fußtritt, jeden neuen moralischen Backenstrich, jede neue Demütigung und Deklassierung hinnehmen wollen, wenn diese Strafe" von den demokratische'^ ober sozialistischen Gesinnungsgenossen im gegnerischen Lager ver­hängt wirb. Aber die Mehrzahl des deutscher, Volkes und gewiß auch die gegenwärtige deutsche Regierung haben so viel Achtung vor sich selbst und soviel Ehrgefühl, daß sie und zwar mit Recht die Beteiligung an einem Spiel ener­gisch ablehnen, bei dem der deutsche Michel mit verbundenen Augen einen in das Gegenteil des Entwurfes verkehrten Vertrag zwangsweise unterzeichnen soll.

Man wird aus diesem Grunde dem Reichs­kanzler zustimmen müssen, wenn er als einzige deutsche Bedingung fordert, dah der Sachverstän­digenbericht auch von der Ge^nseite d e m G e i st e und dem Inhalte gemäß beraten und durch- gefuhrt wird. Diese knappe Formel enthält in der Tat alles, was diejenigen' an Erwartungen und Wünschen, an Forderungen und Bedingungen für die Londoner Konferenz und die von ihr ?u gestaltende Zukunft Europas haben müssen, denen eine Lösung des Reparativnschaos und eine ehrliche Befriedung am Herzen liegt. Uni) es ist bezeichnend für die französischen Derdrehungs- und Fälschungsabsichten, wenn ein Blatt von der Bedeutung des PariserTemps" demgegenüber erklärt, Deutschland Hube mit gutem Bei Piel vor­anzugehen und keine Bedingungen zu stellen, zu­mal Frankreich dem Geiste des Berichtes ent­sprechend bereits gehandelt unb die Aus- gewiesenen zurückberufen Hube. Es ist müßig, auf das Verlogene dieser propagandistischen Stimmungsmache besonders hinzuwei eij. Ab.r es ist notwendig, auch für deutsche Ohren immer wieder zu betonen, daß der Sachverständigenbe­richt wörtlich erklärt:

Aus diesem Grunde sahen wir uns ge­zwungen, davon auszugehen, bah die steuerliche und wirtschaftliche Einheit des Reiches wieder her­gestellt wird, und auf dieser Voraus« setzung beruht unser Bericht."

Ferner liegen zwar Fragender politischen Sicherheiten unb Sanktionen" wir auch,der mili­tärischen Besetzung" außerhalb des Auftrags der Sachverständigen, wie der Bericht besagt Aber er fährt fort:

Es ist jedoch unsere Pflicht, deutlich hervorzuheben, daß unsere Vorschläge auf der Annahme beruhen, daß die wirt­schaftliche Tätigkeit durch keine andere fremde Organisation als die hier vorgesehene Heber- wachung (durch, Kontrolleure! Die Schrift!.) behindert und beeinträchtigt wird. Folglich beruht unser Vorschlag auf der Voraus­setzung, daß, die bestehenden Maß­nahmen, insoweit sie diese Tätigkeit behin­dern, rückgängig gemacht oder hin- reich en d abgeändert werden, sobald Deutschland zur Ausführung des vorge­schlagenen Planes schreitet . . .

Für Rormalmenschen von ungetrübtem Ver­stand heißt dies klar und unzweideutig, dah die Wiederherstellung der wirtschaftlichen unb ad­ministrativen Souveränität der deutschen Regie­rung im besetzten Gebiet, da sie Voraus­setzung für die Durchführung des Dawesplanes ist, vor der Inkraftsetzung der entsprechenden deutschen Gesetze erfolgt sein muh. Ebenso hat die Räumung der vertragswidrig besetzten deut­schen Gebiete und damit die Wiederherstellung des Zustandes vom Datum der plnterzeichnung des Versailler Diktats an dem Tage zu er­folgen, an dem die deutschen Maßnahmen Ge­setzeskraft erhalten. Es darf diesmal, und es wird aller Voraussicht nach, diesmal von deut­scher Seite keinem Kompromiß, keiner Verände­rung und Verdrehung dieser klaren Destimmäu­gen zugestimmt werden. Denn es hieße das deutsche Doll betrügen und Schindluder mit seinen lebenswichtigsten Interessen spielen, wenn die ungeheuerlichen Opfer des Sachver- ständigsnplanes von ihm dargebracht irerbm sollten, auf der Basis eines Vertrages, dessen bereits angenommene Grundsätze von ber Oeaenr