das Atmen erschwert. Eine selbstverständliche Dor- aussetzung ist dabei aber geeignete Kleidung. Hierbei „spartanisch" Vorgehen zu wollen, rächt sich bitter. Ein Kind macht sich ija für ge- wöhnlich so viel Bewegung, daß es schneller warm wird als ein Erwachsener, der langsam und gesetzten Schrittes dahergeht. Doch! kühlt das Kind auch rascher wieder ab. Jedenfalls muß es bei kaltem Wetter warm angezogen sein. Sinnlos ist eine WhäctungsMethode, die ihren Stolz bann setzt, die Kinder mit Halbstrümpfen und hochsommerlicher Kleidung ^hecumlaufen zu lassen, wenn sie infolge der Kälte zittern und schauderns Immer die Kinder ins Freie, aber immer in genügend warmer, im Sommer genügend leichter Kleidung! i
Don manchen Aerzten werden Luftbäder für kleine Kinder sehr empfohlen. Bei vernünftiger, nicht übertriebener Anwendung sind sie zweifellos imstande Gutes zu leisten. Die Kinder werden beim Luftbad abends vor dem Schlafengehen kurze Zeit ganz entkleidet, was ihnen großes Der- gnügen bereitet und auch günstig auf die Tiefe des Schlafes einwirkt. Rur gesunde, nicht erkältete Kinder dürfen Luftbäder nehmen, und höchstens fünf bis zehn Minuten, sonst wird die Abkühlung zu stark. In wärmeren Ländern und auch im Sommer im Freien lassen sich längere Luftbäder zum Auhen für die Kinder durchführen. 3m Winter muh das Zimmer in dem das Luftbad genommen wird, natürlich erwärmt sein.
Zur Abhärtung der Lungen wie des ganzen Körpers ist das Schlafen bei offenem F e n st e r da, wo wirklich frische Luft hereinkommt, sehr zu empsibien. Die ständige Erneuerung dec verbrauM'en Lust und ihr Ersatz durch sauerstoffreicher^ ist für die Ätnrungs-
organe gut; auch der Schlaf erfährt dadurch erwünschte Vertiefung. Hinreichende, der Zahces- zeit entsprechende Decken sind dabei unentbehrlich» Voraussetzung. Für Menschen, die von fügend auf gewähnt sind, bei offenem Fenster zu schlafen ist das Schlafen bei geschlossenem Fenster kaun erträglich auch' im Winter. Säuglinge und klerm Kinder sollten aber in der kalten Jahreszeit stets bei geschlossenem Fenster schlafen. Manche kleiner. Kinder schlafen von frühester Zagend an im > ungeheizten Raum und befinden sich wohl dabei Andere vertragen das jedoch nich.t, zumal sich Kinder sehr häufig im Laufe der Rächt laufdeckew 3m allgemeinen sollten Säuglinge im erwärmten Raum schlafen.
Wirklichen Erfolg wird man in der ganzen Abharlungsfrage nur mit völligem Eingehen auf die Eigenart jedes einzelnen Kindes haben. Wie cs salich ist, weit das Rachbarkind mit neun! Monaten schon laufen kann, das nun auch von dem eigenen ju erwarten, so unrichtig ist es, dem Kind den Mantel zu versagen, weil -ein anderes ohne Mantel bei kaltem Wetter herum- läuft. Richt nach Dorschriften, nicht nach einem falsch verstandenen „Ehrgeiz" darf man handeln wollen, sondern nur nach dem, was dem einzelnen Kind gut ist, und das erkennt man vor allem aw dem Einflust auf sein Allgemeinbefinden. 3n der Regel ist ja beim Kind viel wichtige.' als Wiegen, Messen und andere Untersuchangsmethoden die einfache Deobachtung, wie es sich fühlt, ob es vergnügt und munter ist, ob es spielt usw. Auch dir Abhärtungsbestrebungen werden nach dies-em Gesichtspunkt den größten Erfolg erzielen.
konkreten Deschwerdefälle aufgeführt |cim, und spricht gleichzeitig der deutschen Regierung das Recht ab, in einem Falle wie dem vorliegenden zu intervenieren.
Hierzu ist zu bemerken, dah die deutsche 'Gesandtschaft in Warschau nach Ueberreichung der Rote e i ne g rohe Zahl von Einzelfällen der polnischen Regierung namhaft machte, Falle, In denen deutsche Reichsangehörige in Polnisch- Oberschlesien m i st ha n de l t oder sonst terrorisiert woiDen waren. Abgesehen duv»n, dah die polnische Regierung ihrerseits anlählich dec in Deutsch-Oberschlesien im März vorgenommenen Deihaftung von ehemaligen 3nfurgenten deutscher Reichsangehörigkeit es für gut befand, die Aufmerksamkeit des Auswärtigen Amtes auf biete Vorkommnisse zu lenken, muh die deutsche Regierung das Recht für sich beanspruchen, bei der Regierung eines fremden Landes Dorstellungen zu erheben, wenn ihre Staatsangehörigen in diesem Lunde Verfolgungen und Ausschreitungen ausgesetzt sind.
Um Millerand.
Paris 15. Mai. (WTB.) Der Abgeordnete H e r r i o t. i>er sich zur Erholung nach Der Provence begeben hat, hat eurem Berichterstatt rr erklärt, die Linksrepublikaner wollten die Früchte ihres Sieges nicht verlieren, denn man müsse nach der starken Schwenkung, bte sich vollzogen habe, den Gewählten Zeit lassen. Er werde weder eine Entscheidung treffen noch werde er Stellung nehmen. Die Freunde Herriots erklärten, der Abgeordnete werde viel lieber einen a k t i ve n als einen repräsentativen Posten einnehmen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde sich, wie das „Oeuvre" schreibt, die Dinge folgendermaßen ab- spielen: Präsident Millerand werde Herriot ins Elhfee berufen und ihm Vorschlägen, die Ka- binettsbildung zu übernehmen. Werde der Präsident Dedingungen stellen, bann werbe Herriot aller Wahrscheinlichkeit nach gezwungen fein, seine Mitwirkung au versagen. Würden Line Dedingungen gestellt werden, dann werde er sich an die E o zsia listen wenden und ihre Mitwirkung fordern. Liber die Sozialisten feien über die Frage, ob sie an der Regierung teilnehmen wollten, geteilter Ansicht. Sie hätten nunmehr zum 1. Juni einen Kongreß einberufen, der darüber entscheiden solle. Spreche er sich für die'Beteiligung an der Regierung aus, dann werde
das Karten der Linken die Regierung übernehmen.
Spreche er sich dagegen aus, dann werde der mit der Regierungsbildung beauftragte Politiker andere Unterstützung suchen müssen. Würde Herriot die Kabinettsbildung aus irgendwelchen Gründen nicht übernehmen, dann werde Mille- tanb sich wahrscheinlich an D r i a nd wenden.
3m „Oeuvre" schreibt Robert de Houve- n e l, es verlautet daß M i l l e r a n d trotz der (Verpflichtungen, die er eingegangen sei, entschlossen sei, im Elhsäe zu bleiben. Er lasse sogar erklären, daß er zu diesem Zwecke z u allem bereit sei, ausgenommen allerdings zu Konzessionen in der Frage der Desehung des Ruhrgebietes, der Wiederaufnahme derDe- zlehungen zu Sowjetrußland und der Aushebung bet Dots chaf t beim Datika n. mit anderen Worten, Millevand wäre entschlossen, im Elys4e die Opposition zu organisieren gegen die Regierung, die die öffentliche Meinung des Landes vertreten würde.
3m „Populaire" schreibt der Vorsitzende der sozialistischen Partei, ßeon Blum, Millerand habe seinerzeit unumwunden erklärt, entweder ihr wühlt meine Leute wieder, oder Ich gehe! Das Land habe die Leute Millerands davongejagt, und wie sollte unter diesen ümftänben Millerand im Elysö: bleiben Tonnen?
Es scheine indessen, daß der Präsident der Republik, während Poincare begriffen habe, l seinerseits sich taub stelle.
Srine Offiziösen ließen bereits vernehmen, bah er* bereit sei, bie hohe Pflicht zu erfüllen, bie fetp Amt ihm auferiege, sei es auch mit einer! neuen Mehrheit und mit einem neuen Ministerium. Zunächst aber habe er gegenüber der öffentlichen Meinung und sich selbst gegenüber die wesentliche Pflicht zu erfüllen, seine Drohung auszufühten, b. h. Wort zu halten. Der Ur- terlsspruch des allgemeinen Wahlrechts beschränke sich nicht allein auf Millerand und Poincare, er treffe ein ganzes politisches Shstein. Er treffe alle diejenigen, die sich mit ihnen solidarisch erklärt hätten. 3m Lande habe sich eine Mehrheit gebildet mit dem Ziele, den nationalen Dlock niederzuschlagen. Das Gewerkschaftsblatt „Le Peuple" erklärt ebenfalls, der Präsident der Republik 'habe sich rückhaltlos in den Kampf der Parteien gestürzt und jetzt möchte man, daß er den Konsequenzen entgehe. Das würde unzulässig sein.
Der Fall Seitzer.
München, 14. Mai. (Korresp. Hvffm.) Die mehrfach in der Presse aufgetauchte Rachricht, bah Polizeioberst Seiher zwei schriftliche Ersuchen ber Staatsregierung, seinen Abschied «einzureichen, unerwidwt gelassen habe, ist unrichtig. Das zweite Schreiben wurde von ihm beantwortet, und zwar in ab lehnen dem Sinne. Daraufhin wurde ihm seitens der Staatsregierung die Absicht eröffnet, ihn zum 31. Aug. zu verabschieden. Gleichzeitig wurde er gebeten, bis auf weiteres einen Urlaub anzutreten. Da er letzterem Ersuchen nachzukommen sich weigerte, muhte er zur Wahrung ber dienstlichen Belange vorläufig vom Dienste enthoben werden. Gegen die ihm mitgeteilte Absicht der Verabschiedung hat Seiher innerhalb eines Monats auf Grund des Landespolizci- beamtengesehes ein Einspruchsrecht. Von dem Gange des Einspruchverfahrens hängt die endgültige Entscheidung ab. Das Verfahren schwebt also noch. — Die „Münchener Reuesten Rachrichten" melden: Posi;eioberst Seiher erhob gegen die ihm von ber Staatsregierung mitgeteilte Absicht seiner Verabschiedung Rechtsbeschwerde bei dem S t aa t s g e r i ch t s-- Hof, da er die Verabschiedung nicht zu recht bestehend anerkennen könne.
C«ue Lchlagcterfeier verboten.
Berlin. 14. Mai. (Wolff.) Der Polizeipräsident von Berlin hat den umer dem Vorsitz des Generalmajors a. D. Graf von der Goltz in Berlin gebildeten Ausschuß für die Schlageter- Eodächtnisse.er. berunt r Beteil gung einer großen Zahl vaterländiicher Derbäii.e am 24. Mai im Otabion eine Schlage er-Gedächtnisfsier veranstalten wollte, mitgeteilt, politische Veranstaltungen mit dem Ziele, ungewöhnlich große Men- schrnmengen an einem bestimmten Ort unter freiem Himmel zu vereinigen, könne er zur Zeit grunb- fählich nicht gestatten.
Parlamentarisches aus Hessen.
DvnunsererDaryistadter Redaktion.
D a r m ft a b t. 14. Mai. Der Finanzaus- schuh des Lanbtages erklärte In feiner heutigen Sitzung eine noch aus der 3nflativnszeit stammende Vorstellung des Aufsichtsrates ber Gewerbeschule zu Friedberg für erledigt. Eine Vorstellung des Direktors der Kunstgewerbeschule in Offenbach, Hugo Eberhardt, wurde zurückgestellt. Ebenso wurde ein Antrag Ebnev-Roth wegen Beschlagnahme von P rivateig:ntum zurückg stellt. Ang nommen wird ein Antrag Herbert über Geha11s - und Lohnzahlungen. Hiernach sollen diese Zahlungen den Teuerungsverhältnissen angeglichen werden. Ein Antrag Dr. Werner, der sich mit dem Gutachten von Prof. Dr. Berliner im Fall Wolf beschäftigt, wild zurückgezogen, da die Angelegenheit anderweitig geregelt werden soll. Ein Antrag Dr. Werner auf Abänderung des Minister-Rahe- gehaltsgesehes vom 16. Juli 1919 wird angenommen. Der Antrag will eine Revision dieses Gesetzes; ein entsprechender Gesetzentwurf soll dem Landtag zur Beschlußfassung unterbreitet werden. Ein Antrag Dr. Werner zur'
Ausländerfrage an den hessischen Hochschulen wird für erledigt erklärt. Der Antrag verlangt u. a. Sondergebuhren. 3nzwischen haben sich aber die Verhältnisse so geändert, daß die Ausländer, ^namentlich aus valutaschwachen Ländern, den deutschen Hochschulen fernbleiben. Sodann beschäftigt sich der Ausschuh mit einem Antrag Storck zur Deamtenbesvldung. Der Antrag will eine Aufbesserung der Gehälter der unteren und mittleren Beamten, ferner eine Nachprüfung der Desvldungsverhältnlsse, sowie die Gewährung einer einmaligen Beihilfe an die unteren und mittleren Beamten. Die erste und die letzte .Forderung wurden für erledigt erklärt, angenommen dagegen das Verlangen nach einer Revision. Die Spannung zwischen den Gehältern ber oberen und mittleren Beamten soll etwa 10—12 Proz. betragen. Ein Antrag Dr. Osann wegen Erhöhung der Gebühren ber Technischen Hochschule und ber Landes Universität, ber noch aus ber 3n- flationszeit stammte, wird für erlebigt erklärt. Eine Regierungsvvr läge über die Dienstauf- wandentschädigung für Beamte ber Kriminal-undSpezialpvlizei sieht 12 Gmk. Entschädigung monatlich vor. Diese wird allgemein für zu gering gehalten. Der Ausschuß nimmt die Vorlage an, erhöht aber die Summe auf 20 Mark. Die Anträge Storck und Dr. Osann zu dem gleichen Gegenstand werden für erledigt erklärt. — Morgen wird mit der Beratung HÄ Hauptvvranschlags begonnen.
Kleine politische Nachrichten.
Der Reichspräsident hat nach seiner Rückkehr von der Kölner Messe an den Ober
bürgermeister von Köm ein ^amstyretven für den herzlichen Empfang gerichtet.
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Der Reichsverband der Rhei nlä n de r erließ einen warnenden Aufruf gegen bie geplante Wimmung in Hannover.
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Die .Hallesche Allgemeine Zeitung" meldet, dah drei Mitglieder der bayerischen vaterländischen Verbände, bie am Sonntag amDeutschen Sag in Halle teilgenommen haben, vermißt würden. Einer ber Vernähten sei, bem Blatt zufolge, mit zahlreichen Stichwunden tot aus der Saale gezogen worden. Eine amtliche Bestätigung dieser Rachricht liegt nicht vor.
Die Spitzenorganisationen der Beamten haben eine Aktion zur Besserung der wirtschaftlichen Lage der Beamten eingeleitet. Das Reichssinanzm! nisterium hat eine Prüfung der Lebenshaltungskosten zugesagt. Auch soll erneut nachgeprüft werden, ob eine Erhöhung der Gehälter für das Reich tragbar ist.
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3m britischen Unterhaus wurde der Antrag der Konservativen auf Beibehaltung der Mac- Kenna-Abgabe auf Motorfahrzeuge u. a. nach erregter Debatte mit 317 gegen 252 Summen abgelehnt. *
3n Veldes (Jugoslawien) fand eine Begegnung des auf seiner Romreise befindlichen tschechoslowakischen Außenministers Dr. Benes ch mit dem serbischen Außenminister Rin- t s ch i t s ch statt.
Die serbische Regierung hat in Paris mitteilen lasten, dah die Reise des Königspaares, das zu einem offiziellen Besuch am 25. Mai in Paris eintreffen wollte, tragen der serbischen Mini'lcrkrisis auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 15. Mai 1924.
Postpaket und Expreßgut.
Wie man ein Postpaket aufgibt, weiß jedermann. Was aber Expreßgut ist, weih außer wenigen Geschäftsleuten fast niemand. Expreßgut ist die schnellste Güterbeförderung auf der Eisenbahn. Expreßgut kann man an jedem Gepäckschalter, solange er geöffnet ist — auf großen Bahnhöfen also während der ganzen Rächt — gegen Zahlung der Exprehgutsracht nach fast allen deutschen Stationen aufgeben. Man schreibt auf das Paket den Empfänger und den Bahnhof und füllt eine Eisenbahnpaketadresse aus, die man am Schalter erhalt. Expreßgut wird mit den schnellsten Zügen, auch mit fast allen O-Zügen, befördert und geht auf Uebergangsstationen auf den nächsten Anschlußzug über. Es reift infolgedessen wesentlich schneller als ein gewöhnliches Postpaket, das nur mit bestimmten Zügen (meist Personen- und besonderen Postzügen) befördert toirb und auf den Uebergangsbahnhöfen häufig einige Zeit liegen bleiben muh. Vielfach ist bie Beförderung des Expreßgutes sogar schneller als bie ber bringenben Postpakete, die breifache Gebühr kosten. Freilich darf ein Rachteil nicht verschwiegen werden: in den meisten — nicht in allen — Orten werden die Postpakete ohne besondere Gebühr bem Empfänger ins Haus gefahren, Expreßgut dagegen wird meist von Der Dahn nicht zugestellt, sondern der Empfänger wird von der Ankunft benachrichttgt und muh die Sendung am Gepäckschalter selbst abholen. 3n den Bezirken einiger süddeutscher Reichsbahndirektionen, besonders in Württemberg, erfolgt die Zustellung schon jetzt durch bahnamtliche Rollfuhrunternehmer. Mit dem Verfahren wird zur Zeit auch in einigen anderen Bezirken ein Versuch gemacht. Bewährt er sich, so wird voraussichtlich allgemein bie Zustellung gegen eine mäßige Gebühr erfolgen. Die Kosten der Beförderung als Postpaket und Expreßgut lassen sich schwer vergleichen, da die Post nur 3 Entfernungszonen (bis 75, bis 375 und über 375 Kilometer) hat, während 'bie Exprehgutfrachten ziemlich gleichmäßig mit der Entfernung wachsen. Außerdem richten sich bei ber Post die Gebühren genau nach dem Gewicht (3, 5, 6, 7, 8 usw. bis 20 Kg.), dagegen wird bei Expreßgut das Gewicht auf 5, 10, 20, 30 usw. Kg. aufgerundet. Auf weite, Entfernungen ist infolgedessen das Postpaket regelmäßig billiger, während im Nahverkehr und besonders bet schweren S tücken die Post vielfach teurer ist. So kosten z. B. 5, 10, 20 Kg. auf 100 Kilometer Entfernung (bei der Post wird die Luftlinie, bei der Bahn der Dahnweg zugrunde gelegt) als Postpaket 80 Pf., 1,30 Mk. und 3,20 Mk., als Expreßgut nur 40 Pf., 80 Pf. und 1,50 Mk. Landwirtschaftliche Erzeugnisse (Butter, Eier, Käse, Obst, Beeren, frisches Gemüse) werden bis 100 Kilometer zum halben Expreßgut-
iay — Mindestfracht 40 Pf. — befördert, so baß für sie Expreßgut fast durchweg billiger als Postpaket ist. Endlich wirb bei Verlust von Expreßgut (außer bei sog. Kostbarkeiten) der vollc nachgewiesene Wert ersetzt, während bei gewöhnlichen Postpaketen nur feste Höchstbeträge erseht werden. Hiernach ist es Frage des einzelnen Falles, ob Die Beförderung als Postpaket, oder als Expreßgut zweckmäßiger ist. R.D.V.
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Gießener Wochenmarttpreise
am 15. Mai. (Händlerpreise.)
Es kosteten das Pfund: Butter 190, Matt« 35, Käse 50 bis 65, Weißkraut 5Y, gelbe Rüben 25 bis 30, rote Rüben 20, Spinat 70, Spargel 100 Zwiebeln 25, Meerrettich 40 bis 150, Schwarz- wurzeln 100, Rhabarber 40 Pfg; das Stück: Eier 11, Salat 50, Salatgurken 150, Lauch 10 bis 15, Rettich 40 bis 50 Pfg.; das Bund Ra- dieschen 20 Pfg.
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**SperrungderverlängertenLie° b i g ft ra ß e. Wegen Vornahme von Kanalisa- tions- und 3nftandsehungsarbeiten hat das Polizeiamt die Sperrung der verlängerten Liebig- straße vom Aulweg bis zum Erdkauterweg mil Wirkung vom 15. bis 30. ds. Mts. für ber Fuhrwerkverkehr ungeordnet.
** Eine öffen11 i che Seiet ti o n 3 ustus von Liebigs loojähtigem Professoren-Zubiläum (26. Mai 1924) wirb von der Gesellschaft Liebig-Museum in Gießen veranstaltet (vgl. die heu.igr Anzeige). Am Sonntag, 25. Mai, vormittags von 10 bis 11 Uhr, findet eine Ausstellung von Liebig-Erinnerungen statt, bei ber außer dem sonst sichtbaren Bestand eine große Zahl von Liebig-Briefen, Medaillen, Bildern usw. gezeigt werden. Rach einer Ansprache zur Feier hält um 11 Uhr Studienrat Dr. H e u ß e l einen Prvjektlvns-Dortvag über den sprechenden Film vorn Standpunkt der Erfindungslehre. Es wird gezeigt, wie diese überraschende technische Dorzauberung sprechender und singender Menschen als Abschluß einer langen Reihe von Erfindungen entstanden ift Rach dem Dortrag findet eine Zusammenkunft am Liebig- Denkmal statt. Am eigentlichen Hubiläumstage, Montag, 26. Mai, hält abends 8 Uhr im katholischen Dereinshaus Geheimrat Elbs einen Vortrag über die Geschichte des chemischen Unterrichts in Deutschland. Darauf folgt die Rezitation der Komödie „Die Goldmacher (von R. Sommer) durch Regisseur 03 o Id. Dieses Stück bildet die Fortsetzung ber zur Einweihung des Mussums, am 26. März 1920, aufgeführten „Chemischen Hexenküche" und stellt die Figur des großen Chemikers mitten hinein in das soziale Geschehen der Gegenwart seit Ausbruch des großen Krieges. Das Museum befindet sich in großen finanziellen Schwierigkeiten, die, so hofft man, durch diese Veranstaltung wenigstens zum Teil behoben werden können.
" Pvlizei-Oberfekretär Ludwig Sier beim hiesigen Polizeiamt tritt mit dem heutigen Tage aus Gesundheitsrücksichten auf Ansuchen in den wohlverdienten Ruhestand. Am 15. Hanuar 1882 trat er beim Polizeiamt dahier em und übernahm später die Leitung des Meldeamts. 42 Jahre seines Lebens hat er dem Poli- zeidienft gewidmet. Er hat eS verstanden, während seiner D^nstzeit den Ausbau des Meldeamts zu fördern. Durch sein leutseliges, zuvorkommendes Wesen hat er sich die -Wertschätzung weiter Kreise der Einwohnerschaft erworben. Auch bei feinen Vorgesetzten und Kollegen erfreut er sich des besten Ansehens und größter Beliebtheit. Don feiten des Pvlizeiamtes und seiner Kollegen tourt* ihm aus Anlaß seines Scheidens eine wohlverdiente Ehrung zuteil.
"Das gestrigeAnlagenkon zeit unsererMilitärkapelle unter der Leitung des Obermusikmeisters L ö b e r hatte sich eines Massenbesuchs zu erfreuen, wie man ihn bei solchen Konzertgelegenheiten seit langer Zeit nicht mehr feststellen konnte. Die Darbietungen der Kapelle bereiteten dem Publikum eine gute Unterhaltung und wurden in sehr anerkennender Weise besprochen. Zu wünschen wäre nur, daß die Kapelle zu der früheren Gepflogenheit der Sonntagsmittagskonzerte zurückkehrte, damit all denen, die auch ein 6-Uhr- Rachmittagskonzert wegen geschäftlicher Behinderung nicht besuchen können, Gelegenheit geboten würde, diesen dankenswerten Beran- staltungen beizuwohnen.
** Ein lebhafter Auftritt spielte sich in der letzten Rächt gegen 1/212 Uhr im Seltersweg am Teufelslustgärichen ab. Dort gerieten die Händler Haßler und Klein, die schon seit längerer Zeit in Feindschaft liegen, anetnanber. Haßler, der den Klein angeblich schon mehrfach bedroht hatte, soll den Zusammenstoß durch eine neue tätliche Bedrohung
Abhärtung des Kindes.
Don Dr. W. Schweisheimer. t
Es ist nicht mögliche, eine Begegnung mit Rrankheitskeimen aller Art zu vermeiden. Drum ist es von so großer Bedeutung, den Körper so zu kräftigen, daß er eingedrungene Keime rasch unschädlich machen und wieder entfernen kann. Die Disposition zu Krankheiten d. h. die 'Bereitschaft zur Erkrankung, muß von frühester Jugend an nach Möglichkeit vermindert werden. Ein» Erkältung, eine örtliche Unterkühlung schasst sofort Punkte verminderter Widerstandsfähigkeit jm Körper; dort siedeln sich die iKrank- hcitskeirne an. So ist es zu erflären, ldaß Menschen, die zu Erkältungen neigen, viel häufiger erkranken als andere, bei denen das nicht wer Fall ist. Das Ziel vernunftgemäßer Körperausbildung muß es daher sein, die Okeigung izu Erkältungen ^herabzusetzen. Ein wichtiges Mittel dazu ist -- Abhärtung des Körpers gegen Wiiterungseinflüsse und plötzliche Temperaturänderungen. I
Was b»weckt Abhärtung? Der ganze Körper, namentlich Die Haut, soll so geübt werden, 'daß bei eintretenden Q3eränberungen in Temperatur und Feuchtigkeit die natürlichen Schutzmittel rasch in Tätigkeit treten können. Die Blutgefäße der Haut erweitern sich bei 'Därme, verengen sich bei Kälte ber Umgebung. Ze nachdem gibt 'die Haut mehr oder weniger OBärme ab. Durch 'geeignete Abhärtung sollen die Blutgefäße ber Haut erlernen, sich rasch zusammenzuziehen unb wieder auszudehrren, wie es gerade nötig ist. Auf diese Meise gelingt es. örtliche Unterkühlungen zu vermeiden. Die Schaffung eines Angrifsspunttes W Kr^nrheiM^^vird jgbgffi vermieden.
Tas Bestreben, Kinder frühzeitig abzuhärten, geht also von einem sehr richtigen Gesichtspunkt aus. Rur wird nicht immer in der i richtigen Art dabei vorgegangen. Gerade bei Kindern muß man bedenken, daß hier ein zwar junger, daher elastischer und anpassungsfähiger Organismus voiliegt, daß man ihn aber nicht künsllich und naturwidrig unter Bedingungen bringen darf, die nicht geeignet für ihn sind. Dorübergehende oder länger währende Schädigung ist sonst die sichere Folge.
Gewiß ist, daß mit unvernünftiger Anwendung der K a l t w a s s e r a b h ä r t u n g bei Kindern schon viel Schaden angerichtet worden ist. Eine Zeitlang war es gewissecmaßen Mode, die Kinder dadurch abzuhärten, daß man sie abends oder morgens in eine Wanne mit leitungskaltem Wasser ober unter eine kalte Dusche brachtet. Das „abhärtende" Prinzip bestand darin, die Zeit dieses kalten OSadens allmählich immer meßt zu verlängern. Als Folgeerscheinung trat aber feine gesundheitliche Förderung ein sondern es kam zu Dlutannut. häufigen Katarrhen und recht beträchtlicher Rervosität.
Zur vernunftgemäßen Abhärtung wird man die Luft benützen. Die Kinder gehören von; Jugend auf möglichst viel ins Freie, bei Regen und Wind so gut wie bei mildem Wetter unb Sonnenschein. Das Kind das ängstlich vor jedem Windhauch behütet und beim kleinsten Regen gleich im Zimmer gehalten wird, das ist Erkältungskrankheiten viel mehr ausgesetzt, als das Kind, das sich an wechselnde Witterung gewöhnt hat und daher abgehärtet ist. Rur selten wird die Witterung einmal das Kind wirklich ans Haus bannen müssen, nämlich dann, wenn heftiger, durLnsissender Regen herrscht oder eisiger Wipd


